{"id":10340,"date":"2021-10-17T11:00:20","date_gmt":"2021-10-17T09:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10340"},"modified":"2022-11-18T12:18:48","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:48","slug":"predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-gesendet-zur-mission-2-apostelgeschichte-1716-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-gesendet-zur-mission-2-apostelgeschichte-1716-34\/","title":{"rendered":"Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will &#8211; Gesendet zur Mission 2  &#8211;  Apostelgeschichte 17,16-34"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download<\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Intellektuell relevante Mission<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eGott, der \u00fcber die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, gebietet jetzt den Menschen, dass \u00fcberall alle umkehren sollen.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">Apostelgeschichte 17,30<\/p>\n<p>Frage: Wer von euch hatte etwas mit guten Intentionen gemacht, und es ging v\u00f6llig nach hinten los? Ihr wolltet zum Beispiel eurem Ehepartner nur helfen. Und anstatt dass der Ehepartner sich geholfen f\u00fchlt, ist er einfach nur genervt. Wem von euch so etwas schon mal passiert? Im Englischen gibt es ein Sprichwort: \u201eImpact trumps intent.\u201c Und es bedeutet so viel wie: Die Auswirkung von deinen Taten wiegt schwerer als deine Absichten. Anders gesagt, du kannst die besten Absichten gehabt haben. Wenn es trotzdem unpassend ist oder falsch ankommt, hast du es trotzdem vermasselt. Das Schlimme ist, dass uns das nicht nur in unseren pers\u00f6nlichen Beziehungen passieren kann, sondern auch in unserem Zeugnis f\u00fcr Jesus.<\/p>\n<p>Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen m\u00f6chte, ist eine Gemeinde, die im tief im Evangelium verwurzelt ist, berufen zur Gemeinschaft ist und zur Mission gesendet ist. Letzte Woche haben wir mit dem letzten Thema angefangen: Wir werden von Jesus in die Welt gesendet zur Mission. Beim Bibelstudium hatten wir eine etwas kontroverse Diskussion dar\u00fcber, ob und wie sich die Gesellschaft ver\u00e4ndert hat, im Bezug auf ihre Offenheit gegen\u00fcber dem Christentum. Meine These war, dass die Methode, fremde Menschen anzusprechen, heute noch unfruchtbarer ist, als es vor 30 oder 40 Jahren der Fall gewesen ist. Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, waren damit nicht einverstanden. Sie sehen das Problem haupts\u00e4chlich darin, dass der Eifer zur Mission abgenommen hat. Die Argumentation lautet: wenn wir heute den gleichen Geist und den gleichen Einsatz zeigen w\u00fcrden, dann w\u00fcrden wir heute die Menschen praktisch genauso gut erreichen wie damals in den 80-er Jahren. Ich bin damit einverstanden, dass es grunds\u00e4tzlich immer gut ist, Herz und Eifer zu haben.<\/p>\n<p>Gleichzeitig denke ich aber, dass sich unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten wirklich gewandelt hat. Und ich denke, dass es heute grunds\u00e4tzlich wesentlich herausfordernder ist, Menschen f\u00fcr Jesus zu erreichen. Hier sind ein paar Fakten zu meinem zugegebenerma\u00dfen sehr subjektivem Gef\u00fchl. Vor vier Jahren schrieb der Tagesspiegel: \u201eSchleichend, aber schnell hat im 20. Jahrhundert in der christlichen Welt ein dramatischer Wandel stattgefunden, der sich mit einem epochalen Ereignis wie der Reformation durchaus vergleichen l\u00e4sst. Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist das Christentum eine universale, sehr rasch wachsende Religion geworden. Dieser Christianisierungsschub umfasst sowohl die evangelische als auch die katholische Glaubensrichtung. Es dominiert der globale S\u00fcden, die abendl\u00e4ndische europ\u00e4ische Kernregion verliert stetig an Einfluss und Bedeutung.\u201c<\/p>\n<p>Um das Ganze mit Zahlen zu untermauern: vor hundert Jahren lebten mehr als 80 Prozent aller Christen in Europa und Nordamerika, heute wohnen von 2,2 Milliarden Christen weltweit zwei Drittel in Asien, Afrika und Lateinamerika. Laut Statistik der \u201eWorld Christian Encyclopedia\u201c wird das Christentum im globalen S\u00fcden im Jahr 2025 auf 1,7 Milliarden Menschen anwachsen, w\u00e4hrend es in Nordamerika bei rund 270 Millionen stagniert und in Europa auf 514 Millionen schrumpft.<\/p>\n<p>Wie schaut es in Deutschland aus? Wie macht es sich hier bemerkbar? Auf Statista hatte ich mir die Anzahl der Mitglieder in der evangelischen Landeskirche angeschaut. Von 2003 bis 2020 ist die Zahl der Mitglieder von 25,8 auf 20 Millionen gesunken. Das ist ein Schwund von mehr als 20 % in weniger als 20 Jahren. Das ist enorm. Meine Familie wohnt im selben Stra\u00dfenblock, in dem sich die Lutherkirche befindet. Die Lutherkirche ist so zusammengeschrumpft, dass sie 2019 mit der Markus- und der Christus-Gemeinde zusammengelegt werden musste. Das ist eine der traurigen Konsequenzen einer Kirche auf dem absteigenden Ast.<\/p>\n<p>Hier ist noch eine subjektive Beobachtung, die ich gerne teilen m\u00f6chte im Bezug auf unseren eigenen Gemeindeverbund. Praktisch alle UBF Gemeinden, die in den 70er und Anfang der 80er Jahren in Deutschland gegr\u00fcndet wurden, konnten kritische Masse aufbauen, sowohl in K\u00f6ln, Bonn, Stuttgart, Bochum, Stuttgart und Heidelberg. In praktisch allen St\u00e4dten, die sp\u00e4ter z. B. in den 90er Jahren missioniert wurden, war das nicht mehr m\u00f6glich. Die meisten von diesen Gemeinden haben nach Jahrzehnten der Mission immer noch Hausgemeinde-Status. Das l\u00e4sst sich nicht nur in Deutschland, sondern auch im europ\u00e4ischen Ausland beobachten (ganz grob vereinfacht gesprochen). Ich denke nicht, dass mangelnder Eifer die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr ist.<\/p>\n<p>Woran liegt das? Ich wei\u00df es nicht genau. Aber die Gesellschaft ist auf jeden Fall dramatisch im Wandel. Und die jungen Menschen vor 30 oder 40 Jahren waren anders als die Menschen heute. Tim Keller hatte im Bezug auf Mission Markus 9: wir haben es mit einem D\u00e4mon zu tun, den wir nicht mit Schema F austreiben k\u00f6nnen. Ich denke, dass unsere 08\/15 Methoden nicht mehr so funktionieren wie es vor Jahrzehnten der Fall war. Die alten Mittel haben nicht mehr die gleiche Wirkung.<\/p>\n<p>Vielleicht denkt ihr an dieser Stelle: \u201eWenn du so schlau bist, dann mach es doch besser, du Klugschw\u00e4tzer.\u201c Ich f\u00fchle mich definitiv unqualifiziert, um \u00fcber das Thema zu sprechen. Aber ich m\u00f6chte gerne einen Vorschlag machen. Tim Keller, der vielleicht mehr Ahnung als jeder andere Mensch davon hat, wie man auch heute im Westen erfolgreich missionieren kann, meinte, dass das Geheimnis in der Urgemeinde zu finden ist. Entgegen allen Wahrscheinlichkeiten hat die fr\u00fche Gemeinde die ganze damals bekannte Welt f\u00fcr das Christentum gewonnen. Heute und in den n\u00e4chsten Wochen wollen wir uns mit der fr\u00fchen Gemeinde besch\u00e4ftigen. Genauer gesagt, wollen wir uns dar\u00fcber Gedanken machen, wie genau Paulus die Menschen damals evangelisiert hat. Wir wollen uns nicht nur anschauen, was er gesagt und gemacht hat, sondern auch, was er in Athen anders gemacht hat als in anderen St\u00e4dten; was er in Ephesus anders gemacht hat etc. Ich glaube, dass es eine sehr lohnende Erfahrung sein kann.<\/p>\n<p>Im heutigen Text sehen wir Apostel Paulus in der Stadt Athen. Paulus evangelisiert eine Stadt, die damals das intellektuelle Zentrum der Antike war. Das ist, wie wenn Paulus heute vor der versammelten Fakult\u00e4t von Harvard und Yale stehen w\u00fcrde. Vers 17 sagt, dass Paulus mit den Menschen auf dem Markt diskutierte. Das griechische Wort, das f\u00fcr Diskutieren verwendet wird, ist dielegeto. Es ist mit unserem Wort \u201eDialog\u201c verwandt. D. h. Paulus hielt ihnen keinen Monolog. Es war eine Konversation, die auf gegenseitigem Zuh\u00f6ren beruhte.<\/p>\n<p>Wir sehen im heutigen Text, dass es noch etwas anderes gab, was Paulus nicht tat. Er kritisierte ihre Weltanschauung nicht aus der Sicht des Christentums. Die Sicht der anderen zu kritisieren, ist nicht schwer. Wir haben die Tendenz, schnell andere Ansichten zu kritisieren. Aber Paulus tat das nicht. Er tat etwas ganz anderes. In Vers 22 sehen wir, dass wie Paulus die Athener anredet: \u201eM\u00e4nner von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm.\u201c Und Paulus erz\u00e4hlt von einem Altar, der einem unbekannten Gott gewidmet war. Wer immer diesen Altar errichtet hatte, hatte mit ganz gro\u00dfer Sicherheit damit nicht den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs gemeint; er hatte mit Sicherheit nicht den dreieinigen Gott der Bibel gemeint. Trotzdem verwendet Paulus das Ganze als Sprungbrett, um ihnen vom wahren Gott zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf vom Diskurs sehen wir, wie Paulus gewisse Ansichten von ihnen bejaht. Verse 28 und 29: \u201eDenn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir; wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seinem Geschlecht. Da wir also von Gottes Geschlecht sind\u2026\u201c Paulus zitiert sogar ihre eigenen Dichter. Was tut er hier also? Paulus dringt in ihre eigene Weltanschauung ein. Stellen wir uns vor, wir wollen einen Felsen in die Luft jagen. Es bringt nicht viel, wenn wir den Sprengstoff vor den Felsen anlegen. Eigentlich w\u00fcrde das rein gar nichts bringen. Um den Felsen zu sprengen, m\u00fcssen wir in den Felsen hinein. Es muss ein Loch gebohrt werden. Wenn wir das Dynamit dann tief in den Felsen hineinbringen, dann haben wir eine Chance, den Felsen zu zerst\u00f6ren. Und genau das tut Paulus. Er zeigt ihnen, dass unter der Annahme ihrer eigenen Pr\u00e4missen, ihre eigene Weltanschauung widerspr\u00fcchlich ist und nicht funktioniert. Das zu tun erfordert mehr als Bibelwissen.<\/p>\n<p>Paulus hatte mehr als \u201enur\u201c Bibelwissen. Er war ein Mann j\u00fcdischer Abstammung, der gleichzeitig ein r\u00f6mischer B\u00fcrger war und in einer griechischen Stadt aufgewachsen war. Er war au\u00dferdem ein exzellent ausgebildeter Mensch. Er wurde nicht nur zum gr\u00f6\u00dften Apostel, sondern zu einem der intellektuellsten Menschen aller Zeiten. Man muss nicht Absolvent einer Elite-Uni sein, um von Gott gebraucht werden zu k\u00f6nnen. Beileibe nicht. Aber ich glaube, dass Gott es gebrauchen kann, wenn wir neben Herz und Liebe auch intellektuelle Neugier mitbringen.<\/p>\n<p>Um noch ein wenig mehr darauf einzugehen: Michael Luo schrieb f\u00fcr den New Yorker einen ziemlich kritischen Artikel \u00fcber die evangelikalen Christen in den USA. Als am 6. Januar diesen Jahres Trump-Anh\u00e4nger das US-Kapitol gest\u00fcrmt hatten, waren unter ihnen auch selbsterkl\u00e4rte Christen. Nachdem sie gewaltsam in das Kapitol eingedrungen waren, hatten sie im Kapitel eine Gebetsversammlung abgehalten. Hier ist das, was Michael Luo schreibt: \u201eDie Daten deuten darauf hin, dass sich innerhalb der Republikanischen Partei eine glaubensbasierte Realit\u00e4tskluft herausbildet: Fast drei Viertel der wei\u00dfen evangelikalen Republikaner glauben, dass bei den Wahlen 2020 ein weit verbreiteter W\u00e4hlerbetrug stattgefunden hat, verglichen mit vierundf\u00fcnfzig Prozent der nicht-evangelikalen Republikaner; sechzig Prozent der wei\u00dfen evangelikalen Republikaner glauben, dass die Antifa, die antifaschistische Gruppe, haupts\u00e4chlich f\u00fcr die Gewalt bei den Unruhen im Kapitol verantwortlich war, verglichen mit zweiundvierzig Prozent der nicht-evangelikalen Republikaner. Andere Umfragen haben ergeben, dass wei\u00dfe Evangelikale dem Covid-19-Impfstoff sehr viel skeptischer gegen\u00fcberstehen und sich seltener als andere Amerikaner impfen lassen, was die Erholung des Landes von der Pandemie in Frage stellen k\u00f6nnte.\u201c Das was Michael Luo kritisiert, ist eine christliche Str\u00f6mung im Land, die faktenresistent, realit\u00e4tsfern und anti-intellektuell ist. Das ist jetzt in den USA. Das hat nat\u00fcrlich nur bedingt etwas mit uns zu tun. Aber ich glaube, dass wir Christen in Deutschland besser daran t\u00e4ten, diese Kritik trotzdem ernst zu nehmen.<\/p>\n<p>Auf der Arbeit habe ich es haupts\u00e4chlich mit hochgebildeten, promovierten Wissenschaftlern zu tun. Viele von ihnen wurden weltweit in den besten akademischen Institutionen ausgebildet. Ich brauche keine Umfrage unter ihnen durchzuf\u00fchren, um zu wissen, dass sie vermutlich durch wenige Dinge so sehr abgeschreckt werden, wie von Christen, die an eine 6-Tage-Sch\u00f6pfung vor 6000 Jahren glauben. Wenn ich damit bei ihnen aufkreuzen w\u00fcrde, h\u00e4tte ich sofort jede Glaubw\u00fcrdigkeit verloren. Und v\u00f6llig zurecht. Viele von uns beten daf\u00fcr, dass wir Studenten missionieren k\u00f6nnen. Inwiefern ist uns bewusst, dass wir es mit der angehenden, intellektuellen Schicht unserer Gesellschaft zu tun haben? Einige von ihnen sind die zuk\u00fcnftigen Athener. Sie zu erreichen wird beides brauchen: Liebe zu ihnen und ein Verst\u00e4ndnis davon, wie relevant Gott f\u00fcr ihr Leben ist, auch wenn er nicht mit ihrer Anschauung kompatibel zu sein scheint.<\/p>\n<p>Um zusammenzufassen, ich glaube, dass wir mit dem R\u00fcckgang des Christentums in der westlichen Welt ein Ph\u00e4nomen von historischem Ausma\u00df haben. Das Ganze spielt sich direkt vor unseren Augen ab zu unseren Lebzeiten. Gleichzeitig sehen wir ein Christentum, das nicht wirklich gewappnet zu sein scheint, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Eine dieser Herausforderungen k\u00f6nnte sein, die g\u00e4ngigen Weltanschauungen der heutigen Zeit wirklich zu verstehen und zu erfassen; und so gut zu erfassen, dass wir wie Paulus diese Weltanschauungen durchdringen k\u00f6nnen und innerhalb der eigenen Pr\u00e4missen zeigen k\u00f6nnen, dass sie inkonsistent sind. Ich pers\u00f6nlich sehe eine gro\u00dfe Not und ein Bedarf an christlichen Denkern, die exzellent ausgebildet sind, mitten in der Gesellschaft stehen und die Menschen geistlich und geistig ansprechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Frage ist, sind wir f\u00fcr diese Herausforderung ger\u00fcstet? Und falls nicht, was k\u00f6nnen wir dann tun?<\/p>\n<p>Zum Text an sich: die Mehrheit der Menschen in Deutschland glaubt immer noch daran, dass es einen Gott gibt \u2026 oder irgendein h\u00f6heres Wesen. Aber im Bezug auf diesen Glauben gibt es mindestens drei Probleme. Paulus macht uns in seiner Predigt darauf aufmerksam. Die Probleme sind, dass dieser Gott meistens viel zu klein ist, um auf die Probleme unserer Zeit eine Antwort zu haben; dass dieser Gott zu weit weg ist, als dass er etwas mit uns zu tun haben k\u00f6nnte; und dass dieser Gott zu irrelevant ist. Paulus zeigt den Zuh\u00f6rern: erstens, Gott ist gr\u00f6\u00dfer als zu denkst; zweitens, Gott ist n\u00e4her als zu denkst; drittens, Gott ist relevanter als du denkst.<\/p>\n<p>Erstens, Gott ist gr\u00f6\u00dfer<\/p>\n<p>Verse 24 und 25: \u201eDer Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr \u00fcber Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. Er l\u00e4sst sich auch nicht von Menschenh\u00e4nden dienen, als ob er etwas brauche, er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt.\u201c Paulus sagt, dass der wahre Gott der Sch\u00f6pfer von allen Dingen ist. Er regiert \u00fcber Himmel und Erde. Daher braucht er keine Tempel (wir k\u00f6nnen uns vorstellen, wie Paulus mit seinem Arm auf die Tempel zeigt), und er braucht keinen Dienst von Menschen (und dabei zeigte er vielleicht auf die vielen Alt\u00e4re). Gott ist gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Wenn wir Menschen irgendetwas konstruieren oder bauen, dann tun wir es meistens deshalb, weil wir das Geschaffene brauchen, damit es f\u00fcr uns etwas tut: ein Werkzeug, eine Maschine, ein Computer-Programm, das uns einen Nutzen bringen soll. Aber wenn Gott etwas erschafft, dann besteht ein kategorischer Unterschied: Er erschafft nicht, um daraus einen Nutzen f\u00fcr sich zu haben oder weil er etwas brauchen w\u00fcrde. Gott braucht uns nicht. Er hat diese Welt aus seinem \u00fcberflie\u00dfenden Reichtum erschaffen, um seinen Reichtum mit uns zu teilen. Gott ist gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Vielleicht hatten wir schon mal Gedanken gehabt wie: \u201eGott kann ja nicht zufrieden mit mir sein. Ich diene ihm nicht genug. Gott kann mich nicht segnen, weil ich ihm nicht genug gehorche. Ich kann nicht glauben, dass Gott sich \u00fcber mich freuen kann, weil ich zu wenig f\u00fcr ihn tue.\u201c Und das ist eigentlich nie das Problem. Er braucht dich nicht. Er braucht uns nicht. Das Problem ist, dass dein Gott zu klein ist. Das Problem ist, dass wir nicht verstanden haben, dass er derjenige ist, der uns alles gibt. Die Gr\u00f6\u00dfe deines Gottes h\u00e4ngt direkt proportional damit zusammen, wie radikal die Gnade Gottes ist, aus der du lebest; wie sehr wir anerkennen k\u00f6nnen, dass alles Gottes einseitiges Geschenk ist; dass jeder Gehorsam und jedes Opfer unsererseits nichts als eine kleine Reflexion seiner unersch\u00f6pflichen Hingabe an uns ist. Gott ist gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Zweitens, Gott ist n\u00e4her<\/p>\n<p>Vers 27 sagt Paulus: \u201eSie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden k\u00f6nnten; denn keinem von uns ist er fern.\u201c Hier ist ein weiteres Problem. Wir beten im Vater Unser: \u201eUnser Vater im Himmel\u2026\u201c Und unbewusst stellen wir uns den Himmel unerreichbar weit weg vor: geografisch weit weg in der Ferne und zeitlich weit weg in der Zukunft. Und diese Vorstellung ist so daneben. In den Chroniken von Narnia gibt es einen alten Kleiderschrank, der in eine ganz andere Welt f\u00fchrt. Und so m\u00fcssen wir uns den Himmel vorstellen. Der Himmel ist so nah wie die T\u00fcr zu unserem Kleiderschrank. Gott ist n\u00e4her als du denkst. Viel n\u00e4her!<\/p>\n<p>Drittens, Gott ist relevanter<\/p>\n<p>In Vers 31 sagt Paulus schlie\u00dflich: \u201eDenn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte.\u201c Paulus verk\u00fcndet einen Gott, der nicht nur der Sch\u00f6pfer ist, der sich nicht nur von uns finden lassen kann. Er verk\u00fcndet einen Gott, der am Ende Gericht halten wird. Und der Richter ist ein Mann, der von den Toten auferstanden ist.<\/p>\n<p>Pfarrer Wilhelm Busch erz\u00e4hlte davon, wie er als junger Pfarrer in Essen einen Bergarbeiterstreik miterlebt hatte. Einer der Bergarbeiter sprach von hungrigen Kindern, Ausbeuterl\u00f6hnen und Arbeitslosigkeit. Er sieht dann Wilhelm Busch und br\u00fcllt dann: \u201eHa, da ist ja der Pfaffe! Komm mal her!\u201c. Buch meinte: \u201eNun, einer freundlichen Einladung folge ich meistens.\u201c Und so steht er beim Redner vor hundert Bergleuten. Kein theologisches Seminar bereitet jemanden auf solche Situationen vor. Der Redner schreit dann: \u201eWenn\u2019s einen Gott gibt, [\u2026] dann will ich, wenn ich gestorben bin [\u2026] zu ihm sagen: Warum hast du zugelassen, dass Menschen auf Schlachtfeldern zerfetzt wurden?! Warum hast du zugelassen, dass Kinder verhungert sind und andere das Essen wegsch\u00fctten, weil sie zu viel hatten?! Warum hast du zugelassen, dass Menschen an Krebs elend dahingesiecht sind?! Warum? Warum? Du, Gott, tritt ab! Weg mit dir! Hau ab!\u201c<\/p>\n<p>Zu seiner gro\u00dfen \u00dcberraschung, f\u00e4ngt Pfarrer Busch ebenfalls an zu schreien: \u201eGanz richtig! Weg mit diesem Gott! Weg mit diesem Gott!\u201c Auf einmal ist alles still. Der Redner ist v\u00f6llig verdutzt und sagt: \u201eMoment mal! Sie sind doch Pfarrer! Da d\u00fcrfen Sie doch nicht schreien: Weg mit diesem Gott!\u201c Busch erkl\u00e4rt: \u201eH\u00f6r mal zu! Den Gott, vor den du so trittst, vor dem du deinen Mund aufrei\u00dfen kannst, der sich so zur Rechenschaft ziehen l\u00e4sst, dass du als Richter vor ihm stehst und er dein Angeklagter ist \u2013 den gibt es nur in deiner Einbildung. Zu dem kann ich auch nur sagen: Hinweg mit diesem Gott! [\u2026] Aber ich will dir was sagen: Es gibt einen anderen wirklichen Gott. [\u2026] es gibt einen heiligen, lebendigen, wirklichen Gott, der zu uns einmal sagen k\u00f6nnte: Hinweg mit dir!\u201c<\/p>\n<p>Wer ist dieser Gott? Es ist der Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat. Es gab eine legend\u00e4re Debatte zwischen dem christlichen Mathematik-Professor John Lennox und dem notorischen Atheisten Richard Dawkins. Im Schluss-Pl\u00e4doyer sagte Lennox dann folgendes: \u201eUnd die Auferstehung Jesu Christi, ein Wunder, etwas \u00dcbernat\u00fcrliches, ist f\u00fcr mich der zentrale Beweis, auf den ich meinen Glauben st\u00fctze, nicht nur, dass der Atheismus eine T\u00e4uschung ist, sondern dass die Gerechtigkeit real ist und unser Sinn f\u00fcr Moral uns nicht verh\u00f6hnt, denn wenn es keine Auferstehung gibt, wenn es nichts nach dem Tod gibt, dann haben die Terroristen und Fanatiker am Ende gewonnen.\u201c<\/p>\n<p>Richard Dawkins machte sich in seiner Antwort dar\u00fcber lustig, in dem er sagte: \u201eUnd dann sind wir pl\u00f6tzlich bei der Auferstehung Jesu angelangt. Es ist so unbedeutend, es ist so trivial, es ist so regional, es ist so erdgebunden, es ist so unw\u00fcrdig f\u00fcr das Universum.\u201c In gewisser Hinsicht hat Dawkins recht. Es ist regional und erdgebunden. Und gleichzeitig irrt er so gewaltig. Auf welche Art sonst h\u00e4tte Gott sich uns Menschen offenbaren k\u00f6nnen? Auf welche andere Weise h\u00e4tte Gott zeigen k\u00f6nnen, dass er uns liebt? Dass er kein entfernter Gott der Deisten ist? Es ist genau aus dem Grund, dass die Auferstehung Jesu einmal in Raum und Zeit geschehen ist, dass es Relevanz f\u00fcr uns alle hat; dass Jesu Tod und seine Auferstehung uns etwas angehen; dass sie mit unserem Leben zu tun haben.<\/p>\n<p>Und das sind die drei Punkte: Gott ist gr\u00f6\u00dfer, n\u00e4her und relevanter. Und wenn du willst, kann er dein Gott werden und du sein Kind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Intellektuell relevante Mission \u201eGott, der \u00fcber die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, gebietet jetzt den Menschen, dass \u00fcberall alle umkehren sollen.\u201c Apostelgeschichte 17,30 Frage: Wer von euch hatte etwas mit guten Intentionen gemacht, und es ging v\u00f6llig nach hinten los? 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