{"id":10189,"date":"2021-06-13T11:00:47","date_gmt":"2021-06-13T09:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10189"},"modified":"2022-11-18T12:18:59","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:59","slug":"predigt-hebraeer-1214-29-sonderlektion-6b","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-hebraeer-1214-29-sonderlektion-6b\/","title":{"rendered":"Predigt: Hebr\u00e4er 12,14 &#8211; 29 (Sonderlektion 6B)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/SL6-Hebr_12_14-29-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Ermahnung zur Heiligung<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eJagt nach dem Frieden mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Hebr\u00e4er 12,14)<\/p>\n<p>Seit einer Woche hat wieder die Schule begonnen. Das Schuljahr neigt sich wieder dem Ende zu. Gegen Ende des Schuljahres fanden ja gew\u00f6hnlicherweise die Bundesjugendspiele statt. Als Kind mochte ich den 100m-Lauf, aber vor dem 1000m-Lauf f\u00fcrchtete ich mich. Ich war relativ schnell, hatte aber nicht so viel Ausdauer. Weil die letzten Meter so qualvoll waren, war ich immer sehr froh, wenn ich diesen Lauf endlich hinter mich hatte. Das Bild des Marathons, mit dem wir uns letzte Woche besch\u00e4ftigt hatten, ist daher ein ausgezeichnetes Bild, um die Ausdauer und Geduld des christlichen Glaubenslebens zu beschreiben. Heute werden wir uns mit einem weiteren ausgezeichneten Bild besch\u00e4ftigen. Es ist das Bild des Nachjagens. Es beschreibt, welche Einstellung wir bzgl. der Heiligung einnehmen sollen. Wir wollen uns mit dem heutigen Text anhand von drei Fragen auseinandersetzen:<br \/>\n1. Was bedeutet es, der Heiligung nachzujagen?<br \/>\n2. Was brauchen wir, um der Heiligung nachzujagen?<br \/>\n3. Wie k\u00f6nnen wir der Heiligung nachjagen?<\/p>\n<p><strong>Teil 1: Der Heiligung nachjagen (V. 14)<\/strong><br \/>\nDie erste Anweisung erfahren wir in Vers 14. \u201eJagt nach dem Frieden mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird!\u201c. Der Apostel greift erneut ein Bild auf. Es ist das Bild des \u201eJagens\u201c? Jemanden zu jagen bedeutet, jemanden zu verfolgen, an etwas dranbleiben, etwas im Fokus behalten, etwas nicht aus den Augen zu verlieren, nicht aufgeben.<br \/>\nUnd was ist das, an das wir dranbleiben und das wir im Fokus behalten sollen? Was ist das, worin wir auf keinen Fall innerlich aufgeben sollen? Der Apostel nennt im Vers 14 zwei Dinge: 1. Frieden mit jedermann und 2. die Heiligung, wobei dem Frieden nachzujagen schon ein Teil der Heiligung ist. Die Aufforderung, dem Frieden nachzujagen, ist ziemlich krass, wenn wir an die Situation der damaligen Zuh\u00f6rer denken. Sie wurden beraubt, gefangengenommen und \u00f6ffentlich blo\u00dfgestellt. Die damaligen Zuh\u00f6rer haben gro\u00dfe, ja besser gesagt eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit erfahren. Was m\u00f6chte man in solch einem Fall am liebsten tun? Sich r\u00e4chen, verfluchen, verw\u00fcnschen usw. Aber stattdessen sollten sie dem Frieden nachjagen, und zwar mit jedermann, also auch mit deren schlimmsten Verfolgern.<br \/>\nDas Bild des Jagens passt ausgezeichnet zum Thema \u201eFrieden\u201c. Was man jagt, sind ja entweder Tiere oder Feinde. Beide haben eins gemeinsam: sie sind etwas, was sehr schnell entweicht. Wer ein Reh jagen will, muss mucksm\u00e4uschenstill sein. Die kleinsten Ger\u00e4usche und schon ist es weg. Der Friede unter den Menschen ist in der Tat auch etwas, das sehr sehr schnell verschwinden kann. Wer viel mit Menschen zu tun hat, wei\u00df das. Wie leicht geschehen unter Menschen Spannungen. Schon das kleinste Missverst\u00e4ndnis kann zu Unfrieden f\u00fchren. In der Tat ist der Friede etwas, das schnell entweicht. Es ist etwas, dem man nachjagen muss. Etwas, woran man dranbleiben muss. Etwas, dem man hinterher sein muss. Ich musste zum Beispiel letztens dem Frieden nachjagen, als ich mir einen Scherz bei jemanden erlaubt hatte, den er gar nicht als Scherz aufgefasst hatte. Als ich es mit ihm kl\u00e4ren wollte, sagte die Person, dass sie schnell zum Bahnhof m\u00fcsse. Daraufhin sagte ich, dass ich ein St\u00fcck mit ihr laufen w\u00fcrde.<br \/>\nUns sollte bewusst sein, dass die Aufforderung zum Frieden mit jedermann nicht nur im Hebr\u00e4erbrief auftritt, sondern auch in anderen Stellen der Bibel \u2013 zum Beispiel in Ps. 34,15: \u201elass ab vom B\u00f6sen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach!\u201c; R\u00f6m 12,18.19: \u201eWenn m\u00f6glich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden! R\u00e4cht euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn [Gottes]!\u201c; 1. Petr 3,11: \u201eer wende sich ab vom B\u00f6sen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach!\u201c Eph 4,3: \u201eBeflei\u00dfigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens\u201c Mt 5,9: \u201eGl\u00fcckselig die Friedensstifter, denn sie werden S\u00f6hne Gottes hei\u00dfen.\u201c In vielen Stellen der Bibel werden wir also dazu aufgefordert, dem Frieden nachzujagen. Das zeigt, wie wichtig es ist. Die zuletzt erw\u00e4hnte Bibelstelle aus Mt 5 macht deutlich: Gerade daran, dass wir dem Frieden nachjagen, erkennen die Leute, dass wir Gottes Kinder sind. Mit anderen Worten: Es ist ein m\u00e4chtiges Zeugnis.<br \/>\nDie Aufforderung, dem Frieden nachzujagen, ist aber besonders schwierig, wenn man von anderen gro\u00dfe Ungerechtigkeit erf\u00e4hrt, wie es bei den Hebr\u00e4ern der Fall war. Das kann einem so vorkommen, als w\u00fcrde man st\u00e4ndig gegen das offene Messer laufen. Wie k\u00f6nnen wir diese geistliche Herausforderung, dem Frieden nachzujagen, gerecht werden? Ich m\u00f6chte hierzu drei Punkte herausstellen: Ich denke, einer der wichtigsten Punkte ist das Vergeben. Ohne Vergebung werden wir verbittert. Ohne zu vergeben, suchen wir andere Wege, um mit einem Konflikt fertig zu werden. Zweitens ist mir in der letzten Zeit ein Wort aus 1. Korinther 6, 7-9 wichtig geworden: \u201eEs ist nun schon \u00fcberhaupt ein Fehler an euch, dass ihr Rechtsstreitigkeiten miteinander habt. Warum lasst ihr euch nicht lieber unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber \u00fcbervorteilen?\u201c Zum Frieden nachjagen kann es auch dazugeh\u00f6ren, sich Dinge gefallen zu lassen, anstelle auf sein Recht zu bestehen. 3. Spr\u00fcche 10,12: \u201eaber Liebe deckt alle Vergehen zu.\u201c Zum Frieden nachjagen geh\u00f6rt es auch, dass man \u00fcber viele Dinge hinwegsieht. Wer jeden Fehler des anderen kritisiert, kann nicht erwarten, Frieden mit anderen zu haben. Wer wegen jeder Kleinigkeit beleidigt ist, hat vergessen, dass er selbst ein begnadigter S\u00fcnder ist. Wenn wir um Jesu willen dem Frieden nachjagen, werden wir in der Heiligung wachsen und das Bild Christi wird in uns mehr und mehr Konturen bekommen.<br \/>\nWas sind aber die Grenzen des Nachjagens von Frieden? In Mt 10,34 sagt Jesus: \u201eMeint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.\u201c Wir sollen dem Frieden nachjagen, aber nicht auf Kosten der Wahrheit. Wenn der Frieden mit anderen voraussetzt, dass wir unseren Glauben nicht treu sein k\u00f6nnen, dann m\u00fcssen wir der Wahrheit gegen\u00fcber dem Frieden Priorit\u00e4t geben. Deswegen hei\u00dft es ja in R\u00f6m 12: \u201eWenn m\u00f6glich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden!\u201c<br \/>\nBetrachten wir noch einmal Vers 14. Die zweite Sache, der wir nachjagen sollen, ist die Heiligung. Warum muss man der Heiligung nachjagen? Die Heiligung ist kein Selbstl\u00e4ufer. Wir haben drei Gegner, die uns von der Heiligung abhalten: 1. unsere verdorbene Natur, 2. der Teufel und 3. die Welt. Diese drei Gegner leisten gegen\u00fcber jedem Heiligungsbestreben Widerstand. Der gef\u00e4hrlichste davon ist unsere verdorbene Natur. Ihr nicht zu widerstehen, f\u00fchrt automatisch zu einem Leben in S\u00fcnde. Nicht die Heiligung, sondern ein Leben in S\u00fcnde ist ein Selbstl\u00e4ufer. Daher ist die Heiligung eine Sache, der man nachjagen muss. Mit anderen Worten: Die Heiligung ist eine Sache, an die man dranbleiben muss und die vollsten Einsatz erfordert. Sie ist eine Sache, die nicht aus den Augen verloren gehen darf. Die Heiligung ist eine Sache, die nicht nach Lust und Laune geschieht, sondern konsequent erfolgt. In 2. Petrus 1,5 hei\u00dft es: \u201eso setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar\u201c.<br \/>\nDas Bild des Nachjagens ist auch im Zusammenhang der Heiligung treffend und ausgezeichnet. Jemanden nachzujagen bedeutet ja, jemandem hinterherzulaufen. Allerdings nicht nur irgendwie hinterherlaufen, sondern schnell. Besser gesagt: Man rennt jemandem hinterher. In dem Prozess der Heiligung sollen wir solche sein, die nicht langsam, sondern schnell wachsen. In Hebr. 5,12 hei\u00dft es: \u201eDenn w\u00e4hrend ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder n\u00f6tig, dass man euch lehrt, was die Anfangsgr\u00fcnde der Ausspr\u00fcche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch n\u00f6tig haben und nicht feste Speise\u201c Wir haben letzte Woche das Bild vom Marathon betrachtet. Es ist ein wunderbares Bild um die Ausdauer im Glaubensleben zu veranschaulichen, aber nicht ein Bild daf\u00fcr, dass es egal ist, wie man l\u00e4uft. Wie andere Bilder der Bibel veranschaulicht es einen oder mehrere Aspekte, ist aber nicht in jeder Hinsicht anwendbar. Zum Beispiel sagt Jesus \u00fcber sich selbst, dass er kommen wird, wie ein Dieb. Mit dem Bild des \u201eDiebes\u201c m\u00f6chte Jesus die Art und Weise seines Kommens beschreiben, n\u00e4mlich \u00fcberraschend und unerwartet. Allerdings w\u00fcrden wir Jesus gro\u00dfes Unrecht tun, wenn wir Jesus in jeglicher Hinsicht mit einem Dieb vergleichen w\u00fcrden. Oder hier ein anderes Beispiel: Jesus sagt: \u201eseid klug wie&nbsp;die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.\u201c Mit dem Bild der \u201eSchlange\u201c will Jesus nur einen Aspekt verdeutlichen, n\u00e4mlich klug sein. Eine Schlange ist aber auch listig. Sollen wir auch in dieser Hinsicht wie die Schlangen sein? Nein! Um nicht missverstanden zu werden, macht Jesus den Zusatz: \u201eund ohne Falsch wie die Tauben.\u201c So ist es auch mit dem Bild des \u201eMarathons\u201c. Es ist nur begrenzt auf den geistlichen Lauf anwendbar. Um die Art und Weise des Laufens zu beschreiben, verwendet der Apostel n\u00e4mlich ein anderes Bild. Es ist eben das Bild des \u201eNachjagens\u201c, wo es ja gerade um ein schnelles Laufen geht. Man kann von Heidelberg nach Mannheim mit dem Zug fahren, theoretisch kann man nach Mannheim auch auf allen Vieren kommen, allerdings auf Kosten der Gesundheit. Ebenso auch mit der Heiligung: Wenn sich Christen Zeit mit der Heiligung lassen, kann es gut sein, dass Gott viele Probleme in ihr Leben schickt, um sie in der Heiligung voranzutreiben. Ihr Weg zum Himmelreich geht dann durch viele Leiden hindurch.<br \/>\nBetrachten wir weiter Vers 14. Am Ende von Vers 14 hei\u00dft es: \u201eohne die niemand den Herrn sehen wird.\u201c Mit diesen Worten verleiht der Apostel der Aufforderung zur Heiligung einen ernsthaften Nachdruck. Einfach gesagt: Gott macht das nicht mit, wenn ein Christ nicht nach der Heiligung trachtet. Die Zeit auf dieser Erde dient als Vorbereitung auf die Ewigkeit mit Christus. Ohne Heiligung ist man auf die Ewigkeit mit Christus nicht vorbereitet. In Mt 5,8 gibt es einen \u00e4hnlich lautenden Vers: \u201eGl\u00fcckselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.\u201c Ein reines Herz ist das Gegenteil von einem geteilten oder g\u00f6tzendienerischen Herz. Wir werden auf dieser Erde nie s\u00fcndlos sein, aber der Prozess der Heiligung muss zu dem Punkt kommen, dass wir Gott von ganzem Herzen lieben. Gott teilt sich den Thron auf unserem Herzen nicht. Gott ist solange mit uns nicht fertig, bis unser Herz ihn einzig und allein anbetet. Ist ja eigentlich auch logisch: Wozu soll ein g\u00f6tzendienerisches Herz Christus schauen? Solch ein Herz findet nichts Sch\u00f6nes an Jesus? Es kann mit seiner Herrlichkeit nichts anfangen. Im Himmelreich sind Scharen von Gesch\u00f6pfen, die den Herrn Jesus Tag und Nacht anbeten. Was hat dort jemand zu suchen, der ein geteiltes Herz hat? Wie k\u00f6nnen wir der Heiligung nachjagen?<\/p>\n<p><strong>Teil 2: Die Gnade Gottes nicht vers\u00e4umen (V. 15 \u2013 17)<\/strong><br \/>\nBetrachten wir gemeinsam Vers 15: \u201eUnd achtet darauf, dass nicht jemand die Gnade Gottes vers\u00e4umt.\u201c Die Kraft f\u00fcr die Heiligung bekommen wir ja durch die Gnade Gottes. Die Heiligung erfordert unseren ganzen Einsatz, geschieht aber dennoch nicht aus eigener Kraft, sondern aus Gnade. Das h\u00f6rt sich widerspr\u00fcchlich an. Ich versuche es mit einem Bild zu verdeutlichen: Um ein Auto in Gang zu setzen, m\u00fcssen wir es tanken, den Schl\u00fcssel drehen, das Pedal treten, die G\u00e4nge schalten, bremsen und lenken. Doch niemand von uns w\u00fcrde behaupten, dass das Autofahren aus eigener Kraft geschieht. Es geschieht aus der chemischen Energie, die im Benzin ist. Da ich in der Regel Fahrrad fahre, wei\u00df ich allzu gut, wie sehr sich ein Fahren aus eigener Kraft von einem Fahren mit fremder \u201eKraft\u201c unterscheidet. In 2. Petr. 1,3 hei\u00dft es: \u201eDa seine g\u00f6ttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und [zum Wandel in] Gottesfurcht dient\u201c Unser Anteil an der Heiligung besteht darin, dass wir die Gnadenmittel Gottes voll in Anspruch nehmen. Man missversteht die Botschaft des Evangeliums, wenn man meint, dass sie eine Legitimation f\u00fcr ein halbherziges Christenleben sei. Gerade weil uns in Christus alle Gnade zur Heiligung gegeben ist, lautet das Motto des Evangeliums: \u201eHeiligung \u2013 jetzt erst recht!\u201c<br \/>\nWir haben in der letzten Lektion erfahren, dass Gott die Leiden der Hebr\u00e4er gebrauchte um sie zu z\u00fcchtigen. Dies erinnert an R\u00f6m. 8,28, wo es hei\u00dft: \u201eWir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.\u201c Probleme, Konflikte, Leiden, besondere Herausforderungen, unerf\u00fcllte W\u00fcnsche u.\u00c4. gebraucht Gott, um seine Kinder zu formen, sodass sie dem Bild Christi \u00e4hnlicher werden. Insofern sind auch solche Dinge Gnade.<br \/>\nWas ist aber, wenn man diese Dinge nicht als Gnade Gottes annimmt? Betrachten wir hierzu das Ende von Vers 15. Es kommt zur Bitterkeit. Verbitterte Menschen murren, sind unzufrieden und reden schlecht \u00fcber Menschen, die Umst\u00e4nde und damit letztendlich auch gegen Gott. In der Gemeinde \u00fcben sie einen destruktiven Einfluss aus. Sie stecken andere mit ihrer Bitterkeit an, sodass durch sie viele verunreinigt werden. F\u00fcr die restlichen, die sich nicht von ihnen beeinflussen lassen, sind sie eine Last. Bitterkeit ist also kein kleines Problem. Daher darf die Wurzel von Bitterkeit erst gar nicht aufsprie\u00dfen. Bitterkeit sollte schon in seinen Anf\u00e4ngen identifiziert und behandelt werden. Hierzu wieder ein Bild: Ein kleines Pfl\u00e4nzchen woanders zu verpflanzen, erfordert nicht viel Aufwand. Was ist aber, wenn aus diesem Pfl\u00e4nzchen ein Baum geworden ist? Dann ist das Verpflanzen \u00e4u\u00dferst aufwendig.<br \/>\nWas ist die Wurzel der Bitterkeit? Betrachten wir hierzu Vers 16. Im Vers 16 kommt der Apostel auf die alttestamentliche Person Esau zu sprechen. Er wird als Gottloser bezeichnet, weil er wegen einer Speise sein Erstgeburtsrecht verkauft hatte. In 1. Mose 25,34 hei\u00dft es: \u201eSo verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.\u201c Er hatte die Gnade Gottes leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Er hatte keine Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber dem Segen bzw. der Gnade Gottes. Die Wurzel der Bitterkeit ist, dass man die Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber der Gnade Gottes verliert. Folglich kann man besondere Umst\u00e4nde nicht als Gnade annehmen. Man wird verbittert.<br \/>\nAngesichts der schrecklichen Leiden waren die Hebr\u00e4erchristen versucht, ihre Hoffnung \u00fcbers Bord zu werfen und als verbitterte Menschen zu verenden. Doch was sollten sie aus dem Beispiel Esau lernen? Das Resultat davon, dass Esau den Segen bzw. die Gnade Gottes verachtete, wird am Ende von Vers 17 beschrieben. Dieser Teil vom Vers ist aber nicht so einfach zu verstehen. Was bedeutet das, dass Esau die Bu\u00dfe mit Tr\u00e4nen suchte? In 1. Mose wird nichts dar\u00fcber berichtet, dass Esau Bu\u00dfe tun wollte &#8211; vielmehr das Gegenteil: Er wollte hernach noch seinen Bruder umbringen. In 1. Mose wird berichtet, dass er nicht die Bu\u00dfe, sondern den Segen mit Tr\u00e4nen suchte. Esau sagte n\u00e4mlich zu seinem Vater: \u201eHast du \u27e8nur diesen\u27e9 einen Segen, mein Vater? Segne mich, auch mich, mein Vater! Und Esau erhob seine Stimme und weinte.\u201c Man kann den letzten Teil von Vers 17 auch so \u00fcbersetzen: \u201eobgleich er ihn (also den Segen) mit Tr\u00e4nen suchte.\u201c Jedenfalls passt diese \u00dcbersetzung besser zu dem Bericht aus Genesis. Dass ein Mensch mit Tr\u00e4nen Gott um Vergebung bittet, aber Gott sagt: \u201eNe, mache ich nicht\u201c \u2013 daf\u00fcr kenne ich in der gesamten Bibel keim Beispiel. Der Ausdruck \u201efand keinen Raum zur Bu\u00dfe\u201c bekr\u00e4ftigt die Auslegung, dass Esau nicht Bu\u00dfe tat, eben weil er keine Bu\u00dfe mehr tun konnte. Zusammengefasst: Obwohl Esau den Segen mit Tr\u00e4nen suchte, konnte er seine Entscheidung nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Das Beispiel Esau ist eine Warnung, Gottes Gnade nicht als etwas Billiges anzusehen, sondern sie hochzuachten.<br \/>\nWie half der Apostel den Hebr\u00e4ern die Gr\u00f6\u00dfe der Gnade und Segen Gottes neu zu sehen?<\/p>\n<p><strong>Teil 3: Die Gr\u00f6\u00dfe der Gnade im Neuen Bund (V. 18 \u2013 29)<\/strong><br \/>\nBetrachten wir die Verse 18 bis 24. Als Gott dem Volk Israel die 10 Gebote gab, war seine Erscheinung furchterregend. Sie wird mit den W\u00f6rtern \u201eDunkel\u201c und \u201eFinsternis\u201c, \u201ebrennender Berg\u201c, \u201eUngewitter\u201c, \u201ePosaunenschall\u201c und \u201eunertr\u00e4glichen Worten\u201c beschrieben. Gott erschien den Israeliten als einen unnahbaren, gef\u00e4hrlichen und bedrohenden und nicht zuletzt als einen unheimlichen Gott. Seine Worte waren 0,0 Gnade, so unertr\u00e4glich, dass die Israeliten Mose baten, dass Gott nicht mehr mit ihnen reden solle. So wie Gott den Israeliten auf dem Berg Sinai begegnet war, ebenso haben auch wir es aufgrund unserer S\u00fcndhaftigkeit verdient, dass Gott uns als einen unnahbaren, gef\u00e4hrlichen, bedrohenden und nicht zuletzt als einen unheimlichen Gott begegnet. 0,0 Gnade &#8211; das ist unsere eigentliche Lage.<br \/>\nDoch in den Vers 22-24 erfahren wir, wie Gott mit uns in Wirklichkeit umgeht: Hier ist nicht mehr von einem brennenden Berg die Rede, sondern vom Berg Zion, der f\u00fcr Gottes Heil und Segen steht; es ist nicht mehr von einem unnahbaren Gott die Rede, sondern von einem willkommenden Gott, ein Gott, der ins himmlische Jerusalem, wo auf die Gl\u00e4ubigen eine Festversammlung mit Myriaden von Engeln wartet, willkommen hei\u00dft; nicht mehr von der Androhung des Todes, sondern von einem vollen Anteil am Heil, n\u00e4mlich am himmlischen Jerusalem, der Gemeinde, an dem Mittler Jesus und seinem Blut. Abels Blut klagte vor Gott an, Jesu Blut aber rechtfertigt uns. Nicht mehr von unertr\u00e4glichen Worten ist die Rede, sondern von Namen, die in den Himmeln angeschrieben sind, also von voller Gnade; nicht mehr ist von einem ohnm\u00e4chtigen Mittler, der selber sich f\u00fcrchtete und zitterte, die Rede, sondern von Jesus, dem Mittler des neuen Bundes. Durch den Kontrast zum Alten Testament leuchtet die Gnade Gottes noch mehr auf. Wer einmal die Wertsch\u00e4tzung der Gnade und Segen Gottes verloren hat, hole sich einmal in Erinnerung, was seine eigentliche Lage vor Gott w\u00e4re. Der denke dar\u00fcber nach, wie Gott ihm aufgrund seiner S\u00fcndhaftigkeit eigentlich begegnen m\u00fcsste. Eine gr\u00f6\u00dfere Gnade bedeutet aber nicht nur eine gr\u00f6\u00dfere Wertsch\u00e4tzung, sondern auch mehr Verantwortung. Daher die Ermahnung in Vers 25: \u201eHabt acht, dass ihr den nicht abweist, der redet!\u201c Hebr. 1,1 -2 hei\u00dft es: \u201eNachdem Gott vielf\u00e4ltig und auf vielerlei Weise ehemals zu den V\u00e4tern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn.\u201c Gottes Reden zu uns geschah am deutlichsten durch seinen Sohn, viel deutlicher als durch die Propheten. Denn nirgendswo klarer, als in seinem Sohn, k\u00f6nnen wir Gottes Liebe und Barmherzigkeit h\u00f6ren. Gerade dieses Reden durch Seinen Sohn abzuweisen, hat ein viel heftigeres Gericht zu Folge als das Gesetz abzuweisen. Im Kontext der vorherigen Verse bedeutet \u201eAbweisen\u201c, dass die Botschaft des Evangeliums ohne praktische Konsequenzen der Heiligung bleibt.<br \/>\nWelche Schlussfolgerung sollen wir aus dem Ganzen ziehen? Betrachten wir hierzu Vers 28. Die Schlussfolgerung ist Dankbarkeit! Nach mehreren anderen \u00dcbersetzungen steht zwischen dem Wort \u201edankbar\u201c und \u201edienen\u201c das Wort \u201ewodurch\u201c. Echte Dankbarkeit zeigt sich also darin, dass man Gott dienen m\u00f6chte. Denn wie kann man von Dankbarkeit sprechen, wenn man nicht das Anliegen hat, Gott zu dienen?<br \/>\nEin Dienen, das Gott gef\u00e4llt, ist ein Dienen mit Scheu und Furcht! Wer h\u00e4tte das gedacht? Wir w\u00fcrden eher erwarten, dass da so etwas steht wie \u201eDienen mit Freude\u201c oder \u201eDienen vom Herzen\u201c, aber nein, dasteht: \u201emit Scheu und Furcht\u201c. Was bedeutet das? Damit ist nicht die sklavische Furcht gemeint. Es geht hier nicht darum, aus Angst vor Gott zu dienen. Es geht um eine Furcht, die aus der Hochachtung gegen\u00fcber der Gnade Gottes kommt. Lasst mich mal versuchen, das an einem Bild zu erkl\u00e4ren: Angenommen du hast ein teures elektrisches Ger\u00e4t gekauft, wie zum Beispiel ein hochqualitatives Laptop. Gerade weil es so wertvoll ist, geht man damit sehr vorsichtig um. Man w\u00fcrde es niemals werfen, nicht einmal mit dreckigen H\u00e4nden anfassen. Bildschirm darf nur mit einem Mikrofasertuch gereinigt werden. Niemand darf an den Computer dran, als nur du allein usw. Kurz gesagt: Man geht damit hochachtungsvoll um, gerade weil man wei\u00df, wie wertvoll dieses Ger\u00e4t ist. Und so ist es auch mit der Gnade. Wer verstanden hat, wie kostbar diese Gnade ist, geht mit ihr nicht leichtfertig um, sondern mit Hochachtung, oder wie es der Apostel sagt: mit \u201eScheu und Furcht\u201c. Stell dir vor, jemand benutzt seinen nigelnagelneuen Laptop als Fu\u00dfabtreter. Wir k\u00f6nnten uns so etwas nicht ansehen. Es tut regelrecht weh. Noch grausamer ist es, mit der Gnade Gottes, die ja noch viel kostbarer ist, leichtfertig umzugehen. In 1. Kor 6,20 hei\u00dft es: \u201eDenn&nbsp;ihr seid teuer erkauft; darum verherrlicht Gott in eurem Leib\u201c. In der zweiten Strophe von \u201eamazing grace\u201c hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Die Gnade hat mich Furcht gelehrt und auch von Furcht befreit<br \/>\nseitdem ich mich zu Gott bekehrt bis hin zur Herrlichkeit.<\/p>\n<p>Das ist je genau das: Die Gnade befreit uns einerseits von der Angst des Gerichts, andererseits lehrt sie uns auch Gottesfurcht. Schlie\u00dflich hei\u00dft es: \u201edenn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.\u201c Im Neuen Testament wird die Heiligkeit Gottes zwar von der Gnade Gottes \u00fcberstrahlt1, aber nicht aufgehoben. Wir haben es nach wie vor mit einem heiligen Gott zu tun. Dies zu wissen, hilft uns, die Gnade Gottes nicht als selbstverst\u00e4ndlich anzusehen, sondern ihr mit Hochachtung zu begegnen.<\/p>\n<p>___________<br \/>\n1 Vgl. Laubach, F. in: Wuppertaler Studienbibel, S. 268. SCM R. Brockhaus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Ermahnung zur Heiligung \u201eJagt nach dem Frieden mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird!\u201c (Hebr\u00e4er 12,14) Seit einer Woche hat wieder die Schule begonnen. Das Schuljahr neigt sich wieder dem Ende zu. Gegen Ende des Schuljahres fanden ja gew\u00f6hnlicherweise die Bundesjugendspiele statt. 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