{"id":10225,"date":"2021-07-18T11:00:09","date_gmt":"2021-07-18T09:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10225"},"modified":"2022-11-18T12:18:56","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:56","slug":"predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-verwurzelt-im-evangelium-4-lukas-1511-32","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-verwurzelt-im-evangelium-4-lukas-1511-32\/","title":{"rendered":"Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will &#8211; Verwurzelt im Evangelium 4 &#8211; Lukas 15,11-32"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Verwurzelt-im-Evangelium_Lektion4-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Zwei verlorene S\u00f6hne<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eHolt das Mastkalb und schlachtet es; wir wollen ein Fest feiern und fr\u00f6hlich sein.\u201d<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">Lukas 15,23<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Vorbereitung der Predigt, habe ich von mindestens drei Personen wichtige Gedankenimpulse bekommen. Alles, was in dieser Predigt schlau und nach tiefen Einsichten klingt, ist wie so oft von Tim Keller. Gestern habe ich einen sehr guten Ansto\u00df von Markus erhalten. Vorgestern hatte ich dann noch ein interessantes Gespr\u00e4ch mit Papa. Und er hatte eine Illustration verwendet, die ich sofort sehr hilfreich fand. Wie wir alle wissen, ist die Farbe der Kommunisten rot. Und jemand meinte einmal, dass es bei den Kommunisten zwei verschiedene Arten von Genossen gibt. Die einen sind rot wie Tomaten; die anderen sind rot wie \u00c4pfel. Was bedeutet das? Eine Tomate ist durch und durch rot. Die Haut der Tomate ist ja im Prinzip durchsichtig und durch die Schale hindurch sieht man das rote Fleisch. Ein Apfel hingegen ist genau das Gegenteil. Die Schale kann richtig sch\u00f6n rot sein, von mir aus knallig rot. Aber wenn man den Apfel aufschneidet, ist das Fruchtfleisch wei\u00df, oder gelb, aber nicht rot.<br \/>\nIch finde, dass sich das wunderbar auf den christlichen Glauben anwenden l\u00e4sst. \u00c4u\u00dferlich gesehen haben wir vielleicht die richtige \u201eFarbe\u201c. Aber die Frage ist: ist das nur eine Fassade oder eine Maske? Oder reicht unser Glaube bis ganz tief in das Innerste? Auf Facebook hatte ein Freund von mir einige etwas sarkastisch gemeinte Ratschl\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht, wie man im neuen Jahr NICHT im Glauben wachsen kann. Eine der Ratschl\u00e4ge lautete: \u201eErwecke den Anschein, ein frommes Leben zu f\u00fchren, ohne es zu tun.\u201c Die meisten von uns k\u00f6nnen das gut verstehen. Viele Christen sind richtige Meister darin, einen frommen Schein zu wahren. Vielleicht sind wir irgendwann so gut darin, dass wir nicht nur anderen etwas vorspielen, sondern auch uns selbst.<br \/>\nWenn dem so ist, wie k\u00f6nnen wir zu einem besseren Verst\u00e4ndnis kommen, wie es mit unserem Innenleben aussieht? Das Gleichnis von den verlorenen S\u00f6hnen kann uns da eine Hilfe sein. In diesem Gleichnis zeigt Jesus, dass er besser Geschichten erz\u00e4hlen kann als Tolkien und Rowling. In nur wenigen S\u00e4tzen zeichnet Jesus Charaktere, die so fassbar sind wie das Leben selbst. Und ich denke, dass Jesus wollte, dass wir uns in dieser Geschichte wiederfinden, und uns mit den Charakteren identifizieren k\u00f6nnen. Drei Charaktere hat das Gleichnis: der j\u00fcngere Sohn, der \u00e4ltere Sohn und der Vater. Die drei Teile der Predigt sind: erstens, die offensichtliche Verlorenheit des j\u00fcngeren Sohnes; zweitens, die nicht so offensichtliche aber nicht weniger reale Verlorenheit des \u00e4lteren Sohnes; drittens, die Liebe des Vaters und das Evangelium.<\/p>\n<p><strong>Erstens, die offensichtliche Verlorenheit des j\u00fcngeren Sohnes<\/strong><br \/>\nWir brauchen hier nicht zu viele Worte zu verlieren, weil \u2013 wie bereits gesagt \u2013 die Fehler und Missetaten des j\u00fcngeren Sohnes ziemlich offensichtlich sind, auch heute noch, 2.000 Jahre nachdem diese Geschichte das erste Mal erz\u00e4hlt wurde. Der j\u00fcngere Sohn spricht zu seinem Vater: \u201eVater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht.\u201c Obwohl wir heute in einer ganz anderen Zeit leben als damals, hat sich ein Aspekt nicht ver\u00e4ndert: normalerweise wird nach dem Tod der Eltern geerbt, nicht vorher. Und selbst heute w\u00e4re es ein ziemlicher Affront, wenn ein Kind zu seinen Eltern geht uns sagt: ich will mein Erbe jetzt sofort haben. Die indirekte Botschaft, die dahinter steht, ist n\u00e4mlich: \u201eMir ist es eigentlich relativ egal, ob du am Leben bist oder nicht. Du bist mir als Mensch egal. Das einzige, was mich interessiert, ist dein Geld. Und jetzt her damit.\u201c<br \/>\nHier ist ein weiterer Grund, weshalb die Forderung des j\u00fcngeren Sohnes so skandal\u00f6s war. Das Erbteil war nicht einfach der goldene Pokal, den der Vater beim Tennis gewonnen hatte oder die antike M\u00fcnzsammlung. In Vers 13 lesen wir, dass der j\u00fcngere Sohn alles zusammenpackte. Die Neue Genfer \u00dcbersetzung ist etwas freier aber meiner Meinung nach sehr passend. Sie schreibt: \u201eWenige Tage sp\u00e4ter hatte der j\u00fcngere Sohn seinen ganzen Anteil verkauft\u2026\u201c Das Erbteil war Land. Das Land hatte nicht nur einen immensen materiellen Wert. Es hatte auch einen riesigen ideellen Wert. Es war das Land der Vorfahren, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Es war das Land, mit dem sich die Familie identifizieren konnte. Das Herz des Vaters hing an diesem Land, und eines Tages w\u00fcrde er auf diesem Land beerdigt werden wollen. Und ein Drittel von diesem Land war es nun, was der j\u00fcngere Sohn verlangte.<br \/>\nDie Worte des Sohnes waren so unvorstellbar dreist, so bodenlos unversch\u00e4mt, dass die einzige, die wirklich einzige akzeptable Antwort des Vaters an dieser Stelle gewesen w\u00e4re, ihn mit Schimpf und Schande sofort zu verjagen. Der Vater h\u00e4tte ihn auf der Stelle enterben m\u00fcssen begleitet von physischer Gewalt und Schl\u00e4gen. Aber nicht so der Vater im Gleichnis. Er gibt ihm das Erbteil ohne Widerrede. F\u00fcr die ersten Zuh\u00f6rer muss das ein Schock gewesen sein.<br \/>\nWiederum erstaunlich, in wie wenigen Worten Jesus ein lebhaftes Bild von der Verlorenheit des j\u00fcngeren Sohnes zeichnet: er verkauft das Land, geht in ein fernes Land und feiert eine einzige, nicht endenwollende Party bis alles Geld versoffen und verfeiert ist. Die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde taten ihr \u00dcbriges: es gab eine Hungersnot die dazu f\u00fchrte, dass er richtig Not leiden musste. Seine Situation wurde so schlimm, dass er Schweine h\u00fcten musste. Als er eines Tages merkt, dass er neidisch auf das Futter der Schweine ist, wei\u00df er, dass er den Tiefpunkt erreicht hat. Schlimmer geht es nicht mehr. Er beschlie\u00dft zu seinem Vater umzukehren: nicht aus noblen, ehrenhaften Gr\u00fcnden. Er geht zur\u00fcck, weil er Hunger hat. Der einzige Grund ist, weil er wei\u00df, dass die niedrigsten Knechte immer noch ein besseres Leben haben im Vergleich zu dem, was er jetzt hat.<\/p>\n<p><strong>Zweitens, die nicht so offensichtliche aber nicht weniger reale Verlorenheit des \u00e4lteren Sohnes<\/strong><br \/>\nBeim Bibelstudium der Kreisleiter wurde die Verlorenheit des \u00e4lteren Sohnes ein wenig in Frage gestellt. In Vers 31 sagt der Vater zum \u00e4lteren Sohn: \u201eMein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein.\u201c Wenn wir S\u00fcnde in ihrer Essenz als ein Getrenntsein von Gott bezeichnen, dann macht es irgendwo Sinn zu sagen: der \u00e4ltere Sohn war ja niemals weg; er war niemals von seinem Vater getrennt. Und deshalb nat\u00fcrlich die berechtigte Frage: inwiefern war er verloren?<br \/>\nJesu Gleichnis hatte mit einem Affront begonnen: der j\u00fcngere Sohn verlangte sein Erbteil. Das Gleichnis endet mit einem anderen Affront. Der \u00e4ltere Sohn weigerte sich zum Fest zu erscheinen. Stellen wir uns eine Familie vor, die Weihnachten feiert, und eines der Kinder weigert sich, zum Fest zu kommen, obwohl es eigentlich da ist. Das kann ganz sch\u00f6n belastend f\u00fcr die Familie sein. Aber es ist kein Vergleich, zu der Art und Weise, wie der \u00e4ltere Sohn seinen Vater blo\u00dfstellte. Der Vater feiert nicht einfach irgendein Fest. Er feierte das gr\u00f6\u00dfte Fest seines Lebens. Und der \u00e4ltere Sohn br\u00fcskierte seinen Vater, indem er fernblieb. Der Vater musste das Fest verlassen, um mit seinem widerspenstigen Sohn zu reden. Das Fest zu schw\u00e4nzen mag vielleicht nicht ganz so schlimm gewesen sein, wie das Erbteil zu verlangen. Aber es war eine solche Beleidigung f\u00fcr den Vater, dass das allein auch schon ausreichte, um ein Kind zu enterben.<br \/>\nUnd da ist noch mehr. Dreimal wird im Text erw\u00e4hnt, dass das gem\u00e4stete Kalb geschlachtet wurde. Jesus scheint es uns unter die Nase zu reiben. Der \u00e4ltere Sohn f\u00e4ngt an, sich richtig zu \u00e4rgern, als er vom gem\u00e4steten Kalb h\u00f6rt. In den Versen 29 und 30 schreit er seinen Vater an: \u201emir hast du nie einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Verm\u00f6gen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du f\u00fcr ihn das Mastkalb geschlachtet.\u201c Warum wird das arme Kalb dreimal erw\u00e4hnt? Vermutlich lag es daran, dass die Menschen damals viel seltener Fleisch gegessen haben. Fleisch war eine teure Angelegenheit. Und wenn ein Tier geschlachtet wurde, dann musste man es relativ bald komplett verwerten, weil es wenig M\u00f6glichkeiten gab, das Fleisch zu konservieren. Fleisch gab es nur zu besonderen Anl\u00e4ssen. Aber unter den Fleischgerichten war das gem\u00e4stete Kalb die absolute Luxus-Delikatesse. Es war quasi das Kobe-Steak, der Riesenhummer mit der Kaviar-Garnitur der damaligen Zeit.<br \/>\nWas sehen wir hier also? Er sagte praktisch: \u201eWie konntest du nur? Wie konntest du nur so verschwenderisch und so unverantwortlich mit unserem Besitz umgehen?\u201c Der \u00e4ltere Bruder weinte dem aus dem Fenster herausgeworfenen Geld hinterher. Und das zeigt, dass er im Prinzip genauso materiell gesinnt ist wie der j\u00fcngere Bruder. Genau wie sein j\u00fcngerer Bruder ging es ihm mehr um den Reichtum als um den Vater. Genau wie der j\u00fcngere Bruder war ihm das wichtiger, was er von seinem Vater bekommen konnte als der Vater selbst. Genau wie der j\u00fcngere Bruder wollte er den Vater in gewisser Weise kontrollieren, um das zu bekommen was er wirklich liebte; und das, was er liebte, war nicht sein Vater.<br \/>\nEin weiterer Punkt: der \u00e4ltere Sohn war zwar allezeit beim Vater. Aber tief im Innersten wollte er nicht wirklich beim Vater sein. Das ist ein Punkt, den ich von Markus gelernt habe. Der j\u00fcngere Sohn kam zur Einsicht, dass selbst die niedrigsten Knechte es beim Vater besser hatten als er au\u00dferhalb von zu Hause. F\u00fcr den \u00e4lteren Sohn war zuhause zu sein eine l\u00e4stige aber notwendige Pflicht. Zuhause zu sein war keine Befreiung f\u00fcr ihn; er empfand es eher als einen Zwang: den ganzen Tag arbeiten, arbeiten, arbeiten; gehorchen, gehorchen, gehorchen.<br \/>\nNoch ein Aspekt, in der sich die Verlorenheit des \u00e4lteren Bruders zeigt: sein Herz war so un\u00e4hnlich und ganz weit weg vom Herz des Vaters. Wenn wir uns noch einmal den j\u00fcngeren Bruder ansehen, und versuchen w\u00fcrden, ihn zu diagnostizieren, dann w\u00fcrden wir sagen: \u201eDer j\u00fcngere Bruder ist ein Egoist. Er denkt nur an sich selbst. Er ist f\u00fcrchterlich selbstzentriert und selbsts\u00fcchtig.\u201c Aber wie verh\u00e4lt es sich mit dem \u00e4lteren Bruder? Die Art und Weise wie er \u00fcber seinen Bruder spricht, ist aufschlussreich. Er sagt: \u201eder hier, dein Sohn\u2026\u201c F\u00fcr seinen Bruder hat er nichts als Verachtung \u00fcbrig. F\u00fcr ihn ist er einfach ein Nichtsnutz, ein Versager, eine Schande f\u00fcr die Familie. Er war unbarmherzig und selbstgerecht. Er sah auf andere Menschen herab, die nicht so gut und nicht so diszipliniert waren wie er. Der Text deutet au\u00dferdem an, dass er j\u00e4hzornig ist. Er hat ein Wut-Problem. Er hat eine ziemlich kurze Lunte, bevor er explodiert. Wie ich finde sind das alles Eigenschaften, die ihn zutiefst unsympathisch machen. Frage an uns: wer von uns w\u00fcrde sich solch einen \u00e4lteren Bruder w\u00fcnschen? Es gibt ja den Spruch: wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr.<br \/>\nBevor wir fortfahren, m\u00fcssen wir noch einen Punkt verstehen und verinnerlichen, der wirklich wichtig ist. Der \u00e4ltere Sohn war eigentlich tadellos. In Vers 29 sagt er: \u201eSiehe, so viele Jahre schon diene ich dir und nie habe ich dein Gebot \u00fcbertreten.\u201c Der Vater h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen: \u201eDas stimmt nicht ganz; gestern um 16:47 Uhr hatte ich dich gebeten, die Blumen zu gie\u00dfen, und du hast das nicht gemacht.\u201c Aber der Vater widerspricht seinem Sohn nicht. Indirekt erkennt er an, dass das, was der \u00e4ltere Sohn sagte, stimmte. Er hatte dem Vater treu gedient. Er hatte sich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Er hatte sich an alle Gebote gehalten.<br \/>\nHier ist jetzt das Radikale: der j\u00fcngere Sohn war verloren, durch seine b\u00f6sen und schlimmen Taten; der \u00e4ltere Sohn war verloren durch seine guten Taten. Der \u00e4ltere Sohn war nicht nur trotz seiner guten Taten verloren; er war wegen seiner guten Taten verloren. Dieser Punkt geht uns ziemlich gegen den Strich. Und deshalb will ich das noch etwas besser erkl\u00e4ren. Der \u00e4ltere Sohn war wegen seiner guten Taten verloren, weil er die guten Werke zur Basis seiner Beziehung zu seinem Vater gemacht hatte. Er war wegen seiner guten Taten verloren, weil sie sein Verdienst waren; weil er stolz auf diese guten Taten war. Sein Argument in Vers 29 ist: \u201eIch war dir so gehorsam! Ich verdiene daher eine bessere Behandlung von dir! Ich habe so viel f\u00fcr dich gearbeitet. Das Einzige, was ich von dir will, ist ein wenig Respekt!\u201c Das Bittere ist: der \u00e4ltere Sohn brauchte ebenfalls Rettung. Er brauchte ebenfalls Gnade. Flannery O\u2019Connor, eine amerikanische Autorin, schrieb: \u201eDie Art Jesus zu meiden, ist es die S\u00fcnde zu meiden.\u201c Mit anderen Worten: wenn wir uns so sehr angestrengt haben, ein tadelloses Leben zu f\u00fchren, wozu brauchen wir dann Gnade? Wozu brauchen wir dann Rettung? Rettung wovon \u00fcberhaupt?<br \/>\nD.h., es gibt zwei Arten, verloren zu gehen: die eine Art ist durch offene Rebellion gegen den Vater wie der j\u00fcngere Sohn; die andere Art ist durch tadellosen Gehorsam. Es gibt zwei Arten, wie wir versuchen, den Vater zu kontrollieren und zu managen: vor dem Vater wegzulaufen und zu versuchen, uns seinem Einfluss zu entziehen; oder beim Vater zu bleiben und daher zu meinen, dass er uns etwas schuldet. Es gibt zwei Art und Weisen unser eigener Herr und Meister zu sein: Sex, Drugs and Rock\u2019n Roll; oder durch ein vorbildliches, religi\u00f6ses Leben. Es gibt zwei Art und Weisen, unser eigener Retter zu sein: in dem wir uns den \u201eZw\u00e4ngen\u201c und \u201eBeschr\u00e4nkungen\u201c des Vaters entledigen; oder indem wir uns freiwillig unter die Zw\u00e4nge begeben, und uns selbst rechtfertigen und selbstgerecht werden. Die beiden S\u00f6hne sind eine unglaublich anschauliche Illustration wie wir Menschen versuchen, uns der Herrschaft Gottes zu entziehen.<br \/>\nDie Verlorenheit des j\u00fcngeren Sohnes ist ziemlich offensichtlich. Wer nach einer durchgefeierten Nacht auf der Stra\u00dfe aufwacht mit einem f\u00fcrchterlichen Kater und einer sexuell \u00fcbertragbaren Krankheit, der mag zur Einsicht kommen, dass er ein Problem hat. Die Verlorenheit des \u00e4lteren Sohnes ist nicht ganz so offensichtlich. Aber sie ist daher nicht weniger real. Er war au\u00dfen \u201ehui\u201c aber innen \u201epfui\u201c.<br \/>\nWie ich vorhin erw\u00e4hnt habe, sind Christen sehr h\u00e4ufig sehr gut darin, eine Fassade aufzubauen: \u201eBei mir ist alles in Ordnung. Ich tue alles, was von einem guten Christen erwartet wird. Probleme haben die anderen, aber ich doch nicht.\u201c Aber was ist in deinem Inneren? Wieviel Liebe und Verst\u00e4ndnis hast du f\u00fcr Geschwister, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen? Wie geduldig bist du mit den Kleinen? Was ist die Basis f\u00fcr deine guten Werke? Ist es Freude und Dankbarkeit? Was ist in deinem Tank? Was treibt dein Leben wirklich an?<br \/>\nUnd hier ist noch eine andere Frage: mit welchen von den beiden S\u00f6hnen k\u00f6nnen wir uns besser identifizieren? J\u00fcngere S\u00f6hne sind die Z\u00f6llner, die Prostituierten, die LGBTQ Leute, die Frauen, die abgetrieben haben. Die \u00e4lteren S\u00f6hne sind die Pharis\u00e4er, die Religi\u00f6sen, die Kirchg\u00e4nger und vielleicht auch: der Worship-Leader, der Kreisleiter, der Missionar. Welche Hoffnung gibt es dann f\u00fcr uns?<\/p>\n<p><strong>Drittens, die Liebe des Vaters und das Evangelium<\/strong><br \/>\nDer Vater ist in diesem Gleichnis die gro\u00dfe Kontrastperson. Er ist der Vater, den wir uns alle w\u00fcnschen. In Vers 20 sehen wir, wie er jeden Tag Ausschau nach seinem Sohn hielt. Eines Tages sieht er ihn von weitem kommen. Vers 20 sagt: \u201eEr lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und k\u00fcsste ihn.\u201c Dieses Verhalten ist f\u00fcr deinen Patriarchen im Nahen Osten absolut unw\u00fcrdig. V\u00e4ter zur Zeit von Jesus rannten nicht. Kinder rannten nat\u00fcrlich aber nicht ihre V\u00e4ter. Um zu rennen, musste man sein Gewand oder seinen Rock hochheben und seine Beine entbl\u00f6\u00dfen. Und das war so unangebracht. Aber der Vater im Gleichnis rannte. Und sein generelles Verhalten ist so voller Barmherzigkeit, voller Mitgef\u00fchl, F\u00fcrsorge und nat\u00fcrlich leidenschaftlicher Liebe. Manche Kommentatoren hatten deshalb angemerkt, dass dieser Vater viel mehr \u00c4hnlichkeiten mit einer Mutter hatte, als mit einem typischen Vater.<br \/>\nDer Vater liebt nicht nur den j\u00fcngeren verlorenen Sohn. Auch die Art und Weise wie er mit seinem \u00e4lteren verlorenen Sohn spricht, ist nicht weniger liebevoll. Der \u00e4ltere Sohn hatte seinen Vater \u00f6ffentlich gedem\u00fctigt, in dem er dem Fest fernblieb. Der Vater ging zu seinem Sohn hinaus und redete ihm zu. Nachdem der Vater von seinem Sohn blamiert wurde, dem\u00fctigt er sich nochmals. Das ist nicht alles. Nachdem der \u00e4ltere Sohn \u00fcber seinen Bruder und seinen Vater geschimpft hatte, sagt der Vater in Vers 31: \u201eMein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein.\u201c Der griechische Text verwendet das Wort teknon f\u00fcr \u201emein Kind\u201c. Es ist eine sehr z\u00e4rtliche und liebevolle Art mit seinem Sohn zu sprechen. Wie sind die Worte \u201ealles, was mein ist, ist auch dein\u201c zu verstehen? Es entsprach sprichw\u00f6rtlich der Wahrheit. Der j\u00fcngere Bruder hatte seinen Anteil versoffen. Alles, was der Vater hatte, geh\u00f6rte jetzt dem \u00e4lteren Bruder.<br \/>\nWir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass Jesus uns drei Gleichnisse erz\u00e4hlt hat. Die ersten beiden Gleichnisse sind kurz, und das dritte ist viel ausf\u00fchrlicher. Aber es gibt noch einen wesentlichen Unterschied. Im Gleichnis vom verlorenen Schaf und der verlorenen M\u00fcnze, gibt es einen Hirten oder es gibt eine Frau, die sich auf die Suche machen, bis das Verlorene gefunden ist. Aber im Gleichnis von den verlorenen S\u00f6hnen fehlt dieses Element. Der j\u00fcngere Sohn ist verloren, aber niemand macht sich auf den Weg, um ihn zu finden. Wessen Aufgabe w\u00e4re es gewesen? Und die Antwortet ist ziemlich eindeutig: der \u00e4ltere Bruder h\u00e4tte das tun m\u00fcssen.<br \/>\nVergangenes Jahr gab es auf Netflix eine Serie mit dem Titel \u201eThe Last Dance\u201c. Sie handelt davon, wie Michael Jordan und die Chicago Bulls ihren letzten Titel gemeinsam gewonnen hatten. Im Team der Bulls gab es einen Spieler namens Dennis Rodman; er war immer f\u00fcr eine Provokation und einen Skandal gut. Wenn es einen Prototyp f\u00fcr den verlorenen Sohn gibt, dann ist er es. Eine NBA-Basketballsaison ist ziemlich intensiv und anstrengend. Und inmitten der Saison hatte Dennis Rodman einfach keinen Bock mehr. Er bat um Urlaub. Das ist ziemlich unerh\u00f6rt. Aber der Trainer Phil Jackson ist ein wenig wie der Vater im Gleichnis und gab Dennis 48 Stunden Sonderurlaub. Rodman flog sofort nach Las Vegas und feierte die ganze Zeit durch. Die zwei Tage waren schnell vorbei. Und nat\u00fcrlich kam er nicht zur\u00fcck zum Training. Er kam auch am dritten Tag nicht zur\u00fcck. Am vierten Tag war es Michael Jordan, der Super-Star und der Anf\u00fchrer des Teams, der sich auf den Weg machte. Er ging nach Las Vegas. Er suchte das Hotel auf, in dem Rodman untergebracht war. Er klopfte an der T\u00fcr und holte den verlorenen Sohn heim. Dennis Rodman erschien im Schlafanzug beim Training. Aber er war so davon angetan, dass er fortan alles f\u00fcr sein Team tat, um den Titel zu gewinnen. Michael Jordan war sprichw\u00f6rtlich wie ein \u00e4lterer Bruder f\u00fcr ihn. Ein guter \u00e4lterer Bruder.<br \/>\nUnsere Beziehung zu Gott kann nur auf Kosten des \u00e4lteren Bruders wiederhergestellt werden. Wir haben einen \u00e4lteren Bruder. Jesus ist der \u00e4ltere Bruder, der sich aufgemacht hat, das Verlorene zu suchen. Jesus ist der \u00e4ltere Bruder, der seinen Reichtum, seinen Platz beim Vater aufgegeben hat, um uns wiederherzustellen. Aber es hat ihn nicht nur seinen Reichtum gekostet. Es hat Jesus alles gekostet, sein ganzes Leben. Jesus hat das Verlorene gefunden, indem er selbst verloren gegangen ist. Jesus ist der Hirte, der das verlorene Schaf heimgebracht hat, indem er selbst das Lamm geworden ist. Jesus ist der Sohn, der die verlorenen Kinder gerettet hat, indem er als Sohn versto\u00dfen und verschm\u00e4ht wurde.<\/p>\n<p>Das Evangelium ist die frohe Botschaft, dass Jesus Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung als K\u00f6nig eingesetzt ist. Uwe Sch\u00e4fer sagte einmal: \u201eUnser Gott ist kein Despot, der die Unterwerfung der Menschen einfordert. Der Triumphzug des Gekreuzigten ist ein Siegeszug gewonnener und ver\u00e4nderter Herzen.\u201c Das Reich, das Jesus regiert, ist das Reich der Gnade. Die Herrschaft Jesu ist die Herrschaft der Gnade. Unser Text heute ist daher eine Einladung, im Land der radikalen Gnade zu leben. Die Gnade Jesu stellt alles auf den Kopf.<br \/>\nIch m\u00f6chte mit einem Zitat von James Danaher enden. Er schrieb: \u201eIn dieser Geschichte ist der \u00e4ltere Bruder in der Tat gut, aber das stellt sich als nicht gut heraus. Der j\u00fcngere Bruder hingegen ist in der Tat b\u00f6se, aber das stellt sich als gut heraus. Die Geschichte endet damit, dass der \u00e4ltere Bruder sich weigert, an der Party teilzunehmen, die der Vater f\u00fcr den j\u00fcngeren Bruder, der nicht gut war, vorbereitet hat. Der \u00e4ltere Bruder nimmt nicht teil, weil es ihm nicht gef\u00e4llt, dass B\u00f6ses so behandelt wird, als ob es gut w\u00e4re, und dass Gutes nicht so belohnt wird, wie es sein sollte. Der \u00e4ltere Bruder denkt, dass der Vater nur Partys f\u00fcr gute S\u00f6hne geben sollte, und wir denken gr\u00f6\u00dftenteils genauso. &#8230; Menschen, die sich selbst als rechtschaffen sehen, hassen die Vorstellung eines Gottes, der den S\u00fcnder gegen\u00fcber dem Gerechten bevorzugt.\u201c<br \/>\nEs ist so unglaublich schwer, im Land der Gnade zu leben. Alle unsere Titel, Orden, Auszeichnungen, Verdienste m\u00fcssen drau\u00dfen bleiben. Aber die B\u00fcrger dieses Landes sind nicht nur \u00e4u\u00dferlich Christen; sie sind es auch innerlich. Es gibt nichts Besseres und nichts Sch\u00f6neres.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Zwei verlorene S\u00f6hne \u201eHolt das Mastkalb und schlachtet es; wir wollen ein Fest feiern und fr\u00f6hlich sein.\u201d Lukas 15,23 W\u00e4hrend der Vorbereitung der Predigt, habe ich von mindestens drei Personen wichtige Gedankenimpulse bekommen. Alles, was in dieser Predigt schlau und nach tiefen Einsichten klingt, ist wie so oft von Tim Keller. 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