Predigt: Lukas 10,25 – 42

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Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter

„Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!“

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Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter gehört zu den bekanntesten und herzerwärmendsten Gleichnissen Jesu. Der Begriff „Samariter“ wurde zum Innbegriff selbstloser Hingabe und diente gemeinnützigen Organisationen als Vorbild und Namensgeber, (wie z.B. dem Samariterbund oder der Samariterstiftung). Es war und ist eine Inspirationsquelle für viele. Leider ist bestenfalls das Gleichnis selbst bekannt, selten der Kontext, indem Jesus dieses Gleichnis eingliederte. Diesen wollen und sollten wir nicht außer Acht lassen.

(In einer Predigt stellte D.A.Carson folgende Struktur im heutigen Text fest: Ein Schriftgelehrter stellte Jesus eine Frage, Jesus antwortet aber nicht direkt, sondern durch eine Gegenfrage. [In der Regel stellte Jesus Gegenfragen, wenn die Motive nicht in Ordnung waren.] Erst als der Schriftgelehrte auf Jesu Gegenfrage antwortet, geht Jesus auf die eigentliche Frage ein. Und dieses Muster geschieht 2 Mal im heutigen Text. Um beim zweiten Mal dient das Gleichnis des barmherzigen Samariters als Vorbereitung für Jesu zweite Gegenfrage. Deshalb ist es wichtig, den Kontext im Auge zu behalten.)

Betrachten wir den Hergang. Vers 25: „Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“

Es ist die Rede von einem Schriftgelehrten, der Jesus versuchen wollte. Aus welchem Grund sollte ein Schriftgelehrte Jesus versuchen wollen und warum ausgerechnet mit der Frage: „Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“ Englische Bibelübersetzungen verwenden das Wort „laywer“ für den Schriftgelehrten, also Anwalt. Anwälte befassen sich mit dem Gesetz. Unser geltendes Recht ist säkular, doch damals wurde das Leben der Juden durch das Gesetz des Mose bestimmt. Schriftgelehrte waren somit so etwas wie religiöse Juristen. Sie verfassten offizielle Dokumente und lehrten, wie die Gesetze des Mose im Alltag angewendet werden sollten (Vgl. Stein, Luke, 1992, 315-316). Die Frage nach dem ewigen Leben war eine der häufig diskutierten Themen der damaligen Zeit. Je nach Antwort konnten die Menschen in religiös-politische Lager eingeordnet werden (Sadduzäer, Pharisäer, Essener etc.). Gehörte Jesus dieser oder jener Gruppierung an oder war er gar gesetzeslos? Der Schriftgelehrte sah durch diese Frage eine Gelegenheit, Jesus zu versuchen. Es wäre besser gewesen, er hätte diese Frage aus aufrichtigem Herzen gestellt. Doch unser Herr Jesus nahm alle Menschen auf, die zu ihm kamen. Er war bereit, selbst denen zu helfen, die gekommen waren, um ihn anzugreifen.

Wie antwortete Jesus? „Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?“ Jesus antwortet mit einer Gegenfrage. Das zeigt, dass Jesus die hinterhältige Absicht des Schriftgelehrten durchschaut hat.

Warum fragte Jesus nach dem Gesetz? Angenommen ein Römer oder Grieche hätte Jesus versucht, dann hätte Jesus sicher mit einer anderen Gegenfrage gekontert. Welche (Gegen)Frage stellt man einem Experten des Gesetzes? Die Antwort ist: Was sagt das Gesetz dazu! (Geh voran, sag du mir, wie man das ewige Leben empfängt).

Wir lesen über den Schriftgelehrten: „Er antwortete und sprach: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst“. Diese Antwort ist erstaunlich. Erstaunlich deshalb, weil das Gesetz des Mose aus hunderten Geboten besteht und weil dieses Gebot kein einheitliches Gebot ist, sondern eine Zusammenstellung zweier Gebote, eins aus dem Buch Levitikus und eins aus dem Buch Deuteronomium. Wie auch immer, verband dieser Schriftgelehrte beide Gebote und stellte sie als Essenz des gesamten Gesetzes vor, um auf die Frage zu antworten: Was sagt das Gesetz darüber, wie das ewige Leben empfangen werden kann. (Das ist wirklich erstaunlich).

Jesus teilte ihm mit: „Du hast recht geantwortet, tu das, so wirst du leben“. Jesus forderte ihn ganz klar auf, Gott zu lieben und seine Nächsten, wie sich selbst.

Wir wollen uns zunächst über den Inhalt dieses Gebotes / dieser Gebote Gedanken machen. Der erste Teil fordert dazu auf, Gott auf besondere Weise zu lieben. D.A.Carson verweist auf den Kontext dieses Gebotes. Das Volk Israel wurde aus der ägyptischen Sklaverei geführt, um Gottes Volk zu werden. In Ägypten waren sie umgeben von verschiedenen Göttern. Auf sie wartete das verheißene Land, ein Land, in dem verschiedene Götter angebetet wurden. Im gesamten Alten Testament wurde die Anbetung verschiedener Götter (Baal, Aschera etc) ein Fallstrick für Israel, so dass ihre Nation daran zerriss. (Während der Schriftgelehrte sich mit Jesus unterhielt, waren die Juden umgeben von Römern, mit ihren vielen Göttern, die sie u.a. von den Griechen übernommen und umbenannt hatten.) Das höchste Gebot lehrt unmissverständlich: Teile dein Herz nicht, diene nicht verschiedenen Göttern, bete nicht mehrere an. Es ist nur einer, der wahrhaftig Gott ist und nur er ist würdig, geliebt zu werden, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt! Gott kompromisslos zu lieben, mit dem Kopf und mit dem Herzen hat unheimlich viel zu tun mit unserer Daseinsbedeutung! Allerdings möchte Gott keine egoistischen Anbeter, die mit anderen rücksichtslos umgehen. So lautet der zweite Teil des Gebotes, der im heutigen Text besondere Aufmerksamkeit gewidmet ist: „und deinen Nächsten wie dich selbst“. (Religiöse Hingabe soll nicht auf Kosten der Nächstenliebe erfolgen. Wir bekommen im Laufe des heutigen Textes zwei Negativbeispiele serviert.) Gott will, dass wir ihn lieben und gleichzeitig ein Herz haben für unsere Nächsten.

Mit dem ersten Schlagabtausch hatte der Schriftgelehrte sein Ziel nicht erreicht. Er wollte Jesus eine Falle stellen, war aber selbst hineingetappt. Deshalb ging es in die zweite Runde. Betrachten wir, wie die gesamte Sequenz von Frage, Jesu Gegenfrage, Antwort und Jesu Antwort von vorne beginnt. Vers 29: „Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?“

Aufmerksame Beobachter haben festgestellt: Er ging nicht auf den ersten Teil des Gebotes ein. Er fragte nicht nach Gott. Wieso nicht? Auf der einen Seite muss er ziemlich überzeugt von sich und seiner Liebe zu Gott gewesen sein, schließlich war er ein Schriftgelehrter, die hohes Ansehen genossen. Auf der anderen Seite ist Gott einer, während die Nächsten viele sein können. Der Schriftgelehrte konnte sich vllt. etwas vormachen und meinen Gott zu lieben. Aber er wusste ganz genau, dass er nicht alle Nächsten lieben konnte, wie sich selbst. Was machte er also? Er rechtfertigte sich selbst! Er beging die Flucht nach vorne.

Und darin, sich selbst rechtzufertigen, waren Schriftgelehrte Experten. Das war sein Beruf! Er interpretierte das Gesetz, nach seinem Gutdünken, machte anderen durch Verkomplizierungen das Leben schwer, wobei er sich selbst jederzeit rechtfertigen konnte. Ein Kapitel später platze Jesus der Kragen, als er sah, wie die Schriftgelehrten sich gegenüber den Pharisäern rechtfertigen. Im Lk 11,46 lesen wir: „Er aber sprach: Weh auch euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten und ihr selbst rührt sie nicht mit einem Finger an.“ Seine Frage: „Wer ist denn mein Nächster“, lässt vermuten, dass er eine strukturierte aber korrupte Definition von seinem Nächsten hatte, um sich zu rechtfertigen.

Anstatt sich auf eine theologisch-philosophische Diskussion mit dem Schriftgelehrten einzulassen, griff Jesus die in den Raum geworfene Frage nach dem Nächsten auf und platzierte sie auf den staubigen und gefährlichen Weg zwischen Jerusalem und Jericho (Vgl. Martin Luther King Jr, I’ve Been to the Mountaintop“, 1968).

Betrachten wir das Gleichnis: „Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen.“

Der Weg zwischen Jerusalem und Jericho war häufig „befahren“, u.a. auch deshalb, weil diese Verbindung einen Teilabschnitt des Pilgerweges zwischen Jerusalem und Galiläa darstellte. Es war einfacher durch Samarien zu reisen, doch weil sich Juden und Samariter wie die Pest hassten, machten die jüdischen Pilger diesen gefährlichen Umweg. Und gerade der Abschnitt zwischen Jerusalem und Jericho wurde „Blutweg“ genannt, u.a. weil Räuber die Pilger überfielen.

So erging es auch dem Mann, im Gleichnis Jesu. Von den Räubern wurde er blutig geschlagen, ausgeraubt, ausgezogen und halbtot liegengelassen. Halbtot bedeutet z.B. auch, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Ihm blieben vllt. 1 Std. oder 2.

Wir lesen weiter: „Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.“ Für den Halbtoten könnte man meinen: Glück im Unglück. Nicht nur, dass 2 Männer vorbeikamen und ihn fanden; es waren auch geistliche Männer, der Erste ein Priester, der Zweite ein Levit. Wenn ihm jemand helfen würde, dann diese. Falsch gedacht. Beide gingen vorüber. Die NIV sagt sogar, dass sie die „Straßenseite“ wechselten, während sie an ihm vorrübergingen. (Angenommen 100m weiter würde ein Filmteam stehen und den Priester und den Leviten interviewen und fragen: Wieso sind sie einfach vorbeigegangen, anstatt dem Notleidenden zu helfen? Was hätten diese gesagt?) Natürlich hätten sich diese auf vielfältige Weise gerechtfertigt. Der Priester hätte gesagt, er wäre davon ausgegangen, der Mann sei bereits tot und er dürfe unter keinen Umständen durch einen Toten verunreinigt werden, schließlich darf er nicht zu spät zum Gottesdienst kommen. Der Levit hätte noch hinzugefügt, dass überall Räuber lauerten. Was würde es bringen, wenn er beim Hilfsversuch ebenfalls überfallen und halbtotgeschlagen würde. Dann wären es schon zwei Pflegefälle. Es gibt so viele Gründe, seine Nächsten nicht zu lieben und sich auch noch zu rechtfertigen. Und dieses Verhalten passte haargenau zum Schriftgelehrten, der sich gegenüber Jesus rechtfertigen wollte. Wir sehen, nicht nur egoistische Motive hindern uns an der Nächstenliebe, auch religiöse Motive können ein Hindernis sein.

Dann ließ Jesus die Bombe platzen: „ Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.“

Ich kann mir so gut vorstellen, wie der Schriftgelehrte, als er hörte, dass ausgerechnet ein Samariter Mitleid mit dem jüdischen Reisenden hatte und all diese guten Taten an ihm vollbrachte, innerlich sagte: Bitte kein Samariter, alles, nur kein Samariter. Denn Juden und Samariter hassten sich! Für die Juden war das Wort „Samariter“ ein Schimpfwort. Im Joh.evg. lesen wir: „Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht mit Recht, dass du ein Samariter bist und einen bösen Geist hast?“ (Joh 8,48). Für die Juden waren die Samariter ein unreines Mischvolk, das nicht an die gesamte heilige Schrift glaubte und ihre Propheten ablehnte. Für die Samariter waren die Juden arrogante Radikale, die eingefallen waren und ihren Tempel zerstört hatten. Es gab viel böses Blut zwischen Juden und Samaritern.

Auch unter diesen Gesichtspunkten tat der Samariter wirklich Bemerkenswertes. Er kümmerte sich um seinen politischen und religiösen Kontrahenten. Im Gegensatz zum Priester und Leviten zeigte er Charakter! Er hatte Mitleid, mit dem Leidenden. Er liebte ihn wie sich selbst. Er ging zum Verletzten, desinfizierte seine Wunden, verband sie, hob den Mann auf sein Tier und lief bis zur nächsten Herberge und pflegte ihn selbst, zahlte am nächsten Tag 2 Silbergroschen und war bereit, auf dem Rückweg alle Aufenthaltskosten des Patienten zu tragen. D.A.Carson kommentiert, dass es vielleicht 2 Wochen oder mehr gedauert hätte, bis der Mann genesen war. Hätte der Samariter seine Kosten nicht getragen, hätte ihn der Wirt als Sklave behalten können, weil der Mann mittellos war und auf diese Weise Schulden beglichen wurden. Der Samariter leistete also nicht nur Erste Hilfe, sondern bewahrte ihn vor der Sklaverei.

Jesus wusste, dass er durch den barmherzigen Samariter eine Grenze überschreiten würde, die der jüdischen Seele Schmerzen bereitete. Doch diese unfassbare Geschichte sollte der eigentlichen Gegenfrage Jesu dienen: „Wer von diesen dreien, meist du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?“ Sogar der stolze Schriftgelehrte musste (wahrscheinlich mit Zähneknirschen) gestehen: „Der die Barmherzigkeit an ihm tat“, wobei er das Wort „Samariter“ nicht über die Lippen bringen konnte. „Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!“ Ende der Diskussion.

Was vermittelte Jesus dem Schriftgelehrten? 1) Durch sein Gleichnis hob Jesus alle Grenzen der Nächstenlieben auf. Es gibt keine Grenzen für Nächstenliebe, auch nicht für uns! Weder politische (er ist Sozialist, ich bin konservativ), noch soziale (er ist reich, ich bin arm oder umgekehrt), noch nationale (er kommt aus Griechenland…), noch religiöse (er hat einen anderen Glauben oder gar keinen Glauben, ich muss aber zum Gottesdienst). Menschen haben sich so viele Grenzen gesetzt aber Jesus hebt sie durch den barmherzigen Samariter auf. Und gerade wir Christen können der Welt ein Wohlgeruch Jesu Christi sein und ein lebendes Zeugnis, wenn wir unsere Nächsten lieben.

2) Weil Jesus alle Grenzen der Nächstenlieben aufhebt, kann sich niemand selbst rechtfertigen! Wie sieht dann der Weg zum ewigen Leben aus?

Wisst ihr, eine bodenlose Frechheit war nicht nur das unlautere Motiv des Schriftgelehrten, Jesus zu versuchen, sondern auch seine Frage, was er tun musste, um das ewige Leben zu erben.

Seine Frage ist inakzeptabel, weil Jesus gekommen ist, um uns das ewige Leben zu geben. In den Versen 23 und 24 haben wir gelesen: „Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben’s nicht gesehen, und hören, was ihr hört, und haben’s nicht gehört.“ Jesus ist der Weg zum ewigen Leben aber dieser Mann kommt, schaut diesen Jesus an und fragt frech, was er tun muss, um das ewige Leben zu erben. (Es würde mehr Sinn ergeben, zu fragen: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu verdienen. Denn geleistete Arbeit generiert einen Lohn. Erbe kommt anders zustanden. Es kann in der Regel weder erarbeitet noch verdient werden, sondern wird unverdient vergeben, aufgrund einer Beziehung.)

Als Jesus das Gebot mit den Worten „tu das, so wirst du leben“ bejahte, verband er das Tun (des Gesetzes) nicht mit dem Erben (des ewigen Lebens). Jesus bestätigt, dass das Tun des Gesetzes zum ewigen Leben führt (d.h. für das ewige Leben qualifiziert). Jesus sagt dem Schriftgelehrten: Liebe Gott und deine Nächsten. Das gefällt Gott. Das ist der Weg des Lebens. Und viel Erfolg dabei! Zeig, wie weit du kommst! Die Frage nur ist: Wer kann dieses Gebot auf eine tadellose Weise halten, um dadurch gerecht und gerettet zu werden? Der Schriftgelehrte sollte durch das Gesetz erkennen, dass ihm jegliche Grundlage der Rechtfertigung fehlte. Die ganze Thematik ist ein einziger Schrei nach dem Evangelium.

Und auch wenn es nicht Jesu primäre Absicht war, sich selbst durch das Gleichnis zu verkünden, so sind die Parallelen doch deutlich vorhanden. (Mit wem kann Jesus verglichen werden, mit dem Reisenden oder mit dem Samariter?  mit beiden!) Letzte Wochen haben wir (von Henoch) erfahren, dass Jesus sich auf die Reise nach Jerusalem begeben hat, um Gottes Heilswerk zu vollbringen. Jesus hatte vor, durch Samarien zu reisen aber die Samariter hießen ihn nicht willkommen. Also musste Jesus wohl dieselbe Route wählen, wie der überfallene Mann im heutigen Text, nur in entgegengesetzte Richtung. Und Jesus ging den „Blutweg“ bis zum bitteren Ende. Er wurde überfallen, geschlagen, ihm wurde die Kleidung geraubt. Er wurde aber nicht halbtot zurückgelassen. Bis zum letzten Atemzug litt er am Kreuz, wo er sein Leben ließ.

Als Jesus den barmherzigen Samariter verkündete, war es nicht bloßes Mundwerk. 13 Kapitel später berichtet Lukas Jesu Gebet am Kreuz: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Das Evangelium verkündet uns Jesus, der barmherziger ist, als irgendein Mensch nur sein kann. Weil er den „Blutweg“ für uns gegangen ist, hat er uns helfen können, als wir halbtot auf der Strecke lagen, nackt und hilflos. Er hat uns aufgerichtet, unsere Wunden verbunden, uns Herberge gegeben und den Preis unserer Rettung gezahlt, damit wir nicht in Sklaverei enden, sondern in ihm frei sind.

Jesus ist der einzige Mensch, der Gott mit ungeteiltem Herzens liebte und seine Nächsten, wie sich selbst. Nur Jesus vermochte, zu erfüllen, was das Gesetz fordert und das tadellos. Und weil er das Gesetz erfüllt hat, ist er unser Weg zum ewigen Leben und nicht das Gesetz. Und das ist wirklich gute Nachricht für uns, Sünder, ohne jede Grundlage der eigenen Rechtfertigung.

Auch wir sollen Gott lieben und unsere Nächsten lieben. Aber nicht, um das ewige Leben zu erhalten, sondern weil wir das ewige Leben erhalten haben. Spurgeon schrieb: „Es darf niemals vergessen werden, was das Gesetz von uns fordert, bewirkt das Evangelium in uns. Nächstenliebe ist keine Bedingung für Errettung, sondern ihre Frucht.“ Je mehr wir die Größe der Gnade Christi begreifen, die uns das Evangelium verkündet, umso mehr werden wir Gott von ganzem Herzen lieben und unsere Nächsten, wie uns selbst.

Betrachten wir die Verse 38-42. Lukas schildert uns eine Szene zwischen Jesus, Marta und Maria, die so vertraut und sympathisch klingt, weil jeder von uns sich darin hineinversetzen kann. Jesus und seine Jüngern kamen in ein Dorf und „Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf.“ Marta, die Schwester von Maria, war Gastgeberin. Wenn nur die 12 Jünger Jesu dabei waren, hatte Marta 13 Gäste. Bewirte mal 13 Gäste (vielleicht kam noch Lazarus vorbei). „Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“

Sowohl Marta als auch Jesus erkannten eine Not; die allerdings nicht übereinstimmten. Martas Not war die Küche. Sie benötigte dringend Hilfe, damit das Essen rechtzeitig fertig würde und nicht anbrannte. Und sie ärgerte sich, über Maria, weil sie faul herumsaß, statt zu dienen, das war ein riesiger Affront. Jesus sah eine andere Not, eine geistliche Not. Aus diesem Grund war es der bessere Teil, den Platz zu Jesu Füßen zu wählen, um seiner Rede zuzuhören. In dieser Hinsicht hatte Maria das gute Teil erwählt, das nicht von ihr genommen werden sollte.

Jesus setzte klare Prioritäten. Für ihn war das Evangeliumswerk wichtiger, als das Abendessen.

Was ist die Lehre für uns? Auch wir könnten Jesus mit viel Mühe, Arbeit und Sorgen dienen und glauben, dieser Weg sei der richtige Weg und andere kritisieren, die ihr Glaubensleben nicht auf dieselbe Weise führen, wie wir es tun. Aber es könnte sein, dass Jesus den anderen Recht gibt und dich auffordert, erst einmal aufzuhören zu schuften und dich in aller Ruhe hinzusetzen, zu seinen Füßen und seinem Evangelium zuzuhören und die Gemeinschaft mit ihm zu genießen! Das werden wir schließlich auch in Ewigkeit tun.

Um die Verbindung zum ersten Teil herzustellen, half Jesus Marta, Gott zu lieben (anstatt sich bei ihm zu beschweren) und ihre Schwester zu lieben. (Das Essen würde dann sicherlich auch besser schmecken). Unsere Werke werden dann ebenfalls eine andere Qualität haben.

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