Predigt: Lukas 12,1 – 12

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Wahre Gottesfurcht

„Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können.“

(4)

Im heutigen Text kommt das Wort fürchtet/fürchten 5 Mal vor und zieht sich durch den Text. Jesus thematisiert einige menschliche Ängste. Viele Ängste sind Ausdruck einer größeren Angst. Ein Bsp. Warum gibt es Flugangst oder Höhenangst? Weil man Angst davor hat, zu fallen und zu sterben. Warum haben wir Angst vor Dunkelheit? Weil wir Angst davor haben, dass uns etwas Schlimmes passiert. Oder warum haben Menschen Angst vor wilden Tieren, Naturkatastrophen, Hochspannungsleitungen etc. weil sie unser Leben bedrohen. Wir fürchten uns vor dem Tod. Und genau diese Angst wir von Jesus thematisiert.

Ängste sind eine Qual für unser Leben aber auch für unsere Gemeinschaft. Manchmal haben wir Angst begangene Fehler einzugestehen und uns zu entschuldigen. Große wie kleine Ängste zeigen, dass etwas nicht in Ordnung ist (entweder mit mir oder mit anderen, oder der Umgebung etc). Und hier kommt Jesus ins Spiel. Er ist derjenige, der unsere kaputte Welt wieder in Ordnung bringt. In seinem Reich herrschen keine Ängste, nur Gottesfurcht. Und Gottesfurcht besiegt unsere Lebensängste.

Wir wollen den Text in 3 Abschnitten betrachten.

Erstens – Jesus warnt vor Heuchelei (1-3)

Betrachten wir Vers 1: „Unterdessen kamen einige tausend Menschen zusammen, sodass sie sich untereinander traten. Da fing er an und sagte zuerst zu seinen Jüngern: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das ist die Heuchelei.“

Tausende Menschen kamen zusammen, um Jesus zu sehen. Sie drängten so dicht zusammen, dass sie anfingen sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Je mehr Menschen zusammenkamen, umso unruhiger wurde es um Jesus. Erwartungsgemäß hätte sich Jesus um sein ungeduldiges Publikum kümmern müssen. Doch Lukas erwähnt, dass Jesus „zuerst“ zu seinen Jüngern sprach. Dass Jesus sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und „zuerst“ zu seinen Jüngern gesprochen hat, zeigt, wie wichtig sein Anliegen war. Es lautet: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das ist die Heuchelei.“ Wie selten zuvor hatte Jesus die Pharisäer mit deutlichen Worten gescholten. Sie ließen ein wenig Wasser über ihre Hände laufen und demonstrierten geistliche Reinheit, ihr inneres war jedoch voller Raubgier und Bosheit. „Hütet euch“ warnte Jesus seine Jünger scharf. Hütet euch vor ihrer Heuchelei, denn sie ist wie Sauerteig. (Was ist Sauerteig? Ein Teig wird durch die geringfügige Zugabe von Mikroorganismen zum Sauerteig. (Vgl. Deutsches Lebensmittelbuch, 2006, 1.11)) Ein wenig reicht aus, um alles zu durchsäuern.

Warum ist Heuchelei gefährlich und wirksam wie Sauerteig? Zu heucheln bedeutete ursprünglich zu schauspielern, also Menschen etwas vorzumachen, was nicht der Realität entsprach. Was auf der Bühne einen Unterhaltungswert hat, basiert im wirklichen Leben auf Lug und Trug. Pharisäer waren Meister in Sachen Heucheln. Ein Pharisäer war sicher nicht von Anfang an ein formvollendeter Heuchler. Pharisäerjünger hatten sicherlich geistliche Ambitionen und suchten Gott zu gefallen. Doch immer mehr erkannten sie das heuchlerische Verhalten ihrer Lehrer und Kommilitonen und wurden davon beeinflusst. Zunächst geringfügig, eine kleine Notlüge hier, eine unerhebliche Schwindelei da, bis der Sauerteig sie gänzlich durchsäuerte. „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer“ warnte Jesus „das ist die Heuchelei“.

Warum heucheln Menschen? Heuchelei verfolgt gewisse Ziele, z.B. Ansehen und Anerkennung vor Menschen. Man kann einen scheinheiligen Eindruck von sich vermitteln und von anderen gelobt werden, in Wirklichkeit aber in Sünde leben. Man kann so tun, als sei man fromm aber in der Realität keine Beziehung zu Gott haben. Das mögen ihre Ziele sein aber was ist die treibende Kraft hinter der Heuchelei? Die treibende Kraft ist eine Angst! Die Angst davor, zu zeigen, wer und wie ich wirklich bin. Denn man denkt, dass wenn die anderen wüssten, wer und wie ich wirklich bin, sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollen und mich verachten. Hinter Heuchelei steckt also die Angst davor, an Wert zu verlieren.

Aus welchen Gründen ist diese Angst unangebracht? Betrachten wir Verse 2 und 3: Jesus erklärt: „Es ist aber nichts verborgen, was nicht offenbar wird und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Darum, was ihr in der Finsternis sagt, das wird man im Licht hören; und was ihr ins Ohr flüstert in der Kammer, das wird man auf den Dächern predigen.“ Ein Sprichwort sagt: „Lügen haben kurze Beine“ – mit Lug und Trug kommt man nicht weit. Heuchelei kommt irgendwann ans Licht (Der kürzlich verstorbene Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass gab erst im Jahr 2006 zu, Teil der Waffen-SS gewesen zu sein. Obwohl er von anderen stets gefordert hatte, sich zu ihrer Vergangenheit zu bekennen, hat er 60 Jahre geschwiegen. Ein Kulturmagazin kommentierte: „Musste Günter Grass lügen, um der Bundesrepublik die Wahrheit predigen zu können? Warum schwieg der Kritiker des Beschweigens? Warum lüftete der Verächter des Miefs nicht das Geheimnis? Seit Zidanes Kopfstoß hat keine Frage die Feuilletons stärker bewegt.“ (perlentaucher.de, 16.08.2006, Günter Grass, die SS, das Bekenntnis); manchmal, wie in diesem Fall, kommt Heuchelei gewollt ans Licht, oftmals aber ungewollt, manchmal zu Lebzeiten, manchmal nach dem Tod.) Selbst wenn man Menschen erfolgreich etwas vormachen kann, wer ist in der Lage, Gott etwas vorzumachen? Gott, der jeden unserer Gedanken kennt und in das innere unseres Herzens schaut? Wenn nicht hier, wird spätestens vor dem Richterstuhl Gottes alles offenbar, nichts wird mehr geheim sein, keine versteckte Sünde, keine aufrechterhaltene Maskerade.

Jesus kennt seine Jünger und er kennt die Versuchung, etwas zu heucheln und ihre Angst davor, Ansehen und Wert vor Menschen zu verlieren. Welche grundlegende Hilfe liefert sein Evangelium als Alternative zur Heuchelei? Jesu Evangelium hilft uns, indem es uns die Wahrheit vermittelt, nämlich die Wahrheit über uns selbst, nämlich, dass wir Menschen schon längst unseren gottgegebenen Wert verspielt und verloren haben, und zwar in dem selben Garten, indem uns unschätzbarer Wert als Krone der Schöpfung und sehr gutes Geschöpf zugesprochen wurde. Unsere Sünde hat Gottes Gütesigel, Gottes Bild, in uns zerstört. Dieses Bild kann nicht wiederhergestellt werden, indem wir so tun als ob (siehe das Heucheln der HeHPharisäer). Der einzige Weg, unseren Wert wiederzuerlangen, geschieht durch den Tausch, den Jesus uns anbietet. Er, der unfassbar wertvoll ist, bietet an, mit uns zu tauschen. Er erniedrigt sich für uns, damit wir durch sein Opfer erhöht werden. Das ist die gute Nachricht des Evangeliums. Damit dieser Tausch vollzogen werden kann, müssen wir alle Masken ablegen und freiwillig und bereitwillig in Jesu Licht treten. Er nimmt uns an. Und genau so wird auch seine Gemeinde uns annehmen, wenn wir ehrlich und authentisch unsere Schwächen und Sünden ins Licht Christi bringen.

Das Evangelium Christi ist die Lösung gegen Heuchelei und der Ängste, die ihr vorausgehen. Dank sei Christi dafür!

Sie sind aber nicht die einzigen Ängste. Welche weiteren Ängste werden von Jesus thematisiert?

Zweitens – Gottesfurcht statt Lebensängste (4-7)

Betrachten wir Vers 4: „Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können.“ Jesus spricht 2 Ängste an: Menschenfurcht und Todesangst. Wenn man bedenkt, dass sich Jesus auf dem Weg nach Jerusalem befand, um – wie mehrfach angekündigt – von den religiösen Oberen verworfen und sogar getötet zu werden, dann sind Menschenfurcht und Todesangst kein triviales sondern relevantes Thema für seine Jünger. Jesu Jünger sollten sich nicht fürchten, auch wenn die Pharisäer und Schriftgelehrten zornig und hasserfüllt waren. Sie sollten sich auch dann nicht fürchten, wenn ihnen solche Menschen nach dem Leben trachten würden. Nun, das ist leicht gesagt aber wie kann Jesus so etwas von seinen Jüngern fordern bzw. wie können seine Jünger ihre Furcht im Angesicht des Todes ablegen?

Lesen wir dazu Vers 5: „Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch.“ Jesus sagt nicht, dass ein kühnes, furchtloses Leben die Lösung des Problems ist. (Einige Kapitel später bringt Jesus das Beispiel eines ungerechten Richters. Richter sind da, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Doch dieser war ungerecht, denn er fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen (Vgl. Lk 18,1-4). Fehlende Gottesfurcht führte zu Ungerechtigkeit.)

Jesus lehrt Gottesfurcht, als die einzig legitime Furcht. Jesus lehrt zudem, dass Gottesfurcht die Lösung unserer Lebensängste ist. Pharisäer, Hohepreister etc. konnten die Jünger Jesu anklagen, zum Tode verurteilen und hinrichten lassen. Aber Jesus sagt: Sie können „den Leib töten und danach nichts mehr tun“. Ihr teuflisches Vorhaben und ihre finstere Macht reichten nur bis zum leiblichen Tod. Darüber hinaus haben sie keine Vollmacht. Aber Gott ist derjenige, „der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu werfen.“ Unser Schicksal liegt nicht in der Hand böser Menschen. Gott allein ist der souveräne Herr über Tod und Leben, Himmel und Hölle. Nur er hat ewigen Einfluss auf unser Dasein. Deshalb sind Menschenfurcht oder leibliche Todesangst fehl am Platz. Gottesfurcht befreit uns von unseren Lebensängsten.

Deshalb lehrt die Bibel klar: „Der Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn und den Heiligen erkennen, das ist Verstand.“ (Spr 9,10) Gottesfurcht befreit von allen anderen Ängsten. Ok. Aber ist es nicht so, dass je mehr wir Gott kennen lernen und erfahren, desto mehr seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit begegnen? Sollte dann die Furcht vor Gott, die alle anderen Ängste vertreibt, nicht größer sein, als alle zuvor gekannten Ängste, weil Gott Vollmacht hat, Dinge zu tun, die kein anderer tun kann, z.B. in die Hölle zu werfen, weil seine Heiligkeit und Gerechtigkeit eine Bedrohung für unser sündhaftes Wesen darstellt? Eigentlich ja! Im Grunde genommen müssten wir mit Jesaja einstimmen, der vor Gottes Angesicht einen Todesschrei, nicht nur des Leibes, sondern der Seele, ausstieß: „Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.“ (Jes 6,5) Je mehr er Gott erkannte, Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit, umso mehr wurde er sich seiner Verlorenheit bewusst.

Wie löst Jesus dieses Dilemma für seine Jünger? Die Antwort lautet: Durch das Evangelium! Evangelium bedeutet frohe Botschaft. Und in der Tat hat Jesus eine frohe Botschaft für seine Jünger. Betrachten wir nochmals seine Wortwahl im Vers 4: „Ich sage aber euch, meinen Freunden“. Jesu Jünger sind seine Freunde. Was heißt es, Jesus als Freund zu haben? Aus Erfahrung wissen wir, dass es gut ist, die richtigen Freunde zu haben. Gute Freunde sind für dich da. Gute Freunde stehen dir bei. Gute Freunde haben ein Herz für dich. Ein gutes, biblisches Beispiel ist die Freundschaft zwischen Jonathan und David. Eigentlich gehörten sie unterschiedlichen, sich konkurrierenden Lagern an (Jonathan war Sauls Sohn, der David umbringen wollte). Aber ihre Freundschaft überwand alle politischen Barrieren. Sie schlossen sogar einen (Freundschafts-)Bund. Und Jonathan riskierte sein eigenes Leben, um David vor seinem Vater zu retten. (Erst als Jonathan mit seinem Vater im Kampf fiel, wurde David König über Juda.) Wie beneidenswert ist es, solche Freunde zu haben! Manchmal sind wir traurig, weil uns solche Freundschaften fehlen oder beneiden andere um ihrer Freunde wegen. Doch Jesus spricht zu seinen Jüngern (also zu euch): „Ich sage aber euch, meinen Freunden“. Jesus sagt: Ihr seid meine Freunde. (Jesus sollte nicht unbedingt unser einziger Freund sein aber er ist unser bester, wichtigster Freund) „Welch ein Freund ist unser Jesus“ lautet die erste Zeile eines Liedes. („Er hat uns mit Gott versöhnet“ ertönt in der zweiten Zeile. „Sind mit Sorgen wir beladen…Sind von Freunden wir verlassen…so ist uns Jesus alles: König, Priester und Prophet“.) Was bedeutet es, Jesus als Freund zu haben? Er ist ein Freund, der uns mehr liebt, als Jonathan David geliebt hat und umgekehrt. Er hat nicht irgendeinen Freundschaftsbund mit uns geschlossen, sondern den neuen Bund, in seinem Blut, das ewige Gültigkeit besitzt, in diese Welt, wie im Reich Gottes. Und auch er hat sich hingegeben, nicht als Prinz, sondern als König, als Sohn Gottes, um uns zu retten. Und er hat uns gerettet, vor allen Feinden der Finsternis. Sein Blut macht uns rein von der Sünde, sein Wort zerschlägt die Mächte des Satans, sein Tod und seine Auferstehung besiegen den letzten Feind, den Tod. Selig sind die Freunde Jesu, denn der heilige und gerechte Gott, hat uns diesen Freund gesandt. Der heilige und gerechte Gott nimmt die Freunde seines Sohnes an, anstatt sie zu richten. Denn Gottes heiliger und gerechter Zorn, der uns hätte treffen sollen, traf an unserer Stelle Jesus. Das ist Gnade vor Recht, die frohe Botschaft, das Evangelium Jesu Christi.

So lautet die Botschaft Jesu an seine Freunde: „Fürchtet euch nicht vor denen…“ also den Menschen, sondern fürchtet Gott. Dank Christi Evangeliums ist Gottesfurcht keine bedrohliche Angst mehr für uns, sondern eine Lebensweise der Kinder Gottes. Wir ehren Gott, voller Ehrfurcht und loben und preisen ihn, für sein gnädiges Werk an uns, in Jesus Christus. Und das umso mehr, weil dieser heilige und gerechte Gott, sich um alle Kleinigkeiten unseres Lebens kümmert und sich für alle Details unseres Lebens interessiert. Er zählt sogar die Haare auf deinem Kopf! (Stellt dir das mal vor!) Und er vergisst keinen einzigen von uns. „Darum fürchtet euch nicht“, sagt Jesus im Vers 7. Gottesfurcht befreit uns von allen großen wie kleinen Ängsten, wie Todesangst, Existenzängste, Minderwertigkeitsängste usw. Lasst uns also ein Leben vor unserem Gott führen.

Drittens – Jesus und der Heilige Geist (8-12)

Wozu ermutigte bzw. ermahnte Jesus seine Jünger? Lesen wir Verse 8 und 9: „Ich sage euch aber: Wer mich bekennt vor den Menschen, den wird auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird verleugnet werden vor den Engeln Gottes.“

Jesus vor Menschen zu bekennen drückt nicht nur aus, welcher Religionsgemeinschaft wir angehören. Es hat weitaus größere Bedeutung. Jesus sagt: „den wird auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes.“ Das Bekenntnis ist von fester und gegenseitiger Wechselwirkung. Jesus selbst wird sich vor der himmlischen Kulisse der Engelscharen zu uns bekennen. Wie großartig ist das! Auch Paulus betont im Römerbrief die Bedeutung unseres Glaubensbekenntnisses: Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.“ (Röm 10,9.10)

Eigentlich ist es für einen Jünger Jesu das Natürlichste der Welt, seinen Herrn gegenüber anderen Menschen zu bekennen. Eigentlich ist es kein außergewöhnlicher oder besonderer Schritt. Es ist selbstverständlich. Warum fällt es uns dennoch schwer, uns in bestimmten Situationen zu Jesus zu bekennen? Das Problem ist wiederum eine Angst. Zur Zeit Jesu war es vielleicht weniger Scham-getrieben, sondern eher die Angst vor aktiver Verfolgung, also der Angst, ins Fadenkreuz der religiösen Oberen zu geraten, die Jesu Jünger genauso hart verfolgen und am liebsten tot sehen würden, wie ihren Herrn. Bestes biblisches Beispiel ist Simon Petrus. Trotz Jesu warnende Ankündigung leugnete er Jesus dreimal, weil er Angst davor hatte, die Fesseln der Gefangenschaft mit seinem Herrn zu teilen. Jesus kannte die reale Versuchung der Jünger, ihn aus Angst vor Verfolgung zu verleugnen.

Wie können wir frei sein von dieser Versuchung und unser Glaubensleben als ein authentisches Glaubensbekenntnis führen? 2 Anwendungen fallen mir ein, eine sehr gute und eine weniger gute. Die weniger gute Anwendung ist: Sich zu zwingen, Jesus immer und überall zu bekennen. diese Anwendung ist aus folgenden Gründen nicht gut: Es ist kein authentisches Zeugnis, weil es nicht auf tiefstem Herzen kommt. Jesus fühlt sich wenig geehrt und auch die Empfänger dieses Bekenntnisses nehmen es nicht an! Sie durchschauen, dass es nicht aus tiefster Überzeugung kommt, sondern auch Zweckmäßigkeit und verschließen sich genervt, als sich mit dem Zeugnis zu befassen.

Nun die gute Anwendung. Sie lautet: Das Bekenntnis auf natürlich Weise entstehen zu lassen, anstatt es zu forcieren. Wie entsteht ein Bekenntnis? Ein Bekenntnis ist dann am Stärksten, wenn wir von etwas begeistert und überzeugt sind. Ein Bsp. aus dem Fußball: 2013 war es kein Problem, in aller Öffentlichkeit mit einem Bayern-Trikot herumzulaufen, weil sie das historische Tripel unter Heynckes geholt hatten. Mittlerweile fällt das Bekenntnis etwas verhaltener aus.

Wie sehr sind wir von Jesus begeistert? Entsprechend armselig oder lebendig fällt unser Bekenntnis aus. Wie könnte eine eingerostete/eingeschlafene Begeisterung / Bekenntnis aufgefrischt werden? Die Antwort lautet: Indem wir Jesus vor Augen haben.

Ein hervorragendes biblisches Beispiel ist der erste christliche Märtyrer Stephanus. Angeklagt vor dem Hohen Rat, noch bevor jemand handgreiflich wurde, geschah etwas Bemerkenswertes. Die Apg. berichtet: „Er aber, voll Heiligen Geistes, sah auf zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zur Rechten Gottes“ (Apg 7,55). Durch den Heiligen Geist sah er Gottes Herrlichkeit und Christi Herrlichkeit. Und als er diese Herrlichkeit sah, bekannte er: „Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ (7,56) Obwohl sein Zeugnis sein Todesurteil besiegelte, konnte er nicht schweigen, weil er Gottes und Christi Herrlichkeit vor Augen hatte. Je deutlich wir Jesus sehen, seine Herrlichkeit, seine Gnade in unserem Leben, seine unvergleichliche Hingabe und Liebe, die einzigartige Hoffnung, die er uns schenkt, umso selbstverständlicher bekennen wir ihn vor den Menschen. Der Heilige Geist öffne unsere Augen für Jesus!

Betrachten wir die Verse 11 und 12: „Wenn sie euch aber führen werden in die Synagogen und vor die Machthaber und die Obrigkeit, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; denn der Heilige Geist wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen sollt.“ In den letzten Versen tröstet Jesus seine Jünger durch den Heiligen Geist. Die Verheißung des Heiligen Geistes sollte ihre Angst nehmen, würden Sie vor Gericht angeklagt werden.

Stephanus war ein Mann voll Heiligen Geistes. Der Heilige Geist lehrte ihn, was er sagen sollte. Bei seinem Verhör, vor dem hohen Rat, predigte er die Bücher Genesis und Exodus und weitere Teile der Schrift. Er predigte die Schrift, wobei Jesus den Höhepunkt und die Schlussfolgerung seiner Predigt darstellte. Furchtlos und mit Engelsangesicht bekannte er Jesus. Jesus verheißt seinen Jüngern den Heiligen Geist und nimmt uns unsere Ängste und Sorgen, wie wir uns verantworten sollen. Lasst uns im Vertrauen auf Jesu Wort und im Vertrauen auf den Heiligen Geist leben.

Betrachten wir schließlich was Jesus im Vers 10 über sich und den Heiligen Geist verkündete: Und wer ein Wort gegen den Menschensohn sagt, dem soll es vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem soll es nicht vergeben werden.“ Am Kreuz betete Jesus für alle Menschen, die ihn mit den übelsten Worten beschimpft hatten. Er sprach: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34) Dadurch sehen wir die demütige Lammesart unseres Herrn, der nicht nachtragend ist, sondern bereit, zu vergeben. Zugleich warnt Jesus davor, den Heiligen Geist zu lästern. Was bedeutet es, den Heiligen Geist zu lästern? Wahrscheinlich kann der Heilige Geist auf aktive sowie passive Weise gelästert werden. Die aktive Art wäre, den Heiligen Geist anzugreifen und in offensichtlicher Feindschaft zu ihm zu leben. Die passive Art wäre, seine Existenz im Unglauben zu leugnen (zu behaupten, es gäbe Gott nicht, obwohl er lebt, ist auch eine Form der Gotteslästerung). Beide Wege führen in ihrer finalen Konsequenz zur Verdammnis. Manche Menschen (Gläubige oder Nichtgläubige) geraden in Panik und tiefster Verzweiflung, weil sie meinen, den Heiligen Geist bewusst oder unbewusst gelästert zu haben. Sie fürchten sich vor der ewigen Verdammnis. Jesus lehrte an anderer Stelle über den Heiligen Geist: „Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht“. (Joh 16,8.9) Es ist also das Werk des Heiligen Geistes, wenn ein Mensch seine Sünde erkennt und Buße tut. Somit nimmt Jesus seinen Jüngern auch die letzte Angst, nämlich die Angst vor der Verdammnis, wenn der Heilige Geist sie ihrer Sünde überführt und zur Buße leitet.

Danken wir Jesus, dass er uns hilft, ein Leben vor Gott zu führen und Gott allein zu fürchten. Danken wir Jesus dafür, dass er uns von allen Ängsten und Sorgen befreit, die unser Leben plagen. Jesus nimmt uns allen Grund, zu heucheln und gibt uns allen Grund, uns von Herzen zu ihm zu bekennen.

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