{"id":10269,"date":"2021-08-22T11:00:16","date_gmt":"2021-08-22T09:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10269"},"modified":"2022-11-18T12:18:53","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:53","slug":"predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-berufen-zur-gemeinschaft-2-1-johannes-11-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-berufen-zur-gemeinschaft-2-1-johannes-11-4\/","title":{"rendered":"Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will &#8211; Berufen zur Gemeinschaft 2 &#8211; 1. Johannes 1,1-4"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Berufen-zur-Gemeinschaft_Lektion2-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Gemeinschaft<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201ewas wir gesehen und geh\u00f6rt haben, das verk\u00fcnden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.\u201d<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">1. Johannes 1,3<\/p>\n<p>Wir haben letzte Woche mit der Predigt von Noah eine neue Themenreihe angefangen: berufen zur Gemeinschaft. Davor haben wir uns sieben Wochen lang mit dem Evangelium besch\u00e4ftigt. Bevor wir fortfahren, m\u00f6chte ich gerne sagen, dass wir mit dem Evangelium nicht \u201efertig\u201c sind. Alles, was jetzt folgt, ist ein Vertiefen und Anwenden des Evangeliums. Unsere Berufung zur Gemeinschaft ist eine Folge der Tatsache, dass wir durch das Evangelium gerettet und radikal erneuert wurden.<br \/>\nLetzte Woche hatten wir eine Einf\u00fchrung in die Gemeinde. Im heutigen Text sehen wir, dass die Gemeinde Jesu in Gemeinschaft lebt. Das griechische Wort f\u00fcr Gemeinschaft ist koinonia. Es bedeutet Gemeinschaft durch Teilhaben. Wir sind eingeladen zu einer Gemeinschaft, in der wir etwas teilen. Ich denke, dass wir in diesem Text mindestens drei Dinge \u00fcber die christliche Gemeinschaft lernen k\u00f6nnen: erstens, der Ursprung der Gemeinschaft; zweitens, das Wesen der Gemeinschaft; drittens, das Ziel der Gemeinschaft.<\/p>\n<p><strong>Erstens, der Ursprung der Gemeinschaft<\/strong><br \/>\nDer Anfang des Briefes ist \u2013 wie ich finde \u2013 umwerfend, elektrisierend. Wir sp\u00fcren die Begeisterung vom Autor, der sein Gl\u00fcck fast selbst nicht fassen kann: \u201eWas von Anfang an war, was wir geh\u00f6rt, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und unsere H\u00e4nde angefasst haben vom Wort des Lebens\u2026\u201c Der Apostel Johannes sagt, dass sie das Wort des Lebens geh\u00f6rt haben mit ihren Ohren; nicht nur das, ihre eigenen Augen haben ihn gesehen; nicht nur das, ihre H\u00e4nde haben ihn angefasst, weil er real, physisch unter ihnen war. Die Begeisterung von Johannes ist an dieser Stelle so \u00fcberflie\u00dfend, dass er seinen eigenen Gedanken unterbricht und dann folgendes einschiebt: \u201edas Leben ist erschienen und wir haben gesehen und bezeugen und verk\u00fcnden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist.\u201c<br \/>\nDas ist der Ursprung der Gemeinschaft. Das Leben ist der Ursprung der christlichen Gemeinschaft. Das Problem ist, dass \u201eLeben\u201c als Begriff ziemlich umfassend ist. Biologen sind sich einigerma\u00dfen einig, dass wenn ein System in der Lage ist, zu wachsen, sich zu vermehren, Stoffwechsel zu betreiben, sich zu bewegen und reizbar ist, dieses System biologisch lebendig ist. D.h., mit \u201eLeben\u201c meinen wir das Leben von Bakterien oder Einzellern, die wir gerade so unter dem Mikroskop erkennen k\u00f6nnen. Mit Leben meinen wir aber auch das Leben, von Pflanzen und B\u00e4umen, die ungleich komplexer sind, wie etwa Mammutb\u00e4umen, die mehrere Tausend Jahre als sein k\u00f6nnen. Mit Leben meinen wir aber auch das Leben von Tieren; und schlie\u00dflich das Leben von Menschen. Die meisten Menschen w\u00e4ren damit einverstanden, wenn wir sagen w\u00fcrden, dass das menschliche Leben noch einmal eine andere Komplexit\u00e4t und einen anderen Wert hat im Vergleich mit dem Leben von Tieren und Pflanzen. Wir Menschen sind vermutlich die einzigen Lebewesen auf der Erde, die sich Gedanken dar\u00fcber machen k\u00f6nnen, weshalb wir leben und wof\u00fcr wir leben sollten.<br \/>\nUnd trotzdem ist es so, dass wenn Johannes \u00fcber das Leben spricht, er etwas anderes meint. Das Leben, von dem Johannes spricht, ist ein ewiges Leben; es ist ein Leben, das immer existiert, bevor irgendetwas anderes existierte. Es ist ein Leben, das beim Vater war. Die Griechen hatten unterschiedliche W\u00f6rter f\u00fcr Leben. Alles biologische Leben nannten die Griechen bios; das ewige Leben hingegen bezeichneten sie als zoe. Zoe, das ewige Leben, ist ein Leben, das kategorisch anders ist, als das biologische Leben. Es ist das Leben, von welchem alles andere Leben, einschlie\u00dflich dem biologischen Leben, seinen Ursprung hat. Alles existiert, weil es am Anfang das ewige Leben gab.<br \/>\nWas charakterisiert dann das ewige Leben? Vers 3 sagt: \u201eWir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.\u201c Johannes sagt, dass das ewige Leben eine Gemeinschaft ist, zwischen dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus. Das ewige Leben ist ewige Gemeinschaft innerhalb der Gottheit. Wir glauben an einen Gott, der in Ewigkeit in drei Personen existiert hat. Wir befinden uns damit im Zentrum der christlichen Theologie. Es geht hier nicht nur um die Frage wer Gott ist, sondern wie dieser Gott ist. C.S. Lewis schrieb in seinem Buch Mere Christianity: \u201eAlle m\u00f6glichen Leute wiederholen gerne die christliche Aussage, dass \u201aGott Liebe ist\u2018. Aber sie scheinen nicht zu bemerken, dass die Worte \u201aGott ist Liebe\u2018 keine wirkliche Bedeutung haben, wenn Gott nicht mindestens zwei Personen enth\u00e4lt. Liebe ist etwas, das eine Person f\u00fcr eine andere Person empfindet. Wenn Gott eine einzige Person w\u00e4re, dann war er vor der Erschaffung der Welt nicht Liebe. &#8230; im Christentum ist Gott kein statisches Ding &#8211; nicht einmal eine Person &#8211; sondern eine dynamische, pulsierende Aktivit\u00e4t, ein Leben, fast eine Art Drama. Falls du mich nicht f\u00fcr piet\u00e4tlos h\u00e4ltst, fast eine Art Tanz.\u201c<br \/>\nDas ist krasse Theologie. Die Frage ist jetzt nat\u00fcrlich, was das f\u00fcr uns bedeutet. Im Film Ironman wird Tony Stark von Terroristen entf\u00fchrt. Tony ist ein Milliard\u00e4r und gleichzeitig ein genialer Erfinder, der Waffen baut. W\u00e4hrend er schwer verletzt bei den Terroristen ist, gibt es einen Mitgefangenen namens Yinsen, der ihn pflegt und ihm das Leben rettet. Sie kommen sp\u00e4ter ins Gespr\u00e4ch. Tony fragt Yinsen ob er eine Familie hat. Er antwortet: \u201eJa, und ich werde sie wiedersehen, wenn ich hier herauskomme. Was ist mit dir?\u201c Tony Stark hat keine Familie, keine wirklich verbindlichen Beziehungen, kaum echte Freundschaften. Yinsen sagt daraufhin: \u201eAlso bist du ein Mann der alles hat\u2026 und doch nichts hat.\u201c Und das ist f\u00fcr einen Unterhaltungsfilm eine durchaus profunde Einsicht.<br \/>\nEin kurzes Gedankenexperiment: versuchen wir uns an den sch\u00f6nsten Moment unseres Lebens zu erinnern. Gab es in unserem Leben einen Moment, an dem wir uns riesig gefreut haben; einen Moment, an dem wir uns einfach gl\u00fccklich gef\u00fchlt haben? Vielleicht war es dein Hochzeitstag? Oder besser, vielleicht war es der Tag nach deinem Hochzeitstag, nachdem alle G\u00e4ste erst einmal weg waren? Vielleicht war es ein richtig guter Abend oder eine richtig gute Feier mit den engsten Freunden? Vielleicht war es ein richtig guter Urlaub mit der Familie? Vielleicht war es eine besondere Bibelfreizeit? Egal was die genauen Umst\u00e4nde dieses Moments waren, ich bin mir ziemlich sicher, dass wir im sch\u00f6nsten Moment unseres Lebens nicht allein waren, sondern in irgendeiner Form von Gemeinschaft. Ich gehe sehr stark davon aus, dass dieser sch\u00f6nste Moment im Beisammensein mit Menschen war, die uns lieb und teuer sind. Und ich gehe stark davon aus, dass diese Momente eben deshalb so sch\u00f6n waren, weil wir nicht allein waren; weil es Menschen gab, mit denen wir den Augenblick teilen konnten; weil Mitmenschen das Sch\u00f6ne nicht nur aufaddiert, sondern multipliziert haben.<br \/>\nAm Anfang des Universums war Beziehung; am Anfang war Liebe; am Anfang war ein Tanz des dreieinigen Gottes. Der Ursprung der christlichen Gemeinschaft ist das ewige Leben in ewiger, in sich vollkommener Gemeinschaft. Gott ist ein Gott in Beziehung. Und das ist null Prozent theoretisch. Es ist unendlich relevant f\u00fcr uns: wir alle, du und ich, sind geschaffen nach dem Bild eines dreieinigen Gottes. Der Grund weshalb Menschen am Ende des Tages Gemeinschaftswesen sind, der Grund weshalb unser Herz eine Sehnsucht nach Zweisamkeit, nach Freundschaft und nach Beziehungen hat, ist der, dass wir diesem Gott entsprungen sind.<\/p>\n<p><strong>Zweitens, das Wesen der Gemeinschaft<\/strong><br \/>\nZum Wesen der christlichen Gemeinschaft sagt der Text zwei Dinge. In Vers 3 sagt Johannes: \u201ewas wir gesehen und geh\u00f6rt haben, das verk\u00fcnden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt.\u201c Der Apostel verk\u00fcndigt sein Erleben von Jesus Christus, um Gemeinschaft zu verbreiten. D.h., die Predigt Jesu Christi hat das Ziel, dass neue und heilsame Gemeinschaft entsteht. Die Verk\u00fcndigung Jesu sind nicht einfach nur Glaubens-Statements; sie sind das Bezeugen eines Erlebens und eines Erfahrens der Person Jesu Christi. Ich finde die Wortwahl von Johannes sehr interessant. Vers 1: \u201eWas von Anfang an war, was wir geh\u00f6rt, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere H\u00e4nde angefasst haben\u2026\u201c Johannes war einer der Augenzeugen Jesu, der Jesus praktisch mit allen Sinnen wahrgenommen hat. So real war Jesus unter ihnen. Hier ist also der erste Punkt zum Wesen der Gemeinschaft: die christliche Gemeinschaft besteht aus Menschen, die Jesus pers\u00f6nlich erlebt haben. Wie hast du Jesus pers\u00f6nlich erlebt?<br \/>\nWas faszinierend ist: die Art und Weise, wie Menschen Jesus erfahren und begegnen, kann sehr unterschiedlich sein. Es kann ein \u00fcberw\u00e4ltigender Fischfang sein; oder es kann ein grelles Licht sein, das einen militanten Christenverfolger vom Pferd st\u00fcrzt; oder es kann ein einziges Wort sein wie der Ruf des Namens \u201eMaria\u201c; es kann ein bebender und rauchender Berg sein oder ein stilles Fl\u00fcstern im Wind. In unserer Gemeinde legen wir sehr viel Wert auf die Bibel: Wiedergeburt durch ein Wort, das pers\u00f6nlich zu uns spricht. Ich denke, dass Gott den meisten Menschen auf diese Art begegnet. Gleichzeitig m\u00f6chte ich betonen, dass es nicht die einzige Art und Weise ist.<br \/>\nVor einigen Jahren habe ich ein hervorragendes Zeugnis von einem koreanisch-amerikanischen Theologen namens Paul Lim geh\u00f6rt. Er hatte eine schwierige Kindheit erlebt, war Au\u00dfenseiter und wurde schlie\u00dflich Student an der Yale Universit\u00e4t. Er wollte mit dem christlichen Glauben nichts zu tun haben, und er machte sich \u00fcber seine Schwester lustig, weil sie einen Christen heiratete. Er sagte zu seiner Schwester: \u201eDu heiratest diesen armen Loser. Ich dagegen studiere BWL und werde sp\u00e4ter richtig viel Geld verdienen. Und wenn ich dann reich bin, werde ich dich und meinen Schwager finanziell unterst\u00fctzen.\u201c Es war zwar gut und aufrichtig gemeint, aber seine Schwester war trotzdem gekr\u00e4nkt. Eine Woche sp\u00e4ter war er auf einer Bibelfreizeit von seinem Schwager, die er ziemlich schlimm fand: schlechtes Essen, langweilige Gespr\u00e4che, \u00f6de Vortr\u00e4ge. Der einzige Grund, weshalb er dort war, war der, weil seine Mutter ihn darum gebeten hatte, und er seiner Mutter nicht \u201enein\u201c sagen konnte. Am letzten Abend hat die Band ein Lied angestimmt. (Die Band war auch nicht so toll). Und im Lied sangen sie dann: \u201eIch will dein Geld nicht. Ich will dein Leben.\u201c Als er diese Worte h\u00f6rte, war es, wie als ob Gott zu ihm sprechen w\u00fcrde. Und dann brachen bei ihm das Eis. Die Schutzw\u00e4lle, die er \u00fcber viele Jahre aufgerichtet hatte, waren eingerissen. Er konnte gar nicht aufh\u00f6ren, zu weinen.<br \/>\nEin weiteres Beispiel: die meisten von euch haben von dem deutschen Youtuber Philipp Mickenbecker geh\u00f6rt, der vor wenigen Monaten an Krebs gestorben ist. Als er gefragt wurde wie er zum Glauben gekommen war, erz\u00e4hlte er folgendes: er hatte zum zweiten Mal Krebs bekommen. W\u00e4hrend seines Aufenthalts im Krankenhaus ging er spazieren und setzte sich auf einem H\u00fcgel auf eine Bank. Er sagte dann: \u201eJesus, wenn es dich gibt, dann zeig dich bitte.\u201c Im n\u00e4chsten Moment sp\u00fcrte er, wie er von einer g\u00f6ttlichen Liebe \u00fcberflutet wurde. Worte konnten seine Erfahrung nicht wirklich beschreiben. So hat er Jesus pers\u00f6nlich erfahren. (Fairerweise muss man sagen, dass seine Geschichte l\u00e4nger und komplexer ist; aber das ist die Essenz seiner Begegnung mit Jesus).<br \/>\nWelche Geschichte hast du zu erz\u00e4hlen? Wie hast du Jesus erfahren? Hast du ihn geh\u00f6rt, gesehen und angefasst? Das ist das erste, was wir \u00fcber das Wesen der Gemeinschaft erfahren. Die christliche Gemeinschaft besteht aus Menschen, die Jesus pers\u00f6nlich begegnet sind. Aber das ist l\u00e4ngst nicht alles.<br \/>\nDer andere Aspekt hat mit dem ewigen Leben selbst zu tun. N.T. Wright wurde bei einer Einreise in die USA gefragt, was er beruflich macht. Er antwortete, dass er ein Bischof ist. Aber er hatte gerade keine Kutte oder entsprechende Kleidung an. Der Beamte fragte ihn deshalb: \u201eWenn du Bischof bist, kannst du mir sagen, was in Johannes 3,16 steht?\u201c N.T. Wright lie\u00df sich nicht zweimal bitten: \u201eHoutos gar egapesen ho Theos ton kosmon\u2026\u201c Johannes 3,16 sagt, dass wir das ewige Leben erhalten, wenn wir an Jesus glauben. Wir haben vorhin gesehen, dass das ewige Leben, das im Anfang bereits war, ein kategorisch anderes Leben ist, als das biologische Leben. Zoe ist etwas v\u00f6llig anderes als bios. Wir k\u00f6nnen uns das vielleicht so vorstellen: ein Bildhauer kann aus einem St\u00fcck Marmor eine Statue machen. Diese Statue mag aussehen wie ein Mensch. Aber sie ist am Ende des Tages nichts anderes als Stein. Oder wir sind mit der ber\u00fchmten Geschichte von Pinocchio vertraut: Pinocchio ist eine Holzpuppe, nichts anderes als ein St\u00fcck Holz, das kunstvoll geschnitzt wurde. Die Puppe ist kein Junge.<br \/>\nDie Bibel sagt, dass wir kein wahres Leben in uns haben. Aus uns selbst heraus, haben wir kein ewiges Leben. Aber in Vers 3 schreibt Johannes die unfassbaren Worte: \u201eWir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.\u201c Wir werden eingeladen, einzutreten, in diese Beziehung. Vater und Sohn laden uns ein, das ewige Leben, das in ihnen ist, zu empfangen. Vater und Sohn wollen dieses ewige Leben uneingeschr\u00e4nkt mit uns teilen. Und das macht etwas mit uns. Wir werden ver\u00e4ndert. Die Ver\u00e4nderung ist genauso radikal wie wenn aus leblosen Statuen echte Menschen aus Fleisch und Blut werden. Aus uns wird kategorisch etwas v\u00f6llig Neues, wie eine Holzpuppe, die ein echter Junge wird. Aus uns werden Kinder Gottes, die das gleiche Leben haben wie Gott.<br \/>\nZu Beginn habe ich gesagt, dass koinonia bedeutet, Gemeinschaft zu haben durch Teilhaben. Was wir miteinander teilen ist genau das: eine pers\u00f6nliche Erfahrung mit Jesus Christus, durch die wir radikal erneuert und ver\u00e4ndert wurden. Wir haben das ewige Leben. Nicht erst dann, wenn wir sterben. Das ewige Leben beginnt im Hier und Jetzt, wenn wir durch Jesus anger\u00fchrt wurden.<br \/>\nWie macht sich das bemerkbar? Letzte Woche haben wir geh\u00f6rt, wie das Evangelium die Feindschaft zwischen Juden und Heiden aufgehoben hat; das Evangelium sprengt die Mauern, die es zwischen Menschen gibt. Es f\u00e4ngt innerhalb unserer Familien an. Wenn wir vom ewigen Leben anger\u00fchrt werden, werden wir warmherziger, empathischer, gro\u00dfz\u00fcgiger, geduldiger, liebevoller, authentischer, transparenter. Nat\u00fcrlich wirkt sich das auf alle unsere Beziehungen aus. Nat\u00fcrlich hat das einen Einfluss darauf, wie wir unsere Ehepartner sehen und behandeln. Nat\u00fcrlich ver\u00e4ndert das die Art und Weise wie wir mit unseren Kindern umgehen. Es h\u00f6rt nicht in unseren Familien auf. Es geht weiter im Umgang mit den Geschwistern in der Gemeinde. Und es hat Auswirkungen im Umgang mit unseren Geschwistern au\u00dferhalb unserer Gemeinde, au\u00dferhalb unserer Konfession und unseren Denominationen. Das, was uns in Christus mit anderen Christen verbindet ist unendlich viel gr\u00f6\u00dfer als das, was uns trennt.<br \/>\nDie letzten Monate und Jahre waren ziemlich hart, was Gemeinschaft betrifft. Wir haben einen signifikanten Teil der Zeit in Quarant\u00e4ne, Homeoffice und Homeschooling verbracht. Quarant\u00e4ne, Homeoffice und Homeschooling sind drei unterschiedliche Worte f\u00fcr ein- und dasselbe: in den eigenen vier W\u00e4nden eingesperrt zu sein. Und vielleicht haben in dieser Zeit die Beziehungen innerhalb der Gemeinde etwas gelitten. Ich wei\u00df nicht wie es euch ergeht. Aber vielleicht verbringen wir mehr Zeit mit unserem Smartphone als in Gemeinschaft mit echten Menschen. Vielleicht verbringen wir mehr Zeit in der virtuellen Welt als mit der realen Welt. Vielleicht ziehen wir uns lieber zur\u00fcck, weil Beziehungen oftmals echt anstrengend sein k\u00f6nnen. Vielleicht gehen wir zwischenmenschlichen Beziehungen lieber aus dem Weg als sich ihnen zu stellen. Wie es aussieht, wird Corona uns noch eine Weile begleiten.<br \/>\nDer Text sagt nicht: \u201eJetzt rei\u00dft euch wieder zusammen! Verbringt mehr Zeit mit euren Geschwistern!\u201c Der Text ermutigt uns, neu von dem ewigen Leben anger\u00fchrt und ver\u00e4ndert zu werden. Wenn das geschieht, dann ist christliche Gemeinschaft unvermeidlich.<\/p>\n<p><strong>Drittens, das Ziel der Gemeinschaft<\/strong><br \/>\nJohannes schreibt in Vers 4: \u201eDies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen ist.\u201c Das Ziel der Gemeinschaft ist Freude, und zwar vollkommene Freude. Und das klingt so trivial. Aber es ist alles andere als trivial. Freude liegt im Zentrum von allem, worum es im christlichen Glauben geht.<br \/>\nW\u00e4hrend unserer Zeit in Boston sind Grace und ich einmal mit einer Freundin nach New Haven gefahren, um dort Ostern zu feiern. Unsere Freundin ist nicht gl\u00e4ubig. Auf dem Weg zur\u00fcck haben wir uns dar\u00fcber unterhalten, was wir f\u00fcr das h\u00f6chste Ziel des Lebens halten. Sie meinte, dass es ein Leben ist, in dem sie maximale Freude hat. Und diesen Wunsch hat jeder Mensch. Jeder lebt daf\u00fcr und tut alles daf\u00fcr, um maximale Freude zu haben. Ich habe ihr erkl\u00e4rt, dass es im christlichen Glauben genau darum geht: vollkommene Freude zu haben. Ihre Antwort war, dass unsere Lebensziele dann gar nicht so unterschiedlich sind. Sie hatte nicht ganz unrecht.<br \/>\nHier ist der Grund: wir haben gesagt, dass am Anfang Gott in Beziehung war, in drei Personen. Es ist der Tanz der Trinit\u00e4t. Gott ist das einzige Wesen, das in sich vollkommen ist. Gott ist vollkommene Liebe. Gott hat in sich vollkommene Freude. Warum sollte ein Gott, der in sich perfekt ist und der alle F\u00fclle hat, Himmel und Erde schaffen wollen? Die Antwort ist nicht, um noch mehr Freude zu bekommen. Jemand, der unendlich reich ist, wird nicht reicher, wenn man ihm f\u00fcnf Euro gibt. Gott erschuf die Welt und uns, um seine Freude mit uns zu teilen.<br \/>\nJohannes Hartl hat folgende Illustration gebraucht: M\u00e4nner und Frauen f\u00fchlen sich einander zugeneigt, weil jeder denkt: wenn ich den perfekten Partner habe, wenn ich die perfekte Partnerin habe, dann kann ich wirklich gl\u00fccklich sein. D.h., der andere ist dazu da, meine Bed\u00fcrfnisse zu erf\u00fcllen und mich gl\u00fccklich zu machen. Nach einer Zeit des Verliebtseins stellt man fest, dass die Welt doch nicht so rosarot ist. Aber nehmen wir an, dass es den Ehepartnern nicht um sich selbst geht. Nehmen wir an, dass sie nicht einfach nur verliebt sind. Nehmen wir an, ein Mann und eine Frau lieben sich wirklich mit einer selbst hingebenden, selbst aufopfernden Liebe (agape). Was geschieht? Es entsteht innerhalb dieser Beziehung eine F\u00fclle und ein Raum. In diesem Raum ist Platz f\u00fcr eine dritte und vierte Person. In diesem Raum k\u00f6nnen Kinder gesund heranwachsen. Kinder sind der Inbegriff von Bed\u00fcrftigkeit: \u201eich will jetzt sofort essen und spielen!\u201c Bed\u00fcrftige Kinder werden von der Liebe ihrer Eltern gen\u00e4hrt.<br \/>\nAuf eine unendlich viel h\u00f6here und gr\u00f6\u00dfere Art und Weise entsteht innerhalb der vollkommenen Liebe der Trinit\u00e4t ein Raum. In diesen Raum hinein erschafft Gott die Welt. Gott hat das getan, um die Welt mit seiner \u00fcberflie\u00dfenden Liebe und Freude zu beschenken und reich zu machen. Letztendlich tut Gott das, indem er sich selbst der Welt schenkt. Nirgendwo mehr k\u00f6nnen wir die Bedeutung dessen verstehen lernen, als in christlicher Gemeinschaft.<br \/>\nWir haben gesehen, dass das ewige Leben in Gott der Ursprung der Gemeinschaft ist. Die christliche Gemeinschaft entsteht, wenn Menschen das ewige Leben empfangen. Das Ziel dieser Gemeinschaft ist es, maximale Freude in Gott zu haben. Nichts verherrlicht Gott mehr als das.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Gemeinschaft \u201ewas wir gesehen und geh\u00f6rt haben, das verk\u00fcnden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.\u201d 1. Johannes 1,3 Wir haben letzte Woche mit der Predigt von Noah eine neue Themenreihe angefangen: berufen zur Gemeinschaft. Davor haben wir [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[33,41,4],"tags":[],"class_list":["post-10269","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-johannesbrief","category-gemeinde","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10269"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10271,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10269\/revisions\/10271"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}