{"id":10191,"date":"2021-06-27T11:00:32","date_gmt":"2021-06-27T09:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10191"},"modified":"2025-05-25T20:15:17","modified_gmt":"2025-05-25T18:15:17","slug":"predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-verwurzelt-im-evangelium-1-roemer-11-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-die-gemeinde-die-jesus-unter-uns-bauen-will-verwurzelt-im-evangelium-1-roemer-11-17\/","title":{"rendered":"Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will &#8211; Verwurzelt im Evangelium 1 &#8211; R\u00f6mer 1,1-17"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Verwurzelt-im-Evangelium_Lektion1-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Das Evangelium<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDenn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: Der aus Glauben Gerechte wird leben.\u201d<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">R\u00f6mer 1,17<\/p>\n<p>R. hatte es bereits angek\u00fcndigt: Wir fangen heute eine neue Serie an, die uns die n\u00e4chsten Monate begleitet. Die Frage, die wir uns gestellt haben, ist, was f\u00fcr eine Gemeinde Jesus unter uns bauen m\u00f6chte. Und drei Antworten, \u00fcber die wir uns Gedanken machen wollen, lauten: verwurzelt im Evangelium, eingebettet in Gemeinschaft und berufen zur Mission. Heute und die n\u00e4chsten sechs Wochen wollen wir uns Gedanken zum Evangelium machen. Das Evangelium soll die Basis und das Fundament unserer Gemeinde sein. Die Bibelstudien werden in den n\u00e4chsten Wochen etwas thematischer sein. Und ich m\u00f6chte euch gerne ermutigen, in den kommenden Wochen, nicht so eng am Text zu kleben. Stattdessen d\u00fcrfen wir uns immer wieder die Frage zu stellen, was die ganze Schrift zum Thema zu sagen hat.<br \/>\nWir wollen uns zum Thema Evangelium vier Fragen stellen. \u00dcber jede dieser vier Fragen k\u00f6nnte man Serien von Vortr\u00e4gen halten. Wir gehen auf jede dieser vier Fragen in den n\u00e4chsten Wochen etwas tiefer ein. Die vier Fragen lauten: warum das Evangelium? Was ist das Evangelium? F\u00fcr wen ist das Evangelium? Und was bringt das Evangelium hervor?<\/p>\n<p><strong>Erstens, warum das Evangelium?<\/strong><br \/>\nVielleicht fragen sich manche von euch: warum denn das Evangelium? Machen wir das nicht schon fast jede Woche? Und haben wir nicht gerade in den letzten Jahren immer und immer wieder die Evangelien studiert? In den letzten f\u00fcnf Jahren haben wir Lukas studiert, dann Markus, dann Johannes Evangelium. Brauchen wir dazu nochmals eine spezielle Betrachtung? Und ich w\u00fcrde sagen: Ja, auf jeden Fall! Denn allein die Frage \u201ewie genau w\u00fcrdest du das Evangelium definieren?\u201c l\u00e4sst sich \u00fcberhaupt nicht einfach beantworten. Vielleicht kann man die Frage auch noch einmal anders stellen: das Evangelium hat sich die letzten 2.000 Jahre nicht ver\u00e4ndert. Es ist immer noch die gleiche Botschaft von damals. Was macht es so schwierig, diese Botschaft klar zu erfassen?<br \/>\nHier ist eine interessante Beobachtung. Wer von euch hat schon einmal alte Predigten gelesen? Predigten von vor 50 Jahren, 100 Jahren, oder noch \u00e4lter? Ich habe fr\u00fcher regelm\u00e4\u00dfig alte Predigten gelesen: Predigten von Whitefield, Edwards, Spurgeon. Im B\u00fccherregal bei mir sind Predigten aus dem Mittelalter, die ich auch noch gerne lesen m\u00f6chte. Grace ist Fan von den Puritanern. Ich hatte mich mit Paul Ridge einmal \u00fcber die alten Predigten unterhalten. Paul hat mir eine Anekdote erz\u00e4hlt. Die Predigten von den Puritanern konnten richtig lang werden. Predigten weit \u00fcber eine Stunde waren keine Seltenheit. Die Platzanweiser damals sind w\u00e4hrend dem Gottesdienst mit einem besonderen Stock herumgelaufen. Der Stock hatte zwei unterschiedliche Enden. An dem einen Ende war eine Feder. Die wurde verwendet, um Frauen zu kitzeln, die bei der Predigt eingeschlafen waren. Das andere Ende war spitz. Damit wurden M\u00e4nner gepikst, wenn sie eingeschlafen waren.<br \/>\nIch wei\u00df nicht wie es euch ergeht, wenn ihr diese alten Predigten lest. Bei mir sind das immer gemischte Gef\u00fchle. Auf der einen Seite Ehrfurcht vor den tiefsinnigen Gedanken. Man wird angesprochen, weil es um eine ewige, unver\u00e4nderliche Wahrheit geht. Gott und sein Evangelium ver\u00e4ndern sich nat\u00fcrlich nicht. Und trotzdem gibt es immer wieder Stellen, an denen man sich fragt: \u201eWarum sagt das Prediger das an dieser Stelle? Was meint er damit? Ich verstehe das nicht?\u201c Und gewisse Aussagen scheinen angestaubt und einfach nicht in unsere Zeit zu passen.<br \/>\nSpurgeon hat uns mehr als 3.000 Predigten hinterlassen. Stellen wir uns vor, wir w\u00fcrden jede Woche eine von seinen Predigten \u00fcbersetzen und vorlesen. W\u00fcrde das gut funktionieren? Oder stellen wir uns vor, wir nehmen Predigten von Martin Luther. Die m\u00fcsste man noch nicht einmal \u00fcbersetzen. Vielleicht ein paar der altbackenen W\u00f6rter ersetzen, die heute niemand mehr benutzt. W\u00fcrde das gehen? Ich glaube nicht. Vieles von dem, was er schreibt, w\u00fcrde uns seltsam und fremd vorkommen; obwohl seine Predigten biblisch sind; obwohl das, was er Predigt, das Evangelium ist; und obwohl durch seine Predigten jeden Sonntag Menschen zum Glauben an Jesus gekommen sind. Ich glaube nicht, dass sie bei uns die gleiche Wirkung h\u00e4tten. Leider nicht.<br \/>\nWoran liegt das? Hier ist eine einfache, simplistische Antwort: das Evangelium muss \u00fcbersetzt werden. Die Herausforderung an alle Christen aller Zeiten ist, das Evangelium immer wieder aufs Neue zu \u00fcbersetzen. Die Kunst ist es, das Evangelium immer wieder in die aktuelle Zeit und Kultur hineinzubringen. Gottes Wahrheit ist unver\u00e4nderlich und verliert niemals an Relevanz. Aber es liegt an uns, es immer wieder aufs Neue zu zeigen, dass dem wirklich so ist.<br \/>\nDie n\u00e4chsten Wochen sind unser Versuch, dar\u00fcber nachzudenken, was das Evangelium f\u00fcr uns bedeutet: f\u00fcr uns koreanische und deutsche Christen im 21. Jahrhundert in einer ziemlich s\u00e4kularen, kleinen Universit\u00e4tsstadt im Nordwesten von Baden-W\u00fcrttemberg?<\/p>\n<p><strong>Zweitens, was ist das Evangelium?<\/strong><br \/>\nWir finden in unserem kurzen Text in R\u00f6mer 1 verschiedene Antworten auf diese Frage. In Vers 1 schreibt Paulus: \u201ePaulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, das Evangelium Gottes zu verk\u00fcndigen.\u201c Das Wort \u201everk\u00fcndigen\u201c ist aufschlussreich. Das Evangelium wird verk\u00fcndigt. D.h, das Evangelium ist eine Botschaft. Es ist eine Nachricht. Und wie die meisten von uns wissen, verwendet Paulus das Wort evangelion. Und dieses griechische Wort bedeutet nicht nur irgendeine Nachricht. Es bedeutet gute Nachricht.<br \/>\nIn den Versen 3 und 4 erfahren wir vom Inhalt des Evangeliums. Es handelt nat\u00fcrlich von Jesus. Aber wie stellt Paulus ihn vor: \u201edas Evangelium von seinem Sohn, der nach dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus unserem Herrn.\u201c Bei den Fakten des Evangeliums denken wir vermutlich vor allem an Jesu Tod am Kreuz. Aber das erw\u00e4hnt Paulus nicht. Stattdessen erw\u00e4hnt Paulus hier, dass Jesus der Nachkomme Davids ist. Und Paulus erw\u00e4hnt, dass Jesus als Sohn Gottes eingesetzt ist seit der Auferstehung von den Toten. Die Art und Weise wie das formuliert ist, ist sehr interessant.<br \/>\nFrage: war Jesus nicht auch schon der Sohn Gottes bevor er in diese Welt gekommen ist? Warum hei\u00dft es hier dann, dass Jesus eingesetzt ist? Und warum ist er erst nach der Auferstehung der Toten eingesetzt? Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung: es gab in der Stadt Rom eine Person, die sich als der Sohn Gottes bezeichnet hatte. Es war der Kaiser des r\u00f6mischen Reiches. Augustus, der erste Kaiser des r\u00f6mischen Reiches hatte den Titel: Kaiser C\u00e4sar Sohn Gottes Augustus. Paulus schrieb an die Christen in Rom, in der Stadt, in welcher der amtierende Kaiser das ganze r\u00f6mische Reich regierte, dass Jesus der wahre Sohn Gottes ist. Jesus ist eingesetzt als der wahre Herrscher, der wahre Herr, der wahre K\u00f6nig; und Jesu Einsetzung und Best\u00e4tigung geschah durch seine Auferstehung von den Toten. D.h., Jesus allein hat die wahren und die gr\u00f6\u00dften Feinde bezwungen: S\u00fcnde und Tod. Jesus allein hat das Leben gemeistert; er allein hat die S\u00fcnde \u00fcberwunden; er allein hat den Tod besiegt. Und deshalb ist nur er allein w\u00fcrdig, auf dem Thron zu sitzen und Ehre, Macht und Ruhm zu empfangen. Jesus allein ist w\u00fcrdig zu regieren; Jesus allein ist der Herr \u00fcber die Geschichte und der Herrscher \u00fcber das Universum. Und das ist die gute Nachricht. Das Evangelium ist gute Nachricht, und es ist die Geschichte von Jesus, dem Nachkomme Davids und seiner Einsetzung als K\u00f6nig.<br \/>\nWir erfahren noch einen weiteren Punkt im Text, was das Evangelium ist. Verse 16 und 17: \u201eDenn ich sch\u00e4me mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes zur Rettung f\u00fcr jeden, der glaubt, zuerst f\u00fcr den Juden, aber ebenso f\u00fcr den Griechen. Denn in ihm wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: Der aus Glauben Gerechte wird leben.\u201c Das Evangelium ist die Kraft Gottes, die rettet. Wie rettet das Evangelium? Es offenbart die Gerechtigkeit Gottes. Gerechtigkeit ist so ein starkes Wort. Was bedeutet die Gerechtigkeit Gottes? Die Gerechtigkeit Gottes bezieht sich nicht einfach auf seine vollkommene Heiligkeit oder auf seinen perfekten moralischen Ma\u00dfstab. Sondern was hier gemeint ist, ist die Gerechtigkeit von Gott; die Gerechtigkeit, die von Gott ausgeht und die uns zuteil werden kann. Worum es hier geht, ist, mit Gott in der rechten Beziehung zu stehen: dass wir keine offenen Rechnungen haben mit ihm, dass unser Schuldenkonto beglichen ist, dass wir Frieden mit ihm haben. Gerecht zu sein, bedeutet einen neuen Status zu haben: als Begnadigte und Befreite, die nichts mehr zu bef\u00fcrchten haben; als Vergebene, denen keine Schuld mehr angerechnet wird; als Heilige, die vollkommen und makellos sind; als Kinder, die einen freien Zugang zu ihrem Vater haben.<br \/>\nTim Keller schrieb in seinem Kommentar zum R\u00f6merbrief: \u201eJesu Rettung ist nicht einfach nur wie eine Begnadigung und Entlassung aus der Todeszelle und dem Gef\u00e4ngnis. Dann w\u00e4ren wir zwar frei, aber auf uns selbst gestellt, auf unseren eigenen Weg in der Welt zur\u00fcckgeworfen, auf unsere eigenen Anstrengungen angewiesen, wenn wir etwas aus uns machen wollen. Aber im Evangelium entdecken wir, dass Jesus uns aus dem Todestrakt geholt hat und uns dann das Bundesverdienstkreuz um den Hals geh\u00e4ngt hat. Wir werden als Helden empfangen und willkommen gehei\u00dfen, so als h\u00e4tten wir au\u00dfergew\u00f6hnliche Taten vollbracht.\u201c<br \/>\nWas ist das Evangelium? Das Evangelium ist die frohe Nachricht; es ist die Geschichte von Jesus Christus, dem K\u00f6nig und Herrn. Das Evangelium von Jesus Christus offenbart die Gerechtigkeit, die von Gott kommt: eine Gerechtigkeit, die er uns schenkt, mit welcher er uns radikal erneuert.<\/p>\n<p><strong>Drittens, f\u00fcr wen ist das Evangelium?<\/strong><br \/>\nIn den Versen 13-15 schreibt Paulus von seinem Wunsch, nach Rom zu kommen. Vers 15: \u201edeshalb bin ich, soviel an mir liegt, bereit, auch euch in Rom das Evangelium zu verk\u00fcnden.\u201c Wer waren die Empf\u00e4nger des Briefes, denen Paulus das Evangelium verk\u00fcndigen wollte? In Vers 6 erfahren wir, dass sie Berufene Jesu Christi sind. In Vers 7 hei\u00dft es: \u201eAn alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen&#8230;\u201c Paulus nennt sie die von Gott Geliebten, die berufenen Heiligen. Mit anderen Worten, es waren Christen in Rom.<br \/>\nWir haben gesehen, dass das Evangelium die Kraft Gottes ist, Menschen zu retten. Und weil dem so ist, haben vielleicht manche von uns die unterbewusste Einstellung, dass das Evangelium vor allem f\u00fcr die Menschen ist, die Jesus noch nicht kennen. Vielleicht denken einige von uns, dass das Evangelium die Botschaft ist, mit der wir andere evangelisieren. Und ich wei\u00df nicht, ob wir uns dessen bewusst sind, dass das Evangelium in erster Linie f\u00fcr uns ist.<br \/>\nIn den Chroniken von Narnia gibt es einen Dialog, den ich wundervoll finde. Das M\u00e4dchen Lucy trifft in Narnia den L\u00f6wen Aslan wieder. Wie ihr wisst, ist der L\u00f6we Aslan ein Bild f\u00fcr Jesus. Als sie ihn nach langer Zeit wiedersieht, ist ihre Freude fast grenzenlos. Sie schaut in das gro\u00dfe weise Angesicht. Aslan sagt: \u201eWillkommen, Kind.\u201c Luca stellt fest: \u201eAslan, du bist gr\u00f6\u00dfer geworden.\u201c Der L\u00f6we antwortet darauf: \u201eDas liegt daran, dass du \u00e4lter geworden bist, meine Kleine.\u201c Sie fragt: \u201eNicht weil du gr\u00f6\u00dfer geworden bist?\u201c Seine Antwort. \u201eDas bin ich nicht. Aber mit jedem Jahr, das du w\u00e4chst, wirst du mich gr\u00f6\u00dfer finden.\u201c Und das sollte unsere Erfahrung mit dem Evangelium sein. Mit jedem Jahr, mit dem wir wachsen, sollte uns das Evangelium gr\u00f6\u00dfer und sch\u00f6ner erscheinen.<br \/>\nHier ist das, was es f\u00fcr uns bedeutet: wir werden niemals aus dem Evangelium herauswachsen. Das Evangelium ist nicht einfach nur unsere Windel und der Strampler, der uns als Kleinkinder bekleidet hat; es ist unser Ballkleid und Nadelstreifenanzug, die uns bis zum Schluss bekleiden. Das Evangelium ist nicht einfach nur das ABC und das kleine und gro\u00dfe Einmaleins; es ist die hohe Schule, die wir studieren, in der wir promovieren, und mit der wir niemals fertig sind, es zu erforschen. Das Evangelium ist nicht einfach nur die Muttermilch und der Babybrei; es ist das Vollkornbrot, das Steak, der Salat und er Obstteller, die uns bis zum Ende unseres Lebens ern\u00e4hren. Das Evangelium ist nicht nur der Laufstall oder das Dreirad, mit denen wir lernen mobil zu werden; es ist der ICE, es ist das Flugzeug, es ist das Space-Shuttle, das uns in die entferntesten Galaxien fliegt. Im christlichen Glauben zu reifen ist gleichbedeutend mit, im Evangelium zu reifen. Im christlichen Glauben zu wachsen, bedeutet immer tiefere Wurzeln in das Evangelium zu schlagen.<br \/>\nDeshalb noch einmal: wenn das Evangelium f\u00fcr die ersten Christen in Rom, die berufenen Heiligen ist, dann sollte unsere Hypothese sein, dass das Evangelium f\u00fcr alle Menschen ist, angefangen mit uns selbst ganz egal wie lange wir Christen sind.<\/p>\n<p><strong>Viertens, was bringt das Evangelium hervor?<\/strong><br \/>\nIn Vers 13 sagt Paulus: \u201eIhr sollt wissen, Br\u00fcder und Schwestern, dass ich mir schon oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen, aber bis heute daran gehindert wurde; denn wie bei den anderen Heiden soll meine Arbeit auch bei euch etwas Frucht bringen.\u201c Das Evangelium bringt Frucht hervor. Welche Frucht? Paulus zitiert am Ende den ber\u00fchmten Vers aus Habakuk: \u201eDer Gerechte aber wird aus Glauben leben.\u201c Die Einheits\u00fcbersetzung hat eine sehr interessante Version von diesem Vers: \u201eDer aus Glauben Gerechte wird leben.\u201c Die Frucht des Evangeliums ist Leben; die Frucht des Evangeliums ist ein Leben im Glauben an Gott; die Frucht des Evangeliums ist ein gerettetes Leben.<br \/>\nViele evangelikale Christen habe eine etwas seltsame Vorstellung von Rettung. Ich wei\u00df das, weil ich auch dazu geh\u00f6rte. Meine Vorstellung war, dass wenn ich ein \u00dcbergabegebet spreche, Jesus mich so annimmt wie ich bin, und ich nichts mehr f\u00fcr meine Rettung zu tun brauche. Das stimmt so ungef\u00e4hr. Aber dann schleicht sich oftmals der Gedanke ein: wenn ich aus Gnade gerettet bin, bedeutet es dann nicht, dass es egal ist, wie gottlos ich lebe? Scot McKnight ist in einem christlichen Haus aufgewachsen. Er hat eine Schwester, die, nachdem sie von zu Hause weggegangen ist, nichts mehr mit dem christlichen Glauben zu tun hat. So gar nichts. Aber sie denkt, dass sie nach ihrem Tod in den Himmel kommt, weil sie Jesus als ihren Retter angenommen hat.<br \/>\nViele Menschen haben schon mal die Frage gestellt: was muss ich tun, um gerettet zu werden. Was wir damit eigentlich meinen, ist, was sind die Mindestvoraussetzungen? Was ist das Minimum, das erf\u00fcllt sein muss, damit ich es gerade noch so in den Himmel schaffe? Was ist das, was ich minimal glauben muss? Was ist das minimale Gebet, das ich sprechen muss, um gerade noch aufgenommen zu werden? Das ist leider die Art und Weise, wie wir Menschen ticken. Theologen nennen das billige Gnade; wir behandeln die Gnade so, als ob sie nicht viel wert w\u00e4re. Dallas Willard nannte das Vampir-Christen: Vampir-Christen sind diejenigen, die nur ein wenig was von Jesu Blut haben wollen, aber ansonsten nichts mit Jesus zu tun haben wollen.<br \/>\nFrage an uns: warum wollen wir eigentlich gerettet sein? Wenn unsere einzige Antwort auf diese Frage die ist, dass wir nicht in die H\u00f6lle kommen wollen, dann ist das ziemlich selbstzentriert. Und genau das ist das Problem. Wenn wir die Frage stellen: wieviel darf ich noch s\u00fcndigen, wenn ich gerettet bin? Was sind die minimalen Eintrittskriterien, um in den Himmel zu kommen, dann dreht sich alles um uns selbst. Wir wollen noch die Bestimmer unseres Lebens sein. Wir wollen nur das Beste f\u00fcr uns. Wir wollen die Kontrolle \u00fcber unser Leben nicht abgeben.<br \/>\nDas Evangelium ist die gute Nachricht, dass Jesus der K\u00f6nig ist und regiert. D.h., im Evangelium geht es in erster Linie nicht um uns. Es geht um Jesus. Es ist seine Geschichte. Und doch ist es: wenn die Geschichte von Jesus gut erz\u00e4hlt wird, wenn wir uns in die Geschichte von Jesus hineindenken und uns davon faszinieren lassen, dann werden wir aufgesogen in diese Geschichte. Und wir k\u00f6nnen nicht anders, als diesen Jesus zu lieben und ihn festzuhalten. Johannes 20 erz\u00e4hlt die Geschichte wie Jesus Maria von Magdala begegnet. Sie steht drau\u00dfen vor dem Grab und weinte. Sie sieht Jesus dastehen und denkt, dass er der G\u00e4rtner ist. Jesus gibt sich ihr zu erkennen. Und sie sagt: \u201eMeister!\u201c Im darauf folgenden Vers steht etwas Faszinierendes: \u201eR\u00fchre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater.\u201c Eine bessere \u00dcbersetzung von dem Vers lautet: \u201eHalte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.\u201c Als sie erkannt hatte, dass der auferstandene Jesus vor ihr steht, die offenbarte Liebe Gottes in Person, da kann sie nicht anders: sie packt ihn und h\u00e4lt ihn fest, damit er sie ja nie wieder verl\u00e4sst. Und genau dieses Bild, genau das illustriert einen Menschen, der gerettet ist. Wir k\u00f6nnen diesen Jesus nicht mehr loslassen, weil wir ihn so sehr lieben wegen allem, was er f\u00fcr uns getan hat.<br \/>\nDavid Brainerd, der Missionar unter den einheimischen Menschen in Nordamerika, beschrieb eindr\u00fccklich in seinem Tagebuch, wie er Gott zum ersten Mal begegnete. Was wir wissen m\u00fcssen: Brainerd war kein einfacher Zeitgenosse. Er war ziemlich melancholisch; und er war ein Mensch, der unter S\u00fcndenerkenntnis litt. Er beschreibt, wie sehr ihn das herunterzogen hat, wie sehr er sich darunter qu\u00e4lte, wie sehr er damit zu ringen und k\u00e4mpfen hat. Bis der Tag der Erl\u00f6sung kam: \u201eDann, als ich in einem dunklen, dichten Hain spazieren ging, schien sich eine unaussprechliche Herrlichkeit dem Blick und der Erkenntnis meiner Seele zu \u00f6ffnen. Ich meine nicht irgendeine \u00e4u\u00dfere Helligkeit, denn ich sah nichts dergleichen. Ich meine auch nicht die Vorstellung eines Lichtk\u00f6rpers irgendwo im dritten Himmel oder irgendetwas in dieser Art; sondern es war eine neue innere Wahrnehmung oder Ansicht, die ich von Gott hatte, wie ich sie nie zuvor hatte, noch irgendetwas, das die geringste \u00c4hnlichkeit damit hatte.<br \/>\nIch stand still, staunte und bewunderte! Ich wusste, dass ich noch nie zuvor etwas gesehen hatte, das an Exzellenz und Sch\u00f6nheit damit vergleichbar war; es war ganz anders als alle Vorstellungen, die ich jemals von Gott oder g\u00f6ttlichen Dingen hatte. &#8230; Meine Seele freute sich mit unaussprechlicher Freude, einen solchen Gott, ein so herrliches g\u00f6ttliches Wesen zu sehen; und ich war innerlich erfreut und zufrieden, dass Er f\u00fcr immer und ewig Gott \u00fcber alles sein sollte. Meine Seele war gefesselt und entz\u00fcckt von der Vortrefflichkeit, Lieblichkeit, Gr\u00f6\u00dfe und den anderen Vollkommenheiten Gottes, dass ich sogar von ihm verschlungen wurde. Wenigstens in einem solchen Ma\u00dfe, dass ich anfangs keinen Gedanken an meine eigene Errettung verschwendete und kaum daran dachte, dass es ein solches Gesch\u00f6pf wie mich gibt. So brachte mich Gott, wie ich glaube, zu einer herzlichen Bereitschaft, Ihn zu erh\u00f6hen und auf den Thron zu setzen, und haupts\u00e4chlich und letztendlich auf Seine Ehre und Herrlichkeit als K\u00f6nig des Universums abzuzielen.\u201c<br \/>\nDas, was mich an David Brainerd\u2019s Erz\u00e4hlung so fasziniert, ist die Tatsache, dass er Gottes Herrlichkeit so wahrgenommen hat, dass in diesem Moment seine eigene Rettung v\u00f6llig irrelevant war. Und genau das ist der Punkt. Er war gerettet, weil es ihm einfach nur um Gott ging. Wer an das Evangelium von Jesus Christus glaubt, der hat verstanden, dass es haupts\u00e4chlich um ihn geht: die Hauptsache ist, dass er regiert und nicht mehr ich; dass er das Zentrum des Universums ist und nicht mehr ich; dass er herrlich und w\u00fcrdig ist nicht ich. Wie sehr stehen wir im Evangelium? Je mehr wir im Evangelium stehen, desto mehr geht es uns um Jesus und ihn allein; desto mehr vergessen wir uns selbst; und ironischerweise ist es so, dass wir dadurch unser wahres Ich und unser wahre Selbst finden, in ihm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Das Evangelium \u201eDenn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: Der aus Glauben Gerechte wird leben.\u201d R\u00f6mer 1,17 R. hatte es bereits angek\u00fcndigt: Wir fangen heute eine neue Serie an, die uns die n\u00e4chsten Monate begleitet. 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