Predigt: Offenbarung 1,1 – 20

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Überwältigt von der Herrlichkeit Jesu Christi

“Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen nieder wie tot. Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und Letzte.”

Offenbarung 1,17

Es ist wirklich eine große Freude und Ehre für mich, heute die erste Predigt aus der Offenbarung halten zu dürfen. Wie ihr jetzt bei der Textlesung oder vielleicht auch beim Bibelstudium gemerkt habt, ist das erste Kapitel unglaublich reichhaltig. Ich würde wirklich gerne zu jedem Vers etwas sagen. Aber das war leider nicht möglich. Ich musste eine Entscheidung treffen, worauf ich meinen Fokus legen wollte. Die Predigt hat vier Teile. Die vier Teile sind: erstens, ein kurzer Hintergrund zu Offenbarung; zweitens, die Rückkehr des Königs; drittens, die Herrlichkeit des Königs; viertens, was die Realität des herrlichen Königs für uns bedeutet.

Es sind zwar vier Teile. Aber letztendlich möchte ich gerne nur über einen Punkt nachdenken. Es ist ein solch fundamental wichtiger Punkt, dass er die Kraft und die Macht hat, das Leben eines jeden Einzelnen radikal zu verändern. Wenn diese Realität so verkündigt werden würde, wie es sich gehört, dann könnte diese Gemeinde radikal erneuert werden. Es frustriert mich jetzt schon, dass diese Predigt niemals adäquat sein wird. Ich bitte euch trotzdem, gut zuzuhören. Am Ende will ich versuchen die Predigt zusammenzufassen, und alles auf diesen einen Nenner bringen.

 

Als erstes, ein wenig zum Hintergrund der Offenbarung

Wir finden in den ersten Versen einige Informationen zum Verfasser der Offenbarung, zu den Empfängern, zur Lage des Schreibers und der Empfänger und auch den Grund weshalb jedes Kind Gottes die Offenbarung studieren sollte. Wir wollen ganz kurz auf diese Punkte eingehen.

Zum einen, wer ist der Autor der Offenbarung? Der Text beginnt mit den Worten: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, um seinen Knechten zu zeigen, was rasch geschehen soll; und er hat sie bekanntgemacht und durch seinen Engel seinem Knecht Johannes gesandt, der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat und alles, was er sah.“ Für „Offenbarung“ steht im Griechischen das Wort Apokalypse. Wir assoziieren dieses Wort gleich mit Weltuntergangsszenarien. Aber zur neutestamentlichen Zeit war das noch nicht der Fall. Apostel Paulus hat dieses Wort sehr häufig verwendet. Es bedeutet Enthüllung oder Entschleierung. Es bezeichnet den Vorgang, dass etwas, was vorher verborgen war, offen gelegt wird, so dass es sichtbar wird. Das Genitiv „Offenbarung Jesu Christi“ kann zwei Bedeutungen haben. Es kann bedeuten, dass die Offenbarung von Jesus stammt, dass also Jesus derjenige ist, der das Verborgene offenbart. Es kann aber auch bedeuten, dass die Offenbarung Jesus zum Thema hat, dass sie von Jesus handelt. Die erste von den beiden Übersetzungsmöglichkeiten macht hier mehr Sinn. Jesus ist derjenige, der die Offenbarung bekannt gemacht hat. Er tat es durch einen Engel. Der Schreiber der Offenbarung ist Johannes.

Es wird immer Theologen geben, die anzweifeln, dass Apostel Johannes, einer der Zwölf, der Autor ist. Aber ich glaube, dass es gute Gründe gibt, das anzunehmen. Die alten Kirchenväter Justus der Märtyrer, Irenäus und Clemens aus Alexandrien gingen alle davon aus, dass Apostel Johannes der Autor ist. Das Zeugnis von Irenäus hat besonderes Gewicht, weil er zu Beginn des zweiten Jahrhunderts die Augenzeugen von Johannes kannte. Irenäus war ein Jünger von Polykarp. Und Polykarp wiederum war ein Jünger von Apostel Johannes, dem Jünger Jesu. Irenäus lebte und wirkte am gleichen Ort wie Apostel Johannes, nur wenige Jahrzehnte später. Der Autor der Offenbarung ist also Jesus, übergeben durch einen Engel, aufgeschrieben durch den Apostel Johannes.

Als nächstes, was wissen wir über die Empfänger der Offenbarung? In Vers 4 lesen wir: „Johannes an die sieben Gemeinden, die in Asien sind: Gnade sie mit euch und Friede von dem, der ist und der war und der kommt.“ Hier werden sieben Gemeinden adressiert, die später in Vers 11 und dann in Kapitel 2 und 3 beim Namen genannt werden. Die Gemeinden lauten Ephesus, Smyrna, Pergamum, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea. Wir werden später noch mehr von ihnen hören. Vers 1 sagt aber auch, dass die Offenbarung Jesu Knechten gegeben wurde. Und daher hat die Offenbarung Bedeutung und Relevanz, die über die sieben Gemeinden, die heute sowieso nicht mehr existieren, weit hinausgehen.

Das bringt uns zur nächsten Frage, in welcher Lage befanden sich der Verfasser als auch die ersten Empfänger? Wir finden in Vers 9 einen Hinweis: „Ich, Johannes, der ich auch euer Bruder bin und mit euch Anteil habe an der Bedrängnis und am Reich und am standhaften Ausharren Jesu Christi, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses Jesu Christi willen.“ Johannes sagt hier, dass er Anteil hat an der Bedrängnis. Daraus können wir schließen, dass einige wenn auch nicht alle Empfänger aufgrund ihres Glaubens unter Verfolgung litten. Johannes selbst befand sich auf der Insel Patmos. Und wie wir uns gut vorstellen können war das kein Urlaubsaufenthalt. Vern Poythress erwähnt, dass sich auf der Insel eine römische Strafkolonie befand. Die meisten Ausleger gehen daher davon aus, dass Johannes sich im Exil befand. Wie wir später noch erfahren werden, spielte das römische Reich eine ganz maßgebliche Rolle bei der Verfolgung der Christen.

Schließlich, warum ist es allerhöchste Zeit für uns, die Offenbarung zu studieren? Gorden Fee schrieb in der Einführung zu seinem Kommentar Folgendes: „In Offenbarung einzutauchen … ist wie eine seltsame, bizarre neue Welt zu betreten; und das ist selbst in den Tagen von Herr der Ringe und Harry Potter noch der Fall. Anstelle von Erzählungen, Argumenten oder einfachen Aussagen ist die Offenbarung voll von Engeln, Posaunen und Erdbeben; voll von seltsamen Ungeheuern, Drachen und unendlich tiefen Abgründen. Viele Gläubige neigen daher zum einen von zwei Extremen: einige vermeiden es einfach und verzweifeln; andere habe ein übertriebenes Interesse daran, weil sie denken, dass man hier alle Schlüssel für das Ende der Welt finden kann. Beide diese Ansätze würde ich behaupten, sind einfach gesagt falsch.“ Offenbarung wurde nicht dazu geschrieben, damit wir davor verzweifeln. Das Buch wurde gegeben, damit Christen es lesen, es verstehen und davon profitieren.

In Vers 3 aber lesen wir: „Glückselig ist…“ Und das griechische Wort für „glückselig“ ist makarios. Es ist dasselbe Wort, das wir auch in der Seligpreisung der Bergpredigt finden. Wer sind also die Glücklichen, die Seligen und die Gesegneten? „Glückselig ist, der die Worte der Weissagung liest, und die sie hören und bewahren, was darin geschrieben steht! Denn die Zeit ist nahe.“ Offenbarung ist das einzige Buch in der Bibel, das Leute mit solch einer Seligpreisung geradezu einlädt, es zu lesen, zu studieren, davon zu lernen. Wenn wir in der Gemeinde also einer verdrießlichen und niedergeschlagenen Person begegnen sollten, können wir es mal mit dem Satz probieren: „Hey, heute schon Offenbarung gelesen?“ (Bitte versteht diesen Witz nicht falsch. Wenn wir einer traurigen Person begegnen, erfordert das zu allererst unser Mitgefühl, unsere Fähigkeit zuzuhören und nur in wirklich angebrachten Fällen unseren Rat).

Offenbarung birgt einen enormen Schatz in sich. Und ich freue ich auf den Segen, den Gott durch das Studium dieses Buches auf uns und auf die Gemeinde ausgießen will.

 

Zweitens, die Rückkehr des Königs

Wovon handelt das Buch der Offenbarung? In den Versen 4-5 sehen wir Johannes Gruß an die Gemeinden. Er schreibt: „Gnade sei mit euch und Friede von dem, der ist und der war und der kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, dem treuen Zeugen, dem Erstgeborenen aus den Toten und dem Erstgeborenen aus den Toten und dem Fürsten über die Könige der Erde.“ Allein dieser Gruß ist so reich an Bedeutung und lehrt so viele Dinge über Gott. Für Johannes war das nicht einfach nur eine Aufzählung von Fakten. Nachdem er Jesus erwähnte, konnte er nicht anders, als zu preisen. In der zweiten Hälfte von Vers 5 bricht Johannes in spontanen Lobpreis aus: „Ihm, der uns geliebt hat und uns von unseren Sünden gewaschen hat durch sein Blut, und uns zu Königen und Priestern gemacht hat für seinen Gott und Vater – Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Nach diesem Lobpreis verkündigt er: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben; und es werden sich seinetwegen an die Brust schlagen alle Geschlechter auf Erde! Ja, Amen.“ Nach dieser Verkündigung spricht Gott selbst: „Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht der Herr, der ist und der war und der da kommt, der Allmächtige.“ Diese beiden Verse, die Ankündigung der triumphalen Rückkehr Jesu und die Selbstoffenbarung Gottes als Alpha und Omega, Anfang und Ende, der ewige Gott, der jetzt existiert, der immer existierte und der immer da sein wird und der aktiv in die Geschichte als zurückkehrender König eingreifen wird, das sind die zentralen Thesen der Offenbarung. Aber was bedeutet es, dass Jesus zurückkehrt?

Kennt ihr die Trilogie „Der Herr der Ringe“? Einer der nobelsten und meiner Meinung nach auch sympathischsten Charaktere im Film (wie auch im Buch) ist Aragorn. Aragorn ist nicht nur ein mutiger, gutaussehender Krieger. Er ist auch der rechtmäßige Erbe des Königs der Menschen. Der Höhepunkt der Trilogie ist, wenn im letzten Teil nach vielen, vielen Kämpfen der Ring und damit das Böse zerstört wird. Nach der finalen Schlacht wird Aragorn schließlich als König eingesetzt. Die Krönung des Königs ist gleichbedeutend mit dem Anbruch einer Ära des Friedens. Die Rückkehr des Königs ist gleichbedeutend mit dem Sieg über die Feinde der Menschheit. Es ist die Rückkehr von Recht und Gerechtigkeit. (Nicht zu vergessen heiratet Aragorn auch noch bei seiner Krönung). Der Film ist natürlich fantastisch gemacht und Tolkien hat die Geschichte meisterhalft erzählt. Aber wahr ist ebenfalls, das Tolkien diese Geschichte nicht erfunden hat. Er war inspiriert durch den einen wahrhaftigen König und dessen Rückkehr, die Rückkehr von König Jesus.

Jesus ist nicht einfach irgendein König. Vers 7 sagt: „er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben; und es werden sich seinetwegen an die Brust schlagen alle Geschlechter auf Erden.“ Jesus kommt mit den Wolken des Himmels, was ein Ausdruck für seine übernatürliche Macht ist. Jesus ist der König aller Könige, der kosmische Herrscher des Universums und von allem, was darin enthalten ist. Und Jesus ist der König, der durchbohren wurde. Am Kreuz wurde er sprichwörtlich durchbohrt. Dieser Jesus wird zurückkommen. Seine Wiederkunft ist verbunden mit Gericht über diejenigen, die seine Herrschaft ablehnen und Errettung seiner Angehörigen.

 

Drittens, die Herrlichkeit des Königs

Wir haben gesehen, dass die Offenbarung sich an Christen richtete, von denen viele durch das römische Reich Verfolgung zu erwarten hatten. Und der rote Faden, der sich durch das Buch hindurchzieht, ist die Botschaft, dass Jesus, der König zurückkommen wird, um sein Reich aufzurichten. Die Frage ist nun, wer ist dieser Jesus?

Letzte Woche war in Spiegel Online ein Artikel (http://www.spiegel.de/spiegelwissen/sechs-prominente-erzaehlen-von-ihrem-persoenlichen-glauben-a-898623.html), in welchem einige Prominente über ihren Glauben erzählen. Andrea Nahles z.B. sagte: „Jesus ist für mich bis heute ein großes Vorbild. Nicht im Sinne einer einengenden Moral, sondern, weil er gezeigt hat, worauf es im Leben ankommt, dass wir die eigenen Talente erspüren und entwickeln, Fehler zugeben und verzeihen. Dass wir die Gemeinschaft mit anderen Menschen suchen und zusammen eine möglichst gerechte Gesellschaft gestalten.“ Ilja Richter sagte Folgendes: „Was ich über Gott erfuhr, brauchte mir deshalb Frau Pranke bei. Sie war die Lehrerin im protestantischen Religionsunterricht, den ich damals in Berlin besuchte. Und ich war ihr Lieblingsschüler. Frau Pranke hat mich für Jesus begeistert. Den bewundere ich heute noch. Allerdings nicht als Sohn Gottes, sondern eher als wunderbaren von Gott bestrahlten Wanderrabbi. Zum Christsein hat’s damit natürlich nicht gereicht.“ Diese beiden Meinungen geben vielleicht ganz gut wieder, was viele Menschen über Jesus denken: „Jesus, der Wanderprediger, der ein gutes Vorbild ist, aber im Großen und Ganzen war es das dann auch schon.“

Wer ist aber der Jesus, den Johannes erlebte? Ab Vers 10 berichtet Johannes von seiner Vision: „Ich war im Geist am Tag des Herrn, und ich hörte hinter mir eine gewaltige Stimme, wie von einer Posaune, die sprach: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte!“ Johannes hatte drei Jahre in nächster Gemeinschaft mit Jesus gebracht. Er bezeichnete sich selbst als der Jünger, den Jesus lieb hat. Aber das war nicht der Jesus, den Johannes in seiner Vision zu sehen bekam. Welche Erscheinung von Jesus sah er? Verse 13 und folgende: „mitten unter den sieben Leuchtern Einen, der einem Sohn des Menschen glich, bekleidet mit einem Gewand, das bis zu den Füßen reichte, und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee; und seine Augen waren wir eine Feuerflamme, und seine Füße wie schimmerndes Erz, als glühten sie im Ofen und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser. Und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Mund ging ein scharfes zweischneidiges Schwert hervor; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne in ihrer Kraft.“

Es gibt wiederum so viel, was es zu dieser Vision zu sagen gibt. Wir wollen einige Tatsachen festhalten. Wir sehen zum einen, dass Johannes Vision sehr stark durch das AT inspiriert war. Da wir in Heidelberg Daniel studiert haben, sollte uns diese Beschreibung sehr bekannt vorkommen. In Daniel 7 und 10 berichtet der Prophet von einer Erscheinung von Gott, die der Vision von Johannes sehr ähnlich ist: das schneeweiße Gewand, das Haar wie reine Wolle, der goldene Gürtel, der Klang der Stimme usw. Aber was Johannes nun sieht, ist, dass Jesus dieselbe Erscheinung hat. Jesus hat die gleiche Herrlichkeit, wie Gott, der Vater. Jesus steht ihm in nichts nach.

Als nächstes, in Vers 19 bekam Johannes die enorme Herausforderung aufzuschreiben, was er sah. Und das kann wirklich extrem schwierig sein. Jeder, der etwas wirklich Eindrucksvolles gesehen hat und der danach versucht, das Gesehene verbal auszudrücken, der weiß, wie inadäquat Worte sein können. Es gibt Dinge, für es keine Worte gibt. Das hat wichtige Implikationen für uns, wenn wir die Offenbarung interpretieren. Obwohl Johannes wahrscheinlich sprichwörtlich diese Vision hatte, ist sie dennoch symbolisch zu verstehen. Das ist ziemlich eindeutig. Wir wissen das, weil Jesus selbst die Bedeutung dieser Vision teilweise entschlüsselte. Jesus erläuterte, dass die sieben Sterne sieben Engel repräsentieren und die sieben Leuchter stehen für sieben Gemeinden. Die Vision Jesu ist also metaphorisch zu verstehen. Spurgeon nannte die Beschreibung Jesu ein Bild, das niemand malen kann. Und dabei wollen wir es belassen. Wenn dieses Bild symbolisch zu verstehen ist, dann stellt sich natürlich als nächstes die Frage, was die Beschreibungen bedeuten.

Jesus trägt hier ein Gewand, das bis zu den Füßen reicht und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel. Etliche Ausleger sehen das als ein Priestergewand. Aber wir sehen später in Kapitel 15,6 dass die Engel mit den goldenen Schalen ein ähnliches Gewand tragen. Und diese Engel haben vermutlich keine priesterliche Funktion. Lange Gewänder wurden aber auch von Aristokraten getragen. Und während einfache Männer und Arbeiter ihren Gürtel um die Lenden tragen, waren es Würdenträger und Herrscher, die den Gürtel um die Brust trugen. Das Gewand und der Gürtel symbolisieren daher vermutlich Jesu Würde und Oberherrschaft.

Als nächstes sehen wir, dass Jesu Haupt und Haare weiß waren, wie weiße Wolle und wie Schnee. In der damaligen Zeit waren weiße Haare ein Zeichen für Würde und Weisheit aufgrund einer langen Lebenserfahrung. In Daniel hat es vermutlich die gleiche Bedeutung. Jesus existiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Er ist die weiseste Person des Universums.

Als drittes, Jesu Augen waren wie eine Feuerflamme. Wie Feuer in der Lage ist, alles Brennbare zu verzehren, so sind Jesu Augen. Sie dringen in die allertiefsten Abgründe unseres Herzens. Nichts entkommt seinem Blick.

Als Füße sind wie schimmerndes Erz, das im Ofen glüht. Während die Lutherbibel Golderz schreibt, ist Bronze die bessere Übersetzung. Bronze ist eine Metalllegierung, die im Militär häufig zum Einsatz kam. Die glühenden, bronzenen Füße sind daher ein Bild für Jesu Stärke und Kraft.

Weiter geht es mit Jesu Stimme, die wie das Rauschen vieler Wasser war. Wie in so vielen Details ist auch dieses Bild vom AT inspiriert. In Hesekiel 43,2 lesen wir: „Und siehe, da kam die Herrlichkeit des Gottes Israels von Osten her, und seine Stimme war wie das Rauschen großer Wasser, und die Erde wurde von seiner Herrlichkeit erleuchtet.“ Wir finden hier ein weiteres Bild für Jesu Autorität und Macht.

Als nächstes heißt es, dass sieben Sterne in seiner Hand waren. Wie ich vorher schon erwähnt hatte, erklärt Jesus später, dass diese sieben Sterne sieben Engel der jeweiligen Gemeinden repräsentieren. Das ist nicht ganz einfach zu verstehen. Das griechische Wort Engel kann auch „Bote“ bedeuten. Die meisten Ausleger gehen aber davon aus, dass es sich hier nicht um Menschen handelte, sondern um Engel. Und das könnte z.B. bedeuten, dass es ebenfalls einen Engel gibt, der über unsere Gemeinde wacht. Es ist ein kleiner Einblick in eine geistliche Welt, von der wir nicht so viel verstehen. Die Tatsache nun, dass die Sterne in Jesu Hand sind, bedeutet, dass er die völlige Kontrolle über sie hat und dass er als der souveräne Herr über ihnen steht.

Das nächste Detail in der Vision ist ein scharfes zweischneidiges Schwert, das aus Jesu Mund kam. Das Wort für Schwert ist ein anderes als die Schwerter, die von der römischen Armee verwendet wurden. Es war viel größer und breiter. Das Schwert aus Jesu Mund symbolisiert, dass Jesus der Richter ist.

Als letztes, Jesu Angesicht leuchtete wie die Sonne in ihrer Kraft. Hier ist endlich ein Bild, das nicht viel Erläuterung braucht. Jeder von uns weiß, dass das Licht der Sonne so stark ist, dass niemand von uns direkt in die Sonne schauen kann. Wenn wir direkt in die Sonne schauen würden, würde das unsere Netzhaut verbrennen. Jesu Strahlen ist wie das einer Sonne in ihrer vollsten Pracht. Paulus erzählte in Apostelgeschichte, dass das Licht vom Himmel, das ihn vom Pferd runterschmiss heller war, als das Licht der Sonne. Und das Licht steht für Jesu unendliche Herrlichkeit. Er ist kein Komet oder Mond, der erst durch die Sonne angestrahlt werden muss, um zu leuchten. Jesus selbst ist die Quelle von allem Licht und überstrahlt selbst alles.

Jesus ist der souveräne, würdige Herrscher, er ist ewig und unendlich weise, nichts ist vor seinen Augen verborgen, er führt seine Absichten in Stärke und Kraft aus, er hat Autorität und Macht, er hat die absolute Kontrolle über die Gemeinde, er ist der Richter, der das letzte Wort sprechen wird und sein Leuchten überstrahlt alles. Das ist die Herrlichkeit von König Jesus.

 

Viertens, was die Realität des herrlichen Königs für uns bedeutet

Vielleicht gibt es einige hier, die mit einem solchen Bild von Jesus ein wenig ihre Probleme haben. Ich habe das Beispiel von zwei Prominenten erwähnt, die Jesus als tollen Lehrer und Vorbild bezeichnen. Beide konnten mit dem Konzept nichts anfangen, dass Jesus der Sohn Gottes ist und dass er der herrliche, zurückkehrende König und Richter ist. Das ist bei vielen so.

C.S. Lewis antwortete darauf folgendermaßen: „Ich versuche hier jeden davon abzuhalten, etwas Dämliches zu sagen, was so viele über Ihn (Jesus) sagen: ‚Ich bin bereit, Jesus als großartigen, moralischen Lehrer anzunehmen, aber ich bin nicht bereit, seine Behauptung anzunehmen, dass er Gott ist.’ Das ist das eine, was wir auf keinen Fall sagen sollten. Ein Mensch, der einfach nur ein Mensch ist und die Dinge sagen würde, die Jesus sagte, wäre kein großartiger moralischer Lehrer. Er wäre entweder ein Geisteskranker – auf der gleichen Stufe mit jemandem, der von sich behauptet, dass er ein pochiertes Ei ist – oder aber er wäre der Teufel der Hölle. Du musst eine Entscheidung treffen. Entweder dieser Mensch war und ist der Sohn Gottes, oder aber er ist ein Verrückter oder noch etwas Schlimmeres. Du kannst ihn als Geisteskranken wegsperren, du kannst ihn anspucken und ihn töten, weil er ein Dämon ist; oder aber du kannst vor seine Füße fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber lass uns doch bitte mit dem herablassenden Unsinn aufhören, dass er ein großartiger menschlicher Lehrer war. Diese Option hat er uns nicht offen gelassen. Es war niemals seine Absicht.“

Wir haben von der großartigen Vision gehört, die Johannes von Jesus sah. Wie reagierte Johannes auf diese Erscheinung? Vers 17 sagt: „Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen nieder wie tot.“ Johannes fiel vor Jesus nieder wie tot. In den Evangelien lesen wir, wie Johannes der Täufer einmal sagte, dass er es noch nicht einmal wert ist, bei Jesus die Schuhriemen zu lösen. Und wisst ihr, das war keine übertriebene Demut. Es war eine Aussage, die absolut im Einklang steht mit der objektiven Realität, wer Jesus ist. Jeder, der Gott in seiner Herrlichkeit sieht, reagiert so, wie Apostel Johannes es tat. Johannes war überwältigt von der Herrlichkeit Jesu Christi.

Jesus ist der Sohn Gottes. Er ist der Herr, zu dessen Füßen wir niederfallen. Aber das ist nicht alles. Sehen wir uns noch einmal den Vers 17 an: „Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen nieder wie tot. Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebende; und ich war tot, und siehe, ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen!“ Als Johannes am Boden lag, niedergeschlagen, kam Jesus und legte seine rechte Hand auf ihn und richtete ihn auf. Können wir uns einen Gott vorstellen, der freundlicher, liebevoller und gnädiger ist? Wenn wir das erste Kapitel sorgfältig lesen, dann sehen wir, dass es überfließt mit der Botschaft des Evangeliums. Jesus ist nicht nur der herrliche König. Er ist der König, der Knecht wurde und so wurde wie wir. Er ist nicht nur souverän in seiner Herrschaft. Er ist auch der Freund, der seine rechte Hand auf unsere Schultern legt und sagt: „Fürchte dich nicht.“ Er ist nicht einfach nur der Richter. Er ist auch derjenige, der für uns und an unserer Stelle gerichtet wurde.

 

Zu Beginn der Predigt habe ich gesagt, dass ich nur einen Punkt kommunizieren möchte, und dass dieser eine Punkt so gewichtig ist, dass er unser Leben und unsere Gemeinde radikal verändern könnte. Hier ist der Punkt: Jesus ist absolut herrlich, so dass alles vor ihm verblasst und so dass wir vor ihm niederfallen würden wie tot, wenn er vor uns stehen würde. Proportional zum Maß wie wir diese Wahrheit kapiert haben, wird unser Leben radikal verändert. Und was mich an Offenbarung 1 am allermeisten frustriert ist die Tatsache, wie unfähig ich bin, diesen großartigen, herrlichen Jesus so zu verkündigen, wie es für Ihn angebracht wäre.

Wenn dieser Jesus in seiner Herrlichkeit vor uns stehen würde, wie würden nicht lässig, locker hier auf dem Stuhl sitzen und darauf warten, bis die Predigt endlich vorbei ist. Wir würden nicht halbherzig „Du bist würdig“ singen und dabei mit unseren Gedanken ganz wo anders sein. Wenn wir einen Blick auf Jesus werfen könnten, wie Johannes es tat, dann würden wir genau das Gleiche tun, was er tat: wir würden vor Jesus niederfallen wie tot. Und wir würden uns wünschen, dass dieser Jesus von uns weggeht, weil seine Heiligkeit und Vollkommenheit jeden kleinsten Unrat unseres Lebens aufdecken würden. Wenn wir die ultimative Antwort darauf haben wollen, warum unser Leben so ist, wie es ist, dann müssen wir die Frage stellen, wie sehr wir diesen Jesus kennen. Und wenn ich auf mein Leben blicke, dann muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich von der Herrlichkeit Jesu erschreckend wenig verstanden habe. Viel zu wenig. Wie viel haben wir von diesem Jesus gesehen?

Als letztes, Jesus stillt unseren Hunger nach Herrlichkeit.

Jeder von uns hat eine unstillbare Sehnsucht nach Herrlichkeit und Schönheit. Wir sehnen uns nach etwas, was uns begeistert, weil wir ganz tief im Innersten wissen, dass wir dazu geschaffen wurden, um begeistert zu sein. Ein Grund, warum viele von uns Kinder so lieben, ist ihre Fähigkeit mit kleinen Dingen zufrieden und begeistert zu sein. Ich habe Sam Paul unseren Dreijährigen öfter „wow“ sagen hören. Das ist eine der schönsten Dinge, die ich in meinem Leben gehört habe. Aber ein Fluch ist, dass es mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird, Menschen zu begeistern. Wenn Kinder 5 Jahre alt sind, dann kann muss man ihnen schon mehr bieten, z.B. einen Besuch im Zoo. Wenn die gleichen Kinder aber dann 15 werden, und wir sie in den Zoo mitnehmen will, dann gibt es Augenverdrehen und ein „Pffff… wie langweilig!“ Je älter wir werden, je mehr wir glauben, bereits alles gesehen und alles erlebt zu haben, desto schwieriger wird es, uns wirklich für etwas begeistern. Frage an euch: wann wart ihr das letzte Mal wirklich erfüllt mit Herrlichkeit? Wann wart ihr das letzte Mal wirklich erfüllt mit Begeisterung?

Wenn wir uns mit der objektiven Realität Jesu Christi befassen, die Herrlichkeit, Schönheit und der unendliche Wert seiner Person und wenn wir mit unserem Gott-gegebenen Verstand das Evangelium hören und begreifen und wenn die Wahrheit von der Liebe und Freundlichkeit Gottes in unsere Herzen dringt, was geschieht dann? Was geschieht in unseren Herzen?

Pure, grenzenlose Begeisterung. Überfließende, überreiche Freude. Der Sinn unseres Lebens.

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