Predigt: Johannes 14,15 – 26

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Er wird euch einen andern Tröster geben

„Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“

(Johannes 14,15.16)

Wir betrachten zur Zeit Jesu Rede an seine Jünger am letzten Abend vor seiner Kreuzigung, das sogenannte Obergemachgespräch. Wie wir letzte Woche gehört haben, waren die Jünger wegen der Ankündigung von Jesu Weggang erschrocken und hatten keine Orientierung, wie sie weiter leben sollten. Jesus hat sie zum Glauben an Gott und an ihn ermutigt und hat sich ihnen selbst offenbart: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (14,6a). Im heutigen Text setzt Jesus seine Hilfe für die Jünger fort. Er ermutigt sie dazu, aus Liebe zu ihm seine Gebote zu halten, und verheißt ihnen einen Tröster, der sie begleiten und in Ewigkeit bei ihnen sein wird. Möge Gott uns helfen, Jesu Worte zu verstehen und zu beherzigen und unser Leben unter der Leitung des Heiligen Geistes zu führen!

Betrachten wir den Text. Jesus beginnt mit den Worten: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit“ (15.16). Schon in diesen beiden ersten Sätzen finden wir die zwei Themen, die sich durch den ganzen Text ziehen: zum einen ermutigt Jesus die Jüngern dazu, aus Liebe zu ihm seine Gebote zu halten. Zum anderen verheißt er ihnen den Heiligen Geist, der sie trösten und immer bei ihnen sein wird.

1. Jesus gab ihnen die Orientierung, dass sie aus Liebe zu ihm seine Gebote halten sollten

Immer wieder hat Jesus die Jünger dazu ermutigt, seine Gebote zu halten. Im Vers 21 sagt er: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ Und im Vers 23 sagt er weiter: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“ Um Jesu Worte richtig zu verstehen, müssen wir bedenken, in welcher Lage die Jünger waren. Bisher war Jesus immer bei ihnen gewesen und hatte ihnen durch seine Lehre und durch sein Vorbild gezeigt, wie und wofür sie leben sollten. Wenn sie seine Lehre nicht verstanden, konnten sie ihn immer fragen, und Jesus erklärte es ihnen noch genauer. Wenn ihr Denken oder ihr Verhalten seiner Lehre widersprachen, sprach Jesus sie an und half ihnen. Die Jünger waren Jesus drei Jahre lang nachgefolgt und hatten auf diese Weise Gottes Evangelium und in der Nachfolge Jesu eine entsprechende Lebensweise gelernt. Es war für sie unvorstellbar, wie sie in der Zukunft leben sollten, wenn Jesus weggehen würden. Sie fühlten sich wie Kinder, die auf einmal ihre beiden Eltern verlieren, obwohl sie noch viel von ihnen hätten lernen und ihre Hilfe gebraucht hätten.
Jesus gab ihnen nun die Orientierung, dass sie nach seinem Weggang seine Gebote halten sollten. Was meinte er mit seinen Geboten? Eigentlich hat Jesus nur an zwei Stellen ausdrücklich von einem Gebot gesprochen – als er vom höchsten Gebot sprach und als er den Jüngern das neue Gebot gab, dass sie sich untereinander lieben sollten, wie er sie geliebt hat. Weil Jesus diese beiden Worte als „Gebote“ bezeichnet hat, sind sie besonders wichtig und hier wohl auch besonders gemeint. Aber Jesus gab ihnen auch viele andere Aufforderungen und lehrte sie durch Gleichnisse, Erklärungen und Gespräche. Als Jesus ihnen sagte, dass sie seine Gebote halten sollten, können wir deshalb darunter seine ganze Botschaft an sie verstehen, das ganze Evangelium einschließlich seiner Lehre, wie sie danach leben sollten. Die Jünger sollten Jesu Worte nicht nur irgendwo im Kopf abspeichern und ab und zu daran denken, sondern sie im Herzen behalten und praktisch danach leben.

Dabei ist es wichtig, dass Jesus die Jünger hier nicht einfach zum Halten seiner Gebote auffordert, sondern sagt: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.“ Auch in den Versen 21 und 23 sagt er, dass ihre Liebe zu Jesus der Grund ist, aus dem sie Jesu Worte halten. Die Verse 17 und 23 erwecken sogar den Eindruck, dass wer Jesus liebt, fast unweigerlich seine Gebote halten wird. Das ist auch wahr. Wer Jesus wirklich liebt, wird auf seine Worte genau hören und sein Bestes tun, seinen darin ausgedrückten Willen zu tun. Das Halten von Jesu Geboten kommt also aus der Liebe zu Jesus. Woher kommt aber die Liebe der Jünger zu Jesus? Niemand ist in der Lage, von sich aus Jesus treu zu lieben und deshalb seine Gebote zu halten. Ganz am Anfang des langen Gesprächs im Obergemach haben wir gelesen: „Wie er die Seinen geliebt hatte, die er in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende“ (13,1). Die bedingungslose Liebe Jesu war die Grundlage ihrer Reinigung und ihrer Beziehung zu Jesus. So ist Jesu Liebe der Ausgangspunkt und die Grundlage davon, dass sie als Jünger Jesu seine Geboten halten.

Warum sagte Jesus aber dreimal, dass sie seine Gebote halten sollten, wenn sie ihn lieben? Wir Menschen haben die angeborene Neigung, zu leben, wie wir wollen. Auch wenn wir Jesus kennen gelernt haben, haben wir immer noch die Neigung, unser Leben so zu gestalten, wie wir es möchten. Aber wie wir unsere Liebe zu Jesus ausdrücken, ist nicht beliebig. Wenn ein Kind zu seinem Vater freundlich sagt: ‚Du bist der beste Papa der Welt, ich hab dich so lieb‘, aber fünf Minuten später die Worte des Vaters ignoriert und einfach seine Schwester schlägt, stimmt etwas nicht. Jesus will, dass wir unsere Liebe zu ihm dadurch ausdrücken, dass wir seine Gebote halten. Das ist die von ihm gewünschte Antwort auf seine Liebe und der richtige Ausdruck unserer Liebe zu ihm.

Aber es gibt noch einen Grund, warum Jesus das mehrfach wiederholt hat. Denn Jesus will uns, wenn wir seine Worte halten, reich segnen. Betrachten wir nochmals Vers 21: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ Im ersten Moment kann dieses Wort so klingen, als ob unser Halten von Jesu Geboten eine Bedingung dafür wäre, dass Gott uns liebt. Das ist natürlich nicht gemeint. Jesus hat im Kap. 3 gelehrt, dass Gott die Welt, also die Menschen in ihrer Sünde und Ablehnung gegen Gott, so geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott liebt uns trotz unserer Sünde. Was meint Jesus dann? Wenn wir Jesu Liebe ernsthaft erwidern, indem wir seine Gebote halten, dann entsteht eine richtige, feste Liebesbeziehung zwischen ihm und uns. Wenn wir in seiner Liebe bleiben, kann Gott uns seine Liebe richtig erweisen, und Jesus wird sich uns offenbaren. In Vers 23 verheißt Jesus, dass der Vater und Er zu uns kommen und Wohnung bei uns nehmen. Gott will nicht nur ab und zu kurz mit uns Kontakt haben oder uns nur besuchen. Die Worte „Wohnung bei ihm nehmen“ besagen, dass Er dauerhaft bei uns bleiben und eine selige Gemeinschaft mit uns haben will. Diese Gemeinschaft ist das, wonach unser Innerstes eigentlich verlangt, was unseren Hunger nach Leben stillt. Dass Gott Wohnung bei uns nimmt ist sein inständiger Wille nach Gemeinschaft mit uns, und es bedeutet für uns den Himmel auf Erden. Diese Gemeinschaft erfolgt praktisch durch den Heiligen Geist. Damit kommen wir zum zweiten Hauptpunkt.

2. Jesus verheißt ihnen den Heiligen Geist

Jesus Ermutigung, dass die Jünger aus Liebe zu ihm seine Gebote halten sollen, ist verwoben mit seeiner Verheißung des Heiligen Geistes. Im Vers 16 sagt er: „Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“ Jesus vesprach den Jüngern, die er bald verlassen würde, einen andern Tröster, der bis in Ewigkeit bei ihnen bleibt. Die Menschen in der Welt können ihn nicht empfangen, weil sie ihn wegen ihres Unglaubens nicht sehen und nicht kennen. Jesus sagt: „Ihr aber kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein“ (17b). Die Jünger hatten eigentlich vor Pfingsten kaum Erfahrung mit dem Heiligen Geist. Aber Jesus sagte, dass sie ihn kannten. Sie würden ihn durch die Erfahung kennen lernen, weil er bei ihnen bleiben und in ihnen sein würde.

Das griechische Wort, das hier mit Tröster übersetzt ist, kann auch mit Beistand oder Fürsprecher übersetzt werden, was auch für einen Anwalt vor Gericht gebraucht wurde. Damit bringt Jesus zum Ausdruck, dass der Heilige Geist immer bei uns ist und uns beisteht. So wie wichtige Leiter in der Politik oder Wirtschaft immer einen Anwalt in ihrer Nähe haben, der sie berät und sie vor Gefahren und Fehltritten warnt, so ist der Heilige Geist bei uns und begleitet uns und will uns allezeit leiten, um uns bei unseren Entscheidungen zu helfen und uns vor Gefahren zu bewahren.

Der Heilige Geist ist auch ein Tröster. Die Jünger brauchten Trost, weil sie bald ohne Jesu sichtbare Anwesenheit in einer sehr unchristlichen Umgebung Jesus bezeugen und für die Ausbreitung seines Reiches leben sollten. Als sie den Juden und den Heiden Jesus bezeugten, erfuhren sie von allen Seiten Widerstand und Ablehnung. Aber in der Apostelgeschichte erfahren wir, wie sie trotz aller Widerstände mit Freude im Glauben lebten und Jesus mutig bezeugten, weil der Heilige Geist bei ihnen war und sie täglich tröstete.

Auch wenn wir in unserem Glaubensleben in Deutschland kaum Widerstand erleben, können auch wir in unserem Leben manches haben, was uns Sorgen macht oder uns traurig macht. Wenn wir Nachrichten lesen, erfahren wir täglich von Verbrechen und Kriegen, die scheinbar nie aufhören, und von Problemen, die kein Mensch lösen kann. Wenn wir unsere Nächsten in der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz oder in der Gemeinde sehen, die unter der Sünde leiden, wir ihnen aber nicht helfen können, brauchen wir den Tröster, der uns tröstet und uns ermutigt, weiter zu Gott zu beten und auf die richtige Zeit zu warten. Vielleicht brauchen wir seinen Trost aber auch für uns selbst, weil wir von anderen enttäuscht worden sind und uns allein gelassen fühlen, weil wir von anderen verletzt oder ungerecht behandelt wurden; oder weil sich bestimmte Wünsche in unserem Leben nicht erfüllt haben; oder wir sind darüber bekümmert über eigenes Versagen oder weil wir geistlich noch nicht so weit gewachsen sind, wie wir es gerne wollten, und es in unserem Leben nur wenig sichtbare Frucht gibt. Es gibt so vieles, was uns bekümmern und uns die Freude rauben und uns zermürben kann. Aber Dank sei Gott, der uns den Tröster geschickt hat, der uns wirklich kennt und uns tief im Innern trösten kann. Was immer uns betrübt: der Heilige Geist ist da, um uns zu helfen und uns so zu trösten. Und wenn wir schon so in die Probleme verstrickt sind, dass wir seine Liebe gar nicht wahrnehmen können, hilft uns der Heilige Geist auch dabei, wenn wir darum bitten.

Der Heilige Geist auch der Geist der Wahrheit (17). Er ist Gottes Geist, der alle Wahrheit kennt und innehat. Das ist eine gute Nachricht für uns. Wir leben so leicht mit einem falschen Bild von Gott, mit einem falschen Bild von uns selbst und unserem Leben. Aber der Geist der Wahrheit zeigt uns, wer Gott wirklich ist, wie sehr er uns liebt, was er für uns schon getan hat und was er Gutes für uns in der Zukunft vorgesehen hat. Er will uns auch die Wahrheit über uns selbst zeigen, was für Sünder wir in Wirklichkeit vor ihm sind, wie sehr wir von ihm aber wertgeschätzt sind, sodass wir von grundlosem Stolz und von Minderwertigkeitsgefühl befreit werden und für Jesu Gnade dankbar in der Beziehung zu ihm leben können.

Tatsächlich ist es das Wichtigste in unserem Leben, dass wir die Wahrheit erkennen. Solange wir die Wahrheit nicht oder nicht genug erkannt haben, leben wir noch in einer Art Scheinwelt und leiden unter allen möglichen Sünden wie Undankbarkeit, Begierden, Neid, Hass, Hochmut oder Verzweiflung. Ohne die Hilfe des Heiligen Geistes können wir nicht von dort herauskommen. Aber der Geist der Wahrheit will uns helfen, die Wahrheit zu erkennen und von allem Verkehrtem frei zu werden und unser Leben im Licht in der Gemeinschaft mit Gott zu führen.

Wie tut der Geist das? Jesus sagt: „Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (25.26) Für die Jünger war die Vorstellung, dass Jesus bald nicht mehr physisch bei ihnen sein würde, wie eine Horrorvorstellung. Tatsächlich würde Jesus schon am nächsten Tag am Kreuz sterben und auferstehen und zum Himmel fahren. Aber sie brauchten sich nicht zu fürchten. Denn Gott würde ihnen im Namen Jesu den Heiligen Geist senden, der sie alles lehren und sie an alle Worte Jesu erinnern würde. So half der Heilige Geist ihnen, Jesu Worte mehr und mehr zu verstehen und danach zu leben und in immer vollkommener Gemeinschaft mit ihm zu leben.

Diese Verheißung gilt auch uns. Der Heilige Geist will uns alles lehren und uns an alles erinnern, was Jesus uns gesagt hat. Wann immer wir die Bibel aufschlagen und lesen oder darüber nachsinnen oder Stellungnahme schreiben, ist er da und bereit, uns die tiefe Bedeutung des Wortes zu lehren und uns Jesus zu offenbaren. Der Heilige Geist ist der vollkommene Bibellehrer. Unter seiner Leitung kann das Maß und die Klarheit unserer Erkenntnis Jesu schier unendlich weiter wachsen. Der Geist will uns auch an Jesu Worte erinnern, falls wir sie wieder vergessen und von der Wahrheit abirren. Er wird uns geduldig helfen, Jesus, seinen Willen und sein Werk immer klarer zu erkennen und unser Leben in einer seligen Gemeinschaft mit ihm zu führen.

Lesen wir noch einmal die Verse 15 und 16: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebotehalten. Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“

Möge Gott jedem von uns helfen, Jesu Liebe jeden Tag neu so tief anzunehmen, dass wir aus Liebe zu ihm nach seinen Worten leben können. Gott helfe uns, dass wir beim Bibelstudium, Stellungnahme schreiben und beim Gebet vom Heiligen Geist lernen können, sodass er uns in alle Wahrheit leitet und unser Leben mit seinem Wort übereinstimmt und wir Gott verherrlichen können!

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