{"id":10384,"date":"2021-11-07T11:00:30","date_gmt":"2021-11-07T10:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10384"},"modified":"2022-11-18T12:18:46","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:46","slug":"fragebogen-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-gesendet-zur-mission-5-apostelgeschichte-1611-40-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/fragebogen-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-gesendet-zur-mission-5-apostelgeschichte-1611-40-2\/","title":{"rendered":"Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will &#8211; Gesendet zur Mission 5  &#8211;  Apostelgeschichte 16,11-40"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download<\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Gute Nachricht in Philippi<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDann f\u00fchrte er sie in sein Haus hinauf, lie\u00df ihnen den Tisch decken und war mit seinem ganzen Haus voll Freude, weil er zum Glauben an Gott gekommen war.\u201d<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Apostelgeschichte 16,34)<\/p>\n<p>Wir betrachten heute vorerst zum letzten Mal Texte aus der Apostelgeschichte, um etwas besser zu verstehen, wie sich das Christentum in den ersten Jahrzehnten geradezu explosionsartig ausbreiten konnte. Im heutigen Text wird die Stadt Philippi missioniert. Der Geschichtsschreiber Lukas sagt uns dazu, dass es eine f\u00fchrende Stadt in Mazedonien war und eine r\u00f6mische Kolonie. Die Stadt war nach Philipp von Mazedonien benannt. Im Jahr 42 vor Christus fand bei Philippi eine wichtige Schlacht statt, bei der Antonius und Octavian die beiden Attent\u00e4ter (Brutus und Cassius) von Julius C\u00e4sar besiegten. Nach dieser Schlacht lie\u00dfen sich viele r\u00f6mische Soldaten in dieser Stadt nieder. Einige Jahre sp\u00e4ter besiegte Octavian Marcus Antonius und Kleopatra (31 v. Chr.) bei Actium. Die r\u00f6mische Republik wurde danach zum r\u00f6mischen Imperium, und Octavian wurde danach zum ersten r\u00f6mischen Kaiser Augustus. Nach dieser Schlacht lie\u00dfen sich noch mehr ehemalige r\u00f6mische Soldaten in Philippi nieder. Philippi war eine durch und durch r\u00f6mische Stadt. Das ist etwas, was wir verstehen m\u00fcssen.<br \/>\nDer Text zeigt uns drei Dinge, die dazu gef\u00fchrt haben, dass in Philippi eine Gemeinde entstehen konnte: erstens, das Evangelium ist f\u00fcr jedermann; zweitens, das Evangelium beschenkt mit unaussprechlicher Freude; drittens, das Evangelium macht alles anders.<\/p>\n<p><strong>Erstens, das Evangelium ist f\u00fcr jeden<\/strong><br \/>\nIn der Stadt Philippi begegnen uns drei Personen, die unterschiedlicher nicht sein k\u00f6nnten. Die erste Person ist Lydia. Vers 14 sagt: \u201eEine Frau namens Lydia, eine Purpurh\u00e4ndlerin aus der Stadt Thyatira, h\u00f6rte zu; sie war eine Gottesf\u00fcrchtige und der Herr \u00f6ffnete ihr das Herz, so dass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte.\u201c F\u00fcr diejenigen, die nicht wissen, was Purpur war: Es war ein \u00e4u\u00dferst teurer Farbstoff. Er war so exklusiv und so wertvoll, dass zun\u00e4chst nur der Kaiser in Rom Purpur getragen hatte; die r\u00f6mischen Senatoren, die nach dem Kaiser die h\u00f6chste und erlesenste Gesellschaftsklasse war, trugen einen purpurnen Streifen. Obwohl Purpur dem Kaiser und den Senatoren vorbehalten, gab es reiche Privatleute, die es sich nicht nehmen lassen wollten, sich ebenfalls in Purpur einzukleiden.<br \/>\nWas machte den Farbstoff so unglaublich teuer? Er wurde aus Purpurschnecken gewonnen. Die Tiere wurden get\u00f6tet und dann wurde eine kleine Dr\u00fcse entfernt. Die wurde dann drei Tage in Salz eingelegt. Das Ganze wurde dann in Wasser erhitzt und gereinigt. Damit wurde die Wolle oder die Seide dann gef\u00e4rbt. Unter Licht und Sauerstoff ergab sich daraus eine intensive Violett-Farbe. Um ein Gramm von dem reinen Farbstoff herzustellen, brauchte man 8 bis 12.000 Schnecken. Es war ein ungemein aufwendiger Prozess. Lydia war nun eine Frau, die damit Handel machte. Ihr Beruf war Gesch\u00e4ftsfrau f\u00fcr einen der begehrtesten Luxusg\u00fcter der Antike.<br \/>\nDie zweite Person, die uns begegnet, befindet sich in etwas anderen Umst\u00e4nden. Vers 16: \u201eAls wir einmal auf dem Weg zur Gebetsst\u00e4tte waren, begegnete uns eine Magd, die einen Wahrsagegeist hatte und mit der Wahrsagerei ihren Herren gro\u00dfen Gewinn einbrachte.\u201c Magd ist ein etwas freundlicher klingendes Wort f\u00fcr Sklavin. Der Text sagt, dass sie von einem Geist besessen war. In heutiger Zeit w\u00e4re sie vielleicht als geisteskrank eingestuft worden. Ihren Besitzern war es nur recht: Was immer diese arme Frau von sich gab, konnte als Wahrsagerei verkauft werden. Was immer ihr Zustand war, f\u00fcr Paulus entwickelte sich diese Frau zu einer regelrechten Nervens\u00e4ge. In Vers 18 sehen wir, dass Paulus schlie\u00dflich die Hutschnur riss. Der trieb den Geist aus, und die Sklavin war sofort geheilt.<br \/>\nDie dritte Person, der wir begegnen, ist wieder von einem ganz anderen Schlag. Die Beamten gehen davon aus, dass Paulus und Silas zum einen vagabundierende Ausl\u00e4nder waren und zum anderen Unruhestifter waren. Entsprechend werden sie in Philippi ziemlich brutal behandelt. Verse 22 und 23 berichten davon, dass sie von der Polizei vor Ort mit Ruten geschlagen wurden. Blutend werden sie letztendlich ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Der Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter wird beauftragt, sie sicher zu verwahren. In Vers 24 hei\u00dft es dann: \u201eAuf diesen Befehl hin warf er sie in das innere Gef\u00e4ngnis und schloss ihre F\u00fc\u00dfe in den Block.\u201c<br \/>\nWir erfahren hier einiges \u00fcber den Kerkermeister. Vermutlich war er ein ehemaliger r\u00f6mischer Soldat. Er geh\u00f6rte definitiv zur Klasse der einfachen Arbeiter, der seinem Job nachging. Auf der einen Seite war er sehr pflichtbewusst. Auf der anderen Seite war er auch \u00fcbermotiviert. Was bedeutet es, dass er Paulus und Silas Beine in den Block legte? Es war eine Foltermethode. Die Beine der Gefangenen wurden dabei gespreizt, so dass es f\u00fcrchterliche Kr\u00e4mpfe und Schmerzen verursachte. Niemand hatte ihm aufgetragen, seinen \u201eG\u00e4sten\u201c weitere Leiden zuzuf\u00fcgen. Das war alles er selbst. Und es zeigt eine Gleichg\u00fcltigkeit und Brutalit\u00e4t in ihm.<br \/>\nDrei Charaktere begegnen uns hier also. Falls wir versuchen w\u00fcrden, diese drei Typen in die heutige Zeit zu \u00fcbertragen: Lydia w\u00e4re vielleicht die Besitzerin einer Louis Vuitton oder Tiffany Boutique an der Champs-Elys\u00e9es; die Sklavin w\u00e4re vielleicht eine drogenabh\u00e4ngige Prostituierte im Frankfurter Rotlichtviertel, die von ihren Zuh\u00e4ltern missbraucht wird; der Gef\u00e4ngnisaufseher w\u00e4re vielleicht ein Ex-Bundeswehrsoldat, der als Justizvollzugsbeamter arbeitet.<br \/>\nSie k\u00f6nnten nicht unterschiedlicher sein. Um mit dem Offensichtlichen anfangen: es waren zwei Frauen und ein Mann. Es waren Personen aus allen Gesellschaftsschichten: Lydia geh\u00f6rte zur Oberklasse, der Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter war Mittelklasse, die Sklavin war Unterklasse. Finanziell gesehen war Lydia wohlhabend, der Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter lebte in einfachen Verh\u00e4ltnissen, die Sklavin war mittellos. Was den Glauben angeht, war Lydia religi\u00f6s, der W\u00e4rter war irreligi\u00f6s, die Sklavin war anti-religi\u00f6s. Selbst vom Temperament her, k\u00f6nnten sie nicht unterschiedlicher sein: Lydia war warmherzig, der Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter war kaltherzig, die Sklavin war herzlos. Was die Umgangsformen angeht, war Lydia angenehm, der Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter war brutal, die Sklavin war nervig. Diese drei Individuen stehen f\u00fcr die Vielfalt der Gesellschaft damals. Ich kann mich nur wiederholen: noch gegens\u00e4tzlicher geht es kaum.<br \/>\nBevor wir fortfahren, wollen wir ganz kurz festhalten, was es f\u00fcr uns bedeutet. Es gibt viele Gr\u00fcnde, weshalb Menschen heutzutage nicht an Gott glauben. Eine ehemalige Kollegin von mir ist noch zu DDR-Zeiten aufgewachsen in einem nicht-christlichen Haushalt. Sie meinte, dass Gott einfach kein Thema bei ihnen in der Familie war und sie es auch nie vermisst hat. Vielleicht denken manche von euch: \u201eGlaube ist etwas f\u00fcr die Menschen, denen es nicht so gut geht. Ich stehe mit beiden Beinen im Leben und brauche so etwas nicht.\u201c Oder vielleicht denken manche, dass das Christentum eher f\u00fcr Menschen schlichten Gem\u00fcts ist. Karl Marx hatte vom Opium f\u00fcrs Volk gesprochen. Oder vielleicht denkst du: \u201eIch bin halt nicht so der Typ daf\u00fcr.\u201c<br \/>\nHier ist der Punkt: Es gibt keinen christlichen Typ! Es gibt praktisch nichts, was dich geeigneter oder ungeeigneter f\u00fcr den christlichen Glauben machen k\u00f6nnte. Es ist v\u00f6llig irrelevant in welcher Lage du dich befindest, ganz oben oder ganz unten in der Gesellschaft, reich oder arm, angenommen oder ausgesto\u00dfen, jung oder alt, gebildet oder ungebildet, gesund oder krank. Das Evangelium ist f\u00fcr alle Menschen, aller Zeiten; das Evangelium ist f\u00fcr dich.<\/p>\n<p><strong>Zweitens, das Evangelium bringt unaussprechlichen Frieden und Freude<\/strong><br \/>\nPaulus und Silas waren brutal zusammengeschlagen im tiefsten Verlies. Soweit nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches. Aber dann lesen wir in Vers 25: \u201eUm Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder; und die Gefangenen h\u00f6rten ihn zu.\u201c Hier ist das absolut Unerh\u00f6rte. So etwas hatte es im Gef\u00e4ngnis noch nie gegeben. Inmitten von Leid und Folter, im Angesicht des Todes, fangen Paulus und Silas an, zu singen. Der Text erw\u00e4hnt, dass die Gefangen ihn zuh\u00f6rten. So etwas hatten sie noch nie geh\u00f6rt. Normal w\u00e4re gewesen, dass Gefangene fluchen und schreien und klagen. Aber Paulus und Silas tun das absolute Gegenteil davon. Sie loben und sie preisen Gott.<br \/>\nPfarrer Wilhelm Busch ist der Frage nachgegangen, warum der Gesang erst um Mitternacht beginnt. Was machten die beiden zwischen 19 Uhr und Mitternacht? Busch hatte selbst die Erfahrung machen m\u00fcssen, wegen seines Glaubens eingesperrt zu werden. Er war in den ber\u00fcchtigten Gef\u00e4ngnissen der Gestapo. Seine Vermutung war, dass Paulus und Silas einige Stunden brauchten, bis sie das Licht sahen. Sie m\u00fcssen mit der Frage gehadert haben, warum Gott das alles zugelassen hatte. Warum hatte Gott es zugelassen, dass sie so brutal misshandelt wurden, dass sie bluteten, dass sie gebrochene Rippen hatten? Warum hatte Gott es zugelassen, dass sie im Gef\u00e4ngnis noch weiter leiden mussten? Selbst ein Glaubensheld wie Paulus hatte vielleicht Zweifel. Vielleicht brauchte auch er etwas Zeit, um diese bittere Pille zu schlucken. Aber dann beteten sie und in ihre Herzen wurden mit Lobgesang erf\u00fcllt. Sie hatten einen Frieden, den die Welt nicht kannte und den ihnen nichts und niemand wegnehmen konnte.<br \/>\nWir sehen den Frieden noch an anderer Stelle. Es kommt ein gewaltiges, \u00fcbernat\u00fcrliches Erdbeben, das dazu f\u00fchrt, dass die T\u00fcren des Gef\u00e4ngnisses sich \u00f6ffnen. Der Kerkermeister sieht die T\u00fcren des Gef\u00e4ngnisses offen, und denkt, dass die Gefangenen alle geflohen sind. Er zieht das Schwert, um sich umzubringen. Der Grund daf\u00fcr ist, dass er ohnehin exekutiert worden w\u00e4re, wenn die Gefangenen weg w\u00e4ren. Das wollte er sich ersparen, indem er sich selbst das Leben nahm. Paulus ruft laut: \u201eTu dir nichts an! Wir sind alle noch da.\u201c Das ist wiederum unerh\u00f6rt. Paulus und Silas h\u00e4tten fliehen k\u00f6nnen. Sie waren v\u00f6llig zu Unrecht im Gef\u00e4ngnis. Es w\u00e4re nur recht und billig gewesen. Es w\u00e4re au\u00dferdem die perfekte Art gewesen, es dem W\u00e4rter heimzuzahlen. Aber ihr Friede lie\u00df es nicht zu. Das Erstaunliche ist, dass nicht nur Paulus und Silas nicht get\u00fcrmt waren. Sie hatten einen solchen Einfluss und eine solche Autorit\u00e4t, dass alle Mitgefangenen ebenfalls geblieben waren. Alle waren noch da.<br \/>\nUnd das brachte diesen hartgesottenen Mann zitternd auf die Knie vor Paulus und Silas. Er fragt: \u201eIhr Herren, was muss ich tun, um gerettet zu werden?\u201c Viele traditionelle Christen interpretieren diese Frage als ein: \u201eWas muss ich tun, um nicht in die H\u00f6lle zu kommen, wenn ich sterbe?\u201c Aber ich glaube nicht, dass er das damit meinte. Seine Frage war ein: \u201eWas muss ich tun, um aus meinem Schlamassel herauszukommen?\u201c In Paulus und Silas sieht er zwei Menschen, die ganz eindeutig ihr Leben gemeistert haben. Sie haben etwas, was ihm fehlt: einen Frieden und eine Freude, die nicht von dieser Welt sind. Sie hatten eine Wahrheit, von welcher er nichts wusste. Sie glaubten an einen Gott, den er noch nicht kannte.<br \/>\nPaulus und Silas verk\u00fcndigen ihm die frohe Botschaft. Was ist das Resultat? Verse 33 und 34: \u201eEr nahm sie in jener Nachtstunde bei sich auf, wusch ihre Striemen und lie\u00df sich sogleich mit allen seinen Angeh\u00f6rigen taufen. Dann f\u00fchrte er sie in sein Haus hinauf, lie\u00df ihnen den Tisch decken und war mit seinem ganzen Haus voll Freude, weil er zum Glauben an Gott gekommen war.\u201c Im Haus des Gef\u00e4ngnisw\u00e4rters beginnt mitten in der Nacht ein Riesen-Freudenfest. Er l\u00e4sst sich mit allen seinen Angeh\u00f6rigen taufen. Und dann wird aufgetischt; sie essen und das ganze Haus ist mit einer tiefen Freude erf\u00fcllt. Das ist es, was das Evangelium tut. \u00dcberall dort, wo das Evangelium wirkt, werden Menschen mit einem \u00fcbernat\u00fcrlichen Frieden und mit unaussprechlicher Freude erf\u00fcllt. Nichts und niemand kann das aufhalten.<br \/>\nWir beten seit einigen Wochen f\u00fcr Darren, der an Krebs erkrankt ist. Er hat vor kurzem die letzte Runde Chemo-Radiotherapie abgeschlossen. Die Behandlung ist wirklich hart, und er hat erz\u00e4hlt, dass die Nebenwirkungen ihn wirklich mitgenommen haben. Darren hat uns vor kurzem geschrieben, dass es vor allem einen Vers gibt, der ihn die ganzen letzten Wochen hindurchgetragen hat: \u201eNachdem er sich mit dem Volk beraten hatte, ernannte der K\u00f6nig S\u00e4nger, die in heiligem Schmuck dem Heer vorangehen und dem HERRN singen und seine Herrlichkeit preisen sollten. Sie sangen: Dankt dem Herrn; denn seine Gnade bleibt ewig bestehen!\u201c Der Kontext von diesem Vers ist, dass Israel von einem riesigen Heer angegriffen wurde; genauer gesagt bestand das riesige Heer aus drei Armeen; genug um das ganze Land zu \u00fcberrollen. Der K\u00f6nig Joschafat antwortet auf diese Bedrohung mit meinem Worship-Team. Das ist es, was Darren w\u00e4hrend diesen Wochen getan hat: Er hat uns alle dazu aufgefordert, gemeinsam Gott zu preisen.<br \/>\nEr schreibt: \u201eW\u00e4hrend dieser Zeit habe ich gesehen, wie meine Eltern n\u00e4her zu Gott gekommen sind; mein \u00e4ltester Freund Austin (der nicht gl\u00e4ubig ist), m\u00f6chte mit mir die Bibel lesen, wenn das alles vorbei ist; betet f\u00fcr einen Mann namens Dave, dem ich im Krankenhaus Zeugnis gegeben habe, und der durch die gleiche Behandlung geht. \u2026 Ich war in der Lage, mit Uber-Fahrern zu beten und ihnen von Gottes G\u00fcte zu erz\u00e4hlen. Es gab wunderbare Zeiten.\u201c Und genau das ist es, was ich meine. Es gibt keine Fesseln, keine Gef\u00e4ngnismauern, keine Krankheit, keine Umst\u00e4nde, welche die Freude des Evangeliums aufhalten k\u00f6nnen.<br \/>\nEgal ob du an Jesus glaubst oder nicht oder wie stark und ausgepr\u00e4gt dein Glaube ist, ohne diese Freude bist du verloren. Der Kerkermeister hatte es nicht, aber er wollte es und am Ende bekam er es.<\/p>\n<p><strong>Drittens, das Evangelium ver\u00e4ndert alles<\/strong><br \/>\nDer Text l\u00e4sst ein R\u00e4tsel offen. Die Beamten der Stadt gaben den Befehl, dass man Paulus und Silas freilassen sollte. Sie hatten sich wahrscheinlich gedacht: \u201eSo wie wir die beiden Vagabunden behandelt haben, werden wir uns keine Sorgen mehr um sie machen m\u00fcssen. Die werden sich hier nie wieder blicken lassen.\u201c Zu ihrer gro\u00dfen \u00dcberraschung sagte Paulus aber: \u201eNein, wir gehen nicht.\u201c Vers 37: \u201eSie haben uns ohne Urteil \u00f6ffentlich auspeitschen lassen, obgleich wir r\u00f6mische B\u00fcrger sind, und haben uns ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Und jetzt m\u00f6chten sie uns heimlich fortschicken? Nein! Sie sollen selbst kommen und uns hinausf\u00fchren.\u201c<br \/>\nIn der Apostelgeschichte gibt es eine andere Begebenheit, in der Paulus sich wieder in r\u00f6mischer Gefangenschaft befindet. Wieder wird der Befehl gegeben, dass man ihn auspeitschen soll. Aber dieses Mal sagt er von vornherein, dass er r\u00f6mische B\u00fcrger ist. Und Paulus wird mit sofortiger Wirkung losgebunden. R\u00f6mische B\u00fcrger besa\u00dfen besondere Rechte. Sie durften ohne Gerichtsurteil nicht geschlagen werden. Vers 38 erw\u00e4hnt, dass die obersten Beamten erschraken, als sie das h\u00f6rten. Sie wussten, dass sie richtigen \u00c4rger bekommen k\u00f6nnten, wenn das an die gro\u00dfe Glocke geh\u00e4ngt werden w\u00fcrde. Die Angelegenheit war ihnen so wichtig, dass sie pers\u00f6nlich zu Paulus und Silas kamen, sich entschuldigten und sie baten, die Stadt zu verlassen. Hier ist das R\u00e4tsel: warum hatte Paulus in Philippi seine Trumpfkarte nicht vorher ausgespielt?<br \/>\nJohn Ortberg hat sich mit der r\u00f6mischen Gesellschaft damals besch\u00e4ftigt. Und er erkl\u00e4rt: \u201eEin m\u00e4nnlicher, r\u00f6mischer B\u00fcrger durfte ab 14 die sogenannte toga virilis tragen. Ironischerweise war die Toga \u201eein bemerkenswert unbequemes Kleidungsst\u00fcck\u201c. Im Winter zog es, im Sommer war es br\u00fctend hei\u00df, eine Hand blieb bedeckt und unbrauchbar, sie war schwer zu ordnen (die Reichen besch\u00e4ftigten Sklaven, die speziell f\u00fcr das Anlegen der Toga ausgebildet waren) und hatte nur einen einzigen Wert: die Verk\u00fcndigung des Status.\u201c Zum Gl\u00fcck gibt es das heute nicht mehr, dass man Kleidung als Statussymbol verwendet, oder etwa doch?<br \/>\nWie wichtig ist dir Status? Bei meinem Vorstellungsgespr\u00e4ch hatte ich gefragt, wie die Stelle einzuordnen ist: es gibt Associate Scientist, Scientist, Senior Scientist, Principal Scientist. Was ist gewichtiger, was ist h\u00f6her? Und die Managerin sagte zu mir: \u201eAch wissen Sie, es gibt bei uns Mitarbeiter, die so in ihren Titel verliebt sind. Wichtiger ist jedoch, welche T\u00e4tigkeit man hat.\u201c Ich arbeite jetzt seit dreieinhalb Jahren mit dieser Managerin zusammen. Und ich konnte den Eindruck nicht absch\u00fctteln, dass sie auch eine der Personen ist, die in ihren eigenen Titel verliebt ist.<br \/>\nStatus war in der r\u00f6mischen Gesellschaft unglaublich wichtig. In einem Artikel habe ich gelesen: \u201eZu jedem Zeitpunkt der r\u00f6mischen Geschichte wussten die einzelnen R\u00f6mer mit Sicherheit, dass sie einer bestimmten sozialen Klasse angeh\u00f6rten: Senator, Ritterstand, Patrizier, Plebejer, Freie, Sklaven. In einigen F\u00e4llen wurden sie in diese Klasse hineingeboren. In anderen F\u00e4llen sicherte ihnen ihr Reichtum oder der Reichtum ihrer Familie die Zugeh\u00f6rigkeit. [\u2026] Zu keinem Zeitpunkt bestand Zweifel dar\u00fcber, welche R\u00f6mer zu welcher Klasse geh\u00f6rten.\u201c<br \/>\nDas war die Gesellschaft, in der eine christliche Gemeinde hineingeboren wurde. Zu dieser Gemeinde geh\u00f6rten Lydia, die Sklavin und der Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter. Jahre sp\u00e4ter schrieb Paulus an diese Gemeinde einen Brief. Der Brief enth\u00e4lt einige Verse, bei denen viele Ausleger und Theologen davon ausgehen, dass es sich um eines der fr\u00fchesten christlichen Lieder handelte. Paulus schreibt: \u201eSeid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: [und hier folgt jetzt das Lied.] Er war Gott gleich, \/ hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er ent\u00e4u\u00dferte sich \/ und wurde wie ein Sklave \/ und den Menschen gleich. \/ Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich \/ und war gehorsam bis zum Tod, \/ bis zum Tod am Kreuz.\u201c Nat\u00fcrlich gab es in der griechischen Mythologie Geschichten von Zeus und anderen G\u00f6ttern, die sich tempor\u00e4r als Menschen ausgaben. Aber das hier ist etwas ganz anderes. Gott wird Mensch. Nicht nur das: Gott wird Sklave. Nicht nur das: Gott stirbt. Nicht nur das: Gott stirbt am Kreuz. Gott ging zu Boden, damit wir Menschen nachtreten konnten. Tiefer geht es nicht. Im Zentrum des christlichen Glaubens ist Gott, der bereit ist, sich aufs \u00c4u\u00dferste zu degradieren. Und er tut es f\u00fcr dich und f\u00fcr mich. Er tut es, weil es keine andere M\u00f6glichkeit gab, um uns zu retten. Nur diese eine M\u00f6glichkeit. Es gibt keine andere Religion, keinen anderen Glauben, der uns das bieten kann.<br \/>\nNoch einmal die Frage: warum haben Paulus und Silas damit gewartet, sich als r\u00f6mische B\u00fcrger zu outen? Warum haben sie sich misshandeln lassen und ihr Leben riskiert? Hier ist eine m\u00f6gliche Antwort darauf: Weil sie einem Herrn und K\u00f6nig folgten, der sich so erniedrigte. Sie brauchten das Statusspiel nicht mehr mitzuspielen. Sie haben sich mit den Armen, den Klassenlosen, den Rechtelosen identifiziert. Sie lie\u00dfen sich so behandeln wie Sklaven. Sie sagten: \u201eMein Wert h\u00e4ngt nicht von meinem Status ab. Meine Identit\u00e4t ist unabh\u00e4ngig davon, welcher Klasse ich angeh\u00f6re.\u201c Auf ganz subtile und unscheinbare Art stellten sie die Gesellschaft auf den Kopf. Das ist es, was ich damit meine: Das Evangelium macht alles anders.<br \/>\nWas in dem Brief an die Philipper Gemeinde ebenfalls besonders ist, ist die Art und Weise, wie Paulus sich vorstellt. In allen anderen Briefen an andere Gemeinden stellt Paulus sich als Apostel vor. Das war sein offizielles Amt, das ihm auch eine gewisse Autorit\u00e4t verliehen hat. In 1. Korinther lesen wir: \u201ePaulus, berufen zum Apostel Christi durch den Willen Gottes&#8230;\u201c An die Kolosser schreibt er: \u201ePaulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes&#8230;\u201c An die Epheser schreibt er: \u201ePaulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes&#8230;\u201c Die Galater waren Paulus\u2019 Sorgenkinder. An die Galater schreibt er deshalb: \u201ePaulus, ein Apostel nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater&#8230;\u201c Aber den Brief an die Gemeinde in Philippi beginnt Paulus folgenderma\u00dfen: \u201ePaulus und Timotheus, Sklaven von Jesus Christus&#8230;\u201c<br \/>\nHier ist das Erstaunliche: Das r\u00f6mische Reich ist nicht mehr. Die Kaiser, die Senatoren, die Ritter, die B\u00fcrger und die Sklaven sind nicht mehr. Sie sind eine Randnotiz der Geschichte. Aber das Evangelium hat alles \u00fcberdauert. Die Gemeinde Jesu ist heute noch da. Jesus wird heute noch gelobt und gepriesen, 2000 Jahre sp\u00e4ter.<br \/>\nHier sind die drei Punkte: das Evangelium ist f\u00fcr jeden. Und weil das Evangelium f\u00fcr jedermann ist, ist es auch f\u00fcr dich, ganz egal wo im Leben du dich gerade befindet. Das Evangelium beschenkt mit \u00fcbernat\u00fcrlichem Frieden und mit Freude. Weil das Evangelium mit unaussprechlicher Freude erf\u00fcllt, ist es etwas, was du dir zumindest w\u00fcnschen solltest, auch wenn du vielleicht (noch) nicht daran glauben kannst. Drittens, das Evangelium macht alles anders. Weil das Evangelium alles anders macht, ist das Evangelium unglaublich relevant: Es ver\u00e4ndert dein Leben, er hat die Kraft, die Gesellschaft zu ver\u00e4ndern und die ganze Welt und die ganze Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Gute Nachricht in Philippi \u201eDann f\u00fchrte er sie in sein Haus hinauf, lie\u00df ihnen den Tisch decken und war mit seinem ganzen Haus voll Freude, weil er zum Glauben an Gott gekommen war.\u201d (Apostelgeschichte 16,34) Wir betrachten heute vorerst zum letzten Mal Texte aus der Apostelgeschichte, um etwas besser zu verstehen, wie sich das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[14,41,4],"tags":[],"class_list":["post-10384","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-apostelgeschichte","category-gemeinde","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10384","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10384"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10384\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10388,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10384\/revisions\/10388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10384"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10384"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10384"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}