{"id":10503,"date":"2022-02-27T11:00:17","date_gmt":"2022-02-27T10:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10503"},"modified":"2022-11-18T12:18:38","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:38","slug":"predigt-psalm-14-gebet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-psalm-14-gebet\/","title":{"rendered":"Predigt: Psalm 14   &#8211;   Gebet"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-SL-Gebet-8_Ps14-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Weisheit f\u00fcr unsere Zeit<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDer Tor sagt in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott. Sie handeln verderbt, handeln abscheulich; da ist keiner, der Gutes tut.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Psalm 14,1 )<\/p>\n<p>Wir lesen heute einen sogenannten Weisheitspsalm. Psalm 111,10 sagt: \u201eDie Furcht des HERRN ist der Anfang der Weisheit. \/ Gute Einsicht ist sie allen, die danach handeln. Sein Lob hat Bestand f\u00fcr immer.\u201c Wir finden in unserem Psalm sprichw\u00f6rtlich Weisheit. Es geht darum, Gott zu f\u00fcrchten, weil das der Anfang aller Weisheit ist. Oder umgekehrt formuliert, Vers 1 von unserem Text sagt: \u201eDer Tor sagt in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott. Sie handeln verderbt, handeln abscheulich; da ist keiner, der Gutes tut.\u201c Gott zu verleugnen oder zu ignorieren, ist die Definition von Dummheit; nicht deshalb, weil es unintelligent oder hirnverbrannt ist. Es ist Dummheit im Sinne von als Gegenteil von Weisheit; Dummheit, weil es realit\u00e4tsfremd ist.<br \/>\nDas Problem ist, dass es nicht nur unweise ist, Gott auszuklammern. Es bringt tiefgreifende Probleme mit sich: die menschliche Bosheit. Und weil diese Aussage sehr leicht missverstanden werden kann, muss ich gleich sagen, was ich damit nicht meine: Ich sage nicht, dass Menschen, die nicht an Gott glauben, die B\u00f6sen sind; ich sage auch nicht, dass Atheisten in irgendeiner Form schlechtere Menschen sind; ich sage noch nicht einmal, dass man an Gott glauben muss, um gute Dinge zu tun. Das, was die Bibel sagt, ist, dass das fundamentale Problem der Menschheit, darin besteht, dass sie leben, als ob es keinen Gott gibt. Es ist der Ursprung aller Verlorenheit.<br \/>\nDer Text zeigt uns drei Dinge in Bezug auf diese Verlorenheit: erstens, die Verlorenheit drau\u00dfen; zweitens, die Verlorenheit drinnen; und drittens, Gottes Rettung inmitten dessen.<\/p>\n<p><strong>1. Die Verlorenheit drau\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p>In Vers 4 beklagt sich der Psalmist: \u201eHaben denn all die \u00dcbelt\u00e4ter keine Einsicht? \/ Sie fressen mein Volk, als \u00e4\u00dfen sie Brot.\u201c Und in Vers 6 ist von den Armen die Rede. Eine Konsequenz, in der sich Gottlosigkeit \u00e4u\u00dfert, ist das Leiden unschuldiger Menschen durch die Hand ihrer Unterdr\u00fccker. Unter der Bosheit leiden die Menschen, die sich nicht verteidigen k\u00f6nnen. Die Armen leiden unter den Reichen; die Kleinen werden von den Gro\u00dfen niedergehalten; die Wehrlosen werden von den Wehrhaften tyrannisiert; die Schwachen werden von den Starken aufgefressen. Nicht nur das, David sagt: \u201eSie fressen mein Volk, als \u00e4\u00dfen sie Brot.\u201c Es geschieht mit einer grotesken Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<br \/>\nNormalerweise versuche ich das, was die Bibel sagt durch Beispiele zu illustrieren; sei es durch Filme, Literatur oder aktuelle Ereignisse. Der Grund, weshalb ich immer versuche, das, was die Bibel sagt, durch Illustrationen zu untermauern, ist der, dass ich zeigen m\u00f6chte, dass das, was die Bibel sagt, nichts von ihrer Relevanz verloren hat. Die Bibel mag alt sein, aber sie ist nicht altmodisch.<br \/>\nIn den letzten Tagen hat sich auf der Weltb\u00fchne etwas ereignet, was unseren Text sehr akkurat widerspiegelt; und es ist eine Illustration, auf die wir alle liebend gerne verzichtet h\u00e4tten: Russland hat die Ukraine angegriffen. Ein Satz, den wir dabei immer wieder geh\u00f6rt haben, ist, dass unsere Welt nicht mehr dieselbe ist. Wenige Tage vor dem Einmarsch hat David Leonardt sehr akkurat zusammengefasst, weshalb der Angriffskrieg so schockierend und best\u00fcrzend ist. Leonardt argumentiert, dass es seit dem Ende des 2. Weltkriegs Vertr\u00e4ge und Abmachungen zum V\u00f6lkerrecht gibt, an die sich die meisten Nationen seither gehalten haben. Manche haben diese Stabilit\u00e4t \u201ePax Americana\u201c genannt (in Anlehnung an die Pax Romana in der Antike).<br \/>\nLeonardt schreibt: \u201eDer relative Frieden hat enorme Vorteile mit sich gebracht. Der Lebensstandard ist gestiegen, und die Menschen leben im Schnitt l\u00e4nger, ges\u00fcnder und komfortabler als ihre Vorfahren. In den letzten Jahrzehnten waren die gr\u00f6\u00dften Zuw\u00e4chse in den L\u00e4ndern mit niedrigem Einkommen zu verzeichnen. Der R\u00fcckgang der Kriege hat dabei eine zentrale Rolle gespielt: zu Beginn dieses Jahrhunderts war die Zahl der Menschen, die in bewaffneten Konflikten starben, auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gefallen. \u2026 Ein russischer Einmarsch in die Ukraine w\u00fcrde wie eines der Kriege aussehen, der in den letzten 80 Jahren weitgehend ausgeblieben und fr\u00fcher \u00fcblich war. Es w\u00fcrde bedeuten, dass eine m\u00e4chtige Nation ihre regionale Vorherrschaft durch die \u00dcbernahme eines Nachbarn ausbauen will. Ein solcher Krieg &#8211; ein gewollter Angriffskrieg &#8211; w\u00e4re ein Zeichen daf\u00fcr, dass Putin glaubt, die Pax Americana sei vorbei und die USA, die Europ\u00e4ische Union und ihre Verb\u00fcndeten seien zu schwach geworden, um schmerzhafte Konsequenzen zu ziehen.\u201c<br \/>\nAuf der Arbeit habe ich eine Kollegin, die aus der Ukraine stammt. Sie hatte \u00fcber die Feiertage noch ihre Familie in der Ukraine besucht. Das sind gerade mal zwei Monate her. Im Moment versucht sie alles, um ihre Familie aus dem Land herauszubekommen. Was bleibt ist ein Gef\u00fchl der Hilflosigkeit: weil das Blutvergie\u00dfen so sinnlos, so unn\u00f6tig und doch so real ist; weil die \u00dcbermacht der Aggressoren so gro\u00df ist; weil es so wenig gibt, was man dagegen tun kann.<br \/>\nEs ist nicht zu leugnen, dass der einseitige Aggressor in dieser Geschichte die Russen sind. Nat\u00fcrlich ist Putin der B\u00f6sewicht unserer Zeit. Aber das ist noch lange nicht alles. Wir sehen ein anderes Dilemma in der Zaghaftigkeit und Halbherzigkeit, mit der die westlichen Staaten reagieren. Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreistr\u00e4ger Paul Krugman beschrieb die Schwachstellen der russischen Regierung. Er schrieb einen Artikel mit dem Titel: \u201eGeldw\u00e4sche k\u00f6nnte Putins Achillessehne sein\u201c. Frage ist dann, wird der Westen diese Schw\u00e4che nutzen?<br \/>\nKrugman analysiert: \u201eHier gibt es zwei unbequeme Tatsachen. Erstens ist eine Reihe einflussreicher Personen, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik, finanziell eng mit russischen Kleptokraten verflochten. \u2026 Zweitens wird es schwer sein, gegen gewaschenes russisches Geld vorzugehen, ohne allen Geldw\u00e4schern das Leben schwer zu machen, egal woher sie kommen. \u2026 Ultrareiche Menschen auf der ganzen Welt haben Geld auf Offshore-Konten versteckt. Was das bedeutet, ist, dass wirksame Ma\u00dfnahmen gegen Putins gr\u00f6\u00dfte Schwachstelle nur dann m\u00f6glich sind, wenn man sich der Korruption des Westens stellt und sie \u00fcberwindet.\u201d Was Krugman sagt, ist, dass wir mit dem korrupten System der Russen eng verflochten sind. Wir sind wahrscheinlich so sehr Teil des gleichen Systems, dass wir nur schwerlich in der Lage sein werden, Bosheit zu konfrontieren, weil wir die gleiche Bosheit bei uns konfrontieren m\u00fcssten.<br \/>\nDie meisten von uns sind in einer relativ beh\u00fcteten Umgebung aufgewachsen. Ich will gar nicht sagen, dass wir alle ein einfaches Leben hatten. Manche von uns hatten ein wirklich hartes Leben mit vielen Leiden und Anfechtungen. Aber Fakt ist, dass wir in einem der politisch, wirtschaftlich, demokratisch stabilsten und wohlhabendsten L\u00e4ndern, nicht nur unserer Zeit, sondern die es jemals gegeben hat. Wenn man in einer solchen Umgebung aufw\u00e4chst und lebt, k\u00f6nnte man leicht den Eindruck erhalten, dass die Welt so schlimm nicht sein k\u00f6nnte.<br \/>\nDie jungen Menschen in der Gemeinde: vielleicht hab ihr euer Leben schon einigerma\u00dfen durchgeplant. Vielleicht habt ihr eure kurz- und mittelfristigen Ziele schon fest im Blick: ein erfolgreicher Schulabschluss und ein spannendes Studium; dazwischen vielleicht noch die gro\u00dfe Liebe des Lebens finden; danach ein toller Job und Geld verdienen, und das einzige, das dann noch kommt, ist, gl\u00fccklich bis ans Lebensende zu sein, \u201eund wenn ich nicht gestorben bin, dann lebe ich noch in 70 Jahren\u201c. Hauptsache gesund, Hauptsache gute Freunde haben und nette Familie. Gott passt nat\u00fcrlich auch noch in dieses Leben rein. Und wisst ihr, unterbewusst war das auch die Art und Weise, wie ich gedacht habe. Es geschieht so einfach, dass man in einer Blase lebt.<br \/>\nVielleicht ist die Ukraine-Krise der Realit\u00e4tscheck, den wir gebraucht haben. Vielleicht ist es das Signal, das wir gebraucht haben, um zu verstehen, dass wir in einer korrupten und gefallenen Welt leben; dass wir von Bosheit und Ausbeutung umringt sind; dass Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung m\u00f6gen vielleicht ab und zu ihre Pausen einlegen, aber sie sind immer Teil der Welt, in der wir leben. Und es bedeutet, dass wom\u00f6glich unsere Erwartung und unsere Vorstellung, ein komfortables und sch\u00f6nes Leben zu f\u00fchren, nicht vern\u00fcnftig sind. Es ist realit\u00e4tsfern und unweise.<br \/>\nWir sehen also die Verlorenheit drau\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>2. Die Verlorenheit drinnen<\/strong><\/p>\n<p>Verse 1b und folgende sagen: \u201eSie handeln verderbt, handeln abscheulich; da ist keiner, der Gutes tut. Der HERR blickt vom Himmel herab auf die Menschen, \/ um zu sehen, ob ein Verst\u00e4ndiger da ist, einer, der Gott sucht. Sie alle sind abgewichen, alle zusammen sind verdorben, \/ da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht ein Einziger.\u201c Paulus zitiert diese und andere Verse im R\u00f6merbrief. Und er schreibt dazu: \u201eDenn wir haben vorher die Anklage erhoben, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Herrschaft der S\u00fcnde stehen, wie geschrieben steht: \u201ees gibt keinen, der gerecht ist, \/ auch nicht einen\u2026\u201c<br \/>\nWenn wir uns mit Leuten wie Putin, Kim Jeong-Un, Assad und den ganzen anderen Schurken dieser Welt vergleichen, dann w\u00fcrden wir sicherlich sagen: \u201eNat\u00fcrlich bin ich nicht so schlimm wie sie. Ich habe niemanden ermordet, habe keine Gegner weggesperrt, ich bin nicht so machtbesessen und unmoralisch.\u201c Aber wenn Paulus unseren Psalm zitiert, dann will er damit sagen, dass alle Menschen von Gott abgefallen sind; dass niemand sich in irgendeiner Form anma\u00dfen kann, besser zu sein; dass es qualitativ keinen Unterschied in der Verlorenheit von allen Menschen gibt. Diejenigen unter uns, die theologisch gebildet sind, werden sich vielleicht sagen: \u201eIch glaube an das, was die Bibel sagt. Nat\u00fcrlich sind wir alle gleich.\u201c Aber wenn wir ganz ehrlich sind, wenn wir wirklich in unser Herz schauen, was sehen wir dann? Wir sagen nicht: \u201eWir sind besser als die anderen.\u201c Wir sagen: \u201eWir sind viel besser als die Schlimmen da drau\u00dfen.\u201c<br \/>\nDie Aussage von Vers 3: \u201e\u2026 da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht ein Einziger\u201c braucht etwas Erkl\u00e4rung. Denn nat\u00fcrlich tun wir gute Dinge. St\u00e4ndig. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie die Welt aussehen w\u00fcrde, wenn nicht unz\u00e4hlig viele Menschen Gutes tun w\u00fcrden: der Oma im Haus den Einkauf hochtragen, f\u00fcr wohlt\u00e4tige Zwecke spenden, sich ehrenamtlich zu engagieren, Blut spenden, sozial benachteiligten Kindern Nachhilfe zu geben, oder einfach ein gro\u00dfz\u00fcgiger Freund sein, seine Familie lieben, die Ehe und den Ehepartner in Ehren halten. Was meint der Psalmist dann damit, dass niemand Gutes tut, auch nicht ein Einziger?<br \/>\nLetztes Jahr haben wir das Gleichnis von den verlorenen S\u00f6hnen aus Lukas 15 studiert. Wir haben gesehen, dass es zwei S\u00f6hne gab, die unterschiedlicher nicht h\u00e4tten sein k\u00f6nnen. Und wir haben gesehen, dass beide S\u00f6hne verloren waren. Der eine Sohn war verloren, weil er ein ziemlich schlechtes Leben gef\u00fchrt hatte, das war ziemlich offensichtlich. Der \u00e4ltere Sohn war verloren, nicht einfach nur, obwohl er Gutes tat; er war verloren, wegen seiner guten Taten, weil es gerade diese guten Taten waren, die ihn daran hinderten, den Vater zu lieben. Mit anderen Worten, seine guten Taten waren am Ende des Tages nicht f\u00fcr den Vater, sie waren f\u00fcr sich selbst.<br \/>\nHier ist das, was der Text sagt. Jeder von uns tut schlechte Dinge am laufenden Meter. Wir l\u00fcgen, wir verhalten uns egoistisch, wir sind lieblos, ungeduldig, aufbrausend. Aber selbst die guten Dinge, die wir tun, tun wir aus verkehrten Motiven. Wir tun Gutes, um bei anderen Menschen gut dazustehen; und wenn nicht f\u00fcr andere, dann zumindest, um uns selbst in den Spiegel schauen zu k\u00f6nnen. Wir tun Gutes, damit unsere Egos gestreichelt werden oder damit wir jemand sind oder um etwas zu erreichen, auf das wir stolz sein k\u00f6nnen. Wir tun Gutes, um selbst die Kontrolle \u00fcber unser Leben zu haben; damit wir unsere eigenen Herren und Meister sein k\u00f6nnen; damit wir selbst auf dem Thron unserer Herzen sitzen k\u00f6nnen. Wir sind zutiefst selbst absorbierte Menschen. Im Herzen eines jedes einzelnen von uns befindet sich eine tiefe Selbstsucht und Selbstzentriertheit.<br \/>\nDer gro\u00dfe Erweckungsprediger George Whitefield predigte vor Tausenden von Menschen im Freien. Die Menschen liebten es, ihm zuzuh\u00f6ren, obwohl er sie auch immer wieder w\u00fcst beschimpfte: Er sagte ihnen, dass sie halb Tier und halb Teufel sind. Ich denke, dass er den Geist von diesem Text gut getroffen hat.<br \/>\nKurz eine Anwendung, bevor wir fortfahren. Wir sind grunds\u00e4tzlich so veranlagt, dass wir die Probleme nicht bei uns, sondern bei anderen vermuten: \u201edas Problem ist die Gesellschaft; das Problem sind die Konsumenten, die sich nicht um Nachhaltigkeit k\u00fcmmern; das Problem sind die verlogenen Politiker usw.\u201c Zu einem gewissen Grad stimmt das ja auch. Die Bibel ist da sehr differenziert. Nat\u00fcrlich wirkt sich die Bosheit drau\u00dfen auf uns aus. Nat\u00fcrlich sind die Menschen, die selbst Misshandlung erfahren haben, in gr\u00f6\u00dferer Gefahr, andere zu misshandeln. Aber am Ende des Tages muss jeder von uns seine eigene Verlorenheit konfrontieren. Die Bosheit ist in uns drinnen.<br \/>\nDas ist jetzt noch nicht die Anwendung. Die Anwendung ist die: in gewisser Weise ist das auch eine gro\u00dfe Befreiung. Was ich damit meine, ist folgendes: Du kannst diese Welt nicht ver\u00e4ndern. Wir k\u00f6nnen Putin nicht ver\u00e4ndern. Nicht einmal Biden, Macron und Scholz konnten das. Wir k\u00f6nnen auch nicht unsere \u00e4u\u00dfere Situation ver\u00e4ndern. Der Bereich, den wir beeinflussen k\u00f6nnen, ist extrem beschr\u00e4nkt, eigentlich minimal. Wir k\u00f6nnen noch nicht einmal unsere eigene Familie ver\u00e4ndern, die Kinder oder die schrecklich nervigen Eigenschaften des Ehepartners. Streng genommen sagt uns der Text, dass wir noch nicht einmal uns selbst ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Aber es gibt doch eine Sache, die wir tun k\u00f6nnen, die einen fundamental gro\u00dfen Unterschied ausmacht. Wir k\u00f6nnen unsere eigene Verlorenheit zugeben. Wir k\u00f6nnen zur Einsicht kommen, dass wir von unserer eigenen Bosheit Rettung brauchen.<br \/>\nUnd das bringt uns direkt zum letzten Punkt.<\/p>\n<p><strong>3. Gottes Rettung inmitten dessen<\/strong><\/p>\n<p>Bisher hat der Psalm vor allem davon gehandelt, was die Konsequenz dessen ist, wenn Menschen so leben, als ob es keinen Gott gibt. Wir haben die Verlorenheit, drau\u00dfen und drinnen gesehen. In Vers 7 sagt der Psalmist: \u201eWer bringt vom Zion her Rettung f\u00fcr Israel? \/ Wenn der HERR das Geschick seines Volkes wendet, jubelt Jakob, freut sich Israel.\u201c Zion ist eines der Berge in Jerusalem und wird oft als Synonym f\u00fcr die Stadt Jerusalem verwendet. Aber nicht nur das: Zion war auch der Berg, auf dem sich der Tempel befand: der Ort, an dem Gott den Menschen begegnet ist. Es war der Ort, an dem die S\u00fchneopfer gebracht wurden. Im Tempel fand ein Tausch statt: ein Leben wurde beendet, damit ein anderes gerettet werden kann. Nicht weit von diesem Tempelberg findet der wahre, der absolute, der definitive Tausch statt: Gott, der Mensch geworden ist, nimmt unseren Platz ein, damit wir seinen Platz einnehmen d\u00fcrfen. Jesus stirbt am Kreuz, damit wir leben k\u00f6nnen.<br \/>\nPraktisch alle Religionen dieser Welt sagen uns, was wir tun m\u00fcssen, um Gott zu finden: die f\u00fcnf S\u00e4ulen des Islam, der achtfache Pfad zur Erleuchtung im Buddhismus, der Zyklus aus Tod und Wiedergeburt im Hinduismus. Unser Text sagt aber etwas ganz anderes: Es gibt niemanden, der von sich aus Gott sucht. Wenn wir Vers 7 betrachten, dann sehen wir, dass Rettung aus Zion kommt. Im Hebr\u00e4ischen fehlt das Verb. Es ist einfach nur ein Ausruf: \u201eAch, Rettung aus Zion!\u201c Und weil das kein Deutsch ist, f\u00fcgen praktisch alle \u00dcbersetzungen das Wort \u201ekommen\u201c ein, z.B. die Elberfelder: \u201eK\u00e4me doch aus Zion die Rettung f\u00fcr Israel!\u201c Nur im christlichen Glauben sind es nicht die Menschen, die Gott suchen. Sondern Gott kommt, um uns zu suchen, uns zu finden. Gott kommt in die Verlorenheit dieser Welt und in unsere eigene, innere Verlorenheit. Jesus hatte von sich selbst gesagt: \u201eDenn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.\u201c Die Rettung ist zu uns gekommen vom Berg Zion. Nicht wir sind zum Tempel gegangen. Der Tempel ist zu uns gekommen, weil Jesus der wahre Tempel ist.<br \/>\nZwei Anwendungen zum Schluss. Die erste Anwendung ist, dass wir nicht mit Menschen k\u00e4mpfen. Wir haben gesehen, dass wir in einer verlorenen Welt leben und dass jeder einzelne verloren ist. Wir sind alle gleich, was das angeht. Unser Kampf ist nicht mit Menschen, nicht mit Fleisch und Blut, sondern mit M\u00e4chten und Gewalten der Finsternis. In dieser unglaublich polarisierten Zeit, ist es so einfach, auf andere herabzuschauen, andere zu d\u00e4monisieren: die Russen, die Rechtspopulisten, die Querdenker, die Impfgegner, die Rassisten. Aber Fakt ist: Wir sitzen alle im gleichen Boot. Wir sitzen alle auf dem gleichen Ast.<br \/>\nWenn es jemanden gibt, der Grund hatte, auf andere Menschen w\u00fctend zu sein, dann ist es Martin Luther King. An die Menschen, die ihn ins Gef\u00e4ngnis warfen, misshandelten, beschimpften, sagte er folgendes: \u201eWir werden eurer F\u00e4higkeit, Leiden zuzuf\u00fcgen, mit unserer F\u00e4higkeit, Leiden zu ertragen, begegnen. Wir werden eurer physischen Kraft mit seelischer Kraft begegnen. Macht mit uns, was ihr wollt, und wir werden euch trotzdem lieben. Wir k\u00f6nnen nicht mit gutem Gewissen euren ungerechten Gesetzen gehorchen und das ungerechte System ertragen, denn die Nichtkooperation mit dem B\u00f6sen ist ebenso eine moralische Verpflichtung wie die Kooperation mit dem Guten, also werft uns ins Gef\u00e4ngnis und wir werden euch immer noch lieben. Bombardiert unsere H\u00e4user und bedroht unsere Kinder, und wir werden euch immer noch lieben, so schwer es auch sein mag. \u2026 Schickt eure Propaganda-Agenten durch das Land und lasst den Anschein erwecken, dass wir kulturell und anderweitig nicht integrationsf\u00e4hig sind, und wir werden euch immer noch lieben. Aber seid euch dessen sicher, dass wir euch durch unsere Leidensf\u00e4higkeit zerm\u00fcrben werden, und eines Tages werden wir unsere Freiheit gewinnen. Wir werden nicht nur die Freiheit f\u00fcr uns gewinnen, sondern wir werden auf solche Weise an euer Herz und euer Gewissen appellieren, dass wir auch euch gewinnen werden, und unser Sieg wird ein doppelter Sieg sein.\u201c<br \/>\nDie zweite Anwendung ist, dass Jesu Tod und Auferstehung nicht nur unsere Rettung sind. Sie sind die Rettung der ganzen Welt. Eines Tages wird Gott alles neu machen. Eines Tages werden Tod und Leid, Krankheit und Korruption, Bosheit und S\u00fcnde ein Ende haben. Es wird der Tag kommen, an dem die Erkenntnis und Herrlichkeit Gottes das Land erf\u00fcllen werden, wie das Meer mit Wasser gef\u00fcllt ist. Es wird der Tag kommen, an dem alle Knie sich beugen werden vor Jesus.<br \/>\nWie d\u00fcrfen wir bis dahin in dieser verlorenen Welt leben? Die Antwort ist: mit Hoffnung. Wir hatten in den letzten Jahren und Monaten eine globale Pandemie, politische Unruhen, und jetzt Krieg in Europa. Als die Menschen die Atombombe erfanden, machten sich viele Menschen Sorgen, dass es das Ende der Welt ist. Als Antwort darauf schrieb C.S. Lewis einen Aufsatz.<br \/>\nHier ist das, was er schrieb: \u201eWie sollen wir in einem Atomzeitalter leben? Ich bin versucht, zu antworten: warum nicht wie man im 16. Jahrhundert gelebt h\u00e4tte, als die Pest London fast j\u00e4hrlich heimsuchte, oder wie man im Zeitalter der Wikinger lebte, als skandinavische Pl\u00fcnderer jede Nacht landen und einem die Kehle durchschneiden konnten, oder wie man heute schon lebt im Zeitalter des Krebses, der Syphilis, der L\u00e4hmung, der Luftangriffe, der Eisenbahnunf\u00e4lle und der Autounf\u00e4lle. Mit anderen Worten, wir sollten die Neuartigkeit unserer Situation nicht \u00fcberbewerten. \u2026 Du und alle, die du liebst, wart schon zum Tode verurteilt, bevor die Atombombe erfunden wurde, und ein ziemlich hoher Prozentsatz von uns wird auf unangenehme Weise sterben. \u2026 Dies ist der erste Punkt, den es zu beachten gilt, und die erste Ma\u00dfnahme, die wir ergreifen m\u00fcssen, ist, uns zusammenzurei\u00dfen. Wenn wir alle von einer Atombombe vernichtet werden, dann soll diese Bombe, wenn sie kommt, uns bei vern\u00fcnftigen und menschlichen Dingen antreffen &#8211; beim Beten, Arbeiten, Unterrichten, Lesen, Musikh\u00f6ren, Baden der Kinder, Tennisspielen, Gespr\u00e4chen mit unseren Freunden bei einem Bier \u2026 und nicht zusammengekauert wie ver\u00e4ngstigte Schafe, die \u00fcber Bomben nachdenken. Sie k\u00f6nnen unseren K\u00f6rper zerst\u00f6ren (eine Mikrobe kann das tun), aber sie m\u00fcssen nicht unseren Geist beherrschen.\u201c<br \/>\nDie Zitate von Martin Luther King und C.S. Lewis: wisst ihr, was das ist? Ein wirklich weises Leben in der Furcht Gottes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Weisheit f\u00fcr unsere Zeit \u201eDer Tor sagt in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott. Sie handeln verderbt, handeln abscheulich; da ist keiner, der Gutes tut.\u201c (Psalm 14,1 ) Wir lesen heute einen sogenannten Weisheitspsalm. 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