Predigt: Johannes 1,1 – 18 (1. Sonderlektion – Weihnachten 2015)

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Das Wort ward Fleisch

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

(14)

Im sogenannten Prolog des Johannesevangeliums stellt der Evangelist Johannes seinen Lesern und Zuhörern Jesus Christus vor. Der Prolog ist eine Art Vorbereitung auf den eigentlichen Inhalt des Evangeliums (Prologos: Vorwort).

Auch wir betrachten diesen Text, um uns vorzubereiten, auf ein Fest, das zu den Größten gehört, die weltweit gefeiert werden und das uns an ein Ereignis erinnert, das je mehr wir uns damit auseinandersetzen, umso phänomenaler erscheint, weil es sich tatsächlich um ein Phänomen handelt: Christi Ankunft in unsere Welt, die Inkarnation (Fleischwerdung) Gottes. Dass dieses Ereignis kein alltägliches, sondern einzigartiges Ereignis ist, versteht sich von selbst. Das hatte es noch nie gegeben und wird es auch nie wieder geben, nur einmal, Jesus!

Ich fand es verblüffend, wie der intellektuelle Literaturwissenschaftler C. S. Lewis zum Glauben gekommen ist, nachdem ich seine Autobiographie „Überrascht von Freude“ gelesen habe. Zwei seiner christlichen Freunde diskutierten die halbe Nacht mit ihm und rangen um seinen Glauben. Sie machte ihm klar: Du liebst Märchen, Sagen und Mythen und du bist z.B. völlig begeistert von der nordischen Mythologie. Aber die Bibel lehnst du ab, obwohl sie ebenfalls sagenumwobene Geschichten erzählst, die dich eigentlich begeistern sollten, allerdings mit dem großen Unterschied, dass die Bibel den Anspruch hat wahr zu sein! Als C. S. Lewis das erkannte, kam er zum Glauben und übergab Christus sein Leben und schrieb in seinem Essay „Gott auf der Anklagebank“: Das Herzstück des Christenglaubens ist ein Mythos, der zugleich eine historische Tatsache ist […] Das ist der Ehebund zwischen Himmel und Erde: vollkommener Mythos und vollkommene Tatsache. In seinem Buch „Der innere Ring“ schrieb er: ‘Gott wurde Mensch’ […] ‘Mythos wurde Wirklichkeit’ (http://www.narnialand.de/Lewis__Atheist_und_Christ/lewis__atheist_und_christ.html) (Einer dieser Freunde, der ihm zum Glauben verhalf war J. R. R. Tolkien, bekannt als der Autor von „Der Herr der Ringe“. Sie liebten Mythen und Gott gab ihnen das größte und geheimnisvollste Mythos aller Zeiten, das zur Wirklichkeit wurde und sie waren überwältigt).

Nun fragen uns Menschen, die nicht im Glauben stehen, wie wir in unserer aufgeklärten Zeit an solche biblischen Geschichten wie die Inkarnation Gottes glauben können. Dazu eine andere interessante Geschichte. Als C. S. Lewis seine letzte Vorlesung an der Cambridge University gab, es ging dabei über Literatur, war ein junger Mann unter den Zuhörern, namens John Lennox. John Lennox ist Mathematikprofessor und hielt einmal eine Vorlesung, an der 800 Atomphysiker teilnahmen (ein ziemlich radioaktiver Haufen). Nach der Vorlesung kam einer von ihnen nach vorne und sagte: Prof. Lennox, das war wirklich eine interessante Vorlesung aber ich habe festgestellt, dass Sie ein Christ sind. Und er war ziemlich entsetzt darüber und fragte, wie das zusammen passt: Sie sind Mathematiker und wir haben das 21. Jhr. Wenn sie ein Christ sind, dann müssen sie glauben, dass Jesus beides war, Gott und Mensch. Lennox sagte: Das ist richtig. Können Sie mir das erklären, fragte er. Lennox sagte: Erlauben Sie mir zuvor ein, zwei Fragen zu stellen? In Ordnung. Lennox fragte ihn: Sagen Sie mir, was ist das Bewusstsein. Nach einer Pause sagte er: Ich weiß es nicht. Ok, sagte Lennox, dann fahren wir mit einer leichteren Frage fort: Was ist Energie? Und er erklärte: Nun, wir können es messen, wir können es nutzen. Lennox unterbrach ihn: Antworten Sie auf meine Frage, was ist es? Eine längere Pause setzte ein, gefolgt von einem zweiten: Ich weiß es nicht. Lennox sagte: Das ist interessant. Sie glauben an das Bewusstsein und an Energie, richtig? Ja! Aber Sie wissen nicht, was es ist. Sollte ich sie als Intellektueller abschreiben? Er sagte: Bitte nicht. Lennox: Aber Sie waren dabei mich abzuschreiben, weil ich ihnen vor 3 Minuten etwas nicht erklären konnte, das unendlich tiefer geht, als die Realität von Energie oder Bewusstsein. Und er sagte: Ich glaube wir müssen reden. Und Lennox fragte ihn: Warum glauben Sie an Dinge wie das Bewusstsein oder Energie, obwohl sie diese Dinge nicht verstehen? Weil sie Grund zur Annahme haben? Ja, genau, antwortete der Physiker. Daraufhin Lennox: Wir verstehen nicht einmal die einfachsten Dinge im Universum: Was Licht ist, Gravitation, Energie. Und Sie wollen, dass ich ihnen die komplexesten Dinge erkläre, z.B. wie Jesus Gott und Mensch zugleich sein kann? Lennox bezeugte: Ich kann ihnen nicht erklären, wie das sein kann aber ich habe Gründe, daran zu glauben! Denn die einzige Beschreibung Jesu Christi, die Sinn ergibt, lautet, dass er zugleich Mensch und Gott war. Seine Reaktion: Das kann ich akzeptieren. Lennox fügte abschließend hinzu: Mag sein, dass Jesu Wesen als Gott und Mensch jenseits unserer Möglichkeiten liegt, es zu verstehen aber es liegt nicht jenseits unserer Möglichkeiten es anzunehmen.

In der heutigen Predigt wollen wir uns fragen, welchen Impact es hat, dass Gott Mensch wurde. Wenn das wahr ist, was bedeutet das dann für uns?

Hierzu wollen wir den Text in 3 Blöcken betrachten. 1) Jesus ist Schöpfer, kein Geschöpf 2) Jesus ist die Quelle des Lebens 3) Das Wort ward Fleisch

  1. Jesus ist Schöpfer, kein Geschöpf (1-3)

Johannes eröffnet sein Evangelium mit den Worten: „Im Anfang war das Wort“.

Es ist offensichtlich, dass diese Eröffnung Genesis 1,1 ähnelt, worin verkündet wird: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (Gen 1,1)

Vielleicht habt ihr euch gefragt, warum es in unserem Text „Im Anfang“ heißt und nicht „Am Anfang“. Meine Antwort ist: Es macht keinen Unterscheid. Im griechischen Original steht: „En arché“. Das Wort „arché“ (hat übrigens nichts mit der Noahs Arche zutun) kann mit Anfang / Ursprung übersetzt werden. Gemeint ist also nichts anderes als: Am Anfang / Im Ursprung.

In der Genesis lesen wir immer wieder: Und Gott sprach, und Gott sprach und Gott sprach. Und jedes Mal als Gott sprach, entstand aus dem Nichts etwas Neues, etwas, das vorher nicht existent war. Daran angelehnt sagt das Evangelium nach Johannes:

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“

Das Johannesevangelium erweitert unser Verständnis von Gott und von der Schöpfung aller Dinge. Es sagt, dass Gottes Schöpfungswort untrennbar mit Gott verbunden ist und mehr noch, dass es sogar Gott selbst ist! Gottes Wort, mit dem alle Dinge geschaffen wurden, ist also keine Schöpfung Gottes, sondern gleichzusetzen mit dem Schöpfer, denn dieses Wort Gottes hat alles geschaffen.

Und wenn wir die Offenbarung im Vers 14 vorziehen, in der Gottes Wort personifiziert und als Jesus vorgestellt wird, dann lautet die Zusammenfassung des ersten Blocks: Jesus, das göttliche Wort, hat von Anfang an existiert, war von Anfang an bei Gott, und dieser Jesus ist kein Geschöpf, er ist Gott und alles existiert durch ihn! (Er ist Teil der göttlichen Dreieinigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist)

Warum ist es für uns wichtig, dass Jesus Gott ist und kein Geschöpf? Die Antwort auf diese Frage ist wirklich nicht schwer. Denn der Schöpfer ist immer größer als sein Geschöpf! (Betrachten wir ein Beispiel aus der Kunst. Ein Künstler, der ein Kunstwerk schafft, wird gelobt und geehrt, weil er größer ist als sein Werk. Das Werk gibt wieder, wozu er imstande ist. Zur Illustration: Anton Schindler, ein Zeitgenosse und Biograph Beethovens, berichtet in seinem Buch über Beethoven, wie seine 9. Sinfonie bei ihrer Uraufführung beim Publikum ankam. Beethoven, völlig ertaubt, bekam nicht mit, wie das Publikum hinter ihm frenetisch applaudierte. Erst als ihn die Altistin, Caroline Unger, zum jubelnden Publikum umdrehte, schreckte Beethoven vor Überraschung zurück, um sich gleich darauf sichtlich gerührt zu verbeugen, während die Zuhörer ihm huldigten, indem sie mit ihren Hüten wedelten oder diese in die Luft warfen. Sie waren begeistert von seinem Werk, huldigten aber den Meister.)

Der Punkt ist: Die Schöpfung zeigt den Genius des Schöpfers. Das Werk begeistert, doch gehuldigt wird der Schöpfer, denn der Schöpfer steht über seine Schöpfung. So heißt es im Ps 19: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.“ (Ps 19,2) Weil Jesus Schöpfer ist und nicht Geschöpf, gebühren ihm Ruhm und Ehre, Anbetung und Lobpreis.

  1. Jesus ist die Quelle des Lebens (4-13)

Der zweite Teil behandelt die Verse 4-13:

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.“

Diese 10 Verse sind sehr inhaltsreich. Wir wollen vor allem einen wichtigen Punkt extrahieren, nämlich dass Jesus die Quelle des Lebens ist.

Während uns die ersten 3 Verse verkündet haben, dass Jesus die Quelle des biologischen Lebens ist (denn alles wurde durch ihn gemacht), teilen uns die darauf folgenden Verse mit, dass er auch die Quelle des geistlichen Lebens ist. Diese Tatsache kommt durch folgende Verse zum Ausdruck: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“

Die Finsternis, in die Jesus gesandt wurde, war wirklich groß. Aber sie hat ihn nicht ergriffen, d.h. sie hat ihn nicht überwältigt, nicht erobert, nicht absorbieren können. (Es ist nicht so wie bei Schwarzen Löchern, deren Masse eine so gewaltige Gravitation besitzt, dass sie selbst das Licht von Sternen absorbieren können. (Deshalb heißen sie schwarze Löcher, obwohl sie keine Löcher sind). Aber Jesu Licht, voller Geist und Leben, kann von keiner Gewalt oder Macht im Universum verschluckt oder verdunkelt werden).

Der Evangelist verschweigt jedoch die Tragik der Geschichte nicht: „Er war in der Welt…aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum; und die seinen nahmen ihn nicht auf.“ Das ist ein Hinweis auf das Volk Gottes, das so inständig auf den Messias gewartet hat, um ihn letztendlich abzulehnen, und zwar bis hin zum Kreuz! Ich frage mich, ob es eine größere Tragik geben kann.

Finsternis beschreibt nicht nur die Zeit vor 2000 Jahren. Immer wieder stellen wir fest, wie finster die heutige Welt doch ist. Wir müssen nur die Nachrichten verfolgen und wir sehen ein tragisches Ereignis nach dem anderen, selbsternannte Terrorstaaten, flüchtende Massen, Anschlag nach Anschlag, Leid und Elend überall. (Meine Frau sagt immer wieder: Diese Welt ist wirklich dunkel. Dieser Satz gehört mittlerweile zu ihrem Standardrepertoire.) Doch nicht nur da draußen ist es finster. Auch in unseren Herzen herrschen finstere Elemente, sündige Neigungen, finstere Gedanken, Worte, Taten. Wo wir auch hinschauen, ob nach innen oder nach außen, begegnen wir der Finsternis. So trachtet unser ganzes Wesen nach erlösendem Licht (bzw. das sollte es jedenfalls tun), nach einer Lichtquelle, die alles zu erleuchten vermag.

In der Weihnachtsgeschichte nach Lukas lesen wir, mit welcher Hoffnung auf diesen Tag geblickt wurde: „durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in der Finsternis und Schatten des Todes“ (Lk 1,78.79). Das Evangelium verkündet, dass Jesus derjenige ist, der Licht und Leben zu uns bringt, dass Jesus den Schatten des Todes vertreibt. Und indirekt stellt es die Frage: Wer kommt ohne Jesus aus? Wer kann behaupten, Jesus nicht zu brauchen? In Wirklichkeit braucht jeder Mensch Jesus! So wie unsere irdische Existenz untrennbar mit dem ersten Schöpfungsakt Christi verbunden ist, hängt genauso auch unsere geistliche Existenz vom geistlichen Schöpfungsakt Christi ab. Und bezüglich dieser „zweiten Schöpfung“ sagt der Text: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.“ Jesus hat eine Macht, die sonst niemand hat, uns zu Gottes Kindern zu machen. Das, was kein Wille jemals zustande bringen kann, wie stark er auch sein mag und auch keine Abstammung, vermag Jesus Christus in uns. Gottes Kindschaft ist sein mächtiges Werk.

Wir fassen den zweiten Teil zusammen: Weil Jesus die Quelle des Lebens ist (nicht nur des biologischen, sondern auch des geistlichen), ist jeder Mensch auf ihn und sein Leben-bewirkendes Werk angewiesen. Und er schenkt uns ein Leben, das mehr ist als nur Biologie, ein Leben, das erfüllend ist, ein Leben, das bereichert, wonach sich unser Herz im tiefsten Innern sehnt. Ein Leben, voller Licht, das satt macht und uns nicht weggenommen werden kann, in Ewigkeit, auch nicht durch den letzten Feind, dem Tod.

  1. Das Wort ward Fleisch (14-18)

Lesen wir das Leitwort, Vers 14: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Der Vers beginnt mit auffälliger Wortwahl. Es heißt nicht: und das Wort ward ein Mensch oder nahm menschliche Gestalt oder Form an. Sondern: „das Wort ward Fleisch“. Das hört sich so roh an, fast schon brachial, vor allem wenn man vor Augen führt, dass Gott damit gemeint ist; zwischen Gott und Fleisch liegen Welten, die wir uns mithilfe unserer Einbildungskraft kaum vorstellen können.

Gottes Wort, das Gott ist, wurde Fleisch. Diese inkarnierte Personifizierung ist ein eindeutiger Hinweis auf Jesus Christus, bezeugt von den Engeln, vor und nach seiner Geburt, gezeugt vom Heiligen Geist, geboren durch eine Jungfrau, 100% Gott und 100% Mensch, doch ohne Sünde. Bevor wir uns fragen, warum das Unbegreifliche geschehen musste, wollen wir uns vor Augen halten, was da eigentlich passiert ist.

Ravi Zacharias postete kürzlich auf seiner Facebook-Seite: „Als ich zum ersten Mal durch die lärmenden Straßen Bethlehems lief und ihren Gerüchen ausgesetzt war, gewann ich einen völlig neuen Eindruck für den Unterschied zwischen unseren Weihnachtsliedern, der Glorifizierung des süßen Liedes „Du kleines Städtchen Bethlehem“ und der harschen Realität, in der Gott Fleisch wurde und unter uns wohnte.“ An Weihnachten sehen wir das süße Christusbaby in der Krippe und dieses Bild berührt uns und erwärmt unser Herz. Und das ist auch gut so. Doch Christi Inkarnation ist nichts anderes als ein gewaltiges Opfer, das gebracht werden musste, damit wir unser Fest feiern können. Über dieses Opfer heißt es im Philipperbrief: „Er, der in göttlicher Gestalt war…entäußerte sich selbst und nahm Knechtgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ (Vgl. Phil 2,5-8) Ist es nicht interessant, wie hier die Verbindung zwischen Weihnachten und Ostern hergestellt wird, zwischen Jesu Inkarnation und Kreuzestod?

Jesu Inkarnation war ein Opfer, unermesslichen Ausmaßes, der Stall, die Krippe, sein Kommen als ein hilfloses Baby zeigen das Oper, das er brachte und er verbrachte sein ganzes Leben nach diesem Leitmotiv. Sein ganzes Leben, sein Sterben, sein Tod sind Zeugnisse seiner unbegrenzten Opferbereitschaft. Selbst in der himmlischen Vision der Apokalypse wird er bezeichnet als ein Lamm, das typische Opfertier, wie geschlachtet (vlg. Offb 5,6).

Und jetzt können wir die Frage nach dem Warum stellen. Warum musste das geschehen? Warum musste er all diese Opfer bringen, anfangen von seiner Fleischwerdung? Und die Antwort lautet: Damit du und ich eine Chance haben, denn er ist unsere einzige Hoffnung. Und weil du und ich ihn hier und jetzt brauchen und nicht erst wenn uns das Zeitliche segnet.

Wisst ihr, es war, als hätte mich der Schlag getroffen, als ich erfuhr, welches griechische Wort für „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns“ verwendet wird. Eigentlich müsste es heißen: Und das Wort ward Fleisch und baute eine Stiftshütte unter uns. Die Stiftshütte war das mobile Haus Gottes unter den Menschen. Gott war in der Stiftshütte mitten im Volk, dort redete er mit Mose (4.Mose 1,1). Die Stiftshütte war das Zentrum des Volkes, sie lagerten sich darum. Von dort aus schenkte er ihnen den Sieg. Die Stiftshütte war aber nicht das Ziel, sondern ein Provisorium, eine Übergangslösung (genauso wie der spätere Tempel in Jerusalem keine finale Lösung war, sondern ein Hinweis auf den wahren Tempel.) Sie zeigt aber, dass Gott von Anfang an unter uns sein wollte, denn wir brauchen ihn auch unbedingt, hier und jetzt, jeden Tag! Und eines Tages prophezeite er Jesaja ein gewaltiges Zeichen, das die Welt verändern würde: „Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.“ (Jes 7,14) Im Matthäusevangelium wird dieser Vers zitiert und ihre Erfüllung durch Jesu Geburt angekündigt, mit der Übersetzung des Namens Immanuel: „das heißt übersetzt: Gott mit uns.“ (Mt 1,23)

Manchmal sehnen wir uns ganz intensiv nach Gott und flehen ihn an: Herr, offenbare dich, gib uns ein Zeichen. Oder sag doch etwas, nur ein Wort! Ein Wort von dir genügt! Siehe, was für ein Wort er uns gegeben hat! Er gab uns DAS Wort, Jesus. Und durch Jesus spricht Gott Bände. Jesus ist Immanuel, Gott mit uns. Welches größere Wunder können wir von ihm erwarten?

Zum Schluss wollen wir uns Gedanken darüber machen, was die Menschen sahen, als sie Jesus begegneten. V 14b: „und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Die Menschen sahen Jesus und sie sahen Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, die nicht aus dieser Welt stammt, sie sahen die Herrlichkeit Gottes! Sie sahen den herrlichen Jesus und erkannten Gnade und Wahrheit. Woran erkennen wir, dass Jesus voller Gnade und Wahrheit ist? Wir erkennen z.B. die Wahrheit an seiner präzisen Beschreibung unseres Herzens. Während andere Weltanschauungen sagen, der Mensch sei eigentlich gut, äußere Umstände seien schuld an seinem Scheitern, sagt Jesus die Wahrheit über unsere Herzenslage, wie böse und verkehrt es in Wirklichkeit ist und deshalb nach Erlösung schreit. Während andere Weltanschauungen / Religionen den Menschen predigen, sich Gottes Gunst durch gute Taten zu verdienen, kommen Christi Gnade und Wahrheit dadurch zum Ausdruck, dass er uns ein realistisches Bild von unserer hoffnungslosen Verlorenheit vor Augen führt. Aus eigener Kraft können wir nicht zu Gott. Deshalb kam er zu uns. Er wurde Fleisch, um unser Fleisch zu retten.

Er ist voller Gnade und Wahrheit, weil er alle messianischen Prophezeiungen erfüllt hat und uns in Staunen versetzt, weil er wirklich derjenige ist, der uns erretten kann. Weil Jesus herrlich und voller Gnade und Wahrheit ist, ist auch sein Evangelium voller Herrlichkeit, Gnade und Wahrheit, woran wir glauben, unser Leben gründen und es getrost verkünden können.

Betrachten wir Verse 16-18: „Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“

In Jesus ist eine Fülle, die unerschöpflich ist, aus der wir Tag für Tag eine Gnade nach der anderen schöpfen können. Das Gesetz des Mose zeigte uns unsere Unzulänglichkeit und Verlorenheit. Die nun geltende Kraft ist durch Jesus Christus geworden: Gnade und Wahrheit, aus erster Hand, direkt von Gott, absolut pure und unverfälschte Gnade und Wahrheit.

Gebet: Herr, lass leuchten, das Licht Jesu Christi, in unserer Finsternis; erleuchte unsere Herzen und unsere Stadt. Mache uns zu Kindern Gottes, voller Leben. In dir ist die Fülle, aus der wir leben. Möge Gottes Wort jedes einzelne Herz erreichen, das du erreichen möchtest. Mögen Gnade und Wahrheit erkannt und angenommen werden. Lass uns deine Herrlichkeit sehen.

 

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