Predigt: 2.Timotheus 3,10 – 4,8 (Sonderlektion zum Neujahr 2014)

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Predige das Wort

 „Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne, mit aller Geduld und Lehre.“

(4,2)

Zum Beginn des neuen Jahres wollen wir heute den letzten überlieferten Brief von Apostel Paulus betrachten, den er an seinen geistlichen Sohn Timotheus schrieb. Wie manche von uns wissen, war Timotheus ein junger Mann, der von seinem Wesen her feinfühlig und manchmal zaghaft war. Er war von Paulus in Ephesus zurückgelassen worden, damit er die Gemeinde leiten sollte, die Paulus dort gegründet hatte (1.Tim 1,3). Das zu tun war für ihn nicht einfach, und er war mit verschiedenen Problemen konfrontiert. Weil er noch jung war, bestand die Gefahr, dass er von manchen in der Gemeinde nicht genug respektiert würde. Es gab auch Probleme durch Irrlehrer mit jüdischem Hintergrund. Ephesus war auch die Hauptstadt des Römischen Reichs in Kleinasien und eine Hochburg des Dianakults, weshalb es dort von Anfang an Widerstand gegen das Evangelium gegeben hatte. Es gab also von innen und von außen Probleme. Was riet Paulus Timotheus in dieser Situation? Welche Botschaft wollte er ihm unbedingt noch mitteilen – und welche Bedeutung hat sie für uns? Gott möge uns helfen, die Botschaft gut zu verstehen und ihre Relevanz für uns zu erkennen und dadurch am Jahres­anfang eine klare Orientierung zu finden!

I. Du aber bist mir gefolgt … (3,10-13)

Unser Text beginnt mit den Worten „Du aber …“, nimmt also Bezug auf den vorangehenden Abschnitt. In den Versen 2-9 sagt Apostel Paulus „schlimme Zeiten“ voraus; die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig, prahlerisch, hochmütig und gottlos sein, außerdem lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten feind. Sie werden nur noch den Schein von Frömmigkeit haben, aber keine geistliche Kraft, weil sie die Befriedigung ihrer Begierden mehr lieben als Gott. Es würde wirklich eine schlimme Zeit sein. Und nach der Beschreibung dieser Zeit schreibt Paulus an Timotheus: „Du aber bist mir gefolgt in der Lehre, im Leben, im Streben, im Glauben, in der Langmut, in der Liebe, in der Geduld, in den Verfolgungen, in den Leiden, die mir widerfahren sind in Antiochica, in Ikonion, in Lystra. Welche Verfolgungen ertrug ich da! Und aus allen hat mich der Herr erlöst.“ Paulus erinnert Timotheus daran, dass er ihm bis dahin treu gefolgt war, und zwar nicht bloß äußerlich auf seinen Reisen, sondern auch in der Lehre, im Streben, im Glauben, in der Liebe und in der Geduld. Timotheus hatte Paulus aus nächster Nähe kennen gelernt und gesehen, wie seine Lehre des Evangeliums, seine Lebenseinstellung und seine praktische Lebensweise miteinander im Einklang standen, und er war ihm in allen Bereichen gefolgt, um auch wie er aus Glauben ganz für Gott zu leben. Durch die Erinnerung daran ermutigte Paulus ihn dazu, diesen Weg bis zum Ende weiterzugehen. Dabei erinnert er wiederholt an die Verfolgungen und Leiden, die er in seinem Leben für Jesus erfahren hatte. Warum? Wir können annehmen, dass Timotheus als Leiter der Gemeinde in Ephesus auch Verfolgungen erlebte. Paulus macht klar, dass Verfolgung und Leiden in einem Leben für Jesus nichts Besonderes waren. Vers 12 sagt: „Und alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden.“ Niemand möchte gerne verfolgt werden. Aber hier lernen wir, dass alle, die wirklich fromm im Glauben an Jesus Christus leben wollen, Verfolgung leiden müssen. Timotheus sollte sich also wegen der Verfolgungen nicht zweifelnd fragen, ob er in seinem Glaubensleben oder in seiner Gemeinde etwas anders falsch machte, sondern sollte sie als eine Bestätigung dafür ansehen, dass er fromm für Jesus Christus leben wollte, und sich weiter furchtlos für Jesus einsetzen. Während fromme Menschen diese besondere Art von Bestätigung bekommen, wird es mit denen, die andere verführen und sich selbst verführen lassen, immer schlimmer (13).

Was bedeutet das für uns? Eigentlich erfahren wir hier in Deutschland kaum Verfolgung, aber wir erleben doch Schwierigkeiten und Leiden, wenn wir Jesus entschieden nachfolgen, z.B. Unverständnis und Kritik von Familienangehörigen, Ablehnung und Spott, wenn wir anderen von Jesus erzählen und sie zum Bibellesen einladen. Dann können wir uns leicht fragen, ob wir unser Glaubensleben nicht vielleicht anders führen sollten. Solche Erfahrungen können unseren Eifer, Jesus zu dienen, dämpfen oder uns sogar lähmen. Aber was sollten wir stattdessen tun? Wir sollen annehmen, dass alle, die fromm leben wollen in Jesus, Verfolgung leiden müssen. Wir sollten dieses Leiden positiv betrachten als eine Bestätigung dafür, dass wir wirklich fromm leben wollen, und es bejahen. Mit dieser Einstellung können wir Jesus ungehemmt dienen und alle dabei auftretenden Leiden überwinden. Gott helfe uns dabei, im neuen Jahr Jesus ohne Furcht vor Leiden mutig zu folgen!

II. Bleibe bei dem, was du gelernt hast (3,14-17)

Bisher hat Paulus Timotheus indirekt dazu ermutigt, seinem Beispiel weiter zu folgen, ohne sich vor Leiden zu scheuen. Wozu fordert er ihn dann explizit auf? Betrachten wir Vers 14: „Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast“. Timotheus sollte bei dem bleiben, was er gelernt hatte. Im Urtext steht hier für „bleiben“ dasselbe Wort wie in Johannes 15, wo Jesus sagt: „Bleibt in mir“ (Joh 15,4). Was war das, woran Timotheus vor allem bleiben sollte? Vers 15 sagt: „und dass du von Kind auf die heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus.“ Timotheus sollte vor allem bei der Heiligen Schrift bleiben, die er schon von Kind auf gelernt hatte (nach Kap. 1,5 waren seine Mutter und Großmutter gläubig). Er sollte sich also nicht viel mit den neuen Lehren und ihren Vertretern beschäftigen, sondern stattdessen umso mehr an Gottes Wort bleiben und darin weiter verwurzeln. Das Bleiben beim Wort Gottes würde ihm helfen, mit Jesus immer tiefer verbun­den zu sein und in allen Bereichen geistliche Einsicht zu erlangen und auf alle Fragen eine klare biblische Anschauung, mit der er auch den ihm anvertrauten Menschen helfen konnte.

Was bedeutet das für uns? Wenn wir über mehrere Jahre die Bibel studiert und uns bemüht haben, danach zu leben, kann in uns leicht der Gedanke aufkommen, dass wir das Wichtigste schon wüssten, und ein Wunsch nach etwas Neuem entstehen. Wir sind in unserer Zeit auch ständig mit neuen Lehren, Ideen und Lebensweisen konfrontiert, die direkt oder indirekt den Anspruch erheben, richtig zu sein. Doch statt uns mit allen zu beschäftigen, sollen wir bei dem bleiben, was wir gelernt haben und was uns anvertraut ist. Wir sollen vor allem bei dem Wort Gottes bleiben, das wir gelernt haben und das uns anvertraut ist, besonders beim Wort der Gnade und der Berufung, die wir empfangen haben. Am Wort zu bleiben, bedeutet nicht, dass wir das Wort bloß lesen und allgemein verstehen und im Hinterkopf behalten; wir sollen uns mit dem Wort betend beschäftigen, bis uns seine Bedeutung für uns persönlich klar wird und wir es im Herzen für uns annehmen. Das sollten wir tun, bis das Wort und unser Denken und Streben und unser Reden und praktisches Leben bestimmt, ja bis das Wort uns in Fleisch und Blut übergeht. Dann können wir mit Jesus verbunden geistlich leben und auch, wenn sich um uns herum alle und alles ändert, in allem seinen Willen erkennen und so leben, wie es ihm gefällt.

Warum ist das Bleiben am Wort so wichtig und hat so eine gute Wirkung? In den folgenden Versen geht Paulus auf die Eigenschaften des Wortes Gottes ein. Betrachten wir Verse 15-17: „und dass du von Kind auf die heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerech­tigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“ Die erste und für uns Menschen wichtigste Eigenschaft der Schrift ist, dass sie uns zur Seligkeit, also zur Rettung durch den Glauben an Jesus Christus führt. Dies kann erstaunlich klingen, wenn wir daran denken, dass damals mit „Heilige Schrift“ nur das Alte Testament gemeint war. Aber die ganze Schrift, auch das Alte Testament, hat als Hauptthema die Rettung der Menschen durch den Messias Jesus Christus. Wenn wir die Schrift mit offenen bußbereitem Herzen lesen, führt sie uns zu Jesus Christus und zur Seligkeit in ihm. Woher kommt das? Vers 16 sagt klar, dass die ganze Schrift von Gott eingegeben ist. Äußerlich gesehen ist die Bibel in einem Zeitraum von etwa 1400 Jahren von über 40 (?*) Dienern Gottes geschrieben worden. Aber der wahre Autor der Schrift ist Gott selbst, der seinen Knechten eingegeben hat, was sie schreiben sollten. Das Wort „eingegeben“ heißt im Urtext so viel wie eingehaucht. So wie Gott am Anfang den Odem des Lebens in den Menschen eingehaucht hat, wodurch der Mensch ein lebendiges Wesen wurde, so ist auch alle Schrift von Gott durch seinen Geist eingehaucht. Darum sagt Jesus auch, dass die Schrift voller Geist und Leben ist (Joh 6,63). Die Tatsache, dass die Schrift von Gott eingegeben ist, begründet ihre hohe Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Weil die Schrift von Gott eingegeben ist, steht Gott selbst dahinter und garantiert die Richtigkeit und Erfüllung der Schrift. Weil die Schrift von Gott eingegeben ist, können wir uns 100%-ig darauf verlassen und unser ganzes Leben darauf bauen. Weil die Schrift von Gott eingegeben ist, sollen wir mit Ehrfurcht darauf hören und unser Bestes tun, sie zu verstehen und ihr zu gehorchen.

Dass die Schrift von Gott stammt, erklärt auch die Tatsache, dass sie in vieler Hinsicht für uns Menschen nützlich ist. Betrachten wir noch einmal Vers 16: „Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“ Die Schrift bzw. Gottes Wort ist zum einen zur Lehre nützlich. Wenn Timotheus weiter an der Schrift bleiben würde, würde er in der Erkenntnis der Wahrheit und im persönlichen Glauben daran weiter wachsen und immer stärker werden. Außerdem konnte Timotheus mit dem Wort auch die anderen Menschen lehren, sodass sie in der geistlichen Einsicht und in ihrem Glauben ständig wachsen konnten. Zum andern ist die Schrift auch zur Zurechtweisung nützlich. Eigentlich war und ist es schwierig, andere zurechtzuweisen, heute wohl mehr denn je in der Geschichte. Auch für Timotheus muss es als junger Gemeindeleiter schwer gewesen sein, andere wegen ihrer Sünde zurechtzuweisen. Aber durch die Schrift war und ist es doch möglich, andere zurechtzuweisen, weil das Wort selbst Menschen befähigt, die Wahrheit zu erkennen und ihnen auch hilft, die eigene Gesinnung entsprechend zu ändern. Die Schrift ist auch nützlich zur Besserung. Sie deckt nicht nur unsere Fehler und Sünden auf, sondern motiviert uns auch dazu, durch den Glauben an Jesus besser werden zu wollen in unserem Denken, Streben und Leben. Weiterhiin ist die Schrift dafür nützlich, uns in der Gerechtigkeit zu erziehen. Auch wenn wir den Status der Gerechtigkeit erlangt haben, wenn wir Jesu Gnade der Sündenvergebung angenommen haben, brauchen wir doch Erziehung, damit auch unser Denken, Reden und Leben gerecht werden. Diese Erziehung ist allein durch das Wort Gottes möglich. Welches Resultat würde es haben, wenn Timotheus auf diese Weise die Schrift weiter studiert und dabei bleibt? Vers 17 sagt: „dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“ Das Hören auf und Bleiben an der Schrift würde bewirken, dass er zu allem guten Werk befähigt wird. Die Schrift bewirkt, dass auch wir geistlich verändert und vollkommen dazu ausgerüstet werden, all die guten Werke zu tun, die Gott für uns vorgesehen hat. Anders gesagt bewirkt das Bleiben bei der Schrift unsere Heiligung. Möge Gott jedem von uns helfen, im neuen Jahr die Schrift tiefer zu studieren und darin tief zu bleiben, sodass wir geistlich wachsen und vollkommen dazu befähigt werden, Gottes Willen zu tun und seinem Heilswerk gut zu dienen!

III. Predige das Wort (4,1-4)

Welche Ermahnung gibt Apostel Paulus Timotheus schlussfolgernd? Betrachten wir Kap. 4,1: „So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich.“ Paulus‘ leitet seine Ermahnung an Timotheus auffallend stark ein: Paulus ruft dabei Gott und Jesus Christus als Zeugen an und ermahnt Timotheus im Hinblick auf das Gericht über die Lebenden und die Toten und Jesu Wiederkunft und sein Reich. Es geht also um einen Auftrag mit höchster Autorität und Bedeutung. Was ist der Auftrag, der so wichtig ist? Lesen wir gemeinsam Vers 2: „Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.“ Timotheus sollte das Wort Gottes predigen. Angesichts der Zeit, in der die Menschen immer gottloser werden und viele neue Lehren auftreten, sollte er sein Bestes tun, den Menschen das Wort zu predigen. Dabei sollte er selbst dazu stehen, es also mit seiner ganzen Person und Kraft vertreten. Er sollte zur Zeit oder zur Unzeit predigen, also sowohl dann, wenn die Zeit dafür günstig aussah, als auch dann, wenn die Zeit scheinbar ungeeignet war.

Warum sollte er zu jeder Zeit das Wort predigen? Er sollte das Wort predigen, weil allein Gottes Wort die Kraft hat, Menschen zur Seligkeit im Glauben an Jesus Christus zu führen. Er sollte selbst angesichts der bevorstehenden gottlosen Zeit das Wort predigen, weil das Wort doch die Kraft hat, die Menschen zu lehren und ihnen zu helfen, die Wahrheit anzuerkennen und ihre Wünsche und Ziele und ihr praktisches Leben zu bessern. Timotheus sollte auch den Gläubigen in der Gemeinde das Wort zur Zeit oder zur Unzeit predigen, weil das Wort sie in der Gerechtigkeit erziehen und sie zu allem guten Werk tüchtig machen konnte.

Gilt diese Aufforderung allein Timotheus? Eindeutig nicht. Auch wir sollen Gottes Wort predigen, und zwar zur Zeit oder zur Unzeit, weil dies Gottes Wille und sein Befehl ist. Das Wort ist das „Medium“, durch das Gott von Anfang an die Menschen angesprochen und sich ihnen mitgeteilt hat (1. Mose 1,28; 3,9). Jesus hat während seines messianischen Werkes auf der Erde vom Anfang bis zum Ende das Wort gepredigt. Jesus hat auch die Jünger, die seine Worte annahmen, weiter das Wort gelehrt. Als Jesus auferstanden war, gab er den Jünger den Befehl: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur“ (Mk 16,15). Er befahl ihnen auch: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ (Mt 28,19.20). Wir sollen das Wort predigen, weil dies der Befehl unseres Herrn ist. Wir sollen das Wort zur Zeit oder zur Unzeit predigen, weil allein das Wort den Menschen die Möglichkeit gibt, die Realität über Gott und sein Reich und über sich selbst zu erkennen und zum Glauben an Jesus und zur ewigen Seligkeit zu gelangen.

Wie können wir das Wort predigen? Predigen bedeutet, das Wort zu verkündigen, wie früher ein Herold die Botschaft des Königs verkündigt hat. Das Wort zu predigen, muss aber nicht unbedingt in der Öffentlichkeit oder von einer Kanzel oder einem Pult aus geschehen. Es kann auch bei einem Gespräch oder Bibelstudium zu zweit oder in kleiner Runde geschehen. Die Form ist nicht wichtig. Predigen bedeutet aber nicht, dass man das Wort anderen einfach bloß weitersagt, sondern dass man im Bewusstsein der Bedeutung sein Bestes dafür tut, dass das Wort von den Zuhörern angenommen werden kann. Aber es ist tatsächlich nicht leicht, das Wort zur Zeit oder zur Unzeit zu predigen. Auch wenn wir dafür beten, dass viele Studenten in unserer Stadt das Evangelium annehmen und gerettet werden, kann es leicht passieren, dass wir das Evangelium kaum oder gar nicht predigen, weil wir dauernd den Eindruck haben, dass jetzt nicht die geeignete Zeit dafür sei. Wie können wir zur Zeit oder zur Unzeit das Wort predigen? Wir können das Wort zur Zeit oder zur Unzeit predigen, wenn wir anerkennen, dass das der Wille und Befehl Jesu Christi ist, der alle Menschen retten will. Wir können das Wort zur Zeit oder zur Unzeit predigen, wenn wir uns bewusst machen, dass Jesus kommen wird, um die Lebenden und die Toten zu richten, und dass jeder das Wort braucht, um den Weg zur Rettung erkennen und gehen zu können. Wir können das Wort zur Zeit oder zur Unzeit predigen, wenn wir selbst das Wort im Herzen haben und dabei bleiben.

Betrachten wir noch einmal Vers 2. Was sollte Timotheus beim Predigen auch tun? Am Ende von Vers 2 heißt es: „Weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.“ Um Gottes Wort erfolgreich predigen zu können, reicht es im Allgemeinen nicht aus, bloß das Wort zu verkündigen. Es ist nötig, sich auch darum zu kümmern, wie die Menschen das Wort aufnehmen. Generell ist es für niemanden leicht, Neues anzunehmen, insbesondere, wenn es mit der unangenehmen Erkenntnis der eigenen Sünde verbunden ist. Wenn Menschen sich absichtlich weigern, Gottes Existenz und seinen Willen anzuerkennen, kann es nötig sein, ihnen mit einer Zurechtzuweisung dabei zu helfen, ihre Haltung vor Gott zu erkennen und zu ändern. Dieser Dienst muss selbstverständlich in aufrichtiger Liebe geschehen und mit dem Gebet vorbereitet sein, damit er dem anderen helfen kann.

Außerdem sollte die Predigt des Wortes mit aller Geduld und Lehre geschehen. Timotheus sollte also nicht ungeduldig oder gar ärgerlich werden, wenn die Menschen, denen er das Wort verkündigte, es nicht oder nur teilweise annahmen. Stattdessen sollte er ihnen mit großer Geduld mit anderen passenden Bibelworten weiter helfen (NIV: „with great patience and careful instruction“). Das gilt auch für uns. Wenn wir jemandem beim Bibelstudium das Wort gut bezeugen konnten und er danach wieder in seine alte Einstellung zurückfällt, sollen wir nicht ungeduldig werden, sondern ihm mit aller Geduld mit anderen passenden Worten weiter helfen. Wir können das tun, wenn wir im Gebet Gott um Hilfe bitten und wenn wir uns daran erinnern, wie Jesus die Menschen geduldig geliebt und gelehrt hat und wie er auch uns selbst geduldig getragen hat und bis heute trägt. Wenn wir das Wort auf diese Weise mit aller Geduld und Lehre predigen, wird Gott dies bestimmt segnen und für sein Werk weiter kostbar gebrauchen. Gott helfe jedem von uns, im neuen Jahr sein Wort zu predigen, sodass er uns für die Erlösung vieler Menschen in Heidelberg und in Deutschland gebraucht!

Warum war es so dringend, dass Timotheus das Wort predigte? Betrachten wir Verse 3 und 4: „Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren.“ Hier beschreibt Paulus noch einmal die Zeit, die kommen würde. Die Menschen würden die heilsame Lehre des Evangeliums nicht ertragen und sich nach ihrem eigenen Geschmack selbst Lehrer aussuchen, die sagen, was sie gern hören wollen; sie würden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. Diese Beschreibung hat eine erschreckende Ähnlichkeit mit unserer Zeit, nicht wahr? Immer mehr Menschen wollen die Lehre von Gottes Gericht und von der Rettung durch das Opfer Jesu Christi am Kreuz nicht mehr hören, während Horoskope und fabelartige phantastische Lehren immer populärer werden. Wenn es schon vor fast zur Zeit von Paulus so dringend war, das Evangelium jederzeit zu predigen, wie viel dringender ist es heute? Es gibt immer noch Menschen, die den Wunsch haben und bereit sind, die Wahrheit zu hören und auf Gottes Botschaft mit Glauben zu reagieren. Aber wenn es ihnen niemand bezeugt, wie können sie errettet werden? Aber es ist tatsächlich nicht leicht, zur Zeit oder zur Unzeit zu predigen, wenn wir dabei oft auch Ablehnung oder andere Leiden ertragen müssen. Vor allem ist es nicht leicht, diese Aufgabe über Jahre und Jahrzehnte hinweg bis zum Ende treu zu erfüllen. Wie konnte Paulus das Evangelium bis zum Ende seines Lebens so konsequent predigen?

IV. Die Krone der Gerechtigkeit (4,5-8)

Sehen wir uns Vers 5 an: Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus.“ Angesichts der gottlosen Zeit sollte Timotheus in allen Dingen einen kühlen Kopf behalten und sein Amt als Prediger des Evangeliums redlich ausrichten und dabei auftretenden Leiden willig tragen. Dadurch würde er den Menschen inner- und außerhalb der Gemeinde auf beste Weise helfen, das Wort zu hören und den Weg zur Seligkeit zu gehen.

Wie konnte Paulus selbst sein Leben lang dafür so konsequent leben? Betrachten wir die Verse 6-8: Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Hinscheidens ist gekommen. Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben.“ Paulus wusste, dass er nicht mehr lange auf der Erde leben würde. Die meisten Menschen, die ihr Glück irgendwie in dieser Welt suchen, sind am Ende ihres Lebens traurig und verzweifelt und bereuen ihre Versäumnisse und Sünden. Manche, die von Gott berufen werden, gehen den Weg des Glaubens nicht bis ans Ende. Aber Paulus hatte sein Vertrauen ganz auf Gott und sein Wort gesetzt und hatte sein Bestes getan, konsequent danach auch zu leben. Daher dachte er am Ende seines Lebens keineswegs negativ. Er konnte mit gutem Gewissen sagen, dass er den guten Kampf gekämpft und den Lauf vollendet hatte, den Gott ihm zu laufen bestimmt hatte. Obwohl er viele Leiden in Kauf nehmen musste, hatte er Glauben gehalten und der Versuchung widerstanden, nach einem einfacheren, bequemeren Weg zu suchen. Wie konnte er das tun? Er konnte bis zum Ende treu leben, weil er auf das Ziel sah. Er sah auf die Krone der Gerechtigkeit, die ihm der Herr, der gerechte Richter am Jüngsten Tag geben würde. Die Krone der Gerechtigkeit ist der Siegespreis, den Gott am Ende allen gibt, die den Lauf des Glaubens bis zum Ende laufen. Paulus betont, dass der Herr diese Krone allen geben wird, die seine Erscheinung lieb haben. Wenn Timotheus auf dieses Ziel sah, würde auch er den guten Kampf kämpfen und den Lauf des Glaubens bis zum Ende laufen und seine Aufgabe als Prediger des Wortes bis zum Ende erfüllen können. Damit ermutigt Paulus auch uns dazu, auf das Ziel zu sehen und unseren Glaubenslauf bis zum Ende zu laufen und Gottes Auftrag, das Wort zu predigen, bis ans Ende zu erfüllen, bis Gott auch uns die Krone der Gerechtigkeit geben wird. Möge Gott jedem von uns dabei helfen! Lesen wir noch einmal das Leitwort: „Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.“

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