Predigt: Apostolisches Glaubensbekenntnis 09 (Johannes 17,6-26)

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Jesus, Gemeinde und die Welt

„Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“

Johannes 17,22.23

Wir studieren heute die 9. Lektion aus dem apostolischen Bekenntnis und nähern uns langsam der Zielgerade. Die vorigen 8 Lektionen habe von Gott, von Jesus und dem Heiligen Geist gehandelt, die Trinität. Die verbleibenden drei Lektionen machen einen signifikanten Einschnitt. Der Abschnitt aus dem Bekenntnis, um den es heute geht, lautet: „(ich glaube an) .. die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen….“ Das nächste Mal reden wir über Vergebung der Sünden und dann über die Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Nachdem wir uns mit dem dreieinigen Gott und mit dem, was dieser herrliche Gott getan hat, beschäftigt haben, richtet sich der Blick auf diejenigen, die an ihn glauben. Der Fokus liegt auf den Christen.

Und damit fangen natürlich die ganzen Probleme an. Viele sind der Meinung, dass das Christentum als Weltanschauung gar nicht so schlimm wäre, wenn nur diese ganzen Christen nicht wären. Wir Christen haben in unserer Gesellschaft einfach keinen guten Ruf. Christen sind bekannt dafür Moralapostel zu sein, die mit dem Finger auf andere zeigen. Aber gleichzeitig sind sie auch dafür bekannt Heuchler zu sein; sie sind bekannt dafür, Andersgläubige zu diskriminieren; sie sind bekannt dafür selbstgerecht, verurteilend, schwulenfeindlich, anti-intellektuell und ignorant zu sein. Das sind einige der Begriffe, die automatisch von Google vervollständigt wurden, wenn man auf Englisch die Worte eingegeben hat: „Warum sind Christen so…“

Noch schlimmer wird es, wenn wir uns die Kirche als Institution anschauen. Vor ein paar Jahren habe ich einmal einen Straßenkünstler in Heidelberg gesehen, der sich aus einer Zwangsjacke befreit hat. Und etwas später war ich am anderen Ende der Welt, in Sydney und habe einen anderen Straßenkünstler gesehen, der fantastisch jonglieren konnte. Interessanterweise haben beide den gleichen Witz gemacht. Als es darum ging, von den Zuschauern Spenden einzusammeln, sagten beide: ich gehöre keiner kriminellen Organisation an, wie z.B. die Kirche. Und als sie das gesagt hatten, gab es viel Gelächter. Greg Boyd hatte einen Vater, der Skeptiker war. Und Greg überredete seinen Vater dazu, über alle Einwände gegen das Christentum zu reden. Gleich der allererste Einwand gegen das Christentum war der beste Einwand: wenn es einen Gott gibt, wie kann es sein, dass die Menschen, die diesen Gott kennen und diesen Gott repräsentieren sollten, das auf solch armselige Weise tun? Mehr noch, wie kann Gott es zulassen, dass seine Kirche solche Verbrechen begeht, wie es im Lauf der Geschichte immer wieder passiert ist? Wir können es nicht verleugnen: Jesu Braut hat ein gewaltiges Image-Problem.

Wie antworten wir darauf? Mehrere Erklärungen sind möglich. Zum einen ist offensichtlich, dass nicht alle, die behaupten Christen zu sein, wirklich Jesus angehören. Alle Verbrechen der Kirche sind nicht basierend auf Jesu Lehren geschehen. Sie sind im krassen Widerspruch zu Jesu Lehre geschehen. Jesus selbst sagte, dass man uns an den Früchten erkennen soll. Wir kommen noch darauf zu sprechen, was damit gemeint ist. Zum anderen müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Die Gemeinde Jesu ist nicht so, wie sie sein sollte. Sie entspricht noch nicht dem, was Gott im Sinn hat. Sie ist noch unterwegs. Und sie wird immer unterwegs sein, so lange sie hier auf Erden ist.

Wie sollte die Gemeinde dann sein? Über drei Punkte wollen wir heute nachdenken: erstens, die Grundlage der Gemeinde; zweitens, die Mission der Gemeinde; drittens, die Vision der Gemeinde.

Erstens, die Grundlage der Gemeinde

Vor etlichen Monaten berichtete der Spiegel über atheistische Kirchen. Viele von diesen atheistischen Kirchen treffen sich ebenfalls am Sonntag. Es gibt Lieder. Anschließend gibt es sogar eine Ansprache. Die Ansprache hat auch Inhalt, es geht darum, den anderen Gutes zu tun, nett zu sein. Der Spiegel sprach von Humanismus light. Eine Kirche genau wie wir, nur eben ohne Gott. Kann das funktionieren?

Zwei Dinge erfahren wir hier über die Grundlage der Gemeinde. Zum einen ist es die Verkündigung von Gottes Wort. In Vers 6 sagt Jesus über die Jünger: „sie haben dein Wort bewahrt.“ Vers 8: „Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen…“ Vers 14: „Ich habe ihnen dein Wort gegeben…“ Vers 17: „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.“ Vers 20: „Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden.“ Wieder und wieder spricht Jesus hier über das Wort. Gott, der Vater, hatte Jesus seinem Sohn seine Worte gegeben. Diese Worte hatte Jesus die Jünger gelehrt. Die wahren Jünger sind diejenigen, die das Wort gehört und angenommen hatten. Der Reformator John Calvin schrieb: „Wenn immer wir Gottes Wort in Reinheit gepredigt und gehört sehen und die Sakramente nach Christi Institution ausgeführt werden, dann kann es keinen Zweifel geben, dass eine Gemeinde Gottes existiert. Sein Versprechen „…wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matthäus 18,20), kann nicht gebrochen werden: … Wenn eine Versammlung das Wort hat und es in Ehren hält, wenn es die Gabe der Sakramente hat, dann verdient sie es ohne Zweifel als eine Gemeinde angesehen zu werden.“

Martin Luther wiederum ging sogar noch einen kleinen Schritt weiter. Er sagte, dass wenn nur das Wort da ist, es keine anderen Anzeichen bedarf für die Existenz von heiligen Christen. Er sagte: „…denn Gottes Wort kann es nicht geben ohne Gottes Volk, und Gottes Volk kann es nicht geben ohne Gottes Wort. Denn wer würde das Wort predigen und es gepredigt hören wenn nicht Gottes Volk? Und was würde Gottes Volk glauben wenn nicht das Wort Gottes?“ Die Wahrheit Gottes offenbart in seinem Wort ist der Grundstein für die Gemeinde. Es ist daher eine der höchsten Pflichten der Gemeinde, Gottes Wort zu predigen, in Ehren zu halten, das Wort zu hören, es anzunehmen und es zu bewahren. Das andere baut darauf auf.

Das zweite ist, Gottes übernatürliche Offenbarung durch sein Wort. Schauen wir uns noch einmal den Text an. Vers 6: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.“ Vers 8: „Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.“ Gottes Wort, das durch Jesus gepredigt wurde, bewirkte etwas in den Jüngern. Es führte zu einer Offenbarung von Gottes Namen. In dem damaligen Verständnis war der Name einer Person untrennbar mit dem Wesen der Person verbunden ist. Die Tatsache, dass Gottes Namen offenbart wurde bedeutete, dass Gott sich selbst in seiner Persönlichkeit offenbart hatte. Jesu Wort hatte in den Jüngern zu einer Erkenntnis geführt, die vorher nicht da war, nämlich die Tatsache, dass Jesus wahrhaftig von Gott ist oder anders gesagt, dass Jesus die absolut relevante und überragende Offenbarung Gottes ist. Alles das hatte dazu geführt, dass die Jünger Glauben hatten. Wir wissen, dass Glauben im biblischen Sinne nicht einfach nur bedeutet, etwas für wahr zu halten oder von etwas überzeugt zu sein. Der Glaube, von dem Jesus hier spricht ist eine persönliche Beziehung mit Gott, ein Vertrauen auf Gott, ein Leben in der Gegenwart des lebendigen Gottes, das sich in jedem Bereich unseres Lebens auswirkt.

Die Predigt und das Hören von Gottes Wort sind daher nicht einfach Informationsaustausch. Gottes Wort ist seine Methode der Wahl, um sich selbst zu offenbaren. Er begegnet uns in seinem Wort. Die meisten von uns kennen die Geschichte wie Jesus dem Saulus auf dem Weg nach Damaskus auf solche Weise begegnete, dass er vom Pferd fiel. Und wir kennen die Geschichte, wie Gott Jesaja begegnete. Jesaja sah Gott in seiner Herrlichkeit im Tempel. Es war eine Begegnung, die ihn zutiefst erschütterte und überwältigte. Tim Keller kommentierte die Geschichte folgendermaßen: „Als Jesaja zum Gottesdienst ging, war vermutlich das Letzte, was er erwartet hatte, Gott zu begegnen.“ Und vielleicht geht es hier manchen von euch ähnlich: „Das letzte womit ihr heute im Gottesdienst rechnet, ist es Gott über dem Weg zu laufen.“ Aber Gott begegnet uns in einem Wort. Er tut es vielleicht nicht ganz so dramatisch wie bei Paulus und Jesaja. Aber es soll nicht weniger profund sein. Ihm heute zu begegnen soll uns nicht weniger in unseren Festen erschüttern.

Die Implikationen für unsere Predigten und für unser Bibelstudium sind enorm. Spurgeon sagte, dass so lange man nicht über Jesus predigt, es keine Predigt ist. Predigt und Bibelstudium sind kein Selbstzweck. Sie dienen einem höheren Ziel. Das Ziel einer jeden Predigt und Bibellehre sollte es sein, Gottes Herrlichkeit zu offenbaren; genauer gesagt, die Herrlichkeit Gottes wie sie uns in der Person Jesus Christus begegnet. Die Qualität der Lehre unserer Gemeinde sollte danach beurteilt werden, wie treu und effektiv wir Jesus Christus und sein Evangelium predigen. Gemeinde ist daher nicht einfach ein Zusammenschluss von Leuten, die von den gleichen Werten überzeugt sind. Gemeinde ist ein Zusammenschluss von Leuten, die Gott auf eine übernatürliche Art und Weise in seinem lebendigen Wort erfahren haben.

Zweitens, die Mission der Gemeinde

Zu Beginn der Predigt habe ich gesagt, dass Christen nicht gerade den besten Ruf haben. Und Mission ist ein weiteres Wort, mit dem viele Menschen ihre Probleme haben. Mission setzt ja voraus, dass man davon überzeugt ist, dass man selbst die richtige Weltanschauung hat, während alle anderen das Falsche glauben. Und das klingt regelrecht intolerant. In Deutschland ist Missionar fast schon ein Unwort. Es herrscht die Meinung: „Missionare sind Extremisten. Missionare sind diejenigen, die die Kultur von anderen Völkern kaputtmachen.“ Diese Anschauung ist ziemlich weit verbreitet. Diese Anschauung hat aber auch ein ziemlich großes Problem.

Das größte Problem ist, dass es eigentlich ein Widerspruch in sich darstellt. Der Vorwurf an christliche Missionare lautet, dass es arrogant und intolerant ist, andere zu seiner Weltanschauung bekehren zu wollen. Aber mit dieser Einstellung hat man genau das getan, was man Missionaren vorenthalten will: im Namen der Toleranz war man intolerant gegenüber denen, die nicht dasselbe glauben, in diesem Fall christliche Missionare. Andere Illustration: Leute sagen, dass es falsch ist eine Grenze zu ziehen, z.B. zwischen wahrer und falscher Religion. Aber genau in dem man das sagt, hat man bereits eine Grenze gezogen. Was meinen sie damit? Sie sagen damit eigentlich: „es gibt schlechte Menschen wie ihr, die Grenzen ziehen und gute Menschen wie wir, die das nicht tun.“ Und schon hat man damit andersdenkende Menschen ausgegrenzt. Jeder Mensch tut das. Jeder versucht andere von etwas zu überzeugen. Die Frage ist nicht, ob man andere für eine Sache begeistern will oder nicht. Die Frage ist, ob das, wovon man begeistert ist, etwas mit objektiver Realität zu tun hat.

Wenn wir noch einmal Jesu Gebet betrachten, dann fällt uns auf, an wie vielen Stellen Jesus über die Jünger und die Welt redet. Vers 6 sagt: „die du mir aus der Welt gegeben hast.“ Vers 9: „Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt…“ Vers 11: „Ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt…“ Vers 14: „die Welt hat sie gehasst; denn sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.“ Vers 16 ist fast die wortwörtliche Wiederholung davon. Vers 18: „Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt.“ Verse 20 und folgende sprechen nun von den Christen, die durch das Zeugnis der Jünger zum Glauben kommen. Wir sind darin eingeschlossen. Jesus betete dafür, dass die Welt durch uns erkennen soll, dass Jesus von Gott gesandt wurde, dass Gott sie liebt, wie er Jesus liebt. Wir können das also folgendermaßen zusammenfassen: die Jünger sind aus der Welt aber nicht von der Welt und immer noch in der Welt, weil Jesus uns in die Welt gesandt hat.

Das ist die Situation der Gemeinde. Wenn die Nachfolger Jesu aus der Welt sind aber nicht von der Welt und immer noch in der Welt, dann kann man sich die Frage stellen, weshalb sie Jesus in diese Welt sandte. Ganz offensichtlich sind sie in der Welt immer in Gefahr: die Gefahr zurückgezogen zu werden in den Sumpf der Welt und die Gefahr durch die Feindschaft und den Hass der Welt erdrückt zu werden. Der Grund weshalb die Gemeinde in der Welt ist, lautet Mission. Solange die Gemeinde in der Welt ist, hat sie eine Aufgabe zu erfüllen. Wie erfüllt die Gemeinde dann ihre Aufgabe? Wir sehen das an vier Dingen: die Gemeinde kennt eine Herrlichkeit, eine Freude, eine Liebe und eine Heiligkeit, welche die Welt nicht kennt.

Zum einen, die Gemeinde hat eine Herrlichkeit, die die Welt nicht hat. Eines von Jesu zentralen Hauptanliegen ist die Verherrlichung Gottes und seiner selbst. Jesu wundervolles Gebet beginnt mit den Worten: „Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche.“ Vers 4 sagt: „ich habe dich verherrlicht auf Erden.“ Vers 5: „Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Über die Jünger sagte Jesus dann in Vers 10: „Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht.“ Wenn wir im deutschen das Wort „herrlich“ verwenden, dann meistens im Bezug auf etwas, was wir besonders schön finden. Wenn wir auf ein schwieriges Problem eine elegante Lösung finden, dann sagen wir „herrlich“. Zlatan Ibrahimovic machte einen akrobatischen Fallrückzieher aus 40 Metern Entfernung. Das war ein herrliches Tor.

Während unseres Bibelstudiums aus Offenbarung habe ich einmal die biblische Bedeutung von herrlich erklärt. Noch einmal zur Wiederholung: Herrlich bedeutet ursprünglich „schwer“ oder „massig“. Das deutsche Wort „wichtig“ ist verwandt mit „Gewicht“. Eine wichtige Angelegenheit hat Gewicht, oder ist gewichtig. Herrlich bezieht sich auf das, was wirklich Gewicht hat, im Gegensatz zu dem, was verfliegt. Herrlich bezieht sich auf das, was wirklich Substanz und Signifikanz hat im Gegensatz zu den vielen zweit- und drittrangigen Dingen in unserem Leben. Herrlich bezieht sich auf das, was andauert und bleibt im Gegensatz zu dem, was nur flüchtig ist.

Diese Herrlichkeit im Vollkommenheit und Absolutheit finden wir nur in Gott. Gott ist absolut herrlich. Das Ziel von allem was existiert, vom Mikrokosmos bis hin zum Makrokosmos, von den subatomaren Teilchen bis hin zu den größten Galaxien, ist es die Herrlichkeit Gottes zu offenbaren. Das Ziel der Gemeinde ist es, die Herrlichkeit von diesem Gott zu offenbaren. Hier ist ein fundamental wichtiger Punkt: jeder von uns hat eine Sehnsucht nach Herrlichkeit. Wir alle wollen für etwas leben, was bleibt. Wir wollen, dass unser Leben Signifikanz hat. Aber wenn es Gott nicht geben würde, dann ist es egal, ob wir ein gutes Leben führen oder nicht, weil es das absolut Gute überhaupt nicht gibt. Es wäre völlig egal, ob wir ein Kinderhilfswerk aufbauen, das Ebola-Problem lösen, den Ukraine-Syrien-Gaza-Konflikt beenden oder aber den ganzen Tag Computer spielen und Fernsehserien anschauen: ohne Gott macht es keinen Unterschied. Erst in Gott und durch Gott haben wir einen Maßstab für Herrlichkeit, weil Gott selbst absolut herrlich ist.

Zum anderen, die Jünger hatten eine Freude, die die Welt nicht kennt. Vers 13: „Nun aber komme ich zu dir und rede dies in der Welt, damit meine Freude in ihnen vollkommen sei.“ Jesus sprach hier nicht einfach von ein wenig Freude. Er sprach von vollkommener Freude. Ein christlicher Autor hat einmal folgende Aussage gemacht: Jesus hat seinen Nachfolgern drei Dinge versprochen: erstens, dass sie eine Freude haben, die geradezu absurd ist; dass sie frei sind von Furcht; und dass sie immer Ärger am Hals haben. In der Apostelgeschichte gibt es ein Ereignis, in dem wir das alles sehen. Die Jünger hatten massiven Ärger mit der religiösen Obrigkeit. Aber sie waren frei von jeglicher Furcht. Sie wurden für ihr Zeugnis mit Stöcken geschlagen. Aber sie hatten eine geradezu absurde Freude, weil sie um Jesu Namens willen leiden durften.

Freude ist nicht einfach ein Bonus im christlichen Leben. Freude ist auch nicht einfach eine Option, die man haben kann oder auch nicht. Freude ist absolut zentral. Jeder Mensch will glücklich sein, genauso wie jeder Mensch ein herrliches Leben haben will. Der Grund, weshalb jeder von uns Freude haben will, ist ganz einfach. Wir wurden dazu geschaffen, um von Gottes Freude erfüllt zu werden. Gott hat uns dazu gemacht, um seine überfließende Freude mit uns zu teilen.

Als nächstes, die Jünger hatten eine Liebe, die die Welt nicht kennt. Wenige Stunden bevor Jesus betete, hatte er seinen Jüngern die Füße gewaschen. Nach der Waschung hatte Jesus folgendes gesagt: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebt habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ Die Geschichte zeigte, dass Jesu Gemeinde diesen Befehl immer wieder auf krasse Art und Weise in die Tat umsetzte. In den frühen Tagen des Christentums wurde die Stadt Rom von zwei Seuchen heimgesucht. Jeder, der konnte, floh von der Stadt aufs Land, auch die Ärzte. Es gab eine besondere Ausnahme. Ein Geschichtsschreiber hielt fest: „Die meisten Christen erwiesen unverminderte Liebe und Loyalität, indem sie sich nie selbst schonten und immer an andere dachten. Ohne Rücksicht auf Gefahren pflegten sie die Kranken, kümmerten sich um alle Nöten und dienten ihnen in Christus, und starben zusammen mit ihnen, weil sie die gleiche Krankheit bekamen wie ihre Nachbarn und voller Freude ihre Schmerzen annahmen.“ Tertullian stellte fest, wie die Nichtgläubigen über das Opfer der Christen sagten: „Seht, wie diese Menschen einander lieben.“ Und damit hatte sich Jesu Wort buchstäblich in deren Leben erfüllt.

Das Ziel der Mission ist, Christus zu den Menschen und Menschen zu Christus zu führen. Aber die Art und Weise, wie das geschieht ist vor allem anderen durch eine Gemeinschaft der Liebe. Das Evangelium wird immer in einer Gemeinschaft gelebt. Jede Gemeinde hat schwierige Charaktere, die auf den ersten Blick nicht so liebenswürdig zu sein scheinen. Wenn eine Gemeinde nur aus zwei Leuten besteht, dann sind es schon zwei schwierige Charaktere. Wenn immer wir Probleme damit haben, eine Person in der Gemeinde zu lieben, dann sollten wir uns Folgendes vor Augen führen: schwierige Menschen sind Gottes Geschenk an uns. Sie zu lieben erfordert eine Extraportion von Gottes Gnade in unserem Leben. Gott will uns diese Extraportion an Gnade schenken. Seine Liebe innerhalb der Gemeinde soll immer ein Wunder seiner Gnade sein. Unser Gebet ist, dass mehr neue Leute hier her kommen. Aber dazu sollte es unser Gebet sein, dass wir durch den Heiligen Geist eine Gemeinschaft der Liebe sein können, so dass durch unsere Freundschaften die Welt erkennt, dass Jesus wirklich unter uns ist.

Als letzten Punkt, die Gemeinde hat eine Heiligkeit, die die Welt nicht kennt. Vers 17-19: „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.“ In den Versen 17 und 19 spricht Jesus über Heiligkeit und in Vers 18 darüber, dass er sie in die Welt gesandt hatte. Mit anderen Worten, Heiligkeit und Mission hängen untrennbar miteinander zusammen. Wie ihr wisst, kann „heilig“ verschiedene Bedeutungen haben. Im Bezug auf Mission möchte ich eine hervorheben. Heilig bedeutet, dass wir abgesondert werden, um in dieser Welt anders zu sein als alle anderen.

Die Gemeinde ist Gottes Projekt, um der Welt zu zeigen, dass es auch anders geht. Die Gemeinde ist Gottes Gegenentwurf zur Welt. Die Christen in der Gemeinde haben zu allen wichtigen Aspekten des Lebens eine andere Ansicht als die Welt. Christen sollten ganz anders und viel großzügiger mit Geld umgehen, weil Gott sie freimacht von der Liebe zu Geld und weil Geld nicht alles ist. Christen sollten eine viel höhere, viel ehrfürchtigere aber auch viel freiere Sicht auf Sex haben, weil sie wissen, wozu Sex von Gott geschaffen wurde. Christen sollten eine andere Haltung im Bezug auf Arbeit und Karriere haben als anderen: ehrlicher, fleißiger, gewissenhafter als die anderen, aber gleichzeitig nicht karrieregeil, nicht auf die nächste Beförderung und die nächsten Boni aus.

Hier ist ein weiteres Beispiel: am 2. September diesen Jahres fand die Polizei die Leiche eines 33-jährigen Mannes, der in den Neckar gesprungen war. Etliche Tageszeitungen haben davon berichtet. Was keine der Zeitungen erwähnt hatte, war, dass dieser Mann ein Christ war. Seit dem Tag, an dem er gestorben ist, treffen sich junge Christen aus ganz Heidelberg, die ihn gekannt haben, zum Lobpreis und Gebet. Natürlich ist die Atmosphäre bedrückt und traurig. Aber gleichzeitig wurde im Gebet dafür gedankt, dass Jesus ihn gerettet hatte. Heute um 14:30 findet in der Calvary Chapel eine Trauerfeier für ihn statt. Aber es ist keine gewöhnliche Trauerfeier. Die Organisatoren haben sich ausdrücklich gewünscht, dass jeder willkommen ist auch Leute, die ihn nicht gekannt haben. Es wird getrauert, weil es ein Abschied ist. Aber es wird gefeiert, weil es ein Abschied auf Zeit ist und weil Gott inmitten dieser schwierigen Zeit seine Güte und Freundlichkeit offenbart. Es ist ein gewaltiges Zeugnis dafür, dass Christen mit dem Tod ganz anders umgehen als die Welt dies jemals tun könnte.

Drittens, die Vision der Gemeinde

Verse 20 und 21: „Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“ Im apostolischen Bekenntnis heißt es, dass wir an die christliche Kirche glauben, d.h. an die eine christliche Kirche. Wir glauben nicht an die Methodisten, Baptisten, Lutheraner, Freikirchler. Wir glauben an den einen universalen Leib Christi. Dieser Leib schließt alle Christen aller Zeiten und aller Kulturen ein. Jesu Vision war, dass sie alle eins sind. Unsere Vision sollte daher sein, dass wir ebenfalls alle eins sind. Aber nichts scheint weiter weg von der Realität zu sein als diese Vision.

Wie stehen wir zu Christen anderer Gemeinden? Ich habe diesen Satz schon einmal gesagt, und er hat nichts von seiner Relevanz verloren: UBF Heidelberg ist nicht der universale Leib Christi. Selbst die weltweite UBF ist nicht der universale Leib Christi. UBF hat nur dann eine glorreiche Zukunft, wenn sie im rechten Verhältnis zum universalen Leib Christi steht. Sie hat keine große Zukunft, wenn sie nur unter sich bleibt.

John Armstrong, ein Freund von UBF schrieb Folgendes an uns: „Heilige Nation bedeutet, anderen ein Segen zu sein. Wir dürfen keine Sackgasse werden, in welcher wir nur unter uns voneinander lernen und Gemeinschaft haben, ohne den Input von Fremden und von denen die Teil aus Gottes Familie sind aus vielen verschiedenen Ecken seines Königreiches. Wir müssen uns weiterhin vor Gott demütigen und uns erinnern, dass wir ebenfalls fallen und versagen können. Wir müssen die mächtige Hand und das Herz Gottes suchen, damit er uns seine erneuernde Gnade schenkt, jedes Jahr, Monat, sogar an jedem Tag. Eine Bewegung wie UBF kann in den kommenden Jahrzehnten ein Segen für andere sein. Oder sie orientiert sich nach innen und fördert ihre eigenen Ansichten auf Kosten der guten Nachricht von Gottes Gnade an alle, in dem Glauben, dass sie genau das tut, was Gott von ihr will. … UBF hat eine begrenzte Zukunft, wenn sie ihre Grenzen zum ganzen Volk Gottes schließt, um ihr unterschiedliches Verständnis im Bezug auf Wahrheit hochzuhalten über die Person, die die Wahrheit ist.“

Weil Einheit mit dem universalen Leib unsere Vision sein sollte, sollten wir uns die Frage stellen: wie viele Freunde haben wir unter Christen, die nicht in UBF sind? Wie viele Christen, die nicht in UBF sind, würden uns als ihren engen Freund bezeichnen? Ich würde mir so sehr wünschen, dass jeder hier in der Gemeinde es sich zu einem Anliegen machen würde, solche Freundschaften zu schließen.

Als letztes, Einheit entsteht nicht dadurch, indem wir versuchen Einheit zu haben. Einheit entsteht dann, wenn es ein Objekt gibt, das so herrlich und so wunderbar ist, dass es Menschen in ihrer Bewunderung eint. Einheit entsteht, wenn wir gemeinsam den gleichen Gott anbeten und begeistert von ihm sind. Wo zeigt sich die Herrlichkeit Gottes am klarsten und deutlichsten? Jesus betete, dass Gott den Sohn verherrlichen möge. Vers 1: „Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche.“ Gott antwortete auf dieses Gebet.

Er führte Jesus nach Golgatha ans Kreuz. Nirgendwo deutlicher und nirgendwo klarer wird die Herrlichkeit Gottes offenbart als am Kreuz. Am Kreuz sehen wir die Herrlichkeit seiner Gnade und seiner Liebe. Am Kreuz sehen wir die Herrlichkeit, dass Gott Jesus so behandelte wie wir es verdient hätten. Und aufgrund dessen behandelt Gott uns unendlich viel besser, als wir es jemals verdient hätten. Am Kreuz überwand Gott die Kluft zwischen seiner Heiligkeit und unserer Sündhaftigkeit. Weil Gott in Jesus Christus diese Grenze und diese Kluft ein für alle Mal überwunden ist, können alle zwischenmenschlichen Unterschiede überwunden werden. Alle Grenzen unter dem Volk Gottes werden eines Tages beerdigt. Jesus am Kreuz ist die Herrlichkeit, die uns jeden Tag aufs Neue inspirieren sollte. Das ist die Herrlichkeit, die uns begeistern sollte, mit einer Begeisterung, die wir mit allen teilen, die Jesus lieben.

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