Predigt: Lukas 18,15 – 27

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Vom kindlichen Empfangen des Reiches Gottes

„Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmtwie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“

(17)

Heutzutage ist in den Medien immer wieder von Selbstmordattentaten zu hören. Und die meisten von diesen Selbstmordattentaten, wenn nicht alle, haben einen muslimischen Hintergrund. Man kann sich fragen, was Muslime dazu treibt, sich mitsamt einer großen Menschenmenge in den Tod zu jagen. Was geht da in ihnen vor? In einem Bericht von Open Doors heißt es: Muslime hätten keine Heilsgewissheit, vielmehr gingen sie davon aus, dass sie nach dem Tod direkt in die Hölle kämen. Der einzige Weg, sicher ins Paradies zu kommen, sei ein Selbstmordanschlag.“1 Aber es ist typsich menschlich bzw. natürlich zu denken, dass man etwas ganz Besonderes sein muss und etwas ganz Besonderes leisten muss, um ins Reich Gottes einzugehen. Diese typisch menschliche Gesinnung schlägt sich nicht nur im Islam sondern auch in anderen Religionen nieder.

In Wirklichkeit aber ist Gott ganz anders. Es kommen völlig andere Menschen in Sein Reich. Welche sind das? Eine Antwort hierauf gibt uns der heutige Text aus Lk 18. Wir wollen uns mit dem Text anhand von zwei schlichten Fragen auseinandersetzen: Erstens wer kommt in das Reich Gottes? Zweitens wer kommt nicht in das Reich Gottes?

Teil I: Das positive Beispiel der Kinder (V. 15 – 17)

Welches Ereignis gab Jesus Anlass, über das Empfangen des Reiches Gottes zu lehren? Betrachten wir Vers 15: Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie anrühren sollte. Als das aber die Jünger sahen, fuhren sie sie an. Mehrere Mütter brachten ihre kleinen Kinder zu Jesus. Sie wollten, dass der Herr Jesus sie anrühre bzw. ihre Kinder segnet. Doch die Jünger hatten etwas dagegen. Sie fuhren die Mütter an, heißt es. Die Jünger regten sich über das Anliegen der Mütter auf. Sie waren zornig darüber, dass es sich die Mütter erlaubten, ihre Kinder zu Jesus zu bringen. Warum fanden sie das schlimm? Wie müssen sie gedacht haben? In ihren Augen waren die Kinder „eine unnütze Belästigung ihres Meisters und eine Störung seiner Heil- und Lehrtätigkeit“ (RIENECKER, F. 1959: 427)2. „Sie seien ja noch zu klein und könnten nichts begreifen, seien zu schwach und könnten nichts leisten“ (ebd.: 428)2. Kleine Kinder passten ihrer Meinung nach nicht in die Nähe ihres Meisters (vgl. ebd.)2. Sie waren nicht würdig genug. Man musste schon wie sie etwas geworden sein, um in die Nähe des Herrn kommen zu dürfen. Sie mussten erst einmal zu solchen Menschen wie sie, die Jünger werden, wenn sie in die Nähe des Herrn kommen wollten. Die kleinen Kinder hatten nichts vorzuweisen. Sie aber, die alles um Jesu willen verlassen hatten, und Ihm auf Schritt und Tritt gefolgt waren, schon. So etwa müssen die Jünger gedacht haben. Die Jünger dachten, sie würden im Interesse ihres Herrn handeln. War das aber so? Betrachten wir Vers 16: Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Jesus wollte ganz gerne, dass die Kinder zu Ihm kommen. Mit den Worten „Lasset die Kinder zu mir kommen…“ rief Jesus die Kinder liebevoll herbei. Jesus sah nicht in dem Anliegen der Mütter, sondern in der Einstellung der Jünger das Problem. Sie stellten ein Hindernis für den Segen Jesu für die Kinder dar. Jesus wollte das gerade die Kinder zu Ihm kommen. Gerade sie wollte er in Seiner Nähe haben. Gerade Kinder wollt der Herr Jesus segnen? Warum das? Jesus sagt: Denn solchen gehört das Reich Gottes. Gerade Kinder sind für das Reich Gottes bestimmt. Man könnte auch sagen: Gerade sie haben es einfach in den Himmel zu kommen. Warum? In allen drei Stellen wo das Wort „Kind“ auftaucht stehen im Griechischen Wörter, die „Baby“ und/oder „Kleinkind“ meinen. Es sind hier also in erster Linie Kleinkinder gemeint. Kleinkinder haben gemeinsam, dass sie kaum etwas selber tun können. Was kann ein Baby schon selber tun? Es kann nicht gehen, nicht essen, nicht sprechen, sich nicht kleiden, nicht auf die Toilette gehen, nicht einmal sitzen usw. Es ist extrem unselbstständig. Es ist extrem auf seine Eltern angewiesen. Weil Kleinkinder sehr unselbstständig sind, sind sie unglaublich gut darin, Hilfe von außen anzunehmen. Wenn auch ein Baby nichts tun kann, eins kann es sehr gut: Annehmen. Sein ganzes Dasein besteht eigentlich nur darin, etwas von seiner Mama anzunehmen, sei es Nahrung, sei es Zuwendung, sei es Bekleidung, sei es Reinigung oder sei es, dass es sich schlafen legen lässt. Ein Baby hat auch kein Problem damit, ständig die Hilfe seiner Mama zu beanspruchen. Das ist Babys überhaupt nicht peinlich. Sie wollen getragen werden. Sie wollen Zuwendung. Sie wollen gefüttert werden. Sie wollen die Windel gewechselt bekommen, spätestens wenn es anfängt zu jucken. Vor allem wollen sie die Mama. Wenn ein Baby mal nicht bekommt, was es braucht, dann ist das Geschrei groß. Für Babys ist es das Selbstverständlichste überhaupt, ständig etwas zu empfangen, ständig etwas anzunehmen, eben weil sie extrem unselbstständig bzw. abhängig von den Eltern sind.

Gerade diese Eigenschaft der Kleinkinder schätzt der Herr sehr. Menschen, die diese Eigenschaft haben, sind für das Reich Gottes geradezu prädestiniert. Warum? Der Eintritt ins Reich Gottes ist unbezahlbar. Das Ewige Leben ist so kostbar, dass man es sich nicht verdienen kann. Das Ewige Leben ist ein riesengroßes Geschenk, das man entweder annehmen kann oder nicht. Deswegen „gehört solchen“, also Menschen die wie Kleinkinder annehmen können, das Reich Gottes. Während es für Kinder, insbesondere für Kleinkinder das einfache Annehmen das Selbstverständlichste überhaupt ist, ist es für Erwachsene fast das Unselbstverständlichste überhaupt. Wir Erwachsene wissen es nicht mehr, völlig auf jemanden angewiesen zu sein. Wir haben gelernt selbstständig und möglichst unabhängig von anderen zu leben. Daher ist es für uns alles andere als selbstverständlich, dass man so eine große Sache wie das Reich Gottes einfach nur annehmen muss. Wir neigen eher dazu etwas dafür zu leisten oder es irgendwie zu verdienen. Welche Mahnung gab daher der Herr Jesus seinen Jüngern? Lesen wir gemeinsam Vers 17: Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Die Mahnung Jesu ist ernst: Das Reich Gottes kann man entweder so annehmen wie ein Kind, wörtlich wie ein kleines Kind, oder man bekommt es gar nicht. Mit anderen Worten: Solange man nicht begriffen hat, dass man von sich aus nichts tun kann, um das Reich Gottes zu erlangen, ist man für das Reich Gottes gar nicht empfänglich. So wie ein Baby nichts tun kann, als nur anzunehmen, so können auch wir nichts tun, um in das Reich Gottes zu kommen, sondern es lediglich annehmen. So wie ein Baby völlig auf seine Eltern angewiesen ist, so ist man völlig auf die Gnade Gottes angewiesen, die dem Menschen das Ewige Leben schenkt. So wie ein Baby völlig von seinen Eltern abhängig ist, so ist man völlig von Gott abhängig, der allein das Reich Gottes geben kann. Die Jünger dachten, die Kinder müssten zuerst das werden, was sie waren, um die Gnade Jesu zu bekommen. Jesus aber versichert ihnen im Gegenteil, dass die Jünger zuerst das werden sollten, was die Kinder sind, um seiner Gnade teilhaftig zu werden (ebd.: 427)2.

In den Kleinkindern hat uns der Herr ein positives Beispiel gegeben, wie man das Reich Gottes annehmen soll. Welches negative Beispiel erfahren wir durch die Geschichte vom reichen Vorsteher?

Teil II: Das negative Beispiel des reichen Vorstehers (V. 18 – 27)

Wie in den anderen Evangelien wird auch in Lukas im Anschluss an die Kindersegnung die Begegnung Jesu mit einem Oberer oder Vorsteher einer Synagoge berichtet. Was wissen wir noch über diesen Mann? Aus Vers 20 wissen wir, dass er sich selbst für fromm hielt. Offenbar auch die anderen. Denn sonst wäre er sicherlich nicht zum Synagogenvorsteher geworden. Was erfahren wir noch über ihn? In Vers 23 erfahren wir, dass Er sehr reich war. Reichtum wurde als Segen Gottes angesehen. Reichtum war sozusagen ein Indiz dafür, dass man in guter Beziehung mit Gott stand. Aus Mt. 19.20 wissen wir zusätzlich, dass er jung war. Dieser Mann, der zu Jesus kam, hatte also eine Menge vorzuweisen: Er hatte eine angesehene Position, war jung, reich, galt als fromm und von Gott gesegnet. Obgleich er Vieles vorzuweisen hatte, fragte er Jesus: „Guter Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“ Was ging in diesem Mann innerlich vor? Der reiche Mann wollte das Ewige Leben durch eigene Tugenden erwerben. Im inneren Bewusstsein wurde ihm jedoch immer wieder klar, dass der Schatz seiner guten Werke nicht genügte. Er wollte seiner Gerechtigkeit noch etwas Außergewöhnliches hinzufügen, um sich des ewigen Lebens ganz gewiss zu sein. Kurz gesagt: Der reiche Vorsteher suchte keine Gnade, sondern Lohn. Er war zwar ein Mann voll guten Willens, aber ohne Selbsterkenntnis (vgl. ebd.: 430)2. Wie half ihm der Herr Jesus daher? Betrachten wir Vers 19: Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Jesus durchschaut das geistliche Problem der fehlenden Sündenerkenntnis des Mannes. Deswegen tadelt Jesus den jungen Mann für sein oberflächliches Verständnis von dem Wort „gut“. Wer Jesus gut nennt, muss sein Einssein mit Gott bzw. Jesu Gottheit erkennen (vgl. ebd.: 430f)2. Der Vorsteher nannte Jesus gut, obwohl er Jesu als Gott nicht erkannt hatte. Er nannte jemanden, der in seinen Augen lediglich ein vorbildicher Mensch war, als gut. Insofern war sein Verständnis vom Wort „gut“ oberflächlich. Sein oberflächliches Verständnis von gut resultiert aus seiner fehlenden Sündenerkenntnis. Wahrscheinlich sah sich der Vorsteher aufgrund seines vorbildichen Lebens auch als einen guten Menschen.

Wie half ihm Jesus weiter? Betrachten wir Vers 20: Du kennst die Gebote: „Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!“ Bemerkenswerterweise sagt Jesus nichts vom Evangelium, nichts von einem Werk, das Er tun würde. Stattdessen empfiehlt Jesus dem jungen Mann einfach die Erfüllung des Gesetzes. Jesus spornt ihn sozusagen an, den Weg des Gesetzes getreulich bis ans Ende konsequent zu gehen. Jesus möchte, dass der junge Mann ganz auf den Ernst des Gesetzes eingeht. Jesus weiß nämlich sehr gut, dass der Jüngling, wenn er aufrichtig ist, so wie Paulus durch das Gesetz dem Gesetz sterben wird (vgl. ebd.: 431)2.

Auffallend ist, dass Jesus nur die Gebote der Zweiten Tafel, die sich auf unsere Pflichten gegenüber unseren Mitmenschen beziehen, nennt. Warum? Ich habe eine Antwort hierauf in 1. Joh. 4.20 gefunden: Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Es ist leichter, sich in der Liebe zu Gott zu betrügen als in der Liebe zu den Menschen, weil Gott im Gegensatz zu den Menschen unsichtbar ist. Wenn der Reiche durch die 5 Gebote der Zweiten Tafel seinen Mangel an Nächstenliebe erkennt, dann ist es für ihn nicht schwierig einzusehen, dass ihm die Liebe zu Gott erst recht fehlt.

Allerdings verstand der Vorsteher nichts von dem tieferen Sinn der Gebote und meint daher, sie wirklich erfüllt zu haben (vgl. ebd)2. Wie half ihm der Herr Jesus daher weiter? Betrachten wir Vers 22: Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib´s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach. Die Antwort Jesu deckt den Grund des Herzens vom jungen Vorsteher auf. Jesus hatte erkannt, dass der Reichtum für den Vorsteher ein Götzen war. Er lag festgebunden an den Stricken des Reichtums. Nur durch die gänzliche Durchreißung dieser Bindungen konnte er erlöst werden. Jesus sah, dass das Herz des Reichen nicht anders errettet werden konnte, als dass er sich äußerlich des Reichtums völlig entledigte (vgl. ebd)2. Praktisch konnte er das tun, indem er Jesus nachfolgte. Denn die Nachfolge Jesu erfordert, dass man sich von allem losreißt. Durch den Entschluss Jesus nachzufolgen, hätte sich der Jüngling als Sünder sowie die Notwendigkeit, dass er den Herrn als Erlöser braucht, erkannt. Wie reagierte der junge Mann aber auf die Einladung Jesu, ihm nachzufolgen? Betrachten wir Vers 23: Als er das aber hörte, wurde er traurig; denn er war sehr reich. Anstelle sich über die Einladung Jesu zur Nachfolge zu freuen, wurde der Vorsteher traurig. Der Reichtum war ihm lieber als das Ewige Leben. Die Liebe zum Reichtum hinderte ihn daran, dass Ewige Leben zu ererben. Sein Herz hing am Reichtum. Das Tragische am reichen Vorsteher war: Obwohl er Vieles vorzuweisen hatte, war er doch absolut unfähig, in das Reich Gottes zu kommen.

Was lehrte der Herr Jesus anlässlich der Reaktion des Vorstehers? Betrachten wir Vers 24: Als aber Jesus sah, dass er traurig geworden war, sprach er: Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes! Ein Reicher kommt schwer ins Königreich Gottes, weil das sündige Herz zu fest an dem irdischen Besitztum hängt. Um seinen Zuhörern diese Wahrheit noch fester einzuprägen, fügt der Herr hinzu (vgl. ebd.: 432)2: Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme. Menschlich gesehen ist es also absolut unmöglich, dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Zu sehr hängt sein Herz an den Reichtum. Für die Zuhörer stellte sich daraufhin die Frage, wer dann überhaupt selig werden könne. Wenn es schon für den reichen Mann, der als von Gott gesegnet galt, unmöglich war, ins Reich Gottes zu kommen, wer konnte dann überhaupt ins Reich Gottes, so der Gedanke der Zuhörer. Wie lautete die Antwort Jesu? Lesen wir sie einmal gemeinsam: Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Nicht nur der Reiche, kein Mensch kann von sich aus selig werden. „Kein Mensch kann aus eigener Kraft sein Herz umwandeln, dass es nicht mehr am Irdischen hängt. Die Allmacht der Gnade Gottes jedoch vermag das Herz zu erneuern, dass es alles Irdische um des Königreich Gottes willen preisgibt, dass es statt nach irdischen Gütern nach dem himmlischen Schatze trachtet“ (ebd.: 433)2 . Wann immer also ein Mensch zum Glauben kommt, so ist es ein großes Wunder Gottes!

Dieses große Wunder Gottes basiert auf Jesu Opfertod. Es ist wahr, es muss etwas Besonderes geschehen, damit Menschen in den Himmel kommen können. Aber nicht wir, sondern Gott hat das Große, Besondere getan, damit Menschen in das Reich Gottes eingehen können. Jesu Opfertod am Kreuz ist das Besondere, das geschehen musste, dass ein Mensch ins Reich Gottes eingehen kann. Jesu Opfertod am Kreuz ist das große Werk, die besondere Leistung dafür, dass ein Mensch in den Himmel kommen kann. Am Kreuz machte Gott das Unmögliche möglich: Der Mensch kann selig werden.

Auch der reiche Vorsteher hätte dieses Wunder Gottes in seinem Leben erfahren können, wenn er seine absolute Unfähigkeit zu Jesus gebracht hätte. Er hätte Jesus bekennen können: „Ich kann es nicht. Der Reichtum ist mir zu wichtig.“ Jesus hätte ihm sicherlich geholfen. Aber stattdessen ging er traurig weg. Er kam zu Jesus als einer, der etwas vorzuweisen hat, ging aber traurig weg. Er ist ein Beispiel für solche, die das Reich Gottes nicht empfangen.

Welche Anwendungen können wir aus dem heutigen Text ziehen? Erstens können wir dafür dankbar sein, dass wir gläubig geworden sind. Es ist ein großes Wunder Gottes. Ich erinnere mich noch, wie ich als Jugendlicher zu Gott betete: „Gott, ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen, mit Dir zu leben. Ich kann das nicht.“ Dieses Gebet war ein Ausdruck meiner inneren Not: Zum einen spürte ich die Not errettet werden zu müssen, zum anderen wollte ich mein altes Leben nicht aufgeben. Ich wollte nicht zu Gott umkehren. Ich wusste, dass ich muss, aber ich wollte nicht. Ich war absolut unfähig, das Ewige Leben zu erlangen. Mit meinem Gebet wollte ich Gott meine Unfähigkeit bekennen. Ich glaube, dass Gott dieses Gebet sehr gefallen hat. Auf jeden Fall weiß ich, dass Gott dieses Gebet Jahre später erhört hat. Heute ist es umgekehrt: Ich kann es mir nicht mehr vorstellen, ohne Gott zu leben. Es ist also ein großes Wunder, dass ich gläubig geworden bin. Dafür darf ich Gott jeden Tag neu danken.

Zweitens ist der Text eine große Botschaft für diejenigen unter uns, die noch nicht errettet sind. Es ist eine große Einladung, als Sünder zu Jesus zu kommen, als jemand, der absolut unfähig ist, in das Reich Gottes einzugehen, als jemand der absolut unfähig ist, mit seinem alten Leben und seinen Götzen abzubrechen.

Drittens sollen wir auch nach unserer Bekehrung oder erst recht nach unserer Bekehrung in Abhängigkeit von Gott leben. Wir haben das Reich Gottes, zum anderen haben wir es aber auch noch nicht. Wir sind noch nicht im Himmel angekommen. Um dort anzukommen, müssen wir tagtäglich in Abhängigkeit von Gott leben. Einmal ermahnte der Herr Jesus seine Jünger: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen (Mt. 18.3). Jesus sagte das den Jüngern, als sie ihn fragten, wer denn der Größe unter ihnen sei. Sie waren überheblich geworden. Sie meinten, etwas geworden zu sein. Sie meinten nun, etwas vorweisen zu können. Sie mussten daher umkehren und wieder neu zu Kindern werden. Ebenso auch wir, wir können leicht aus unserer Kindsstellung herausfallen. So wie das Dasein der kleinen Kinder darin besteht, ständig etwas zu empfangen, so soll unser Glaubensleben auch darin bestehen, ständig etwas von Gott zu erbeten und zu empfangen. Denn für alles, was wir für Gott tun wollen, brauchen wir Ihn. Ohne ihn können wir nichts tun. In der Beziehung zu Gott besteht unsere Rolle darin, dass wir von Gott alles empfangen, was wir zum Glaubensleben brauchen. Wir sollen Gott Vater sein lassen, der alles weiß, was wir bedürfen und es gerne gibt. Auf diese Weise können wir in Abhängigkeit von Ihm leben.

Viertens, wenn wir für die Bekehrung von ungläubigen Menschen wirken, ist es wichtig, stets deren Unfähigkeit, von sich aus selig zu werden, vor Augen zu haben. Erst dadurch können wir für sie in rechter Weise beten und ihnen mit dem Wort Gottes in rechter Weise dienen.

Lesen wir zum Schluss noch einmal das Leitwort: Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

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1 „Open Doors“: Für Christen in islamischen Ländern beten. In: http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/open-doors-fuer-christen-in-islamischen-

laendern-beten-86126/ [ 27.03.16]

2 RIENECKER, F. (1959): Das Evangelium nach Lukas. Erklärt von Fritz Rienecker. In:Wuppertaler Studienbibel. Seite: 1-555. SCM R. Brockhaus.

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