{"id":10096,"date":"2021-05-02T11:00:19","date_gmt":"2021-05-02T09:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10096"},"modified":"2022-11-18T12:19:02","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:02","slug":"fragebogen-hebraeer-118-22-sonderlektion-3-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/fragebogen-hebraeer-118-22-sonderlektion-3-2\/","title":{"rendered":"Predigt: Hebr\u00e4er 11,8 &#8211; 22 (Sonderlektion 3)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SL3-Hebr_11_08-22-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Warten auf die Stadt Gottes<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eEr wartete auf die Stadt, die auf festen Fundamenten steht und deren Gr\u00fcnder und Erbauer Gott selbst ist.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Hebr\u00e4er 11,10)<\/p>\n<p>Die Empf\u00e4nger des Hebr\u00e4erbriefes waren Judenchristen. Der Brief macht deutlich, dass seine Empf\u00e4nger unter Verfolgung litten. Sie hatten Freunde und Angeh\u00f6rige, die wegen ihres Glaubens im Gef\u00e4ngnis sa\u00dfen. Einige von ihnen hatten Raub und Pl\u00fcnderung erfahren. Wir haben gesehen, dass der Brief eine Ermutigung f\u00fcr sie sein soll, ihren Glauben nicht \u00fcber Bord zu werfen. Jemand meinte einmal, dass man den Hebr\u00e4erbrief ganz grob in drei Teile gliedern kann: Kapitel 1-4: durch Jesus, dem wahren Hohenpriester, finden wir unsere wahre Ruhe; Kapitel 5-10: durch Jesus, das wahre Opfer finden wir Zugang zur Gegenwart Gottes; Kapitel 10-13: durch Jesus, dem wahren K\u00f6nig gehen wir ein in die Stadt Gottes.<br \/>\nDie Aufforderung zu Glauben steht in diesem Kontext. Was k\u00f6nnen wir von dem Glauben von Abraham und seiner Familie lernen? Abraham wartete auf die Stadt Gottes. In dieser Predigt m\u00f6chte ich versuchen auf drei Fragen einzugehen. Erstens, was bedeutet das? Zweitens, warum ist das so herausfordernd? Und drittens, wie k\u00f6nnen wir so leben?<\/p>\n<p><strong>Erstens, was bedeutet es auf die Stadt Gottes zu warten?<\/strong><br \/>\nIn Vers 8 lesen wir, dass Abraham durch den Glauben dem Ruf Gottes gehorchte. Er verlie\u00df seine Heimat und seine Familie und ging in die Ferne. Er zog in ein Land, das er erben sollte. Als Abraham dann im Land der Verhei\u00dfung ankommt, folgt eine dicke \u00dcberraschung. Das Land ist ja gar nicht leer. Da wohnten schon Leute. Wenn Abraham diesen Menschen mitgeteilt h\u00e4tte, dass das sein Land ist, das Gott ihm als Erbe versprochen hatte, dann h\u00e4tten sie ihn vermutlich zuerst ausgelacht und danach rausgeschmissen. In der Rede von Stephanus in Apostelgeschichte lesen wir, dass Abraham in dem Land der Verhei\u00dfung keinen Fu\u00dfbreit besa\u00df. Das einzige St\u00fcck Land, das er dann tats\u00e4chlich besa\u00df, hatte er dann k\u00e4uflich erworben. Es wurde zu dem Ort, wo er zun\u00e4chst seine Frau beerdigte, bevor er selbst dann dort begraben wurde.<br \/>\nVers 9 sagt: \u201eDurch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen im Land der Verhei\u00dfung wie in einem fremden Land und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verhei\u00dfung.\u201c Abraham und seine Familie waren Fremde. Sie lebten als Ausl\u00e4nder. Das Land der Verhei\u00dfung war daher niemals ihr richtiges Zuhause. Bis zu ihrem Tod blieb es f\u00fcr sie ein fremdes Land. Sie wurden auch als Fremde wahrgenommen. Vor einiger Zeit hatte ich einen Artikel gelesen \u00fcber einen Deutschen, der l\u00e4ngere Zeit in China gelebt hatte. Er konnte irgendwann perfekt chinesisch sprechen; er hatte jeden Tag mit Chinesen zu tun. Irgendwann hatte er die Hoffnung, dass er wirklich in dieser Gesellschaft angekommen war und dass sie ihn als Seinesgleichen akzeptieren w\u00fcrden. Eines Tages holte er seine W\u00e4sche bei der Reinigung ab. An seiner Kleidung befand sich noch der Pin, die in der W\u00e4scherei angebracht worden war. (Normalerweise w\u00fcrden sie da den Namen des Kunden draufschreiben). Darauf stand: \u201eder Ausl\u00e4nder.\u201c Das war der Moment, an dem feststellte, dass egal wie sehr er sich auch bem\u00fchte, er niemals voll und ganz als Einheimischer angesehen werden w\u00fcrde. Das war das Leben von Abrahams Familie. Sie waren die Ausl\u00e4nder.<br \/>\nAber da ist noch mehr. Sara bekam die Kraft, als alte, betagte Frau, ein Kind zu zeugen. Vers 11 sagt, dass sie den f\u00fcr treu hielt, der es verhei\u00dfen hatte. Vers 12 sagt. \u201eSo stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht z\u00e4hlen kann.\u201c So weit so gut. Aber dann lesen wir: \u201eIm Glauben sind diese alle gestorben und haben die Verhei\u00dfungen nicht erlangt, sondern sie nur von fern geschaut und gegr\u00fc\u00dft und sie haben bekannt, dass sie Fremde und G\u00e4ste auf Erden sind.\u201c Sie alle haben die Verhei\u00dfungen Gottes geglaubt. Aber sie haben das Verhei\u00dfene am Ende nicht erlangt. Sie haben es nur von ferne gesehen. Und sie haben ihr ganzes Leben als Pilger gef\u00fchrt, als Fremde und als G\u00e4ste auf Erden.<br \/>\nEin paar Gedanken dazu, bevor wir fortfahren. Jeder Mensch hat ein Bed\u00fcrfnis nach einem Zuhause. In dem Film \u201eDer Hobbit\u201c zieht Bilbo Beutlin aus, um mit dem Zauberer Gandalf und mit einer Gruppe von Zwergen ganz viele Abenteuer zu erleben. Der K\u00f6nig der Zwerge Thorin Eichenschild hat aber Zweifel an Bilbo. Er traut Bilbos Charakter und Motivation nicht. An einer Stelle fragt er ihn, weshalb er nicht einfach nach Hause geht. In einer r\u00fchrenden Szene sagt der Hobbit dann: \u201eIch vermisse meine B\u00fccher und meinen Sessel und meinen Garten. Das ist der Ort wohin ich geh\u00f6re. Das ist mein Zuhause. Und deshalb bin ich hier: ihr habt kein Zuhause; es wurde euch weggenommen. Aber ich werde euch helfen, es zur\u00fcck zu gewinnen, wenn ich kann.\u201c Wir k\u00f6nnen uns damit identifizieren. Jeder von uns hat ein Bed\u00fcrfnis nach einem Zuhause.<br \/>\nUnd trotzdem ist es so, dass wir uns eigentlich hier auf dieser Welt nie wirklich zu Hause f\u00fchlen. Egal wie gut wir integriert sind, eigentlich bleibt das Gef\u00fchl, dass wir uns in der Fremde befinden. Egal wie wohl wir uns f\u00fchlen, es bleibt das Gef\u00fchl, dass etwas zu unserem Zuhause fehlt, etwas, was essentiell ist. Martin Heidegger, einer der gr\u00f6\u00dften Philosophen des vergangenen Jahrhunderts, pr\u00e4gte einen interessanten Begriff, um das zu beschreiben. Er schrieb davon, dass Menschen eine existentielle Angst haben: \u201eIn der Angst ist einem unheimlich. Darin kommt zun\u00e4chst die eigent\u00fcmliche Unbestimmtheit dessen, wobei sich das Dasein in der Angst befindet, zum Ausdruck: das Nichts und Nirgends. Unheimlichkeit meint aber dabei zugleich das Nichtzuhause-sein.\u201c Jeder Mensch hat eine existentielle Angst, die daher r\u00fchrt, dass wir kein wahres Zuhause haben; und daher das Wort \u201eUnheimlichkeit\u201c. Wir alle befinden uns in einem Exil.<br \/>\nC.S. Lewis dr\u00fcckte es folgenderma\u00dfen aus: \u201eDie meisten Menschen, vorausgesetzt sie haben wirklich gelernt, in ihr eigenes Herz zu schauen, w\u00fcrden wissen, dass sie etwas wollen, und zwar schmerzlich wollen, was in dieser Welt nicht zu haben ist. Es gibt alle m\u00f6glichen Dinge in dieser Welt, die einem vorgeben, es zu bieten, aber sie halten ihr Versprechen nie vollst\u00e4ndig. Die Sehns\u00fcchte, die in uns aufsteigen, wenn wir uns zum ersten Mal verlieben, wenn wir zum ersten Mal an ein fremdes Land denken oder wenn wir uns zum ersten Mal mit einem anregenden Thema besch\u00e4ftigen, sind Sehns\u00fcchte, die keine Ehe, keine Reise, kein Studium wirklich befriedigen kann. Ich spreche jetzt nicht von dem, was man gemeinhin als misslungene Ehen oder Urlaube oder erlernte Berufe bezeichnen w\u00fcrde. Ich spreche von den bestm\u00f6glichen. In diesem ersten Moment der Sehnsucht haben wir nach irgendetwas gegriffen, das in der Realit\u00e4t einfach verblasst. Ich denke, jeder wei\u00df, was ich meine. Die Ehefrau mag ein guter Ehepartner sein, und die Hotels und die Landschaft m\u00f6gen ausgezeichnet gewesen sein, und Chemie mag ein sehr interessanter Beruf sein: aber irgendetwas ist uns entgangen.\u201c<br \/>\nHier ist das, was C.S. Lewis impliziert. Wir alle haben eine Sehnsucht in unserem Herzen, die keine Erfahrung hier auf Erden wirklich zufriedenstellen kann. Und die rhetorische Frage, die sich daher stellt, ist: vielleicht wurden wir f\u00fcr andere Welt geschaffen? Vielleicht wurden wir f\u00fcr ein anderes Zuhause gemacht? Oder anders gesagt, vielleicht ist diese Sehnsucht darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass in jedem Menschen die Erinnerung an den Garten Eden vorhanden ist als unser urspr\u00fcngliches Zuhause: als eine ganz verblasste Erinnerung, ein Echo, eine Hintergrundstrahlung. Wir waren nie dort, und trotzdem erinnern wir uns daran. Tim Keller hat es so formuliert: wir haben Sehnsucht nach einer Musik, die wir noch nie geh\u00f6rt haben und an die wir uns trotzdem erinnern k\u00f6nnen. Wir haben Sehnsucht nach einer Umarmung, die wir noch nie erfahren haben und trotzdem k\u00f6nnen wir uns daran erinnern. Unsere Suche nach einem Zuhause geht darauf zur\u00fcck, dass wir eigentlich zur\u00fcck in den Garten Eden wollen.<br \/>\nAbraham und seine Nachfahren hatten Reichtum, Segen, Anerkennung von den Menschen, Familie. Aber sie hatten kein Zuhause. Vers 16 sagt: \u201enun aber streben sie nach einer besseren Heimat, n\u00e4mlich der himmlischen. Darum sch\u00e4mt sich Gott ihrer nicht, er sch\u00e4mt sich nicht, ihr Gott genannt zu werden; denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.\u201c Ihr Zuhause war im Himmel. Ihr Zuhause war die Stadt Gottes. Was bedeutet es also, auf die Stadt Gottes zu warten? Es bedeutet anzuerkennen, dass diese Welt nicht unser zu Hause ist. Es bedeutet zu verstehen, dass unsere wahre Heimat bei Gott ist, in der Stadt, die Gott f\u00fcr uns baut. Es bedeutet, dass wir unser Leben als Pilger und Fremdlinge leben; in Zelten auf Wanderschaft zu unserem wahren Ziel und unserem wahren Zuhause hin.<\/p>\n<p><strong>Zweitens, warum ist das so herausfordernd?<\/strong><br \/>\nEs hat mindestens zwei Gr\u00fcnde oder zwei massive Spannungsfelder, die sich auftun. Das erste Spannungsfeld hat damit zu tun, dass Christen in der Welt aber nicht von der Welt sind. Schauen wir uns noch einmal das Leben von Abraham an. Vers 8: \u201eAufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen w\u00fcrde.\u201c Stellen wir uns vor, wir w\u00e4ren ein Bekannter von Abraham. Abraham erz\u00e4hlt uns davon, dass er gerade von Gott berufen wurde, alles zu verlassen. Wie w\u00fcrden wir reagieren? Wir h\u00e4tten ihn gefragt: \u201eWie alles verlassen? Deine Freunde sind doch hier. Deine Familie ist hier.\u201c Abraham: \u201eGott hat mir gesagt, dass ich das alles hinter mich lassen soll.\u201c Wir w\u00fcrden ihn fragen: \u201eUnd wohin wirst du gehen?\u201c Abraham: \u201eKeine Ahnung. Gott hat gesagt, dass er es mir zeigen wird.\u201c \u201eEr wird es dir zeigen? Wann \u00fcberhaupt? Und warum l\u00e4sst du dich auf so etwas Verr\u00fccktes ein?\u201c Abraham: \u201eGott hat mir Nachkommen versprochen und dass ich zu einem gro\u00dfen Volk werde, durch das alle Menschen auf der Welt gesegnet werden sollen.\u201c Sp\u00e4testens an diesem Punkt h\u00e4tten wir gesagt: \u201e\u00c4hm\u2026 schon klar. Ich glaube du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank!\u201c Und das ist der Punkt von dem Gedankenexperiment. Aus Sicht der Welt war Abraham ein Verr\u00fcckter.<br \/>\nAuf die Stadt Gottes zu warten, bedeutet nicht, dass Christen nur Touristen oder Besucher sind hier auf Erden sind. Christen sind Ausl\u00e4nder in der Welt mit einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung. D.h., als Christen in Deutschland geh\u00f6ren wir zur deutschen Gesellschaft. Viele von uns haben die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit. Wir sind nicht einfach Besucher oder Touristen hier. Wir wohnen hier; wir leben hier; wir arbeiten hier; wir zahlen hier unsere Steuern. Wir sind Teil dieser Gesellschaft, obwohl dieses Land nicht unser wahres Zuhause ist.<br \/>\nDie B\u00fcrger von Gottes Stadt sind beauftragt, gute Nachbarn zu sein; r\u00fccksichtsvoll miteinander umzugehen; schonend mit den Ressourcen umzugehen, die ihnen anvertraut sind; grunds\u00e4tzlich die Gesetze dieses Landes zu respektieren und einzuhalten. Die B\u00fcrger von Gottes Stadt in Deutschland beteiligen sich an den demokratischen Prozessen dieses Landes, weil es zum Leben dazu geh\u00f6rt (und sie w\u00e4hlen keine fremdenfeindlichen Parteien) und beten f\u00fcr die gew\u00e4hlten Politiker des Landes. Die B\u00fcrger von Gottes Stadt beteiligen sich nicht an der Verbreitung von Verschw\u00f6rungstheorien, was sich derzeit leider viele Christen ankreiden lassen m\u00fcssen. Die B\u00fcrger von Gottes Stadt w\u00fcrden sich als f\u00fcrsorgliche Menschen dieses Landes gegen Corona impfen lassen, wenn sie an der Reihe sind: nicht nur um sich selbst zu sch\u00fctzen, sondern um die Menschen zu sch\u00fctzen, die um sie herum sind. Die B\u00fcrger von Gottes Stadt sind nicht von der Welt, aber sie sind f\u00fcr die Welt. Sie haben das auf dem Herzen, was dieser Welt zum Guten dient.<br \/>\nUnd gleichzeitig werden die B\u00fcrger von Gottes Stadt anecken. Christen halten Positionen, die in dieser Gesellschaft als hoffnungslos r\u00fcckst\u00e4ndig und veraltet angesehen werden. (In anderen Gesellschaften werden christliche Positionen als zu liberal und progressiv angesehen). Die B\u00fcrger von Gottes Stadt sind f\u00fcr die Erhaltung des Lebens: sie sind daher f\u00fcr den Schutz des ungeborenen Lebens und gegen Abtreibung; und gleichzeitig sind sie f\u00fcr den Umweltschutz. Die B\u00fcrger von Gottes Stadt sehen Sexualit\u00e4t als ein Geschenk Gottes an. D.h., sie sind viel weniger pr\u00fcde als manche von uns sind, viel sex-positiver als manche von uns sind; und gleichzeitig leben sie Sexualit\u00e4t ausschlie\u00dflich in der Ehe, im Kontext einer lebenslangen, exklusiven Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau. Die B\u00fcrger von Gottes Stadt glauben, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist; und dass er der einzige Weg zum Vater ist. Dieser Glaube gilt als intolerant, engstirnig und diskriminierend. Ein konsequent ausgelebter Glaube wird nat\u00fcrlich anecken.<br \/>\nEgal in welcher menschlichen Gesellschaft wir uns befinden und zu welchem Zeitpunkt in der Geschichte, Christen wurden immer schief angeschaut, bel\u00e4chelt oder verfolgt. Das ist das eine Spannungsfeld: in der Welt zu leben, aber nicht von der Welt zu sein und gleichzeitig f\u00fcr die Welt zu sein.<br \/>\nDas andere Spannungsfeld sehen wir in Vers 13: \u201eIm Glauben sind diese alle gestorben und haben die Verhei\u00dfungen nicht erlangt\u2026\u201c Es hat etwas mit dem Konflikt zwischen unserer Zukunft und dem Hier und Jetzt zu tun. Gott verspricht uns eine gro\u00dfartige Zukunft. Aber wir sehen noch nicht viel davon in unserem jetzigen Leben realisiert. Hier sind zwei Illustrationen, die das vielleicht veranschaulichen k\u00f6nnen. Im zweiten Weltkrieg gab es den sogenannten D-Day: am 6. Juni 1944 landeten alliierte Truppen an einem Strand in der Normandie. Mit dieser Milit\u00e4raktion wurde Deutschland auch vom Westen angegriffen. Historiker sehen diesen Tag als einen der entscheidenden Wendepunkte des Krieges. Nach diesem Tag war eigentlich allen Menschen klar, dass der Krieg entschieden war. Es gab f\u00fcr Deutschland keine realistische Chance mehr, den Krieg zu gewinnen. Aber es dauerte noch 11 weitere Monate, bis der Krieg zu Ende war. Elf Monate, in denen viel Blut vergossen wurde, und viele Menschen ums Leben gekommen sind.<br \/>\nOder etwas aktueller: am Mittwoch, den 18. November 2020 hatten Pfizer und Biontech angek\u00fcndigt, dass die Phase 3 Studie ihrer Corona-Vakzine erfolgreich war mit einer Effektivit\u00e4t von 95%. Mit dieser Nachricht war klar, dass die Corona-Pandemie ein Ende haben wird. Danach dauerte es Wochen, bis die Vakzine von den regulatorischen Beh\u00f6rden freigegeben wurde. Ende Dezember wurden die ersten Menschen in Deutschland geimpft. Mehr als vier Monate sind vergangen. Immer noch sind weniger als 10% vollst\u00e4ndig geimpft. Allein in Deutschland sind seither mehr als 40,000 Menschen gestorben. Es wird immer noch Monate dauern, bis wir geimpft werden k\u00f6nnen und unsere Kinder. Und diese Tage f\u00fchlen sich an wie eine Ewigkeit. Wir k\u00f6nnen es nicht abwarten. Wir wollen, dass es sofort vorbei ist; dass wir uns wieder treffen k\u00f6nnen, dass wir wieder verreisen k\u00f6nnen, dass wir wieder essen und trinken gehen k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd in einer \u00e4hnlichen Spannung befinden sich die B\u00fcrger von Gottes Stadt. Gottes Verhei\u00dfungen liegen zu einem gro\u00dfen Teil noch in der Zukunft. Gottes D-Day war schon. Der Sieg ist bereits errungen. Das Reich Gottes wird kommen. S\u00fcnde und Tod werden besiegt werden. Himmel und Erde werden eins werden. Gottes neue Sch\u00f6pfung wird anbrechen. Aber es ist anscheinend noch eine Weile hin. Gottes Kinder warten darauf. Und es kann sehr gut sein, dass sie im Glauben sterben werden und das Verhei\u00dfene nicht erlangen werden.<br \/>\nAber das sind die Spannungsfelder, in denen die B\u00fcrger von Gottes Stadt leben: der Gegensatz zwischen dem Reich der Welt und Gottes Stadt; und der gelebte Konflikt zwischen einer Zukunft, die garantiert ist und dem Hier und Jetzt, das im krassen Widerspruch dazu zu stehen scheint.<\/p>\n<p><strong>Drittens, wie k\u00f6nnen wir so leben?<\/strong><br \/>\nDie Antwort darauf lautet: nur durch die Gnade Gottes. In den Versen 17 und folgende lesen wir, wie Abraham Isaak opferte. Vers 19 sagt, dass Abraham davon \u00fcberzeugt war, dass Gott Isaak auch von den Toten auferwecken kann. Und dann lesen wir: \u201edarum erhielt er Isaak auch zur\u00fcck. Das ist ein Sinnbild.\u201c Isaak ist nicht gestorben. Aber als Abraham Isaak zur\u00fcckbekam, war es f\u00fcr Abraham wie als ob sein Sohn von den Toten zur\u00fcckgekommen w\u00e4re. So absolut und so entschieden war das Opfer in seinem Herzen. Und gleichzeitig ist diese ganze Geschichte ein Sinnbild f\u00fcr so viel mehr.<br \/>\nDas Opfer Isaaks weist auf das wahre Opfer hin. Es ist ein Hinweis auf den wahren Isaak, der geopfert wurde. Aber als Jesus mit dem Holz auf dem R\u00fccken auf den H\u00fcgel gef\u00fchrt wurde, gab es keinen Engel, der im letzten Moment eingriff. Es war keine Stimme vom Himmel zu h\u00f6ren, die Einhalt gebot. Der Himmel schwieg. Warum? In Hebr\u00e4er 13 wird Jesu Tod mit dem Opfer von Tieren verglichen, die au\u00dferhalb des Lagers verbrannt wurden. Der Autor schreibt: \u201eDeshalb hat auch Jesus, um durch sein eigenes Blut das Volk zu heiligen, au\u00dferhalb des Tores gelitten.\u201c Hier ist der Punkt: wir d\u00fcrfen B\u00fcrger von Gottes Stadt werden, weil Jesus, der wahre B\u00fcrger, der K\u00f6nigssohn, der Prinz ausgesto\u00dfen wurde. Wir k\u00f6nnen eingeb\u00fcrgert werden, weil Jesus f\u00fcr uns ausgeb\u00fcrgert wurde. Der Himmel wird zu unserem Zuhause, weil Jesus dieses Zuhause f\u00fcr uns verlassen hat. Wir d\u00fcrfen einziehen, weil Jesus f\u00fcr uns ins Exil gegangen ist. Jesus ist f\u00fcr uns in die Fremde gegangen; Jesus ist f\u00fcr uns Gastarbeiter auf Erden geworden; Jesus ist f\u00fcr uns Asylant geworden.<br \/>\nWenn wir merken, dass wir nicht so sind, wie wir sein sollten, dass wir nicht so gro\u00dfz\u00fcgig sind, nicht so liebevoll, nicht so geduldig, nicht so mutig, nicht so hoffnungsvoll, nicht so hingebungsvoll: die Antwort darauf lautet nicht, dass wir uns mehr zusammenrei\u00dfen, dass wir uns mehr M\u00fche geben, dass wir uns mehr anstrengen. Martin Lloyd-Jones hatte mal gesagt: wenn er jemanden fragt, ob er ein Christ ist, und die Person antwortete darauf: \u201eich versuche es.\u201c Dann war es ein sicheres Indiz, dass diese Person kein Christ ist, weil die Essenz des Evangeliums nicht verstanden wurde. Wir werden nicht durch eigene Anstrengung und M\u00fche B\u00fcrger des Himmels, sondern aus Gnade. Die gleiche Gnade ist das, was uns ver\u00e4ndert. Die gleiche Gnade macht uns mehr und mehr zu w\u00fcrdigen Stadtmenschen.<br \/>\nIm 2. Jahrhundert gab es einen Brief an einen Mann namens Diognetus. Wie beim Hebr\u00e4er-Brief wissen wir nicht wer der Autor ist. Aber der Autor schreibt \u00fcber die Christen im r\u00f6mischen Reich: \u201eSie teilen einen gemeinsamen Tisch, aber kein gemeinsames Bett. Sie leben im Fleisch, aber sie leben nicht nach ihrem Fleisch. Sie verbringen ihre Tage auf der Erde, aber sie sind B\u00fcrger des Himmels. Sie gehorchen den vorgeschriebenen Gesetzen, aber sie \u00fcbertreffen die Gesetze durch ihr Leben. Sie lieben alle Menschen und werden von allen verfolgt. &#8230; Sie werden zum Tode verurteilt und wieder zum Leben erweckt. Sie sind arm und machen doch viele reich. Es fehlt ihnen an allem, und haben doch \u00dcberfluss in allem. Sie werden entehrt, und doch werden sie gerade in ihrer Entehrung verherrlicht; sie werden schlecht geredet und doch gerechtfertigt; sie werden geschm\u00e4ht und segnen doch; sie werden beleidigt und vergelten die Beleidigung mit Ehre; \u2026 Um alles in einem Wort zusammenzufassen: Was die Seele im K\u00f6rper ist, das sind die Christen in der Welt. Wie die Seele \u00fcber alle Teile des Leibes verstreut ist, so sind die Christen \u00fcber alle St\u00e4dte der Welt verstreut. Die Seele lebt im Leib, ist aber nicht vom Leib; die Christen leben in der Welt, sind aber nicht von der Welt.\u201c<br \/>\nTim Keller sagte dazu: was f\u00fcr eine Herausforderung! Was f\u00fcr ein Leben! Was f\u00fcr ein Abenteuer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Warten auf die Stadt Gottes \u201eEr wartete auf die Stadt, die auf festen Fundamenten steht und deren Gr\u00fcnder und Erbauer Gott selbst ist.\u201c (Hebr\u00e4er 11,10) Die Empf\u00e4nger des Hebr\u00e4erbriefes waren Judenchristen. Der Brief macht deutlich, dass seine Empf\u00e4nger unter Verfolgung litten. Sie hatten Freunde und Angeh\u00f6rige, die wegen ihres Glaubens im Gef\u00e4ngnis sa\u00dfen. 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