{"id":10434,"date":"2021-11-28T11:00:14","date_gmt":"2021-11-28T10:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10434"},"modified":"2022-11-18T12:18:44","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:44","slug":"predigt-johannes-11-13-weihnachten-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-johannes-11-13-weihnachten-2021\/","title":{"rendered":"Predigt: Johannes 1,1-13  &#8211;  Weihnachten  2021"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download<\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Wort, Licht und Leben<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eIn ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Johannesevangelium 1,4)<\/p>\n<p>Wir feiern heute den 1. Advent, weil wir uns an die Ankunft des Herrn Jesus auf dieser Erde erinnern und dar\u00fcber freuen wollen. Wir freuen uns dar\u00fcber, weil Jesu Menschwerdung viel Gnade erbracht hat, wie etwa S\u00fcndenvergebung und Ewiges Leben. \u00dcber diese Gnade k\u00f6nnen wir uns umso mehr freuen, sie umso mehr in Anspruch nehmen, wenn wir wissen, wer Jesus eigentlich ist. Jesus sagte einmal: \u201eWenn du die Gabe Gottes kenntest und \u27e8w\u00fcsstest\u27e9 wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken!, so h\u00e4ttest du ihn gebeten, und er h\u00e4tte dir lebendiges Wasser gegeben.\u201c Zu wissen, wer Jesus ist, hilft uns, seine Gnade umso mehr in Anspruch zu nehmen. Hierzu ein Bild, um das zu verstehen: Wenn ein Kind mir sagen w\u00fcrde, dass es mir 1000 \u20ac schenken will, so w\u00fcrde ich es ihm nicht glauben und es nicht einmal darum bitten. Wenn ich aber \u00fcber dieses Kind w\u00fcsste, dass es der Sohn von einem der reichsten und gro\u00dfz\u00fcgigsten Scheiche der Welt w\u00e4re, so w\u00fcrde ich sagen: \u201eKlar, gib her\u201c. Wir wollen daher heute dar\u00fcber nachdenken, wer Jesus ist, damit wir umso mehr das in Anspruch nehmen, was er uns gerne geben will. Der heutige Text aus Johannes Kapitel 1 spricht sehr viel \u00fcber das Wesen und Person Jesu. Wir wollen uns mit ihm anhand von drei Fragen auseinandersetzen:<br \/>\n<em>1. Wer ist Jesus? W<\/em><em>er ist Jesus nicht?<br \/>\n<\/em><em>2. Was gibt uns Jesus?<\/em><\/p>\n<p><strong>1. Teil: Das Wesen Jesu (V. 1 \u2013 5)<\/strong><\/p>\n<p>Eines der \u00fcberzeugendsten Beweise daf\u00fcr, dass die Heilige Schrift von Gott kommt, ist, dass sie Dinge schreibt, auf die der Mensch von sich aus gar nicht kommen w\u00fcrde \u2013 so z.B. \u00fcber die Person Jesu: Kein Mensch w\u00fcrde wohl von sich aus darauf kommen, Jesus mit den Begriffen \u201eWort\u201c, \u201eLeben\u201c und \u201eLicht\u201c zu bezeichnen. Auf solche Begriffe kommt man nicht von selbst \u2013 Johannes hat es so von Gott offenbart bekommen.<\/p>\n<p><em>Erstens, Jesus ist das Wort<\/em><br \/>\nBeginnen wir mit \u201eWort\u201c. Welche Aussagen \u00fcber das Wort werden getroffen? Betrachten wir hierzu die Verse 1 und 2.<br \/>\n1. Eigenschaft: das Wort war im Anfang. Wie die meisten wissen, ist dieses Wort eine Anlehnung zu 1. Mose 1,1: \u201eIm Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.\u201c Durch die Anlehnung an 1. Mo 1,1 macht Johannes deutlich, dass das Wort schon da war, bevor Himmel und Erde erschaffen wurden. Als noch nichts von der Welt existierte, war das Wort bereits schon da. Was zeigt das? Das zeigt, dass das Wort von Ewigkeit her ist und zweitens nicht mit dem Geschaffenen gleichzusetzen ist. Vers 3 best\u00e4tigt das: Das Wort ist nicht Gesch\u00f6pf, sondern Sch\u00f6pfer \u2013 alles, nicht nur die Menschen, sondern die ganze Erde, und nicht nur die ganze Erde, sondern das gesamte Universum, und nicht nur das gesamte Universum, sondern auch die himmlische Welt, also das gesamte himmlische Heer, unz\u00e4hlige Engeln, alles wurde durch das Wort erschaffen! Ohne das Wort wurde auch nicht eines, was geworden ist, hei\u00dft es am Ende von Vers 3.<br \/>\n2. Eigenschaft: das Wort war bei Gott. Das W\u00f6rtchen \u201ebei\u201c meint nicht nur die r\u00e4umliche N\u00e4he zu Gott, sondern bedeutet auch \u201ezu hin\u201c. Das Wort ist zu Gott hingewandt, auf Ihn ausgerichtet, Gott zugeneigt, eben ganz bei Gott. Warum ist das so?<br \/>\nDies h\u00e4ngt mit der 3. Eigenschaft vom Wort zusammen: \u201eGott selbst ist das Wort.\u201c Gottes Person und Gottes Wort stehen in einem unzertrennbaren Zusammenhang. Dies kennen wir auch zum Teil aus unserem Leben: Unsere Worte sagen \u00fcber uns mehr aus, als wir vielleicht denken. Die Menge der Worte \u00fcber ein Thema, die Art und Weise, wie wir etwas sagen \u2013 in welcher Lautst\u00e4rke, in welcher Tonh\u00f6he, mit \u00dcberzeugung oder Unsicherheit, die Art und Weise der Betonung, die Art und Weise der Atmung und wie wir etwas formulieren \u2013 all das sagt Vieles \u00fcber unsere Person aus. Das, was wir sagen, f\u00e4llt ja nicht einfach vom Himmel. Es steht in direkter Verbindung zu unserer Person. Unsere Worte sind ein Ausdruck unserer Person. Das umso mehr bei Gott. Alle Wesensz\u00fcge Gottes spiegeln sich in seinem Wort wider: So wie Gott ist auch das Wort heilig, so wie Gott ist auch das Wort wahrhaftig, so wie Gott ist das Wort m\u00e4chtig usw. Alles, was Gott tut und tat, geschieht ja gerade durch sein Wort: \u201eSein Schaffen, Regieren, Richten, Leiten und Beschenken geschieht immer wieder durch sein \u201aSprechen\u2018, eben durch Sein Wort. (vgl. DE BOOR 1968: 351)\u201c Alle diese Aussagen \u00fcber das Wort Gottes finden ihre Zuspitzung in Vers 14: \u201eUnd das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.\u201c Das Wort ist Jesus selbst. Alle genannten Eigenschaften des Wortes treffen auf Jesus zu: Er ist vor allem Erschaffenen, durch Ihn wurde alles erschaffen, er war vor der Erschaffung der Welt bei Gott, er ist Gott zugewandt und er ist Gott h\u00f6chstpers\u00f6nlich. Wie schon eben erw\u00e4hnt, sind unsere Worte ein gewisser Ausdruck unserer Person. Gleichzeitig kommen wir mit unseren Worten aber auch schnell an unsere Grenzen \u2013 wir schaffen es oft nicht, es ganz so auszudr\u00fccken, wie wir es meinen. Bei Gott ist es aber anders. Gott hat sich in Jesus, also dem Wort Gottes, vollkommen ausgesprochen, sein ganzes Herz, sein ganzes Wesen, sein ganzer Wille ist in der Person Jesu ausgesprochen. In Hebr. 1,1-2 hei\u00dft es: \u201eNachdem Gott vielf\u00e4ltig und auf vielerlei Weise ehemals zu den V\u00e4tern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn.\u201c Im Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern sprach der Eigent\u00fcmer des Weinbergs zuletzt durch seinen Sohn zu ihnen. Nachdem sie alle Knechte umgebracht hatten, hatte Gott die Hoffnung gehabt: \u201eSie werden sich vor meinen Sohn scheuen.\u201c Warum? Weil Gott in dem Sohn so klar und deutlich redet, hatte er die Hoffnung, dass die Weing\u00e4rtner wenigstens durch ihn Bu\u00dfe tun. Wenn nicht durch ihn, durch wen dann?<br \/>\nWenn jemand etwas genauso sieht, wie wir es sehen, oder meint, wie wir es meinen, benutzen wir Redewendungen wie: \u201eMeine Rede\u201c oder: \u201eDu sprichst mir aus dem Herzen\u201c. Alles, was Jesus ist und tut, spricht Gott aus dem Herzen. Einmal schaute Gott vom Himmel zu seinem Sohn und sagte: \u201eDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.\u201c Wenn Gott, der Vater, auf den Sohn schaut, freut er sich. Warum? Weil Jesus genauso ist wie Gott. In Kolosser 1,15 hei\u00dft es: \u201eDieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes.\u201c<br \/>\nIm Vers 14 erfahren wir eine krasse Aussage \u00fcber den Herrn: Das Wort wurde Fleisch. Jesus in seiner \u00fcberragenden Gr\u00f6\u00dfe als das Wort Gottes wurde Fleisch. Mit Fleisch meint die Bibel nicht einfach nur K\u00f6rper, sondern den Menschen in seiner Schwachheit, Hinf\u00e4lligkeit, Verg\u00e4nglichkeit und Todverfallenheit. In der Menschwerdung Jesu ist beides miteinander vereint: Die \u00fcberragende, g\u00f6ttliche Gr\u00f6\u00dfe des Wortes Gottes verbunden mit der menschlichen Schwachheit. Er kann mit seiner g\u00f6ttlichen Kraft auch in unserer Schwachheit hineinwirken. Obgleich Jesus so gro\u00df ist, hei\u00dft das nicht, dass er uns fern ist. Es hei\u00dft nicht, dass das Wort das Fleisch angezogen hatte, sondern Fleisch wurde. Das macht deutlich: Gott wurde wahrhaft unseresgleichen in voller Solidarit\u00e4t (vgl. ebd., S. 52). In Jesus hat Gott an unserem Menschsein v\u00f6llig teilgenommen. Jesus versteht uns in all unseren Anfechtungen.<\/p>\n<p><em>Zweitens, Jesus ist das Leben<\/em><br \/>\nIn Vers 4 erfahren wir, dass Jesus nicht nur das Wort, sondern in ihm auch das Leben ist. Jesus bezeichnet sich selbst auch als das Leben. Aber was ist mit Leben eigentlich gemeint? Im Biologieunterricht haben wir die Merkmale von Lebewesen durchgenommen (wie etwa Wachstum, Stoffwechsel, Bewegung, Reaktion auf Reize usw.). So gesehen sind auch Pflanzen Lebewesen. Aber ist das ein Leben, von dem Johannes hier spricht? Es geht ja beim Leben nicht einfach nur darum, zu existieren. Johannes spricht von einem echten, erf\u00fcllten Leben. Das ist vergleichbar damit, wie man bei einer Veranstaltung anwesend ist. Manche Sch\u00fcler machen richtig aktiv am Unterricht mit, sie sind wirklich anwesend. Andere sind zwar da, aber sie sind innerlich abwesend. Genauso leben viele Menschen, aber nicht wirklich. Der S\u00fcndenfall brachte den Tod in die Welt. Seitdem existieren viele Menschen, aber leben nicht wirklich. Seit Jesu Auferstehung k\u00f6nnen Menschen wieder zu dem wahren, ewigen Leben gelangen. Viele Menschen suchen das Leben au\u00dferhalb von Jesus. Sie wenden sich weltlichen Freuden und Vergn\u00fcgungen hin \u2013 aber diese Dinge stillen nur kurzzeitig den Durst nach Leben. Seitdem Corona da ist, sind viele diese weltlichen Freuden eingeschr\u00e4nkt. Leute verlieren die Freude am Leben, werden depressiv. Sie wissen nicht, wo das Leben eigentlich zu finden sind, haben keine Alternative. Weil alles durch Jesus, und nichts ohne Jesus erschaffen wurde, war es schon immer so gewesen, dass in Jesus das Leben ist. Ein echtes Leben au\u00dferhalb von Jesus gibt es gar nicht. Das Leben au\u00dferhalb Jesus zu suchen widerspricht der eigenen Natur, dem eigenen Wesen. Wir sind nicht so gebaut, dass wir woanders als bei Jesus das Leben finden. Jesus Christus spricht: \u201eWer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht d\u00fcrsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt.\u201c Wo suchen wir, du und ich, das Leben? Wo suchen wir die Erf\u00fcllung?<\/p>\n<p><em>Drittens, Jesus ist das Licht<\/em><br \/>\nWir gebrauchen Begriffe wie \u201eTodesnacht\u201c, weil wir mit dem Tod Dunkelheit und Finsternis verbinden. Umgekehrt verh\u00e4lt es sich mit dem Leben. Am Ende von Vers 4 hei\u00dft es: Und das Leben war das Licht der Menschen. Das Leben steht in Verbindung mit Licht. Weil Jesus das Leben ist, ist er auch das Licht der Menschen. Was bedeutet das? Das Licht steht in der Bibel f\u00fcr Wahrheit, genauer gesagt die Wahrheit \u00fcber Gott (vgl. Joh. 1,18). Diese Wahrheit \u00fcber Gott ist nirgendwo deutlicher zu sehen als in der Person Jesu. Deswegen ist Jesus das Licht der Welt. Durch Jesus sehen Menschen Gott als den Vater. Diese Wahrheit ver\u00e4ndert ihr Leben. Es bringt Freude und Zuversicht in ihr Leben hinein, auch dann, wenn die Umst\u00e4nde das Gegenteil sprechen. Wenn wir hingegen die Dinge nicht so sehen, wie Gott sie sieht, machen sich in unserem Leben \u00c4ngste, Hoffnungslosigkeit, Sorgen, Verzweiflung etc. breit. Sie machen unser Leben finster. Doch im Vers 5 erfahren wir, dass das Licht Jesu in unsere Finsternis hineinscheinen und alle Finsternis vertreiben kann. Da wo Licht ist, kann es keine Finsternis geben. Ebenso ist es auch mit dem Licht Jesu. Da wo das helle Licht Jesu scheint, also da, wo die Wahrheit \u00fcber Gott in den Herzen von Menschen aufgeht, wird die Finsternis aus ihrem Leben vertrieben. Licht kann Finsternis vertreiben, aber die Finsternis kann das Licht nicht vertreiben. Ebenso ist auch das Licht Jesu st\u00e4rker als unsere Finsternis, wenn wir es in unserem Leben hineinleuchten lassen. Es gibt eigentlich nur eine Voraussetzung daf\u00fcr, dass das Licht Jesu in unser Leben scheinen kann. Diese erfahren wir in Joh. 3,19-21: Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren b\u00f6se. Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht blo\u00dfgestellt werden; wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind. Die Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass wir die Wahrheit liebhaben.<br \/>\nWir haben bisher betrachtet, wer Jesus ist. In den nachfolgenden Versen geht es darum, wer Jesus nicht ist. Ab Vers 6 ist auf einmal von Johannes, dem T\u00e4ufer, die Rede. Warum? Johannes, der T\u00e4ufer, hatte in der j\u00fcdischen Gesellschaft solch eine gro\u00dfe Anerkennung gefunden, dass manche sich fragten, ob er nicht der Messias sei. Deswegen ist der Apostel Johannes darum bem\u00fcht, dies richtigzustellen. Bemerkenswert ist, wie die Person des T\u00e4ufers eingeleitet wird: \u201eDa war ein Mensch, von Gott gesandt \u2026\u201c Anders als das Wort war Johannes nur ein Mensch. Johannes war von Gott gesandt, aber nicht Gott gleich. Johannes zeugte vom Licht, aber er war nicht das Licht. Das ist ein gro\u00dfer Unterschied. Es gab und gibt zu allen Zeiten gro\u00dfe M\u00e4nner und Frauen Gottes. Doch wie einflussreich sie auch waren und sind, sie selbst sind nicht das Licht und Leben. Sie k\u00f6nnen uns helfen zum Licht zu kommen. Sie k\u00f6nnen uns helfen, das ewige Leben zu bekommen und gedeihen zu lassen, aber sie selber k\u00f6nnen unser Leben nicht hell machen, sie k\u00f6nnen es nicht verbessern. Manche oder viele Menschen bauen ihre Hoffnung auf Menschen, weil sie meinen, durch sie kann die Finsternis aus ihrem Licht vertrieben werden. Allerdings werden sie darin entt\u00e4uscht. Warum? Ganz einfach, sie sind nicht das Licht, allenfalls k\u00f6nnen sie zeugen vom Licht. Man muss selber zu Jesus kommen, selber eine Beziehung mit ihm haben. Dies k\u00f6nnen uns andere Christen nicht abnehmen, wie geistlich auch sie sein m\u00f6gen.<br \/>\nWeil Jesu Person so \u00fcberragend gro\u00df ist, kann er uns auch gro\u00dfe Dinge geben. Hiervon sprechen die Verse 9 bis 13.<\/p>\n<p><strong>Teil 2: Die Gnade in Jesu (V. 9 \u2013 13)<\/strong><\/p>\n<p>Betrachten wir Vers 9. Weil Jesus das Licht der Welt ist, kann Jesus jeden Menschen erleuchten. Jeder kann erleuchtet werden! Was ist mit Erleuchtung gemeint? Ungl\u00e4ubige haben ein verkehrtes Gottesbild in ihrem Kopf. Wenn man mit ihnen redet, hat man den Eindruck, dass sich die einen Gott als einen blutr\u00fcnstigen, die anderen als eine gleichg\u00fcltige Person und wiederum andere als einen lieben Opa vorstellen. Ihr Verstand ist verfinstert. Doch in Jesus k\u00f6nnen sie Gott so begegnen, wie er wirklich ist, n\u00e4mlich als den Vater. Jesus sagt: \u201eWer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.\u201c Gott so erkennen, wie er wirklich ist, ist die Erleuchtung. Dies geschieht allein durch Jesus. Deswegen hei\u00dft es im Vers 18: \u201eNiemand hat Gott jemals gesehen; der einziggeborene Sohn, der in des Vaters Scho\u00df ist, der hat \u27e8ihn\u27e9 bekannt gemacht.\u201c Heutzutage glauben immer mehr Menschen, dass man nicht wissen kann, ob es einen Gott gibt oder nicht. Aber das ist nicht wahr. Jesus, das Licht der Welt, kann jedermann erleuchten. Jeder kann die Wahrheit \u00fcber Gott erkennen. Wenn ein Halogenstrahler auf meine Augen leuchtet, ich aber meine Augen mit meinen H\u00e4nden verdecke, kann ich nichts vom Licht vernehmen. Ebenso ist es mich dem Licht Jesu \u2013 man muss dessen Erleuchtung zulassen!<br \/>\nAber auch uns Gl\u00e4ubigen kann es passieren, dass sich in uns mit der Zeit ein verkehrtes Gottesbild einschleicht. Daher m\u00fcssen auch wir immer wieder durch die Begegnung mit Jesus aufs Neue erleuchtet werden. In R\u00f6mer 12,2 hei\u00dft es: \u201eUnd seid nicht gleichf\u00f6rmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes\u201c.<br \/>\nIm Vers 12 erfahren wir etwas Weiteres, was wir durch Jesus erhalten \u2013 es ist die Macht, ein Kind Gottes zu werden. Es kann aber auch hei\u00dfen: \u201eWie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden.\u201c Warum Macht? Die nat\u00fcrliche Geburt geschieht durch den Willen von Menschen, aber die geistliche Geburt allein durch den Willen Gottes. Man kann die geistliche Wiedergeburt nicht erzwingen. Wie sehr man sie auch wollte, sie geschieht doch nur dann, wenn es Gott auch will. Ein passendes Beispiel daf\u00fcr ist die Glaubensgeschichte von Whitefield, der alles M\u00f6gliche versuchte, Askese bis zum Rande des Zusammenbruchs betrieb, um wiedergeboren zu werden:<br \/>\nGott zeigte mir, dass ich von neuem geboren werden oder verdammt werden m\u00fcsse. Ich erfuhr hier, dass man in die Kirche gehen, Gebete aufsagen, das Sakrament empfangen kann, ohne ein Christ zu sein. Wie brachte das mein Herz in Wallung! (\u2026)<br \/>\nAls erstes versch\u00e4rfte er seine Askese, was ihm wachsende Feindschaft seiner Verwandten in Gloucester und Unverstand bei seinen Mitbr\u00fcdern im Heiligen Club einbrachte (\u2026)<br \/>\nDer geplagte J\u00fcngling trieb seine Askese noch weiter, a\u00df keine Fr\u00fcchte mehr, sondern gab das auf diese Weise gesparte Geld den Armen. Er nahm nur das k\u00fcmmerlichste Essen zu sich, trug einen geflickten Rock und schmutzige Schuhe. Dann st\u00fcrzte er sich in einen extremen Quietismus (\u2026) so dass er, statt wenig zu reden, gar nicht mehr redete, und aus dem Rat, vor Gott stille zu sein, den Schluss zog, gar nicht mehr zu beten. Er sa\u00df ganze Abende stumm vor sich hinstarrend unter seinen Freunden im Heiligen Club (\u2026)<br \/>\nNoch immer brannte die ungestillte Sehnsucht in seiner Seele, und er steigerte seine asketischen Strapazen abermals. Er meinte, er m\u00fcsse es dem Herrn gleichtun, der in der Wildnis versucht worden war. Ganze N\u00e4chte verharrte er auf den Feldern kniend oder b\u00e4uchlings ausgestreckt im Gebet (\u2026)<br \/>\nSchlie\u00dflich befand er sich am Rande des vollst\u00e4ndigen Zusammenbruchs. In der Fastenzeit des Fr\u00fchlings 1735 a\u00df er w\u00e4hrend sechs Wochen nichts als ein wenig Schwarzbrot und trank dazu Salbeitee. Er war k\u00f6rperlich schon so geschw\u00e4cht, dass er nicht mehr arbeiten und nur noch Tag und Nacht zu Gott fl\u00fcstern konnte. Meine in die L\u00e4nge gezogene Enthaltsamkeit und die inneren K\u00e4mpfe zehrten mich schlie\u00dflich so auf, dass ich in der Osterwoche fast nicht mehr die Treppe hinaufgehen konnte (\u2026)<br \/>\nSein Zustand war nun so ernst, dass man bef\u00fcrchten musste, Whitefield werde vom gleichen Schicksal getroffen, wie zwei Jahre vor ihm ein anderes Mitglied des Heiligen Clubs. William Morgan war damals \u00fcber seiner ma\u00dflosen Askese gestorben.2<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt dazu wirklich Macht bzw. Vollmacht, um ein Kind Gottes zu werden. Diese Macht hat Jesus. Jesus hat diese Macht, weil er das Wort Gottes ist. Das Wort Gottes kann neues Leben schaffen. Jesus gibt jedem die Macht, ein Kind Gottes zu werden, der an seinen Namen glaubt. Vers 12 macht deutlich, dass das Glauben an Jesu Namen gleichbedeutend damit ist, Jesus in sein Herz aufzunehmen. Manchen oder vielen f\u00e4llt es schwer, Jesus in ihr Herz aufzunehmen, weil ihnen etwas an Jesus st\u00f6rt. Zum Beispiel erkennen viele Jesus als einen guten und vorbildlichen Menschen an, haben aber ein Problem damit, ihn als den einzigen Weg zu Gott anzuerkennen. Jesus m\u00f6chte so aufgenommen werden, wie er tats\u00e4chlich ist, ohne Abstriche, mit all seinen Anspr\u00fcchen \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe seiner Person.<br \/>\nDas gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr uns Gl\u00e4ubigen. Im Laufe unseres Glaubenslebens m\u00f6chte sich Jesus uns mehr und mehr offenbaren. Dabei kann es sein, dass wir mit Dingen von Jesu Personen konfrontiert werden, die uns st\u00f6ren. Zum Beispiel hat das Petrus erlebt, als Jesus ihm den Kreuzesweg offenbarte (Mt. 16,22). Johannes der T\u00e4ufer \u00e4rgerte sich an Jesus, weil Jesus nicht so handelte, wie er erwartet hatte, als er im Gef\u00e4ngnis war (Mt. 11,2-6). Wenn wir ihn so annehmen, wie Er ist, kann das neue Leben in uns gedeihen und wir Christus \u00e4hnlicher werden.<br \/>\nEs kann aber auch hei\u00dfen: \u201eSo viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.\u201c Wenn von \u201eRecht\u201c die Rede ist, dann zeigt das, dass die Kindschaft Gottes ein Privileg ist. Was gibt es f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Privileg, als ein Kind Gottes zu sein? Hiervon spricht auch dieses Wort: Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! (R\u00f6m 8,15).<br \/>\nM\u00f6ge das Licht Jesu in unserem Leben mehr und mehr scheinen und alle Finsternis aus unserem Leben vertreiben. Lasst uns beten.<\/p>\n<p>_______________<br \/>\n1 DE BOOR, W. (1968): Das Evangelium des Johannes. Erkl\u00e4rt von Werner der Boor. R. Brockhaus Verlag Wuppertal.<br \/>\n2 PETERS, B. (20032): George Whitefield. Der Erwecker Englands und Amerikas, S. 25-27. CLV.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Wort, Licht und Leben \u201eIn ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.\u201c (Johannesevangelium 1,4) Wir feiern heute den 1. Advent, weil wir uns an die Ankunft des Herrn Jesus auf dieser Erde erinnern und dar\u00fcber freuen wollen. 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