Predigt: Psalm 119,1 – 16 (א Aleph ב Beth)

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Das Wort Gottes gibt Wohl

Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandel.

(1)

Zu Beginn der Predigt möchte ich euch bitten, einen Moment mal darüber nachzudenken, was ihr am liebsten macht, also über das, was euch mehr als alles andere Vergnügen und Freude bereitet. (Pause) Okay, vielen Dank. Wer von euch hat gerade ans Bibellesen gedacht? Sehr wenige. Wie können wir so eine Lust und Freude am Wort Gottes bekommen gerade so wie wir Freude und Lust an den Dingen haben, an die wir gerade gedacht haben? Die Antwort lautet: Psalm 119. Kein anderes Kapitel der Bibel bezeugt die Herrlichkeit des Wortes Gottes wie Psalm 119. Der Psalmist wird nicht müde darin, zu erzählen wie großartig das Wort Gottes ist. Über seine Freude, Vergnügen ja besser gesagt über seine Lust am Wort Gottes lässt er sich in mehr als über 170 Versen aus. Seine Liebe am Wort Gottes ist so groß, dass sie ihn zum Künstler werden lässt. Er hat in seinem Psalm eine poetische Ästhetik hineingelegt. Entsprechend den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets ist der Psalm 119 in 22 Abschnitten mit jeweils acht Versen gegliedert. Alle acht Verse fangen jeweils mit dem gleichen hebräischen Buchstaben an. Wir haben heute die Ehre, die ersten beiden Abschnitte des Psalms 119 zu betrachten. Zwei schlichte Fragen sollen uns dabei helfen: Erstens, wie hatte der Psalmist das Wort Gottes erlebt? Zweitens, wie können wir das Wort Gottes so erleben? Möge Gott das Studium des Psalms 119 gebrauchen, um in uns die Liebe zum Wort Gottes neu zu erwecken.

Teil I: Das Wohlergehen des Psalmisten durch Gottes Wort

Zum Verständnis von Psalm 119 ist es wichtig zu wissen, dass der Verfasser aus seinen geistlichen Erfahrungen heraus redet. Dies zeigt sich insbesondere durch Vers 67. Dort heißt es: Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort. Der Psalmist ist jemand, der schon seit längerer Zeit im Glauben lebte. Dabei verlief sein Glaubensleben nicht geradlinig. Gottes Weg mit ihm ging durch Demütigungen, Irrungen und Wirrungen hindurch, bis er gelernt hatte, Gottes Wort zu gehorchen. Was war die primäre Erkenntnis, die der Psalmist aus seinen geistlichen Erfahrungen gewann? Lesen wir gemeinsam die ersten beiden Verse: Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln! Wohl denen, die sich an seine Mahnungen halten, die ihn von ganzem Herzen suchen, die auf seinen Wegen wandeln und kein Unrecht tun. Zwei mal sagt der Psalmist „Wohl denen“. Wohl denen bedeutet „glücklich sind die“, „die haben´s gut…“ Die Wörter „Gesetz“ und „Mahnungen“ sind verschiedene Ausdrücke für „Gottes Wort“. Was der Psalmist also sagt, ist Folgendes: Glücklich sind die, die nach Gottes Wort wandeln! Glücklich sind die, die sich an Sein Wort halten. Die haben´s gut! Dabei meint der Psalmist nicht ein gelegentliches Gehorchen des Wortes Gottes. Nach diesen Versen ist das Wandeln nach dem Wort Gottes gleichbedeutend damit, ohne Tadel zu leben, Gott von ganzem Herzen zu suchen, auf seinen Wegen wandeln und kein Unrecht tun. Es sind also Menschen, die grundsätzlich nach dem Wort Gottes leben, gemeint. Solche Menschen sind glücklich. Solchen Menschen geht es wohl.

Wie können wir uns das konkret vorstellen? Der König David bspw. wandelte grundsätzlich nach Gottes Wort. Gleichzeitig ist aber auch sein Leben von vielen Anfechtungen und Leiden gekennzeichnet. Nichtsdestotrotz war er ein glücklicher Mensch. Psalm 23 zeugt davon. Man lese sich einmal diesen Psalm laut vor. Dann bekommt man einen Eindruck davon, wie dieser Psalm regelrecht von Davids Wohlergehen trieft. Im Vers 4 heißt es zum Beispiel: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Selbst in den finstersten Momenten seines Lebens war es David wohl. Ihm war wohl wegen der Gegenwart des Herrn. Da er sich völlig auf seine Führung einließ, gaben ihm der Stecken und Stab seines Hirten ein Gefühl von tiefer Geborgenheit. Das Wohlergehen, das das Wort Gottes bringt, besteht also nicht darin, dass man keine Probleme und Leiden im Leben hat, sondern darin, dass einem im Herrn wohl ist. Es ist der Frieden, die Geborgenheit und die Freude im Herrn. Wer nach Gottes Wort lebt und wandelt, dem ist es wohl. Von diesem Wohlergehen spricht auch das bekannte Lied: „Wenn Friede mit Gott…“. Dieses Lied wurde von dem Amerikaner Horatio Gates Spafford geschrieben, und zwar nachdem er durch einen Brand seinen Sohn und sein ganzes Kapital und nachdem er durch ein Schiffsunglück seine vier Töchter verlor. All diesen Schicksalsschlägen zum Trotz heißt es im Refrain dieses Liedes: Mir ist wohl in dem Herrn, mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn. Ist das nicht beeindruckend? Dieses Wohlergehen kommt davon, dass Spafford an die Wahrheiten des Wortes Gottes festhielt. Dies zeigt sich zum Beispiel in der zweiten Strophe, wo es heißt:

Wenn Satan mir nachstellt und bange mir macht, so leuchtet dies Wort mir als Stern: Mein Jesus hat alles für mich schon vollbracht; ich bin rein durch das Blut meines Herrn.

Das Wohl durch das Wort Gottes meint aber auch die Freude durch ein sinnvolles und fruchtvolles Leben, das durch den Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes kommt. Auch hierfür ist Spafford ein Beispiel. Anstelle Gott anzuklagen, bewegte sein Glaube ihn dazu, zusammen mit seiner Frau nach Jerusalem zu gehen. Durch ihren Einsatz kamen viele Muslime und Juden zum Glauben an den Herrn Jesus Christus.

Das Wohl durch das Wort Gottes kommt drittens daher, dass es uns vor viel unnötigem Leid verschont. Hierzu wieder ein Beispiel: Ein Schulfreund von mir hatte für die heutigen Verhältnisse lange Zeit keine Freundin gehabt. Seine erste Freundin hatte er erst in der elften Klasse. Er war verliebt ohne Ende. Er ließ sich auf eine unreine Beziehung mit ihr ein. Doch schon nach einigen Monaten hatten die beiden miteinander Schluss gemacht. Was war los? Die Freundin hatte ihn mit jemandem anders betrogen. Der Freund war am Boden zerstört. Es war ihm so schlecht, dass er nun nicht mehr seine Ex, sondern die Toilette umarmte. Hätte er sich an Gottes Wort gehalten, dann wäre ihm das nicht passiert. Aber es geht nicht darum, auf ihn mit erhobenem Zeigefinger zu zeigen. Sicherlich hat jeder von uns schon die Erfahrung gemacht, dass einem dieses oder jenes Übel erspart geblieben wäre, wenn man doch einfach nur auf Gott gehorcht hätte. Ich musste mir schon oft sagen: „Hätte ich doch einfach getan, was Gott gesagt hat, dann wäre mir das nicht passiert.“

Vor diesem Hintergrund ist es klar: Das Wort Gottes gibt Wohl. Was gebietet Gott daher? Betrachten wir Vers 4: Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle. Unser Wohlergehen ist Gottes Wille. Deswegen gebietet er, Sein Wort zu halten, aber nicht nur irgendwie, sondern fleißig. Weil Gottes Wort so essentiell für unser Wohlergehen ist, ist es Gott ein Anliegen, Sein Wort fleißig zu halten. Je mehr man sich dem Gehorsam des Wortes Gottes hinwendet, desto stärker ist der Strom des Segens daraus.

Die Überzeugung, dass das Wort Gottes wohl tut, bewirkte in dem Psalmist eine tiefe Sehnsucht, einen heiligen Wunsch in seinem Herzen, den er in Vers 6 bezeugt: O dass mein Leben deine Gebote mit ganzem Ernst hielte. Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zuschanden. Der Psalmist hatte ein tiefes Verlangen danach, sein Bestes dafür zu geben, Gottes Wort zu halten. Er möchte nur noch auf Gottes Gebote bzw. auf Sein Wort schauen. Nicht auf die Situation, sondern allein auf Gottes Wort möchte er schauen. Er möchte sich nicht mehr von seinen eigenen Gedanken, sondern sich allein von Gottes Wort leiten lassen. Warum? So werde ich nicht zuschanden, sagt er. Auch hier wird wieder deutlich, dass der Psalmist erkannt hat, dass das Halten von Gottes Wort für ihn selber gut ist. Es bewahrt ihn davor, nicht zuschanden zu werden.

Diese Erkenntnis bewirkte in ihm eine große Dankbarkeit für das Wort Gottes. Betrachten wir Vers 7: Ich danke dir mit aufrichtigem Herzen, dass du mich lehrst die Ordnungen deiner Gerechtigkeit. Der Psalmist dankte Gott für Seine Unterweisungen im Wort. Er ließ sich gerne von Gott belehren. Das persönliche Bibelstudium war für ihn nicht eine Pflicht, sondern ein Privileg.

Die Erkenntnis, dass das Wort Gottes Wohl gibt, erweckte in ihm auch einen heiligen Wunsch. Betrachten wir Vers 8: Deine Gebote will ich halten, verlass mich nimmermehr! Er bekam den Wunsch, Gottes Wort zu halten. Denn er wollte Gott bei sich haben. Er liebte die Gegenwart Gottes. Diese Gegenwart Gottes gab ihm dieses Wohlergehen, von dem schon in den ersten Versen die Rede war.

Die Worte „verlass mich nimmermehr“ weisen darauf hin, dass der Psalmist in der Vergangenheit durch den Ungehorsam gegenüber Gottes Wort negative Erfahrungen gemacht hatte. In Zeiten, wo er nicht nach Gottes Wort lebte, fühlte er sich von Gott verlassen. Wie können wir uns das vorstellen? Er verlor den Frieden aus seinem Herzen. Unzufriedenheit und Traurigkeit machten sich in ihm breit. Dies war für ihn schrecklich. Dies wollte er nicht mehr erleben. Deswegen dieser feste Entschluss: „Deine Gebote will ich halten.“ Ähnliche Erfahrungen machte auch ein Fernfahrer, der zum Glauben kam. Er tat Buße dafür, dass er mit Prostituierten verkehrte. Doch eines Tages, als er schon gläubig war, wurde er wieder mit dieser Versuchung konfrontiert. Er merkte, dass Jesus ihn davon abzuhalten versuchte. Doch er sagte zu Jesus, dass er weggehen solle. Jesus verließ ihn und der Fernfahrer gab der Versuchung nach. Nachdem er gesündigt hatte, weinte er bitterlich. Als ein Bruder an ihm vorbeiging, fragte er ihn, warum er denn weine. Der Fernfahrer antwortete: „Ich habe Gott verloren.“ Daraufhin betete der Bruder mit ihm für die Vergebung seiner Sünde. Der Friede und Freude kamen wieder zurück in sein Herz. Danach sagte der Fernfahrer sicherlich auch: „Deine Gebote will ich halten; verlass mich nimmermehr!“

Welchen Rat gibt der geistlich erfahrene Psalmist jungen Menschen? Lesen wir gemeinsam Vers 9: Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an deine Worte. Insbesondere für junge Menschen ist die Frage höchst aktuell, wie sie ein unsträfliches, also ein reines Leben führen können. Sie haben viele Hoffnungen, Wünsche und Träume. Sie wollen Karriere machen, den Partner des Lebens finden, möglichst viel Vergnügen haben usw. Sie haben viel Energie und sind offen für allerlei Erfahrungen. Weil sie noch unerfahren sind, sind sie offen dafür, sich auf allerlei Dinge einzulassen, die für sie schädlich sind. Junge Menschen sind auch oft nicht so diszipliniert wie ältere Menschen. Sie neigen leicht dazu, einfach nach Lust und Laune zu leben. Es fehlt jungen Menschen auch oft an Selbstbeherrschung in jeglicher Hinsicht, sowohl in Gedanken, als auch Worten und Taten. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass gerade junge Menschen gefährdet sind, ein unreines Leben zu führen. Deswegen betrifft gerade junge Menschen die Frage, wie sie ein reines Leben führen können. Man könnte jetzt viele Ratschläge erwarten. Aber der Psalmist gibt lediglich eine schlichte Antwort auf diese Frage: Wenn er sich hält an deine Worte. Wenn ein junger Mensch ein reines Leben führen möchte, dann soll er Gottes Wort gehorchen. Das wars. Der Psalmist gibt keinen weiteren Ratschlag. Diese Antwort ist so einfach, dass sie schwer ist. Lieber würden wir kompliziertere Ratschläge hören. Aber den einzigen Ratschlag den der Psalmist gibt, ist: Wenn er sich hält an deine Worte. Im Refrain eines Liedes heißt es: Trust and obey, for there’s no other way to be happy in Jesus, but to trust and obey. Dieser schlichte und einfache Ratschlag kommt auch in Micha 6.8 zum Ausdruck. Dort heißt es: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Was hilft einem jungen Mensch, Gottes Wort halten? Er braucht die Überzeugung, dass das Wort Gottes gut für ihn ist, dass es sein Leben glücklich macht. Er muss dem Wort des Psalmisten glauben: Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln! Man hat die Wahl entweder glaubt man das oder man kommt erst durch schmerzliche Erfahrungen zu dieser Überzeugung. Wer nicht hört, muss fühlen. Der Stammvater Jakob zum Beispiel hatte sich im jungen Alter nicht so sehr an das Wort Gottes gehalten. Er betrog seinen Bruder, belog seinen Vater, und fiel sogleich Rahel um den Hals, als er sie zum ersten Mal sah. Dadurch handelte er sich viele Schwierigkeiten ein. Er wurde von seinem Bruder verfolgt, von seinem Onkel mehrmals betrogen und hatte zu Hause einen Zickenkrieg zwischen seinen beiden Frauen. Er selbst beschrieb sein Leben vor dem Pharao u.a. so: wenig und böse ist die Zeit meines Lebens und reicht nicht heran an die Zeit meiner Väter in ihrer Wanderschaft. Erst im Alter konnte er zu dem Segen werden, zu dem Gott ihn bestimmt hatte. Anders war es mit seinem Sohn Josef. Josef führte schon von Jugend auf ein reines Leben, indem er sich an Gottes Wort hielt. Er widerstand zum Beispiel der Versuchung durch die Frau von Potifar. Er gab bei den Traumdeutungen immer Gott die Ehre. Er war dem Pharao stets loyal und schließlich vergab er seinen Brüder und vergalt ihnen Böses mit Gutes. Josef konnte schon im jungen Alter zum Segen werden, während der Hungersnot sogar für die ganze Welt.

Persönlich bin ich dem Herrn dankbar, dass ich schon im jungen Alter zum Glauben an den Herrn Jesus gekommen bin und seitdem lernen darf, ihm nachzufolgen. Dies hat mich vor mancherlei Leid bewahrt. Wenn ich manchmal darüber nachdenke, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich dem Herrn nicht nachgefolgt wäre, kann ich mir nur an den Kopf fassen: Ich wäre nicht in der Lage gewesen, mein Studium abzuschließen, hätte mich wohl auf diese oder jene Beziehung eingelassen, hätte immer noch geraucht, wäre nur mit selbst beschäftigt, hätte mich in Komplexen verstrickt usw.

Die Überzeugung, dass das Wort Gottes Wohl gibt, hatte mächtige Auswirkungen in der Beziehung des Psalmisten zum Wort Gottes. Welche? Betrachten wir Vers 10: Er suchte Gott von ganzem Herzen. Er bat Gott, dass er ja nicht abirrt von seinem Wort. Vers 11: Er nahm sich vor, Gottes Wort im Herzen zu behalten, damit er ja nicht gegen Gott sündigt. Vers 12: Er kann nicht anders als Gott zu preisen, weil sein Wort so gut ist. Er hat das Anliegen, dass Gott ihm seine Gebote lehrt. Vers 13: Er hat den Drang, Gottes Wort zu bezeugen. Er muss davon erzählen. Vers 14: Er hat große Freude an Gottes Wort. Diese Freude ist so groß wie die Freude über großen Reichtum. Das macht deutlich, dass der Psalmist einen tiefen Reichtum an Weisheit und Erkenntnis aus dem Wort Gottes schöpft. Vers 15 bezeugt wieder seinen großen Drang, Gottes Wort zu bezeugen sowie sein Anliegen, allein auf Gottes Wort zu schauen. Schließlich Vers 16: Wieder bringt der Psalmist seine große Freude am Wort Gottes zum Ausdruck sowie sein Anliegen, Gottes Wort stets im Herzen zu behalten.

Es ist erstaunlich, was für eine Liebe, Lust, Verlangen und Freude der Psalmist am Wort Gottes hat. Hätte der Psalmist gesagt: „Ich finde dein Wort interessant, ich kann dadurch viel über dich lernen und dir nachfolgen“, dann könnten wir das gut nachvollziehen. Aber so redet der Psalmist nicht vom Wort Gottes. Vielmehr haben wir gesehen, dass er regelrecht verrückt nach dem Wort Gottes ist. Wie können wir so eine Beziehung zum Wort Gottes haben?

Teil II: Unser Wohl durch das Wort Gottes

Zunächst einmal ist es für mich ein Trost gewesen, dass der Psalmist nicht von Anfang an diese außergewöhnliche Haltung zum Wort Gottes hatte. Wie eingangs erwähnt hatte er in seiner Vergangenheit Demütigungen erfahren, bis er Gottes Wort so liebte, wie es zu lieben wert ist. Auch Vers 71 macht dies deutlich, wo es heißt: Es ist gut für mich, dass du mich gedemütigt hast, damit ich deine Gebote lerne. Der Psalmist war ein schwacher Mensch wie wir. Gott hatte ihn in seiner Vergangenheit erzogen, bis er zu dieser Haltung zu dem Wort Gottes kam, wie wir sie in den Versen 1-16 betrachten konnten. Wir sollten daher Gott um ein gedemütigtes Herz bitten. Ein Herz, dass mehr auf Gottes Wort vertraut, als auf die eigenen Gedanken und Weisheit. Ein Herz, das Gottes Wort mit Einfalt begegnet.

Zweitens sollen wir nicht untätig sein. Es ist auffallend, wie oft das Wort „halten“ in den ersten beiden Abschnitten des Psalms auftaucht. Im Vers 2 heißt es: Wohl denen, die sich an seine Mahnungen halten. Vers 4: Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle. Vers 5: O dass mein Leben deine Gebote mit ganzem Ernst hielte. Vers 8: Deine Gebote will ich halten. Vers 9: Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an deine Worte. Vers 11: Ich behalte dein Wort in meinem Herzen. Und auch im Vers 16 heißt es sinngemäß: und vergesse deine Worte nicht. Die zweite Anwendung liegt also klar auf der Hand. Sie lautet: Halten! Wir sollen das Wort Gottes halten, so viel wir es vermögen. Das Wort Gottes zu halten, bedeutet, dass wir in der Beziehung zum Wort Gottes leben. Es bedeutet, dass wir sowohl Ermahnungen als auch Verheißungen zu Herzen nehmen und danach leben. Es bedeutet aber auch noch etwas anderes? Christian hatte mal eine Zeitlang über seinem Schreibtisch eine Liste darüber hängen, wer wir nach dem Wort Gottes sind. Zum Beispiel: Kinder Gottes, Erben des Himmelreichs, Heilige, königliche Priester uvm. Das Halten des Wortes Gottes bedeutet auch, dass wir die Wahrheiten, die das Wort Gottes über uns ausspricht, zu Herzen nehmen und in dieser Realität leben. Wenn wir das Wort Gottes halten, werden wir viele positive Erfahrungen damit machen, sodass unser Herz mehr und mehr dem Wort Gottes zugeneigt wird. Mit dem Halten des Wortes Gottes ist eine große Verheißung verbunden. Jesus sagt: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

Was hilft uns, das Wort Gottes zu halten? Lesen wir noch einmal das Leitwort: Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln Für das Halten des Wortes Gottes ist der Glaube, dass das eigene Wohl davon kommt, wichtig. Das eigene Wohlergehen kommt vom Wort Gottes. Man lebt sogar davon. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht, sagt Jesus. Wir haben bessere Voraussetzungen als der Psalmist an das Wohlergehen durch das Wort Gottes zu glauben. Warum? Im Vergleich zum Psalmisten haben wir ein klareres Bild davon, was das Wort Gottes überhaupt ist. Das Wort Gottes sind nicht allein von Gott ausgesprochene Verheißungen, Satzungen und Gebote. Das Wort Gottes ist der Ausdruck von Gottes ganzem Willen, Liebe und Heiligkeit. Das Wort Gottes ist das, in welches Gott sein ganzes Herz und sein ganzes Wesen ausspricht. Und eben das kommt nirgendwo klarer und deutlicher zum Ausdruck als in der Person Jesus Christus. Wenn Gott sagt: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, dann spricht Er damit sein ganzes Herz und Wesen aus. Johannes 1 bezeugt daher, dass Jesus selbst das Wort Gottes ist. Im Vers 14 heißt es: Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Jesus, das ewige Wort Gottes, wurde Fleisch. Jesus zog das Fleisch nicht an, wie man Kleidung anzieht. Er kam nicht zu uns in einer Scheinhülle von Menschlichkeit, unberührt vom wirklichen Menschsein. Johannes sagt, Er wurde Fleisch. Ein wirklicher Mensch von Fleisch und Blut. Er wurde wahrhaft unseresgleichen. Jesus, das ewige Wort Gottes, nahm völlig an unserem Menschsein teil. Was für eine Solidarität! Diese Solidarität brachte er am Kreuz zum Höhepunkt. Vom Kreuze Jesu aus strömt das Wohl für jeden Sünder. Wie gut das Wort Gottes es mit uns wirklich meint, zeigt uns das Kreuz. Ein Glaubensblick auf das Kreuz – und der Glaube an das Wohl des Wortes Gottes ist da.

Lesen wir zum Schluss das Leitwort (Vers 1): Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln.

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