{"id":10426,"date":"2021-12-12T11:00:15","date_gmt":"2021-12-12T10:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10426"},"modified":"2022-11-18T12:18:44","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:44","slug":"predigt-matthaeus-118-25-weihnachten-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-matthaeus-118-25-weihnachten-2021\/","title":{"rendered":"Predigt: Matth\u00e4us 1,18-25  &#8211;  Weihnachten 2021"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download<\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Gott rettet<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eSiehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn geb\u00e4ren, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das hei\u00dft \u00fcbersetzt: Gott mit uns.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4usevangelium 1,23)<\/p>\n<p>Der erste Verk\u00fcndiger und \u00dcberbringer vom heutigen Text war ein Engel im Traum. Die meisten von uns sind mit der Weihnachtsgeschichte vertraut. Deshalb nur sehr kurz: Maria war schwanger ohne Zutun von irgendeinem Menschen. Die Tatsache, dass Maria als Jungfrau vom Heiligen Geist schwanger war, ist seit jeher Gegenstand von vielen unanst\u00e4ndigen Witzen. Ich hatte einen bekennenden Atheisten als Zoologie-Professor, der sich mehrfach \u00fcber die Jungfrauengeburt lustig gemacht hatte. Es gab aber eine Person, die das \u00fcberhaupt nicht lustig fand. Und das war Josef. Historisch uninformierte Menschen denken immer wieder, dass die Leute damals viel leichtgl\u00e4ubiger waren als wir, weil wir ja so aufgekl\u00e4rt, zivilisiert und technologisiert sind. Fakt ist, die Menschen damals wussten genauso wie wir, woher Babys kommen. Und sie wussten, was passieren musste, damit Babys entstehen.<br \/>\nVers 19 sagt, dass Josef gerecht war; es bedeutet, dass er rechtschaffen war, mehr als nur anst\u00e4ndig. Er wollte sie nicht blo\u00dfstellen, und er beschlie\u00dft sich, sie zu verlassen. Sein Plan war, den Anschein zu erwecken, als ob er sich an ihr vergangen h\u00e4tte; er sollte ihre vermeintliche Schuld auf sich nehmen.<br \/>\nDann erscheint ihm der Engel im Traum und sagt ihm: \u201eJosef, Sohn Davids, f\u00fcrchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.\u201c Der Engel erkl\u00e4rt weiter: \u201eSie wird einen Sohn geb\u00e4ren; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen S\u00fcnden erl\u00f6sen.\u201c Der Name Jesus kann verschiedene verwandte Bedeutungen haben, wie z.B. \u201eDer Herr ist die Rettung\u201c, \u201eder Herr ist die Hilfe\u201c oder \u201eGott rettet\u201c. In Bezug auf die Rettung sagt uns der Text drei Dinge.<br \/>\n1. Wovon uns Jesus?<br \/>\n2. Wie rettet Jesus?<br \/>\n3. Wozu rettet Jesus?<\/p>\n<p><strong>1. Wovon uns Jesus?<\/strong><br \/>\nVers 21 sagt: \u201eihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen S\u00fcnden erl\u00f6sen.\u201c Der Text sagt, dass Jesus sein Volk von seinen S\u00fcnden erl\u00f6st. Jesus rettet uns von unseren S\u00fcnden. Und ich wei\u00df, dass das f\u00fcr viele Menschen ein schwieriges Konzept ist. Was ist S\u00fcnde \u00fcberhaupt? Ich habe diesen Text mehrfach zur Advents- und zur Weihnachtszeit gepredigt und finde das Thema immer noch schwierig. Zum einen ist es so, dass viele Christen einschlie\u00dflich meiner selbst ein limitiertes Verst\u00e4ndnis von S\u00fcnde haben. Viele Christen denken, dass S\u00fcnde bedeutet, dass man die Regeln bricht. Oder schlimmer noch: Gott hat alles verboten, was Spa\u00df macht; und S\u00fcnde ist, wenn man es trotzdem macht. Und das ist ziemlich daneben; es geht so ziemlich an allem vorbei, was die Bibel unter S\u00fcnde versteht. Zum anderen ist es nat\u00fcrlich so, dass Nicht-Christen das Wort S\u00fcnde kaum mehr verwenden. Und wenn man in unserer Gesellschaft eine Umfrage machen w\u00fcrde, was das Hauptproblem in dieser Welt ist, w\u00fcrde wohl niemand sagen, dass es die S\u00fcnde ist.<br \/>\nWenn sich Gelegenheiten zu tieferen Gespr\u00e4chen ergeben, dann stelle ich meinen nicht gl\u00e4ubigen Gespr\u00e4chspartnern gerne die Frage: \u201eMenschen: sind sie gut oder b\u00f6se?\u201c Diese Frage klingt vielleicht etwas naiv und unschuldig, aber ist alles andere als das. Es ist die e2-e4 Er\u00f6ffnung des Schachspiels: Der K\u00f6nigsbauer zieht zwei Schritte nach vorne. Danach kann sich das Gespr\u00e4ch wirklich in alle m\u00f6glichen Richtungen entwickeln: gibt es \u00fcberhaupt so etwas wie Gut und B\u00f6se aus einer moralischen Perspektive? Ist Gut und B\u00f6se objektiv und absolut? Wenn ja, wie ist das definiert?<br \/>\nIm Prinzip glauben die allermeisten Menschen daran, dass es so etwas wie Gut und B\u00f6se gibt. Nicht nur das, die meisten Menschen glauben, dass Gut und B\u00f6se nicht relativ sind, sondern absolut; und wenn sie sagen, dass sie nicht daran glauben, verhalten sie sich tagt\u00e4glich so, als ob es das gibt. Und die allermeisten Menschen sind damit einverstanden, dass wir in einer Welt leben, in der viele, wenn nicht die meisten Probleme etwas damit zu tun haben, dass Menschen nicht gut sind. Es ist einfach \u00fcberall und un\u00fcbersehbar, wenn wir Nachrichten lesen oder schauen. Erst gestern war im Spiegel ein Artikel \u00fcber Bewohnerinnen aus Frauenh\u00e4usern in Italien: Frauen, die von ihnen nahestehenden Menschen brutal misshandelt wurden.<br \/>\nViele schlaue Menschen haben sich \u00fcber die Natur des Menschen Gedanken gemacht. Immanuel Kant sagte z.B., dass der Mensch radikal b\u00f6se ist. Das Wort \u201eradikal\u201c stammt aus dem Lateinischen radix, Wurzel. Und damit meinte er, dass der Mensch von Natur aus, die Anlage und Neigung dazu hat, das Falsche zu tun, gegen das moralische Gesetz zu handeln. Der Mensch ist bereits in seiner Wurzel verdorben und korrupt. B\u00f6se ist untrennbar mit uns verbunden. Ich hatte eine Kollegin, die fest davon \u00fcberzeugt ist, dass Menschen gut sind. Sie meinte zu mir: \u201eAlle Menschen sind gut. Au\u00dfer der Maximilian [Hinweis: Name ge\u00e4ndert]. Der ist b\u00f6se.\u201c<br \/>\nEiner der intellektuell anspruchsvollsten Filme, die ich letztens gesehen hatte, unterstreicht diesen Punkt, dass der Mensch in sich eine Neigung zum B\u00f6sen hat. In dem Film Wonder Woman versucht die Heldin Ares, den Gott des Krieges, zu t\u00f6ten. Sie denkt sich, dass wenn der Kriegsgott tot ist, der Krieg vorbei ist, und die Menschen aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, sich zu bek\u00e4mpfen. Auf dem dramatischen H\u00f6hepunkt des Films schafft sie es, den Schurken zu erledigen (der sich sp\u00e4ter aber nicht als Ares herausstellt). Nachdem er tot ist, kann sie aber ihren Augen nicht trauen: Die Soldaten sind immer noch dabei, Giftgas auf einen Flieger zu laden. Der Krieg geht ungehindert weiter. Sie fragt sich, warum der Krieg weitergeht: \u201eAber Ares ist tot. Sie k\u00f6nnen jetzt aufh\u00f6ren zu k\u00e4mpfen. Warum k\u00e4mpfen sie immer noch?\u201c Ihr Freund Steve antwortet: \u201eVielleicht \u2026, vielleicht sind die Menschen nicht immer gut. Ares hin oder her. Vielleicht ist es einfach ein Teil ihrer Natur.\u201c Diana: \u201eMeine Mutter hatte recht: Die Menschen haben dich nicht verdient.\u201c Steve sagt: \u201eSie verdienen es nicht, dass wir ihnen helfen. Vielleicht tun wir es nicht. \u2026 Denkst du nicht, dass ich w\u00fcnschte, dass ich dir diesen einen nennen kann, der an allem schuld ist? So ist es nicht! Wir sind alle schuld.\u201c Wonder Woman sagt dann: \u201eIch nicht.\u201c Steve: \u201eAber ich bin es vielleicht.\u201c In diesen wenigen S\u00e4tzen hat Steve die ganze Misere der Menschheit ziemlich gut beschrieben. Wir Menschen sind nicht immer gut. Es ist Teil unserer Natur. Wir verdienen es nicht, gerettet zu werden. Wir sind alle schuld.<br \/>\nJahrhunderte nach Immanuel Kant kam Hannah Arendt, eine Studentin und Geliebte von dem Philosophen Martin Heidegger. Hanna Arendt hatte sich ebenfalls viele Gedanken \u00fcber die Bosheit des Menschen gemacht, vor allem anhand eines konkreten Verbrechens gegen die Menschheit, dem Holocaust. Arendt war eine Reporterin f\u00fcr den New Yorker und schrieb eine Reihe von Essays \u00fcber den Prozess gegen den SS-Anf\u00fchrer Adolf Eichmann. Eichmann war einer der Hauptorganisatoren von der Verfolgung und Deportation der Juden und daher mitverantwortlich am Mord von Millionen von Juden. Frage: ist Eichmann ein b\u00f6ser Mensch? Ja, nat\u00fcrlich ist er das. Aber gleichzeitig war die entt\u00e4uschende Feststellung, dass er auch einfach nur ein Mensch war. Er war kein Monster, kein Finsterling wie der Joker oder Lord Voldemort oder Es oder Thanos. Er war auch nicht gro\u00df. Manche hatten sogar gemutma\u00dft, ob sie vielleicht den falschen Mann festgenommen hatten. Arendt beschreibt ihn als Hanswurst, gedankenlos, realit\u00e4tsfern, ohne Fantasie, dem man beim besten Willen keine teuflisch-d\u00e4monische Tiefe abgewinnen kann. Mit anderen Worten, Eichmann ist so wie jeder andere beliebige Mensch. Er ist jemand wie du und ich, so anst\u00f6\u00dfig das auch klingen mag.<br \/>\nIn ihrem Buch \u00fcber den Eichmann-Prozess hat Hanna Arendt den Begriff \u201eBanalit\u00e4t des B\u00f6sen\u201c gepr\u00e4gt. Am Ende des Prozesses folgerte sie: \u201eIn diesen letzten Minuten war es, als z\u00f6ge Eichmann selbst das Fazit der langen Lektion in Sachen menschlicher Verruchtheit, der wir beigewohnt hatten \u2013 das Fazit von der furchtbaren Banalit\u00e4t des B\u00f6sen, vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert.\u201c Man muss jetzt dazu sagen, dass Arendt f\u00fcr ihr Buch und f\u00fcr diesen Ausdruck massiv kritisiert wurde. Gleichzeitig muss man sagen, dass sie da vermutlich auch missverstanden wurde.<br \/>\nFrage ist dann doch nach wie vor: wenn das B\u00f6se so harmlos und so banal daherkommt, wie kann man dann erkl\u00e4ren, dass dieses B\u00f6se sich in solch einem Hass und Zerst\u00f6rung und Verbrechen \u00e4u\u00dfert. Wie kann man diese beiden Elemente vereinen? Vicco von B\u00fclow, bekannter unter dem Namen Loriot, hat den Ring der Nibelungen sehr witzig, ironisch und liebevoll zusammengefasst. F\u00fcr diejenigen, die den Ring nicht kennen: es sind insgesamt vier Opern von Richard Wagner, die, wenn man sie ohne Pause auff\u00fchren w\u00fcrde, fast 16 Stunden dauern w\u00fcrden. Loriot beginnt seine Erz\u00e4hlung mit den Worten: \u201eDie T\u00e4ter im gewaltigsten Drama der Musikgeschichte sind eigentlich ganz nette Leute. Nur eine gemeinsame Leidenschaft wird ihnen zum Verh\u00e4ngnis. Sie wollen mehr besitzen, als sie sich leisten k\u00f6nnen, mehr Macht, als ihnen zusteht. In blindem, lieblosem Gewinnstreben vernichten sie sich selbst und ihre Welt. Zum Gl\u00fcck gibt es dergleichen ja nur auf der Opernb\u00fchne.\u201c Loriot sagt nicht, dass deren Problem ist, dass sie Geld und Macht wollten. Ihr Problem war, dass sie mehr haben wollten, als sie sich leisten k\u00f6nnen und mehr Macht haben wollten, als ihnen zusteht.<br \/>\nDie Bibel sagt, dass die Essenz der S\u00fcnde folgende zwei Elemente sind: Wir haben uns auf den Thron gesetzt, der Gott zu steht; wir wollen selbstbestimmt und autonom sein; wir wollen unsere eigenen Herren und Meister sein. Das andere Element ist, dass wir uns anderen Dingen zuwenden und mehr wollen als Gott selbst. Wir Menschen haben Gott mit etwas ersetzt haben, was nicht Gott ist. In seinem Buch \u201eCounterfeit gods\u201c schreibt Tim Keller: \u201eWas ist ein Ersatzgott? Es ist alles, was dir wichtiger ist als Gott, alles, was dein Herz und deine Vorstellungskraft mehr in Anspruch nimmt als Gott, alles, dem du dich zuwendest, um das zu bekommen, was nur Gott dir geben kann. Ein Ersatzgott ist etwas, das so zentral und wesentlich f\u00fcr dein Leben ist, dass du dein Leben kaum noch als lebenswert empfindest, wenn du es verlierst.\u201c<br \/>\nHabt ihr Momente erlebt, wo ihr dachtet: \u201eich kenne diese Person schon seit so vielen Jahren. Ich h\u00e4tte mir niemals vorstellen k\u00f6nnen, dass sie so etwas tut?\u201c Wei\u00dft du was? Wir alle sind diese Person. Du bist diese Person. In einem jeden von uns schlummert das Potential zu viel Gutem und zu abscheulichem B\u00f6sen. Was ist in deinem Herzen? Jeder von uns hat die Neigung, sein eigener K\u00f6nig sein zu wollen. Jeder von uns hat Ersatzg\u00f6tter im Leben. Jeder von uns gibt Personen oder Dingen einen absoluten Stellenwert, der nur Gott allein geh\u00f6ren sollte. Es kann alles und jeder sein: Karriere, Geld, Ehre, Anerkennung, Familie, Partnerschaft. Unser Hunger nach Geltung, Gl\u00fcck und Gewinn f\u00fchrt dazu, dass wir egoistisch und r\u00fccksichtslos handeln, dass wir unmoralische Dinge tun, l\u00fcgen und betr\u00fcgen, andere ausnutzen und ausbeuten, fremdgehen und letztendlich uns selbst zugrunde richten. Immanuel Kant und Wonder Woman haben recht: Das B\u00f6se ist in uns; Hannah Arendt und Loriot haben recht: das B\u00f6se kommt banal daher und hat trotzdem die Macht, uns und die ganze Welt zu zerst\u00f6ren. Und so lange du dich nicht retten l\u00e4sst, wird dein Suchen und Trachten nach dem, was nicht Gott ist, dich auffressen und deine Umgebung. Das ist es, was wir tagt\u00e4glich in den Nachrichten sehen.<br \/>\nUnd das ist die S\u00fcnde, von der Jesus uns rettet.<\/p>\n<p>2. Wie rettet Jesus?<br \/>\nIn Vers 23 zitiert der Engel das AT: \u201eSiehe: Die Jungfrau wird empfangen \/ und einen Sohn geb\u00e4ren \/ und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, \/ das hei\u00dft \u00fcbersetzt: Gott mit uns.\u201c Hier ist der erste Teil der Antwort. Jesus ist die Inkarnation Gottes. Er ist Gott, der kommt, um mit uns Menschen zu sein. Den anderen Teil der Antwort finden wir etwas versteckt und doch ist es am Ende offensichtlich. Ich wei\u00df nicht, ob es euch aufgefallen ist. Aber Engel hat eine interessante Art und Weise Josef anzusprechen. Er sagt: \u201eJosef, Sohn Davids \u2026\u201c Und nat\u00fcrlich war David nicht sein Vater. Im Stammbaum lesen wir, dass Jakob der Vater von Josef war. Warum redet der Engel Josef auf diese Weise an? Und im Kontext des ganzen Evangeliums wird es deutlich: Jesus kommt als K\u00f6nig. Ein K\u00f6nig braucht nat\u00fcrlich einen Stammbaum. Also f\u00e4ngt Matth\u00e4us mit dem Stammbaum Jesu an und zeigt, dass er Nachkomme Davids ist. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Schon im zweiten Kapitel fragen die Weisen aus dem Morgenland: \u201eWo ist der neugeborene K\u00f6nig der Juden?\u201c Immer und immer wieder wird im Evangelium verk\u00fcndigt, dass Jesus der rechtm\u00e4\u00dfige K\u00f6nig der Juden ist; und nicht nur das, der K\u00f6nig der ganzen Welt und der K\u00f6nig des Universums.<br \/>\nDas ist ja alles sch\u00f6n und gut. Und gleichzeitig zeigt Matth\u00e4us, dass Jesus ein K\u00f6nig wie kein anderer ist. Die meisten K\u00f6nige waren machtgierige Tyrannen. Aber Jesus regiert mit Liebe. Matth\u00e4us sagt \u00fcber Jesus, dass er nicht streitet und nicht schreit. Er zerbricht das geknickte Rohr nicht. Den glimmenden Docht l\u00f6scht er nicht aus. Jesus sagt \u00fcber sich selbst: \u201eKommt alle zu mir, die ihr m\u00fchselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin g\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig; und ihr werdet Ruhe finden f\u00fcr eure Seele.\u201c Nicht nur das, er ist der K\u00f6nig, der sich nicht bedienen l\u00e4sst, sondern selbst die Sch\u00fcrze umbindet, um uns zu dienen. Nicht nur das, Jesus sagt, dass es die Bestimmung des K\u00f6nigs der Juden ist, f\u00fcr sein Volk zu sterben. Jesus ist der K\u00f6nig, der f\u00fcr uns gestorben ist. Er steht nicht \u00fcber unseren Leiden und Schmerzen. Er leidet mit uns. Und er ist der K\u00f6nig, der den Tod \u00fcberwunden hat.<br \/>\nDie Essenz der S\u00fcnde ist, dass wir uns anma\u00dfen, dass wir unsere eigenen Herren sind. Die Essenz der Rettung ist, dass der K\u00f6nig zu uns kommt, um uns zu dienen. Wir haben Privilegien in Anspruch genommen, die uns nicht zustehen; Jesus gibt die Privilegien, die ihm zustehen, auf. Unser ganzes Sein ist ein Suchen nach dem wahren Leben; Jesus, der das wahre Leben hat und der selbst das wahre Leben ist, gibt es auf, damit wir leben k\u00f6nnen.<br \/>\nDas ist die Art und Weise, wie Jesus uns rettet.<\/p>\n<p><strong>3. Wozu rettet Jesus?<\/strong><br \/>\nWenn wir noch einmal den Vers 23 betrachten: \u201eSiehe: Die Jungfrau wird empfangen \/ und einen Sohn geb\u00e4ren \/ und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, \/ das hei\u00dft \u00fcbersetzt: Gott mit uns.\u201c Wir haben gesagt, dass die Art und Weise, wie Gott uns rettet, darin besteht, dass er in diese Welt kommt, um mit uns zu sein. Und zum Schluss m\u00f6chte ich argumentieren, dass das nicht nur der Weg ist, wie Gott uns erl\u00f6st; es ist auch das Ziel, zu dem er uns erl\u00f6st: Gott rettet uns, weil er mit uns sein will. Gott rettet uns, damit wir f\u00fcr immer mit ihm vereint sein k\u00f6nnen. Und gerade an dieser Tatsache k\u00f6nnen wir erkennen, ob wir Gottes Rettung wirklich verstanden haben oder nicht.<br \/>\nEliot, unser zweieinhalb Jahre altes Kind, ist meistens ein ganz lieber und netter Junge. Aber wenn es ans Z\u00e4hneputzen geht, treibt er uns manchmal in den Wahnsinn. Eliot und ich haben eine Abmachung: wenn er mich ohne Theater seine Z\u00e4hne putzen l\u00e4sst, dann darf er eine kurze Folge Pororo schauen (eine koreanische animierte Serie, die f\u00fcr Erwachsene fast genauso unterhaltsam ist wie f\u00fcr Kinder). Gestern hat er sich nicht an die Abmachung gehalten. Und ich habe ihm deshalb gesagt, dass es keine Serie zum Schauen gibt. Daraufhin hat er angefangen zu weinen. Ich habe ihm dann gesagt, dass er sich entschuldigen soll. Es ist nicht ganz einfach, einem Kind in diesem Alter dieses Konzept zu erkl\u00e4ren.<br \/>\nHier ist eine Illustration von John Piper, die ich extrem hilfreich finde. Stellen wir uns vor, ein Ehepartner baut Mist (meistens sind es die Ehem\u00e4nner): Ehemann vers\u00fcndigt sich an Ehefrau. Und jetzt denkt sich der Ehemann: Ich werde mich bei meiner Frau entschuldigen und versuchen mich mit ihr zu vers\u00f6hnen. Nat\u00fcrlich ist das eine gute Sache. Frage ist: warum? Warum sollte er sich entschuldigen? Und was sollte die Motivation sein, die ihn dazu antreibt? Sollte er sich bei ihr entschuldigen, damit seine Frau ihm morgens wieder Omelett macht? Oder damit er nachts nicht mehr im Wohnzimmer auf dem Sofa schlafen muss? Oder damit er vor seinen Kindern nicht mehr wie ein Trottel aussieht? Sollte er sich vers\u00f6hnen, damit die Beziehung wiederhergestellt werden kann, weil diese Beziehung an sich einen unermesslichen Wert hat; weil er die Gemeinschaft mit seiner Ehefrau liebt, weil er seine Ehefrau liebt? Was diese Illustration sehr eindr\u00fccklich zeigt, ist, dass es gute und noble Motive gibt, sich mit jemanden zu vers\u00f6hnen; und es gibt auch v\u00f6llig selbsts\u00fcchtige und selbstzentrierte Motive, es zu tun.<br \/>\nDie gute Nachricht von Weihnachten ist, dass Gott in Jesus Christus als K\u00f6nig in diese Welt gekommen ist: nicht als Oberherr oder Oberlehrmeister, schon gar nicht als Diktator oder Despot, auch nicht als Aufr\u00e4umer oder Aktivist. K\u00f6nig Jesus kommt zu uns als Vater, um uns zu adoptieren; als Freund in unserer Einsamkeit, als Bruder, der uns versteht. Jesus ist gekommen, um das Verlorene zu suchen und zu finden; um das Kranke zu heilen und wieder ganz zu machen; um die Toten zu erwecken, als ob sie nur schlafen; um mit uns zu sein, inmitten unserer Leiden und in unserem Chaos.<br \/>\nIn Jesus Christus macht Gott uns das einzigartige Angebot, dass wir im Hier und Jetzt bereits anfangen k\u00f6nnen, mit ihm und unter seiner Herrschaft zu leben. Auf eine vorher nie dagewesene Art und Weise ist Gott uns nah. Jesus ist Immanuel, Gott mit uns. Die Frage ist, ob wir das wollen. Die Frage ist, ob wir in der Gemeinschaft mit Gott einen Wert sehen. Nicht deshalb, weil Gott uns segnet, obwohl er das tut; nicht deshalb, um geheilt zu werden, obwohl er uns versprochen hat, dass er es tun wird; nicht deshalb, um nicht in die H\u00f6lle zu kommen. Jemand hatte mal gemeint: Ich w\u00e4re lieber mit Gott in der H\u00f6lle als ohne Gott im Himmel. Da ist etwas Wahres dran. Und doch macht das nur teilweise Sinn. Der Himmel ist der Himmel, weil Gott dort ist. Erst durch Gottes Gegenwart und seine ungehinderte Gemeinschaft mit uns wird der Himmel zum Himmel. Frage ist, ob wir Gott wollen, um seiner selbst willen; weil er es wert ist; weil er w\u00fcrdig ist; weil wir ihn lieben und weil wir ihn haben wollen mehr als das, was er gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Gott rettet \u201eSiehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn geb\u00e4ren, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das hei\u00dft \u00fcbersetzt: Gott mit uns.\u201c (Matth\u00e4usevangelium 1,23) Der erste Verk\u00fcndiger und \u00dcberbringer vom heutigen Text war ein Engel im Traum. Die meisten von uns sind mit der Weihnachtsgeschichte vertraut. 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