Predigt: Kolosser 3,1 – 4 (Jahresanfang 2021)

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Christus, unser Leben

„Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was oben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.“

Kolosser 3,1

Stellen wir uns vor, wir machen eine kleine Bergwanderung. Wir stehen oben am Berg und blicken herunter, und direkt unter uns ist ein Dorf: es ist das Ziel, das wir erreichen wollen. Im Dort ist unsere Herberge. Dort warten Tee und warmes Essen auf uns. Das Dorf ist Luftlinie so nah, dass wir von oben ein Steinchen ins Dorf werfen könnten. Aber um die Siedlung zu erreichen, müssen wir auf Schlangenwegen herunter. Der Weg hin zum Dorf führt an manchen Stellen weiter weg vom Dorf; oftmals so weit, dass wir die Häuser ganz aus dem Blickfeld verlieren. Aber es ist der einzige Weg, auf dem wir Schritt für Schritt näher zur Herberge kommen, näher zu dem Ort, wo wir uns ausruhen können.
Ich finde diese Illustration passend und hilfreich für den heutigen Text. Der Text handelt vom Evangelium; von der guten Nachricht. Zwei Probleme scheinen viele Christen mit dem Evangelium zu haben. Und vielleicht haben viele von uns die gleichen Probleme. Zum einen scheint es irgendwie zu gut zu sein, um wahr zu sein. Wir haben Schwierigkeit, daran zu glauben. D.h., wir glauben schon daran, in der Theorie. Es ist ein gewisses Kopfwissen. Aber wie das Dorf, das uns auf dem Berg zu Füßen liegt, ist es ganz weit weg entfernt von uns. Ganz nah und doch so fern.
Das andere Problem, das viele Christen haben und das eng damit zusammenhängt. Wie werden wir verändert? Wie werden wir geheiligt? Viele glauben daran, dass Veränderung durch einen „5-Punkte“ Plan geschieht; durch Aktionen; durch Disziplin; durch Gesetze; durch Moral. Das NT hat nichts einzuwenden gegen Aktionen, Disziplin und Moral. Und man sich sicherlich einen biblischen 5-Punkte Plan zusammenzimmern. Aber die Bibel sagt uns vor allen Dingen, dass Veränderung durch folgendes geschieht: durch das Evangelium. Wir werden verändert und geheiligt durch die frohe Botschaft von Jesus. Und auch das scheint ein Umweg zu sein. Sich auf die frohe Botschaft einzulassen, um verändert zu werden, scheint vom Ziel wegzuführen, wie der Weg zum Dorf an manchen Stellen vom Dorf wegführt.
Und doch ist das der Weg. Genau das ist es, was Paulus im Kolosserbrief argumentiert. Drei Dinge mindestens können wir hier über das Evangelium und uns lernen: erstens, das Evangelium erzählt eine Geschichte; zweitens, das Evangelium lässt uns Teil dieser Geschichte sein; drittens, das Evangelium gibt unserem Leben eine völlig neue Ausrichtung.

Erstens, das Evangelium erzählt eine Geschichte
Unser Text ist eine Fortsetzung von Paulus‘ Argument, das in Kapitel 2,20 beginnt: „Wenn ihr nun mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was lasst ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt.“ Paulus setzt das fort in Kapitel 3: „Seid ihr nun mit Christus aufweckt, so sucht, was oben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.“ Und dann Vers 4: „Wenn aber Christus, euer Leben, offenbar wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.“ Vier Dinge erfahren wir hier über Jesus: er ist gestorben, er ist auferstanden, er sitzt zur Rechten Gottes im Himmel, und er wird eines Tages wiederkommen in Herrlichkeit. Ein paar Dinge müssen wir hier verstehen. Zum einen, für Paulus waren diese Ereignisse historische Tatsachen; und zwar sprichwörtliche, geschichtliche Fakten, die niemand bezweifeln konnte. Konservative Theologen gehen davon aus, dass Paulus den Brief in der ersten Hälfte der 60er Jahre geschrieben hatte. Selbst liberale Theologen, die nicht an eine paulinische Autorschaft glauben, gehen davon aus, dass der Brief früh entstanden ist, ca. 70 nach Christus. D.h., Paulus schreibt über Jesu Tod und Auferstehung und Himmelfahrt, wie wir über Ereignisse aus den 80er oder Anfang der 90er Jahren sprechen würden, z.B. der Mauerfall. Paulus hatte mit vielen Menschen gesprochen, die diese Ereignisse mit ihren eigenen Augen gesehen hatten und bereit waren, als Zeuge dafür mit ihrem Blut zu bezahlen. Für Paulus waren Jesu Tod und Auferstehung waren keine mythologischen, verklärten Legenden, sondern Ereignisse. Es waren keine schönen Gute-Nacht-Geschichtchen, sondern harte, belastbare, prüfbare Fakten.
Noch ein Gedanke: diese Fakten, waren nicht nur zusammenhanglose Ereignisse. Es war weit mehr als das. Es war Teil einer Geschichte. Denken wir an unser Leben zurück. Nehmen wir an, jemand würde uns folgende Aufgabe stellen: was waren die 3-4 wichtigsten Ereignisse unseres Lebens, die uns geprägt haben. Was würden wir sagen? Vermutlich müssten wir erst einmal nachdenken, was es war. Vielleicht ein wichtiger Abschluss in deinem Leben? Oder der Tag, an dem zu geheiratet hast? Oder der Tag, an dem wir zum ersten Mal Eltern wurden? Angenommen jemand würde jetzt sagen: erzähle uns von allen vier Ereignissen. Sehr wahrscheinlich würde daraus eine kleine Geschichte über unser Leben entstehen.
Hier ist der Punkt, auf den ich hinaus will. Jesu Tod, seine Auferstehung, sein Sitzen zur Rechten Gottes und seine Wiederkunft sind vergangene, gegenwärtige und zukünftige Ereignisse. Sie sind wie die tragenden Säulen einer Saga, einer Geschichte. Auf diese Säulen ruht eine immense, kosmische Geschichte, deren Erzähler Gott selbst ist. Es ist die große Meta-Narrative der Bibel: dass ein guter Gott eine gute Schöpfung erschaffen hat, in welcher der Mensch, die Krone der Schöpfung ist und der Träger von Gottes Bild. Es ist die Geschichte, wie der Mensch sich über Gott erhoben hat, das Bild Gottes im Menschen zerstört wurde und wie Leid, Korruption und Bosheit Teil dieser Welt geworden sind. Und es ist die Geschichte, wie Gott sein Volk rettete, in dem Jesus, der Prinz in diese Welt kam, um uns zu retten und das Königtum Gottes wieder aufzurichten: nicht durch militärische Eroberung, sondern indem er sich unterordnet, stirbt und aufersteht. Jesus sitzt zur Rechten Gottes; er ist der König des Universums, und eines Tages wird er zurückkehren, um Himmel und Erde zu vereinen.
Das Evangelium erzählt eine Geschichte.

Zweitens, das Evangelium lässt uns Teil von der Geschichte sein
Paulus macht einige sehr erstaunliche Aussagen. In Vers 1 sagt er: „Seid ihr nun mit Christus auferweckt“. In Vers 3 sagt er: „Denn ihr seid gestorben.“ In Vers 4: „Wenn aber Christus, euer Leben, offenbar wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.“ Paulus sagt: „ihr seid gestorben. Ihr seid auferstanden. Ihr werdet offenbar werden.“
Denken wir kurz darüber nach. Diese Aussagen sind merkwürdig. Sie scheinen nicht mit unserer eigenen Erfahrung übereinzustimmen. Inwiefern sind wir gestorben? Inwiefern sind wir auferstanden? Vor allem: gestorben und auferstanden in der Vergangenheitsform? Wann genau soll das gewesen sein? Dorothy Sayer’s schrieb über Jesu Tod und Auferstehung: „Eine Sache ist sicher: wenn er Gott war und nichts weiter, dann hat seine Unsterblichkeit keine weitere Bedeutung für uns; wenn er Mensch war und nichts weiter, dann ist sein Tod nicht wichtiger als dein oder mein Tod. Aber wenn er wirklich Gott und Mensch war, dann starb Gott ebenfalls, als der Mensch Jesus starb; und als Gott Jesus von den Toten auferstand, ist der Mensch ebenfalls auferstanden, weil sie ein und dieselbe Person waren.“ Sie hat absolut Recht.
Paulus geht hier aber noch einen Schritt weiter. Das was Jesus getan hat, hat nicht nur abstrakte Bedeutung für die Menschheit. Es hat eine ganz konkrete Bedeutung für uns. Das Schlüsselwort ist „mit“ und „in“. Wir sind mit Christus auferweckt; wir sind mit Christus gestorben; unser Leben ist mit Christus verborgen in Gott; Christus selbst ist unser Leben. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass Gott uns das, was Jesus getan hat, so anrechnet, als ob es getan hätten. Tim Keller hat es folgendermaßen ausgedrückt: „Gott behandelt dich, als ob du so frei von der Schuld deiner Sünde wärest, wie wenn du am Kreuz gestorben und in Qualen selbst den Preis bezahlt hättest. Warum? Weil du gestorben bist. Warum? Weil er gestorben ist. … Die Essenz der Sünde besteht darin, dass ich mich an die Stelle Gottes gesetzt habe und Dinge getan habe, die nur Gott hätte tun dürfen, nämlich mein Leben zu regieren; die Essenz der Rettung ist, dass Gott sich an meine Stelle setzt und dort wo nur ich es verdient hätte zu sein, nämlich am Kreuz.“
Nicht nur das: die Tatsache, dass wir mit Jesus auferstanden sind, bedeutet, dass wir ein völlig neues Leben anvertraut bekommen haben. Das neue Leben in Christus beginnt nicht erst, wenn wir physisch gestorben sind und im Grab liegen. Es beginnt im Hier und Jetzt. Und es bedeutet, dass wir einen direkten Zugang zu Gott dem Vater haben, so wie Jesus sein Sohn einen direkten Zugang zu ihm hat. Gott steht uns zu jederzeit offen wie es vorher noch nie der Fall war.
Den Implikationen und Anwendungen dessen sind keine Grenzen gesetzt. Eine Anwendung auf uns: wenn wir es zulassen, dann definiert und erzählt das Evangelium unsere Geschichte. Um ganz kurz etwas auszuholen: wir allen haben die Beobachtung gemacht, dass wir Menschen Geschichten lieben. Meine Jungs lieben Geschichten. Und meine Jungs hassen Spaziergänge. Aber weil sie Geschichten mehr lieben als Spaziergänge zu hassen, konnte ich sie praktisch immer damit locken, mit mir auf einen langweiligen Spaziergang zu kommen, wenn ich ihnen im Gegenzug eine Geschichte erzähle.
Ich bin ein Fan von Herr der Ringe und StarWars und Marvel. Was alle diese Filme gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie vor Spezialeffekten nur so strotzen. Die meisten dieser Spezialeffekte wurden am Computer generiert. Aber ganz egal wie visuell beeindruckend die Effekte sind, sie sind kein Ersatz für eine gute Geschichte. Am Ende des Tages muss die Geschichte stimmig sein. Wenn der Film eine schlechte Geschichte erzählt, dann ist der Film ist der Regel durch nichts anderes mehr zu retten. Was tun wir, wenn wir eine gute Geschichte hören? Wir versetzen uns in die Geschichte. Wir erleben die Geschichte selbst mit. Wir identifizieren uns mit den Figuren der Geschichte: wir leiden, wir schmachten, wir fiebern mit. Wir wollen wissen, wie die Geschichte endet. Gibt es ein Happy End? Wird der Held den Drachen besiegen können? Werden Prinz und Prinzessin sich finden?
Warum lieben wir Geschichten? Hier ist ein Grund. Wir lieben Geschichten, weil wir tief im Innersten unseres Herzens wissen, dass wir alle Teil einer Geschichte sind. Wir sind alle eingebettet in einer großen Erzählung. Wir leben unsere Geschichte. Wir tun alles, damit die Geschichte, die unser Leben erzählt, ein glückliches Ende nimmt. Wir befinden uns in einem ständigen Kampf, in einem ständigen Konflikt und in einem ständigen Spannungsfeld deshalb. Jeder Mensch lebt in einer Geschichte, und diese Tatsache ist erst einmal unabhängig davon, was wir glauben. Aber die Frage ist dann natürlich: was für eine Geschichte lebst du?
Wenn du nicht an Gott glaubst, dann ist diese Welt alles, was es gibt. Du lebst in einer Geschichte, in der es eigentlich keinen höheren Sinn gibt, kein größeres Ziel, wofür es sich lohnt, zu leben, keine höhere Moral. Du lebst in einem Universum, von dem niemand weiß, warum oder wozu es existiert; und du lebst auf einem Planeten, der sich um eine Sonne kreist, die in ein paar Milliarden Jahren ein toter Stern sein wird. Und du lebst eine Erzählung, in der mit dem Tod alles vorbei ist. Weil dem so ist, geht es vor allem darum, ein möglichst gutes und bequemes Leben zu haben; möglichst viel Geld zu verdienen und möglichst Beziehungen zu haben, die dich glücklich machen. Hier ist das Tragische, wenn du nicht an Gott glaubst: es gibt kein wirkliches Happy End. Kurz bevor ich meinen Postdoc angetreten hatte, hatte ich ein Gespräch mit einem der Arbeitsgruppenleiter in Hannover. Er fragte mich, was ich vorhatte. Ich erzählte ihm, dass ich in Boston eine Stelle bekommen hatte. Er gratulierte mir. Und danach sagte er mir: „Aber vergiss nicht: danach geht es nur noch bergab.“ Ich war etwas verdutzt und fragte ihn, was er damit meinte. Seine Antwort: „In jeder Hinsicht.“ Und das ist die Narrative ohne Gott.
Aber wenn wir uns auf Jesus einlassen, dann ist alles anders. Vers 4 sagt: „Wenn aber Christus, euer Leben, offenbar wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.“ Die Geschichte, die wir leben, ist, dass Gott uns so sehr und so innig geliebt hat, dass er alles auf sich genommen hat, um uns zu suchen und zu finden und zu retten. Er ist unser Bräutigam, und wir sind seine Braut. Wir leben gerade in einer Zwischenzeit: zwischen Jesu Himmelfahrt und seiner Wiederkunft. Wir leben auf eine Zukunft hin, in der Jesu Reich endgültig kommen wird und er alles neu machen wird; in der die schlimmsten und traurigsten Dinge dieser Welt nicht mehr sein werden, als Nebelschwaden, die in der aufgehenden Sonne verschwinden. Und wir leben in einer Realität, in der das Beste und Größte und Schönste noch vor uns liegt. Ganz egal wie du aufgewachsen bist, welche Verluste du in deinem erfahren hast, welche Leiden und Schmerzen du eventuell jetzt hast: Jesus ist unser Happy End.

Drittens, das Evangelium gibt unserem Leben eine radikal neue Ausrichtung
Zweimal sagt uns Paulus, dass wir eine völlig neue Ausrichtung in unserem Leben haben sollen. Vers 1: „sucht, was oben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.“ Und in Vers 2 schreibt er: „Trachtet nach dem, was oben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“ Genau diese Worte, dass wir nicht nach dem suchen sollen, was auf Erden ist, macht viele etwas stutzig. Wir wollen kurz darüber nachdenken, was es nicht bedeutet; dann, was es bedeutet und als letztes, wie wir es umsetzen können.
Zu suchen, was oben ist, bedeutet nicht, dass wir in einer geistlichen Blase leben; es bedeutet nicht, dass wir uns abkapseln; und es bedeutet nicht dass wir uns nur noch mit Geistlichem zu tun haben, dass wir keinen Bezug mehr haben zu unserem irdischen Leben. Vor ungefähr einem Jahr gab es einen rassistischen Anschlag in Hanau. Acht Männer und eine Frau, die alle einen Migrationshintergrund hatten, wurden dabei erschossen. Bei der Umfrage im vergangenen Jahr hatte jemand angemerkt, dass unsere Gottesdienste mehr Bezug haben sollten, zu dem, was um uns herum passiert. Und ich persönlich denke, dass diese Person recht hatte, weil das Evangelium relevant ist für alle Bereiche unseres Lebens. Zu suchen, was oben ist, bedeutet nicht, dass wir einen Tunnelblick haben und nicht sehen, was rechts und links von uns ist. Es bedeutet auch nicht, dass uns irdische Dinge unwichtig sind. Vor allem bedeutet es nicht, dass wir als Menschen leben, die keine Bodenhaftung haben. Im Gegenteil, diejenigen Menschen, die den Himmel suchen, können die besseren Bürger hier auf Erden sein.
Was bedeutet es dann, uns nach oben auszurichten? Vers 1 sagt, dass Christus oben zur Rechten Gottes sitzt. Jesus ist König, und er regiert. Zu suchen, was oben ist, heißt dann, dass unser Leben mit der Realität übereinstimmt, dass Jesus König ist. Es bedeutet, dass alle Bereiche unseres Lebens unter seiner Herrschaft stehen. Es bedeutet, dass wir sein Recht und seine Gerechtigkeit in unser Leben und unsere Umgebung importieren. Jesus sagte in Matthäus 6,33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ Wir haben vorhin gesagt, dass das Evangelium eine Geschichte erzählt; und wir haben gesagt, dass das Evangelium Gottes Einladung an uns ist, selbst Teil dieser Geschichte zu werden. Zu suchen, was oben ist, bedeutet dann, dass wir so leben, dass unser Leben innerhalb der Erzählung Gottes Sinn ergibt.
Ich gebe zwei Beispiele. Die allermeisten von uns haben einen Job. Frage: ist unsere Arbeit irdische Tätigkeit? Antwort: ja, zu einem großen Teil. Zu suchen, was oben ist, bedeutet nicht, dass unsere Arbeit nicht wichtig ist. Im Gegenteil. Unsere Arbeit ist wichtig. Wir dürfen unsere ganze Arbeit unter die Herrschaft Jesu bringen. D.h., wir arbeiten für den König. Auf der Arbeit verhalten wir uns nicht nur konform mit den Arbeitsgesetzen der Bundesrepublik Deutschland, sondern konform mit der Konstitution des Himmelreichs. Wir behandeln unsere Kollegen mit Jesu Liebe und Respekt. Unsere Arbeit im Kontext von Jesu Reich ist wichtig. Und gleichzeitig wissen wir, dass Arbeit nicht alles ist. Unsere Identität ist nicht abhängig davon. Wir sind immer noch Gottes geliebte Kinder, auch wenn auf der Arbeit der Erfolg oder die Anerkennung oder die Wertschätzung ausbleiben.
Oder ein anderes Beispiel: unsere Gesundheit ist wichtig. Zu suchen, was oben ist, bedeutet, dass wir unsere Gesundheit unter Jesu Reich stellen. Leider gibt es viel zu viele Christen unter den sogenannten Corona-Leugnern. Durch Verbreitung von Falschinformationen setzen sie sowohl ihre Gesundheit als auch die Gesundheit von anderen aufs Spiel. Als Bürger von Gottes Reich ist das nicht die Art wie wir leben sollen. Während der Pandemie wollen wir vorbildlich unsere Masken tragen. Wir halten unseren Mindestabstand. Wir halten uns an die Vorgaben der Regierung, wohlwissend, dass unsere Regierung alles andere als perfekt ist und öfters ungeschickt agiert. Ich hoffe, dass wir uns alle impfen lassen, wenn wir an der Reihe sind. (Papst Franziskus hat verkündigt, dass er sich impfen lassen wird. Er kritisierte in diesem Zusammenhang eine „selbstzerstörerische Verweigerungshaltung“, für die er kein Verständnis hat). Gesundheit ist wichtig. Und gleichzeitig wissen wir, dass Gesundheit nicht alles ist. Wir sind nicht abhängig davon. Unsere Identität ist nicht abhängig davon. Wir sind auch dann noch Gottes geliebte Kinder, wenn es mit unserer Gesundheit unaufhaltsam bergab geht.
Als letztes, wie können wir dann nach oben trachten? Reiner wird uns nächste Woche mehr dazu sagen. Nächste Woche wird der Fokus sein, wie Gottes Wort uns dabei hilft. Ich will daher kurz die andere Seite der Medaille beleuchten. Es braucht Gebet. Es braucht Zeiten, in denen wir in der Stille vor Gott sind. Es braucht viel Gemeinschaft mit Gott. Ich muss mich hier an meine eigene Nase fassen. Ich bin alles andere als ein treuer Beter. Dallas Willard hat folgenden Tipp gegeben, den ich versuche umzusetzen. Sobald er aufwachte, hat er im Bett bereits angefangen, das Vater Unser zu beten und darüber zu meditieren: „Vater Unser, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden…“ Wenn wir diese Worte beten, laden wir Jesu Herrschaft ein in unser Leben in diese Welt. Wir trachten nach oben, wo Jesus zur Rechten Gottes sitzt.

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