{"id":10036,"date":"2021-03-07T11:00:27","date_gmt":"2021-03-07T10:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10036"},"modified":"2022-11-18T12:19:06","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:06","slug":"predigt-1-mose-321-33","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-321-33\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 32,1 &#8211; 33"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2020Gen-21_3201-3233-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Die dunkle Nacht und der neue Tag<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eUnd er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenr\u00f6te bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1.Mose 32,27)<\/p>\n<p>Jakob ist nicht nur eine der faszinierendsten Gestalten in Genesis; er geh\u00f6rt definitiv zu den interessantesten Charakteren der Bibel. Viele, die sich vielleicht mit Abraham oder Isaak nicht so identifizieren k\u00f6nnen, finden in ihrem Leben die ein oder Parallele zu Jakob. Jakob ist eine Person, die viele moderne Menschen in besonderem Ma\u00dfe anspricht. Und heute haben wir eindeutig den H\u00f6hepunkt deiner Geschichte.<br \/>\nDrei Dinge passieren ihm, die allesamt f\u00fcr uns Relevanz haben. Jakob erf\u00e4hrt eine tiefe Finsternis; er begegnet einem unergr\u00fcndlichen Geheimnis; und erlebt einen neuen Tag.<\/p>\n<p><strong>Erstens, die tiefe Finsternis<\/strong><br \/>\nDie meisten von uns sind mit der Geschichte von Jakob vertraut. Jakob hatte das Erbrecht seines \u00e4lteren Bruders erschlichen, indem er ihn \u00fcbers Ohr gehauen und den gemeinsamen Vater belogen hatte. Er hatte viele Jahre weit weg von zu Hause bei seinem Onkel Laban gewohnt. Bei Laban hatte er geheiratet, und dann nochmals geheiratet, und dann streng genommen noch zwei weitere Male geheiratet. Er hatte sich Reichtum angeh\u00e4uft. Nach vielen Jahren und einer gewachsenen, unterschwelligen Feindschaft mit Laban, war f\u00fcr ihn die Zeit gekommen, nach Hause zu gehen.<br \/>\nIn Vers 4 sehen wir, dass Jakob Boten zu seinem Bruder Esau schickt. Er l\u00e4sst seinem Bruder folgendes ausrichten: \u201eBei Laban habe ich mich aufgehalten und bin bis jetzt geblieben. Ich habe Stiere, Esel, Schafe und Ziegen sowie Knechte und M\u00e4gde bekommen. Ich schicke nun meinem Herrn eine Nachricht, um dein Wohlwollen zu finden.\u201c Vielleicht kann man das folgenderma\u00dfen \u00fcbersetzen: \u201eIch bin verheiratet und habe Kinder. Ich bin erwachsen und vern\u00fcnftig geworden und bin nicht mehr der Chaot, der ich vorher war. Wollen wir wieder Freunde werden?\u201c<br \/>\nDie Boten kommen zur\u00fcck zu Jakob und sagen: \u201eAls wir zu deinem Bruder Esau kamen, war auch er schon unterwegs zu dir. Vierhundert Mann hat er bei sich.\u201c Diese Nachricht ist seltsam. Wir k\u00f6nnen aus dieser einen Aussage nicht herauslesen, was Esau im Sinn hatte. Vierhundert Mann war eine typische Milizen-Einheit damals. Die Tatsache, dass er mit so vielen M\u00e4nnern loszog, konnte nat\u00fcrlich als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden werden, dass Esau seinem Bruder mit feindseliger Absicht entgegen ging. Vers 8 sagt: \u201eJakob f\u00fcrchtete sich sehr und Angst ergriff ihn.\u201c Jakob wurde durch diese Nachricht getroffen wie der Schlag.<br \/>\nIn den n\u00e4chsten Versen sehen wir wie Jakob mit der Situation umging. Er fing sofort an, zu planen. Er machte aus seinem gro\u00dfen Lager zwei Lager. Dann betete er. Dann plante er wieder: er sendet eine ganze Reihe von teuren und wertvollen Wiedergutmachungsgeschenken. Und er plant weiter. Jakob war ein Kontroll-Freak. Er hat nichts dem Zufall \u00fcberlassen. Alles, was er kontrollieren konnte, das wollte er kontrollieren. Nichts sollte geschehen, was er nicht zulie\u00df und was er nicht bereits eingeplant hatte.<br \/>\nVerse 22 und 23: \u201eer aber bleib diese Nacht im Lager. Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden M\u00e4gde und seine elf S\u00f6hne und zog durch die Furt des Jabbok.\u201c Und Vers 25: \u201eJakob aber blieb allein zur\u00fcck.\u201c Und hier ist sie: die tiefe Finsternis, in der sich Jakob befand. Jakob hatte tiefe Furcht. Die Furcht hatte ihn gepackt, er stand nicht dar\u00fcber. Wieder war er einsam und allein. Und wieder war es Nacht. Nicht nur sprichw\u00f6rtlich Nacht, sondern auch literarisch und symbolisch. Was genau bedeutet das? Was die Finsternis von Jakob angeht, sehe ich mindestens zwei Aspekte. Und ich denke, dass beides Relevanz hat f\u00fcr unser Leben.<br \/>\nDer erste Aspekt der tiefen Finsternis war seine Furcht. Zweimal erw\u00e4hnt es der Text explizit. Wir sehen seine Furcht implizit in der Art und Weise wie er handelt. 400 kampferprobte, marodierende Soldaten waren unterwegs zu ihm. Nat\u00fcrlich hatte Jakob Panik. Wer h\u00e4tte das nicht in einer solchen Situation? Aber da war noch mehr. In seinem Gebet sagt Jakob: \u201eich hatte nicht mehr als diesen Stab, als ich hier \u00fcber den Jordan ging, und nun sind aus mir zwei Lager geworden.\u201c Jakob nannte hier seinen Besitz. Er war ein sehr reicher Mensch. Er hatte Furcht davor, alles auf einen Schlag zu verlieren. Und da war noch mehr: \u201edenn ich f\u00fcrchte mich vor ihm, dass er komme und schlage mich, die Mutter samt den Kindern.\u201c Der andere \u201eBesitz\u201c war seine Familie. Seine Ehefrauen und seine Kinder. Er hatte Furcht, sie zu verlieren.<br \/>\nJeder von uns hatte schon Erfahrungen mit Angst und Furcht. Jeder von uns hatte nat\u00fcrlich schon mal Angst vor einer wichtigen Pr\u00fcfung oder einer wichtigen Klausur; vermutlich hatten wir alle schon mal Angst wegen finanziellen Problemen; oder Angst in akuten Situationen, z.B. weil man wei\u00df, dass man sich in Gefahr befindet. Aber die Angst, die Jakob hier hat, ist von einer ganz anderen Qualit\u00e4t. Sie ist existentieller.<br \/>\nVadim Gluzman ist ein gro\u00dfartiger Geiger. In einem Interview wurde er einmal gefragt, welche Bedeutung das Publikum hat. Gluzman musiziert immer mit Leib und Seele. Wenn er spielt, dann \u00f6ffnet er sein ganzes Herz. Er sagte folgendes: \u201eIch gebe ihnen alles, was ich habe. Ich hoffe auch umgekehrt, dass sie mir alles geben. \u2026 Denn wenn ich nicht f\u00fcr ein Publikum spiele, dann ist mein Leben total bedeutungslos. Wenn man das Publikum herausnimmt aus der Kette, dann gibt es f\u00fcr mich keinen Existenzgrund.\u201c Der Interviewer fragte dann, ob der K\u00fcnstler in diesem Zusammenhang das W\u00f6rtchen \u201eLiebe\u201c verwenden w\u00fcrde. Gluzman sagte daraufhin: \u201eWenn Liebe f\u00fcr Sie bedeutet, dass Sie ohne etwas nicht leben k\u00f6nnen, dann kann ich sagen: ja.\u201c Aus dem Kontext des Interviews heraus wei\u00df ich, dass Gluzman sich durchaus ein Leben ohne Geige vorstellen kann. Aber das, was er sagt und wie er es sagt, ist trotzdem interessant. Gibt es etwas im Leben, was so grundlegend ist, dass wir ohne das nicht leben k\u00f6nnen?<br \/>\nF\u00fcr Jakob war sein Reichtum nicht einfach nur Geld. Und seine Familie waren nicht einfach nur seine geliebten Menschen. Sie waren mehr als das. Sie waren seine Identit\u00e4t. Er konnte ohne das nicht leben. Er war davon \u00fcberzeugt, dass er ohne seinen Besitz und ohne seine Familie nicht leben konnte. Jeder von uns hat etwas im Leben, von dem wir ausgehen, dass es essentiell ist. Wie bei Jakob k\u00f6nnen das unsere Ersparnisse sein; oder unsere Karriere; oder das Haus, das wir gebaut haben; oder die Familie. Essentiell bedeutet, dass es unsere Identit\u00e4t ausmacht. Es bedeutet, dass wir darin den ganzen Sinn unseres Lebens sehen. Weil diese Dinge in seinem Leben essentiell waren, war die Furcht davor, sie zu verlieren, eine existentielle Furcht.<br \/>\nUm ein Beispiel daf\u00fcr zu geben: stellen wir uns vor, wir haben ein wichtiges Vorstellungsgespr\u00e4ch. Nat\u00fcrlich sind wir nerv\u00f6s. Aber wir k\u00f6nnen uns darauf einigen, dass es einen himmelweiten Unterschied zwischen einer Person geben wird, die sagt: \u201eEs ist nur ein Job\u201c und einer anderen Person, die sagt: \u201eDas ist mein Traumjob in meinem Traumunternehmen. Wenn ich das erreicht habe, dann bin ich jemand. Wenn ich das habe, dann habe ich endlich etwas erreicht, auf das ich stolz sein kann. Wenn ich da angenommen werde, dann wird mir das niemand mehr nehmen k\u00f6nnen.\u201c Wer von den beiden wird entspannter ins Gespr\u00e4ch gehen k\u00f6nnen?<br \/>\nWas die Finsternis der Nacht angeht, muss uns bewusst sein, dass wir fr\u00fcher oder sp\u00e4ter alle einmal hindurchgehen m\u00fcssen. Es wird der Moment kommen, an dem wir alles loslassen m\u00fcssen, was uns lieb und teuer ist. Es wird der Moment kommen, in dem wir alles verlieren, worauf wir uns verlassen. Manche m\u00f6gen auf ihre gute k\u00f6rperliche Verfassung und Gesundheit vertrauen: das wird vergehen. Manche von uns vertrauen auf ihre intellektuellen F\u00e4higkeiten: das wird vergehen. Manche von uns vertrauen auf ihr gutes Aussehen: das wird definitiv vergehen. Jeder von uns wird durch die dunkle Nacht der Seele gehen: sp\u00e4testens dann, wenn wir im Sterben liegen. Wir sind nackt auf die Welt gekommen. Und wir werden nichts mitnehmen k\u00f6nnen, wenn wir dieses Leben verlassen. Und deshalb ist Jakobs Finsternis in gewisser Weise auch unsere Finsternis.<br \/>\nJakobs Finsternis hat noch einen zweiten Aspekt. Wenn die Bibel von Licht und Finsternis oder von Tag und Nacht spricht, z.B. im Johannes-Evangelium, dann hat es h\u00e4ufig mit dem zu tun, was wir sehen. Zum Beispiel sagte Jesus einmal: \u201eHat nicht der Tag zw\u00f6lf Stunden? Wer bei Tage umhergeht, der st\u00f6\u00dft sich nicht; denn er sieht das Licht dieser Welt. Wer aber bei Nacht umhergeht, der st\u00f6\u00dft sich; denn es ist kein Licht in ihm.\u201c Unser Text hat ebenfalls etwas mit Sehen zu tun, bzw. mit der Unf\u00e4higkeit Jakobs zu sehen. In Vers 2 sah Jakob die Engel Gottes. Tief beeindruckt davon sagt Jakob dann: \u201eHier ist Gottes Heerlager.\u201c Mit anderen Worten, Gott war an diesem Ort. Gott hatte Jakob versprochen, dass er mit ihm sein w\u00fcrde und ihn begleiten w\u00fcrde. Und Gott hatte sein Wort gehalten. Weil Gott mit ihm war, war diese Welt der sicherste Ort des Universums. Selbst ein pl\u00fcndernder, w\u00fctender Mob w\u00fcrde Jakob nichts anhaben k\u00f6nnen. Gott war mit ihm. Aber Jakob sah es nicht. Er glaubte es nicht. Er vertraute nicht wirklich auf Gott. Deshalb war die Nacht so finster.<br \/>\nUnd hier ist der Grund weshalb. Letzte Woche hat Noah in seiner Predigt einen sehr wichtigen Gedanken weitergegeben. F\u00fcr Jakob war Gott ein Assistent. Gott war eine willkommene Hilfskraft, so lange Jakob selbst alles kontrollierte. So lange Jakob der Herr \u00fcber sein Leben war, durfte Gott gerne da sein. Aber hier, in der Nacht am Jabbok, inmitten seiner existentiellen Not brauchte Jakob keinen Assistenten. Er brauchte keinen lieben, harmlosen Opa-Gott. Jakob brauchte einen Herrn. Er brauchte einen Retter. Er brauchte einen K\u00f6nig. Er brauchte einen Gott, der gro\u00df ist, der w\u00fcrdig ist, der souver\u00e4n und allm\u00e4chtig ist. Und er konnte diesen Gott nicht sehen.<br \/>\nFrage an uns: an welchen Gott glauben wir?<\/p>\n<p><strong>Zweitens, das unergr\u00fcndliche Geheimnis<\/strong><br \/>\nIn Vers 25 lesen wir, dass ein Mann anfing, mit ihm zu ringen. Und das ist so seltsam. So viele offene Fragen: Warum ringt Jakob mit ihm? Jeder, der einmal Ringkampf gemacht hat, wei\u00df, dass selbst eine Minute Ringkampf richtig anstrengend ist. Wie konnten sie stundenlang die ganze Nacht hindurch miteinander ringen? (Haben die beiden zwischenzeitlich eine freundschaftliche Pause eingelegt?) Wie sah der Ringkampf aus? Wer hat hier wen angegriffen? Und die wichtigste Frage nat\u00fcrlich: wer ist diese Person \u00fcberhaupt? Eine mysteri\u00f6se Figur, die aus dem Nichts zu kommen scheint. Und erst nach und nach erfahren wir mehr \u00fcber diese omin\u00f6se Person.<br \/>\nWir sehen in Vers 26, dass diese Person sehr stark ist: \u201eAls der Mann sah, dass er ihn nicht besiegen konnte, ber\u00fchrte er sein H\u00fcftgelenk. Jakobs H\u00fcftgelenk renkte sich aus, als er mit ihm rang.\u201c Dieses Zitat ist aus der Einheits\u00fcbersetzung. Der geheimnisvolle Mann hatte die ganze Nacht gerungen und Jakob nicht \u00fcberw\u00e4ltigt. Das klingt jetzt nicht besonders stark. Aber dann bricht die Morgenr\u00f6te an. Und dann ber\u00fchrt er lediglich Jakobs H\u00fcfte. Rober Alter, der Hebr\u00e4isch-Experte sagte, dass es ein Hauch einer Ber\u00fchrung war. Und das hat ausgereicht, um Jakobs H\u00fcfte auszurenken. Jakob war fortan ein Kr\u00fcppel, der gehumpelt ist.<br \/>\nVermutlich war es in diesem Moment, dass Jakob erkannte, dass er es nicht mit einem normalen Menschen zu tun hatte. Aber Jakob w\u00e4re nicht Jakob, wenn er selbst in diesem verletzten Zustand nicht weiter k\u00e4mpfen w\u00fcrde, mit seinen Armen und mit seinen Worten. Der Mann sagt: \u201eLass mich gehen, denn die Morgenr\u00f6te bricht an.\u201c Jakob sagt: \u201eIch lasse dich nicht gehen, du segnest mich denn.\u201c Und das Erstaunliche ist, dass dieser Mann Jakob tats\u00e4chlich segnet. Verse 18-20: \u201eEr sprach: Wie hei\u00dft du? Er antwortete: Jakob. Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob hei\u00dfen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gek\u00e4mpft und hast gewonnen.\u201c Jakob hatte mit Gott gek\u00e4mpft. Sp\u00e4testens an diesem Punkt hatte Jakob erkannt, dass er es mit niemand Geringerem zu tun hatte als mit Gott selbst. Jakob nennt den Ort Pnuel. Es ist der Ort, wo er Gott von Angesicht gesehen hatte und doch nicht gestorben ist.<br \/>\nWas die Begegnung zwischen Gott und Jakob so faszinierend macht, sind die scheinbaren Widerspr\u00fcche, denen wir hier begegnen. Nat\u00fcrlich ist Gott unendlich stark. Und trotzdem lesen wir, dass Gott Jakob nicht \u00fcberwinden konnte. D.h., dass Gott zu schwach ist? Dann hei\u00dft es, dass Jakob den Kampf gewonnen hat: \u201edu hast mit Gott und mit Menschen gek\u00e4mpft und hast gewonnen.\u201c Und trotzdem geht Gott hier siegreich aus dem Kampf hervor, weil Gott das erreicht, was er erreichen wollten, n\u00e4mlich am Ende der Begegnung Jakob zu segnen. Ja, was jetzt eigentlich? Wer hat hier gewonnen? Diese scheinbaren Widerspr\u00fcche l\u00f6sen sich im Evangelium auf.<br \/>\nViele Jahre sp\u00e4ter kommt der inkarnierte Gott auf die Welt: Gott wird Mensch. Das ewige Wort wird Fleisch. Jesus, der Sohn Gottes und der Menschensohn, ist die absolute Allmacht Gottes in absoluter Schw\u00e4che. Jesus sagte solche widerspr\u00fcchlichen Dinge wie: \u201eDenn wer sein Leben behalten will, der wird\u2019s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird\u2019s behalten.\u201c Jesu ganzes Leben verlief nach diesem Prinzip. Sein ganzes Leben war ein Aufgeben und Opfern seines Lebens. Jesu Tod am Kreuz war die letzte Konsequenz dessen. Nirgendwo sonst wurde die Schw\u00e4che Gottes deutlicher offenbart als dort. Es war die ultimative Niederlage. Und doch wurde nirgendwo sonst gleichzeitig Gottes St\u00e4rke gr\u00f6\u00dfer und deutlicher offenbart als am Kreuz. Es war der alles entscheidende Sieg Gottes \u00fcber Tod und Teufel, \u00fcber die S\u00fcnde und unser Selbst.<br \/>\nWir hatten vorhin gesehen, dass dieser unendliche starke Mann nicht in der Lage war, Jakob zu besiegen. Woran lag das? Eine m\u00f6gliche Antwort: es war Jakobs Bockigkeit. Folgende Illustration ist mir eingefallen: Geldkassetten, die sich in Geldautomaten befinden haben einen Sicherheitsmechanismus. Wenn ein Geldautomat aufgebrochen wird, dann machen Farbpatronen das Geld wertlos. Jakob war wie so ein widerspenstiger Geldautomat. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte Gott ihn zerst\u00f6ren k\u00f6nnen. Das w\u00e4re einfach gewesen. Gott h\u00e4tte ihn platt wie eine Flunder machen k\u00f6nnen. Aber Gott wollte an den wertvollen Inhalt, ohne ihn zu besch\u00e4digen. Gott wollte Jakobs Herz.<br \/>\nGott respektiert unseren freien Willen. Aus Liebe zu uns will Gott unser Bestes; aber Gott zwingt uns nicht zu unserem Gl\u00fcck. Gott hat uns nicht als Roboter geschaffen, die programmiert sind, das zu tun, was sie sollen; und die man gegebenenfalls umprogrammieren kann. Diejenigen unter uns, die Kinder haben, wissen, dass das nicht funktioniert. Kinder haben einen freien Willen. Das Problem ist, dass viele Eltern versuchen, ihre Kinder zu kontrollieren. Kinder werden alles tun, um aus dieser Kontrolle auszubrechen, weil sie dazu gemacht wurden, frei zu sein. Die Kunst der Kindererziehung ist es nicht, \u00fcber die Kinder zu herrschen und schon gar nicht, deren Willen zu brechen; die Kunst besteht darin, diesen freien Willen in die richtigen Bahnen zu lenken und zu hoffen und zu beten, dass die Kinder eines Tages das Richtige und das Gute wollen.<br \/>\nGott will nicht nur, dass wir tun, was er will. Gott will nicht nur, dass wir ihm gehorchen. Gott will, dass wir es auch wollen. Gott will, dass wir das wollen, was er will. Die Tragik ist, dass wir meistens das Gegenteil wollen. Wir brauchen eine Ver\u00e4nderung des Herzens. Wie geschieht diese Transformation? Jakob begegnet Gott in Gottes Schw\u00e4che. Diese Schw\u00e4che Gottes verleitet ihn dazu, vor Gott zu knien und ihn darum zu bitten, ihn zu segnen. Jakob, der Sture, der Dickkopf, der Betr\u00fcger, der L\u00fcgner, der Egoist, war endlich an dem Punkt angekommen, wo Gott ihn haben wollte: es war der Moment wo Gottes Willen endlich anfangen konnte, Teil von Jakobs Willen zu werden.<br \/>\nUnsere Ver\u00e4nderung geschieht genauso: wenn wir Gott begegnen in seiner Schw\u00e4che. Am Kreuz sehen wir das Undenkbare und das Unvorstellbare. Am Kreuz sehen wir, wie Gott schwach wurde: f\u00fcr uns. Am Kreuz sehen wir Gott leiden: f\u00fcr uns. Am Kreuz sehen wir Gott verlieren. f\u00fcr uns. Wenn wir diesem Gott begegnen, und nur dann, wenn wir diesem Gott begegnen, fangen die Polkappen unseres Herzens an zu schmelzen. Im Angesicht dieser unendlichen Liebe Gottes, werden wir erneuert.<\/p>\n<p><strong>Drittens, der neue Morgen<\/strong><br \/>\nWie so viele Texte in Genesis, ist unser Text heute ein literarisches Meisterwerk. Jakob wird gesegnet, als die Morgenr\u00f6te sichtbar wird. Und in Vers 32 lesen wir: \u201eUnd als er an Pnuel vor\u00fcberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner H\u00fcfte.\u201c Die Sonne ging auf. Ein neuer Tag war angebrochen. F\u00fcr Jakob begann an diesem Morgen ein neues Leben. Er humpelte. Den ganzen Rest seines Lebens w\u00fcrde dieses Humpeln eine Erinnerung daran sein, dass er mit Gott gek\u00e4mpft hatte. Was hatte Jakob in dieser Begegnung gewonnen?<br \/>\nAlle F\u00e4den von Jakobs Leben laufen in dieser Begegnung zusammen. Erinnern wir uns: sein ganzes Leben war ein Kampf darum, gesegnet zu werden. Er hatte seinen Bruder betrogen und seinen Vater belogen, um gesegnet zu werden. Er hatte den Segen zwar irgendwie eingeheimst, aber war er wirklich der Gesegnete? Aber hier in diesem Text bekommt er endlich den Segen, den er sich immer gew\u00fcnscht hatte in Vers 30: \u201eUnd er segnete ihn daselbst.\u201c Was genau wird Gott ihm wohl gesagt haben? Als Junge hatte Jakob sich nichts mehr gew\u00fcnscht, als von seinem Vater geliebt zu werden und angenommen zu sein. Tim Keller hat gemutma\u00dft, dass Gott ihm diese Worte zugesprochen hat: \u201eDu bist mein Sohn. Ich habe dich angenommen, so wie du bist. Ich liebe dich, Jakob.\u201c Mit anderen Worten, Jakob erf\u00e4hrt, dass Gott selbst der Segen ist, den er wollte.<br \/>\nWir haben gesehen, dass Jakob 14 Jahre f\u00fcr die Liebe seines Lebens arbeitete. Alles, was er wollte, war die Traumfrau seines Lebens zu heiraten. Er hat sie dann geheiratet und war doch nicht gl\u00fccklich. Danach haben wir gesehen, dass Jakobs Leben bei Laban ein Kampf war, um sich Reichtum anzuh\u00e4ufen. Nur konnte der ganze Reichtum Jakob nicht gl\u00fccklich machen. Aber hier im Text bekommt Jakob die Liebe, die er immer haben wollte; und Jakob bekommt den Reichtum, den er immer haben wollte. Gott selbst ist die Liebe seines Lebens und Gott selbst ist der unendlich gro\u00dfe Reichtum.<br \/>\nUnd wir haben gesehen, dass das Weglaufen vor Esau Teil von Jakobs Lebensgeschichte war. Als er an diesem Morgen in Gottes Angesicht schaut, hat sein Weglaufen vor Esau ein Ende. Alle F\u00e4den von Jakobs Leben laufen in dieser Begegnung mit Gott zusammen. Nicht alles war danach gut in Jakobs Leben. Beileibe nicht! Aber sein Leben hatte jetzt endlich die richtige Ausrichtung.<br \/>\nWas ist deine Lebensgeschichte? Vielleicht bist du wie Jakob der Romantiker, der denkt, dass die Beziehung oder die Heirat mit der einen Traumfrau \/ dem einen Traummann endlich gl\u00fccklich machen w\u00fcrde. Vielleicht bist du wie Jakob der Karrierist, der denkt, dass der Studienabschluss an der Prestige-Uni oder die eine Bef\u00f6rderung endlich die Befreiung schenkt. Oder vielleicht ist dein Leben wie Jakob der Fl\u00fcchtling. Vielleicht bist du jemand, der wegl\u00e4uft; Weglaufen vor der Vergangenheit; Weglaufen von zu Hause; Weglaufen vor verbindlichen Beziehungen; oder Weglaufen vor existentiellen \u00c4ngsten, die ungekl\u00e4rt sind. Was immer deine Lebensgeschichte ist, alle F\u00e4den laufen zusammen, wenn du dem Gott von Jakob begegnest.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Die dunkle Nacht und der neue Tag \u201eUnd er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenr\u00f6te bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.\u201c (1.Mose 32,27) Jakob ist nicht nur eine der faszinierendsten Gestalten in Genesis; er geh\u00f6rt definitiv zu den interessantesten Charakteren der Bibel. 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