Predigt: Psalm 119,33 – 48 (ה He ו Waw)

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Ich will dein Gesetz halten allezeit, immer und ewiglich

„Ich will dein Gesetz halten allezeit, immer und ewiglich.“

(44)

Im heutigen Text klingt an, dass der Psalmist bedrängt ist. Er wird geschmäht (42), er fürchtet weitere Schmach (39). Aber er versucht nicht, diese Probleme einfach selbst zu lösen. Er wendet sich in seiner Not an Gott. Doch lässt er sein Gebet nicht von seinen Problemen bestimmen. Trotz seiner Probleme betet er vor allem dafür, dass Gott ihn sein Wort lehrt, damit er es von ganzem Herzen halten kann. Er klammert sich an Gottes Wort und will auch in allen Lagen vor allem danach leben, weil er Gott liebt und glaubt, dass Gottes Wort allein den richtigen Weg zeigt. Er bekennt: „Ich will dein Gesetz halten allezeit, immer und ewiglich“ (44). Lasst uns seinen Glauben und Haltung gegenüber dem Wort Gottes besser kennen lernen!

I. Zeige mir den Weg deiner Gebote (33-40)

Für welche Anliegen betet der Psalmist zu Anfang dieses Abschnitts? Betrachten wir die Verse 33-35. „Zeige mir, Herr, den Weg deiner Gebote, dass ich sie bewahre bis ans Ende. Unterweise mich, dass ich bewahre dein Gesetz und es halte von ganzem Herzen. Führe mich auf dem Steig deiner Gebote; denn ich habe Gefallen daran.“

Obwohl der Psalmist sich in gewisser Bedrängnis befand, wird sein Gebet nicht davon motiviert und bestimmt. Vielmehr bat er Gott darum, dass Er ihm den Weg seiner Gebote zeige, damit er sie bis ans Ende bewahre. Sein grundlegendes Gebetsanliegen war also, dass er Gottes Worte behalten und danach leben kann. Er wollte Gottes Worte nicht nur hören, sondern war entschlossen, sie bis zum Ende zu bewahren und von ganzem Herzen danach zu leben. Dieser Wille, diese Einstellung gegenüber Gottes Wort zieht sich durch den heutigen Text wie eine Art Grundkonstante.

Dabei ist er sich bewusst, dass er das nicht einfach mit seinem eigenen Willen tun kann. Deshalb bittet er darum, dass Gott selbst ihm den Weg seiner Gebote zeigt, dass Gott ihn unterweist und ihn führt. Nur wenn Gott ihn lehrt und ihm Seinen Willen zeigt und ihn führt, kann er wirklich den Weg seiner Gebote gehen, also nach Gottes Willen leben. Seine Bitte im Vers 35, dass Gott ihn den Weg seiner Gebote führe, weil er Gefallen daran hat, drückt nochmal sein grundlegendes Motiv aus, nämlich seine Liebe zu Gott und zu seinem Weg.

Was können wir hier lernen? Im Neuen Testament hat Jesus uns das Evangelium von der Liebe Gottes und von der Gnade der Vergebung verkündigt; damit hat er uns eine neue und feste Basis für unser Leben mit Gott gegeben, die der Psalmist nicht hatte. Gleichwohl hat Jesus an verschiedenen Stellen betont, dass seine Jünger sein Wort nicht nur hören, sondern es halten, d.h. es festhalten und ihm gehorchen sollen. Im Johannesevangelium sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat“ (Joh 14,23.24). Als Christen, die seine Liebe angenommen haben, sollen wir Jesu Worte festhalten und ihnen gehorchen; das gerade soll der Ausdruck unserer Liebe zu ihm sein. Dadurch können wir in einer rechten Beziehung zu Jesus bleiben und wachsen und seinen Segen bekommen. In Joh 8 lehrt Jesus, dass wir durch das Bleiben an seinem Wort uns als wahre Jünger Jesu erweisen und die Wahrheit erkennen und durch die Wahrheit frei werden (Joh 8,31.32). Dabei reicht es nicht, wenn wir Jesu Worte nur hören und verstehen. Im Lukasevangelium lesen wir Jesu klagendes Wort: „Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?“ (Lk 6,46) Jesus will, dass diejenigen, die ihn „Herr“ nennen, auch seine Worte tun. Insofern können wir von dem Psalmisten seine feste Entschlossenheit lernen, Gottes Worte zu halten und praktisch zu befolgen, und zwar unter allen Umständen, auch wenn (oder gerade weil) wir als Inhalt des Wortes Gottes noch viel mehr haben als er, nämlich das Evangelium von Seinem Sohn, Jesus Christus.

Und hier ist der zweite Punkt, den wir von ihm lernen können. Damit wir Gottes Worte von ganzem Herzen und bis ans Ende halten können, sollen wir wie der Psalmist dafür beten, dass Gott selbst uns lehrt. Sicher hat jeder von uns schon die Erfahrung gemacht, wie schwer es ist, Gottes Worte dauerhaft zu behalten und sie auch unter schwierigen Umständen umzusetzen. Wie leicht passiert es, dass uns ein Wort beim Bibellesen, beim gemeinsamen Bibelstudium oder beim Predigthören anspricht und wir danach leben wollen, aber schon nach wenigen Tagen oder sogar Stunden müssen wir feststellen, dass wir das Wort höchstens noch im Hinterkopf haben, aber nicht mehr im Herzen, sodass unsere Einstellung, Reden und Tun nicht mehr davon bestimmt werden. Was sollen wir tun? Wir sollen wie der Psalmist vor Gott treten und ihn im Gebet ernsthaft darum bitten, dass Gott uns lehrt, uns im Herzen die Bedeutung seines Wortes zeigt und uns hilft, es auch anzuwenden. Wir brauchen jeder so eine Zeit der betenden Betrachtung des Wortes, jede Woche, täglich. Dafür dürfen wir sinngemäß wie der Psalmisten in Vers 33-35 beten. Möge Gott uns durch das betende Hören auf sein Wort reichlich segnen, sodass wir seine Worte vom Herzen empfangen und festhalten können und so Jesus bis ans Ende folgen können!

Wofür betete der Psalmist noch? Betrachten wir die Verse 36-37: „Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht. Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre, und erquicke mich auf deinem Wege.“ Der Psalmist wusste, dass Habsucht ein Hindernis für ein Leben mit Gott nach seinem Willen ist. Und er wusste offensichtlich auch, dass er sein Herz nicht vollständig kontrollieren kann. Darum betete er, dass Gott sein Herz zu Gottes Mahnungen und nicht zur Habsucht neigt. Er bat Gott auch darum, seine Augen von unnützer Lehre abzuwenden und ihn stattdessen auf Gottes Weg zu erfreuen.

Dieses Gebet entspricht viel der Bitte des Vaterunsers, das Jesus gelehrt hat: „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Auch wenn wir auf Gottes Wort hören und es behalten und danach leben wollen, können Habsucht und andere Begierden uns daran hindern. Unsere Augen können auch leicht nach unnützer Lehre sehen. Allein schon die Beschäftigung mit unnützer Lehre hält uns davon ab, den Weg Jesu klar vor Augen zu sehen und zu gehen. Was ist damit gemeint? Apostel Paulus z.B. warnt vor der Beschäftigung mit Speisegeboten, jüdischen Fabeln und Geschlechtsregistern. Vom Sinn her sind hier alle Lehren oder menschliche Gedanken gemeint, die uns davon ablenken, Gottes Wort zu hören und zu verstehen, was Gott er damit gemeint hat, und das zu beherzigen. Darum dürfen wir wie der Psalmist täglich dafür beten, dass Gott unsere Augen von der Habsucht und von anderen unnützen Dingen abwendet und unser Herz seinem Wort immer neu zuneigt.

Worum bat der Psalmist Gott weiter? Betrachten wir die Verse 38-40: „Erfülle deinem Knecht dein Wort, dass ich dich fürchte. Wende von mir die Schmach, die ich scheue; denn deine Ordnungen sind gut. Siehe, ich begehre deine Befehle; erquicke mich mit deiner Gerechtigkeit.“ Der Psalmist bringt hier seine Sorge vor Schmach vor, die er scheute. Wir erfahren nicht genau, was er damit meinte und wieso dies ein akutes Anliegen war. Aber wir können lernen, dass er diese Sorge vor Gott brachte und sie ihm anvertraute. Dadurch konnte er weiter sein Hauptanliegen festhalten, dass er Gott fürchten und nach seinen Worten leben wollte. So bat er Gott darum, dass Gott ihm Sein Wort erfüllt, damit er Ihn fürchte, das heißt dass er Gott noch mehr respektieren und lieben kann. Sein leitendes Motiv im Gebet ist also weiterhin seine Liebe zu Gott.

Wir dürfen wie der Psalmist für alle unsere Sorgen und Probleme beten. Wir dürfen auch dafür beten, dass Gott uns seine Verheißungen erfüllt, damit wir in der Ehrfurcht und Liebe zu ihm wachsen. Die größte Verheißung hat Gott bereits erfüllt, indem er uns seinen Sohn Jesus Christus gesandt und uns durch ihn unsere Sünden vergeben und uns gerecht gemacht hat. Durch diese seine Gerechtigkeit will er uns täglich neu erquicken, uns wirklich dankbar und glücklich machen. Gott helfe uns, diese Gnade jeden Tag neu zu sehen und davon erquickt zu werden, sodass Gottes Liebe zu uns unser Gebet und Leben täglich bestimmt!

II. Ich will dein Gesetz halten allezeit (41-48)

Wofür betete der Psalmist weiter? Die Verse 41 und 42 lauten: „Herr, lass mir deine Gnade widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort, dass ich antworten kann dem, der mich schmäht; denn ich verlasse mich auf dein Wort.“ Hier betet er direkt für seine Not. Er wurde geschmäht, d.h. von jemandem beleidigt oder verhöhnt oder in anderer Form erniedrigt. Doch er kämpfte nicht mit dem, der ihn schmähte. Er dachte auch in der Not an Gottes Wort und verließ sich darauf. Der Grund für seine Zuversicht auf Gottes Hilfe war Gottes Wort. Und seine Ziel lag auch wiederum in Gott; denn er betete zu Gott, dass Er ihn seine Gnade und Hilfe erfahren ließe, damit er dem etwas entgegen­setzen konnte, der ihn schmähte, und so letztlich Gott, auf den er sich verließ, geehrt wird.

Wir können von ihm lernen, in Problemen uns nicht einfach nur den Kopf zu zerbrechen und zu verzweifeln oder uns in den Kampf gegen die Situation oder gegen Menschen zu stürzen, sondern zu Gott zu beten, der unser Leben in der Hand hält und alles verändern kann und der uns seine Hilfe in seinem Wort schon vielfach zugesagt hat (Mt 7,7; Mk 11,24). Die Grundlage des Psalmisten dafür war sein festes Vertrauen auf Gottes Wort. Und weil er glaubte, dass Gott ihm nach seinem Wort tatsächlich helfen wird, konnte er sich weiter darauf konzentrieren, auf Gottes Wort zu hören und danach zu leben, statt sich in den Kampf mit Menschen oder Umständen zu stürzen. Möge Gott auch uns helfen, auf der festen Basis des Glaubens an Gottes Wort zu beten!

Was war das inständige Anliegen des Psalmisten? Lesen wir gemeinsam Vers 43: „Und nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit; denn ich hoffe auf deine Ordnungen.“ Er wollte unbedingt immer das Wort der Wahrheit in seinem Mund haben und bat Gott um Gnade dafür. Das Schlimmste, was nie passieren sollte, war dass Gott sein Wort von seinem Munde nimmt. „Von meinem Munde“ können wir dahingehend verstehen, dass die Juden, die ja normal keine eigene Schriftrollen der Bibel hatten, Gottes Worte auswendig leise vor sich hin sagten, um darüber nachzusinnen. Das Wort in seinem Munde zu behalten bedeutete also, an Gottes Wort zu bleiben. Es kann auch bedeuten, dass er anderen das Wort verkündigen wollte. In jedem Fall drückt diese Bitte aus, wie abhängig er sich von Gottes Wort wusste. Er hatte kein Selbstvertrauen, sondern hatte verstanden, dass er ohne Gottes Wort den richtigen Weg weder erkennen noch gehen könnte. Er wusste, dass er ohne Gottes Wort nicht leben und zu Gott kommen könnte. Deshalb bat er inständig darum, dass Gott das Wort nicht von seinem Mund nimmt.

Was war dann seine grundlegende Haltung? Lesen wir gemeinsam Vers 44: „Ich will dein Gesetz halten allezeit, immer und ewiglich.“ Hier erfahren wir seine Entschlossenheit, Gottes Wort allezeit und bis zum Ende seines Lebens festzuhalten und ihm zu gehorchen. Er glaubte, dass er ewig leben und sogar im Himmel Gottes Wort ewig gehorchen würde. Das war seine Grundhaltung und seine Entschlossenheit, wenn er auf Gottes Wort hörte, wenn er betete. Diese demütige und zugleich entschlossene Haltung half ihm, Gottes Worte als Gottes Worte zu hören, ihre Bedeutung für sich zu begreifen und ihnen zu gehorchen. Als der Versucher in die Welt kam, verführte er den Menschen dazu, Gottes Wort zu bezweifeln und ihm ungehorsam zu werden, weshalb der Mensch sterben musste. Aber durch Vertrauen auf Gott hatte er die Entscheidung getroffen, Gott zu lieben und Gottes Wort allezeit, immer und ewiglich zu halten. Als Kinder Gottes sollen wir auf der Grundlage des Evangeliums auch so eine Entscheidung treffen und festhalten.

Was für ein Leben konnte der Psalmit führen, als er mit dieser Haltung vor Gott lebte? Betrachten wir die Verse 45-48: „Und ich wandle fröhlich; denn ich suche deine Befehle. Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht. Ich habe Freude an deinen Geboten, sie sind mir sehr lieb, und hebe meine Hände auf zu deinen Geboten, die mir lieb sind, und rede von deinen Weisungen.“ Hier erfahren wir, wie fröhlich er trotz seiner Schmach und Bedrängnis lebte, weil sein Leben in Gottes Wort gegründet und verankert war. Er gehorchte nicht nur, wenn es ihm jemand sagte, wenn er durch einen Bruder oder eine Predigt darauf hingewiesen wurde, sondern er suchte von sich aus Gottes Befehle, weil er gerne danach leben wollte. Als er so nach Gottes Wort lebte, wurde er im Leben sehr fröhlich. Er freute sich an Gottes Geboten, die er sehr liebte. Seine Liebe zu Gottes Wort wuchs von Tag zu Tag. Aus Freude über Gott und sein Wort, wollte er anderen Menschen davon erzählen; selbst Königen erzählte er, weil er Gott als den wahren König erkannt hatte und ihm vertraute.

Heute haben wir die demütige und zugleich entschlossene Haltung des Psalmisten gegenüber Gottes Wort und seine Liebe zu ihm erfahren. Gott helfe uns, Gottes Worte mit so einer demütigen, betenden und gehorsamen Haltung zu hören und es täglich und jede Woche neu zu empfangen und danach zu leben. Möge Jesus dadurch unser Leben mit ihm reichlich segnen und uns zum Segen für viele andere machen! Lesen wir noch einmal das Leitwort, Vers 44: „Ich will dein Gesetz halten allezeit, immer und ewiglich.“

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