{"id":10253,"date":"2021-08-08T11:00:38","date_gmt":"2021-08-08T09:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10253"},"modified":"2022-11-18T12:18:54","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:54","slug":"predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-verwurzelt-im-evangelium-7-matthaeus-713-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-verwurzelt-im-evangelium-7-matthaeus-713-23\/","title":{"rendered":"Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will &#8211; Verwurzelt im Evangelium 7 &#8211; Matth\u00e4us 7,13-23"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download<\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Ein neuer Weg<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eWie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben f\u00fchrt, und es sind wenige, die ihn finden.\u201d<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4us 7,14)<\/p>\n<p>Wir besch\u00e4ftigen uns heute zum siebten Mal mit dem Thema Evangelium. Zur Erinnerung: das Evangelium ist die frohe Botschaft, dass Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung der wahre, eingesetzte K\u00f6nig ist. Jesus ist Herr! Das Evangelium anzunehmen, bedeutet unter der Herrschaft Christi zu leben. Und das Reich Jesu ist das Reich der Gnade. Durch das Evangelium haben wir eine neue Identit\u00e4t. Und wir haben eine ganz neue Motivation, Gott zu gehorchen. In dieser letzten Predigt zum Thema, wollen wir einiges von dem, was wir die letzten Wochen betrachtet haben, aufgreifen, vertiefen. Und ich denke, dass sich unser heutiger Text sehr gut dazu eignet, das zu tun. Das Evangelium er\u00f6ffnet uns einen neuen Weg. Der Text zeigt uns drei Dinge: erstens, der breite Weg in die Verlorenheit; zweitens, der schmale Weg zum Leben; drittens, das Leben zu dem der schmale Weg f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Erstens, der breite Weg in die Verlorenheit<br \/>\nGanz kurz zum Kontext: die Verse, die wir heute betrachten, bilden mehr oder weniger den Schluss der Bergpredigt. Und die Bergpredigt wiederum ist die gr\u00f6\u00dfte und beste Predigt, die jemals gehalten wurde. (Ich hoffe, dass wir uns irgendwann einmal intensiv damit besch\u00e4ftigen k\u00f6nnen). Jesus schlie\u00dft seine Predigt mit einer Reihe von Warnungen ab: \u201eGeht durch das enge Tor! H\u00fctet euch vor den falschen Propheten. Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen.\u201c Und sp\u00e4testens an dieser Stelle sollten wir sehr hellh\u00f6rig werden.<br \/>\nJesus spricht davon, dass es zwei verschiedene Wege gibt; er erw\u00e4hnt zwei verschiedene Arten von B\u00e4umen; und in den Versen 24-27 (die nicht gelesen wurden) spricht Jesus von zwei verschiedenen Arten, wie man sein Haus bauen kann. Drei verschiedene Bilder, in denen es anscheinend um zwei unterschiedliche M\u00f6glichkeiten geht, sein Leben zu f\u00fchren. Wenn wir das Ganze etwas oberfl\u00e4chlich lesen, dann k\u00f6nnten wir meinen: ja klar, es gibt ein gutes Leben und ein schlechtes Leben; diejenigen, die ein moralisch gutes und beschwerliches Leben f\u00fchren, werden belohnt; diejenigen, die ein moralisch schlechtes und bequemes Leben f\u00fchren, gehen am Ende verloren. Die Schlussfolgerung w\u00e4re dann: wir sollten ein gutes und anst\u00e4ndiges Leben f\u00fchren: also fromm sein, nicht zu egoistisch sein, flei\u00dfig sein, viele gute Werke tun. Die Guten sind dann diejenigen, die an Gott glauben; die Schlechten sind die drau\u00dfen in der Welt.<br \/>\nHier ist jetzt das Besorgniserregende: wenn Jesus davon spricht, dass nicht alle, die zu ihm \u201eHerr! Herr!\u201c sagen, in das Himmelreich kommen werden, meinte er nicht die Menschen \u201eda drau\u00dfen in der Welt\u201c. Er spricht von Menschen, die an ihn glauben. Christen sind diejenigen, die Jesus \u201eHerr\u201c nennen. Das griechische Wort ist hier tats\u00e4chlich kyrios. Das war die Form der Anrede, die f\u00fcr den Kaiser des r\u00f6mischen Reiches verwendet wurde. Nur Christen w\u00fcrden auf die Idee kommen, Jesus als Kyrios zu adressieren.<br \/>\nIn Vers 22 sagen sie: \u201eHerr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht in deinem Namen D\u00e4monen ausgetrieben und haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten gewirkt?\u201c Es waren nicht einfach nur nominelle Christen; es waren aktive Christen, die viel gemacht haben. Sie hatten Geistesgaben. Sie hatten prophetisch gesprochen, sie waren Exorzisten, sie hatten Wundertaten vollbracht, wie andere Menschen zu heilen. Das klingt nach Christen, die in charismatischen Gemeinden unterwegs sind. Gleichzeitig sollten wir hier nicht den Fehler begehen, zu sagen: das gilt hier nur als Warnung f\u00fcr Christen, die zu viel Wert auf Geistesgaben legen. Das Gegenteil ist der Fall. Gaben des Geistes zu haben, ist ein besonderer Segen. Die Logik lautet: wenn selbst diejenigen Christen, die mit Gaben des Heiligen Geistes arbeiten, von Jesus versto\u00dfen werden, wie viel mehr gilt das f\u00fcr andere Christen? Genauso gut k\u00f6nnte an dieser Stelle stehen: \u201eHerr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen sonntags das Wort gepredigt? Haben wir nicht viel geopfert und sind treu in die Gemeinde gegangen? Haben wir nicht Bibelstudium gemacht und waren wir nicht auf dem Campus einladen gewesen?\u201c<br \/>\nDer Punkt ist, die Trennlinie zwischen dem Angenommensein im und Ausgesto\u00dfensein vom Himmelreich, verl\u00e4uft nicht zwischen den Menschen, die gute oder schlechte Werke tun. Die Trennlinie verl\u00e4uft nicht zwischen den moralischen Menschen in der Gemeinde und den unmoralischen S\u00fcndern da drau\u00dfen. Sie verl\u00e4uft mitten durch die christliche Gemeinde. Vielleicht erf\u00fcllt uns das mit Sorgen und Zweifel.<br \/>\nVor drei Wochen haben wir das Gleichnis von den verlorenen S\u00f6hnen studiert. Nur noch einmal zur Erinnerung: wir hatten gesehen, dass es zwei Arten gibt, verloren zu gehen. Die eine Art verloren zu gehen, ist, wie der j\u00fcngere Sohn ein Leben in Saus und Braus zu f\u00fchren und ein moralisch schlechtes Leben zu f\u00fchren: \u201eich tue das, was ich will; niemand macht mir Vorschriften.\u201c Die andere Art, verloren zu gehen, ist ein anst\u00e4ndiges, vorbildliches, moralisch gutes Leben zu f\u00fchren und sich an alle Gebote zu halten. Ich hatte versucht zu zeigen, dass der \u00e4ltere Sohn nicht trotz seiner guten Werke, sondern wegen seiner guten Werke verloren war; er war wegen seiner guten Werke verloren, weil sie die Basis f\u00fcr seine Beziehung zu seinem Vater bildeten. Und haargenau das ist es, was wir in den Worten der Gl\u00e4ubigen in dem Text sehen. Dreimal wiederholen sie die Worte: \u201eHaben wir nicht dieses getan? Haben wir nicht jenes getan? Wir haben doch so viel f\u00fcr dich getan! Haben wir es uns nicht verdient?\u201c Ihre Taten, ihre guten Werke, ihre Leistungen waren die Grundlage ihrer Gerechtigkeit. Jesus sagte: \u201eDenn weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben f\u00fchrt, und es sind viele, die auf ihm gehen.\u201c Warum ist der Weg breit? Der Weg ist breit, weil es nicht nur viele Menschen sind, die auf ihm gehen; sondern viele Arten von Menschen: moralische und nicht moralische Menschen; religi\u00f6se und nicht religi\u00f6se Menschen; Menschen mit hohen Standards und Menschen ohne Standards; Menschen in christlichen Gemeinden und Menschen nicht in christlichen Gemeinde; gute und schlechte Menschen.<br \/>\nAls n\u00e4chstes, in Vers 23 sehen wir, dass Jesus sagt: \u201eIch kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Gesetzlosen.\u201c Es gibt noch so vieles, was man hierzu sagen sollte, z.B., was es bedeutet, von Jesus gekannt zu werden. Aber eine Frage, mit der ich mich herumgeschlagen hatte, ist, warum nennt Jesus sie die Gesetzlosen? Im Gleichnis von den verlorenen S\u00f6hnen war der \u00e4ltere Sohn derjenige, der sich an alle Gebote gehalten hatte. Warum sollte jemand wie er gesetzlos sein? Hier ist eine m\u00f6gliche Antwort. Zu Jesu Zeiten, waren die Pharis\u00e4er diejenigen, die sich am penibelsten an die mosaischen Gesetze gehalten hatten. Und trotzdem sagte Jesus ihnen in Markus 7,9: \u201eSehr geschickt setzt ihr Gottes Gebot au\u00dfer Kraft, um eure eigene \u00dcberlieferung aufzurichten.\u201c An anderer Stelle sagte Jesus: \u201eIhr gebt den Zehnten von Minze, Dill und K\u00fcmmel und lasst das Wichtigste im Gesetz au\u00dfer Acht: Recht, Barmherzigkeit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen.\u201c<br \/>\nVor ein paar Jahren wurde ich auf dem Nachhauseweg von einem Christen angesprochen, der mich evangelisieren wollte. Er sah fast ein wenig entt\u00e4uscht aus, als ich ihm sagte, dass ich an Jesus glaube. Im Bereich der Mission muss ich mir eine gro\u00dfe Scheibe von ihm abschneiden. Und doch gab es ein paar Aspekte, die mir zu denken gegeben haben. Er erz\u00e4hlte mir, dass er in einer Gemeinde ist, in der Frauen nicht predigen d\u00fcrfen und sie ihr Haupt bedecken m\u00fcssen, weil sie es mit dem Gehorsam gegen\u00fcber dem Wort Gottes so ernst nehmen. Und seine Gemeinde arbeitet wenig mit anderen Gemeinden zusammen, weil andere Gemeinden es mit dem Gehorsam nicht so genau nehmen. Ich hatte es vers\u00e4umt an dieser Stelle zu fragen, ob die M\u00e4nner dieser Gemeinde beim Gebet ihre H\u00e4nde erheben und ob sie sich zur Begr\u00fc\u00dfung k\u00fcssen. Das steht ebenfalls im NT, aber ich habe noch keine Gemeinde gesehen, die das so praktiziert. Wir machen so etwas st\u00e4ndig: wir picken uns die Rosinen raus. Wir ignorieren das, was uns nicht in den Kram passt. Wir basteln uns die Regeln und Vorschriften so zurecht, dass es uns erlaubt, unsere eigene Gerechtigkeit aufzubauen. Wir interpretieren die Gebote so um, dass wir die Standards gerade so einhalten k\u00f6nnen. Warum machen wir Menschen das? Wir tun das, weil kein Mensch das Gebot halten kann. Paulus schreibt, dass niemand durch das Gesetz gerecht wird. Insofern sind alle Menschen Gesetzlose.<br \/>\nWenn auf dem breiten Weg sowohl gute wie schlechte Menschen befinden, sowohl \u00e4ltere S\u00f6hne wie j\u00fcngere S\u00f6hne, sowohl gesetzliche wie gesetzlose Leute, wer sind dann diejenigen, die gerettet sind? Wer sind diejenigen, von denen Jesus in Vers 21 spricht, die den Willen des Vaters im Himmel tun?<\/p>\n<p>Zweitens, der schmale Weg zum Leben<br \/>\nWir finden einen wichtigen Hinweis in den Versen 16-20. In Vers 17 sagt Jesus: \u201eJeder gute Baum bringt gute Fr\u00fcchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte.\u201c Und in Vers 20 sagt er: \u201eAn ihren Fr\u00fcchten also werdet ihr sie erkennen.\u201c Gute B\u00e4ume bringen gute Fr\u00fcchte hervor, schlechte B\u00e4ume haben schlechte Fr\u00fcchte. Die Frucht ist Ausdruck dessen, wie gut es der Pflanze an sich geht. Und ich denke, dass es sich auf die Frucht des Geistes bezieht: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, G\u00fcte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit. Bei den Gaben des Geistes geht es darum, was wir tun und was wir leisten. Bei der Frucht des Geistes geht es darum, wer wir sind. Welche Frucht sehen wir bei uns? N.T. Wright fragte: \u201eSiehst du gesunde, leckere Frucht auf dem Baum? Kannst du andere Menschen sehen, die tats\u00e4chlich davon ern\u00e4hrt werden? Oder bringt der Baum eine Ernte von L\u00fcgen, Unmoral und Habsucht hervor?\u201c<br \/>\nIch kann mich daran erinnern, wie ich vor vielen Jahren nach K\u00f6ln gefahren bin, um an einem Gottesdienst f\u00fcr junge Leute teilzunehmen. Im Foyer sa\u00df der junge Prediger f\u00fcr den Gottesdienst. Sobald er mich reinkommen sieht, sagt er: \u201eOh nein\u2026 was machst du denn hier?\u201c Der Grund war, weil ich eine richtig gesetzliche Person war, die st\u00e4ndig \u00fcber andere Prediger geurteilt hatte. Aber wenn wir die Frucht des Geistes in unserem Herzen w\u00e4chst, dann lieben es Menschen um uns zu sein. Sie werden sich zu uns hingezogen f\u00fchlen, nicht weil wir besondere Gaben und Talente haben, sondern weil der Geist in uns etwas tut, was auf andere lieblich und sch\u00f6n wirkt. Noch einmal, Jesus sagt, dass es nicht prim\u00e4r darum geht, was wir tun. Es geht darum wer wir sind. Wenn wir diejenigen sind, die wir sein sollten, dann folgen automatisch Werke.<br \/>\nDann ist nat\u00fcrlich die n\u00e4chste Frage: wie werden wir zu diesen Menschen? In Vers 14 sagt Jesus: \u201eWie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben f\u00fchrt, und es sind wenige, die ihn finden.\u201c Wir werden zu diesen Menschen, indem wir durch das enge Tor geht und auf dem schmalen Weg. Welches enge Tor und welcher schmale Weg? Inwiefern sind sie eng? Und was bedeutet das?<br \/>\nHier ist ein Erkl\u00e4rungsversuch. Das Tor ist eng, weil Gnade uns erst einmal sehr klein macht. Das Tor ist so eng, dass wir da nicht mit einem SUV oder Pickup-Truck hindurchfahren k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen uns klein machen. Vielleicht m\u00fcssen wir uns auch b\u00fccken. Es erfordert eine dem\u00fctige Haltung. Es liegt nicht daran, dass Gott uns kleinhalten will. Darum geht es nicht. Aber vielleicht k\u00f6nnen wir uns folgendes vorstellen: wir bekommen zu Weihnachten Geschenke von unseren besten Freunden. Wir machen das erste Geschenk auf, und es ist ein Buch mit dem Titel: \u201eDie Kunst ein freundlicher Mensch zu sen.\u201c Dann machen wir das zweite Geschenk auf, und es ist eine riesige Flasche Mundsp\u00fclung und ein Jahresvorrat Seife. Dann machen wir das dritte Geschenk auf, und es ist wieder ein Buch: \u201eAbnehmen f\u00fcr hoffnungslose F\u00e4lle\u201c. Wie reagieren wir auf die Geschenke? W\u00fcrden wir sagen: \u201eWow\u2026 es ist genau das, was ich gebraucht habe. Ich bin so ein unfreundlicher Heinz, ich habe ganz schrecklichen Mundgeruch und wasche mich viel zu selten, und au\u00dferdem habe ich 20 Kilo \u00dcbergewicht! Danke euch allen!\u201c<br \/>\nDiese Illustration stammt von Tim Keller. Und er meinte dazu: es gibt eine Art von Geschenken, die kann nur dann annehmen, wenn man bereit ist, eine gewisse Haltung der Demut anzunehmen. Es gibt Geschenke, die man nur dann wirklich annehmen kann, wenn man eine ehrliche Einsicht hat, in die eigene Bed\u00fcrftigkeit; wenn man bereit ist zuzugeben, dass man nicht so ist, wie man sein sollte. Gott bietet uns das Geschenk der Gnade an: das Angebot, dass er uns unendlich viel besser behandelt, als wir es jemals verdient h\u00e4tten; das Angebot, dass er uns alle unsere Schuld und S\u00fcnden vergibt, einfach so, weil Jesus f\u00fcr uns gestorben ist; das Angebot, dass wir einfach so, wie wir sind, bei ihm geliebt und angenommen sind, obwohl wir es verdient h\u00e4tten, f\u00fcr immer von ihm versto\u00dfen zu werden. Gottes Geschenk der Gnade ist Vergebung unserer S\u00fcnden, Reinigung von unserem Schmutz, Heilung von unserer Krankheit, Ausf\u00fcllen unserer Armut, Gefunden-Werden in unserer tiefsten Verirrung und Verlorenheit. Dieses Geschenk der Gnade k\u00f6nnen wir nur dann annehmen, wenn wir gleichzeitig zugeben, dass wir ein echtes Problem haben. Wir k\u00f6nnen es nur dann annehmen, wenn wir eingestehen, dass wir auf keine andere Art gerettet werden k\u00f6nnten und dass wir uns schon gar nicht selbst h\u00e4tten retten k\u00f6nnen. Und das braucht echte Demut.<br \/>\nUnd noch ein Aspekt: der schmale Weg bedeutet auch, dass der Weg unscheinbar aussieht. Nicht nur das, der Weg sieht eigentlich auch etwas sch\u00e4big und armselig aus. Kennt ihr den Film \u201eIndiana Jones und der letzte Kreuzzug\u201c? Zwei Nazi-Schergen und Indiana Jones sind auf der Suche nach dem Heiligen Gral. F\u00fcr die Uninformierten unter euch: es gibt eine Legende, dass Jesu Blut von einem Becher aufgefangen wurde, als er am Kreuz starb. Wer dann aus diesem Becher trinkt, der lebt ewig. Die Abenteurer kommen in der Gralsh\u00f6hle an, und dann sehen sie dort Dutzende von verschiedensten Kelchen. Nur einer davon ist der Heilige Gral. Nat\u00fcrlich sind alle anderen Becher mit sofortiger Wirkung t\u00f6dlich. Die B\u00f6sewichte des Films w\u00e4hlen den pr\u00e4chtigsten Becher, der mit Edelsteinen besetzt ist. Der eine trinkt daraus und stirbt. Dann ist Indiana Jones dran. Er \u00fcberlegt und sagt sich: Jesus war ein Zimmermann. Er findet einen einfachen, sch\u00e4bigen Holzbecher. Und dieser Becher stellt sich tats\u00e4chlich als der Heilige Gral heraus.<br \/>\nDer schmale Weg sieht elend aus. Wir schauen auf das Evangelium, die Geschichte von Jesus und was sehen wir? Wir sehen einen armen Wanderprediger, der so arm war, dass er sich keine Bleibe leisten konnte; selbst sein Grab war geliehen; wir sehen ein einfaches Leben in Pal\u00e4stina, eine obskure, r\u00f6mische Provinz im Nirgendwo; wir sehen eine Krippe; und wir sehen ein Kreuz. Es sieht nach so wenig aus. Wie kann das der Weg der Rettung sein? Und das bringt uns zum letzten Punkt.<\/p>\n<p>Drittens, das Leben, zu dem der schmale Weg hinf\u00fchrt<br \/>\nIm letzten Buch der Chroniken von Narnia k\u00e4mpft der K\u00f6nig Tirian in einer letzten, gro\u00dfen Schlacht. Es ist ein ziemlich hoffnungsloser Kampf. Der K\u00f6nig wird mehr und mehr zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. In der Mitte des Schlachtfeldes ist ein kleiner Stall. Der K\u00f6nig f\u00e4llt schlie\u00dflich in diese H\u00fctte hinein. Er erwartet, dass der Stall innen dunkel und finster ist. Drau\u00dfen ist es finstere Nacht. Zu seiner gro\u00dfen \u00dcberraschung stellt er aber fest, dass er im Stall einen strahlend blauen Himmel \u00fcber sich sieht und ein weites Land mit gr\u00fcner Wiese. Tirian sagt dann: \u201eEs scheint also, dass der Stall von innen und der Stall von au\u00dfen gesehen etwas ganz Verschiedenes ist.\u201c Das Innere des Stalls ist gr\u00f6\u00dfer als sein \u00c4u\u00dferes. Und K\u00f6nigin Lucy antwortet darauf: \u201eJa, in unserer Welt barg auch einmal ein Stall etwas in sich, das gr\u00f6\u00dfer war als unsere ganze Welt.\u201c<br \/>\nUnd vielleicht so \u00e4hnlich k\u00f6nnen wir uns das enge Tor und den schmalen Weg vorstellen. Au\u00dfen sch\u00e4big und unscheinbar. Aber wenn wir eintreten, dann er\u00f6ffnet sich uns eine ganz neue Welt, wie wir sie noch nie gesehen haben. Wir stellen fest, dass das Innere des Stalls unendlich viel gr\u00f6\u00dfer ist als das \u00c4u\u00dfere des Stalls. Wir haben Finsternis und Enge erwartet; und wir werden \u00fcberrascht durch ein weites, gr\u00fcnes Land unter einem strahlend blauen Himmel. Das, was uns auf dem schmalen Weg erwartet, ist, Gnade. Und Gnade wiederum macht alles anders. Wie sieht ein Leben in der Gnade aus? Auf der einen Seite scheint es zwischen Religion und Evangelium keine so gro\u00dfen Unterschiede zu geben. Beide versuchen, Gott zu gehorchen. Beide lesen die Bibel. Beide beten. Was genau unterscheidet dann das Leben auf dem schmalen Weg vom breiten Weg?<br \/>\nHier sind ein paar Beispiele. Religi\u00f6se Menschen gehorchen Gott, um gerettet zu werden. Menschen im Evangelium sind bereits von Gott gerettet, und deshalb gehorchen sie Gott. Es folgt daraus, dass die Motivation Gutes zu tun radikal anders ist. Religi\u00f6se Menschen gehorchen Gott, um etwas von Gott zu bekommen. Menschen unter dem Evangelium gehorchen Gott, weil sie Gott selbst in ihrem Leben haben wollen.<br \/>\nReligi\u00f6se Menschen tun Gutes vor allem f\u00fcr sich selbst: wir bauen an unserem Selbst-Image, um bei anderen gut dazustehen, oder um bei uns selbst gut dazustehen. Die prim\u00e4re Motivation, Gutes zu tun, ist Furcht und Unsicherheit. Und das zeigt sich auch daran, wie wir Bu\u00dfe tun. Stellen wir uns vor, wir ertappen ein Kind dabei, wie es gerade Geld von den Eltern klaut. Das Kind f\u00e4ngt an zu weinen: \u201eEs tut mir so leid.\u201c Die Frage ist dann: \u201eWas tut dir leid? Tut es dir leid, weil du geklaut hast? Oder tut es dir leid, weil du dabei erwischt wurdest?\u201c Uwe Sch\u00e4fer nannte das die Reue des Ertappten. Die Reue des Ertappten ist keine richtige Bu\u00dfe. Es ist lediglich Furcht vor negativen Konsequenzen. Aber im Evangelium finden wir eine ganze andere Motivation. Die prim\u00e4re Motivation, Gutes zu tun, ist Dankbarkeit und Freude.<br \/>\nWas sich auch radikal unterscheidet, ist unser Gebetsleben. Allein schon diese Frage ist ein guter Test: wie gerne betest du? Religi\u00f6se Menschen beten. Sie k\u00f6nnen richtig viel beten. Aber ihr Gebet besteht vor allen Dingen aus Bittgebeten. Und die Bittgebete nehmen richtig Fahrt auf, wenn es uns schlecht geht oder wenn wir N\u00f6te haben. Wir beten vor allem deshalb, weil wir die Kontrolle \u00fcber unsere Umst\u00e4nde haben wollen. Menschen im Evangelium beten; und sie lieben es zu beten. Wenn wir aus Gnade leben, bestehen unsere Gebete zu ganz gro\u00dfen Teilen aus Lobpreis und Anbetung. Nat\u00fcrlich bitten wir Gott um Dinge. Aber prim\u00e4r geht es uns im Gebet darum, mit Gott und bei Gott zu sein, die Gemeinschaft mit ihm zu genie\u00dfen.<br \/>\nWir k\u00f6nnten noch so viele weitere Beispiele anf\u00fchren. Aber wir wollen es an dieser Stelle belassen. Mir bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als euch einzuladen: einen jeden einzelnen von euch, ob ihr hier vor Ort seid oder zu Hause vor dem Computer sitzt. Kommt zum engen Tor, geht auf dem schmalen Weg. Kommt zum Becher aus Holz. Kommt zum alten Stall. Kommt zur Krippe. Kommt zum Kreuz. Wandelt auf dem Weg der Gnade. Der schmale Weg f\u00fchrt in das unendlich weite Himmelreich, sowohl im Hier und Jetzt als auch in Ewigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Ein neuer Weg \u201eWie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben f\u00fchrt, und es sind wenige, die ihn finden.\u201d (Matth\u00e4us 7,14) Wir besch\u00e4ftigen uns heute zum siebten Mal mit dem Thema Evangelium. 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