{"id":10128,"date":"2021-06-06T11:00:26","date_gmt":"2021-06-06T09:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10128"},"modified":"2022-11-18T12:19:00","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:00","slug":"predigt-hebraeer-121-13-sonderlektion-6a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-hebraeer-121-13-sonderlektion-6a\/","title":{"rendered":"Predigt: Hebr\u00e4er 12,1-13 (Sonderlektion 6a)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/SL6-Hebr_12_1-13-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Marathon<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eund dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Hebr\u00e4er 12,2 nach E\u00dc)<\/p>\n<p>Der Hebr\u00e4erbrief wurde an Judenchristen geschrieben, die unter erheblichen Verfolgungen litten. Die ersten Leser hatten eine brennende Frage: \u201eLohnt es sich \u00fcberhaupt noch, Christ zu sein? In Anbetracht der ganzen Leiden, die man hat, der Verfolgungen, Konflikte, ist es nicht besser, den christlichen Glauben, \u00fcber Bord zu werfen?\u201c Die Antwort lautet: nat\u00fcrlich nicht. In Kapitel 11 hatten wir gesehen, dass der Autor von Hebr\u00e4er eine ganze Reihe von bekannten Pers\u00f6nlichkeiten aus dem AT vorstellt, die alle aus Glauben gelebt hatten. Und die Botschaft an die Empf\u00e4nger des Briefes war: \u201eDas k\u00f6nnt ihr auch. Gebt euren Glauben nicht auf.\u201c<br \/>\nDer Text heute erkl\u00e4rt, wie die Leiden im christlichen Leben zu verstehen sind. Mindestens drei Punkte kann man im heutigen Text dazu lernen: erstens, wozu wir berufen sind; zweitens, was wir daf\u00fcr ben\u00f6tigen; drittens, worauf wir schauen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Erstens, wozu wir berufen sind<br \/>\nDie Frage war, warum das Leben der ersten Christen so schmerzhaft war. Und die erste Antwort darauf ist, dass das christliche Leben ein Lauf ist. Vers 1: \u201eDarum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die S\u00fcnde abwerfen, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt\u2026\u201c Der Autor von Hebr\u00e4erbrief ist nicht der einzige Schreiber, der das christliche Leben mit einem Lauf vergleicht. An die Galater schrieb Paulus: \u201eIhr lieft so gut!\u201c Das ist zu verstehen als ein: ihr habt euer Leben so vorbildlich gelebt! Oder in Jakobus 1,12 hei\u00dft es: \u201eSelig der Mann, der in der Versuchung standh\u00e4lt. Denn wenn er sich bew\u00e4hrt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verhei\u00dfen ist, die Gott lieben.\u201c Siegeskranz ist ein Bild, das wir nicht so h\u00e4ufig in unserem Sprachgebrauch verwenden. Aber es ist trotzdem offensichtlich, was damit gemeint ist: am Ende des Laufs gibt es eine Siegerehrung. Und um noch einmal Paulus zu zitieren, am Ende seines Lebens schrieb er an Timotheus: \u201eIch habe den guten Kampf gek\u00e4mpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.\u201c Immer und immer wieder wird im NT unser Leben mit einem Lauf verglichen. Warum?<br \/>\nIch glaube, dass die Autoren des NT ein grunds\u00e4tzliches Prinzip des menschlichen Lebens verstanden hatten: wir Menschen wurden dazu gemacht zu laufen. Unser K\u00f6rperbau, unsre Physis, unsere Veranlagung sprechen allesamt daf\u00fcr. Wenn wir uns in einem langen Lauf befinden, tun unsere K\u00f6rper nichts anderes als das, wof\u00fcr sie bestimmt sind. Tobias H\u00fcrter schrieb f\u00fcr die Zeit einen Artikel mit dem Titel \u201eLaufen Sie den Ultramarathon\u201c. Er macht einige sehr interessante Beobachtungen, wie ich finde. \u201eVerglichen mit anderen Tieren, sind wir nur mittelm\u00e4\u00dfige Athleten. Wir schwimmen nicht schnell, tauchen nicht tief, springen nicht weit und sind nicht sonderlich stark. Wir sind miserable Sprinter. \u2026 Menschen brauchen ihr ganzes erstes Lebensjahr, um \u00fcberhaupt erst gehen zu lernen, und ihr ganzes erstes Lebensjahrzehnt, bis sie richtig rennen k\u00f6nnen. Und selbst dann sprintet uns noch jeder \u00fcbergewichtige Stadthund davon. Die schnellsten Menschen laufen die 100 Meter in zehn Sekunden. Ein Gepard schafft sie in f\u00fcnf Sekunden. Pferde und Windhunde halten minutenlang die doppelte H\u00f6chstgeschwindigkeit menschlicher L\u00e4ufer. Aber dann geht ihnen die Puste aus. Auf die Dauer k\u00f6nnen wir sie alle wieder einholen. Im Langstreckenlauf sind Menschen Weltklasse.\u201c<br \/>\nAber hier ist noch mehr: \u201eDarum wollen auch wir, dir wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben\u2026\u201c Der Verfasser sagt, dass eine Menge von Zeugen um uns herum ist, wie eine Wolke. Ich habe vor viereinhalb Jahren angefangen mit dem Laufen. Mein Bruder macht sich \u00f6fters lustig dar\u00fcber, dass ich so langsam laufe. Au\u00dfer dass es mich verletzt, macht das nichts, weil ich meistens alleine laufe. Aber 2019 habe ich mit Kollegen und Freunden zum ersten Mal bei \u00f6ffentlichen 10 Kilometer L\u00e4ufen mitgemacht. Das ist eine komplett andere Erfahrung. Es bedeutet nicht, dass der Lauf nicht anstrengend ist. Es bedeutet auch nicht, dass der Lauf nicht wehtut. Und trotzdem ist alles anders. Man wird ein wenig von der Menge mitgetragen. Das Bild, das Hebr\u00e4er 12 zu zeichnen scheint, sind die letzten Kilometer nach einem langen Lauf. Links und rechts stehen hunderte und dann tausende von Zuschauer. Sie jubeln uns zu. Es sind die Helden des Glaubens, die den Lauf bereits vor uns gemacht haben. Sie haben das Ziel bereits erreicht und warten auf uns. Das ist die Gemeinschaft, in der wir laufen.<br \/>\nNoch ein wichtiger Gedanke: wir haben gesehen, dass der Lauf, zu dem wir berufen sind, ein Langstreckenlauf ist. Vers 1 sagt: \u201eLasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt.\u201c Es braucht Ausdauer. Beim Thema Sport f\u00fchlen sich h\u00e4ufig M\u00e4nner etwas mehr angesprochen als die Frauen. Und gerade deshalb ist die n\u00e4chste Beobachtung sehr interessant und relevant f\u00fcr die Damen unter uns: beim Langlauf sitzen Frauen und M\u00e4nner im gleichen Boot. Beim 100 Meter Lauf w\u00fcrde man Frauen und M\u00e4nner in der Regel nicht direkt gegeneinander antreten lassen. Der Weltrekord bei den Frauen liegt bei 10,49 Sekunden. Bei M\u00e4nnern liegt er bei 9,58 Sekunden (dank Usain Bolt muss man hierzu sagen). In der Welt des Sprints sind das Lichtjahre. Anders gesagt: eine Frauen-Weltrekordzeit zu laufen, w\u00fcrde f\u00fcr M\u00e4nner noch nicht einmal ausreichen, um sich f\u00fcr die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Aber je mehr sich die Laufdistanzen verl\u00e4ngern, desto unerheblicher werden die Unterschiede zwischen M\u00e4nnern und Frauen. Der Grund ist einfach: die kurzen Distanzen werden vor allem durch Kraft entschieden. Und da sind M\u00e4nner den Frauen \u00fcberlegen. Aber je l\u00e4nger die Distanzen werden, desto unerheblicher wird die Kraft und desto mehr wird der Lauf durch Ausdauer entschieden; und durch die F\u00e4higkeit, schmerzresistent zu sein. D.h., Frauen sind im Prinzip genau so gute Langstreckenl\u00e4ufer wie M\u00e4nner.<br \/>\nUnser Leben im Glauben ist kein Sprint. Es ist ein Marathon. Es geht nicht darum der Schnellste zu sein. Es geht darum, ans Ziel zu kommen. Es geht nicht darum, wie viele wir unterwegs \u00fcberholen. Es geht darum, ob wir \u00fcberhaupt bis zum Ende laufen und k\u00e4mpfen und durchhalten. Johannes Hartl berichtet von einer Statistik, in der Christen, die schon lange gl\u00e4ubig sind, zu ihrem geistlichen Leben befragt wurden. Es wurden folgende drei Fragen gestellt: \u201eIch erlebe, dass mich der Gottesdienst aufbaut. Ich erlebe, welche verwandelnden Auswirkungen der Glaube auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche hat. Zeiten des Gebets sind f\u00fcr mich eine inspirierende Erfahrung.\u201c Manche von den Befragten waren eine Jahr gl\u00e4ubig, andere 5 Jahre, 10-19 Jahre oder mehr als 20 Jahre. Erschreckenderweise wurde folgendes Ph\u00e4nomen festgestellt: je l\u00e4nger die Leute gl\u00e4ubig sind, desto negativer die Bewertung: Gottesdienst wird unwichtiger, das Gebet wird weniger hilfreich, der Glaube verliert an Kraft, je l\u00e4nger die Personen in einer Beziehung mit Gott leben.<br \/>\nDas ist eine deprimierende Statistik. Wie ist es bei uns? Wie ist es bei dir? F\u00fcr mich pers\u00f6nlich kann ich sagen, dass es leider zutrifft; dass ich mir w\u00fcnschen w\u00fcrde, dass meine Beziehung jedes Jahr mehr an Tiefe gewinnt. Wenn es euch \u00e4hnlich gehen sollte, vielleicht liegt es daran, dass wir das christliche Glaubensleben wie ein Sprint angegangen sind. Vielleicht liegt es daran, dass wir Hals \u00fcber Kopf losgerannt bis wir an einem Punkt angekommen sind, an dem uns die Puste ausgegangen ist. Vielleicht gibt es unter uns einige, die sich innerlich leer f\u00fchlen. Vielleicht sind manche von uns m\u00fcde, ersch\u00f6pft und auch ausgebrannt.<br \/>\nWenn es dir so ergehen sollte, dann gibt uns dieser Text Hoffnung. Der Lauf geht weiter. Und wir d\u00fcrfen jetzt lernen, uns die Dinge anzugew\u00f6hnen, die uns helfen k\u00f6nnen, den Lauf erfolgreich zu beenden. Es geht hier nicht um das, was wir tun, damit es uns kurzfristig besser geht; damit wir kurzfristig wieder mehr Benzin im Tank haben; damit wir kurzfristig wieder etwas \u201eon fire\u201c sind. Kennt ihr das: man hat gerade ein neues Di\u00e4tprogramm angefangen; am Anfang geht man dreimal am Tag auf die Waage, um zu schauen, ob man auch wirklich abnimmt. Das Problem ist, dass unser K\u00f6rpergewicht nat\u00fcrlichen Schwankungen unterworfen ist. D.h., das Abnehmen sieht man nicht sofort. Man sieht es erst sp\u00e4ter in der Summe nach einigen Wochen oder Monaten. Im geistlichen Leben machen wir das vielleicht auch so: dreimal am Tag auf die Waage, um zu sehen, ob es uns schon besser geht. Und darum geht es nicht. Die Frage ist, was wir tun k\u00f6nnen, um nachhaltig etwas zu ver\u00e4ndern. Was k\u00f6nnen wir tun, damit wir l\u00e4ngerfristig tiefer in Gott verwurzelt sind; damit l\u00e4ngerfristig unsere Freude am Herrn w\u00e4chst; damit l\u00e4ngerfristig unser Gebetsleben Kraft und Dynamik entwickelt? Das Ermutigende ist: Ausdauer l\u00e4sst sich lernen. Es gibt kleine Schritte, die wir unternehmen k\u00f6nnen: kleine Schritte, die am Anfang nach gar nichts aussehen; aber die \u00fcber ein Jahr gesehen oder ein ganzes Leben gesehen einen riesigen Unterschied ausmachen k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd das bringt uns zum n\u00e4chsten Punkt.<\/p>\n<p>Zweitens, was wir dazu ben\u00f6tigen<br \/>\nWas ist es, was wir brauchen? Die Antwort finden wir in den Versen 4-11. Die Schlussfolgerung finden wir in Vers 11: \u201eJede Z\u00fcchtigung scheint zwar f\u00fcr den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Leid; sp\u00e4ter aber gew\u00e4hrt sie denen, die durch sie geschult worden sind, Gerechtigkeit als Frucht des Friedens.\u201c Die Verse 4-11 scheinen auf der einen Seite das Thema abrupt zu wechseln. Aber es geht immer noch um die Frage, wie wir Leiden und Schmerzen mit dem christlichen Leben in Einklang bringen. Die erste Antwort darauf war, dass das christliche Leben ein langer Lauf ist, der entsprechend schmerzhaft ist. Und die andere Antwort ist, dass die Leiden, die wir erfahren, Gottes Z\u00fcchtigung sind. Wie h\u00e4ngt das mit dem Laufen zusammen? Der Verfasser verwendet in Vers 11 ein interessantes Wort gymnazo. Es bedeutet \u00fcben, trainieren, schulen. Direkt danach folgt dann in den Versen 12 und 13 die Ermutigung: \u201eDarum macht die erschlafften H\u00e4nde und die wankenden Knie wieder stark und schafft ebene Wege f\u00fcr eure F\u00fc\u00dfe, damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt, sondern vielmehr geheilt werden!\u201c D.h., es geht hier um unser Training, unsere St\u00e4rkung, unsere Bef\u00e4higung f\u00fcr unser christliches Leben (der Lauf).<br \/>\nLeiden sind Gottes Z\u00fcchtigung und Erziehung f\u00fcr uns. Und das ist auf jeden Fall ein Gedanke, mit dem wir uns n\u00e4her auseinandersetzen m\u00fcssen. Wir sind es \u00fcberhaupt nicht gew\u00f6hnt, in diesen Kategorien \u00fcber Leiden nachzudenken. Stellen wir uns vor, dass uns etwas Schlimmes passiert: wir haben einen Unfall; wir erwischen unsere Kinder dabei, wie sie etwas Bl\u00f6des tun, wie Drogen zu nehmen; wir erfahren Krankheit und Schmerzen; ein enger Bekannter oder Freund verstirbt pl\u00f6tzlich. Unser erster Gedanke ist nicht: ich sehe schon, Gott will mich gerade wieder erziehen. Das ist mit Sicherheit das Letzte, was wir denken. Aber der Verfasser von Hebr\u00e4er 12 pocht darauf. Er sagt, dass es haargenau das ist, was uns widerf\u00e4hrt. Vers 7: \u201eEs dient zu eurer Erziehung, wenn ihr dulden m\u00fcsst. Wie mit Kindern geht Gott mit euch um. Denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht z\u00fcchtigt?\u201c Es erweckt den Anschein, als ob die schlechten Dinge, die uns passieren, intrinsisch gut sind.<br \/>\nBevor wir fortfahren, m\u00fcssen wir uns \u00fcber zwei Dinge im Klaren sein. Das eine ist, Gott ist nicht f\u00fcr das B\u00f6se verantwortlich. Wisst ihr, es l\u00e4sst sich einfach sagen: \u201eImmer wenn du gerade leidest, denke dran: Gott tut das nur zu deinem Besten, um dich zu erziehen. Also mach nicht so ein Gesicht.\u201c Wir haben in Hebr\u00e4er 10 gesehen, was f\u00fcr Leiden die Leser des Briefes hatten. Kapitel 10,32 spricht von einem harten Leidenskampf. Verse 33 und 34: \u201eda ihr durch Beschimpfungen und Bedr\u00e4ngnisse \u00f6ffentlich zur Schau gestellt wurdet oder mitgetroffen gewesen seid vom Geschick derer, denen es so erging; denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und auch den Raub eures Verm\u00f6gens mit Freuden hingenommen\u2026\u201c Die Christen wurden an den Pranger gestellt; sie wurden \u00f6ffentlich gedem\u00fctigt und beschimpft; sie wurden ins Gef\u00e4ngnis geworfen; ihr Hab und Gut wurde gepl\u00fcndert. Und wenn wie das Gl\u00fcck hatten, all das nicht am pers\u00f6nlichen Leib erfahren zu haben, dann kannten sie zumindest andere Christen in ihrem unmittelbaren Bekannten- und Verwandtenkreis, denen genau das zugesto\u00dfen war. Aus der Geschichte wissen wir, dass das erst der Anfang der Leiden war, und dass unter den ersten Christen sehr viele als M\u00e4rtyrer starben.<br \/>\nFrage: war das, was diesen Christen angetan wurde, Bosheit? War es niedertr\u00e4chtig? War es ungerecht? Und die Antwort ist: absolut ja! Das, was ihnen angetan wurde, war schrecklich. Es war nicht gut. Und genau deshalb ist es so wichtig zu differenzieren. Es war nicht Gott, der ihnen das angetan hatte. Es waren ihre Mitmenschen. Es waren die M\u00e4chtigen, die Amts- und W\u00fcrdentr\u00e4ger ihrer Zeit, die daf\u00fcr verantwortlich waren. D.h., wenn wir lesen, dass Gott uns z\u00fcchtigt, sollen wir das nicht missverstehen als ob Gott derjenige w\u00e4re, der diese Bosheit initiiert hat. Wenn wir mit schlimmen und tragischen Ereignissen konfrontiert werden, ist es erst einmal nicht Gott, der uns das antut. Gott ist nicht f\u00fcr das B\u00f6se verantwortlich.<br \/>\nWas bedeutet es dann, dass Gott uns z\u00fcchtigt? Einer der aufschlussreichsten und wichtigsten Verse dazu ist Genesis 50,20. Josef spricht zu seinen Br\u00fcdern: \u201eIhr habt B\u00f6ses gegen mich im Sinne gehabt, Gott aber hatte dabei Gutes im Sinn, um zu erreichen, was heute geschieht: viel Volk am Leben zu erhalten.\u201c Die Br\u00fcder von Josef hatten mit Sicherheit nichts Gutes im Sinn gehabt, als sie Josef in die Grube geworfen und ihn als Sklaven verkauft hatten. Aber Gott hat diese b\u00f6se Tat so gebraucht, dass maximal viel Gutes dadurch entstanden ist: die Rettung von vielen Menschenleben, die Ver\u00e4nderung von Josef zu einer gro\u00dfartigen Pers\u00f6nlichkeit und die Umkehr von seinen Br\u00fcdern. Hier ist das, was Gott also tut: Gott nimmt das Kaputte dieser Welt, und wendet es auf das Kaputte in unserem Leben an; Gott nimmt das Zerbrochene dieser Welt und wendet es auf das an, was in unserem Leben zerbrochen ist; Gott nimmt die S\u00fcnde in der Welt und wendet sie so auf uns an, dass unsere S\u00fcnde konfrontiert und behandelt wird. Er tut es mit der Pr\u00e4zision eines Chirurgen, so dass es uns nicht zerst\u00f6rt. Und er tut es mit der Liebe eines Vaters, so dass es in uns das Beste hervorbringt.<br \/>\nDas ist es, was Vers 11 sagt: \u201eJede Z\u00fcchtigung scheint zwar f\u00fcr den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Leid; sp\u00e4ter aber gew\u00e4hrt sie denen, die durch sie geschult worden sind, Gerechtigkeit als Frucht des Friedens.\u201c Leiden sind Gottes Schule und Gottes Training, um uns heiliger zu machen. Er erzieht uns dadurch zu besseren Menschen.<br \/>\nUm kurz zusammen zu fassen: das Leben ist ein Marathonlauf; nat\u00fcrlich ist es schmerzhaft, ihn zu laufen. Aber Gott wendet die Leiden so auf unser Leben an, dass es uns nicht zerst\u00f6rt, sondern dass wir dadurch geheiligt werden.<\/p>\n<p>Drittens, worauf wir schauen<br \/>\nLeiden k\u00f6nnen in Menschen entweder Positives oder Negatives hervorbringen. Leiden f\u00fchren entweder dazu, dass Menschen verbittern und zynisch werden. Oder aber, Leiden f\u00fchren dazu, dass wir reife, gro\u00dfartige Menschen werden. Es besteht kein Zweifel daran, dass tragische Ereignisse, Ungl\u00fcck, Unrecht uns kaputt machen k\u00f6nnen. Es kann auf zwei unterschiedliche Dinge geschehen: wir denken entweder, dass wir das Leid nicht verdient haben oder wir denken, dass uns das Leid als Strafe geschehen ist, weil wir es verdient haben.<br \/>\nWenn wir denken, dass wir die schlechten Dinge nicht verdient haben, dann tun wir das, weil wir selbstgerecht sind. Und dann f\u00fchren Trag\u00f6dien dazu, dass wir uns emp\u00f6ren, dass wir zornig werden auf Gott und auf die Welt: \u201ewie konntest du mir das antun? Wie konntest du nur so etwas in meinem Leben zulassen? Was habe ich getan, um so etwas zu verdienen?\u201c H\u00e4ufig ist die Reaktion dann, dass wir zynisch werden. Wir werden aggressiv. Wir werden unf\u00e4hig, mit anderen Menschen eine echte Beziehung einzugehen, weil Bitterkeit und Zorn ein Teil von uns sind.<br \/>\nAuf der anderen Seite: wenn wir unter dem Gedanken leiden, dass wir das B\u00f6se verdient haben, dann liegt das oftmals daran, dass wir uns selbst verdammen. Wenn wir von Trag\u00f6dien heimgesucht werden, denken wir: \u201eDas ist ja klar, dass das wieder mir passiert. Ich habe es ja nicht anders verdient, weil ich so schlecht bin. Wer sollte dann auch etwas Gutes f\u00fcr mich \u00fcbrig haben.\u201c Und das wirklich Tragische ist, dass es von Gedanken begleitet wird wie: \u201eGott bestraft mich. Gott liebt mich nicht.\u201c Und das wiederum macht uns zu deprimierten, niedergeschlagenen Menschen. Es macht uns zu traurigen Fr\u00fcchtchen, die sich einfach nur selbst bemitleiden und sich selbst gei\u00dfeln.<br \/>\nLeiden k\u00f6nnen uns wirklich kaputt machen, wenn wir auf uns selbst fokussiert sind. Beide Haltungen sind eine Form von Selbstzentriertheit. Was sollen wir stattdessen tun? Vers 2 sagt: \u201eund dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.\u201c Nat\u00fcrlich lautet die Antwort: auf Jesus blicken. Wenn wir auf Jesus blicken, was sehen wir dann? Wir sehen Jesus, den Urheber und Vollender des Glaubens, der die schlimmsten Leiden und den Tod selbst auf sich genommen hat. Er ist das absolute und vollkommene Vorbild. Wir treten in seine Fu\u00dfstapfen.<br \/>\nJesus ist aber nicht einfach nur unser Vorbild. Er ist soviel mehr als das. Die Lutherbibel ist die einzige \u00dcbersetzung, die an dieser Stelle ein \u201eobwohl\u201c setzt: \u201eobwohl er h\u00e4tte Freude haben k\u00f6nnen, das Kreuz erduldete\u2026\u201c Alle anderen \u00dcbersetzungen schreiben hier \u201ewegen\u201c. Elberfelder \u00dcbersetzung sagt hier: \u201eindem wir hinschauen auf Jesus, den Anf\u00e4nger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen, die Schande nicht achtete\u2026\u201c Oder etwas freier die Neue Genfer \u00dcbersetzung: \u201eWeil Jesus wusste, welche Freude auf ihn wartete, nahm er den Tod am Kreuz auf sich.\u201c Warum litt Jesus? Jesu litt nicht mit Z\u00e4hneknirschen und Widerwillen. Jesus litt wegen der Freude, die auf ihn wartete.<br \/>\nWelche Freude erwartete auf Jesus? War es die R\u00fcckkehr zum Vater? War es die Herrlichkeit des Himmels? Was hat Jesus durch das Kreuz gewonnen, was er nicht vorher schon hatte? Die Antwort ist: wir. Jesus hat uns durch seinen Tod gewonnen. Wir sind die Freude Jesu. Jesus sah auf die Leiden und das Kreuz auf der einen Seite. Und er sah die Freude \u00fcber unsere Rettung. Die Freude, uns zu haben \u00fcberwog jedes Leid. Jesus litt, weil er sich dar\u00fcber freute, uns zu haben. Jesus freut sich \u00fcber dich. Das ist es, worauf wir schauen sollen, wenn wir leiden.<br \/>\nWenn wir auf diesen Jesus sehen, dann verstehen wir zwei Dinge: zum einen, wir haben jedes Leid der Welt verdient; und zum anderen d\u00fcrfen wir gleichzeitig wissen, dass kein Leid, das uns widerf\u00e4hrt, eine Strafe Gottes ist. Jesus, der Urheber und Vollender des Glaubens, hat unsere Strafe getragen. Am Kreuz hat der Vater seinen Sohn im Stich gelassen, um uns f\u00fcr alle Zeiten ein Vater zu werden. Ein guter Vater bestraft seine Kinder nicht. Ein guter Vater diszipliniert seine Kinder. Strafe bedeutet Vergeltung. Strafe ist der Versuch, Gerechtigkeit herzustellen: \u201edu hast mir weh getan, also tue ich dir weh\u201c. Disziplinierung hingegen bedeutet Zurechtweisung. Wir finden im ganzen NT keine einzige Stelle, die im Zusammenhang von Gott und seinen Kindern von Strafe spricht. Gott erzieht uns und diszipliniert uns; aber er wird uns nie, niemals bestrafen. Der Grund ist, weil Jesus am Kreuz die Strafe empfangen hat, die wir verdient h\u00e4tten.<br \/>\nSchau auf Jesus. Jesus ist nicht nur unser Vorbild und unsere Inspiration. Er ist so viel mehr als das. Jesus ist derjenige, der unsere m\u00fcden Herzen st\u00e4rkt. Er ist derjenige, der uns ermutigt, wenn wir am Boden sind. Er ist derjenige, der unser Leid in Freude verwandelt. Er ist derjenige, der uns aufhilft, den Lauf zu Ende zu laufen, Schritt f\u00fcr Schritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Marathon \u201eund dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.\u201c (Hebr\u00e4er 12,2 nach E\u00dc) Der Hebr\u00e4erbrief wurde an Judenchristen geschrieben, die unter erheblichen Verfolgungen litten. 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