Predigt: Offenbarung 9,1 – 21

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Amoklauf der Dämonen aus der Hölle

Das erste Wehe ist vorüber; siehe, es kommen noch zwei Wehe danach.“

Offenbarung 9,12

Was ist der furchteinflößendste Film, den ihr jemals gesehen habt? Wenn man alt genug ist, dann lautet die Antwort auf diese Frage sehr oft „Der Exorzist“. (Der Film ist mittlerweile fast 40 Jahre alt). „Der Exorzist“ wird in vielen Listen der schlimmsten Horrorfilme ganz weit oben angeführt. (Was für eine erbauliche Art und Weise, die Predigt zu beginnen, ich weiß). In einer Onlineversion des Boston Globe war mal eine kurze Abhandlung über die 50 gruseligsten Filme aller Zeiten. Der Exorzist war auf Platz 3 und hätte es eigentlich sehr gut auf Platz 1 geschafft. In einem kurzen Kommentar hieß es dazu: „Falls du diesen Film lange nicht gesehen hast, tue dir selbst einen Gefallen und schau dir den Film im Director’s Cut an. Und danach versuche mal einzuschlafen. Viel Glück damit!“ Nicht wenige bezeichnen diesen Film als Maßstab für Horrorfilme.

Die Vorlage zum Film war ein gleichnamiger Roman von Wiliam Peter Blatty. In einem Interview vor kurzem wurde er gefragt: warum glaubst du, dass die Geschichte vom Exorzisten in seinen vielen Formen so viele Menschen so angesprochen hat? Und der Autor antwortete darauf: „Zum einen muss ein Roman natürlich so fesselnd sein, dass man das Buch nicht weglegen kann. Zweitens, jeder liebt es, einen Schrecken eingejagt zu bekommen, so lange wir wissen, dass wir nicht wirklich in Gefahr sind. Und drittens, und das ist der wichtigste Punkt, glaube ich, dass dieser Roman eine Bestätigung dafür ist, dass es in diesem Universum ultimative Gerechtigkeit gibt; dass es eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit dafür gibt, – lass uns nicht länger um den heißen Brei herumreden – dass es eine Intelligenz gibt, einen Schöpfer, den C.S. Lewis bekanntermaßen als ‚die Liebe, welche die Welten erschuf’ bezeichnete.“

Ist das nicht interessant? William Peter Blatty spricht davon, dass seine Leser und Zuschauer, daran erinnert werden, dass sie eigentlich doch intuitiv daran glauben, dass es absolute Gerechtigkeit und einen Gott gibt. Und wenn dem so ist, dann gibt es auch so etwas wie geistliche Realität. In einem Punkt hat sich der Autor allerdings gewaltig geirrt. Oder besser gesagt, er hat nicht konsequent zu Ende gedacht. Der Film Exorzist ist nicht einfach furchterregend, weil er uns einen Schrecken vor etwas einjagt, wovon wir sonst in Sicherheit wären. Das, was den Film wirklich furchteinflößend macht, ist die Tatsache, dass Dämonen und böse Geister wirklich existieren. (Und falls ihr es nicht gemerkt habt, wir befinden uns bereits inmitten von Offenbarung 9).

Viele haben ihre Probleme damit, an die Existenz von gefallenen Engeln, Dämonen und bösen Geistern zu glauben. Der Einwand lautet vielleicht folgendermaßen: „Sind wir damit nicht im Reich der Fantasie- und Fabelwesen angelangt? Wo ist dann der Unterschied zu Harry Potter, Vampirgeschichten und Herr der Ringe? Warum sollten vernünftige, intelligente Menschen, die zur Schule gegangen sind und studiert haben, glauben, dass es solche Wesen gibt?“

Meine Antwort auf diesen Einwand lautet etwas plump: warum nicht? Warum sollten wir nicht glauben, dass es solche Wesen gibt? Greg Boyd schrieb an seinen ungläubigen Vater: „Du solltest zumindest anerkennen, dass dies eine Anschauung war, die von fast jeder Kultur bis hin zu der unseren, geteilt wurde. Vielleicht ist es unsere „aufgeklärte“, wissenschaftliche Mentalität, die uns davon abhält etwas zu verstehen, was andere Völker schon immer verstanden haben? … Was ist an der Vorstellung eines geistlichen Wesens so unplausibel? Warum sollte die Vorstellung eines nicht-physikalischen, persönlichen Wesens schwieriger sein als die Vorstellung eines physischen, persönlichen Wesens? Wenn Wesen mit einem Bewusstsein existieren wie wir selbst, eine Tatsache, die ja an sich schon beeindruckend ist – warum sollten wir dann die Möglichkeit ausschließen, dass auch andere Formen von persönlichen Wesen existieren? Ich denke, dass das, was uns das Gefühl vermittelt, dass wir es mit Science-Fiction zu tun haben, mit den blöden Bildern von Engeln und Dämonen zu tun hat, die wir gesehen haben. Aber das, wovon ich rede, hat nichts mit solchen Comics zu tun.“ Selbst Greg Boyd’s skeptischer Vater musste zugeben, dass diese Welt einem kosmischen Kriegsplatz gleicht.

Was haben diese finsteren Wesen dann mit uns zu tun? Der Kontext für Offenbarung 9 ist Gottes Gericht. Wir haben in Offenbarung 7 gesehen, dass Gottes Volk hier auf Erden versiegelt ist. Wir tragen das Siegel Gottes. Es bedeutet, dass wir von ihm erwählt wurden und dass wir sein Eigentum sind. In Kapitel 8 haben wir gesehen, wie die Gebete der Heiligen dargebracht werden. Das Gebet der Heiligen ist der Schrei nach Gerechtigkeit. Wir beten (bzw. wir singen) Woche für Woche: „Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf Erden.“ Als Antwort auf die Gebete gab es Donner, Blitze, Stimmen und Erdbeben. Und danach bereiteten sich sieben Engel darauf vor, ihre Posaunen zu blasen.

Letzte Woche haben wir die ersten vier Posaunen gesehen. Jede dieser Posaunen war verbunden mit einer verheerenden Plage von globalen Ausmaßen. Die ersten vier Plagen betrafen das Land, das Meer, das Trinkwasser und das Licht. Aber diese Plagen, so schlimm sie auch waren, waren nur die Einleitung zu dem, was folgt. Am Ende der vier Plagen tritt ein Adler auf, der vor den drei kommenden Plagen warnt. (Das griechische Wort für Adler kann auch gut mit Geier übersetzt werden; und schon klingt der Vers noch unheilvoller). Wir haben heute im Text nur zwei Plagen. Aber für diese beiden Posaunen verwendet Johannes mehr als dreimal so viel Platz auf wie für die ersten vier Posaunen. Obwohl die ersten vier Plagen für die Menschen ein riesiges Desaster sind, treffen die Plagen den Menschen nur indirekt. Die beiden folgenden Plagen treffen den Menschen ganz direkt.

Eine letzte Bemerkung, bevor wir konkreter auf den Text eingehen. Tim Keller wurde immer wieder gefragt, ob er die Hölle sprichwörtlich versteht, das mit dem Feuer und Schwefel usw. Keller antwortete darauf: „Ich persönlich glaube, dass Feuer und Schwefel lediglich symbolisch zu verstehen sind und dass es in der Hölle nicht brennt.“ Man sieht der fragenden Person ihre Erleichterung an. Und danach würde Keller sagen: „Ich glaube, dass Feuer und Schwefel symbolisch sind für Qualen, die eine Millionenmal unerträglicher und schlimmer sind als Feuer und Schwefel.“ Und das trifft auf unseren Text ebenfalls zu. Der Text ist symbolisch zu verstehen. Aber das soll uns nicht im allermindesten den Eindruck erwecken, dass es weniger schlimm ist. Das Gegenteil ist der Fall. Je mehr man versucht, das, was der Text sagt, wortwörtlich zu deuten, desto mehr verliert er an Kraft. Es ist das Übernatürliche, das Unerklärliche, was diesen Text so entsetzlich macht. Was uns Johannes hier sagen will ist Folgendes: „Was ist dein schlimmster Alptraum? (Was ist das Schrecklichste, was du je in Filmen gesehen hast?) Das, was sich in Kapitel 9 abspielt, ist vielfach schlimmer, als was du dir gerade ausgemalt hast.“

Über drei Fragen wollen wir hier nachdenken. Erstens, welche Prinzipien können wir hier über das Gericht Gottes lernen? Zweitens, für welche Sünden richtet Gott die Menschen? Drittens, was bedeutet dieser Text für uns?

Erstens, was können wir über Gottes Gericht lernen?

Ich denke, wir können mindestens fünf Punkte hier ausfindig machen. Zum einen, wir sehen, dass Dämonen die ausführenden Wesen von Gottes Gericht sind. Nachdem der fünfte Engel seine Posaune geblasen hat, sehen wir, wie ein Engel den Brunnen des Abgrunds öffnet. Der Ausdruck Brunnen des Abgrunds ist eine Übersetzung des griechischen Wortes abyssos, was bodenloses Loch bedeutet. Als Jesus den besessenen Gerasener heilte, baten die Dämonen Jesus, dass sie ihn nicht in den Abgrund schicken würde. Dasselbe griechische Wort wird hier verwendet. Traditionell wird dieser Abgrund als der Ort angesehen, an dem die bösen Geister gefangen gehalten werden. Und nun wird dieses Gefängnis geöffnet, und alle Insassen kommen frei.

Ich weiß nicht, wer von euch den letzten Batman-Film gesehen hat. Im Film gibt es einen Oberschurken namens Bane, der in der Unterwelt operiert, anschließend an die Oberfläche kommt, die Stadt von der Außenwelt isoliert und die Gefängnisse öffnet und alle Kriminellen rauslässt. Als Resultat bricht in der Stadt völliges Chaos aus. So ähnlich können wir uns das hier vielleicht auch vorstellen, nur viel, viel destruktiver und viel schlimmer. Was für üble Gestalten steigen aus dem Abgrund auf?

Sowohl bei der fünften als auch bei der sechsten Plage ist die Beschreibung der Lebewesen grotesk. Verse 7-10: „Und die Heuschrecken sahen aus wie Rosse, die zum Krieg gerüstet sind, und auf ihren Köpfen war etwas wie goldene Kronen, und ihr Antlitz glich der Menschen Antlitz; und sie hatten Haar wie Frauenhaar und Zähne wie Löwenzähne und hatten Panzer wie eiserne Panzer, und das Rasseln ihrer Flügel war wie das Rasseln der Wagen vieler Rosse, die in den Krieg laufen, und hatten Schwänze wie Skorpione und hatten Stacheln, und in ihren Schwänzen war ihre Kraft, Schaden zu tun den Menschen fünf Monate lang;“ Ich habe zu Beginn erwähnt, dass diese Heuschrecken nicht wörtlich zu verstehen sind. Wir haben es nicht sprichwörtlich mit Heuschreckenskorpionen mit Löwenzähnen, Frauenhaar und Eisenpanzern zu tun. Heuschrecken werden hier deshalb als Bild gebraucht, weil sie als eine überwältigende Schar auftreten können und innerhalb von wenigen Stunden alles abfressen können, was grün aussieht. Hier in diesem Fall handelt es sich um groteske, gefallene Geister, die in überwältigender, unzählbarer Anzahl auftreten.

Die Beschreibung der zweiten Dämonenarmee ist nicht weniger grotesk. Verse 16 und folgende: „Und die Zahl des reitenden Heeres war vieltausendmal tausend; ich hörte ihre Zahl. Und ich sah in dieser Erscheinung die Rosse, und die darauf saßen: Sie hatten feuerrote und blaue und schwefelgelbe Panzer, und die Häupter der Rosse waren wie die Häupter der Löwen, und aus ihren Mäulern kam Feuer und Rauch und Schwefel. Von diesen drei Plagen wurde getötet der dritte Teil der Menschen, von dem Feuer und Rauch und Schwefel, der aus ihren Mäulern kam. Denn die Kraft der Rosse war in ihrem Maul und in ihren Schwänzen; denn ihre Schwänze waren den Schlangen gleich und hatten Häupter und mit denen taten sie Schaden.“

Zweitens, wir sehen, dass das die Dämonen ihren freien Willen haben. Was hier sehr bezeichnend ist, ist die Tatsache, dass bei beiden Plagen davon die Rede ist, dass die Dämonen freigelassen werden. Wie wir gerade gesehen haben wird das Gefängnis aufgeschlossen und die Insassen auf die Menschheit losgelassen. In Vers 14 und 15 lesen wir: (eine Stimme) sprach zu dem sechsten Engel, der die Posaune hatte: Lass los die vier Engel, die gebunden sind an dem großen Strom Euphrat. Und es wurden losgelassen die vier Engel, die bereit waren für die Stunde und den Tag und den Monat und das Jahr, zu töten den dritten Teil der Menschen.“ Die Befreiung der Dämonen hat zur Folge, dass sie ihr zerstörerisches Werk tun. Was wir hier verstehen müssen, ist, dass die Dämonen das tun, was sie ohnehin tun wollen. Sie haben ihren freien Willen. Jetzt können sie ihren freien Willen freien Lauf lassen. Das Resultat dessen ist Gottes Gericht über die Menschen.

Noch einen weiteren Punkt sehen wir, der furchteinflößend ist. Jeder der Dämonen hat seinen freien Willen. Sie richten ein riesiges Chaos an. Aber das bedeutet nicht, dass sie eine Chaostruppe sind. In Sprüche 30,27 heißt es, dass Heuschrecken keinen König haben. Aber die Heuschrecken hier haben sehr wohl einen König. Vers 11: „sie hatten über sich einen König, den Engel des Abgrunds; sein Name heißt auf Hebräisch Abaddon und auf Griechisch hat der den Namen Apollyon.“ (Das bedeutet übrigens „Zerstörer“, was ein sehr passender Name ist). Wenn diese Wesen einen König haben, dann ist das ein sehr klarer Hinweis darauf, dass sie eine Befehlsstruktur haben. Es deutet darauf hin, dass sie organisiert sind. Bei der zweiten Plage von Kapitel 9 wird das noch offensichtlicher. Hier ist direkt von einer Armee die Rede.

Drittens, wir sehen, dass Gott in seinem Gericht souverän ist. Obwohl die Dämonen hier den aktiven Part zu spielen scheinen, ist Gott in jeder Situation absolut souverän. Die Hinweise dafür sind über das ganze Kapitel verteilt. Erst nachdem die Engel die Posaune geblasen haben, erst auf Gottes Signal hin werden die Dämonen freigelassen. In Vers 3 und Vers 5 lesen wir, dass den Heuschrecken Macht gegeben wird. Die Frage, die sich dann natürlich stellt, ist, Macht von wem?

In Vers 4 sehen wir außerdem, dass den Heuschrecken mitgeteilt wird, wo ihre Grenzen sind. „Und es wurde ihnen gesagt, sie sollten nicht Schaden tun dem Gras auf Erden noch allem Grünen noch irgendeinem Baum, sondern allein den Menschen, die nicht das Siegel Gottes haben an ihren Stirnen.“ Das Gericht Gottes ist sehr spezifisch. Nur die Menschen, die Gott nicht angehören, die nicht Jesus nachfolgen, und deshalb nicht sein Siegel haben, werden von der Plage betroffen. Und das alles zeigt uns, dass Gott in seinem Gericht souverän ist.

Osborne kommentiert: „Viele vertreten die falsche Meinung, dass Satan Autonomie von Gott hätte und tun könnte, was er will. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Satan ist machtlos und hat bereits am Kreuz verloren. Alles, was er und seine Nachfolger in diesem Buch tun, können sie nur tun, nachdem ihnen Gott die Erlaubnis dazu gegeben hat. Mehr noch, alles Handeln der bösen Mächte sind Teil seines göttlichen Willens und daher Teil des göttlichen Plans. … Aber Gott befiehlt den Dämonen nicht zu handeln. Er lässt es einfach nur zu, dass das Böse sich entfalten kann.“

Viertens, das Gericht bedeutet unerträgliche Qualen und Tod. Die symbolische Sprache von Offenbarung 9 ist überwältigend. Es ist absolut ausgeschlossen, dass die Menschen den Hauch einer Chance gegen diese Geisteswesen haben. Die Menschen sind ihnen schutzlos ausgeliefert. Was bedeutet es dann für die Menschen? Vers 5 sagt: „Und ihnen wurde Macht gegeben, nicht dass sie sie töteten, sondern sie quälten fünf Monate lang; und ihre Qual war wie eine Qual von einem Skorpion, wenn er einen Menschen sticht. Und in jeden Tagen werden Menschen den Tod suchen und nicht finden, sie werden begehren zu sterben und der Tod wird von ihnen fliehen.“ Wahrscheinlich hat niemand von uns die Erfahrung gemacht, von einem Skorpion gestochen zu werden. Nach allem was ich gelesen habe, ist es ein heftiger, brennender Schmerz, der stundenlang andauern kann. Und das wiederum ist nur ein symbolischer Ausdruck für Schmerzen, die so schlimm sind, dass Menschen es bevorzugen zu sterben, wenn sie nur könnten.

Die erste Plage dient dazu, die Menschen zu quälen, ohne sie zu töten. In der zweiten Plage sehen wir eine überwältigende Armee, die vieltausendmal tausend groß ist. Andere Übersetzungen schreiben zweimal zehntausendmal zehntausend. Das wären 200 Millionen Einheiten. Aber der Punkt ist hier nicht, dass es genau 200 Millionen waren, (genauso wenig wie wir auf 7×70 zählen sollen, um jemanden genau 490mal und ja kein weiteres Mal zu vergeben). Johannes ging es darum, dass eine Armee mit einer absurd hohen Anzahl an Einheiten die Menschheit überwältigt. Nichts und niemand kann ihnen Einhalt gebieten, während sie ein Drittel der Menschheit zu Grunde richten.

Fünftens, das Gericht ist noch nicht endgültig. So verheerend und so schlimm die Plagen auch sind, sie sind noch nicht das endgültige Gericht. Vers 5 sagt, dass die Heuschreckenplage fünf Monate dauert. Der Grund weshalb Johannes hier fünf Monate erwähnt, ist vermutlich der, dass das in etwa dem normalen Lebenszyklus von Heuschrecken entspricht. Genauso wenig wie wir wissen, wie genau die dämonische Heuschreckenplage aussehen wird, wissen wir auch nicht, wie die fünf Monate zu verstehen sind. Aber was wir sehen ist, dass die Plage zeitlich begrenzt ist. Auch das Gericht in der nächsten Plage ist nicht endgültig. Ein Drittel der Menschheit ist ein unermessliches Desaster. Aber die Menschheit ist noch nicht vollständig vernichtet.

Warum? Noch einmal wird den Menschen die Chance zur Rückkehr gegeben.

Zweitens, für welche Sünden richtet Gott die Menschen?

Wenn wir uns all das Leid, das den Menschen bislang geschehen ist, vor Augen führen, dann sind die letzten zwei Verse von Kapitel 9 einfach nur krass. „Und die übrigen Leute, die nicht getötet wurden von diesen Plagen, bekehrten sich doch nicht von den Werken ihrer Hände, dass sie nicht mehr anbeteten die bösen Geister und die goldenen, silbernen, ehernen, steinernen und hölzernen Götzen, die weder sehen noch hören noch gehen können, und sie bekehrten sich auch nicht von ihren Morden, ihrer Zauberei, ihrer Unzucht und ihrer Dieberei.“ Nachdem das Schlimmste vorbei ist, wenn sich der Staub gelegt hat, sehen wir, dass die Menschen sich keinen Hauch verbessert haben. Den Menschen geht es hundsmiserabel. Aber sie sind immer noch nicht bereit umzukehren, um damit noch Schlimmeres abzuwenden. Die Frage ist dann, was genau die Sünde ist, wofür die Menschen gerichtet werden.

Jeder Mensch hat einen Maßstab, wie er Sünde definiert. Die meisten Menschen glauben, dass Sünde etwas damit zu tun hat, Regeln zu brechen. Wir alle können etwas damit anfangen, Mord und Diebstahl als Sünde anzusehen, weil wir damit Regeln gebrochen haben. Aber das ist nicht, was Offenbarung als das ultimative Böse bezeichnet. Sünde hier ist die Anbetung, das Verehren, das Wertschätzen von und das Trachten nach allem, was nicht Gott ist. Hier ist der Punkt: jede weitere Sünde die wir begehen, ob Lüge oder Ehebruch oder Faulheit, jede weitere Sünde ist eine Folge dessen, dass wir Götzen verehren. Bosheit ist in seiner Essenz ein Werteproblem: die Tatsache, dass wir Gott nicht den absoluten und unendlichen Wert zugestehen, der ihm gebührt; und die Tatsache, dass wir irgendetwas anderem, was nicht Gott ist, diesem ultimativen Wert geben. Und die Frage ist nun, warum das so destruktiv ist und warum Gott nicht anzubeten ein solch krasses Gericht mit sich zieht?

Ein Pastor erzählte einmal folgende Geschichte. Es kannte eine Frau, die Single war und sich nichts sehnlicher wünschte, als Kinder zu haben. Sie heiratete schließlich und war entgegen der Erwartung ihrer Ärzte in der Lage zwei gesunde Kinder zu haben, trotz ihres hohen Alters. Aber ihre Träume hatten sich nicht erfüllt. Ihr überwältigendes Streben danach, ihren Kindern ein perfektes Leben zu geben, machte es ihr unmöglich, sich an ihren Kindern zu erfreuen. Ihr übertriebenes Beschützerverhalten, ihre Furcht und Ängste, ihr Bedürfnis, jedes Detail ihrer Kinder kontrollieren zu müssen, stürzte die Familie ins Elend. Ihre älteste Tochter war schlecht in der Schule und hatte Anzeichen schwerwiegender emotionaler Probleme. Ihr jüngeres Kind war voller Jähzorn. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr Streben danach, ihren Kindern ein wundervolles Leben zu geben genau das war, was ihre Kinder zugrunde gerichtet hatte. Die Tatsache, dass sie genau das bekommen hatte, was sie sich am meisten gewünscht hatte, mag in der Tat das Schlimmste gewesen sein, was ihr hätte passieren können.

Das Problem dieser Frau war nicht, dass sie ihre Kinder zu sehr liebte. Das Problem war, dass sie Gott zu wenig liebte. Wir können an der Stelle von Kindern alles mögliche einsetzen: der perfekte Partner fürs Leben, der Traumjob, der richtige Freundeskreis, ja sogar Gemeinde und Mission! Was wir an diesem Beispiel sehen, ist, dass die Götzen, denen wir anhängen eine Eigendynamik entwickeln. Und letztendlich zerstören die Götzen, denen wir anhängen alles in unsrem Leben. N.T. Wright kommentierte: „Die letzten Verse von Kapitel 9 zeigen hervorragend Johannes’ Verständnis des grundlegenden Problems der menschlichen Misere. Wie alle Juden seiner Zeit glaubte er daran, dass das menschliche Böse aus Götzendienst hervorgeht. Du wirst, was du anbetest: wenn du also das anbetest, was nicht Gott ist, dann wirst du etwas anderes werden, als der Bild-Gottes-tragende Mensch, der du eigentlich sein solltest. Verse 20 und 21 stehen daher parallel. Bete Götzen an – blinde, taube, leblose Dinge – und du wirst selbst blind, taub und leblos. Mord, Zauberei, Unzucht und Diebstahl sind alles Formen von Blindheit, Taubheit und Leblosigkeit, der Griff nach der schnellen Lösung für Profit, Macht und Vergnügen, während man ein Stückweit mehr seiner Menschlichkeit aufgibt.“

N.T. Wright hat damit absolut Recht. Jeder Mensch sucht nach Glück und Vergnügen. Wir haben die Wahl. Entweder wir finden Glück und Vergnügen bei Gott in Fülle und in Ewigkeit. Oder wir finden vermeintliches Glück und Vergnügen anderswo und bezahlen den Preis mit Blindheit, Taubheit und unserem Leben. Offenbarung sagt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder wir sind Teil der Schar, die ihr Leben dafür hingeben, Jesus zu loben und zu preisen und zu verherrlichen; oder aber wir tun das bewusst oder unbewusst mit Dämonen. Entweder wir füllen das geistliche Vakuum mit Gott oder wir füllen es mit dem Teufel. Aber dann sollten wir wissen, dass das, was wir anbeten darüber entscheidet, welche Menschen wir am Ende werden.

Was lernen wir dann hier über Gottes Gericht? Die Geister denen die Menschen dienen, sind dieselben Dämonen, welche die Menschen ins Elend stürzen und am Ende zerstören. Gottes Gericht ist auch hier das Gerechteste und Fairste, was er den Menschen antun kann. Den Menschen, die ihn und seinen guten Willen ablehnen, sagt Gott: „Dein Wille geschehe.“

Drittens, was bedeutet dieser Text für uns?

In seinem großartigen und absolut lesenswerten Buch Screwptape Letters, bringt C.S. Lewis den geistlichen Kampf zwischen Gott und den Dämonen zum Ausdruck. Das Buch handelt von einem Oberdämon der Anweisungen an einen Unterteufel gibt, wie er einen Christen verführen soll. In einem dieser Briefe erklärt der Oberteufel: „Für uns sind die Menschen vor allen Dingen Futter; unser Ziel ist die Vereinnahmung seines Willens in den unseren, die Erweiterung des Gebiets unserer Selbstsucht auf seine Kosten. Aber der Gehorsam, den der Feind (Gott) vom Menschen verlangt ist eine ganz andere Sache. Man muss der Tatsache ins Auge sehen, dass das ganze Gerede bezüglich seiner Liebe für die Menschen, dass der Dienst für Ihn vollkommene Freiheit ist, nicht – wie man es gerne glauben würde – einfach nur Propaganda ist, sondern eine fürchterliche Wahrheit. Er möchte das Universum tatsächlich mit widerlichen, kleinen Replikaten seiner Selbst erfüllen – Kreaturen, deren Leben auf einer Miniaturskala qualitativ dem Seinen entsprechen, nicht weil Er sie geschluckt hat, sondern weil ihr Willen freiwillig seinem Willen gleich wurden. Wir wollen Vieh, das schließlich unser Fressen wird; Er will Knechte, die schließlich seine Kinder werden. Wir wollen aussaugen, Er will austeilen. Wir sind leer und müssen gefüllt werden; Er ist die Fülle und fließt über: unser Feind will eine Welt voller Wesen, die mit ihm vereint sind und doch individuell.“

Das klingt vielleicht alles ganz wundervoll: Gott liebt uns, er will nicht einfach unseren Willen vereinnahmen, sondern er will, dass wir uns seinem guten Willen freiwillig unterordnen, damit er uns ein Leben in Fülle schenken kann, ganz vereint mit ihm und doch mit unserem individuellen Selbst. Aber woher können wir wissen, dass wir dafür bereit sein können alles aufzugeben? Woher können wir wissen, dass wir unsere größten Träume dafür aufgeben können, um für Gottes Vision zu leben? Woher kann ich wissen, dass ich meine Vorstellungen von Glück und Vergnügen aufgeben darf, um Gottes Sichtweisen bezüglich dessen zu adaptieren? Woher weiß ich, dass ich Gott in erster Linie vertrauen kann, anstatt einfach nur aus Furcht vor Gericht getrieben zu sein?

Wenn in Offenbarung 9 vom Stachel der Skorpione die Rede ist, dann steht im Urtext das griechische Wort kentra. Paulus gebrauchte dieses Wort in 1. Korinther 15, wenn er vom Stachel des Todes spricht. Das Wort bezieht sich ebenfalls auf die Geißel, ein römisches Folterinstrument. Als Jesus gegeißelt wurde und als die Soldaten ihm die Dornenkrone aufsetzten, erfuhr er sprichwörtlich was es bedeutet, von unzähligen Skorpionen gestochen zu werden. Am Kreuz fühlte Jesus den Stachel des Todes. Er wurde von der Schlange besiegt. Seine Ferse wurde sprichwörtlich durchstochen. Im apostolischen Glaubenbekenntnis bekennen wir, dass Jesus hinabgestiegen ist in das Reich des Todes. Andere Übersetzungen sagen, dass Jesus in die Hölle hinabstieg. Jesus erfuhr das ganze Gericht. Er erfuhr, was es bedeutet, von der Macht der Finsternis zerstört zu werden. Und warum?

Jesus tat dies, weil es der einzige Weg und die einzige Möglichkeit war, Menschen vor dem Gericht zu retten. Er gab sein Leben, damit wir leben können. Am Kreuz sehen wir, dass Gott alles getan und alles vollbracht hat: nicht nur unsere vollkommene Errettung sondern der unwiderlegbare Beweis, dass er absolut vertrauenswürdig ist. Am Kreuz verlieren alle Götzen dieser Welt ihren Reiz und alle Dämonen der Finsternis ihre Kraft. Proportional zu dem Maß, in dem wir verstanden haben, was Jesus für uns getan hat, können wir frei werden von der Illusion eines glücklichen Lebens ohne Gott. In dem Maße können wir unsere Waffen niederlegen vor Jesus, dem Lamm Gottes, der würdig ist zu nehmen, Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.

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