{"id":10116,"date":"2021-05-23T11:00:17","date_gmt":"2021-05-23T09:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10116"},"modified":"2022-11-18T12:19:00","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:00","slug":"predigt-apostelgeschichte-21-21-pfingsten-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-apostelgeschichte-21-21-pfingsten-2021\/","title":{"rendered":"Predigt: Apostelgeschichte 2,1 &#8211; 21 (Pfingsten 2021)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Pfingsten2021_Apg2_1-12.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Das Kommen des Heiligen Geistes<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eUnd alle wurden vom Heiligen Geist erf\u00fcllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Apostelgeschichte 2,4)<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich zu Pfingsten schreibt der Spiegel Online folgendes: \u201eKein Pfingstwunder, nirgends. Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Was es mit dem auf sich hat, ist so leicht nicht zu verstehen. Dies aber ist theologische Absicht. Hier geht es ja um \u00fcberirdische M\u00e4chte, die aus sich heraus geheimnisvoll sein sollen. Grob zusammengefasst l\u00e4sst sich sagen, dass dieser Geist, wenn er denn \u00fcber einen kommt, neue Kraft bewirkt. Der Besuch des Heiligen Geistes gilt als Pfingstwunder.\u201c So weit der Spiegel. Der skeptische Unterton ist halt Spiegel. Der negative Unterton liegt daran, dass es um die Kirche nicht so gut bestellt ist. Die Spiegel Titelgeschichte diese Woche handelt davon, dass in Deutschland scharenweise Christen aus der katholischen Kirche austreten. Die Menschen sind desillusioniert und entt\u00e4uscht von der Kirche. Was die Kirche braucht, und das, was wir alle brauchen, ist eine Erf\u00fcllung mit dem Heiligen Geist.<br \/>\nApostelgeschichte 2 handelt vom Kommen des Heiligen Geistes. Eine ganz kurze Erkl\u00e4rung, was dieser Text nicht ist: dieser Text ist keine Anleitung, wie man den Heiligen Geist empf\u00e4ngt. Wir finden hier keinen 5-Punkteplan, der, wenn man ihn befolgt, zum Erfolg f\u00fchrt. Dieser Text ist auch kein Musterbeispiel daf\u00fcr, wie Erf\u00fcllung mit dem Heiligen Geist aussehen muss, im Sinne von: genau so muss das Kommen des Geistes aussehen und nicht anders. Wir k\u00f6nnen hier keine Prinzipien ableiten, welche Zeichen und Manifestationen mit dem Heiligen Geist einhergehen m\u00fcssen. Wenn der Text also keine Punkt-f\u00fcr-Punkt Anleitung und auch nicht das Beispiel schlechthin ist, wie sollten wir den Text lesen? Wie sollten wir den Text verstehen? Apostelgeschichte ist in erster Linie eben genau das: eine Geschichte. Es ist ein Bericht. Und genau so wollen wir das heute lesen. Wir lesen Apostelgeschichte 2 als einen Tatsachenbericht von einem einzigartigen Ereignis: das Pfingstwunder.<br \/>\nDer Text zeigt uns, wie der Heilige Geist kam. Wir erfahren hier erstens, die Umst\u00e4nde, zweitens, die Erscheinung und drittens die Auswirkung des Kommens vom Heiligen Geist.<\/p>\n<p><strong>Erstens, die Umst\u00e4nde<\/strong><br \/>\nDer Heilige Geist kam nicht irgendwann. Er kam nicht an einem willk\u00fcrlichen, zuf\u00e4lligen Tag in der Geschichte. Vers 1 sagt: \u201eAls der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.\u201c Er kam zum Pfingstfest. Wie die meisten von euch wissen, war Pfingsten auch vorher schon ein wichtiger Feiertag. Pfingsten war zun\u00e4chst eine Art Erntedankfest. Das Volk Israel brachte zu diesem Fest die ersten Fr\u00fcchte der Ernte dar. Es war sowohl ein Dankfest; und vermutlich war es auch ein Gebet, dass der Rest der Ernte gut ausfallen m\u00f6ge.<br \/>\nAber Pfingsten war noch mehr als das. Das wichtige Jahresfest vor Pfingsten war das Passafest. Beim Passa wurde der Exodus gefeiert: das Auszug des Volkes Israel aus \u00c4gypten, aus dem Land ihrer Knechtschaft und Sklaverei. Pfingsten fand 50 Tage nach dem Passafest statt. Das Volk Israel befand sich zu diesem Zeitpunkt am Berg Sinai. An diesem Berg erscheint die Herrlichkeit Gottes. Gott schlie\u00dft mit seinem Volk einen Bund. Israel empf\u00e4ngt das Gesetz. Und was bedeutet das Empfangen von Gottes Geboten? Die Gebote (und das ist wichtig, dass wir das verstehen) wurden im Kontext eines Bundes gegeben, den Gott mit den Israeliten am Berg getroffen hatte. Das Gesetz ist in erster Linie f\u00fcr sie. F\u00fcr uns hat es erst einmal keine moralisch bindende Relevanz, weil wir nicht Teil dieses Bundes sind. Israel bekommt das Gesetz als Ausdruck ihres neuen Lebens. Das Gesetz bestimmt fortan, wie sie ihr Leben f\u00fchren sollen.<br \/>\nDie Ereignisse bei der Erscheinung des Heiligen Geistes reflektieren diese Feste des AT. Und gleichzeitig bekommen die Feste des AT eine v\u00f6llig neue Bedeutung. Sieben Wochen vorher hatte Jesus mit seinen J\u00fcngern Passa gefeiert. Es war ein Passafest wie so viele hunderte Passafeste vorher. Und doch war alles ganz anders. Jesus wird das wahre Passalamm: er wurde f\u00fcr uns geschlachtet; er ist f\u00fcr uns gestorben. Und das wiederum f\u00fchrte zu einem ganz anderen Exodus. Jesus f\u00fchrt uns aus der wahren Knechtschaft und Sklaverei heraus. Er macht uns frei von unseren wahren Feinden: nicht von Menschen, sondern von S\u00fcnde und Tod. Genau wie Mose die Israeliten zum Berg gef\u00fchrt hat, f\u00fchrt Jesus uns zu einem Berg. Es ist nicht mehr der Berg Sinai, der mit Feuer brennt und wo alle Menschen, die sich unrechtm\u00e4\u00dfig diesem Berg nahen, sterben. Hebr\u00e4er 12,22 sagt: \u201eIhr seid vielmehr zum Berg Zion hinzugetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung.\u201c Das ist unser Berg.<br \/>\nWas bedeutet das? Das NT l\u00f6st das AT ab. Der alte Bund wird vom neuen Bund \u00fcberholt. Im alten Bund ging es um das, was wir tun; es ging um unseren Gehorsam und um unser Tun. Im neuen Bund geht es in erster Linie um Jesu Gehorsam und um das, was Jesus f\u00fcr uns getan hat. Im alten Bund ging es vor allem um \u00e4u\u00dfere Performance und sichtbare Leistungen. Im neuen Bund geht es erst einmal um unsere Innerlichkeit, um das, was unsichtbar in unseren Herzen ist. Der Heilige Geist kommt im Kontext des neuen Bundes. Er zeigt uns, wer Jesus ist, was er f\u00fcr uns getan hat. Er schreibt Jesu Liebe und Jesu Gebote in unsere Herzen. Er ver\u00e4ndert unser Inneres. Genauso wie das Gesetz Moses den Israeliten einen neuen Lebensstil auferlegt, steht das Kommen des Geistes f\u00fcr das neue Leben, das wir mit Jesus f\u00fchren d\u00fcrfen.<br \/>\nWir sehen noch einen weiteren wichtigen Umstand. Es ist ein Aspekt, der mir erst vor wenigen Jahren aufgefallen ist. Das Kommen des Heiligen Geistes steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Reich Gottes. Vielleicht ist das eines der wichtigsten Aspekte, um Apostelgeschichte richtig zu lesen. Am Anfang des Buches lesen wir, dass Jesus in den letzten Tagen, in denen er physisch mit seinen J\u00fcngern zusammen war, zwei Dinge tat: er zeigte ihnen, dass er wirklich auferstanden ist und lebt; und er redete mit ihnen vom Reich Gottes. Vierzig Tage lang redet Jesus mit ihnen von Gottes K\u00f6nigreich. In Vers 6 fragen die J\u00fcnger: \u201eHerr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich f\u00fcr Israel?\u201c Fr\u00fcher dachte ich, dass die J\u00fcnger Jesus missverstanden hatten. Aber es geht Jesus um das Reich f\u00fcr Israel. Am Ende von Apostelgeschichte schlie\u00dft sich der Kreis. Paulus sagt: \u201eDenn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Fesseln.\u201c Und das Buch endet mit den Worten: Paulus \u201everk\u00fcndete das Reich Gottes und lehrte \u00fcber Jesus Christus, den Herrn \u2013 mit allem Freimut, ungehindert.\u201c Als Petrus am Pfingsttag die Predigt h\u00e4lt, ist die Schlussfolgerung seiner Rede: \u201eMit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.\u201c Die Botschaft von Petrus lautete: Jesus ist K\u00f6nig und Herr; Jesus regiert. Durch K\u00f6nig Jesus ist Gottes Herrschaft hier auf Erden angebrochen. Das Kommen des Heiligen Geistes ist die Manifestation dessen. Es geht um das Reich Gottes.<br \/>\nZwei Gr\u00fcnde, warum das wirklich wichtig f\u00fcr uns ist. Viele vor allem evangelikale Christen haben eine etwas zu einfache Vorstellung, worum es im christlichen Glauben geht. Manche denken, dass es einfach nur darauf ankommt, gerettet zu werden, damit man nicht in die H\u00f6lle kommt, und in den Himmel gehen kann, wenn man stirbt. Viele evangelikale Christen denken, dass die frohe Botschaft die minimalen Voraussetzungen sind, die man glauben oder erf\u00fcllen muss, um es gerade so in den Himmel zu schaffen. Aber das ist nicht das Evangelium, das Jesus verk\u00fcndigt hat. Ich habe schon \u00f6fters erw\u00e4hnt, dass die Hoffnung der ersten Christen nicht darin bestand, in den Himmel zu gehen, wenn sie sterben. Ihre Hoffnung war die Auferstehung von den Toten. Ihre Hoffnung war das Reich Gottes: nicht als ein Ort zu dem man hingeht, wenn man stirbt; sondern als der Bereich der Herrschaft Gottes, der im Hier und Jetzt zu erfahren ist. Das Evangelium ist die frohe Botschaft, dass Jesus der K\u00f6nig ist. Im Vater Unser hat Jesus uns gelehrt, dass wir daf\u00fcr beten sollen, dass sein Reich komme. Gottes Willen soll auf Erden geschehen, so wie er im Himmel geschieht. Mit anderen Worten, Christen beten und leben daf\u00fcr, dass der Himmel herabkommt im Hier und Jetzt.<br \/>\nZum anderen, eine K\u00f6nigreichperspektive hilft uns, eine ausgewogene Theologie zu haben, was Rettung angeht. Um eine ganz stark vereinfachte Zusammenfassung vom Problem zu geben: auf der einen Seite haben wir die eher liberalen Christen, die quasi aufgeh\u00f6rt haben, S\u00fcnde und Vergebung zu predigen und nur noch wohlt\u00e4tige Projekte machen. Und das sage nicht nur ich; selbst die Zeit schrieb: \u201eDie evangelische Kirche scheut das klare Wort, vor allem wenn es um Glaubensinhalte geht. Doch wer niemanden erschrecken will, hat es auch schwer zu \u00fcberzeugen.\u201c Auf der anderen Seite sind die eher konservativen Freikirchen, die als Gegenbewegung dazu vor allem Umkehr von den S\u00fcnden predigen. Aber wohlt\u00e4tige Aktivit\u00e4ten, soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz haben eine geringe Priorit\u00e4t. Kurze Frage an uns: wo befinden wir uns auf dieser Skala? Es gibt leider nicht so viele christliche Gemeinden, die beides tun.<br \/>\nDie ersten Christen sind aber weder links noch rechts vom Pferd gefallen. F\u00fcr sie gab es kein Entweder Oder. Sie waren beidem hingegeben: sie hatten sowohl ein Herz f\u00fcr S\u00fcnder als auch ein Herz f\u00fcr die Armen; sie haben sowohl Menschen zu Jesus bekehrt als auch die Armen versorgt; sie haben sowohl Gemeinde gebaut als auch soziale Gerechtigkeit gef\u00f6rdert. Sie haben sowohl evangelisiert und missioniert, als auch ihre Stadt zu einem besseren Ort f\u00fcr alle gemacht. Warum? Weil es das ist, was im Reich Gottes geschieht. Es ist das, was K\u00f6nig Jesus tut. Jesus predigte das Reich Gottes und heilte Menschen und trieb b\u00f6se Geister aus und gab ihnen zu essen. Und das ist es, was der Heilige Geist tut. Er ist der Geist Christi. Er selbst ist die Gegenwart von K\u00f6nig Jesus unter uns.<\/p>\n<p><strong>Zweitens, die Erscheinung<\/strong><br \/>\nDas Kommen des Heiligen Geistes ist ein \u00fcbernat\u00fcrliches Wunder. Wir lesen in Vers 2: \u201eDa kam pl\u00f6tzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherf\u00e4hrt, und erf\u00fcllte das ganze Haus, in dem sie sa\u00dfen.\u201c In Vers 3 ist die Rede von Zungen wie von Feuer. Auf der einen Seite verwendet Lukas zwei Bilder, die den Juden im ersten Jahrhundert sehr gel\u00e4ufig sein mussten: Wind und Feuer. Es gibt im AT mehrere Erscheinungen Gottes, die mit Wind und Feuer verbunden sind. Das hei\u00dft Wind und Feuer machen durchaus Sinn. Das Problem ist hier aber, dass der Text das nicht sagt. Es gab ein Brausen. Aber der Text sagt \u201ewie ein heftiger Sturm\u201c. Vermutlich war es kein Sturm. Und die Zungen, die sich niederlassen waren wie Feuer. Aber es war kein Feuer. Mit anderen Worten, eigentlich wissen wir gar nicht, was da passiert ist. Das einzige, was wir auf jeden Fall festhalten k\u00f6nnen, ist, dass es kraftvoll und herrlich und \u00fcbernat\u00fcrlich war. Es fehlen uns die Worte, es richtig zu beschreiben.<br \/>\nWir sehen als n\u00e4chstes, dass das Kommen des Heiligen Geistes ein individuelles Ereignis war. Wir sehen das in den Versen 3 und 4: \u201eUnd er erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen lie\u00df sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erf\u00fcllt.\u201c Der Heilige Geist erf\u00fcllt jetzt nicht nur einige von ihnen, wie z.B. nur die 12 Apostel. Der Heilige Geist kam nicht nur auf die M\u00e4nner herab. Der Text sagt, dass alle erf\u00fcllt wurden. Jeder der anwesenden Geschwister machten diese Erfahrung. Jeder erfuhr subjektiv, wie es ist, mit dem Heiligen Geist erf\u00fcllt zu werden. Jeder f\u00fcr sich genommen erfuhr die Kraft Gottes. F\u00fcr jeden von ihnen war es eine pers\u00f6nliche Begegnung zwischen Gott und ihnen.<br \/>\nC.S. Lewis erlebte die Gegenwart des Heiligen Geistes, als er ein Student in Oxford war. Er sagte folgendes: \u201eChristus begegnet M\u00e4nnern und Frauen auf unterschiedliche Weise. Wenn ich versuche, die damalige Erfahrung zu beschreiben, verwende ich die Bildersprache der Grals-Vision. So kam es mir vor. Es gab aber keine wahrnehmbare Vision. Da war nur der Raum mit seinen sch\u00e4bigen M\u00f6beln und dem Feuer, das im Rost brannte, und der rot schattierten Lampe auf dem Tisch. Aber der Raum war erf\u00fcllt von einer Gegenwart, die auf seltsame Weise sowohl um mich herum als auch in mir war wie ein Licht oder eine W\u00e4rme. Ich war \u00fcberw\u00e4ltigend besessen von jemandem, der nicht ich selbst war. Und doch f\u00fchlte ich mich mehr ich selbst als je zuvor. Ich war erf\u00fcllt von intensivem Gl\u00fcck und fast unertr\u00e4glicher Freude, wie ich sie noch nie zuvor oder seither gekannt hatte. Und insgesamt war da ein tiefes Gef\u00fchl von Frieden und Sicherheit und Gewissheit.\u201c Das war Pfingsten f\u00fcr C.S. Lewis. Erf\u00fcllung mit dem Heiligen Geist ist also eine sehr pers\u00f6nliche, individuelle Angelegenheit.<br \/>\nAuf der anderen Seite, war das erste Pfingsten definitiv eine gemeinschaftliche Erfahrung. Der Heilige Geist kam, als alle zusammen waren. Wer war zusammen? Wir sehen in Kapitel 1, dass es vor Pfingsten eine Gemeinschaft von Christen gab, die 120 Menschen umfasste. Viele sagen ja, dass Pfingsten der Geburtstag der Gemeinde war. Das mag in gewisser Weise auch stimmen. Aber ganz korrekt ist das nicht. Das griechische Wort f\u00fcr Gemeinde ist ja ekklesia; die aus der Welt Herausgerufenen. Die 120 M\u00e4nner und Frauen waren die aus der Welt Herausgerufenen. Sie waren die Gemeinde Jesu. Sie wurden jetzt alle gemeinsam vom Geist erf\u00fcllt. D.h., der Geist Gottes erf\u00fcllte ein Gef\u00e4\u00df, das bereits vorhanden war, die Gemeinschaft der ersten Christen.<br \/>\nWir fassen zusammen: der Heilige Geist kam mit einer \u00fcbernat\u00fcrlichen, geheimnisvollen Kraft; die Erf\u00fcllung mit dem Heiligen Geist war pers\u00f6nlich; und gleichzeitig war sein Kommen eine gemeinschaftliche Erfahrung.<\/p>\n<p><strong>Drittens, die Auswirkung<\/strong><br \/>\nWir sehen die Auswirkungen in den Versen 6 und folgende: \u201eAls sich das Get\u00f6se erhob, str\u00f6mte die Menge zusammen und war ganz best\u00fcrzt; denn jeder h\u00f6rte sie in seiner Sprache reden.\u201c Wir wissen nicht genau, wo sich die J\u00fcnger Jesu befanden, als der Heilige Geist kam. Wo immer sie auch waren, verlassen die geisterf\u00fcllten J\u00fcnger das Haus. Eine gro\u00dfe Menschenmenge versammelt sich um sie herum. Und jeder ist verwundert, weil jeder sie in seiner Sprache reden h\u00f6rt. Das Kommen des Heiligen Geistes bedeutet, dass das Evangelium nicht mehr nur f\u00fcr ein einziges Volk ist. Die frohe Botschaft ist f\u00fcr alle Menschen in allen Nationen in allen Kulturen in allen Gesellschaften zu allen Zeiten. Und diese frohe Botschaft sollte in allen Sprachen dieser Welt gepredigt werden.<br \/>\nWas sind die Konsequenzen dessen? Was bedeutet das? Mini-Exkurs: vor einigen Jahren hatte ich mit meinem ehemaligen Chef ein Gespr\u00e4ch \u00fcber den Glauben. Er sagte etwas flapsig: \u201eDie Religionen sind doch alle gleich.\u201c Nein, das sind sie nat\u00fcrlich nicht. (Ich hatte daraufhin erkl\u00e4rt, dass im Christentum eine Person im Zentrum steht, der f\u00fcr seine Feinde am Kreuz stirbt und beim Sterben daf\u00fcr betet, dass Gott den Menschen, die ihm das angetan haben, vergeben m\u00f6ge. So etwas gibt es in keiner anderen Religion). Ein wesentlicher Unterschied ist die Tatsache, dass das Christentum keine originale Sprache und Kultur hat. Zum Beispiel, ein ehemaliger Muslim hat das Christentum mit dem Islam verglichen. Und er kommt zu dem Schluss, dass Allah ein arabischer Gott ist. Er spricht arabisch. Der Koran ist arabisch, und nur der arabische Koran ist der originale Koran. Ihrer Tradition nach wurde der Koran durch den Engel Gabriel dem Propheten Mohammed Wort f\u00fcr Wort diktiert. Arabisch ist die Originalsprache. Alle \u00dcbersetzungen sind vielleicht n\u00fctzliche Erkl\u00e4rungen und Hilfestellungen. Aber die \u00dcbersetzungen sind nicht das Wort Allahs.<br \/>\nIm Christentum hingegen gibt es das nicht. Die Autoren der Bibel hatten noch nicht einmal eine einheitliche Originalsprache. Das NT wurde in Alt-Griechisch geschrieben. Der gr\u00f6\u00dfte Teil des AT wurde auf Hebr\u00e4isch geschrieben. Daniel und Esra wurden auch noch in aram\u00e4isch geschrieben. D.h., es gibt nicht das \u201eoriginale Wort Gottes\u201c. Die Bibel hat schon immer in \u00dcbersetzungen zu den Menschen gesprochen. Wir alle lesen \u00dcbersetzungen der Bibel, und k\u00f6nnen in den meisten F\u00e4llen recht gut verstehen, was damit gemeint ist. Warum ist das so?<br \/>\nHier ist eine andere Beobachtung. Es gibt keine Religion auf der Welt, die kulturell so vielf\u00e4ltig und vielseitig ist, wie das Christentum. Beispiel: wenn ich die Predigt vorbereite, haben meine Predigten meistens drei Teile. Davon abgesehen, mache ich mir \u00fcber drei Dinge Gedanken: Was sagt der Text? Was bedeutet das, was der Text sagt? Und was bedeutet es f\u00fcr uns? Und f\u00fcr die Bedeutung des Textes und die Bedeutung f\u00fcr uns mache ich mir Gedanken, was es f\u00fcr unsere Zeit und f\u00fcr unsere Gesellschaft bedeutet. Ich versuche das in Dialog zu setzen, mit dem, was wichtige Denker und Autoren schreiben. Ich versuche das in Zusammenhang zu bringen, mit dem was aktuell in den Medien ist. Ich versuche einen minimalen intellektuellen Anspruch zu erf\u00fcllen. Der Grund weshalb ich das tue, ist nicht, weil ich euch qu\u00e4len m\u00f6chte, sondern weil ich pers\u00f6nlich der Ansicht bin, dass es das ist, was hoffentlich junge Menschen und vielleicht auch Studenten ansprechen k\u00f6nnte, hier in Deutschland.<br \/>\nGanz wichtig: wenn wir in manchen Teilen von Afrika oder Asien oder S\u00fcdamerika w\u00e4ren, dann w\u00e4re das vermutlich ein v\u00f6llig verkehrter Ansatz. Oder wir brauchen noch nicht einmal so weit zu gehen: wenn man f\u00fcr Kinder predigt, m\u00fcsste man das ganz anders aufziehen. In vermutlich keiner anderen Religion in der gesamten Geschichte der Menschheit hat es einen Glauben gegeben, der so vielf\u00e4ltig und so multikulturell gepredigt, gelehrt und gelebt wird wie das Christentum.<\/p>\n<p><strong>Hier sind ein paar Anwendungen f\u00fcr uns.<\/strong> Das Kommen des Heiligen Geistes lehrt uns Demut und Sensitivit\u00e4t im Bezug auf unsere eigene Kultur. Kurze Frage an euch: wer von euch hatte schon mal Gedanken wie: \u201eunsere Gemeinde ist bibeltreuer als andere; in unserer Gemeinde wird mehr Wert auf J\u00fcngerschaft gelegt als in anderen Gemeinden; wir haben besser verstanden, was die Bibel sagt, als andere?\u201c Wer von uns hatte jemals solche Gedanken? Ich hatte solche Gedanken. St\u00e4ndig. Und ich muss extrem aufpassen, dass ich nicht zur\u00fcckrutschen in solche Vorstellungen. Oder Musik: vielleicht gibt es manche unter uns, die sagen: wie kann man nur diese alten verstaubten Lieder aus dem 19. Jahrhundert gut finden? Die haben keinen Beat, sie rei\u00dfen nicht mit, sie haben keine eing\u00e4ngigen Texte, sie sind leblos und langweilig. Auf der anderen Seite mag es Leute geben, die sagen: diese modernen Worship-Lieder sind so primitiv und oberfl\u00e4chlich und laut; und dann sind sie ja auch noch alle auf Englisch, das spricht doch keiner hier in Deutschland. Die meisten von diesen Gedanken sind unterbewusst. Wir merken das noch nicht einmal, weil wir uns keine Gedanken dar\u00fcber machen, weshalb wir so f\u00fchlen und denken. Aber der Grund weshalb wir so f\u00fchlen und denken ist, dass jeder von uns gewisse kulturelle Vorpr\u00e4gungen und Pr\u00e4ferenzen hat. Und das Problem dabei ist, dass man die eigenen kulturellen Vorstellungen und seine kulturellen Werte auf das Christentum \u00fcberst\u00fclpt. Es ist eine Form von \u00dcberheblichkeit. Und der Heilige Geist tut das nicht.<br \/>\nEs gibt noch so viele Anwendungen, \u00fcber die wir reden k\u00f6nnten. Eine Letzte zum Abschluss: der Text ermutigt uns dazu, Kommunikation zu einem Herzensanliegen zu machen. Ein \u00e4lterer Freund von mir hatte mir erz\u00e4hlt, wie seine Frau einmal geweint hatte und zu ihm gesagt hatte: \u201eDu versteht mich nicht.\u201c Und er sagte dann zu ihr: \u201eIch glaube, ich wei\u00df was du meinst. Ich glaube ich verstehe ein wenig wie du dich f\u00fchlst!\u201c Und sie sagte dann: \u201eNEIN!!!\u201c Und er sagte dann: \u201eUnd wei\u00dft du, sie hatte recht. Ich hatte sie gar nicht verstanden.\u201c Oder Tim Keller erz\u00e4hlte einmal, wie seine Frau zu ihm sagte: \u201eWir haben ein Kommunikationsproblem.\u201c Er antwortete daraufhin: \u201eDas sehe ich nicht so.\u201c Und sie sagte dann: \u201eWenn ich sage, dass wir ein Kommunikationsproblem haben, dann haben wir ein Kommunikationsproblem, okay?\u201c Und Tim Keller sagte: sie hatte recht. Wenn eine von zwei Parteien sich nicht geh\u00f6rt und nicht verstanden f\u00fchlt, dann gibt es Kommunikationsproblem ganz egal, was die andere Person denkt. Wir k\u00f6nnten eine ganze Predigt nur dar\u00fcber halten. Kommunikation ist unglaublich schwierig. Selbst zwischen zwei Personen, die sich nahestehen, ist Kommunikation unglaublich hart und herausfordernd. Wir sprechen alle eine unterschiedliche Sprache.<br \/>\nDas Wunder von Pfingsten war es, dass jeder Mensch die frohe Botschaft in seiner Sprache h\u00f6ren konnte. Das war das Wirken des Heiligen Geistes. Und mindestens genauso war es das Wirken des Heiligen Geistes, als Luther in mehr als 12 Jahren Arbeit die Bibel ins Deutsche \u00fcbersetzte. Genauso war es das Wirken des Heiligen Geistes, dass die vollst\u00e4ndige Bibel heute in 694 Sprachen gelesen werden kann; das NT kann in mehr als 1500 zus\u00e4tzlichen Sprachen gelesen werden. Es gibt das Wunder des Geistes, der in einer Sekunde alle Sprachbarrieren beseitigt. Und es gibt das Wunder des Geistes, das in jahrelanger, geduldiger, strapazi\u00f6ser, stiller Arbeit Ausdruck findet, um zu \u00fcbersetzen, zuzuh\u00f6ren, sich zu verst\u00e4ndigen. Beides ist das Tun des Geistes.<br \/>\nDer Text sagt, dass alle, die beisammen waren, mit dem Geist erf\u00fcllt wurden. Unser Gebet heute sollte sein, dass das einmal mehr bei uns der Fall sein wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Das Kommen des Heiligen Geistes \u201eUnd alle wurden vom Heiligen Geist erf\u00fcllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.\u201c (Apostelgeschichte 2,4) P\u00fcnktlich zu Pfingsten schreibt der Spiegel Online folgendes: \u201eKein Pfingstwunder, nirgends. Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. 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