{"id":10232,"date":"2021-07-25T11:00:15","date_gmt":"2021-07-25T09:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10232"},"modified":"2022-11-18T12:18:56","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:56","slug":"predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-verwurzelt-im-evangelium-5-roemer-812-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-verwurzelt-im-evangelium-5-roemer-812-17\/","title":{"rendered":"Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will &#8211; Verwurzelt im Evangelium 5 &#8211; R\u00f6mer 8,12-17"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Verwurzelt-im-Evangelium_Lektion5-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Eine neue Identit\u00e4t<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDenn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(R\u00f6mer 8,14)<\/p>\n<p>Heute betrachten wir den f\u00fcnften Teil unserer Predigtserie zum Thema \u201eVerwurzelt im Evangelium\u201c. Heute geht es um unsere Identit\u00e4t, genauer gesagt die neue Identit\u00e4t, die wir im Evangelium haben. Manche m\u00f6gen sich vielleicht fragen: Ist das f\u00fcr uns wirklich wichtig? Geht es in der Bibel um Identit\u00e4t oder ist das nicht eher nur eine theoretische Frage? Die Antwort darauf ist klar: die Identit\u00e4t, die wir im Leben haben, hat eine sehr gro\u00dfe Bedeutung. Bei Identit\u00e4t geht es darum, f\u00fcr wen ich mich im Grunde halte, wer ich denke, dass ich bin (unser Selbstverst\u00e4ndnis); und dann, wie ich mich dabei beurteile, ob ich denke, dass ich dabei gut bin (unser Selbstwertgef\u00fchl). Jeder Mensch hat ein Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber, wer er oder sie ist (auch wenn es den Menschen unterschiedlich klar ist). Unser Verst\u00e4ndnis davon, wer wir sind und wie wir uns darin sehen, hat einen sehr gro\u00dfen Einfluss auf unser Leben (z.B. wonach wir streben, wie wir uns und andere Menschen sehen und mit ihnen umgehen, wie wir mit Erfolgen und mit Niederlagen umgehen usw.). Und obwohl die Bibel den Begriff \u201eIdentit\u00e4t\u201c nicht gebraucht, sagt sie indirekt viel \u00fcber die Identit\u00e4t, mit der die Menschen gelebt haben. Vor allem lehren verschiedene Stellen im Neuen Testament die neue Identit\u00e4t der Christen, die an das Evangelium glauben. Unser heutiger Text R\u00f6mer 8,12-17 spricht deutlich dar\u00fcber, was unsere neue Identit\u00e4t als Christen ist und warum es wichtig ist, dass wir wirklich mit dieser Identit\u00e4t leben.<\/p>\n<p>Um das gut zu verstehen, wollen wir, bevor wir auf den Text eingehen, ausnahmsweise zuerst betrachten, wie die Menschen im Allgemeinen ihre Identit\u00e4t definieren. Wir wollen betrachten, wie die Menschen in traditionellen Gesellschaften ihre Identit\u00e4t definieren und wie in modernen westlich gepr\u00e4gten Gesellschaften die Menschen angeregt werden, ihre Identit\u00e4t zu finden. Danach wollen wir betrachten, welche neue, geistliche Identit\u00e4t Gott uns im Evangelium gibt, und wollen uns fragen, wie viel unsere eigene Identit\u00e4t davon gepr\u00e4gt ist. Es geht also um drei Fragen: 1. Wie finden Menschen in traditionellen Gesellschaften ihre Identit\u00e4t und wie in westlich gepr\u00e4gten Gesellschaften? 2. Worin liegt dabei das Problem? 3. Welche neue geistliche Identit\u00e4t gibt Gott uns im Evangelium und wie pr\u00e4gt sie unser Leben?<\/p>\n<p><strong>1. Wie finden Menschen in traditionellen Gesellschaften ihre Identit\u00e4t und wie in westlich gepr\u00e4gten Kulturen?<\/strong><br \/>\nAlle Kulturen geben den Menschen einen Weg vor, wie sie ihre Identit\u00e4t finden k\u00f6nnen; und sie ermutigen die Menschen dazu, auf diesem Weg ihre eigene Identit\u00e4t zu finden. In traditionellen Kulturen und in vielen traditionell gepr\u00e4gten asiatischen Kulturen heute definieren die Menschen ihr Selbstverst\u00e4ndnis vor allem \u00fcber ihre Rolle, die sie in der Familie oder Verwandtschaft spielen, z.B. als ein Sohn oder Tochter, als ein Vater oder eine Mutter, oder \u00fcber ihre Rolle in ihrem Dorf oder Sippe, und dar\u00fcber, wie gut sie diese Rolle spielen, also ob sie ein guter Sohn oder eine gute Tochter, ein guter Ehemann oder Ehefrau oder ein guter Vater oder Mutter sind. Die Familie oder Gemeinschaft schenkt ihnen Anerkennung, wenn sie ihre Rolle gut erf\u00fcllen, wenn sie sich z.B. als Sohn oder als Vater gut f\u00fcr ihre Familie einsetzen und dabei auch auf eigene Interessen und W\u00fcnsche verzichten, und vermittelt ihnen dadurch, wie sie \u00fcber sich selbst denken sollten. Kommt euch das vertraut vor? Ich nehme an, dass das den meisten von uns mehr oder weniger vertraut ist; auch in Europa hat man bis vor nicht allzu langer Zeit so gedacht.<\/p>\n<p>Aber die moderne westliche Kultur kehrt das inzwischen um. In modernen Kulturen wird den Menschen vermittelt, dass sie ihre Identit\u00e4t und ihr Selbstwertgef\u00fchl nicht daran messen sollen, wie gut sie um das Wohl ihrer Familie k\u00fcmmern und wie sehr sie daf\u00fcr eigene Interessen und W\u00fcnsche aufgeben. Sondern dass sie ihre Identit\u00e4t finden, wenn sie sich klar werden, was ihre eigenen W\u00fcnsche sind und diese W\u00fcnsche ausleben, ganz egal, was andere dazu sagen. Das ist eine Umkehrung der asiatischen Kultur (die fr\u00fcher auch in Europa \u00e4hnlich war), wo man respektiert wird, wenn man sich f\u00fcr das Wohl der Familie und der Gemeinschaft einsetzt und daf\u00fcr auf eigene W\u00fcnsche verzichtet. In modernen westlichen Kulturen hei\u00dft es inzwischen: Das ist verkehrt. Du musst in dich hineinh\u00f6ren und finden, was du eigentlich willst, und sollst deine W\u00fcnsche bzw. deinen Traum im Leben verwirklichen. Niemand hat das Recht, dir zu sagen, was du mit deinem Leben machen sollst. Dahinter steht die Idee: wenn ich in mich hineinschaue und meine eigenen W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume erkenne und ihnen folge, egal, was andere mir sagen, dann werde ich ich selbst, ich finde mein wahres Ich. Dabei ist es mir egal, wie andere mich beurteilen; ich bestimme, wer ich bin, nur ich bewerte mich selbst, und nur das z\u00e4hlt. Seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wird dieser Gedanke immer mehr in B\u00fcchern, Filmen und Liedern propagiert. Fachleute nennen das expressiven Individualismus, weil man in sein Herz schaut, seine eigenen W\u00fcnsche erkennt und versucht, das auszudr\u00fccken bzw. zu verwirklichen. In dem Film \u201eFrozen\u201c gibt es das Gedicht von Elsa, einer jungen Prinzessin, die eines Tages beschlie\u00dft, dass sie ihre Identit\u00e4t nicht l\u00e4nger darin sehen will, dass sie die Erwartungen der anderen erf\u00fcllt und von ihnen anerkannt wird, sondern dass sie den Sturm in ihrem Herzen raus lassen und ihm folgen will \u2013 das ist ein Beispiel f\u00fcr expressiven Individualismus. Was in uns an W\u00fcnschen ist, darauf sollen wir h\u00f6ren, dem sollen wir folgen, das ist der Weg, um uns selbst zu finden und uns im Leben zu verwirklichen. Das ist das, was die moderne Kultur den Leuten sagt, wie sie ihre Identit\u00e4t finden und zu einem richtigem Selbstwertgef\u00fchl kommen. Damit werden nat\u00fcrlich ganz besonders die jungen Leute konfrontiert, die am meisten moderne Filme sehen oder Musik h\u00f6ren, in denen diese Vorstellung ausgedr\u00fcckt wird.<\/p>\n<p><strong>2. Worin liegt dabei das Problem?<\/strong><br \/>\nJemand k\u00f6nnte jetzt fragen: Und wo ist das Problem? Warum soll das nicht gut sein? Wenn wir die beiden Ans\u00e4tze betrachten, den traditionellen und den modernen, finden wir bei beiden deutliche Probleme. Es gibt mehrere Gr\u00fcnde, warum alle beide nicht funktionieren. Ich will hier nur einige davon nennen. Der traditionelle Ansatz erscheint wahrscheinlich vielen von uns als der bessere, weil er nicht so egoistisch ist, weil es dabei als erstrebenswert gilt, sich f\u00fcr das Wohl der anderen einzusetzen und daf\u00fcr auch auf eigene Interessen zu verzichten. Dieser Ansatz sieht christlicher aus und scheint der Lehre des Evangeliums eher zu entsprechen. Wenn man sein Selbstverst\u00e4ndnis und Selbstwert daran orientiert, ist das Leben, das dadurch erm\u00f6glicht wird, vermutlich erstrebenswerter, zumindest aus der Sicht der Gemeinschaft, die dadurch viel besser funktionieren kann. Aber so ein Leben kann nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Belastung und Unfreiheit bedeuten, weil man sich immer an den Bed\u00fcrfnissen der anderen und an ihren Erwartungen orientieren soll. Ohne Evangelium bedeutet das f\u00fcr viele h\u00e4ufig Verzicht und Opfer, f\u00fcr die man nie belohnt wird.<\/p>\n<p>Im Vergleich dazu klingt der moderne Ansatz dagegen in den Ohren vieler moderner Menschen sehr erfolgversprechend, weil man ja auf seine eigenen W\u00fcnsche h\u00f6rt und sie zu erf\u00fcllt oder das zumindest versucht. Aber es gibt auch hier mehrere Gr\u00fcnde, warum das nicht funktioniert.<\/p>\n<p>Zum einen funktioniert es nicht, weil viele W\u00fcnsche in unserem Herzen sich widersprechen. Wenn wir in unser Herz schauen, sehen wir viele verschiedenartige W\u00fcnsche, von denen viele nicht miteinander vereinbar sind. Jemand will beispielsweise gern ein bestimmtes Stellenangebot in einer anderen Stadt f\u00fcr seinen gew\u00fcnschten Beruf annehmen, aber er hat eine Freundin, die nicht bereit ist, dorthin umzuziehen \u2013 was soll er w\u00e4hlen? Er kann nicht beiden Herzensw\u00fcnschen folgen. Es ist eine Illusion zu meinen, dass die W\u00fcnsche in unserem Herzen alle oder gro\u00dfteils zusammenpassen w\u00fcrden. Unsere W\u00fcnsche sind sehr verschieden und viele davon sind unvereinbar. Schon von daher funktioniert der Ansatz nicht, dass wir unsere wahre Identit\u00e4t \u00fcber die Erf\u00fcllung unserer W\u00fcnsche im Herzen finden.<\/p>\n<p>Zum anderen ist es eine Illusion, dass wir nach dem Prinzip leben k\u00f6nnten, dass es uns egal ist, was die anderen von uns denken und \u00fcber uns sagen. Niemand kann zufrieden leben, wenn er keine Best\u00e4tigung von anderen bekommt. Man kann fehlende Best\u00e4tigung von au\u00dfen nicht dadurch ersetzen, dass man seine Person und sein Tun selbst best\u00e4tigt. Das ist uns nicht genug. Junge Leute, die gegen bestimmte traditionelle Werte rebellieren, m\u00f6gen sich von ihren Eltern und von der Kirche abwenden und sagen, dass sich jetzt nur noch daran orientieren, was sie selbst wollen. Aber in Wirklichkeit suchen sie sich andere Leute, die sie und ihre neue Lebensweise anerkennen und loben. Wir brauchen alle die Gemeinschaft mit anderen, ihre Anerkennung und Best\u00e4tigung. Niemand kann sich selbst segnen oder sich selbst loben und damit zufrieden sein. Auch deshalb ist die Vorstellung, dass wir unabh\u00e4ngig von den anderen Menschen einfach tun, was wir selbst wollen, und so uns selbst finden, eine Illusion.<\/p>\n<p>Ein anderes Problem ist, dass man, obwohl man dadurch, dass man die Erwartung und die Beurteilung durch andere ablehnt, Freiheit erlangen will, sich in neue, oft noch schlimmere Unfreiheit begibt. Zum Beispiel definieren sich heute viele Menschen \u00fcber ihren Erfolg im Berufsleben. Weil sie durch ihre Karriere und ihr Einkommen zeigen wollen, wer sie sind bzw. wie gut sie sind, bekommt ihre Arbeit einen so hohen Stellenwert, dass sie einen zu gro\u00dfen Druck haben. Dadurch arbeiten viele Menschen zu viel und haben bei der Arbeit zu viel Stress, sodass bei vielen die Gesundheit und die Familie leidet oder kaputt geht. Wenn sie berufliche R\u00fcckschl\u00e4ge erleiden, k\u00f6nnen sie in tiefe Krisen geraten, weil sie nicht nur mit dem Problem an sich konfrontiert sind, dass sie zum Beispiel eine neue Stelle suchen m\u00fcssen, sondern auch damit, dass ihre Identit\u00e4t in Frage steht, \u00fcber die sie sich definiert haben.<\/p>\n<p>Ein anderes Problem ist, dass diejenigen, die Erfolg haben und ihre selbst gesteckten Ziele im Beruf oder im Sport oder in einem anderen Bereich erreicht haben, fast automatisch auf die anderen Menschen herabschauen und kein richtiges Herz und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr sie haben k\u00f6nnen. Wenn jemand f\u00fcr seine Karriere jahrelang hart gearbeitet hat, kann er (oder sie), wenn er Erfolg hat, nur schwer andere von Herzen annehmen und verstehen, die nicht erfolgreich sind, sondern sie wahrscheinlich als faul oder unf\u00e4hig ansehen. Er tut das, weil er seine eigene Identit\u00e4t so definiert hat und nicht nur sich, sondern auch die anderen danach betrachtet.<\/p>\n<p>Umgekehrt kann jemand, der seine Identit\u00e4t auch \u00fcber seinen Erfolg definiert hat, aber darin gescheitert ist, andere, die auch gescheitert sind, verstehen und akzeptieren. Aber ihm fehlt es an der Zuversicht, die er f\u00fcr sein weiteres Leben br\u00e4uchte, weil er an dem, wor\u00fcber die er sich definieren wollte, gescheitert ist. Es gibt kaum Menschen, die die Zuversicht haben, die n\u00f6tig ist, um etwas Gro\u00dfes im Leben zu bewirken, und die gleichzeitig im Herzen wirklich Raum f\u00fcr andere Menschen haben, die nicht erfolgreich sind.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches gilt, wenn jemand seine Identit\u00e4t dar\u00fcber definiert, ein guter Ehemann und Vater oder eine perfekte Ehefrau und Mutter. Gute Erziehung der Kinder ist eine wichtige Aufgabe von Eltern. Aber wenn der Erfolg der Erziehung der Kinder und vielleicht sogar auch ihr beruflicher Erfolg das ist, wor\u00fcber Eltern ihre Identit\u00e4t definieren, dann kann das sowohl f\u00fcr die Eltern als auch f\u00fcr die Kinder ungesund sein.<\/p>\n<p>Was ist dann die L\u00f6sung? Ich hoffe, dass alle zustimmen k\u00f6nnen, dass weder der moderne noch der traditionelle Ansatz, seine Identit\u00e4t zu finden, die L\u00f6sung ist. Beide Ans\u00e4tze sind keine L\u00f6sung, obwohl sie sehr unterschiedlich. Tats\u00e4chlich haben sie eine gro\u00dfe Gemeinsamkeit. Beim traditionellen Ansatz m\u00fcssen wir etwas leisten, um von der Familie als gut anerkannt zu werden. Beim modernen Ansatz m\u00fcssen wir uns sehr anstrengen, um die gro\u00dfen W\u00fcnsche im eigenen Herzen zu verwirklichen. Und es gibt noch einen dritten Weg, der auch nicht zielf\u00fchrend ist, das ist der Weg der Religion. Eine Religion sagt, dass wir ein guter Mensch sein m\u00fcssen, um vielleicht in den Himmel zu kommen. In einer Religion m\u00fcssen wir also auch etwas leisten, um anerkannt zu werden, wir m\u00fcssen Gebote halten, m\u00fcssen bestimmte Dinge tun und bestimmte Dinge lassen, um anerkannt zu werden. Bei allen drei Konzepten m\u00fcssen wir etwas leisten, um eine Identit\u00e4t zu erlangen, wir m\u00fcssen bestimmte Regeln halten. In allen drei F\u00e4llen m\u00fcssen wir unsere Identit\u00e4t erwirken. Das Evangelium ist der einzige Weg, wo wir uns unsere Identit\u00e4t nicht erarbeiten m\u00fcssen, sondern sie verliehen bekommen, ja sie geschenkt bekommen. Und damit kommen wir zu unserer dritten und wichtigsten Frage.<\/p>\n<p><strong>3. Welche neue geistliche Identit\u00e4t gibt Gott uns im Evangelium?<\/strong><br \/>\nBetrachten wir dazu unseren Text, R\u00f6mer 8,12-17. In diesem Abschnitt f\u00e4llt auf, dass wir keine Aufforderungen finden. Vielmehr schreibt Paulus dar\u00fcber, wer wir als Christen sind und was f\u00fcr Privilegien wir haben. Im ganzen Kapitel 8 schreibt er von Gottes entscheidendem Eingreifen, das unsere Situation v\u00f6llig ver\u00e4ndert hat. Schon Vers 1 sagt: \u201eSo gibt es nun keine Verdammnis f\u00fcr die, die in Christus Jesus sind.\u201c Gott rettet alle, die in Christus Jesus sind, von der Verdammnis. Die Worte \u201edie in Christus Jesus sind\u201c sind bereits ein Hinweis auf die neue Identit\u00e4t, die wir in Christus bzw. in der Beziehung zu ihm bekommen. Gott sandte seinen Sohn in der Gestalt des s\u00fcndigen Fleisches wegen unserer S\u00fcnde und verdammte die S\u00fcnde im Fleisch, als Jesus stellvertretend daf\u00fcr am Kreuz starb. Dadurch wurde die Gerechtigkeit an uns erf\u00fcllt, d.h. alle, die Jesu stellvertretendes Opfer f\u00fcr sich annehmen, werden von Gott als gerecht angesehen. Diese neue Identit\u00e4t berechtigt und bef\u00e4higt uns, nicht mehr nach dem Fleisch zu leben, sondern mit der Hilfe des Heiligen Geistes so zu leben, wie es unserm Herrn Jesus gef\u00e4llt. Darum hei\u00dft es im Vers 12 und 13: \u201eSo sind wir nun, liebe Br\u00fcder und Schwestern, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben m\u00fcssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes t\u00f6tet, so werdet ihr leben.\u201c Der Heilige Geist motiviert und bef\u00e4higt uns, die Taten des Leibes und alles verkehrtes Verlangen zu t\u00f6ten, und Gott gef\u00e4llig zu leben.<\/p>\n<p>Was hat Gott uns n\u00e4mlich vor allem gegeben? Betrachten wir Vers 14: \u201eDenn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.\u201c Gott hat uns eine neue Identit\u00e4t geschenkt. Gott hat uns durch Jesu Opfer rechtm\u00e4\u00dfig zu seinen Kindern gemacht. Diese Identit\u00e4t wurde uns geschenkt, ohne dass wir daf\u00fcr irgendeine Leistung oder andere Voraussetzungen erbringen mussten, au\u00dfer dass wir dies als Geschenk oder Gnade annehmen. Wir glauben daran und sind mit dem Klang der Worte vertraut; aber ist uns wirklich klar, was es bedeutet, dass wir Gottes Kinder sind \u2013 was f\u00fcr eine Beziehung wir nun zu Gott haben und was f\u00fcr eine gro\u00dfartige Identit\u00e4t? Der Vers 15 sagt: \u201eDenn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals f\u00fcrchten m\u00fcsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!\u201c Dass Gott uns als seine Kinder angenommen hat, ist an sich nicht auszudenken, und es hat unvorstellbar gro\u00dfe Auswirkungen. Vielleicht h\u00e4tten wir uns noch eher vorstellen k\u00f6nnen, dass Gott uns als seine Knechte angenommen h\u00e4tte und uns ihm dienen l\u00e4sst. Aber Gott hat uns durch Jesu Tod f\u00fcr unsere S\u00fcnden nicht nur als seine Knechte, sondern sogar als seine Kinder angenommen! Wir d\u00fcrfen mit entsprechend gro\u00dfem Vertrauen auf seine v\u00e4terliche Liebe zu ihm beten und ihn \u201eAbba, lieber Vater\u201c oder \u201ePapa\u201c rufen. Es ist nicht vermessen, sondern angemessen. Stellt euch vor, der beste Freund eures Kindes w\u00fcrde t\u00e4glich nach der Schule zu euch nach Hause zum Mittagessen kommen und bis zum Abend bleiben, weil seine Mutter schwer krank ist. Schlie\u00dflich w\u00fcrdet ihr ihn sogar adoptieren. Das ist vielleicht schwer vorstellbar, aber wenn ihr euch von Herzen entscheiden und ihn wirklich adoptieren w\u00fcrdet, w\u00fcrdet ihr ihm dann weniger zu Essen geben als euren Kindern? Oder ein kleineres Geschenk zum Geburtstag geben? Wenn ihr ihn wirklich als euren Sohn adoptiert habt, w\u00fcrdet ihr das wohl nicht tun. Und selbst wenn wir einen Unterschied machen w\u00fcrden, weil unsere Liebe so begrenzt ist, ist Gott doch nicht so. Weil er uns in Jesus als seine Kinder angenommen hat, ist das bei ihm absolut g\u00fcltig und er behandelt uns auch konsequent danach. Deshalb hat er uns nicht nur als Kinder angenommen, sondern hat uns auch einen kindlichen Geist gegeben, damit wir in diesem Geist zu ihm beten k\u00f6nnen. So wie ein kleines Kind zu seinem Vater kommt und ihm vertrauensvoll alle seine \u00c4ngste, Sorgen und W\u00fcnsche sagt, so d\u00fcrfen wir nun Gott alle unsere \u00c4ngste, Sorgen und W\u00fcnsche sagen in vollem Vertrauen, dass er es uns nicht \u00fcbel nimmt,sondern sich dar\u00fcber sogar freut und uns daraufhin gerne hilft und gibt, was f\u00fcr uns am besten ist. Was f\u00fcr eine Gnade ist das, was f\u00fcr ein riesiges Privileg haben wir bekommen! Was f\u00fcr eine Gnade, was f\u00fcr ein unfassbar wertvolles Geschenk, dass Gott unser Vater geworden ist. Wie gro\u00dfartig und wie stabil und unumst\u00f6\u00dflich ist diese neue Identit\u00e4t! Niemand kann mehr gegen uns sein, selbst die S\u00fcnde, der Tod und der Teufel nicht. Wir haben nichts mehr zu bef\u00fcrchten, nichts kann uns mehr ersch\u00fcttern.<\/p>\n<p>Diese Identit\u00e4t, dass wir unw\u00fcrdige S\u00fcnder Gottes Kinder geworden sind, ist so gro\u00dfartig, dass es gar nicht so selbstverst\u00e4ndlich und leicht ist, sie festzuhalten, besonders wenn wir immer wieder unsere alte s\u00fcndige Natur erleben. Aber Gott liebt uns so sehr, dass er uns auch dabei hilft, diese Identit\u00e4t festzuhalten. Betrachten wir den Vers 16: \u201eDer Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.\u201c Gott bezeugt uns durch seinen Heiligen Geist immer und immer wieder, dass es wirklich wahr ist, dass wir in Jesus seine Kinder geworden sind, obwohl wir es nicht verdient haben und nichts daf\u00fcr tun konnten. Allein schon die Tatsache, dass Gottes Heiliger Geist uns anspricht, ist an sich ein Hinweis und Beweis daf\u00fcr, dass Gott uns liebt, wie wir sind, und als seine Kinder angenommen hat.<\/p>\n<p>Diese Identit\u00e4t ist unsere wahre Realit\u00e4t. Im Gegensatz zu allen Identit\u00e4ten in der Welt ist sie nicht abh\u00e4ngig von unserer Performance oder Leistung. Sie basiert allein auf Gottes Werk, auf Jesu stellvertretendem Tod am Kreuz f\u00fcr unsere S\u00fcnden und ist nur davon abh\u00e4ngig. Sie ist in Jesus sicher und muss von uns auch nicht durch bestimmte Werke oder Lebensweise nachtr\u00e4glich verdient oder abgesichert werden. Gott hat uns als seine Kinder angenommen. Diese neue Identit\u00e4t ist in ihm sicher. Und das gibt uns einen tiefen Frieden und unendlich Grund zu Jubel und Anbetung dessen, der uns das erm\u00f6glicht hat!<\/p>\n<p>Es ist so wichtig, dass wir diese neue Identit\u00e4t als Gottes Kinder aufgrund der Gnade Gottes in Jesus immer neu annehmen, bis sie all unser Denken, Reden und Tun durchdringt. Was wird dann passieren? Wir haben dann durch die Dankbarkeit f\u00fcr seine Gnade eine gro\u00dfe Motivation, so zu leben, dass unser ganzes inneres und \u00e4u\u00dferes Leben ihm gef\u00e4llt. Wir werden nicht mehr nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist. Vor allem werden wir von allem frei, was uns gebunden hat. Dazu geh\u00f6ren auch die falschen Identit\u00e4ten, die wir hatten.<\/p>\n<p>Wie wirkt sich das aus? Wenn wir im Studium oder im Beruf einen Misserfolg haben oder sogar scheitern, z.B. unsere Stelle verlieren, ist das zwar schmerzlich, wir werden uns auch fragen, warum das passiert ist und was wir eventuell besser machen k\u00f6nnen, damit es sich nicht wiederholt. Aber es ist nichts Bedrohliches, weil es nicht unsere Identit\u00e4t bedroht, deshalb ersch\u00fcttert es nicht die Grundlagen unseres Lebens. Wir sind nach wie vor ein rechtm\u00e4\u00dfiges Kind Gottes und sind vor Gott durch unser Scheitern kein bisschen weniger wertvoll, sondern weiterhin unendlich wertvoll, wertvoller als das Leben seines einzigen Sohnes.<\/p>\n<p>Oder wenn wir in der Erziehung unserer Kinder Vers\u00e4umnisse oder Versagen feststellen, ist das sehr schmerzlich und wir sollten damit zu Jesus kommen, um von ihm seine Vergebung und Hilfe f\u00fcr uns und unsere Kinder zu empfangen. Aber wir m\u00fcssen nicht daran zerbrechen, weil unsere wahre Identit\u00e4t davon nicht betroffen ist. Wir sind weiterhin Gottes Kinder, die Gott kein bisschen weniger lieb hat. Selbst wenn wir in unserem Leben als Christen versagen, weil wir uns zur S\u00fcnde haben verf\u00fchren lassen oder weil unsere Liebe zu Gott abgek\u00fchlt ist, dann ist das Grund, dar\u00fcber traurig und zerknirscht zu sein. Aber selbst dann sollen wir nicht verzweifeln oder in Angst und Selbstverdammnis geraten, sondern zu Jesus kommen und durch unseren Glauben und Liebesbeziehung zu ihm erneuern, weil er uns weiterhin als sein geliebtes Kind ansieht, f\u00fcr das er schon alles bezahlt hat.<\/p>\n<p>Es ist also aus vielen Gr\u00fcnden wichtig, dass wir unsere Identit\u00e4t als Kinder Gottes erkennen und aus dieser Identit\u00e4t leben. Wenn wir das tun, erfreuen und ehren wir Gott, weil es eine Anerkennung dessen ist, was er getan hat und die richtige Konsequenz daraus. Au\u00dferdem werden wir dann frei von den falschen Identit\u00e4ten, die keine echte Grundlage haben und die zu erf\u00fcllen nur eine Last ist. Wir werden auch frei von der inneren Abh\u00e4ngigkeit von anderen Menschen, deren Erwartungen wir bewusst oder unbewusst zu erf\u00fcllen versucht haben.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber nicht, dass wir nun egoistischer und weniger liebevoll leben oder weniger treu f\u00fcr unsere Firma arbeiten w\u00fcrden. Im Gegenteil. Wenn wir unsere Identit\u00e4t als Kinder Gottes annehmen, werden wir frei daf\u00fcr, zu Hause, in der Gemeinde, in der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz f\u00fcr seine Ehre willig so zu leben, wie es ihm gef\u00e4llt. Mit der Identit\u00e4t als Kinder Gottes k\u00f6nnen wir gute Kinder, gute Eltern und gute Mitarbeiter in unserer Firma und in unserer Gemeinde werden, weil Gott uns so liebt uns eine Identit\u00e4t und eine Hoffnung gegeben hat, die alles \u00fcbersteigt und die uns niemand nehmen kann.<\/p>\n<p>Welche Auswirkung hat diese Identit\u00e4t in der Zukunft? Betrachten wir den Vers 17: \u201eSind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, n\u00e4mlich Gottes Erben und Miterben Christ, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.\u201c Dass wir Gottes Kinder sind, hat in der Zukunft noch viel gr\u00f6\u00dfere Auswirkungen, als es jetzt schon hat. So wie hier in der Welt auch Adoptivkinder vollwertige Erben ihrer Eltern sind, so sind wir als Gottes Kinder auch Erben von Gottes Besitz, von seinem ewigem Reich. Wenn wir an Jesus glauben, auch wenn wir dabei zeitweise innerlich oder \u00e4u\u00dferlich leiden m\u00fcssen, werden wir mit ihm zu Gottes Herrlichkeit erhoben werden. Wir werden dann mit ihm in seinem Reich herrschen, d.h. eine richtig bedeutungsvolle Aufgabe haben und dabei Herrlichkeit haben. Das ist f\u00fcr uns schwer vorstellbar, aber es ist bei unserem Vater im Himmel l\u00e4ngst beschlossene Sache, die wir in einigen Jahren selbst als Realit\u00e4t erleben werden. \u2013 M\u00f6ge Gott uns helfen, unsere Identit\u00e4t als Gottes Kinder tief anzunehmen, bis sie unser ganzes Denken, Trachten und t\u00e4gliches Leben durch und durch pr\u00e4gt und bestimmt. Amen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Eine neue Identit\u00e4t \u201eDenn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.\u201c (R\u00f6mer 8,14) Heute betrachten wir den f\u00fcnften Teil unserer Predigtserie zum Thema \u201eVerwurzelt im Evangelium\u201c. Heute geht es um unsere Identit\u00e4t, genauer gesagt die neue Identit\u00e4t, die wir im Evangelium haben. 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