Predigt: 2. Korinther 9,1 – 15

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Alle Gnade sei reichlich unter euch

„Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk.“

(8)

Unser Text heute Morgen knüpft direkt an Kapitel 8 an, das wir vor drei Wochen betrachtet haben. Es geht um die Geldsammlung für die Armen in der Gemeinde in Jerusalem und um die Beteiligung der Korinther daran. Die Korinther hatten schon im Jahr davor dieses Anliegen angenommen und eifrig angefangen, für sie Geld zurückzulegen. Aber inzwischen hatten sie in ihrem Eifer nachgelassen und mit dem Sammeln offenbar aufgehört. Mit welchem Argument ermutigt Paulus sie dazu, ihre Gabe zu vollenden? Wie bedeutsam ist so eine Opfergabe nämlich vor Gott und mit welchem Segen will er darauf reagieren? Gott helfe uns heute, das einzusehen und fröhliche Geber zu werden, die Gott reichlich segnen kann!

Betrachten wir den Vers 1: „Von dem Dienst, der für die Heiligen geschieht, brauche ich euch nicht zu schreiben.“ Paulus hielt es nicht für nötig, den Korinthern noch einmal den Anlass zu dieser Sammlung zu erklären, ihnen etwa zu schildern, wie arm viele in Jerusalem waren und wie dringend sie Unterstützung benötigten. Paulus erklärt den Grund in Vers 2: „Denn ich weiß von eurem guten Willen, den ich an euch rühme bei denen aus Mazedonien, wenn ich sage: Achaja ist schon voriges Jahr bereit gewesen! Und euer Beispiel hat die meisten angespornt.“ Die Korinther waren von Anfang an, als sie von dieser Sammlung gehört hatten, willig gewesen, den armen Brüdern in Jerusalem zu helfen. Sie entschieden sich anfangs so eifrig zum Mitwirken, dass Paulus sie in den Gemeinden in Mazedonien als vorbildlich loben konnte, wodurch die meisten dort angespornt wurden, auch mitzumachen. Aber Paulus wusste, dass die Korinther ihren Eifer verloren und aufgehört hatten, dafür regelmäßig Geld zurückzulegen. Viele Gründe sind dafür denkbar. Vielleicht hatten manche gerade viele andere Ausgaben und dachten, sie könnten das Sammeln auch auf später verschieben, da Paulus sowieso keinen festen Termin genannt hatte, wann er die Gabe abholen kommen würde. Wahrscheinlich war bei vielen aber die Dankbarkeit und die Liebe und den Nächsten zu Gott verblasst, sodass ihre Motivation schwand, ihre Spende für die Armen in Jerusalem in der geplanten Höhe zu vollenden. Aber Paulus betrachtete sie nicht negativ. Er sah in ihnen den guten Willen, aus dem sie angefangen hatten, dafür zu sammeln. Deshalb kritisierte er sie nicht, sondern wollte ihnen helfen, ihr angefangenes Opfer zu vollenden. Deshalb sandte er drei Glaubensbrüder zu ihnen, die ihen dabei helfen sollten. Denn wenn Paulus mit Mitarbeitern aus Mazedonien kommen würde und sie hätten ihre angekündigte Opfergabe nur zur Hälfte vorbereitet, würden sie sich alles andere als vorbildlich zeigen und Paulus‘ Lob würde wie ein falsche Behauptung aussehen. Aber es ging um viel mehr als ihr Ansehen bei anderen Christen oder Paulus‘ Glaubwürdigkeit. Vers 5 sagt: „So habe ich es nun für nötig angesehen, die Brüder zu ermahnen, dass sie voranzögen zu euch, um die von euch angekündigte Segensgabe vorher fertig zu machen, sodass sie bereitliegt als eine Gabe des Segens und nicht des Geizes.“ Paulus wollte, dass ihre Gabe schon bereitliegt, wenn er kommt, und zwar als eine Gabe des Segens und nicht des Geizes. Warum wollte er das? Wenn wir darüber nachdenken, erkennen wir, dass Paulus ihnen helfen wollte, ihre Opfergabe von Herzen zu bringen. Deshalb sollten sie ihr Opfer rechtzeitig vorbereiten. Und durch ihre frühzeitige herzliche Vorbereitung sollte es eine Gabe des Segens werden und nicht des Geizes, indem sie frühzeitig sparen und reichlich geben. Hier wird deutlich, dass es um viel mehr ging als ausschließlich darum, dass sie die Armen in Jerusalem unterstützten. Denn die Opfer oder Spenden für Bedürftige, die man von Herzen vor Gott gibt, sind für Gott bedeutsam. Unsere Opfer sollen Gott ehren und ihm wohlgefallen.

Aber wie kann man so ein Opfer bringen? Worauf wies Paulus die Korinther hin, um sie zu so einem Gott-gefälligen Opfer zu ermutigen? Betrachten wir Vers 6: „Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen.“ Hier gebraucht Paulus ein einfaches Bild aus der Landwirtschaft. Wenn ein Bauer von seinem geernteten Getreide das meiste für sich behalten will und nur wenig sät, kann er auch nur wenig ernten. Aber wenn er viel davon sät, wird er später eine große Ernte erhalten. Warum sagt Paulus das an dieser Stelle? Dadurch macht er anschaulich klar, dass unser Geben wie Säen ist und eine Ernte zur Folge haben wird. Davon ist auch im Alten Testament schon die Rede, zum Beispiel in Sprüche 11,24.25, wo es heißt: Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein andrer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer. Wer reichlich gibt, wird gelabt, und wer reichlich tränkt, der wird auch getränkt werden.“ Und Sprüche 19,17 sagt: Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat.“ Wer im Blick auf Gott gibt, darf mit einer Ernte rechnen, weil Gott lebt und diejenigen segnet, die geben, und zwar gemäß dem, was sie Gutes getan haben. Dabei geht es nicht um Werkgerechtigkeit. Es geht vielmehr um Gottes Wesen und seine freudige Reaktion auf diejenigen, die seine Gnade erkannt und angenommen haben und aufgrund dessen anderen bereitwillig gerne geben. Diese Wahrheit wirft für uns Gläubige ein ganz anderes Licht auf das Geben. Ohne Glauben an den lebendigen Gott kann man nicht geben, ohne zu berechnen, ob das, was man verliert, irgendwie im Verhältnis zu dem steht, was man bekommt, zum Beispiel an Selbstzufriedenheit oder an Anerkennung von andern. Aber im Glauben an Gott, der die Gebenden belohnt, kann man reichlich geben, ohne zu berechnen.

Wenn man nur den Vers 6 betrachtet, könnte man meinen, dass Paulus sie dazu bringen wollte, einfach möglichst viel zu geben (denn wer viel sät, wird ja auch viel ernten). Aber war das wirklich seine Absicht? Nein! Betrachten wir den Vers 7: „Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Hier wird deutlich, dass Paulus auch die Haltung, mit der sie gaben, wichtig nahm. Er wollte ihnen helfen, dass jeder so viel gibt, wie er es sich ursprünglich im Herzen vorgenommen hatte. Niemand sollte mit Unwillen oder aus innerem oder äußeren Zwang handeln. Gott ist die Haltung, mit der wir Opfer oder Gaben für andere bringen, sehr wichtig. Gott will, dass wir unsere Opfer oder Gaben für andere vom Herzen willig vor Gott geben. Denn Gott hat einen fröhlichen Geber lieb. Jetzt könnte jemand denken: dann ist es ja nicht so wichtig, wie viel ich gebe, denn Hauptsache, ich bin dabei fröhlich. Das ist natürlich nicht richtig; es ist nicht vor Gott nicht egal, wie viel wir opfern, weil sich darin auch unser Herz ausdrückt, unsere Liebe zu Gott und unser Glaube. Deshalb schrieb Paulus den Korinthern auch, dass sie ein Opfer des Segens geben sollten und nicht des Geizes. Aber Gott will, dass wir das, was wir opfern, von Herzen willig geben und fröhliche Geber sind.

Aber klingt das nicht ein bisschen wie ein Widerspruch? Wie kann man wirklich im Segen geben, reichlich geben, und gleichzeitig von ganzem Herzen willig vor Gott fröhlich? Dazu ist es wichtig, dass wir wissen, wie Gott auf Opfer reagiert. Wie will Gott die fröhlichen Geber behandeln? Lesen wir gemeinsam den Vers 8: „Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk.“ Hier wird deutlich, was für eine große Bedeutung unsere von Herzen gebrachten Opfer vor Gott haben, anders gesagt, wie sehr Gott sich darüber freut. Gott freut sich so sehr darüber, dass er dafür sorgen will, dass alle Gnade unter uns reichlich ist, sodass wir in allen Dingen allezeit volle Genüge haben. Die dreifache Aneinanderreihung von ähnlichen Wörtern betont, wie sehr Gott uns segnen will (die NIV-Übersetzung sagt hier auch: „And God is able to bless you abundantly, so that in all things at all times, having all that you need, you will abound in every good work.“) Gott will uns allezeit in allen Dingen genug geben, sodass wir wiederum geben und weiterhin gute Werke tun können. Dabei zeigt der Ausdruck „in allen Dingen“, dass sich Gottes Segen nicht nur auf den materiellen Bereich beschränkt. Gott will, dass alle Gnade unter uns reichlich sei, sodass wir in allen Dingen allezeit volle Genüge haben. Dieses Wort lehrt uns das Geheimnis, dass unser Opfer wirklich zu Gott geht und sein Herz berührt und unsere Beziehung zu Gott verändert. Wenn wir von Herzen für Gott geben, wird Gott dadurch geehrt nd erfreut. Daraufhin will Gott uns in allen Dingen genug geben, auch an geistlichen Gaben, unsere Liebe zu ihm und zu andern wachsen lassen, machen, dass unser Glaube stärker wird, dass wir unsere Hoffnung ganz auf ihn und sein Reich setzen, dass wir frei werden von der Liebe zur Welt und zum Geld. Gott will uns auch mit Gaben segnen, die wir zum Dienst für sein Werk benötigen. Gott will uns in allen Dingen segnen.

Paulus belegt diese Wahrheit mit einem Zitat aus dem Alten Testament, nämlich aus Psalm 112,9 wo es heißt: „Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.“ Dieser Psalm handelt von einem frommen, gerechten Menschen, der Gott liebt und andern gerne gibt. Die Verheißung „seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit“ zeigt, wie eng ein gebendes Leben mit der Beziehung zu Gott verknüpft ist. Das Geben ist bei Gläubigen nicht bloß eine gute Tugend oder Tradition, sondern ein Ausdruck ihrer Gerechtigkeit, sozusagen gelebte Gerechtigkeit. Der Vers sagt auch, dass dieses Handeln sich auf die Beziehung zu Gott auswirkt und sie stärkt und bereichert, sodass solche wahre Gerechtigkeit wirklich in Ewigkeit bleibt.

Diese Aussage wird in Vers 10 noch weiter ausgeführt: „Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit.“ Dieser Vers lenkt unseren Blick auf Gott, der der Geber aller Dinge ist. Dieser Gott will diejenigen, die ihm geben, reichlich segnenund die Früchte unserer Gerechtigkeit wachsen lassen. Dieser Vers macht noch klarer, dass unsere Opfer eine geistliche Bedeutung haben, dass sie Früchte unserer Gerechtigkeit sind. Und diese Früchte will Gott wachsen lassen, was sich sowohl auf die Opfer selbst bezieht als auch auf das, was Gott in unseren Herzen dadurch bewirkt.

Über die Folge davon sagt Vers 11: „So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott.“ Wenn wir ein gebendes Leben führen, werden wir in allen Dingen reich und dazu befähigt, in aller Einfalt weiter zu geben, das heißt ohne Folgen zu berechnen, in schlichtem Vertrauen auf Gott. Durch Gottes Segen auf unser Geben hin lernen wir, wirklich aus Glauben an Gott und aus seinem Segen heraus zu leben.

Aber das ist nicht das Wichtigste. Dass Gott uns Segen geben kann, wenn wir ihm aus Glauben vom Herzen fröhlich geben, ist nicht die Hauptsache. Das sollte weder für Korinther noch für uns das Motiv sein, aus dem wir Opfer geben. Etwas anderes ist viel wichtiger ist, was danach steht, nämlich, dass die Opfer Danksagung an Gott bewirken. So sagt auch Vers 12: Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken.“ Dass die Gabe dem Mangel der Gläubigen in Jerusalem abhalf, war ein wichtiger Punkt, ein ernster Grund für die Gabe. Aber vor allem würde die Gabe bewirken, dass viele Gott danken! Denn sowohl die Empfänger als auch die Zeugen, die durch Paulus von dieser Gabe hören, werden Gott danken, dass er so viel Dankbarkeit und Gnade in der Gemeinde bewirkt hatte. Auch die Geber würden Gott danken, die dankbar sind, dass sie nach dem Vorbild ihres Herrn Jesus leben können. Vers 13 sagt erklärend: Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen.“ Viele würden Gott für diese Opfergabe danken, weil sie eine Frucht des Evangeliums war, das in den Korinthern gewirkt hatte. Es war eine Folge davon, dass sie das Evangelium nicht nur teilweise angenommen, sondern sich ihm von Herzen richtig untergeordnet hatten und aus Dankbarkeit und aus Glauben an Jesus lebten, der gelehrt hat, dass Geben seliger ist als nehmen. Dadurch wurde durch ihr Opfer Gott geehrt, und er konnte durch die Danksagung vieler die Ehre nehmen.

Welche Auswirkungen würde das für die Beziehungen unter den Christen haben? Vers 14 sagt: Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwenglichen Gnade Gottes bei euch.“ Hier sagt Paulus, dass das Opfer eine geistliche Gemeinschaft der Korinther mit den Christen in Jerusalem stiftete, die sie gar nicht kannten. Eigentlich kannten die Korinther die Gläubigen in Jerusalem gar nicht und hatten menschlich gesehen als Griechen mit den Juden in Israel ganz und gar nichts zu tun. Aber wegen der Gnade Jesu waren sie willig, ihnen zu helfen, und durch ihre Opfergabe konnten die Jerusalemer Christen erkennen, wie überreich die Gnade Gottes bei ihnen wirkte. Dadurch bekamen sie den Wunsch, für sie zu beten und sehnten sich nach der Gemeinschaft mit ihnen. So bewirken Opfer Koinonia, geistliche Gemeinschaft unter den Christen, die es sonst so vielleicht nie gegeben hätte.

Betrachten wir zum Schluss den Vers 15: „Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!“ Paulus beendet seine Kapitel über die Sammlung wie er sie angefangen hatte, nämlich mit dem Hinweis auf die Gnade Gottes (8,1). Damit macht er deutlich, dass Gottes Gnade selbst die Grundlage von allem ist, von unserem Leben und auch von jeglichem Geben. Gott hat uns eine unaussprechliche Gabe gegeben, indem er seinen eigenen Sohn für uns dahingegeben hat, in dem wir alles haben, die Gnade der Sündenvergebung, neues Leben als Kinder Gottes und das ewige Leben in seinem herrlichen Reich. Diese Gabe ist wirklich nicht zu erfassen und nicht zu beschreiben. Wir können und sollen Gott dafür immer unseren Dank geben. Für „Dank“ steht im Urtext „charis“, also Geschenk oder Gunst. Gott, der uns seine unaussprechliche Gabe gegeben hat, gebührt unsere Gunst, unser Geschenk. Es ist zu wenig, wenn wir Gott nur mit dem Mund danken. Unsere Opfer oder Gaben an andere sind unsere kleine Antwort auf seine große unaussprechlichen Gnade. Wenn wir sie vom Herzen geben, wird Gott dadurch viele Früchte entstehen lassen und wird uns dafür in allen Bereichen reichlich segnen. Möge Gott uns helfen, uns seiner Gnade immer bewusster zu werden und aufgrund dessen ein gebendes Leben zu führen und Gottes Segen reichlich zu erfahren! Lesen wir nochmals das Leitwort: „Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk.“

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