Predigt: Offenbarung 11,1 – 19

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Zwei Zeugen

„Und ich will meinen zwei Zeugen Macht geben, und sie sollen weissagen tausendzweihundertundsechzig Tage lang, angetan mit Trauerkleidern.“

(11,3)

Letzte Woche haben wir erfahren, wie der starke Engel dem Johannes das kleine Büchlein zu essen gab, das in seinem Mund süß wie Honig war, aber im Magen bitter war, und wie zu ihm anschließend gesagt wurde: „Du musst abermals weissagen …“ Heute erfahren wir einen Teil der süßen und zugleich bitteren Botschaft, die Johannes danach erfahren und an uns weitergegeben hat. Seid ihr bereit, die Worte anzunehmen, die einerseits süß sind, aber andererseits auch schwer verdaulich sind? Möge Gott uns helfen, sein Wort zu empfangen und dadurch die Wahrheit zu erkennen!

I. Die beiden Zeugen (1-14)

Wie beginnt dieses Kapitel? Betrachten wir Vers 1: „Und es wurde mir ein Rohr gegeben, einem Messstab gleich, und mir wurde gesagt: Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die dort anbeten.“ Johannes wurde ein Schilfrohr als Messstab gegeben, mit der er den Tempel Gottes und den Altar und die dort anbeten messen sollte. Aber was bedeutet diese Aufforderung? Wie wir wissen, war der Tempel der Juden zu diesem Zeitpunkt schon zerstört und ist bis heute nicht wieder aufgebaut worden. Manche Ausleger schlussfolgern aus der erneuten Erwähnung des Tempels hier, dass der Tempel in Jerusalem wieder aufgebaut werden wird. Aber warum sollte Gott nochmals einen Tempel aus Steinen wollen? Jesus hat im Johannesevangelium seinen Leib als Tempel bezeichnet (Joh 2,19), und an mehreren Stellen in den Briefen ist Jesu Leib ein Bild für die Gemeinde der Christen, die selbst auch als ein Tempel des Heiligen Geistes bezeichnet werden. Darum können wir sagen, dass Johannes nicht ein Gebäude messen sollte, sondern die gesamte Gemeinde der Gläubigen, die Gott anbeten. Und wozu? Was bedeutet das? Durch Messen erfährt man, wie groß etwas ist, und das ist eine Tätigkeit, die man insbesondere dann tut, wenn man etwas in Besitz nimmt. Wer ein neues Möbelstück, etwa einen Schrank oder eine Couch, kauft oder ein Auto oder ein ganzes Haus, misst es, nicht nur, damit er weiß, ob es in sein Zimmer, in seine Garage oder auf sein Grundstück passt, sondern auch, damit er weiß, was er hat.) Dass Johannes im Auftrag Gottes die Gemeinde messen sollt, drückt aus, dass sie klar zu Gottes Besitz gehört und unter seinem Schutz steht.

Aber erstaunlicher Weise lesen wir im nächsten Vers, dass Johannes einen Teil beim Messen weglassen soll. Vers 2 sagt: „Aber den äußeren Vorhof des Tempels lass weg und miss ihn nicht, denn er ist den Heiden gegeben; und die heilige Stadt werden sie zertreten zweiundvierzig Monate lang.“ Am Tempel der Juden war der äußere Vorhof der Bereich, in den die Heiden, die zum Judentum konvertiert waren, gehen durften, während die „richtigen“ Juden, die von Abraham abstammten, in den inneren Vorhof kommen durften. So gibt es auch in dem Tempel, den Johannes messen soll, nämlich in der Gemeinde der Christen, eine Unterscheidung in zwei Bereiche. Der äußere Vorhof, den Johannes nicht messen soll, weil er den Heiden gegeben ist, steht für die Menschen in der Gemeinde, die zwar äußerlich, aber aus Gottes Sicht nicht wirklich dazugehören – und deshalb nicht mitgemessen werden sollen. Denn auch wenn sie sich äußerlich wie Christen verhalten und sich auch als solche verstehen, haben sie keine persönliche Beziehung des Vertrauens und Gehorsams gegenüber Jesus.
Was bedeutet das für uns? In unserer Zeit gibt es viele Gemeinden und in jede Gemeinde kommen viele verschiedene Menschen. Wir können nicht in die Herzen der Menschen hineinschauen und wissen daher oft nicht, wer wirklich zu Jesus und zu seiner Gemeinde dazugehört und wer nicht. Aber auch wenn wir das oft nicht wissen, ist es Gott nicht verborgen, wer wirklich auf das Blut Jesu vertraut und ihm darum folgt, und wer aus anderen Motiven kommt, ohne persönlich auf das Blut Jesu zu vertrauen und ihm zu gehorchen – also ein Heide ist. Darum ist es wichtig, dass wir wirklich vor Jesu Kreuz für alle unseren Sünden Buße tun und seine Gnade in seinem Blut annehmen und uns reinigen lassen und lernen, in einer tiefen Beziehung der Liebe und des Gehorsam mit ihm leben. Denn dies macht schon im Leben hier einen gewaltigen Unterschied, und am Ende wird gerade aufgrund dessen unterschieden.

Ob Menschen Christen oder in Wirklichkeit Heiden sind, macht schon auf dieser Welt einen gewaltigen Unterschied. Betrachten wir noch einmal Vers 2b. Die Heiden werden die heilige Stadt 42 Monate lang zertreten, was auf schwere Verfolgung hinweist, die die Gemeinde der Gläubigen erfahren wird. Hier bezeichnet Heiden alle Menschen, die nicht persönlich an Jesus Christus glauben. Auch wenn sich in unserer Zeit noch viele ungläubige oder andersgläubige Menschen gegenüber den Christen tolerant zeigen, werden sie in der letzten Zeit aktiv und rabiat gegen die Christen vorgehen. Jesus hat bereits im Lukasevangelium gesagt: „Und Jerusalem wird zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind“ (Lk 21,24). Dabei sagt uns die Zahl „42 Monate“, dass die Zeit der Verfolgung von Gott bereits bestimmt und begrenzt ist. Dreieinhalb Jahre lang zu leiden, ist zwar nicht kurz, aber doch eine begrenzte Zeit, die zu Ende gehen wird.

Was wird Gott in dieser Zeit tun? Lesen wir gemeinsam den Vers 3: „Und ich will meinen zwei Zeugen Macht geben, und sie sollen weissagen tausendzweihundertundsechzig Tage lang, angetan mit Trauerkleidern.“ Gott bleibt in dieser Zeit nicht passiv. Er gibt seinen zwei Zeugen Macht, von ihm zu weissagen, und zwar auch dreieinhalb Jahre lang. Wer sind die Zeugen? Durch den Hinweis im Vers 8, dass ihr Herr gekreuzigt wurde, können wir sagen, dass sie Christen sind. Sie werden den Menschen von Gott weissagen, vor allem, dass er alle Menschen richten wird und alle, die an seinen Sohn Jesus glauben, erretten wird. In Vers 4 werden sie die zwei Ölbäume und zwei Leuchter genannt, die vor dem Herrn der Erde stehen, was viele damaligen Leser bestimmt an die Stelle in Sacharja Kap. 4 erinnert hat, wo der Prophet in der Vision zwei Ölbäume und einen goldenen Leuchter sah (Sach 4,1-6). Die Bezeichnung der beiden Zeugen als Ölbäume weist auf ihre Salbung und damit auf ihre Autorisierung hin, die sie von Gott für ihr Zeugnis bekommen haben. Mit ihrer Weissagung von Gottes Gericht und von seiner Rettung durch den Glauben an Jesus werden sie in jenen letzten Tagen wie helle Leuchter inmitten der finsteren Welt scheinen. Dabei bedeutet „zwei Zeugen“ nicht unbedingt, dass in diesen letzten Tagen nur zwei einzelne Christen als Gottes Zeugen auftreten werden. Wir können die beiden Zeugen vielmehr als Repräsentanten für alle Christen verstehen, die den Menschen die Botschaft vom Gerichts und von der Errettung verkündigen und so in jener dunklen Zeit als helle Lichter leuchten werden.

Welchen besonderen Schutz wird ihnen dazu gegeben werden? Vers 5 sagt: „Und wenn ihnen jemandSchaden tun will, so kommt Feuer aus ihrem Mund verzehrt ihre Feinde; und wenn ihnen jemand Schaden tun will, muss er so getötet werden.“ Hier weist der wiederholte Ausdruck „Wenn ihnen jemand Schaden tun will“ darauf hin, dass die Zeugen des Evangeliums in jener Zeit viele Feinde haben werden. Viele werden die Christen, die Gottes Ratschluss verkündigen, hassen und versuchen, ihre Verkündigung durch alle möglichen Arten von Verfolgung zu beenden. Aber Gottes Zeugen stehen in jener Zeit unter seinem besonderen Schutz. Manchen mag es auf den ersten Augenblick etwas befremdlich vorkommen, dass die Angriffe durch die Feinde so stark abgewehrt werden. Aber darin zeigt sich, wie groß Gottes Wille ist, den ungläubigen Menschen in der Welt selbst in jener Zeit noch eine Gelegenheit zu geben, seinen Ratschluss zu erkennen und sich zu ihm zu bekehren. Wie wir am Ende von Kap. 9 schon erfahren haben, werden die Menschen sogar nach den schweren Gerichten weiter stur an ihrem Götzendienst festhalten und sich weigern, sich zu Gott zu bekehren. Die Herzen der meisten werden steinhart sein und ihr Verstand wie vernagelt, sodass sie trotz der eindeutigen Zeichen es ablehnen werden, Gott anzuerkennen. Gott könnte sie wegen ihrer willentlichen Ablehnung zurecht sofort verwerfen und sein Gericht abspulen, das über ihrer Sünde kommen muss. Aber seht was Gott tut! Statt einfach sein Gericht abzuwickeln, stellt Gott in jener Zeit seine Zeugen auf und schützt sie durch besondere Vollmacht, damit sie nicht von ihren Feinden überwunden und mundtot gemacht werden können, sondern den Menschen von Gott und seinem Evangelium weissagen, sodass möglichst viele sich noch bekehren und gerettet werden.

Welche besondere Macht wird Gott seinen Zeugen außerdem geben? Betrachten wir Vers 6: „Diese haben Macht, den Himmel zu verschließen, damit es nicht regne in den Tagen ihrer Weissagung, und haben Macht über die Wasser, sie in Blut zu verwandeln und die Erde zu schlagen mit Plagen aller Art, sooft sie wollen.“ Gott wird seinen Zeugen in jenen Tagen Macht geben, mit der sie den Himmel verschließen, Wasser zu Blut verwandeln und auf der Erde Plagen aller Art bewirken können. Ihre Vollmacht mag uns verwundern, weil wir bisher nur kannten, dass Gott Christen Vollmacht zur Heilung gibt. Aber in jenen Tagen werden die Zeugen Macht, Plagen zu veranlassen, benötigen, damit die Menschen die Richtigkeit ihres Zeugnisses anerkennen und trotz ihrer harten Herzen zu Gott umkehren können. Wie Mose das Wasser im Nil zu Blut verwandelte, um den Pharao zur Buße zu führen, und wie der Prophet Elia betete und Gott es daraufhin drei Jahre nicht regnen ließ, damit die Israeliten Buße tun, so werden auch die Zeugen Gottes Handeln am Himmel und auf der Erde erbitten, damit die Menschen erkennen, dass ihr Zeugnis annehmen und sich zu Gott bekehren werden.

Was wird dann passieren? Wird es durch ihr mutiges hingebungsvolles Weissagen zu einer großen Erweckungsbewegung kommen? Betrachten wir Vers 7: „Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben, so wird das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt, mit ihnen kämpfen und wird sie überwinden und wird sie töten.“ Nachdem sie ihr Zeugnis vollendet haben, wird das Tier (englisch: the biest) aus dem Abgrund auftauchen und mit ihnen kämpfen und sie überwinden und töten. Die Christen, die den Menschen das Evangelium voller Hingabe bezeugt haben, werden schließlich auch ihr Leben dafür lassen müssen, ohne dass dadurch sichtbare Früchte zu sehen sein werden. Sie werden so dem Weg Jesu konsequent folgen, der Gott bis zum Tod am Kreuz gehorcht hat.

Wie werden die Menschen auf ihren Tod reagieren? Die Verse 8 und 9 sagen: „Und ihre Leichname werden liegen auf dem Marktplatz der großen Stadt, die heißt geistlich: Sodom und Ägypten, wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde. Und Menschen aus allen Völkern und Stämmen und Sprachen und Nationen sehen ihre Leichname drei Tage und einen halben und lassen nicht zu, dass ihre Leichname ins Grab gelegt werden.“ Die Menschen werden sich über den Tod der Zeugen sehr freuen. Sie werden nicht zulassen, dass ihre Leichname begraben werden, sondern werden sie dreieinhalb Tage mit Genugtuung ansehen (die neue NIV sagt hier „gaze“, d.h. anstarren, glotzen). Vers 10 sagt ausdrücklich, dass die Menschen auf der Erden sich darüber freuen und fröhlich sein und einander Geschenke senden werden, weil die beiden Propheten tot sind, und zwar weil sie die Menschen so gequält haben. Dies zeigt uns, dass ihrer Botschaft vom Gericht die Menschen sehr wohl getroffen und innerlich sehr beunruhigt hat, sodass es für sie eine Qual wurde, die Botschaft zu hören – aber trotzdem haben sie sich geweigert, sie anzunehmen. Hier kommt noch einmal zum Ausdruck, wie tiefgehend die Menschen in der letzten Zeit Gott und seine Herrschaft ablehnen und hassen werden. Welchen Kontrast sehen wir hier! Wie sehr liebt Gott die Menschen, wie sehr bemüht er sich darum, sie trotz ihrer harten Herzen zur Einsicht und zur Umkehr zu bewegen, bis dahin, dass er dafür das Leben seiner Zeugen einsetzt! Aber die Menschen in der Welt werden sich freuen und einander Geschenke senden, wenn sie endlich gestorben sind.

Was bedeutet das für uns? Wir erfahren in diesem Kapitel noch dramatischer als vorher, wie Gott sich in der letzten Zeit um die Rettung der Menschen bemüht, die ihn stur ablehnen. Wir haben schon im Kapitel 9 gesehen, dass die Menschen überhaupt nicht bereit sind, Buße zu tun, auch wenn sie schon schwere Gerichte erlebt haben, sondern weiter auf ihrer Sünde beharren. Hier erfahren wir nun, dass Gott seine Zeugen dreieinhalb Jahre lang weissagen lässt und die Gültigkeit ihrer Worte mit allerlei Plagen belegt. Aber trotz ihres Zeugnisses und trotz der vielen Beweise am Himmel und auf der Erde weigern sich die Menschen stur, Buße zu tun und Gott anzuerkennen. Der geistliche Kampf wird noch heftiger und geht bis zu dem Punkt, dass schließlich das Tier gegen sie kämpft und sie überwindet und tötet. Die Menschen auf der ganzen Erde freuen sich darüber – die Menschen, denen die Zeugen jahrelang geweissagt haben! Was können wir hier über das Wesen der Menschen in den letzten Tagen erkennen? Was für ein starker Widerstand und was für eine tiefe Abneigung gegen Gott zeigt sich hier in den Menschen, obwohl sie 1260 Tage lang beobachtet und selbst erlebt haben, dass die Weissagung der Zeugen eintreffen. Entgegen der Tatsachen und wider alle Vernunft weigern sie sich, Gott anzuerkennen. Es ist ein Kennzeichen der Endzeit, das Paulus schon im 2. Timotheusbrief beschrieben hat: „Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam,undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleum­derisch, zuchtlos, wild, dem Guten feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als Gott; sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleug­nen sie; solche Menschen meide“ (2.Tim 3,1-5). Was sollen wir dann daraus lernen? Wir leben zwar noch nicht in den allerletzten Tagen, von denen unser heutiger Text spricht, aber bereits in der letzten Zeit. Wir haben auch schon viele Reaktionen der Menschen erlebt, die wir auf Gott und sein Evangelium angesprochen haben. Manche sind offen, viele reagieren gleichgültig, etliche lehnen es auch klar ab oder ärgern sich richtiggehend daran. Wir sollen uns nicht darüber wundern. Auch wenn wir für die Einladung oder das Bibelstudium gut vorbereitet haben, sollen wir uns nicht wundern, wenn viele das Wort Gottes ablehnen oder sogar aggressiv darauf reagieren. Wir sollen wissen, dass Gott das für die letzte Zeit so vorausgesagt hat und dass es erstmal kein Zeichen dafür ist, dass wir etwas falsch gemacht haben, sondern dafür, dass wir in der letzten Zeit leben. Gleichzeitig sollen wir auch wissen, dass Gott will, dass wir trotzdem den Menschen das Evangelium verkündigen und ihnen Gottes Gericht und die Errettung durch den Glauben an Jesus Christus voraussagen sollen, damit die Menschen es hören und diejenigen, die bereit dazu sind, Buße tun und gerettet werden können. Darum sollen wir das Evangelium treu bezeugen und uns nicht dabei entmutigen lassen, auch wenn viele unser Zeugnis ablehnen. Denn Gott will, dass alle von seinem Evangelium erfahren, sodass noch viele dadurch errettet werden. Denn wenn Gott selbst noch in den letzten Tagen die Christen als seine Zeugen gebraucht, in der fast alle ihr Herz sehr hart gemacht haben, wie viel mehr sollen wir jetzt in unserer Zeit sein Evangelium bezeugen, wo noch viel mehr Menschen offen dafür sind!

Aber könnt ihr euch vorstellen, was es erfordert, in jener Zeit als Zeuge zu leben und den Menschen das Evangelium von der Gnade und vom Gericht zu bezeugen? Es ist nicht leicht, das Evangelium mit großer Hingabe oder sogar bis zum Tod zu be­zeugen, wenn wir keinen Sinn darin sehen. Mit welcher Motivation können wir so leben und kontinuierlich uns dafür einsetzen, dass das Evangelium verbreitet und in die Herzen der Menschen gepflanzt wird, wenn wir zunehmend Ablehnung und Widerstand oder sogar persönliche Angriffe erfahren? Es erscheint zu schwer, zu leidvoll und zu kostspielig, so zu leben. Wir brauchen die richtige Perspektive dafür. Lasst uns das im 2. Teil erfahren!

Welche Wende wird passieren, nachdem die getöteten Märtyrer dreieinhalb Tage lang von den Menschen angeschaut wurden? Betrachten wir die Verse 11 und 12: „Und nach drei Tagen und einem halben fuhr in sie der Geist des Lebens von Gott, und sie stellten sich auf ihre Füße; und eine große Furcht fiel auf die, die sie sahen. 12 Und sie hörten eine große Stimme vom Himmel zu ihnen sagen: Steigt herauf! Und sie stiegen auf in den Himmel in einer Wolke, und es sahen sie ihre Feinde.“ Dieser Vers berichtet von einer dramatischen, unerwarteten Wendung. Nach dreieinhalb Tagen werden die verstorbenen Zeugen zum Leben auferweckt und steigen vor den Augen der Menschen in den Himmel hinauf. Was für ein gewaltiges Zeichen für die Gegenwart und Auferstehungskraft Gottes war das und für das Evangelium von der Rettung zum ewigen Leben! Was für ein Beleg für die Autorität ihrer Zeugnisse! Als die Zeugen vom Tier getötet wurden und die Menschen sich über ihren Tod auch noch gefreut haben, sah es so aus, als ob all ihre Hingabe vergeblich gewesen wäre. Welchen Sinn hatte all ihre Hingabe aus Glauben und ihr Glaubensmut, mit dem sie den hartherzigen Menschen Gottes Botschaft verkündigt hatten? Ihr Märtyrertod mag sinnlos ausgesehen haben. Aber als Gott sie zum Leben auferweckte und vor den Augen der Welt in den Himmel hinaufholte, wurde ihr Zeugnis bestätigt, und durch ihr Zeugnis bis zum Tod konnten sie selbst hervorragende Zeugen werden für Gott, der sie zum Leben erweckte.

Was passierte in derselben Stunde, als sie zum Himmel auffuhren? Vers 13 sagt: „Und zu derselben Stunde geschah ein großes Erdbeben, und der zehnte Teil der Stadt stürzte ein; und es wurden getötet in dem Erdbeben siebentausend Menschen, und die andern erschraken und gaben dem Gott des Himmels die Ehre.“ Selbst als die Christen, die das Evangelium bezeugt hatten, vor den Augen der Menschen auferstanden und zum Himmel auffuhren, taten die Menschen noch keine Buße. Erst als in der gleichen Zeit auch noch ein großes Erdbeben geschah, erschraken die anderen und gaben dem Gott des Himmels die Ehre. Sie erkannten den lebendigen Gott als Gott und Schöpfer an und machten so einen ersten wichtigen Schritt auf ihn zu. So segnete Gott die Hingabe der Märtyrer, deren Treue bis zum Tod bis dahin als sinnlos ausgesehen hatte.

Betrachten wir Vers 14: „Das zweite Wehe ist vorüber; siehe, das dritte Wehe kommt schnell.“ Hier erhalten wir eine Orientierungshilfe zum besseren Überblick der Ereignisse. In Kap. 9,12 haben wir schon gelesen, dass das erste Wehe nach der 5. Posaune vorüber war. Das zweite Wehe umfasste das reitende Heer nach dem Blasen der sechsten Posaune und die Ereignisse mit den zwei Zeugen. Nun wird das dritte und letzte Wehe angekündigt, das schnell kommt. Lasst uns betrachten, wie es beginnt!

II. Die Reiche der Welt sind unseres Herrn und seines Christus geworden (15-19)

Was passierte dann? Betrachten wir Vers 15: „Und der siebente Engel blies seine Posaune; und es erhoben sich große Stimmen im Himmel, die sprachen: Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Schließlich bläst der siebte Engel seine Posaune. Aber anders als bei den ersten sechs Posaunen passiert daraufhin kein weiterer Gerichtsakt, sondern große Stimmen im Himmel heben zu einer feierlichen Verkündigung an, die wie die Proklamation des Sieges nach einem langen Krieg ist. Sie verkündigen, dass nun die Reiche der Welt Gott und seinem Christus gehören und dass er von Ewigkeit zu Ewigkeit regieren wird. Gott hat die volle Herrschaft in der ganzen Welt übernommen, die nach dem Sündenfall teilweise unter die Macht der Sünde und des Satans geriet. Aber an dem Tag, wenn die siebte Posaune geblasen wird, nimmt Gott seinen große Macht wieder völlig an sich und wird über alle Reiche uneingeschränkt herrschen. Das wird der Höhepunkt der Geschichte sein und ihr Ziel, an dem Gott sich offenbart.

Wie wird Gottes Umgebung im Thronsaal auf diese Verkündigung reagieren? Die Verse 16 und 17 sagen: „Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen saßen, fielen nieder auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Wir danken dir, Herr, allmächtiger Gott, der du bist und der du warst, dass du an dich genommen hast deine große Macht und herrschest!“ Die vierundzwanzig Ältesten fallen vor Gott nieder und loben und preisen ihn dafür, dass er seine große Macht an sich genommen hat und uneingeschränkt über alles herrscht. Gott stellt so den Zustand wieder vollständig her, den er am Beginn der Schöpfung schuf, und zeigt sich dadurch als der allmächtige Gott, der des Lobs und aller Anbetung würdig ist.

Was sagen die Ältesten weiter an jenem Tag? Vers 18 sagt: „Und die Völker sind zornig geworden; und es ist gekommen dein Zorn und die Zeit, die Toten zu richten und den Lohn zu geben deinen Knechten, den Propheten und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen, und zu vernichten, die die Erde vernichten.“ Der Zorn der Völker, den sie erwähnen und der sich Gott und seine Leute bezieht, zeigt, wie die Sünde am Ende der Zeit immer schlimmer wird. Doch nun ist die Zeit gekommen, in der Gott die Toten richtet und seinen Knechten, die seinen Namen fürchten, ob sie groß oder nur klein sein mögen, ihren Lohn gibt, und die zu bestrafen, die mit ihrer Sünde die Erde vernichten. Es ist die Zeit, in der Gott seine Gerechtigkeit herstellt und sich dadurch als wahrer Gott offenbart.

Was wird dann passieren? Vers 19 sagt: „Und der Tempel Gottes im Himmel wurde aufgetan, und die Lade seines Bundes wurde in seinem Tempel sichtbar; und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner und Erdbeben und ein großer Hagel.“ Der Tempel im Himmel ist bis dahin für die Menschen verborgen und nicht einzusehen. Dass er nun aufgetan wird, zeigt, dass Gott sich nun offenbart und weist bereits auf die herrliche Gemeinschaft hin, die wir Gläubigen mit Gott dort haben können. Die Lade seines Bundes, die dabei sichtbar wird, weist auf Gottes Treue hin, die sich nun zeigt und die sich auf seinen Bund bezieht, den er mit allen geschlossen hat, die auf das Blut des Lammes vertrauen. Die Blitze und Stimmen, der Donner und das Erdbeben und der große Hagel, die dabei auftreten, zeigen, wie heilig dieser Gott ist und weisen auf das letzte Gericht hin, das noch kommen wird.

Lesen wir noch einmal den Vers 15: „Und der siebente Engel blies seine Posaune; und es erhoben sich große Stimmen im Himmel, die sprachen: Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Die Wiederherstellung von Gottes Herrschaft ist der Kern von Gottes Willen und der Höhepunkt und Ziel der Geschichte. Es ist das Ereignis, für das wir Christen regelmäßig beten: „Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.“ Wenn die siebte Posaune erschollen ist, ist dieses Ziel erfüllt. Dann werden alle, die Gott geliebt und ihm gedient haben, ihren großartigen Lohn in seinem herrlichen Reich bekommen. Gott wird uns wahre Freude und vollkommenes Glück geben, das am meisten daraus kommt, dass wir ihn sehen und mit ihm Gemeinschaft haben dürfen. Aber alle, die für sich selbst gelebt und damit Gottes Willen ignoriert haben, werden ihre gerechte Strafe erhalten. Gott wird die Gerechtigkeit herstellen und allen, die in Jesus ihren Trost und Zuflucht gesucht haben, für immer selig machen. Lasst uns im Hinblick auf diesen Tag leben und Jesus treu vertrauensvoll folgen! Ohne diese Hoffnung können wir nicht anders als nur für uns selbst zu leben. Aber wenn wir täglich im Hinblick auf Gottes kommendes herrliches Reich leben, können wir den Sinn und das Ziel unseres einsehen und können ihm treu dienen, auch wenn es für uns mit Schmerzen und Verzicht verbunden. Im Hinblick auf Gottes Reich können wir uns dafür hingeben, vielen jungen Menschen das Evangelium zu verkündigen, und können mögliche Ablehnung und Widerstand dabei ertragen, weil wir eine herrliche Hoffnung haben und auf diesem Weg Gottes ewige Belohung erhalten werden. Gott möge uns dabei helfen!

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Ein Gedanke zu „Predigt: Offenbarung 11,1 – 19

  1. Lieber Bruder im Herrn,
    vielen Dank für die Auslegung der Bibelstelle, die mich schon mehrere Jahre immer wieder mal zum nachdenken brachte.

    Gottes reichen Segen

    Liebe Grüße

    Jerry Lohner

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