Predigt: 2. Korinther 4,1 – 15

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Der Schatz in irdenen Gefäßen

„Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.“

(7)

Vor zwei Wochen haben wir in Kap. 3 Paulus‘ Zeugnis von der Gnade betrachtet, die ihn zu einem Diener des neuen Bundes gemacht hatte, der viel größere Herrlichkeit hat, als der Alte Bund. Doch einige der Zweifel an Paulus‘ Person und Leben, die in der Korinther Gemeinde gestreut worden waren, standen immer noch im Raum. Im Kap. 4 bezeugt Paulus im ersten Teil (1-6), wie er und seine Mitarbeiter authentisch nach dem Evangelium gelebt haben, und bezeugt dabei den hellen Schein des Evangeliums, den Gott in ihre Herzen gegeben hat. Im zweiten Teil beschreibt Paulus dieses Evangelium als einen Schatz in irdenen Gefäßen und erklärt, wie er und seine Mitarbeiter aufgrund dessen gelebt haben. Möge Gott uns helfen, durch Paulus‘ Zeugnis das Leben nach dem Evangelium neu zu begreifen und eine tiefe Konsequenz daraus zu ziehen!

Teil 1: Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist (1-6)

Was sagte Paulus darüber, wie er sein Leben als Diener des neuen Bundes führte? Betrachten wir die Verse 1 und 2: „Darum, weil wir dieses Amt haben nach der Barmherzigkeit, die uns widerfahren ist, werden wir nicht müde, sondern wir meiden schändliche Heimlichkeit und gehen nicht mit List um, fälschen auch nicht Gottes Wort, sondern durch Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns dem Gewissen aller Menschen vor Gott.“ Hier beschreibt Paulus, wie er sein Leben als Diener des Evangeliums führte. Er war sich bewusst, dass es Gottes Barmherzigkeit war, dass er das Amt als Diener des neuen Bundes empfangen hatte. Er blieb dafür dankbar und blieb sich der Herrlichkeit dieses Amtes bewusst. Dadurch bekam er täglich neue Motivation, für Jesus und sein Evangelium zu leben und die auftretenden Schwierigkeiten alle zu tragen, ohne müde zu werden. Aus dieser immer frischen Motivation heraus vermied Paulus auch jedes Verhalten, das zu einen wahren Diener des Evangeliums nicht passte. Sie mieden schändliche Heimlichkeit – taten also nicht heimlich etwas anderes als das, was sie redeten. Sie gingen auch nicht mit List um – versuchten nicht, Menschen mit geschickten Worten zum Glauben zu überreden. Sie fälschten auch nicht Gottes Wort, achteten es also nicht als ein Mittel zum Zweck, sondern achteten es auch da hoch, wo die Botschaft hart oder unattraktiv klingen mochte. Mit diesem Bekenntnis grenzt sich Apostel Paulus von den Menschen ab, die offenbar solche Dinge getan haben, um die Korinther Gemeinde für sich zu gewinnen. Paulus führte sein Leben aufrichtig vor Gott und diente ihm gewissenhaft. Für ihn kam so ein respektloser Umgang mit der Wahrheit oder andere Mittel, die das Gewinnen von Menschen scheinbar leichter machten, nicht in Frage. Stattdessen offenbarte er schlicht die Wahrheit des Evangeliums, wodurch ihn die Menschen in ihrem Gewissen als einen authentischen Diener Gottes erkennen konnten.

Nachdem Paulus klargestellt hatte, dass er authentisch lebte und lehrte, könnte jemand fragen, wieso dann nicht alle, die ihn hörten, zum Glauben kamen. Einige behaupteten damals ja sogar, dass Paulus‘ Predigten generell zu kompliziert seien, sodass man sie nicht verstehen könne. Aber der Grund dafür, dass manche nicht glaubten, lag ganz woanders. Die Verse 3 und 4 sagen: „Ist nun aber unser Evangelium verdeckt, so ist’s denen verdeckt, die verloren werden, den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.“ Das Evangelium ist denen verdeckt, die (willentlich) ungläubig sind, denen der Gott dieser Welt, der Teufel, den Sinn verblendet hat, sodass sie das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi nicht sehen. Sie können die Botschaft von Jesu Herrlichkeit, von seiner einmaligen Liebe und von seinem Reich, nicht wahrnehmen, weil sie geistlich verblendet sind. Der Satan versucht mit allen Mitteln, den Sinn von uns Menschen zu verblenden und uns dadurch für das herrliche Evangelium blind zu machen. Er erregt in uns z.B. das Verlangen nach Dingen in der Welt, nach Reichtum, Ansehen, Liebe und nach Vergnügen verschiedenster Art und macht uns vor, dass diese Dinge das Wichtigste wären und uns glücklich machen würden. Er sät Zweifel an Gottes Wort und an seiner Liebe und macht Menschen stolz, sodass sie das Bewusstsein für die eigene Vergänglichkeit und Verlorenheit und verlieren und für das Evangelium unempfänglich werden. Wo der Satan damit Erfolg hatte, können Menschen selbst das helle Licht des Evangeliums nicht mehr sehen, auch wenn es gut gepredigt wurde.

Was stand im Mittelpunkt von Paulus‘ Predigt? Betrachten wir Vers 5: „Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen.“ Paulus‘ Predigten hatten einen klaren Fokus. Er predigte nicht sich selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist. Er verkündigte Jesus, der für am Kreuz für die Sünden aller Menschen gestorben ist und der am dritten Tag auferstanden ist und den Gott zum Herrn und Christus gemacht hat. Auch hier grenzte sich Paulus klar von den neuen Lehrern in Korinth ab, denen es offenbar mehr um sich selbst ging als um Jesus. Doch Paulus ging es nicht um sich, sondern um Jesus. Dabei sagte er auch, dass er und seine Mitarbeiter um Jesu willen Knechte der Korinther waren (wörtlich sogar Sklaven). Paulus verstand sich nicht als Herr über die Korinther, deren Gemeinde er gegründet hatte, sondern verstand sich als ihr Diener um Jesu willen; er wollte alles tun, was für ihr geistliches Wohl nützlich und nötig war.

Wie konnte Paulus so selbstlos leben? Woher hatte er die Kraft, sich so sehr für andere Menschen hinzugeben, obwohl er dabei so viele Schwierigkeiten und Rückschläge erleben musste? Betrachten wir sein Bekenntnis im Vers 6: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuch­tung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“ Der Grund war, dass Gott, der Schöpfer das helle Licht des Evangeliums in sein Herz gegeben hatte. Früher war Paulus selbst verblendet gewesen und hatte ohne Jesus in der Finsternis gelebt. Aber Gott hatte doch das helle Licht des Evangeliums in ihn leuchten lassen, sodass er die Liebe Gottes und sein Heil in Jesus erkennen und Buße tun konnte. Das helle Licht des Evangelium erleuchtete ihn und ließ ihn Gottes große Liebe und das herrliche Ziel des Himmelreichs erkennen und gab ihm die Vision, dass viele Menschen gerettet werden. Dieses Licht leuchtete aus ihm heraus, wenn er redete und auch über seine Worte hinaus durch sein Leben. Paulus war klar, dass Gott das Licht des Evangeluims nicht nur für ihn gegeben hatte, sondern dass es von ihm reflektiert werden und andere zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus führen sollte. Dieses herrliche Licht im Herzen motivierte ihn täglich neu dazu, das Evangelium unermüdlich zu predigen, auch wenn er mit Unglauben, Ablehnung oder gar mit Verfolgung konfrontiert wurde. Weil das helle Licht des Evangeliums in Paulus leuchtete, war sein Leben transparent und glaubhaft und viele wurden durch ihn mit dem Licht des Evangeliums konfrontiert, sodass sie die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi erkennen konnten.

Was bedeutet das für uns? Wir möchten auch authentische Diener des Evangeliums sein, durch die Jesus und sein Evangelium glaubhaft und wirksam bezeugt werden, oder? Wir wünschen uns auch, dass von uns das Licht Jesu ausgestrahlt wird und viele Menschen dadurch zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes gelangen, nicht wahr? Wie können wir das erreichen? Wir müssen uns wie Paulus vom Licht des Evangeliums erfüllen lassen. Wir sollen unser Herz neu öffnen und uns dem Licht des Evangeliums aussetzen und es in uns einlassen, bis es uns ganz erfüllt und alle halbdunklen und dunklen Elemente vertrieben hat, bis in die letzten Ecken. Wenn das Evangelium uns erfüllt, sind wir voller heller, klarer Gedanken und Liebe und voller Motivation und Kraft, Jesus und seinem Evangelium auf bestmögliche Weise zu dienen. Wenn wir unsere Herzen mit dem Licht des Evangeliums erfüllen lassen, strahlt sein Licht von uns auf andere Menschen und erleuchten sie zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in Jesus Christi. Möge Gott uns helfen, unsere Herzen mit dem Licht des Evangeliums ganz erfüllen zu lassen, sodass durch uns viele Menschen das Angesicht Jesu sehen und darin Gottes Herrlichkeit erkennen und sich ihm anvertrauen können!

Teil 2: Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen (7-15)

Im ersten Teil hat Paulus dargelegt, dass er und seine Mitarbeiter authentisch nach dem Evangelium lebten und ihm dienten. Wie drückte sich diese herrliche Botschaft in ihrem Leben aus? Um darauf zu antworten, benutzt Paulus ein zweites Bild. Lesen wir Vers 7: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.“ Hier wird das Evangelium als ein Schatz bezeichnet. Ein Schatz ist mehr als bloß viel Geld, ein Schatz ist etwas von ganz besonderem großen Wert. Deshalb haben die Geschichte hindurch Schätze die Menschen ganz besonders interessiert. In Deutschland ist zum Beispiel der Schatz der Nibelungen bis heute berühmt. Letzte Woche waren wir in Neckarsteinach (etwa 20 Minuten von hier), um die vier Burgen anzusehen, und bei einer Burgruine steht auf der Informationstafel, dass dort um das Jahr 1200 der Minnesänger Bligger II gelebt hat, den manche Forscher neuerdings für den Verfasser des Nibelungenlieds halten. Vielerorts in Deutschland begegnet man heute noch Spuren Nibelungensage, bei der es um einen Schatz ging, obwohl sogar die Sage darüber schon über 800 Jahre alt ist. Bis heute handeln Bücher und Filme über einen Schatz, zum Beispiel „Der Fluch der Karibik“. Es gibt auch in der Realität Schätze. Im Mai 2007 fanden Forscher eines amerikanisches Unternehmens im Atlantik in über 500 Meter Tiefe einen 17 Tonnen schweren Aztekenschatz, den 1804 englische Kriegsschiffe mit einer spanischen Fregatte versenkt hatten. Der Wert des Schatzes wurde auf 500 Millionen Dollar geschätzt. Für das Spezialunternehmen, das ingesamt 2,6 Millionen Dollar für die Ortung und Bergung ausgegeben hatte, war wohl schmerzlich, dass der Schatz nach internationalem Recht Spanien gehörte, von spanischen Marineschiffen beschlagnahmt wurde und ein US-Gericht später endgültig entschied, dass der Schatz Spanien gehörte. Aber hier geht es um einen ganz anderen Schatz, der von unvergleichlichem, unschätzbarem Wert ist. Das Evangelium von Jesus Christus ist der wahre Schatz, weil er die Gnade und Wahrheit ist, die uns zu Gott führt. Er ist von unermesslichem Wert, weil er uns die Versöhnung mit Gott und neues ewiges Leben bringt. Wer diesen Schatz hat, ist wirklich reich an Gnade und Frieden von Gott und Leben in Ewigkeit. Das Leben in Jesus ist der wahre und größte Schatz.

Doch wie haben wir diesen Schatz? Sehen wir uns nochmals Vers 7a an: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen“. Hier ist ein krasser Kontrast! Irdene Gefäße sind Gefäße aus Ton, die ein Töpfer aus einem billigem Klumpen Ton in wenigen Minuten pro Stück formen kann. Irdene Gefäße sind zerbrechlich und fast wertlos. Mit den irdenen Gefäßen beschreibt Paulus sich selbst und seine Mitarbeiter und ferner alle Christen. Wir Menschen sind leicht stolz auf unsere Fähigkeiten und vermeintliche Stärke. Aber in Wirklichkeit sind wir vor Gott nur wie einfache Tongefäße, zerbrechlich und an sich fast wertlos.

Warum sagte Paulus das so deutlich? Zum einen antwortete Paulus damit denjenigen in Korinth, die sich einen allezeit starken und herrlichen Apostel wünschten. Sie verstanden nicht, warum ihr Apostel, der ihnen das herrliche Evangelium gebracht hat, von so vielen Mühen belastet und bedrängt leben musste. Tatsächlich sah Paulus mit seinem Leben äußerlich betrachtet wie ein einfaches Tongefäß aus, bei dem von „Herrlichkeit“ nichts zu sehen war. Aber doch lag in diesem „Tongefäß“ der unermessliche Schatz des Evangeliums. Das war nicht zufällig so, sondern hatte eine positive Bedeutung, die im Vers 7b deutlich wird: „… damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.“ Dadurch dass Gott sein kostbares Evangelium in schwache, an sich wertlose Gefäße füllt, erreicht er, dass es zu keiner Verwechslung zwischen dem kostbaren Inhalt und dem wertlosen Gefäß kommt. Paulus‘ Wirken war von einer überschwänglichen Kraft gekennzeichnet. Aber weil Paulus selbst ein unansehnlicher, von Leiden gezeichneter Mann war, war unübersehbar deutlich, dass diese Kraft nicht aus ihm selbst stammte, sondern von Gott kam und darum Gottes Herrlichkeit bezeugt.

Im Allgemeinen haben die Menschen eine Neigung, ihren Wert zu verbessern. Bei den Griechen damals gehörte es zum Gedankengut, dass man versuchte, sich durch eine edle Gesinnung und ein makelloses Leben zu verbessern und sich selbst zu entwickeln. In unserer Zeit heute ist die Idee, sich in seinem Leben zu entfalten und sich selbst zu verwirklichen, die gängige und praktisch höchste Wertanschauung. Als Christen sind wir auch diesem Zeitgeist ausgesetzt und haben auch in uns selbst eine Neigung dazu, uns selbst „zu verwirklichen“. Aber das ist nichts anderes als der Wunsch, sein Tongefäß mit einer schönen oder originellen Glasur zu veredeln und ein wenig haltbarer zu machen. Aber bei den Christen geht es um den Schatz, nicht um die Verbesserung des irdenen Gefäßes. Wir sollen als Träger des Schatzes leben und versuchen, das Evangelium auszuleben, anstatt zu versuchen, uns selbst zu verbessern. Es soll uns nicht um die Verbesserung unseres Gefäßes gehen, sondern um den Schatz selbst, nicht um uns, sondern um Jesus, der in uns leben und regieren und sich an uns offenbaren und verherrlichen will. Wir sollen danach streben, ihn immer mehr und mehr zu erkennen, sein herrliches Evangelium immer besser zu fassen und auszuleben.

Wie lebte Paulus als irdenes Gefäß für den kostbaren Schatz? Anders gesagt: Wie lebte er, als er nicht versuchte, sein eigenes Leben zu entfalten, sondern das Evangelium festzuhalten und voll auszuleben? Betrachten wir die Verse 8 und 9: „Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.“ Paulus setzte sich ganz dafür ein, das kostbare Evangelium vielen Menschen auf bestmögliche Weise zu verkündigen. Das war der unmittelbare Ausdruck davon, dass er das Evangelium durch den Glauben dankbar festhielt. Dabei erfuhren er und seine Mitarbeiter viele Schwierigkeiten und Leiden. Ihnen war oft bange, wenn die Leute auf ihre Botschaft negativ reagierten, aber sie ängstigten sich nicht. Sie wurden verfolgt, aber waren nicht verlassen; sie wurden unterdrückt (anders übersetzt: niedergeworfen), aber kamen nicht um. Sie erlebten also gerade in großer Bedrängnis Gottes Beistand und Trost und seine starke Kraft. Als irdene Gefäße waren sie oft so belastet, dass sie manchmal zu zerbrechen drohten; aber Gott bewahrte sie in allen Leiden, sodass sie nie zerbrachen.

Wie fasste Paulus sein Leben als irdenes Gefäß des Evangeliumsschatzes zusammen? Betrachten wir Vers 10: Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.“ Hier erfahren wir, bis zu welchem Punkt Paulus als ein Gefäß des Evangeliums lebte. Er bekennt, dass er und seine Mitarbeiter allezeit das Sterben Jesu an ihrem Leibe trugen. (Wörtlich heißt es hier sogar „die Tötung Jesu“, was kein natürliches inneres Sterben, sondern ein Sterben unter äußerem gewaltsamen Einflüssen bedeutet.) Wie wir wissen, wurde Jesus, obwohl er der Fürst des Lebens war, durch die Macht des Teufels am Kreuz getötet. Und mit dem Sterben Jesu meinte Paulus sicher nicht nur die unmittelbare Tötung Jesu am Kreuz. Was Jesus in den letzten Stunden am Kreuz konzentriert erfuhr, fasst zusammen, was dem ganzen Leben Jesu von der Krippe an die Todesgestalt gab. Jesus war immer das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trug. Täglich lastete auf ihm die Todesnot der Welt in den Kranken und Besessenen, in den Zöllnern und Sündern. Immer weiter ging es durch ein „Sterben“ in dem völligen Verzicht auf alles Eigenleben, in der ständigen Hingabe an sein Werk. Seine „Tötung“ stand immer drohender über ihm in dem wachsenden Hass seiner Feinde und in der Ablehnung durch die maßgebenden Männer Israels. Ständig war Jesus der für Gott und die Menschen Geopferte und sich Opfernde, auch als er ganz aktiv wirkte. Deswegen schrieb Paulus im Philipperbrief, dass er seinem Tod gleichgestaltet werden wollte, obwohl er mit höchster Aktvität für ihn lebte und wirkte. Auch er trug in seinem Einsatz für das Evangelium „das Sterben Jesu an seinem Leibe“. Dabei macht der Ausdruck „an unserm Leibe“ klar, dass seine Leiden nicht nur „innerliche“ Leiden waren. Das Sterben Jesu wirkte sich in seinem leibhaftigen, tatsächlichen Leben aus. Dabei ging es nicht um ein selbst gewählte Leiden, Paulus suchte nicht Leiden aus einem asketischen Drang heraus. Vielmehr kamen die Entbehrungen und Leiden unvermeidlich, als er sich dafür einsetzte, Jesus und seinem Evangelium zu dienen, durch die Missverständnisse, Ablehnung, Verfolgung und Entbehrungen, die dabei auftraten bzw. erforderlich wurden.

Was konnte er erleben, als er Jesus so konsequent folgte? Betrachten wir noch einmal Vers 10 und Vers 11: „Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde. Denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu offenbar werde an unserm sterblichen Fleisch.“ Als Paulus sich konsequent und praktisch für Jesus und sein Evangelium hingab, konnte er auch das Leben Jesu erfahren. Als er sich ganz für Jesus hingab und bereit war, mit Jesus zu sterben, wurde an ihm das Leben Jesu offenbar. Als er sein eigenes Leben wirklich aufgab, konnte er das Leben Jesu erfahren und auch verkörpern.

Dabei ging es ihm wiederum nicht um sich selbst. Betrachten wir Vers 12: „So ist nun der Tod mächtig in uns, daber das Leben in euch.“ Hier spricht Paulus von einem seltsamen Ungleichgewicht. Denn während er das Leiden und Sterben für die Verbeitung des Evangeliums trug, war das Leben bei den Korinthern zu sehen. Dieses Bekenntnis muss die unzufriedenen Korinther beschämt haben, die an dem mühevollen Leben von Paulus Anstoß nahmen. Denn tatsächlich waren sie gerade dadurch, dass Paulus alle Leiden und Bedrängnisse während seiner zweiten Missionsreise erduldet hatte, mit dem Evangelium in Berührung gekommen und hatten neues, ewiges Leben in Jesus erlangt. Wir können den Sinn, den das Leben nach dem Evangelium macht, erst dann voll erkennen, wenn es uns nicht mehr um uns, sondern um das Heil der anderen Menschen geht.

Wie erklärte Paulus den Geist, aus dem heraus er so lebte? Betrachten wir Vers 13: „Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, wie geschrieben steht: »Ich glaube, darum rede ich«, so glauben wir auch, darum reden wir auch“. Hier zitiert Paulus aus Psalm 116. Darin werden die Leiden des Psalmisten geschildert, der in äußerste Not geraten war, aber trotzdem an Gott glaubte und seine Hilfe erlebte. In demselben Geist des Glaubens war Paulus entschieden, vom Evangelium zu reden, unabhängig davon, in wie große Not er dadurch noch kommen würde.

Wie konnte Paulus so gesinnt sein? Er schreibt im Vers 14: „Denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch.“ Paulus glaubte fest, dass Gott, der den Herrn Jesus Christus auferweckt hat, auch ihn auferwecken und vor sich stellen würde samt den Korinther Gläubigen und allen, die glauben. Paulus diente Jesus so ent­schie­den und hingebungsvoll aus der Gewissheit auf seine Auferweckung von den Toten.

Betrachten wir Vers 15: „Denn es geschieht alles um euretwillen, damit die über­schwängliche Gnade durch die Danksagung vieler noch reicher werde zur Ehre Gottes.“ Hier erfahren wir das Ziel, aus dem Paulus letztlich so entschieden für die Verbreitung des Evangeliums lebte. Er setzte sich ganz dafür ein und trug alle damit verbundenen Leiden in dem Bewusstsein, dass es dem Wohl der Menschen in Korinth und andernorts diente. Aber das war nicht sein letztes Ziel. Durch alles sollte die überschwängliche Gnade Gottes noch reicher werden, indem durch sie noch mehr Menschen Gott dankten und so ihn ehrten. Paulus hatte für seinen Dienst für das Evangelium also eine klares Ziel. Paulus gab sich für das Evangelium hin, damit die Gottes Gnade und dadurch Gott selbst noch mehr geehrt würde. Dadurch konnte Gott sein Leben für sein Werk und seine Ehre kostbar gebrauchen. Dadurch erfüllte er den Sinn und die tiefe Bedeutung eines Gefäßes des kostbaren Evangeliums.

Was bedeutet das für uns? Vielleicht kommt einigen Paulus‘ Leben zu extrem vor. War das nicht zu extrem (Paulus‘ Stil)? Gilt das, was er hier schrieb, auch für uns? Natürlich war es extrem gemessen an dem Leben, das die meisten Menschen führen. Aber wenn wir an Jesus denken, wird klar, dass es ist nicht zu extrem, sondern richtig ist, Jesus so konsequent zu folgen bis zum Punkt des Todes, weil das Evangelium uns das wahre und ewige Leben gibt. Jesus selbst lebte hingebungsvoll für das Heil der Menschen bis zur völligen Aufgabe des eigenen Lebens. Dabei lud Jesus das Volk samt seinen Jüngern ein, auch so zu leben, als er sagte: „Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten“ (Lukas 9,23.24). Jesu Worte und Paulus Beispiel sind eine gewaltige Herausforderung, die unsere instinktive Lebensweise bis ins Tiefste erschüttern. Aber wir sollen das Evangelium nicht einseitig verstehen oder für uns selbst auszunutzen versuchen. Es ist richtig, dass wir als irdene Gefäße des Evangeliums so leben, weil das Gefäß letztlich wertlos ist und vergeht, aber der Schatz darin absolut wertvoll ist und ewig besteht. Paulus hatte das klar verstanden. Und er hoffte fest auf die Auferstehung von den Toten für sich und alle, die an Jesus wirklich glauben. Darum konnte er so konsequent als ein Gefäß dieses Schatzes leben udn sein Bestes tun, dem Evangelium zu dienen, anstatt sich selbst zu schonen oder zu verschönern. Die meisten von uns wollen Jesus richtig nachfolgen. Das Problem ist, ob wir so konsequent wie Paulus unser Leben dafür einzusetzen bereit sind oder nicht. Solange wir unser Leben noch ein Stückweit erhalten wollen und nicht bereit sind, uns für Jesus und das Evangelium ganz hinzugeben, können wir das Leben Jesu und seine Kraft nicht oder wenig erfahren. Wenn wir Jesus wie Paulus konsequent folgen, werden wir in vollem Maße das Leben erfahren, das er uns und durch uns anderen schenken will. Möge Gott uns helfen, das Evangelium wie Paulus zu erfassen und auszuleben, sodass viel mehr Seelen Gottes herrliche Gnade preisen und Gottes Ehre offenbaren!

 

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