{"id":10471,"date":"2022-01-16T11:00:36","date_gmt":"2022-01-16T10:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10471"},"modified":"2022-11-18T12:18:41","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:41","slug":"predigt-1-mose-1816-33-gebet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-1816-33-gebet\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 18,16-33   &#8211;   Gebet"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2022-SL-Gebet-2_Gen18-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Abrahams F\u00fcrbitte<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eUnd Abraham trat hinzu und sagte: Willst du wirklich den Gerechten mit dem Ungerechten wegraffen? Vielleicht gibt es f\u00fcnfzig Gerechte innerhalb der Stadt. Willst du sie denn wegraffen und dem Ort nicht vergeben wegen der f\u00fcnfzig Gerechten, die darin sind?\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 18,23.24)<\/p>\n<p>Im Vorwort eines seiner vielen B\u00fccher schrieb der christliche Autor Hallesby1: \u201eIch glaube, es hat kaum ein Buch gegeben, das zu schreiben mir mehr am Herzen gelegen h\u00e4tte als dieses.\u201c Das Buch tr\u00e4gt den Titel: \u201eVom Beten\u201c. In der Tat ist Gebet ein f\u00fcr viele Christen, ja ein f\u00fcr viele Gemeinden sehr dringendes Thema. Dringend deshalb, weil es wohl kaum eine Handlung gibt, die f\u00fcr das geistliche Leben so wichtig ist wie das Gebet, das Gebet aber gleichzeitig zu den Dingen geh\u00f6rt, die am meisten vernachl\u00e4ssigt werden. Obwohl das Gebet der Herzschlag des geistlichen Lebens ist, geh\u00f6rt es doch oft zu den Dingen, die zu kurz kommen. Daher ist es eine gute Sache, dass wir zu Beginn des Jahres Lektionen zum Thema \u201eGebet\u201c behandeln.<br \/>\nDie heutige Lektion aus 1. Mose 18 beinhaltet ein Gebet Abrahams, das sehr lehrreich und zugleich sehr ermutigend ist, mehr zu beten. Mit diesem wertvollen Gebet werden wir uns in der Predigt anhand von drei Fragen auseinandersetzen. Diese sind:<br \/>\n1. Was ist die Grundlage des Gebets?<br \/>\n2. Was ist ein wichtiges Anliegen des Gebets?<br \/>\n3. Was sind Eigenschaften des rechten Gebets?<\/p>\n<p><strong>1. Die Grundlage des Gebets (V. 18 \u2013 19)<\/strong><br \/>\nGott war Abraham in der Gestalt von drei M\u00e4nnern begegnet (vgl. 1. Mo 18,1-15). Die Zahl drei symbolisiert, dass Gott eine dreifache Botschaft an Abraham hatte: 1. Die Verhei\u00dfung, dass Sarah in einem Jahr einen Sohn bekommen wird; 2. Das Gericht \u00fcber Sodom und 3. Rettung. Der heutige Text beinhaltet die zweite und dritte Botschaft Gottes an Abraham, Gericht und Rettung. Bemerkenswert sind die Gr\u00fcnde, warum Gott Abraham von seiner Absicht \u00fcber Sodom erz\u00e4hlte. Wir erfahren sie in den Versen 17ff. Gott hatte mit Abraham etwas Gro\u00dfes vor: Aus Abraham sollte ein gro\u00dfes und m\u00e4chtiges Volk werden; aber nicht nur das! Abraham sollte zu einer Segensquelle f\u00fcr alle Nationen der Erde werden. Hierzu sollte Abraham seine Nachkommen im Gehorsam an Gottes Geboten erziehen \u2013 ja, ihnen sogar befehlen, Gottes Wege zu gehen. Und warum ausgerechnet Abraham? Lag es an seiner Person oder an etwas, was er getan hatte? Zu Beginn von Vers 19 hei\u00dft es: \u201eDenn dazu habe ich ihn auserkoren\u2026\u201c Der Grund war einfach der, dass Gott Abraham auserw\u00e4hlt hatte. Abraham wurde dazu auserw\u00e4hlt, der Stammvater eines m\u00e4chtigen und gro\u00dfen Volkes zu werden; Abraham wurde dazu auserw\u00e4hlt, zur Segensquelle f\u00fcr alle Nationen der Erde zu werden. Aber nicht nur das? Der Beginn von Vers 19 kann auch so \u00fcbersetzt werden: \u201eDenn ich habe ihn erkannt\u201c oder: \u201eDenn ich habe mich ihm vertraut gemacht.\u201c Gott hatte mit Abraham ein vertrautes Verh\u00e4ltnis. In Jes 41,8 bezeichnet Gott Abraham als seinen Freund. Gott hatte Abraham auch dazu erw\u00e4hlt, Sein Freund, Sein Vertrauter zu sein. In den Versen 17 bis 19 f\u00e4llt nicht ein einziges W\u00f6rtchen dar\u00fcber, was an guten Dingen Abraham Gott gegen\u00fcber getan hat, auch nicht ein einziges W\u00f6rtchen \u00fcber seinen Gehorsam, nicht ein einziges W\u00f6rtchen \u00fcber seinen Glauben usw. Gott sagte nicht: \u201eWeil Abraham diese und jene Glaubensentscheidung f\u00fcr mich getroffen hatte, soll er zu einer gro\u00dfen und m\u00e4chtigen Nation werden usw.\u201c In Apg. 7,2 steht: \u201eDer Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham\u201c Gottes Geschichte mit Abraham begann damit, dass Gott Abraham erschien. Oder anders gesagt: Gottes Geschichte mit Abraham begann damit, dass Gott in das Leben von Abraham eintrat. Sie begann nicht damit, dass Abraham anfing, Gott in irgendeiner Weise zu suchen. W\u00e4re Gott Abraham nicht begegnet, so w\u00e4re aus Abraham nichts geworden.<br \/>\nUnd was hat das Ganze jetzt mit dem Gebet zu tun? Unsere erste Frage war ja, was die Grundlage des rechten Gebets ist. Die ersten Verse zeigen, dass Abraham eine Beziehung zu Gott hatte, und zwar eine Beziehung, die Gott zu ihm geschaffen hatte. Diese Beziehung machte es erst m\u00f6glich, dass Abraham so freim\u00fctig und zugleich so dem\u00fctig Gott um Gnade f\u00fcr Sodom bitten konnte. Die Grundlage f\u00fcr das rechte Gebet ist die Beziehung zu Gott. Es ist die Beziehung, die Gott zu jedem wiedergeborenen Menschen schafft. In Jesus hat Gott uns zu seinen Kindern gemacht, in Jesus hat Gott uns zu Freunden Jesu gemacht, in Jesus hat Gott uns zu k\u00f6niglichen Priestern gemacht. Als Kind, als Freund und als k\u00f6niglicher Priester kann ich ganz anders beten, als wenn ich mit meiner eigenen Person zu Gott komme. Komme ich mit der eigenen Person zu Gott, dann schaue ich eher auf mich und habe nicht viel Zuversicht, dass Gott mein Gebet erh\u00f6ren wird. Es ist daher wichtig, dass wir, wenn wir zu Gott beten, uns in Erinnerung rufen, welche Beziehung wir zu ihm haben, und dass wir auf dieser Grundlage zu ihm beten. Das wird uns helfen, mit mehr Glauben und Zuversicht zu beten. Denn wenn wir schon die Bitten unserer Kinder und Freunde nicht vernachl\u00e4ssigen wollen, um wieviel mehr wird das dann Gott mit uns tun.<br \/>\nWas ist eines der zentralen Anliegen, wof\u00fcr wir beten sollten? Lasst uns das im zweiten Teil betrachten.<\/p>\n<p><strong>Teil 2: Die wichtigen Anliegen des Gebets (V. 20 \u2013 21)<\/strong><br \/>\nIn der Begebenheit des heutigen Textes handelt es sich um eine ganz bestimmte Art des Gebets: die F\u00fcrbitte. Dem ersten Eindruck nach hatte Abraham die Initiative zur F\u00fcrbitte ergriffen. Aber beim n\u00e4heren Hinschauen war es Gott. Das wird uns deutlich, wenn wir einmal die Verse 20f betrachten. Gott sagte zu Abraham: \u201eDas Klagegeschrei \u00fcber Sodom und Gomorra, wahrlich, es ist gro\u00df, und ihre S\u00fcnde, wahrlich, sie ist sehr schwer.\u201c H\u00f6ren wir den Ernst in diesen Worten? Der Ton wird noch ernsthafter, als Gott sagte: \u201eIch will doch hinabgehen und sehen, ob sie ganz nach ihrem Geschrei, das vor mich gekommen ist, getan haben usw.\u201c Das Geschrei, von dem hier die Rede ist, ist w\u00f6rtlich ein Klagegeschrei. Es war eine Anklage gegen die Ungerechtigkeit, die in Sodom geschah. Anklagen werden gew\u00f6hnlicherweise von einem Richter gepr\u00fcft, ob es sich tats\u00e4chlich so verh\u00e4lt. Die Worte, die Gott im Vers 21 spricht, sind also die Worte eines Richters. Gott wollte also nach Sodom als Richter kommen. Und wenn Gott zu einem Ort als Richter kommt, dann kann die Lage nicht schlimmer sein. Was zeigt das also? Sodom befand sich also in Not, in sehr gro\u00dfer Not. Und gerade diese Not war es, die Abraham zur F\u00fcrbitte veranlasst hatte. Denn die Not hatte ihm ein Herz f\u00fcr den verlorenen S\u00fcnder gegeben. Gott hatte Abraham zur F\u00fcrbitte veranlasst, indem er ihn mit der Not Sodoms konfrontiert hatte. Dies sehen wir auch in Vers 22. Urspr\u00fcnglich lautet dieser Vers so: \u201e\u2026 Der HERR aber blieb noch vor Abraham stehen.\u201c Nicht Abraham, sondern Gott blieb vor Abraham stehen. Die alten Abschreiber merkten an, dass sie diesen Vers bewusst umgeschrieben haben, weil das Stehen bleiben vor jemanden dem Aufwarten eines Dieners gleichkommt. Das w\u00e4re f\u00fcr Gott unw\u00fcrdig. Warum blieb Gott vor Abraham stehen? Offenbar wartete Gott regelrecht darauf, dass Abraham F\u00fcrbitte leistet \u2013 ganz nach dem Wort: \u201eWas willst du, dass ich dir tun soll?\u201c (Lk. 18,41). Abraham, der eine zentrale Rolle im Rettungswerk Gottes einnahm, sollte f\u00fcr die S\u00fcnder beten. Abraham, der zur Segensquelle f\u00fcr alle Nationen werden sollte, sollte F\u00fcrbitte f\u00fcr die S\u00fcnder tun. Zuerst hatte Gott eine grundlegende Beziehung zu Abraham geschaffen. Dann sollte er F\u00fcrbitte leisten.<br \/>\nWas k\u00f6nnen wir daraus lernen? Wir kennen die Redewendung: \u201eDas ist ja wie Sodom und Gomorra!\u201c Man sagt das, wenn man \u00fcber die Unmoral eines Ortes oder einer Feier entr\u00fcstet ist. F\u00fcr sexuelle Ausschweifungen und Verirrungen gebrauchen wir den Begriff Sodomie. Sodom steht also f\u00fcr den S\u00fcnder schlechthin! Die Not Sodoms ist die Not, in der sich jeder unbekehrte S\u00fcnder befindet. Spurgeon verglich den unbekehrten S\u00fcnder mit einem Menschen, der an einer tickenden Bombe h\u00e4ngt. Gott m\u00f6chte auch uns mit der Not der Menschen unserer Zeit konfrontieren \u2013 warum? Um uns ein Herz f\u00fcr den verlorenen S\u00fcnder zu geben. Damit auch wir F\u00fcrbitte f\u00fcr sie leisten. Wenn uns der Blick f\u00fcr diese Not fehlt \u2013 dann lasst uns zumindest beten: \u201eHerr, \u00f6ffne mir die Augen, dass ich die Not der unbekehrten Menschen sehe.\u201c Nicht allein Abraham, sondern auch wir haben die Ehre, ein Teil von Gottes Rettungsgeschichte zu sein. Wir, die wir als k\u00f6nigliche Priester berufen sind, sind dazu bestimmt, f\u00fcr die unerretteten Menschen einzutreten. In einem Zitat von Luther hei\u00dft es: \u201eF\u00fcrbitte hei\u00dft: jemanden ein Engel schicken.\u201c<br \/>\nGebet ist nicht gleich Gebet. Lasst uns auch von Abraham lernen, wie er betete.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Teil 3: Die Eigenschaften des rechten Gebets (V. 22 &#8211; 33)<\/strong><br \/>\nEine Besonderheit von Abrahams Gebet ist, dass darin zwei Extreme zusammenkommen: Es ist k\u00fchn und gleichzeitig dem\u00fctig! Die K\u00fchnheit sehen wir darin, dass Abraham es wagt, gro\u00dfes von Gott zu erbitten. Gott hatte Abraham davon erz\u00e4hlt, dass das Geschrei \u00fcber Sodom vor Ihm gekommen sei. In Sodom herrschte buchst\u00e4blich eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. Schon allein die Bitte, dass Gott die so s\u00fcndhafte Stadt Sodom wegen nur 50 frommer Leute verschont, ist sehr k\u00fchn. Im Laufe des Gespr\u00e4chs wird das Gebet aber zunehmend k\u00fchner. Nachdem Abraham erfahren hatte, dass Gott gn\u00e4dig auf sein Anliegen einging, wagte es Abraham mit 45 und dann mit 40. Auffallend ist, dass Abraham zun\u00e4chst in 5er-Schritten heruntergeht, aber dann in 10er-Schritten. Im Laufe des Gespr\u00e4chs erkennt Abraham mehr und mehr, wie gn\u00e4dig Gott eigentlich ist. Je mehr er das feststellt, desto gr\u00f6\u00dferes wagt er, von Gott zu erbitten. Abraham kommt schlie\u00dflich von 50 auf 10 \u2013 was f\u00fcr ein k\u00fchnes Gebet! Andererseits war sein Gebet au\u00dferordentlich dem\u00fctig. Dies sehen wir an verschiedenen Stellen:<br \/>\nIn Vers 27 hei\u00dft es: Siehe doch, ich habe mich erdreistet, zu dem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin;<\/p>\n<p style=\"text-align: left; padding-left: 40px;\">V. 30: Der Herr m\u00f6ge doch nicht z\u00fcrnen;<br \/>\nV. 31: Siehe doch, ich habe mich erdreistet;<br \/>\nV.32: Der Herr m\u00f6ge doch nicht z\u00fcrnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Stellen zeigen, dass Abraham sich dessen bewusst war, dass er nicht einmal das Recht hat, mit Gott zu reden, geschweige denn, was von ihm zu erbitten. Er wusste, dass er von sich aus nichts Besseres, sondern wie alle anderen Menschen auch nur Staub und Asche ist. Zu wissen, wer man vor Gott ist, ist Demut. Zu wissen, dass man \u00fcberhaupt kein Recht hat, auch nur irgendetwas von Gott einzufordern, weil man eben nur Staub und Asche ist, ist Demut. Und gerade mit dieser Haltung kam Abraham zu Gott.<br \/>\nDies erinnert an das Gebet der syroph\u00f6nizischen Frau (Mk. 7,24-30), die zu Jesus kam, um Heilung f\u00fcr ihre Tochter zu erbeten. Dem\u00fctig erkannte sie es an, dass sie eigentlich kein Recht hat, von Jesus irgendetwas zu bekommen. Aber gleichzeitig bat sie doch Jesus inst\u00e4ndig. Sie blieb dran und bat hartn\u00e4ckig, bis Jesus ihre Bitte erf\u00fcllte. Dies beeindruckte Jesus so sehr, dass er ihren Glauben als gro\u00df bezeichnete (Mt. 15,28).<br \/>\nWie konnten Abraham und die syroph\u00f6nizische Frau so hartn\u00e4ckig und k\u00fchn beten, obgleich sie wussten, dass sie von sich aus kein Recht auf irgendetwas h\u00e4tten? Im Gebet des Propheten Daniels erfahren wir es: Daniel sagte in seinem Gebet zu Gott: \u201eDenn nicht aufgrund unserer Gerechtigkeiten legen wir unser Flehen vor dich hin, sondern aufgrund deiner vielen Erbarmungen. Herr, h\u00f6re! Herr, vergib!\u201c (Dan. 9, 18.19). Wie Daniel, so betete auch Abraham im tiefen Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und auf Gottes Gerechtigkeit (vgl. V. 23-25).<br \/>\nWas k\u00f6nnen wir daraus f\u00fcr das Gebet lernen? Manche Menschen beten so, als ob sie von Gott ein Recht h\u00e4tten, etwas von Ihm zu verlangen, als ob Gott ihnen etwas geben m\u00fcsste. Sie fordern es regelrecht von Gott ein. Dies zeigt sich v.a. daran, dass sie auf Gott w\u00fctend werden, wenn sie etwas nicht bekommen. Das ist das Gegenteil von Demut. Andere Menschen hingegen bitten Gott kaum etwas, weil sie auf sich schauen und folglich nicht glauben k\u00f6nnen, dass Gott ihnen etwas gibt. Das ist das Gegenteil von k\u00fchn bitten. Beide F\u00e4lle haben gemeinsam, dass sie im Vertrauen auf ihre eigene Person beten. Aber aus dem Gebet Abrahams lernen wir die rechte Gebetshaltung: Gott dem\u00fctig, aber zugleich auch k\u00fchn bitten. Wir k\u00f6nnen das tun, indem wir uns nicht auf unsere eigene Person berufen, sondern unser Vertrauen auf die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes setzen.<br \/>\nBevor wir zum n\u00e4chsten Punkt gekommen, noch ein Wort zu Gottes Barmherzigkeit: Im Vers 32 erfahren wir, dass Gott Abraham versprach, wegen 10 Gerechter ganz Sodom zu verschonen. Dar\u00fcber kann man leicht hinweglesen. Aber wenn man sich einmal vor Augen f\u00fchrt, wie schlimm Sodom eigentlich war, wird einem klar, wie \u00fcberaus gn\u00e4dig es von Gott war, Sodom wegen nur 10 Gerechter zu verschonen. Wie verdorben Sodom war, erfahren wir im darauffolgenden Kapitel. M\u00e4nner aus Sodom umringten das Haus von Lot. Sie forderten Lot auf, seine beiden G\u00e4ste herauszugeben. Wozu? Einzig und allein dazu, um sie zu vergewaltigen. Allein das ist schon krass. Aber noch krasser wird\u00b4s, wenn wir die Einzelheiten betrachten. Es waren nicht nur einige M\u00e4nner aus Sodom, nicht ein paar Kriminelle halt. Nein, es hei\u00dft: \u201eJung und Alt, das ganze Volk aus allen Enden\u201c (1. Mo 19,4). Die ganze Stadt hatte sich um das Haus von Lot versammelt, einzig und allein, um seine G\u00e4ste zu vergewaltigen. Zudem hei\u00dft es: \u201e\u2026 ehe sie sich hinlegten, umringten die M\u00e4nner der Stadt das Haus\u201c (1. Mo 19,4). Noch an demselben Tag hatte sich die ganze Stadt um das Haus von Lot versammelt. Sie konnten es kaum abwarten. Als Lot sich weigerte, seine beiden G\u00e4ste herauszugeben, drangen sie auf Lot heftig ein (V.9) und wollten in sein Haus einbrechen. Nichts und niemand durfte der Befriedigung ihrer sexuellen Lust im Wege stehen. Wer es doch tat, dem wurde Gewalt angetan. Sehen wir, wie abgrundtief verdorben Sodom und Gomorra waren? Daher ist das schon eine krasse Aussage, dass Gott bereit war, wegen nur 10 Gerechter Sodom zu verschonen. Was f\u00fcr eine Barmherzigkeit Gottes! Weil Gott selbst bei Sodom noch so viel Bereitschaft an Gnade aufwies, k\u00f6nnen wir mit viel Zuversicht f\u00fcr die verlorenen S\u00fcnder beten. Wie denken wir \u00fcber Gott? Unser Bild von Gott beeinflusst, ob und wie wir beten. Wenn wir ihn f\u00fcr einen sehr barmherzigen und gerechten Gott halten, werden wir anders beten als wenn wir ihn f\u00fcr eine gleichg\u00fcltige Person halten.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir aus dem Gebet Abrahams noch lernen? Abraham begn\u00fcgte sich nicht damit, dass Gott ihm bei 50 Frommen die Rettung Sodoms zusagte. Er lie\u00df nicht locker, bis er auf 10 kam. 10 Personen stehen f\u00fcr die kleinste Gruppe, unter 10 handelt es sich um Einzelne (vgl. BR\u00c4UMER, H.: 1572). Abraham betete nicht einfach irgendwie f\u00fcr die Rettung Sodoms. Er betete daf\u00fcr nicht einfach nur aus dem Grund, weil es eben gut ist, daf\u00fcr zu beten. Abraham betete inst\u00e4ndig f\u00fcr die Rettung Sodoms. Er bedr\u00e4ngt regelrecht Gott mit diesem Anliegen. Abrahams Gebet war nicht lau, sondern inst\u00e4ndig. Das, worum er bat, wollte er auch wirklich haben. Mehrere Stellen in der Bibel rufen uns dazu auf, so zu beten, wie es Abraham tat. Jesus gebraucht hierf\u00fcr verschiedene Gleichnisse: Mit dem Gleichnis vom bittenden Freund (Lk. 11,5-8) ermutigt Jesus uns dazu, Gott mit unseren Anliegen sozusagen nicht in Ruhe zu lassen, also immer wieder daf\u00fcr zu beten. Wenn einer st\u00e4ndig an die T\u00fcr klopft, kann das so nervig sein, dass man die T\u00fcr auftut, obgleich man die Person nicht sehen will. Aber eben gerade dazu ermutigt uns Jesus. Wir sollen bei Gott stets anklopfen (Mt. 7,7). Im Gleichnis von der bittenden Witwe (Lk. 18,1-8) ermutigt uns Jesus dazu, unabl\u00e4ssig und inst\u00e4ndig zu beten. In seinem Brief schreibt Jakobus, dass das Gebet des Gerechten viel vermag, wenn es ernstlich ist (Jk. 5,16). Das Gegenteil vom ernstlichen Gebet ist das laue Gebet. Man betet f\u00fcr eine Sache, weil man daf\u00fcr beten soll. Aber das ernstliche Gebet ist davon gekennzeichnet, dass man das, worum betet, auch wirklich haben will. Lasst uns f\u00fcr die Dinge Gottes inst\u00e4ndig, unabl\u00e4ssig und ernstlich beten! Lasst uns bei Gott bitten, suchen und anklopfen, bis er unser Gebet erh\u00f6rt!<br \/>\nWas k\u00f6nnen wir aus Abrahams Gebet noch lernen? Hierzu erst einmal zwei Bilder: Heutzutage ist immer wieder davon die Rede, wie wichtig doch Connections bzw. die sogn. Vitamin B seien. Durch sie kann man zu einer hohen Stellung im Beruf gelangen. Das Prinzip, das dahintersteht, ist: Man wird um jemandes anderen willen bevorteilt. Ein anderes Beispiel f\u00fcr dieses Prinzip sind Kindergeburtstagsfeiern. F\u00fcr die Geburtstagsfeier ihres Kindes betreiben manche M\u00fctter einen hohen Aufwand: die eingeladenen Freunde ihres Kindes werden mit Essen vom Feinsten verw\u00f6hnt und haben Spa\u00df ohne Ende. Weil sie ihrem Kind einen sch\u00f6nen Tag machen wollen, tun sie den eingeladenen Kindern viel Gutes. Es geschieht alles um ihr Kind willen. \u00c4hnlich ist es auch bei Gott. Dieses sehen wir in Vers 24 und auch in Vers 26: Gott ist bereit, Sodom um der Gerechten willen zu verschonen. Wir sehen dieses Prinzip auch an verschiedenen Stellen im Alten Testament: In 2. Chr. 21,7 hei\u00dft es z.B.: \u201eAber der HERR wollte das Haus Davids nicht verderben, um des Bundes willen, den er mit David gemacht hatte, und weil er ihm verhei\u00dfen hatte, dass er ihm und seinen S\u00f6hnen allezeit eine Leuchte geben werde.\u201c In 1. Mose 39 erfahren wir, dass Gott Potifar um Josef willen segnete. Und warum wurde Lot eigentlich gerettet? Um Lots willen? In 1. Mo 19,29 hei\u00dft es: Und es geschah, als Gott die St\u00e4dte in jener Ebene verderbte, da gedachte Gott an Abraham, und er f\u00fchrte Lot mitten aus dem Verderben. Lot wurde um Abraham willen errettet.<br \/>\nUnd warum ist das so wichtig zu verstehen? Ob es hei\u00dft \u201eum Josef willen\u201c oder \u201eum David willen\u201c oder \u201eum Abraham willen\u201c \u2013 alle diese Beispiele sind ein Bild f\u00fcr die Gebetserh\u00f6rung \u201eum Jesu willen\u201c. Jesus ist der eine wahre Gerechte, um dessentwillen Gott uns erh\u00f6ren m\u00f6chte. Jesus sagt: \u201eUnd alles, was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht wird in dem Sohn\u201c (Joh. 14,13).<br \/>\nWarum hatte Abraham eigentlich nicht weiter gebetet, als er bei 10 Gerechten angelangt war? Gott hatte ja nicht gesagt: \u201eJetzt ist aber Schluss!\u201c Im Vers 32 erfahren wir, dass Abraham von sich aus gesagt hatte, dass er nur noch ein letztes Mal bitten wolle. Bei 10 war f\u00fcr Abraham irgendwie Schluss. Die Zahl 10 steht ja f\u00fcr die kleinste Gruppe, darunter sprach man von Einzelnen. Abraham betete also, dass Gott die Stadt verschont, wenn auch nur die kleinste Gruppe von Gerechten in ihr w\u00e4ren. Dass Gott aber Sodom wegen einiger frommen Menschen verschont \u2013 daf\u00fcr zu beten fehlte es Abraham offenbar an Zuversicht. In der Stadt Sodom war nur noch Lot, der nach der Bibel als Gerechter bezeichnet wird. Aber er reichte nicht aus, um Sodom zu retten. Bei Jesus hingegen ist es anders. Er ist der eine Gerechte, um dessentwillen nicht nur eine Stadt, sondern der ganzen Welt vergeben werden k\u00f6nnte. Denn er ist das Lamm Gottes, das die S\u00fcnde von der ganzen Welt tr\u00e4gt (vgl. Joh. 1,29). Daher k\u00f6nnen wir in Jesu Namen mit einer noch weitaus gr\u00f6\u00dferen K\u00fchnheit und Zuversicht f\u00fcr die verlorenen Menschen beten, als es Abraham tat.<br \/>\nJesus sagte einmal: \u201eDenn wenn in Sodom die Wundertaten geschehen w\u00e4ren, die bei dir geschehen sind, es w\u00fcrde noch heutzutage stehen.\u201c (Mt. 11,23b). Die Leute von Sodom, die so verdorben waren, h\u00e4tten Bu\u00dfe getan, wenn sie Christus erlebt h\u00e4tten. Das zeigt einmal mehr, wie m\u00e4chtig Jesu Name ist. Jesu Name ist gr\u00f6\u00dfer als jeder andere Name. Um seinetwillen erh\u00f6rt uns Gott noch viel lieber als um Abraham oder David willen.\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.. Wir haben die gute Gewohnheit, unsere Gebete mit den Worten: \u201eIn Jesu Namen\u201c abzuschlie\u00dfen. Gleichzeitig kann es leicht geschehen, dass diese Worte zu einer Floskel verkommen. Wann immer wir diese Worte gebrauchen, sollten wir es stets mit Bewusstsein und Glauben an den Namen Jesu tun.<br \/>\nEine Ursache daf\u00fcr, dass man das Gebet vernachl\u00e4ssigt, kann darin bestehen, dass man nicht wirklich glaubt, dass Beten was bringt. Doch Abrahams Beispiel lehrt uns, dass Gebet sehr wohl was bringt. Wie ernst Gott Abrahams Gebet nahm, erf\u00e4hrt man in Kapitel 19. Es berichtet \u00fcber die Rettung Lots aus Sodom. Lot verhielt sich einfach unm\u00f6glich, als er aus Sodom gerettet werden sollte. Er z\u00f6gerte, die Stadt zu verlassen. Obwohl das Gericht schon vor der T\u00fcr stand, war Lot mit seinen Leuten noch bis zum n\u00e4chsten Morgen in der Stadt geblieben. Die beiden Engel mussten ihn zur Eile dr\u00e4ngen. Aber auch dann z\u00f6gerte Lot noch, die Stadt zu verlassen. Den beiden Engeln blieb keine andere Wahl, als ihn mit Gewalt aus der Stadt zu bringen. Die beiden Engel lie\u00dfen Lot erst drau\u00dfen vor der Stadt wieder los. Offenbar rechneten sie damit, dass Lot auch noch w\u00e4hrend der Flucht z\u00f6gern k\u00f6nnte. Die Engel rieten Lot, ins Gebirge zu fliehen. Aber Lot passte das nicht. Es war ihm zu gef\u00e4hrlich, ins Gebirge zu fliehen. Stattdessen machte er einen Gegenvorschlag. Er hielt es f\u00fcr sicherer, nach Zoar, in eine nahegelegene Kleinstadt zu ziehen. Warum lie\u00df Gott das alles mit sich machen? Weil er Abrahams Gebet ernst nahm. Da es keine 10 Gerechte in Sodom gab, w\u00e4re Gott dem Anliegen Abrahams auch gerecht geworden, wenn er gar niemanden gerettet h\u00e4tte. Aber dass Gott zumindest Lot und seine T\u00f6chter mit M\u00fche und Not rettete, zeigt, wie sehr Gott es ein Anliegen war, auf Abrahams Gebet zu reagieren. Es kann sein, dass Gott unser Gebet nicht so erh\u00f6rt, wie wir es uns vorstellen. Aber wir k\u00f6nnen dessen sicher sein, dass Gott ein ernstes Gebet nicht ignoriert, sondern darauf reagiert!<br \/>\nVor diesem Hintergrund: Lasst uns im Glauben beten, lasst uns im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit beten, lasst uns inst\u00e4ndig beten, lasst uns ernstlich beten, lasst uns k\u00fchn bitten. Luther sagte einmal: \u201eEines Christen Handwerk ist beten!\u201c M\u00f6ge Gott uns in diesem Jahr zu einer betenden und damit zu einer geistlich starken Gemeinde ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>_________________________________________________________________<br \/>\n1&nbsp;HALLESBY, O. (2020, Aufl. 7): Vom Beten. SCM Verlag.<br \/>\n2 BR\u00c4UMER, H. (2011, Aufl. 5): Das erste Buch Mose. Wuppertaler Studienbibel. SCM Verlag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Abrahams F\u00fcrbitte \u201eUnd Abraham trat hinzu und sagte: Willst du wirklich den Gerechten mit dem Ungerechten wegraffen? Vielleicht gibt es f\u00fcnfzig Gerechte innerhalb der Stadt. Willst du sie denn wegraffen und dem Ort nicht vergeben wegen der f\u00fcnfzig Gerechten, die darin sind?\u201c (1. Mose 18,23.24) Im Vorwort eines seiner vielen B\u00fccher schrieb der christliche [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[37,47,4,11],"tags":[],"class_list":["post-10471","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-mose","category-gebet","category-predigt","category-sonderlektion"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10471","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10471"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10471\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10473,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10471\/revisions\/10473"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10471"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10471"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}