Predigt: Lukas 13,22 – 35

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Die enge Pforte

„Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, wie sie hineinkommen und werden’s nicht können.“

(24)

Wie so oft ist das Reich Gottes Hauptthema der Verkündigung und der Wirksamkeit Jesu, so auch im Kapitel 13. Zu Beginn des Kapitels forderte Jesus die Menschen zweimal auf, Buße zu tun (konkret: das Reich Gottes anzunehmen), er heilte eine kranke und besessene Frau (und ließ sie das Reich Gottes schmecken) und erzählte im Anschluss 2 Gleichnisse über das Reiches Gottes (Senfkorn & Sauerteig). Das Reich Gottes ist auch präsent in heutigen Abschnitt. Wir sehen, wie sich die Zuhörer Jesu mit dem Reich Gottes beschäftigten und das war auch gut so! (Viel besser, als wenn nur weltliche Dinge den Alltag bestimmen). Wir wollen heute auf 2 Fragen eingehen. 1) Wie kommen Menschen in das Reich Gottes und 2) Welche Rolle spielt Jesus dabei.

Erstens – Das Ringen um die enge Pforte (22-30)

Welche Orientierungshilfe gibt uns Lukas zu Beginn des Textes? Vers 22 berichtet: „Und er ging durch Städte und Dörfer und lehrte und nahm seinen Weg nach Jerusalem.“ Seit Kapitel 9 finden wir den zweiten Hinweis für Jesu grundlegende Orientierung, nach Jerusalem zu pilgern, um seine Mission zu erfüllen. Wie der Vers berichtet, nutzte Jesus jede Gelegenheit, auf seinem Weg nach Jerusalem, um den Städten und Dörfern das Evangelium vom Reich Gottes zu predigen (Vgl. Lk 4,43).

Auf seinem Weg nach Jerusalem sprach einer zu ihm: „Herr, meinst du, dass nur wenige selig werden?“ Das ist eine ziemlich interessante Frage und sie überrascht, wenn wir uns den historischen Kontext vor Augen halten. Denn die wichtigsten jüdischen Schriften lehren, dass alle Juden (mit Ausnahme einiger Abtrünniger) Anteil an der zukünftigen Welt haben (Vgl. Sanhedrin 10,1). Wenn du also nicht gerade als Sünder, Zöllner oder unrein gegolten hast, dann war die Frage nach der Seligkeit im Grunde geklärt. (Jude, Abrahams Nachkomme, selig).

Was brachte diesen Mann dennoch dazu seine Frage zu stellen? Wahrscheinlich hatte Jesus eine signifikante Wirkung auf seine Betrachtungsweise. Zwei Kapitel zuvor enttarnte Jesus mit scharfen Worten die Heuchelei der Pharisäer und der Schriftgelehrten. Zu Beginn des heutigen Kapitels forderte Jesus das normale Volk zweimal auf, dringend Buße zu tun, um nicht umzukommen. Aus der Sicht Jesu war also weder die Elite des Landes in Ordnung, noch die breite Masse. Mit dieser neuen Perspektive fragte sich der Mann zu Recht und wahrscheinlich mit Sorge um sein eigenes Heil, ob nur wenige selig werden. (Und mit großer Wahrscheinlichkeit war er nicht der einzige, der diese Frage im Herzen hatte, denn Jesus antwortete nicht nur ihm, sondern „sprach zu ihnen“).

Was sprach Jesus zu ihnen? Er gab keine ja / nein Antwort (Ja, nur wenige, oder Nein, nicht so wenige, wie du denkst…). Auch keine statistische Auswertung (dass z.B. so und so viel Prozent der Grundgesamtheit selig werden, mit einer Wachstumsrate von so und so viel Prozent). Informationen dieser Art hätten niemandem wirklich weitergeholfen. Lesen wir, was Jesus stattdessen antwortete, Vers 24: „Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, wie sie hinein­kommen und werden’s nicht können.“

Dieser Satz Jesu erfordert eine Vokabel-Analyse. Was ist die enge Pforte und warum ist sie eng, was bedeutet ringen und wo gelangt man, wenn man hindurchgeht und warum scheitern viele?

Die Ausgangsfrage, ob „nur wenige selig werden“, definiert die Abgrenzung zwischen innen und außen. Die enge Pforte führt zur Seligkeit / Errettung oder anders ausgedrückt: ins Reich Gottes. Die enge Pforte und ausschließlich die enge Pforte führt dorthin. Wer oder was ist die enge Pforte? An dieser Stelle lässt Jesus die Deutung offen, warum? Wahrscheinlich, damit sich die Zuhörer selbst damit beschäftigten und logische Schlussfolgerungen zogen bzw. Jesus darum baten, ihnen das Gleichnis zu deuten. Das Evangelium Christi lässt uns eins und eins zusammenzuzählen. Im Joh.Evg. verkündete Jesus: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Joh 14,6) Jesus ist der einzige Weg zu Gott. In Joh 10 wird Jesus noch konkreter: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden“ (Joh 10,9).

Jesus ist wie eine enge Pforte, die enge Pforte zur Seligkeit / zum Reich Gottes. Was ist der Unterschied zwischen einer Pforte und einer engen Pforte? Wenn der Einlass groß und breit ist, kannst du einem großen Karren hineinfahren, vollgepackt mit allen möglichen Sachen, die du mitnehmen möchtest und mit Menschen, die mitsollen. Und in gewisser Weise war das die Gangart der Juden. Hauptsache du warst jüdisch, Abrahams Nachkommen, dann hereinspaziert. Bei einer engen Pforte ist das anders. Beim Eintreten gibt es kaum Platz. Es können nicht mehrere auf einmal hinein marschieren. Jeder muss sich einzeln hindurch quetschen. Du kannst auch nicht viel mitnehmen. Du musst zurücklassen, was nicht hineinpasst. Deshalb scheitern auch viele: „denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, wie sie hineinkommen und werden’s nicht können.“ Sie wollen zwar hinein gelangen, doch vergeblich, weil sie nicht bereit sind durch die enge Pforte zu gehen.

Jesus kennt diese Schwierigkeit. Seine Hilfe lautet: „Ringt darum“. Das griechische Wort „agonizesthe“ ist verwandt mit dem Wort „Agonie“, Todeskampf. Das Wort selbst wurde im sportlichen Wettkampf verwendet. Jesus sagt also: Gebt alles, wie ein Sportler, der bis ans Äußerste geht, um den Sieg zu erlangen. (Und ein Profisportler muss wirklich bis an seine Grenzen gehen, um erfolgreich zu sein. Auf der diesjährigen Tour de France gewannen deutsche Fahrer sensationelle 6 Etappen, also fast ein Drittel aller Etappen. Simon Geschke war einer davon und gewann völlig überraschend. Während einer Bergetappe fuhr er allen davon, obwohl er kein Bergfahrer ist! Nach seinem Sieg wurde er interviewt und gefragt, wie er 50km allein durch die Alpen fahren konnte. Er berichtete, wie schwer die letzten Kilometer waren, als er vor Schmerzen und Krämpfen nicht wusste, ob er durchhalten konnte. An dieser Stelle brach er in Tränen aus und fing an zu weinen. So sehr musste er ringen. Anders kann man auch keine Tour-Etappe gewinnen). Nun, was bedeutet es im heutigen Text zu ringen und was bedeutet es nicht? Jesus sagte nicht: Ringt darum, eine Öffnung ins Reich Gottes zu hauen (Das Reich Gottes hat dicke Mauern, deshalb strengt euch an…). „Ringen“ sollte nicht mit Werksgerechtigkeit verwechselt werden (also sich durch besonders fromme Taten für das Reich Gottes zu qualifizieren). Wir wissen, dass niemand aus eigener Kraft ins Reich Gottes kommt. Ringen bedeutet im Kontext des Evangeliums, alles daran zu setzen, durch die enge Pforte hineinzugehen, die bereits existiert, die Jesus für uns geschaffen hat, deren Tür Jesus für uns geöffnet hat; also alles daran zu setzen, Jesus anzunehmen. Alles daran zu setzen, seine Gnade zu empfangen.

Und in der Tat war und ist es nicht einfach, dass ein Mensch Jesus annimmt und ein neues Leben mit Jesus führt und ein Leben unter seiner Gnade. Damals hatten seine jüdischen Zuhörer ein etabliertes Glaubenssystem, bestehend aus langjähriger Tradition, hebräischer Kultur und religiöse Vorschriften, teils aus mosaischen Geboten, teils aus sonstigen religiösen Schriften (Talmud). Insgesamt sehr komplex aber tief verankert in der jüdischen Seele. Das war ihre Welt. Und in diese Welt trat Jesus. Und Jesus predigte anders und seine Botschaft war grundlegend anders. Und da standen sie sich gegenüber, das gewaltige jüdische Apparat und Jesus. Es fiel den Menschen einfacher, ihr konventionelles Glaubensleben fortzuführen, als Jesus anzunehmen.

Was mussten sie tun? Sie mussten ringen, um Jesus anzunehmen. Konkret: Schädliches zu beseitigen und Notwendiges anzuziehen. Auf der einen Seite mussten sie umkehren und Buße tun, für ihr Voreingenommensein und ihrem Stolz (alles besser zu wissen und besser zu sein als andere) und ihre Selbstgerechtigkeit. Sie sollten Ringen, um sich von diesen Dingen abzukehren. Und sie sollten Ringen, um stattdessen Glauben an und Vertrauen auf Jesus aufzubringen. Für die jüdischen Zuhörer war das ein harter Kampf, doch ein notwendiger, um ins Reich Gottes zu gelangen.

Ist es heute einfacher? Nein! In der Welt finden wir eine Vielzahl alternativer Lebensorien­tierungen. Wir haben Jesus, als die enge Pforte und wir haben viele andere Weltanschauungen, religiöser wie säkularer Art. Und im Vergleich zu Jesus, der engen Pforte, einer Pforte, die bescheiden aussieht, klein und unscheinbar, gleichen die Alternativen dieser Welt Disneyland: Ein großes, schön ausgeschmücktes Tor, gebaut für die Massen, mit spektakulären Angeboten, für groß und klein (Fließbandbeförderung). Auch heute ist Jesus die enge Pforte, denn es ist nicht selbstverständlich, dass junge Menschen entscheiden, ihr Leben auf Jesus zu bauen. Aber interessanterweise möchte fast jeder selig werden, d.h. in den Himmel kommen. Aber ohne Jesus bewahrheitet sich seine traurige Feststellung: „denn viele … werden danach trachten, wie sie hineinkommen und werden’s nicht können.“ Auch heute verlangt die Entscheidung für Jesus einen gehörigen Ringkampf von uns ab. Ohne den Kampf um Jesus, kein Himmelreich.

Was ist mit denen, die Jesus bereits angenommen haben und im Glauben leben? Hat Jesu Aufforderung zu Ringen keine Relevanz für solche Leute, also für die meisten von uns? Können wir uns zurücklehnen und die Beine hochlegen? Jesus und die Apostel ermahnen die Christen wiederholt und mit vollem Ernst, bei Jesus zu bleiben und die Gnade nicht zu verlieren, die wir erhalten haben. „Bleibt in mir und ich in euch“ (Joh 15,4) sagte Jesus zu seinen Jüngern. „Bleibt in meiner Liebe“ (Joh 15,9) sagte er kurz darauf „denn ohne mich könnt ihr nichts tun“. (Joh 15,5). Jeder von uns, ob im Glauben stehend oder noch unentschlossen, muss um Jesu Gnade ringen; entweder um sie anzunehmen oder um darin zu bleiben.

Man könnte denken: Ich habe noch Zeit. Ich will erst mein Glück genießen, wenn ich älter bin, kann ich immer noch ringen, um durch die enge Pforte zu gehen. Betrachten wir, was Jesus dazu sagt: „Wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat und ihr anfangt, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, tu uns auf!, dann wird er antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her?“ Jesus bringt den Zeitfaktor ins Spiel. Noch steht die enge Pforte offen, noch kann man hineintreten, noch weilt die Zeit der Gnade. Doch es kommt der Tag der Abrechnung, an dem die Tür geschlossen wird und sich zeigt, wer im Haus ist und wer außerhalb. Man könnte meinen, noch viel Zeit zu haben aber in der Tat kann die Tür jederzeit geschlossen werden. Bereits im letzten Kapitel sagte Jesus, dass der Menschensohn kommen wird, wie ein Dieb in der Nacht, ohne Ankündigung und überraschend (vlg. Lk 12,38.39). Aber auch unser Leben kann jederzeit enden, im Prinzip schon in weniger als 5 Minuten! Mit anderen Worten: Es ist höchste Eisenbahn! Jesus sagt: Vergeude keine Zeit! Ring darum, hineinzukommen. Jetzt, wo es noch möglich ist, nicht später.

Jesus bringt nicht nur den Zeitfaktor ins Spiel, sondern auch den Beziehungsfaktor: „Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken und auf unsern Straßen hast du gelehrt. Und er wird zu euch sagen: Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her? Weicht alle von mir, ihr Übeltäter! Da wird Heulen und Zähneklappern sein“. Auch hier wird deutlich, dass das Ringen (oder in das Reich Gottes kommen) nichts mit Selbstgerechtigkeit zu tun hat. Entscheidend ist die Beziehung zu Jesus! Und es zählt keine oberflächliche Beziehung. Wenn wir nachts, im Dunkeln an eine Haustür klopfen und um Einlass bitten, wird uns nur aufgetan, wenn die Person uns gut kennt. Woran wird Jesus uns erkennen? Was ist die Grundlage dessen, dass er sagt: Ich kenne dich, komm herein. Großartige Dinge, die wir für ihn getan haben? Nein. An anderer Stelle heißt es: „Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!“ (Mt. 7,22.23) Gute Taten reichen nicht. Vielmehr wird er uns erkennen, weil er großartige Dinge in unserem Leben getan hat! Er wird uns erkennen, wenn sein Opfer in uns Frucht gebracht hat. Wenn wir durch sein Blut eine innige und herzliche und eine lebendige und ewige Beziehung zu ihm, unserem Herrn und Freund eingegangen sind. Wenn er die wichtigste Person in unserem Leben geworden ist. Dann wird er uns erkennen und mit Freude einlassen.

Welchen zusätzlichen Anreiz gab Jesus den Menschen, um zu ringen und ihn anzunehmen? Betrachten wir Verse 28-30: „Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen. Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein und sind Erste, die werden die Letzten sein.“

Jesus nutzte alle Kanäle, um die Menschen zu erreichen. Er machte ihnen nicht einfach nur Angst vor der Hölle. Die Menschen würden nicht Heulen, weil die Flammen der Hölle so heiß waren, auch nicht mit den Zähnen klappern, weil es draußen im Dunkeln so bitter kalt war, sondern? Weil sie mit ansehen mussten, wie das himmlische messianische Bankett (also das Bildnis des Reiches Gottes) ohne sie gefeiert wurde! Die Patriarchen und alle Propheten, also alle Helden des Judentums würden zusammensitzen, im Reich Gottes. Und nicht nur, dass sie ausgeschlossen waren, was schon schlimm genug war, aus allen Himmelsrichtungen würden die Letzten zusammen kommen und sich an den Tisch setzen, der eigentlich für die Ersten reserviert war. Die Letzten, die die Juden im Reich Gottes vermuteten, waren die Heiden. Und diese würden ihren Platz einnehmen, am himmlischen messianischen Bankett, im Reich Gottes und mit den geistlichen Helden Gemeinschaft haben. Für einen Juden muss diese Vorstellung schlimmer gewesen sein, als die Hölle selbst. Warum erwähnt das Jesus? Weil er ihre Herzen eifersüchtig machen wollte. Sie sollten wirklich umkehren, Buße tun und Jesus annehmen.

Was bedeutet das für uns? Dass es sich wirklich lohnt, zu ringen und durch die enge Pforte zu gehen. In dieser Welt begeistert uns viele Dinge, besonders wenn wir noch jung sind: Das andere Geschlecht übt eine faszinierende Wirkung aus, fast genauso wie die High-Tech Industrie. Die Herrlichkeit der Welt und ihre Möglichkeiten begeistern; allerdings können sie unser Verlangen nicht stillen. Jesus sagt, dass letztendlich nur das Reich Gottes wirklich in der Lage ist, uns nachhaltig zu begeistern. Es ist das Reich Gottes, das in der Lage ist, den Durst und den Hunger unserer Seele und unseres Herzens zu stillen. Und nichts Geringeres bietet Jesus an. Er will nichts Böses von uns, er will dass wir in Ewigkeit glücklich sind, am selben Tisch sitzen, mit den geistlichen Helden der Geschichte und uns wahrhaftig freuen, weil wir angenommen sind.

Wieso kann uns Jesus diese größte Möglichkeit unseres Lebens anbieten? Wieso ist er in der Lage, die Tür zum Reich Gottes zu öffnen?

Zweitens – Endstation Jerusalem (31-35)

Wir lesen ab Vers 31: „Zu dieser Stunde kamen einige Pharisäer und sprachen zu ihm: Mach dich auf und geh weg von hier; denn Herodes will dich töten. Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich treibe böse Geister aus und mache gesund heute und morgen und am dritten Tage werde ich vollendet sein. Doch muss ich heute und morgen und am folgenden Tage noch wandern; denn es geht nicht an, dass ein Prophet umkomme außerhalb von Jerusalem.“ Jesus befand sich noch immer in Galiläa, im Territorium des Landesfürsten Herodes. Es überrascht, dass ausgerechnet Pharisäer Jesus warnten und um sein Leben besorgt waren. Fairerweise muss man sagen, dass ihm nicht alle Pharisäer feindlich gesinnt waren. Mit welcher Absicht auch immer sie Jesus fortschicken wollten, begegnen wir einem gefassten und furchtlosen Jesus. Er ist die eine „Henne“, die keine Angst hat vor dem Fuchs, denn er weiß genau, dass der hinterlistige Herodes keine Macht über ihn hatte. Herodes konnte ihn nicht töten und davon abhalten, Gottes Werk zu vollbringen. Zweimal betonte Jesus die Zeit seiner Wirksamkeit: „Siehe, ich treibe böse Geister aus und mache gesund heute und morgen und am dritten Tage werde ich vollendet sein. Doch muss ich heute und morgen und am folgenden Tage noch wandern; denn es geht nicht an, dass ein Prophet umkomme außerhalb von Jerusalem.“ Nur noch eine kleine Zeit würde Jesus in Galiläa wirken, bis sein Werk vollbracht war. Doch in diesen Worten steckt mehr, als nur sein Zeitplan in Galiläa. Jesus kannte das Ziel seiner Mission, Jerusalem und er wusste genau, dass ihn ein blutiges Ende erwartete. Jesus würde nach Jerusalem pilgern und sein Leben lassen und Gottes Heilswerk vollbringen.

Betrachten wir, welche Worte Jesus sprach, als er an die Stadt Jerusalem dachte: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt werden, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel und ihr habt nicht gewollt! Seht, euer Haus soll euch wüst gelassen werden. Aber ich sage euch: Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis die Zeit kommt, da ihr sagen werdet: Gelobt ist, der da kommt in dem Namen des Herrn!“ Jesu Herz war zerbrochen, als er an Jerusalem dachte. Durch Jesu Klage wird deutlich, wer er ist und wie wichtig ihm Jerusalem war. Jesus vergleicht sich mit einer Henne, um seine mütterliche Liebe zum Ausdruck zu bringen (Jerusalem kann stellvertretend für das Volk Gottes stehen). Eine Henne hat ein flauschiges, schützendes Gefieder, indem sich Küken sehr wohl fühlen. Instinktiv und eifrig suchen sie Schutz im Gefieder der Henne (Küken im Karton). Aber Jerusalem verhielt sich nicht wie natürliche Küken. Sie wollten nicht! Sie wollten nicht unter die Flügel kommen und Schutz finden. Dieses Verhalten legte Jerusalem mehrfach im Laufe ihrer Geschichte an den Tag. Sie töteten die Propheten und steinigten diejenigen, die Jesus zu ihnen gesandt hatte, anstatt Buße zu tun und sich unter die Flügel Jesu zu begeben. Als Resultat wurde Jerusalem 587 v.Chr. zerstört. Dieses Mal schickte Jesus nicht einfach einen Propheten, er kam persönlich (Kein Bote, der König selbst kam). Doch die Küken würden ihre eigene Mutterhenne preisgeben und töten lassen. Das ist wirklich tragisch. Und traurig aber wahr, Gottes Gericht würde Jerusalem wieder treffen. 70 n.Chr. wurde sie von den Römern zerstört. Und Jesus prophezeit, dass Jerusalem ihn nicht mehr sehen würde bis zu der Zeit seiner Wiederkunft. („Gelobt ist, der da kommt in dem Namen des Herrn!“ erinnert an Palmsonntag. Doch Lukas berichtet, dass es Jesu Jünger waren, die ihn mit diesem Zitat aus Ps 118 willkommen hießen. Jesusalem würde leider viel später zur Erkenntnis kommen, wenn nicht gar zu spät).

Wir haben im ersten erfahren, dass Jesus unsere einzige Möglichkeit ist, ins Reich Gottes zu kommen. Und im zweiten Teil erfahren wir, warum. Weil es eigentlich unmöglich ist, in das Reich Gottes zu kommen. Weil wir so sind, wie wir sind – lustlos, ungeistlich, fleischlich, träge –, haben wir Gottes Gericht verdient. Wir haben es verdient, vor verschlossenen Türen zu stehen und vom Reich Gottes ausgeschlossen zu sein. Wir haben es verdient, unsere Ewigkeit mit Heulen und Zähneklappern zu verbringen. Doch Jesus, mit seiner mütterlichen Liebe, erbarmte sich über uns und öffnete eine enge Pforte zur Seligkeit, indem er den Preis für unsere Errettung bezahlte. Der NT-Theologe N.T. Wright erzählt die Geschichte eines Bauernhofes, indem Feuer ausbrach. Viele Tiere starben. Nach dem Feuer fand man den Kadaver einer verkohlten Henne. Unter ihr fand man überraschenderweise lebende Küken. Sie hatte ihre Küken vor der Gefahr beschützt und mit ihrem Leben bezahlt. Schwer vorstellbar, aber wahr. Genauso schwer vorstellbar, dass Jesus sich über uns armselige Sünder erbarmt und mit seinem Leben bezahlt, damit wir gerettet werden. Doch das Evangelium sagt, dass diese frohe Botschaft wahr ist. Nun ist die Frage, wie wir mit dieser frohen Botschaft umgehen. Gott der Herr, der Herrscher über Himmel und Erde, stehe uns bei, die richtige Entscheidung zu treffen.

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