{"id":10399,"date":"2021-11-14T11:00:43","date_gmt":"2021-11-14T10:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10399"},"modified":"2022-11-18T12:18:46","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:46","slug":"predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-gesendet-zur-mission-6-matthaeus-2531-46","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-gesendet-zur-mission-6-matthaeus-2531-46\/","title":{"rendered":"Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will &#8211; Gesendet zur Mission 6  &#8211;  Matth\u00e4us 25,31-46"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Gesendet-zur-Mission_Lektion6-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Barmherzigkeit<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eUnd der K\u00f6nig wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4us 25,40)<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren heute die vorletzte Predigt zum Thema \u201eMission\u201c. Bisher haben wir betrachtet, wie Jesus seinen J\u00fcngern die Vision von der gro\u00dfen Ernte f\u00fcr das Evangelium gegeben und sie aufgefordert hat, Gott zu bitten, dass er Arbeiter in seine Ernte sende (Mt 9,35-38). Wir haben erfahren, wie Paulus in verschiedenen St\u00e4dten das Evangelium auf unterschiedliche Weise verk\u00fcndigt und dabei jeweils den kulturellen und religi\u00f6sen Hintergrund seiner Zuh\u00f6rer ber\u00fccksichtigt hat. Heute betrachten wir Jesu letzte Predigt im Matth\u00e4usevangelium vor seiner Gefangennahme. Davor hatte er nach dem Einzug in Jerusalem den J\u00fcngern die Rede \u00fcber die Endzeit gehalten. Danach hatte er ihnen durch drei Gleichnisse gesagt, wie sie bis zu seiner Wiederkunft leben sollten, und dabei erkl\u00e4rt, wer ins Himmelreich kommt und wer nicht (Gleichnis vom treuen und vom b\u00f6sen Knecht (24,45-51); von den klugen und t\u00f6richten Jungfrauen (25,1-13); von den anvertrauten Talenten (14-30)). Mit dem heutigen Text schlie\u00dft Jesus seine Rede an sie ab. Jesus k\u00fcndigt darin konkret an, dass er als K\u00f6nig wiederkommen wird und alle Menschen vor ihm versammelt, und dass die einen ins Himmelreich eingehen werden, die anderen aber ins ewige Feuer gehen m\u00fcssen. Es ist also eine konkrete Prophezeiung, bei der Jesus ein Bild gebraucht (Trennung von Schafen und B\u00f6cken). Durch das Gespr\u00e4ch des K\u00f6nigs mit den beiden Gruppen veranschaulicht er den Grund, warum die einen gerettet und die anderen verflucht werden. Lasst uns heute lernen, was Jesus von uns Gl\u00e4ubigen unbedingt erwartet.<\/p>\n<p>Wie beginnt Jesus seine Rede? Er sagt in den Versen 31 und 32a: \u201eWenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle V\u00f6lker werden vor ihm versammelt werden.\u201c Jesus sagt seine Wiederkunft nicht gleichnishaft, sondern klar und deutlich voraus. Dabei wiederholt er das Wort Herrlichkeit. Als Jesus zuerst auf die Erde kam, kam er als ein Baby in einem Stall in Niedrigkeit. Aber hier betont Jesus, dass er in Herrlichkeit kommen wird. Wenn auf ein K\u00f6nig oder Staatspr\u00e4sident eines anderen Lands Deutschland einen offiziellen Staatsbesuch abstattet, dann stehen am Flughafen vielleicht zwanzig oder drei\u00dfig Soldaten Spalier, um ihm Ehre zu erweisen. Letzte Woche hat zum Beispiel die K\u00f6nigin von D\u00e4nemark einen Staatsbesuch in Deutschland gemacht und wurde am Flughafen von einem hohen Beamten und einigen Soldaten der Bundeswehr empfangen. Das gilt als eine gro\u00dfe Ehre, die nur wenigen Menschen zuteil wird. Aber wenn der K\u00f6nig Jesus wiederkommt, wird es mit nichts auf der Welt zu vergleichen sein. Alle Engel werden mit ihm sein, um ihm Ehre zu erweisen; nach der Offenbarung gibt es viele Millionen Engel. Jesus wird sich nicht auf einen Stuhl aus Holz setzen, sondern auf den Thron seiner Herrlichkeit. Jesus wird herrlich sein, auch wenn er richtet.<\/p>\n<p>Alle V\u00f6lker werden vor ihm versammelt werden, und er wird sie scheiden, wie ein Hirte die Schafe von den B\u00f6cken scheidet. Hier verwendet Jesus ein Bild, das den Menschen damals sehr vertraut war. Damals war es \u00fcblich, dass man Schafe und Ziegen zusammen weiden lie\u00df. Am Abend trieb man alle Tiere zusammen und trennte die Schafe von den Ziegen, weil man sie in unterschiedliche St\u00e4lle bzw. Unterst\u00e4nde brachte. Dazu trieb man die Tiere in eine Art Gang, der so schmal war, dass am Ende jedes Tier einzeln vor dem Hirten stand. Der machte dann je nachdem, ob es ein Schaf oder eine Ziege war, auf der rechten oder auf der linken Seite das Gatter auf, sodass die Tiere genau getrennt wurden.<\/p>\n<p>Durch dieses Bild macht Jesus anschaulich, dass nach seiner Wiederkunft jeder einzeln vor ihm stehen wird. Heute denken die meisten, dass sie ihre Religion oder Weltanschauung beliebig w\u00e4hlen k\u00f6nnten und dass es nur darum ginge, ob sie selbst damit im Leben \u201ezurechtkommen\u201c. Immer mehr Menschen denken, dass es gar keine Wahrheit g\u00e4be, die \u00fcber ihnen steht, und sie lehnen Gott und sein Wort und seinen Sohn leichtfertig ab oder erkennen ihn nur formal und oberfl\u00e4chlich an. Diejenigen, die an Jesus glauben und ihm in ihrem Leben ernsthaft nachfolgen, sehen f\u00fcr viele wie Narren oder wie Fanatiker aus, weil sie auf Gott ihre Hoffnung setzen, den sie nicht sehen und deshalb nicht f\u00fcr real halten. Aber wenn Jesus wiederkommen wird in seiner Herrlichkeit, werden alle Menschen vor ihn gebracht und jeder wird einzeln vor ihm stehen. Niemand kann sich dann vor ihm verstecken. Niemand kann sich auf die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten Gruppe, zum Beispiel einer gl\u00e4ubigen Familie oder einer bestimmten Gemeinde, berufen; jeder wird einzeln vor dem K\u00f6nig stehen und von ihm beurteilt werden. Der K\u00f6nig wird jeden entweder zu seiner Rechten oder zu seiner Linken stellen. In dieser Welt scheint es viele m\u00f6gliche Wege zu geben, und jeder hat die Neigung, seinen eigenen Weg f\u00fcr richtig zu halten. Immer mehr Menschen behaupten, dass jeder Weg richtig sei, wenn man sich dabei gut f\u00fchlt und anderen keinen Schaden zuf\u00fcgt. Aber wenn Jesus wiederkommt in seiner Herrlichkeit, wird es nur zwei M\u00f6glichkeiten geben.<\/p>\n<p>Welche sind das? Vers 34 sagt: \u201eDa wird dann der K\u00f6nig sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters, und ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!\u201c Er wird denen zu seiner Rechten das Reich seines Vaters geben, das herrlich und ewig ist. Gott hat es f\u00fcr sie schon vorbereitet, als er diese Welt schuf. Gott hat schon von da an vorgehabt, ihnen das Reich zu geben, in dem es kein Leiden, keine Schmerzen, keine Tr\u00e4nen und keinen Tod mehr geben wird, sondern seine Leben in Herrlichkeit in Ewigkeit.<\/p>\n<p>Wer sind die, die diese Herrlichkeit erlangen? Jesus sagt in den Versen 35 und 36: \u201eDenn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gef\u00e4ngnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.\u201c Jesus sagt, dass sie ihm mit Barmherzigkeit begegnet waren, als er bed\u00fcrftig war. Auf den ersten Blick k\u00f6nnte man denken, dass sie sich das Reich durch ihre Werke verdient h\u00e4tten. Aber das ist sicher nicht, was Jesus damit sagen will. Im Vers 34 hei\u00dft es, dass sie das Reich ererben sollen. Erben bedeutet gerade nicht, dass man sich etwas erarbeitet oder verdient, sondern man erbt gew\u00f6hnlich wegen der Beziehung, zum Beispiel weil man der Sohn oder die Tochter des Gestorbenen war. Im Vers 37 werden sie au\u00dferdem \u201edie Gerechten\u201c genannt. Die Bibel sagt klar, dass kein Mensch durch seine Werke gerecht wird. Sie sind also nicht Gerechte, weil sie so viele Werke der Liebe getan haben, sondern umgekehrt: Sie haben so viele Werke der Liebe getan, weil sie vom K\u00f6nig gerecht gemacht worden sind und seine Liebe, die sie empfangen haben, im Herzen tragen.<\/p>\n<p>Die Gerechten wissen nicht, wann sie dem K\u00f6nig so gedient haben, und fragen: \u201eHerr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gef\u00e4ngnis gesehen und sind zu dir gekommen?\u201c (37-39) Ihnen war gar nicht bewusst, dass sie dem K\u00f6nig gedient haben. Sie haben den Br\u00fcdern, die in Not waren, wie selbstverst\u00e4ndlich gegeben, was sie brauchten, weil sie im Herzen barmherzig waren. \u201eUnd der K\u00f6nig wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan\u201c (40). Aber Jesus bewertet ihre Tat so, dass sie das f\u00fcr ihn getan haben. Wir wollen darauf gleich nochmal eingehen, aber davor den Text bis zum Ende betrachten.<\/p>\n<p>Jesus sagt weiter: \u201eDann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gef\u00e4ngnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht\u201c (41-43). Jesus nennt sie Verfluchte. Der Grund daf\u00fcr ist, dass sie ihm keine Barmherzigkeit erwiesen haben, als er in Not war. Auch sie fragen ihn, wann sie ihn denn bed\u00fcrftig gesehen und ihm nicht gedient haben. Seine Antwortet darauf ist: \u201eWahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.\u201c Die \u201eBegegnung f\u00fcrs Leben\u201c-\u00dcbersetzung sagt hier: \u201eIch versichere euch: Was ihr bei einem der Geringsten meiner Br\u00fcder und Schwestern unterlassen habt, das habt ihr an mir unterlassen!\u201c Sie waren unbarmherzig gegen\u00fcber den Geringen und haben ihre Bed\u00fcrfnisse ignoriert, weil es ihnen an Liebe fehlte. Ihnen fehlte die Liebe, weil sie den K\u00f6nig und seine wahre Liebe abgelehnt haben. Deshalb liebten sie ihn nicht und hatten keine Beziehung zu ihm. Daf\u00fcr haben sie keine Entschuldigung. Daher sagt Jesus abschlie\u00dfend: \u201eUnd sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben\u201c (46). Ihre gute bzw. fehlende Beziehung zu Jesus und die vorhandene oder fehlende Liebe zu den Geringen macht den Unterschied.<\/p>\n<p>Hier stellen sich einige Fragen, durch die wir einige wichtige Punkte lernen k\u00f6nnen. Zum einen hat sich bestimmt schon jemand gefragt: Wenn wir dadurch gerecht werden, dass wir Jesu Liebe zu uns im Glauben annehmen, warum hat Jesus in den Versen 35 und 36 ihre Werke der Liebe als Grund f\u00fcr ihre Rettung genannt? Auf diese Frage habe ich in einer Studienbibel eine gute Antwort gelesen: \u201eDas Echtheitssiegel unseres Glaubens ist die Art, wie wir handeln.\u201c (Begegnung f\u00fcrs Leben, S. 1575, SCM). Wir werden also durch den Glauben an Jesus gerecht; aber durch unsere Lebensweise zeigt es sich, ob unser Glaube echt ist. Wir selbst k\u00f6nnen es daran erkennen; und Gott will dieses Erkennungsmerkmal f\u00fcr unseren Glauben sehen. Zurecht, denn wenn wir Jesu Liebe wirklich f\u00fcr uns angenommen haben, werden wir von seiner Liebe erf\u00fcllt und werden unseren Mitmenschen lieben und den Bed\u00fcrftigen helfen. Interessanterweise nennt Jesus hier lauter Werke, die jeder jeden Tag tun kann. Jemandem zu essen, zu trinken oder Kleider zu geben oder einen Kranken oder Einsamen im Gef\u00e4ngnis zu besuchen, erfordert weder Reichtum noch besondere F\u00e4higkeiten oder Intelligenz. Jesus will, dass wir unseren N\u00e4chsten, die bed\u00fcrftig oder in Not sind, mit Liebe dienen, so gut wir es k\u00f6nnen, und nicht denken: Das ist nicht meine Aufgabe. Es gibt keine Entschuldigung daf\u00fcr, wenn wir Mitmenschen vernachl\u00e4ssigen, die in go\u00dfer Not sind. Die Liebe zu den Bed\u00fcrftigen ist eine entscheidende Eigenschaft unseres Glaubens, die Gott sehr wichtig ist. Paulus schrieb daher in seinem Brief an die Christen in Galatien: \u201eDenn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe t\u00e4tig ist\u201c (Galater 5,6). Echter gesunder Glaube macht uns aktiv und treibt uns zu vielen Werke der Liebe an.<\/p>\n<p>Wem gegen\u00fcber sollen wir auf diese Weise barmherzig sein? Wen hat Jesus mit seinen geringsten Br\u00fcdern genau gemeint? \u00dcber diese Frage ist viel diskutiert worden. Manche meinen, dass es sich auf die Juden bezieht, andere, dass es sich auf alle Christen bezieht, wieder andere, dass damit alle leidenden Menschen in der Welt gemeint sind. Ich glaube, dass Jesus hier vor allem seine J\u00fcnger, die an ihn glauben, gemeint hat. Vieles spricht daf\u00fcr. In Matth\u00e4us 10,42 sagt Jesus: \u201eUnd wer einem dieser Kleinen auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil es ein J\u00fcnger ist, wahrlich ich sage euch: Er wird nicht um seinen Lohn kommen.\u201c Das griechische Wort f\u00fcr \u201eKleinen\u201c ist zwar anders als das Wort f\u00fcr \u201eGeringsten\u201c, aber der Sinn der Aussagen ist \u00e4hnlich, und Jesus bezieht sich hier eindeutig auf J\u00fcnger. Au\u00dferdem hat Jesus nach dem Johannesevangelium am selben Abend seinen J\u00fcngern das neue Gebot gegeben und gesagt: \u201eEin neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebt habt\u201c (Joh 13,34). Jesus will eindeutig, dass wir die Glaubensgeschwister lieben, wie sie sind, und denen, die auf die eine oder andere Weise Mangel haben und Hilfe brauchen, mit Liebe dienen.<\/p>\n<p>Dabei sollen wir unsere Barmherzigkeit aber nicht auf die Glaubensgeschwister beschr\u00e4nken. Wenn wir einen Nachbarn oder Fremden sehen, der dringend Hilfe braucht, sollten wir ihm helfen, ganz unabh\u00e4ngig davon, ob er auch an Jesus glaubt; alles andere w\u00e4re gegen den Sinn der Liebe. Jesus liebt alle Menschen und will alle retten. Unsere Barmherzigkeit kann f\u00fcr sie ein gutes Zeugnis von Jesu Liebe sein. Apostel Paulus schrieb in seinem Brief an die Christen in Galatien: \u201eDarum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen\u201c (Gal 6,10). Wir sollen also jedem mit Barmherzigkeit begegnen und dienen, am meisten den Glaubensgeschwistern. Wenn wir die Geschwister aber nicht so lieben k\u00f6nnen, ist das ein Hinweis darauf, dass unsere Liebesbeziehung zu Jesus nicht mehr in Ordnung ist. Dann sollen wir zu Jesus kommen und f\u00fcr unsere mangelnde Liebe Bu\u00dfe tun und seine Liebe in unserem eigenen Herzen neu annehmen und sollen neu anfangen, sie an anderen auszu\u00fcben.<\/p>\n<p>Dabei kann es uns helfen, wenn wir uns bewusst machen, dass Jesus sich mit seinen hilfsbed\u00fcrftigen Br\u00fcdern identifiziert. Betrachten wir noch einmal Vers 40: \u201eUnd der K\u00f6nig wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt, einem von diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan.\u201c Jesus sagt hier nicht nur lobend, dass sich die Gerechten um bed\u00fcrftige Geschwister gek\u00fcmmert hatten. Er sagt viel mehr: \u201edas habt ihr mir getan.\u201c Damit identifiziert er sich mit den Gl\u00e4ubigen, die Hilfe brauchen. Wie ein Vater sich freut, wenn Freunde oder Nachbarn seinem Kind etwas Gutes tun, zum Beispiel es in ihre Wohnung aufnehmen, wenn niemand zu Hause ist und es drau\u00dfen kalt ist und regnet, so freut sich der K\u00f6nig Jesus sehr, wenn wir seinen Br\u00fcdern Gutes tun, selbst wenn sie die \u201eGeringsten\u201c sind, was bedeutet, dass sie vielleicht materiell bed\u00fcrftig sind oder noch klein oder unreif im Glauben sind. Jesus bewertet allen Dienst, den wir f\u00fcr sie tun, so, als ob wir es direkt f\u00fcr ihn getan h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr uns? Zuerst bedeutet es, dass wir Jesu Herz verstehen sollen, wie sehr er auch den Geringsten seiner Br\u00fcder liebt, auch den, der verschiedene Probleme oder einen nicht so einfachen Charakter hat, und sich w\u00fcnscht, dass es ihm gut geht. Die Frage ist: betrachten wir die Glaubensgeschwister mit diesem Bewusstsein? Wir sollen beten, dass wir die Geschwister nicht auf gew\u00f6hnliche Weise sehen, wie sie uns halt vorkommen, oder gar mit dem Gedanken an irgendwelche alten Erfahrungen mit ihnen, sondern mit den Augen Jesu, voller Liebe und Barmherzigkeit. Wir sollen f\u00fcr unsere Geschwister beten, bis wir hinter ihnen Jesus sehen, der sie so liebt und f\u00fcr sie gestorben ist und sich sehnlichst w\u00fcnscht, dass ihr Mangel gestillt und ihr Leben gut wird. Wir sollen uns immer wieder klarmachen, dass wir, wenn wir ihnen dienen, in Wirklichkeit Jesus dienen. Wenn uns das bewusst ist, haben wir immer eine gro\u00dfe Motivation und Bereitschaft, wahrzunehmen, was sie brauchen, und es ihnen zu geben \u2013 sei es ein Gespr\u00e4ch, ein Wort der Ermutigung, praktische Hilfe oder materielle Unterst\u00fctzung. Jede Not eines Bruders oder einer Schwester ist f\u00fcr uns eine gute Gelegenheit, unsere Liebe zu Jesus zum Ausdruck zu bringen. Und Jesus hat gesagt, dass er es als unsere Liebe zu ihm annimmt.<\/p>\n<p>Der Hauptpunkt dieser Predigt Jesu ist also die Liebe und Barmherzigkeit, die jeder Christ haben und im t\u00e4glichen Leben an seinen Geschwistern und N\u00e4chsten praktizieren soll, auch jeder von uns. Jesus will daran die Echtheit unseres Glaubens an ihn sehen. Seine Liebe bef\u00e4higt uns, unsere N\u00e4chsten anzunehmen, wie sie sind, und auf ihre Bed\u00fcrfnisse und N\u00f6te mit Barmherzigkeit zu antworten, seien sie praktischer oder seelischer oder geistlicher Art. Die Form unseres Dienens kann dementsprechend anders sein, zum Beispiel eine praktische Hilfe oder Besuch, Zuh\u00f6ren, Rat, Seelsorge oder Hilfe durch gemeinsames Bibellesen und Beten und F\u00fcrbitte. Wenn wir Jesu Liebe im Herzen haben, dann bef\u00e4higt uns seine Liebe dazu, die Bed\u00fcrfnisse des anderen richtig wahrzunehmen und zu verstehen, wenn wir f\u00fcr die Person beten und die Hilfe des Heiligen Geistes erbitten. Wenn wir einem Menschen aus Jesu Liebe helfen wollen und deshalb mit ihm die Bibel studieren, wollen wir immer den ganzen Menschen vor Augen haben und auch auf sein praktisches Leben achten, um ihm in Jesu Sinn ganzheitlich zu helfen. Nat\u00fcrlich werden wir, wenn derjenige unsere praktische Hilfe braucht, nach M\u00f6glichkeit helfen, was w\u00e4re das sonst f\u00fcr Liebe! Und andererseits, wenn wir einem Bruder oder einem Bekannten zum Beispiel beim Umzug helfen, werden wir auch an seine geistliche Lage denken und f\u00fcr sein geistliches Heil beten, weil uns Jesu Liebe dazu treibt.<\/p>\n<p>So wie Jesus das Gleichnis erz\u00e4hlt hat, geht es hier vor allem um die Liebe jedes Einzelnen und die Barmherzigkeit, mit der jeder den anderen begegnet. Aber es hat nicht nur eine pers\u00f6nliche Ebene, sondern betrifft auch die Gemeinde. Es gibt auch Barmherzigkeit, die man nur oder zumindest besser gemeinsam praktizieren kann. Vor Corona haben zum Beispiel einige Gemeinden in Heidelberg in der Adventszeit Obdachlosen Fr\u00fchst\u00fcck angeboten; da reicht nicht einer, sondern es braucht das Mitwirken Vieler. Manche Gemeinden unterst\u00fctzen bestimmte Hilfswerke oder einzelne Missionare im Ausland finanziell, da braucht es auch viele, die mitmachen. In der Geschichte haben die Christen wohl schon immer Barmherzigkeit einzeln praktiziert, aber zum Teil auch gemeinsam. Sie haben sich um einzelne Hilfsbed\u00fcrftige innerhalb und au\u00dferhalb der Gemeinde gek\u00fcmmert, manche haben aber auch gemeinsam Schulen, Waisenheime oder Krankenh\u00e4user gebaut. Es ist wichtig, dass jede Gemeinde Gottes Willen f\u00fcr sich findet, wie er sie gebrauchen will, und einen gewissen Konsens darin hat.<\/p>\n<p>Jesus will, dass auch von uns, dass wir barmherzig sind und Menschen in unterschiedlichen N\u00f6ten mit der Liebe Jesu helfen. Wir haben bisher am meisten daf\u00fcr gebetet, dass wir jungen Menschen in ihrer geistlichen Not mit dem Wort Gottes helfen k\u00f6nnen, zu Jesus zu kommen und seine J\u00fcnger und geistlich heil zu werden. Das erfordert nicht nur jahrelange M\u00fche und Gebet, sondern vor allem viel Barmherzigkeit. Wir sollen diese Barmherzigkeit weiter haben und aus\u00fcben und mit Jesu Liebe f\u00fcr die verlorenen jungen Menschen beten und ihnen dienen. Nat\u00fcrlich soll sich unsere Barmherzigkeit nicht darauf beschr\u00e4nken. Bisher haben wir auch eine christliche Hochschule in einem verschlossenen Land unterst\u00fctzt und f\u00fcr ein von Missionaren betriebenes Krankenhaus in Uganda (Bethesda) gespendet. Unser Weihnachtsopfer wird jedes Jahr weltweit gesammelt und sorgf\u00e4ltig f\u00fcr N\u00f6te innerhalb der Gemeinde und f\u00fcr Hilfswerke verwendet, die Menschen nach Naturkatastrophen oder Kriegen helfen. W\u00e4hrend ich das erw\u00e4hne, ist mir bewusst, dass das wie nichts ist gemessen an der Hingabe und Liebe, die wir von Jesus empfangen haben. Lasst uns daf\u00fcr beten, dass wir uns Jesu gro\u00dfer Liebe noch viel mehr bewusst werden und dass wir mit seiner Liebe im Herzen und offenen Augen sowohl als Einzelne als auch als Gemeinde noch viel mehr Gelegenheiten finden und nutzen, um unsere Liebe zu ihm an anderen auszudr\u00fccken. Amen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Barmherzigkeit \u201eUnd der K\u00f6nig wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan.\u201c (Matth\u00e4us 25,40) Wir h\u00f6ren heute die vorletzte Predigt zum Thema \u201eMission\u201c. 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