{"id":10304,"date":"2021-09-05T11:00:20","date_gmt":"2021-09-05T09:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10304"},"modified":"2022-11-18T12:18:52","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:52","slug":"fragebogen-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-berufen-zur-gemeinschaft-4-1-johannes-47-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/fragebogen-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-berufen-zur-gemeinschaft-4-1-johannes-47-11\/","title":{"rendered":"Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will &#8211; Berufen zur Gemeinschaft 4  &#8211;  1.Johannes 4,7-11"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download<\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Liebe und Gemeinschaft<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Geliebte, lasst uns einander lieben! Denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">1. Joh 4,7<\/p>\n<p>Seit einigen Wochen besch\u00e4ftigen wir uns mit dem Thema Gemeinschaft. Bemerkenswert am Thema \u201eGemeinschaft\u201c ist, dass die Bibel die Christen an keiner Stelle zur Gemeinschaft aufruft. Zumindest kenne ich keine Stelle, in der es etwa hei\u00dft: \u201eHabt Gemeinschaft miteinander.\u201c Andererseits spricht die Bibel sehr wohl von Gemeinschaft. Gemeinschaft war zum Beispiel das Kennzeichen der ersten Gemeinde, die sehr vorbildlich war. Von Gemeinschaft ist auch im ersten Kapitel dieses Briefes die Rede. Gemeinschaft ist also auch nach der Bibel nicht unwichtig. Trotzdem werden die Christen dazu nicht explizit aufgerufen. Warum? Gemeinschaft, zumindest biblische Gemeinschaft entsteht nicht einfach so, sondern ist das Resultat verschiedener geistlicher Faktoren. Sie entsteht, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind. In der Bibel werden wir eher zu den Voraussetzungen der Gemeinschaft als zur Gemeinschaft selbst aufgefordert. Zum Beispiel hei\u00dft es in 1. Joh. 1,7: \u201eWenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander&#8230;\u201c Das Wandeln im Licht ist eine dieser Voraussetzungen f\u00fcr br\u00fcderliche Gemeinschaft. Johannes ermahnt aber nicht zur Gemeinschaft selbst, sondern zum Wandeln im Licht. In dem heutigen Text aus 1. Joh. 4 geht es ebenfalls um eine wichtige Voraussetzung der br\u00fcderlichen Gemeinschaft. Es ist die Liebe bzw. das Gebot einander zu lieben. Ohne die Liebe ist die Gemeinschaft in der Gemeinde wie ein Getriebe ohne \u00d6l, wie ein Braten ohne So\u00dfe, wie M\u00fcsli ohne Milch \u2013 mit anderen Worten: trocken, anstrengend und wenig wenn \u00fcberhaupt erbaulich. Um mehr echte christliche Gemeinschaft zu haben, reicht es nicht einfach nur, sich mehr zu treffen, mehr zusammen zu sein, mehr miteinander irgendetwas zu unternehmen. Es bedarf der Liebe. Der heutige Text aus 1. Joh. 4 fordert uns an mehreren Stellen dazu auf, einander zu lieben. Gleich zu Beginn hei\u00dft es: \u201eGeliebte, lasst uns einander lieben!\u201c Wir wollen uns mit dem Text anhand von drei Fragen n\u00e4her auseinandersetzen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">1. Warum sollen wir lieben?<br \/>\n2. Wozu sollen wir lieben?<br \/>\n3. Wie k\u00f6nnen wir lieben?<\/p>\n<p>1. Das Warum der Liebe<br \/>\nDirekt nach der Aufforderung im Vers 7, einander zu lieben, folgt das Wort: \u201eDenn\u201c. Johannes gibt also eine Begr\u00fcndung daf\u00fcr, warum wir einander lieben sollen. Mit anderen Worten: Er kl\u00e4rt, warum das einander Lieben so wichtig ist, warum das einander Lieben im Leben eines echten Christen nicht ausbleiben kann. Was ist also die Begr\u00fcndung? Im Vers 7 hei\u00dft es: \u201eDenn die Liebe ist von Gott\u201c. Nach anderen \u00dcbersetzungen hei\u00dft es: \u201eDenn die Liebe ist aus Gott\u201c. Das ist ein gro\u00dfer Unterschied. Von Gott kommt alles Geschaffene. Aber aus Gott kommen nur der Sohn, der Heilige Geist, das Wort und eben auch die Agape-Liebe. Alles, was aus Gott kommt, ist Gott selbst. Daher hei\u00dft es am Ende von Vers 8: Denn Gott ist Liebe. Im Vers 16 steht es noch einmal. Gott selbst ist Liebe. Das was Gottes Wesen durch und durch ausmacht, ist gerade Liebe. In der Bibel erfahren wir zwar immer wieder, dass Gott gerecht ist, dass Gott heilig ist, dass Gott treu ist usw. Aber nirgendwo in der Bibel hei\u00dft es: \u201eGott ist Gerechtigkeit, Gott ist Heiligkeit, Gott ist Treue\u201c Doch \u00fcber die Liebe hei\u00dft es: Gott ist Liebe. Gottes innerstes Wesen ist die Liebe. Wer Gottes Tun und Handeln tief verstehen m\u00f6chte, sollte es immer aus der Perspektive der Liebe tun. Alles, was Gott tut, geschieht aus Liebe. Selbst wenn Gott richtet oder zornig ist, geschieht das aus Liebe. Von Gottes Liebe erfahren wir bereits im AT an vielen Stellen, aber dass Gott selbst Liebe ist, wird dort kein einziges Mal berichtet. Dass Gott selbst Liebe ist, musste erst einmal offenbart werden. Was Johannes diese Offenbarung gab, verr\u00e4t uns Vers 9. Es war die Sendung des Sohnes in die Welt. Nirgendwo anders hat Gott seine Liebe so klar offenbart, als dadurch, dass er seinen Sohn in die Welt sandte, um f\u00fcr unser Leben zu sterben. Und jeder, der mit Glauben auf das Kreuz schaut, kann es nur best\u00e4tigen: \u201eGott muss die Liebe selbst sein!\u201c<br \/>\nBetrachten wir noch einmal die Verse 7 und 8: Weil Gott selbst Liebe ist, liebt auch der, der aus Gott geboren ist. Die g\u00f6ttliche Liebe ist das Kennzeichen eines wiedergeborenen Christen. Viele Dinge, die wir kennen, haben ein bestimmtes Merkmal, was sie ausmacht: Was w\u00e4re bspw. ein Vogel ohne Fl\u00fcgel, was w\u00e4re ein Auto ohne Motor, was w\u00e4re ein Bleistift ohne Miene und genauso ist es mit dem Christen: Was ist ein Christ ohne Liebe? Die g\u00f6ttliche Liebe ist gerade das Merkmal, das einen wiedergeborenen Christen kennzeichnet. Nicht Bibelwissen, nicht die regelm\u00e4\u00dfige Stille Zeit, nicht der regelm\u00e4\u00dfige Gottesdienstbesuch, nicht Mission, nicht bestimmte Gaben usw. zeigen, ob jemand wiedergeboren ist, sondern die Liebe.<br \/>\nWeil Gott die Liebe ist, kennen nur diejenigen Gott wirklich, die selber lieben. Nur diejenigen, die selber lieben, haben wirklich verstanden, wie Gott ist. Das sind die, die Gott pers\u00f6nlich begegnet sind. Ob jemand Gott wirklich kennt, kann man nicht daran festmachen, ob er viel Bibelwissen hat, fromm redet oder die besten Antworten auf theologisch knifflige Fragen hat, sondern daran, dass er liebt (Beispiel: Lehrer). Viele denken, sie wissen schon, wie Gott ist, weil sie ein bestimmtes Wissen haben. Aber in Vers 8 hei\u00dft es ganz klar: \u201eWer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt\u201c.<br \/>\nDas einander Lieben ist also keine Nebens\u00e4chlichkeit im christlichen Leben. Wer nicht liebt, ist entweder nicht wiedergeboren und kennt Gott gar nicht. Oder zumindest seine Beziehung zu Gott ist nicht in Ordnung, aber nicht nur ein bisschen, sondern nach dem Wort aus V. 7 und 8 gar nicht in Ordnung. Praktisch ist man dann wie einer, der Gott gar nicht kennt, wie einer, der Gott nie begegnet ist. Vers 11 spricht sogar davon, dass wir es den Geschwistern schuldig sind, sie zu lieben. Warum? Johannes sagt: Weil uns Gott so geliebt hat. Wie Gott uns geliebt hat, beschreibt Johannes in den Versen 9 und 10. Betrachten wir die Verse 9 und 10. Gott sandte Seinen \u00fcber alles geliebten Sohn in die Welt. Wenn die Bibel von \u201eWelt\u201c spricht meint sie nicht den Planeten Erde. Mit \u201eWelt\u201c meint sie die Mehrheit der Menschheit, die in Feindschaft gegen Gott lebt. Obwohl Gott wusste, was die Welt mit seinem \u00fcber alles geliebten Sohn anstellen w\u00fcrde, sandte er ihn doch in die Welt. Wer w\u00fcrde schon sein Kind zu Feinden schicken? Aber Gott tat das mit seinem einzigen Sohn. Er sandte ihn quasi in eine R\u00e4uberh\u00f6hle. Und wozu tat Gott das? Um sich dadurch selbst zu bereichern? Um sich selber Vorteile zu verschaffen? Nein, am Ende von Vers 9 hei\u00dft es: damit wir durch ihn leben. Als Gott auf die Welt sah, erwiderte er der Feindschaft der Welt nicht mit Feindschaft, sondern mit Mitleid: Er sah, dass die Menschen kein echtes, wahres Leben haben, sondern tot sind. Gott nahm Seinen \u00fcber alles geliebten Sohn in Kauf, um uns das Leben zu geben. Gott sandte seinen Sohn nicht, um sich zu bereichern, sondern um uns das Leben zu geben. In Titus 3,4-5 hei\u00dft es: \u201eAls aber die G\u00fcte und die Menschenliebe unseres Retter-Gottes erschien, rettete er uns\u201c. Vers 10 macht unmissverst\u00e4ndlich deutlich: \u201eGottes Liebe wurde uns nicht erzeigt, weil wir ihn zuerst geliebt h\u00e4tten. Mit anderen Worten: er liebte uns nicht, weil wir ihn liebten, sondern er liebte uns trotz unserer bitteren Feindschaft (MacDonald, W. 2009: 1391)1.\u201c Kehren wir zur\u00fcck zu V. 11. Eben weil Gott uns so sehr geliebt hat, sind wir es schuldig, die Br\u00fcder zu lieben. In R\u00f6m. 13,8 hei\u00dft es: \u201eSeid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben!\u201c Schuldig bedeutet nicht, dass wir Gottes Errettung zur\u00fcckbezahlen, indem wir anderen etwas Gutes tun. Schuldig bedeutet, dass es in der Liebe zum Bruder keine Grenzen gibt. Man kann nicht sagen: \u201eIch habe dem schon so viel Gutes getan. Das ist jetzt aber genug.\u201c Oder: \u201eDas ist aber jetzt zu viel verlangt.\u201c Weil Gott uns so eine unvorstellbar gro\u00dfe Liebe erwiesen hat, wird man nie sagen k\u00f6nnen: \u201eDem habe ich schon genug Liebe erwiesen.\u201c Egal, wie viel Liebe wir bereits erwiesen haben \u2013 wir bleiben Schuldner der Liebe.<br \/>\nDer heutige Text spricht aber nicht nur dar\u00fcber, warum wir lieben sollen, sondern auch dar\u00fcber, was g\u00f6ttliche bzw. echte Liebe bei dem anderen bewirkt. Dies zu wissen, ist wichtig, damit man die Glaubensgeschwister in der rechten Art und Weise liebt. Wir wollen dies im zweiten Teil der Predigt betrachten.<\/p>\n<p>2. Das Wozu der Liebe<br \/>\nAuf die Frage nach dem Wozu der g\u00f6ttlichen Liebe gibt es sicherlich mehrere Antworten. Aber welche Antwort gibt der heutige Text? Betrachten wir hierzu noch einmal Vers 9. Gott sandte Seinen Sohn, um uns das Leben zu geben. G\u00f6ttliche, wahre Liebe hat zum Ziel, anderen das Leben zu geben. Liebe und Leben sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Einige von uns haben das sicherlich auch schon durch die Gemeinschaft mit liebevollen Christen erfahren. Welchen Eindruck erwecken solche Menschen bei dir? Bei mir erwecken solche Menschen den Eindruck, dass sie lebendig sind, dass sie wirklich lebhaft sind. Sie ziehen Leute an sich. Man hat gerne Gemeinschaft mit ihnen. Man erlebt die Gemeinschaft mit ihnen als erfrischend. Und was ist das Resultat davon? Man wird selber lebendig, man wird ermutigt, Gott und anderen zu lieben. Liebe und Leben sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille.<br \/>\nDa das einander Lieben darin besteht, Gottes Liebe weiterzugeben, hat auch das einander Lieben zum Ziel, anderen das Leben zu geben. Wenn wir den Bruder mit g\u00f6ttlicher Liebe lieben, dann hat das zur Folge, dass das geistliche Leben in ihm gef\u00f6rdert wird. Das geschieht nicht allein dadurch, dass wir mit anderen beten und Bibel lesen, sondern kann ggf. auch durch praktische Hilfe geschehen. Zum Beispiel haben uns vor Kurzem zwei aus der Gemeinde nachtr\u00e4glich eine sehr gro\u00dfz\u00fcgige Geldsumme zur Hochzeit geschenkt. Ich glaube, dass sie das aus Glauben und Liebe zu Gott getan haben. Dieses Geschenk hat mich als geistliches Zeugnis der Liebe angesprochen, sodass ich zu mir sagte: \u201eDu solltest auch zu anderen gro\u00dfz\u00fcgiger sein.\u201c Oder hier ein anderes Beispiel aus der Bibel: Als Paulus die Korinther dazu ermutigte, der verarmten Gemeinde in Jerusalem zu spenden, schrieb er: 12 Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch \u00fcberschw\u00e4nglich darin, dass viele Gott danken.&nbsp;13 Denn f\u00fcr diesen treuen Dienst preisen sie Gott \u00fcber eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und \u00fcber der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen.&nbsp;14 Und in ihrem Gebet f\u00fcr euch sehnen sie sich nach euch wegen der \u00fcberschw\u00e4nglichen Gnade Gottes bei euch.&nbsp;15 Gott aber sei Dank f\u00fcr seine unaussprechliche Gabe! (2. Kor. 9,12-15).<br \/>\nHier ein negatives Beispiel: Einmal erz\u00e4hlte ein Bruder \u00fcber die Freude eines Frischbekehrten. Er war \u00fcber das neue Leben \u00fcberaus erfreut. Aber dann kam einer aus der Gemeinde und sagte ihm: \u201eDas Glaubensleben ist nicht einfach nur Friede, Freude und Eierkuchen. Man muss dies und jenes machen usw.\u201c Der Bruder, der mir diese Geschichte erz\u00e4hlte, beendete die Erz\u00e4hlung mit dem Satz: \u201eJa, der Teufel kann auch solche Leute gebrauchen.\u201c Und ich denke er hat Recht. Die Worte haben das geistliche Leben des Frischbekehrten nicht gef\u00f6rdert, sondern eher beeintr\u00e4chtigt. In diesem Fall w\u00fcrde lieben wohl bedeuten, dass man sich mit diesem frischbekehrten Bruder mitfreut und mit ihm dar\u00fcber spricht, welch ein Reichtum wir doch in Christus haben. Das w\u00e4re eine Liebe, die sein geistliches Leben f\u00f6rdern w\u00fcrde.<br \/>\nMan kann auch auf einer Art und Weise lieben, die nicht das Leben, sondern die S\u00fcnde des anderen f\u00f6rdert. Wenn man bspw. andere Menschen, die Gott einem anvertraut hat, so annimmt, wie sie sind, dann ist das eine gute Sache. Wenn man aber dabei stehen bleibt und sich der Verantwortung entzieht, ihnen darin zu helfen, s\u00fcndhafte Verhaltensweisen zu korrigieren, dann ist das eine Liebe, die die S\u00fcnde des anderen f\u00f6rdert und gedeihen l\u00e4sst.<br \/>\nWie ist es mit deiner und meiner Liebe bestellt? Liebe ich die anderen? Wenn ja, wie liebe ich die anderen? So, dass es das Leben gibt und f\u00f6rdert? Oder so, dass es das geistliche Leben des anderen beeintr\u00e4chtigt. Lieben wir die anderen so, wie es Gott tut, dann wird die Gemeinschaft in der Gemeinde mehr und mehr zu einer lebendigen und erfrischenden Gemeinschaft ver\u00e4ndert werden.<br \/>\nEinander lieben &#8211; leichter gesagt als getan. Was soll man tun, wenn die Bruderliebe bei einem ausbleibt? Soll man sich dann einfach vornehmen, ab nun den anderen mehr zu lieben, zu den anderen nun freundlicher und lieber zu sein? Wir wollen dies im dritten Teil der Predigt betrachten.<\/p>\n<p>3. Das Wie der Liebe<br \/>\nUm lieben zu k\u00f6nnen, muss man das Wesen der g\u00f6ttlichen Liebe verstehen. Vers 10 leitet mit den Worten ein: \u201eHierin ist die Liebe.\u201c Es spricht \u00fcber das Wesen der Liebe. Das Wesen der Liebe besteht nicht darin, dass wir, sondern Gott zuerst liebt. \u00c4hnlich hei\u00dft es auch in Vers 19: \u201eLasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.\u201c &nbsp;Die Liebe kommt nicht aus unserer Initiative, sondern aus der Initiative Gottes.<br \/>\nErinnern wir uns an Vers 7. Dort hei\u00dft es ja: Die Liebe ist aus Gott. Die Liebe kommt aus Gott, nicht aus uns. Wir k\u00f6nnen von uns aus gar nicht lieben. Vers 7 geht sogar einen Schritt weiter: Um zu lieben, bedarf es der Wiedergeburt \u2013 mit anderen Worten: Um zu lieben, bedarf es einer neuen Existenzweise. Wer nicht wiedergeboren ist, ist nicht frei von seinem Ich. Daher ist seine Liebe zu anderen Menschen sehr begrenzt (Einw\u00e4nde \u2013 Email). Durch die Wiedergeburt erf\u00e4hrt der Mensch Gottes Liebe \u2013 sie macht ihn frei von seinem ichhaften Wesen und bef\u00e4higt ihn, andere grenzenlos zu lieben. Um das Gebot: \u201eEinander zu lieben\u201c erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen, muss man erst einmal verstanden haben, dass man von sich aus nicht lieben kann, jedenfalls nicht in der Art und Weise, wie es Gott meint. Ein gro\u00dfes Hindernis zu lieben ist ja gerade die Meinung, man k\u00f6nne das irgendwie aus sich selbst heraus tun &#8211; nach dem Motto: \u201eAb heute nehme ich mir vor, freundlicher zu den anderen zu sein.\u201c Meine Liebe ist wie ein Boden mit wenig Erde. Schon nach den ersten Schippenschl\u00e4gen, macht es \u201eKling\u201c \u2013 auf Stein gesto\u00dfen. Von sich aus andere zu lieben st\u00f6\u00dft schnell an seine Grenzen. Es reicht oft nicht einmal daf\u00fcr aus, Macken des anderen zu ertragen. Wie der Mond nicht von sich aus leuchten kann, sondern das Licht der Sonne reflektiert, so k\u00f6nnen auch wir nur die Liebe Gottes, die er uns in Jesus erwiesen hat, zu anderen weiterleiten, sie aber nicht selbst erzeugen.<br \/>\nWenn wir die Verse 7 und 11 miteinander vergleichen, f\u00e4llt auf, dass Johannes die Christen zuerst mit \u201eGeliebte\u201c anspricht, bevor er sie dazu ermahnt, andere zu lieben. Vers 16 spricht vom Erkennen und Glauben der Liebe, die Gott zu uns hat. Was zeigt das? Es zeigt, es gibt nur einen Weg, wie wir das Gebot vom \u201eeinander zu lieben\u201c erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Dieser Weg ist: \u201eSich von Gott lieben zu lassen\u201c. Immer und immer wieder aufs Neue, sich von Gott lieben zu lassen. \u201eDas sich lieben lassen\u201c ist so einfach, dass es schwierig ist, darauf zu kommen, wie das funktioniert. Ich m\u00f6chte hierzu zwei Beispiele aus dem Buch: \u201eSo ist Jesus\u201c2 vorlesen. Das erste Beispiel ist aus dem Leben eines Evangelisten (S. 59):<br \/>\nIn der Sakristei einer Kirche hielt der Evangelist seine Sprechstunde. Es ist eine gut ausgestatte Sakristei, in der es sogar flie\u00dfendes Wasser gibt. Vor dem Evangelisten sitzen immer wieder Menschen mit der Klage: \u201eIch komme nicht weiter, in meinem Leben gibt es nur Niederlagen, wie soll es mit mir werden, wie komme ich heraus aus dem Elend?\u201c Da steht der Evangelist auf und geht zur Wasserleitung, dreht den Hahn auf und bittet seinen Besucher: \u201eSchauen Sie einmal her! Sehen Sie das Leitungsrohr? Ist es aus Gold mit Brillanten besetzt? Ist es wenigstens aus Silber? Nein, es ist ein Bleirohr. Aber das schadet gar nichts und darauf kommt es nicht an. Wichtig ist allein, dass durch dieses Rohr das klare Wasser flie\u00dft! Das Rohr muss das Wasser nicht aus sich selbst herauspressen; das kann ein Bleirohr niemals. Das Wasser kommt ganz woanders her. Aber das Rohr darf das Wasser aufnehmen und durch sich str\u00f6men lassen zu allen, die es brauchen. So darfst du leben, denn so darfst du lieben: \u201eNur Gef\u00e4\u00dfe, heilger Meister, doch gef\u00fcllt mit deiner Kraft, lass von dir und durch uns str\u00f6men Liebesmacht und Lebenssaft!\u201c<br \/>\nDas zweite Beispiel ist aus dem Leben des China-Missionars Hudson Taylor gegriffen (S. 56-58):<br \/>\nIch hatte die letzten sechs oder acht Monate gro\u00dfe Bek\u00fcmmernis, denn ich f\u00fchlte, wie sehr ich pers\u00f6nlich und die Mission als Ganzes mehr Heiligung, Leben und innere Kraft n\u00f6tig hatten. Aber das Dringendste war mein eigener Mangel. Ich betete, ich qu\u00e4lte mich ab, ich fastete und m\u00fchte mich; ich fasste Vors\u00e4tze, las die Schrift flei\u00dfiger, suchte mehr Zeit zu meiner inneren Sammlung \u2013 aber alles vergebens! T\u00e4glich, fast st\u00fcndlich dr\u00fcckte mich das Bewusstsein der S\u00fcnde zu Boden. Ich wusste, wenn ich nur in Christus bleiben k\u00f6nnte, w\u00fcrde alles gut sein, aber ich konnte es nicht. (\u2026) In dieser ganzen Zeit hatte ich die feste \u00dcberzeugung, dass in Christus alles beschlossen war, dessen ich bedurfte; die Frage war nur, wie ich es bekommen k\u00f6nnte\u2026 Ich wusste, dass in der Wurzel und im Stamm reichlich Lebenssaft str\u00f6mte; die Frage war nur, wie er in meinen armen kleinen Zweig gelangen k\u00f6nnte. \u2013 Als langsam das Licht empord\u00e4mmerte, sah ich, dass der Glaube die Hand war, die seine F\u00fclle erfassen und mir zu eigen machen k\u00f6nnte. Aber ich hatte diesen Glauben nicht. Ich strebte ihm nach\u2026 ich versuchte ihn zu \u00fcben, aber vergeblich\u2026 Als meine innere Qual ihren H\u00f6hepunkt erreicht hatte, benutzte der Herr einen Satz in einem Brief McCarthys, um es mir wie Schuppen von den Augen fallen zu lassen: McCarthy, der von dem gleichen Bewusstsein seiner Schwachheit bedr\u00e4ngt gewesen war, aber eher als ich das Licht sah, schrieb: Wie bekommen wir St\u00e4rkung unseres Glaubens? Nicht indem wir um Glauben ringen, sondern dadurch, dass wir ruhen in dem Getreuen! W\u00e4hrend ich las, wurde mir alles klar! Glauben wir nicht, so bleibet er treu! Ich schaute auf Jesum und sah \u2013 und Freude \u00fcberstr\u00f6mte mein Herz! &#8211; , dass Er gesagt hat: Ich will dich nicht verlasse. Da ist die Ruhe, dachte ich. Ich habe mich vergeblich abgem\u00fcht, in ihm zu ruhen. Ich will mich nicht mehr m\u00fchen. Denn \u2013 hat er nicht selbst versprochen, bei mir zu bleiben, mich nicht zu verlassen? Strahlendes Licht ergoss sich in mein Herz, als ich an den Weinstock und seine Reben dachte. Wie gro\u00df war mein Irrtum, als ich w\u00fcnschte, den Lebenssaft aus ihm heraus, in mich hinein zu bekommen!<\/p>\n<p>Ich musste den Abschnitt mehrfach lesen, bis ich verstanden hatte, was \u00fcberhaupt die Erkenntnis von Taylor war. Taylor erkannte, dass das Ruhen in dem Werk Christi schon der Glaube ist, durch den er Jesu Liebe und Kraft empfangen kann. Er verstand, dass gerade dieses Ringen um den Glauben das Gegenteil vom Ruhen in dem Werk Christi ist. Er konnte ruhen, weil er erkannte, dass Jesu Liebe und Treue unabh\u00e4ngig von seinen Bem\u00fchungen und Treue sind.<br \/>\nAm Ende von Vers 17 hei\u00dft es: \u201edenn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt.\u201c Wir sind dazu berufen und bestimmt, vom Wesen her wie Gott zu sein. Da die Liebe das ist, was das Wesen Gottes ausmacht, ist es geradezu unsere Bestimmung einander zu lieben. Unsere Hauptaufgabe auf dieser Welt ist zu lieben. Lasst uns daher unseren Fokus darauf setzen, dass Gottes Liebe durch uns zu anderen str\u00f6mt. Dann wird auch die Gemeinschaft in der Gemeinde mehr und lebendiger. Lasst uns beten.<br \/>\n____________<br \/>\n1 MacDonald, W. (20095): Kommentar zum Neuen Testament. CLV, S. 1391.<br \/>\n2 De Boor, W. (o.J.): So ist Jesus. CMV, S. 56-59.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Liebe und Gemeinschaft Geliebte, lasst uns einander lieben! Denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott 1. Joh 4,7 Seit einigen Wochen besch\u00e4ftigen wir uns mit dem Thema Gemeinschaft. Bemerkenswert am Thema \u201eGemeinschaft\u201c ist, dass die Bibel die Christen an keiner Stelle zur Gemeinschaft aufruft. 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