Predigt: Daniel 6,1 – 29

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Daniels Sieg durch das Gebet

Als nun Daniel erfuhr, dass ein solches Gebot ergangen war, ging er hinein in sein Haus. Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem, und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte.“

(6,11)

 

„Seinem Gott“- heißt es in diesem Vers. Und auch im Verlauf des gesamten Textes kommt dieser Ausdruck immer wieder vor, insgesamt sieben Mal. Was bedeutet es? Es weist auf die besondere persönliche Beziehung zwischen Gott und Daniel hin. Zwei Fragen wollen wir daher an diese Beziehung stellen: Was für ein Glaube von Daniel stand hinter dieser Beziehung? Und zweitens: Wer ist der Gott Daniels? Möge Gott durch die Antworten auf diese Fragen in uns den geistlichen Wunsch erwecken, jenen Glauben von Daniel nachzuahmen.

 

 

Teil 1: Daniels überragender Geist (V.1-4)

Wie wir letzte Woche erfahren haben, starb Belsazar, der babylonische König. Was geschah nach seiner Ermordung? Betrachten wir Vers 1: Und Darius aus Medien übernahm das Reich, als er zweiundsechzig Jahre alt war. Ein Meder namens Darius kam in einem Alter von 62 Jahren an die Macht. Damit war das babylonische Reich untergegangen. Die Ära des medo-persischen Reiches brach nun an. Wie wurde dieses Reich verwaltet?

Wie wir in den Versen 2 und 3 zu lesen bekommen, setzte der König 120 Statthalter über sein Reich ein. Über diese wurden wiederum drei Fürsten eingesetzt. Durch diese hierarchische Struktur ließen sich zum einen militärische Revolten, Steuerhinterziehungen und sonstige Intrigen leichter aufdecken und vermeiden, zum anderen konnten die Bedürfnisse der Menschen im Reich besser berücksichtigt werden.

Einer jener drei Fürsten war Daniel, der mittlerweile vermutlich über 80 Jahre war. Daniel aber übertraf alle Fürsten und Statthalter, wie uns Vers 4a mitteilt. Daniel war viel fähiger als seine Kollegen. Er muss sich sehr gut um die Statthalter, die ihm untergestellt waren, gekümmert haben. Wir können uns vorstellen, dass er mit einer hervorragende Menschenkenntnis jeden einzelnen gut verstehen und ganz speziell helfen konnte. Mit einer außergewöhnlichen Scharfsinnigkeit konnte er die Probleme, die die Statthalter zu ihm brachten, sehr gut und zur Zufriedenheit aller lösen. Wenn Unruhen entstanden, konnte er die Lage nüchtern einschätzen und angemessen reagieren usw.

Woran aber hatte das gelegen, dass Daniel seine Arbeit so exzellent ausführen konnte? Lesen wir gemeinsam Vers 4: Daniel aber übertraf alle Fürsten und Statthalter, denn es war ein überragender Geist in ihm. Darum dachte der König daran, ihn über das ganze Königreich zu setzen.

Gott hatte Daniel einen überragenden Geist gegeben, durch den er in seiner Arbeit sehr gute Leistungen erbringen konnte. Der König war von der Qualität seiner Arbeit sehr beeindruckt, sodass er ihn befördern wollte. Daniel sollte der zweite Mann im Reich sein.

Der Glaube an seinem Gott hatte Daniel also reichlich gesegnet. Glaubte aber Daniel nur in guten Zeiten an Gott?

Teil 2: Daniel betete zu seinem Gott (V. 5-11)

Als der König beabsichtigte, Daniel zu befördern, hatten einige was dagegen. Betrachten wir Vers 5: Da trachteten die Fürsten und Statthalter danach, an Daniel etwas zu finden, das gegen das Königreich gerichtet wäre. Daniels beide Kollegen sowie die Statthalter waren gegen seine Beförderung. Aus offenbar Neid und Stolz konnten es die beiden Fürsten nicht haben, dass nun Daniel über sie stehen sollte. Gemeinsam mit den Statthaltern, die sie offenbar gegen Daniel aufgehetzt hatten, suchten die beiden Fürsten nun einen Plan, um Daniel auszuschalten. Wer solche Kollegen hat, braucht keine Feinde mehr. So versuchten sie etwas zu finden, was Daniel gegen die Interessen des Königs gemacht haben könnte. Aber sie konnten keinen Grund zur Anklage und kein Vergehen finden; denn er war treu, sodass man keine Schuld und kein Vergehen bei ihm finden konnte, berichtet uns der Verfasser in Vers 5b.

Die Gegner konnten absolut gar nichts Schlechtes an Daniels Arbeit finden. Denn Daniel war stets loyal und vertrauenswürdig gewesen. Auf eine Bestechung hatte er sich nie eingelassen. Mit seiner Arbeit ging er nicht nachlässig um. Vielmehr muss er seine Arbeit sehr gewissenhaft, verantwortungsbewusst und aufrichtig getan haben. Auf diese Weise versuchte Daniel Gott mit seinem Beruf zu ehren, mit dem ihn sein Gott gesegnet hatte.

Doch die Gegner von Daniel gaben nicht auf. Welchen Plan fassten sie nun? Betrachten wir Vers 6: Da sprachen die Männer: Wir werden keinen Grund zur Anklage gegen Daniel finden, es sei denn wegen seiner Gottesverehrung.

Die Männer grübelten und grübelten und dann kam ein großes „Aha!“. Sie wollten Daniel mithilfe seines Glaubens fangen. Dass sie überhaupt auf diese Idee kamen, zeigt, dass ihnen Daniels Glaubensleben nicht verborgen war. Daniels persönliche Beziehung mit Gott war einfach unübersehbar gewesen. Jeder wusste davon, wie sehr Daniel Seinen Gott lieb hatte. Und gerade damit, was Daniel am aller Liebsten war, wollten sie ihn in eine Falle locken.

Wie sah ihr Plan denn genau aus? Betrachten wir die Verse 7-9. Die Idee der Männer war ein Gesetz. Sie schlugen dem König vor, 30 Tage lang das Beten zu einem Gott oder einem Menschen außer zu Darius zu verbieten. Eine Sanktion hatten sie auch schon parat: Wer sich nicht an dieses Gesetz hält, solle in einer Löwengrube landen.

Es sah so aus, als würden die Fürsten und Statthalter mit diesem Gesetz den König schmeicheln wollen. Als wollten sie seine Herrschaft stärken. 30 Tage sollte Darius wie der allerhöchste Gott behandelt werden, der nur allein angebetet werden darf. Das war doch echt nett gegenüber dem König oder nicht? Aber in Wirklichkeit instrumentalisierten sie den König, um Daniel auszuschalten. Sie gingen fest davon aus, dass Daniel selbst unter Androhung von Löwen seine Gottesverehrung nicht aufgeben würde. Ist dies nicht bemerkenswert? So sehr leuchtete Daniels Glauben in seiner Umgebung auf, dass seine Feinde fest damit rechneten, dass Daniel eher die Löwengrube wählt als das Gebet zu unterlassen. So authentisch war sein Glaube.

Wie reagierte der König auf den Vorschlag der Fürsten? – Betrachten wir Vers 10: So ließ der König Darius das Schreiben und das Gebot aufsetzen. Offenbar fühlte sich der König durch den Gesetzesvorschlag sehr geschmeichelt, dass er ohne Bedenken eingewilligt hatte. Damit waren die Würfel gefallen. Das Gesetz war genehmigt und konnte nicht mehr widerrufen werden. Nicht einmal vom König selbst.

Durch die Verabschiedung des Gesetzes entstand für Daniel eine völlig neue Situation. Davor war alles in Ordnung gewesen. Daniel konnte mit einem guten Gewissen vor Gott sein Bestes für den König geben. Gott segnete seine Arbeit, sodass Daniel den König über die Maßen hinaus zufrieden stellte. Ja besser konnte es gar nicht laufen: Sowohl Gott als auch der König waren sehr erfreut und zufrieden über Daniel.

Doch dann kam dieses Gebot. Nicht nur seine Karriere sondern sein Leben stand auf dem Spiel.

Während Daniel zuvor seine Arbeit mit dem Glauben gut vereinbaren konnte, gab es nun ein Entweder – Oder. Entweder würde er dem König gehorchen und damit seine allerliebste Beziehung zu Gott aufgeben. Oder er würde weiterhin beten, hätte es dann aber mit den Löwen zu tun.

Was tat Daniel? Lesen wir gemeinsam Vers 11a (bis Haus): Als nun Daniel erfuhr, dass ein solches Gebot ergangen war, ging er hinein in sein Haus.“ Als Daniel von dem Gebot erfuhr, ging er nachhause, und wozu? Um zu beten. Daniel reagierte auf das Gesetz ausgerechnet mit Gebet. Wie unlogisch, ja widersinnig erscheint diese Reaktion. Aber umso mehr kommt zum Ausdruck, was für ein geistlicher Mann Daniel eigentlich gewesen war.

Als Daniel von dem Gebot erfuhr, dachte er nur eins: „Ich muss schnell hause und beten. Nur Gott kann mir jetzt helfen.“ Daniel wusste keinen anderen Rat als zu beten. Das war seine einzige Lösung für sein Dilemma. Das Gebet war für ihn nicht die Gefahr, sondern eher die Lösung für die Gefahr.

Als Daniel entschied zu beten, hatte er verschiedene Möglichkeiten dazu. Er könnte sich in seinem Haus irgendwo verstecken und dort beten. Oder er könnte in den Gedanken zu Gott beten. Zudem könnte er sich sagen: In diesen 30 Tagen werde ich nur ab und zu beten, um die Gefahr, erwischt zu werden, zu verringern.

Machte das aber Daniel? Schränkte er sein bisheriges Gebetsleben in irgendeiner Weise ein? -Lesen wir gemeinsam Vers 11b: Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem, und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte.

Als Daniel nachhause kam, ging er die Treppen hinauf in sein Zimmer, kniete sich nieder und fing an zu beten, Gott zu loben und zu danken. In jedem Moment könnte jemand in sein Haus kommen und ihm beim Beten erwischen. Z.B. ein Bote vom König, der Daniel eine neue Aufgabe oder Nachricht überbringen sollte. Aber selbst wenn niemand hereinkam, konnte Daniel erwischt werden. Denn die Fenster waren offen, sodass er vermutlich gesehen werden konnte.

Daniel verbarg sein Gebetsleben also in keinster Weise. Er passte sein Gebetsleben überhaupt nicht der kritischen Situation an. Er betete haargenau so wie er es bisher getan hatte. Außerdem ist es unglaublich schwer in einer solchen Situation zu beten. Normalerweise schießt einem immer wieder der Gedanke durch den Kopf: „Es kommt sicherlich gleich jemand! Jemand könnte hinter mir sein. Ich sollte lieber aufstehen und gehen! usw.

Ja, was für eine Standhaftigkeit und Disziplin, ja was für eine Treue und Kompromisslosigkeit, die wir hier zu sehen bekommen! Ein Glaube sondergleichen. Daniel liebte Gott nicht nur in guten sondern auch in schlechten Zeiten.

Trotzdem müssen wir uns fragen, warum denn Daniel nicht wenigstens die Fenster verschlossen hatte. Soviel hatte Gott von ihm doch nun wirklich nicht verlangt.

Dass Daniel vor offenen Fenstern in Richtung Jerusalem betete, hat seinen Hintergrund in einem Gebet von König Salomo bei der Einweihung des Tempels. Salomo bat Gott darum, dass er sich über die Israeliten erbarmen möge, wenn sie im Exil sich bekehren und in Richtung zu dem Tempel in Jerusalem beten würden. Gott versprach Salomo sein Gebet zu erhören.

Aufgrund dieser Verheißung betete Daniel stets vor offenen Fenstern in Richtung Jerusalem. Er betete für die Heimführung bzw. Wiederherstellung seines Volkes, wie sich aus Kapitel 9 entnehmen lässt. Dabei betont er immer wieder, dass es Gott um seines Namens willen tun möge. Denn die derzeitige Lage seines Volkes entsprach überhaupt nicht Gottes ursprünglichen Plan für sein Volk. Kurz gesagt: Daniel betete für den Willen Gottes für sein Volk. Daniel trug in seinem Herzen die Anliegen Gottes.

Weil Daniel die Anliegen Gottes tief im Herzen trug, wollte er dafür auf bestmöglicher Weise beten. Darin zeigt sich wie sehr sein Glaube in der Liebe zu Gott getränkt war. Da konnten die Löwen mal so laut brüllen, wie sie wollen…

Gott hätte zwar sicherlich nichts dagegen, wenn Daniel während dieser 30 Tage mal vor verschlossenen Fenstern gebetet hätte. Aber solch ein Glaube wie der von Daniel denkt nicht: Was darf ich?, was darf ich nicht tun?, sondern: Was kann ich tun, um Gott in bestmöglicher Weise zu dienen. Ein solcher Glaube wie der von Daniel geht nicht nach dem Minimal-, sondern nach dem Maximalprinzip. Daniel wollte Gott nicht in vermindertem Maße sondern in vollem Maße dienen. Was wir hier in dieser Obergemach-Szene zu sehen bekommen, ist ein Glaube, der im Laufe von Daniels Leben zur vollen Reife gelangt ist.

Möge Gott einem jeden von uns helfen, diesen Glauben gut zu verinnerlichen und mit hohem Bestreben nachzuahmen. Ja, wie können wir eigentlich zu solch einem Glauben gelangen? Wir finden die Antwort im ein- und denselben Vers. Lesen wir noch einmal gemeinsam Vers 11: Als nun Daniel erfuhr, dass ein solches Gebot ergangen war, ging er hinein in sein Haus. Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem, und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte.

In diesem Vers führt uns der Verfasser in das Obergemach von Daniel. Und gerade dort finden wir das Geheimnis von Daniels Glauben, den wir schon so oft bewundert haben. Das Geheimnis ist das Gebet. Es ist das ausgeprägte Gebetsleben von Daniel.

Wir können von seiner Art und Weise des Gebets Vieles lernen: Wie der Verfasser berichtet, betete Daniel dreimal am Tag. Daniels Tagesablauf war durchsetzt vom Gebet. Wie es in einem Psalm heißt: Abends und morgens und mittags will ich klagen und heulen, so wird er meine Stimme hören. Wir können nicht von heute auf morgen solch einen reifen Glauben wie den von Daniel haben. Aber wir können uns ab sofort dazu entscheiden, dreimal am Tag zu beten. Es ist richtig: Die Bibel schreibt uns dies nirgendwo vor. Aber wenn du und ich den Glauben von Daniel gut verstanden haben, dann fragen wir nicht danach, was wir tun müssen oder nicht tun brauchen, sondern wie wir Gott am wohlgefälligsten dienen können.

Während uns schon die geringsten alltäglichen Angelegenheiten vom Beten abhalten können, hielt Daniel nicht einmal ein Haufe von Löwen davon ab.

Es gibt noch etwas, was uns vom Gebet abhält. Dies ist das Gefühl, keine Zeit zu haben. Ist es nicht so? Während wir morgens und abends zu müde sind, sind wir mittags oft zu beschäftigt, um zu beten. Aber was sollen wir hierzu sagen? Hatte Daniel mehr Zeit als wir? Auf keinen Fall. Als Beamter höchsten Grades hatte er allerhand zu tun. Sein Schreibtisch war sozusagen voll von Akten.

Mit einem dreimaligen Gebet am Tag ist noch nicht alles gesagt. Es kommt auch darauf an, wie wir zu Gott beten. Dass Daniel sich vor Gott hinkniete, zeigt, dass er mit Demut und Ehrfurcht sowie mit einer ernsthaften Haltung zu Gott betete.

Der Ausdruck „betete, lobte und dankte seinem Gott“ zeigt, dass Daniel nicht oberflächlich oder kurz zu Gott kam, sondern sich jedesmal Zeit für die herzliche Gemeinschaft mit Gott nahm. Bemerkenswert ist dabei auch, dass Daniel Gott nicht nur in guten Zeiten, sondern auch in dieser schwierigen Zeit lobte und dankte. Daniel kam also stets mit einer dankbaren Haltung zu Gott unabhängig von der Situation.

Weiterhin betete Daniel mit einem Herzen, das die Anliegen Gottes trug. Hierfür haben wir durch die verschiedenen Gebetslisten der Gemeinde gute Gelegenheit dazu.

Und last but not least Daniel betete mit der Sehnsucht nach Jerusalem. Ebenso sollen auch wir mit der Sehnsucht nach dem himmlischen Jerusalem beten. Wenn wir mit der Sehnsucht nach dem himmlischen Jerusalem beten, wird unser Gebet automatisch geistlicher.

Teil 3: Daniel wird in die Löwengrube geworfen (V. 12-17)

Daniel hatte sich mittlerweile ins Gebet vertieft. Wegen seiner Not betete er flehentlich. Er betete und betete und betete und was geschah? Betrachten wir Vers 12: Da kamen jene Männer eilends gelaufen und fanden Daniel, wie er betete und flehte vor seinem Gott. „Waaas, ist das etwa die Antwort auf mein Gebet? Reagierst du etwa so auf meinen Super-Glauben?“ hätte sich Daniel fragen können. Was für eine Erschütterung des Glaubens, die diese Situation mit sich brachte. Doch Daniels Glauben hielt diese Erschütterung aus.

Nach diesem schrecklichen Ereignis könnte man auch so denken: „Ah, Gott hat zwar zugelassen, dass ich beim Beten erwischt worden bin. Aber er wird mir bestimmt durch den König helfen, der mir so wohlgesonnen ist.“ Aber hatte Gott diese Erwartung erfüllt?

Betrachten wir die Verse 13 und 14. Die bösen Männer waren vom Obergemach Daniels zum Palast gegangen. Dort sprachen sie den König zunächst auf das Gesetz an. Und so naiv wie der König war, bekräftigte er das Gesetz. Dann begann die Petzerei: Daniel, einer der Gefangenen aus Juda, der achtet weder dich noch dein Gebot, das du erlassen hast; denn er betet dreimal am Tage.

Als das der König hörte, missfiel es ihm sehr (wie es in einer anderen Übersetzung von Vers 15 heißt). Der König war also sehr verärgert über die Nachricht. Denn es hatte bei ihm nun Klick gemacht. Achsoo. Ich bin reingelegt worden. Und noch viel schlimmer: Ich werde meinen besten Mann verlieren. Ups.

Als der König zu dieser großen Erkenntnis kam, setzte er alles darein, um Daniel zu erretten. Bis zum Sonnenuntergang bemühte er sich darum, Daniel die Freiheit zu erhalten. Wir wissen nicht genau, welche Maßnahmen er hierzu ergriff. Vielleicht versuchte er Daniel dazu zu überreden,

zu leugnen, dass er gebetet habe. Oder er suchte nach einer Gesetzeslücke. Oder er versuchte, für Daniel eine Fluchtmöglichkeit zu finden.

Wie auch immer, Darius versuchte das Gesetz in irgendeiner Weise zu umgehen. Als das jene Männer merkten, kamen sie noch einmal zum König. Du weißt doch, König, es ist das Gesetz der Meder und Perser, dass alle Gebote und Befehle, die der König beschlossen hat, unverändert bleiben sollen.

Als der König so unter Druck gesetzt worden war, gab er nach und befahl, Daniel in die Grube zu werfen. Ein „Normal-Gläubiger“ setzt seine Hoffnung bewusst oder unbewusst bis zum letzten Ende auf die Hilfe von Menschen. Aber wenn klar geworden ist, dass kein Mensch ihm helfen kann, dann ist das Geschrei groß: „Gott, Gott wie kannst du denn so meinen Glauben ignorieren? Warum machst du denn nichts? Usw.

Als Daniel zum Ort der Löwengrube gebracht worden war, war dort auch der König anwesend. Da standen sich nun zwei alte Männer gegenüber. Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir! sagte Darius dann zu Daniel. Diese Worte meinten nichts anderes als: „Tut mir leid, Daniel, ich kann dir nicht helfen. Nur Gott kann dir jetzt noch helfen“. „Du, du, nicht Gott, du du sollst mir helfen jetzt sofort.“ würde wir in dieser Situation wohl sagen. Und wenn alle Hoffnung auf Rettung dahin ist, kommen Gedanken und Gefühle der Enttäuschung, der Angst, der Verbitterung gegenüber Gott und der Reue über die eigene Glaubensentscheidung.

Doch Daniel hingegen, obwohl er nicht verstand, warum Gott nicht eingegriffen hatte; obwohl er nicht verstand, warum ihm dies alles geschehen war, hielt Glauben.

Und mit diesem Glauben ging er bis ans äußerste Ende. Denn Vers 17 berichtet, dass Daniel tatsächlich in die Löwengrube geworfen wurde.

Der Glaube von Daniel war erhaben über alle unbeantworteten Fragen und Ungewissheiten. Er konnte so glauben, weil er auf die Liebe bzw. Person Gottes vertraute. Und er konnte auf die Liebe Gottes vertrauen, weil er eine innige Liebesbeziehung zu Gott hatte, durch die er Ihn mehr und mehr kennengelernt hatte.

Bisher haben wir gesehen, wie Daniel seinerseits die persönliche Beziehung zu Gott ausgelebt hatte. Doch von Gott haben wir bisher noch nichts gesehen. Wie reagierte Gott auf den Glauben Daniels? Wie zeigte Er sich als den Gott Daniels?

Teil 4: Daniels Gott gibt Rettung (V. 18-29)

Als Daniel in die Löwengrube hineingeworfen war, wurde ein Stein vor die Grube gestellt und mit dem Ring des Königs sowie seiner Mächtigen versiegelt. So würde es niemand wagen, Daniel zu erretten. Nun herrschte eine große Freude, sowohl bei den bösen Männern als auch bei den Löwen. Doch wie ging es dem König? Betrachten wir Vers 19: Und der König ging weg in seinen Palast und fastete die Nacht über und ließ kein Essen vor sich bringen und konnte auch nicht schlafen.

Traurig ging der König wieder in seinen Palast. Weil er aber um Daniel Leid trug, wollte er nichts essen und konnte nicht schlafen. In dieser Nacht muss der König viel über Daniel nachgedacht und sich über seine Erfahrungen mit ihm erinnert haben. „Ach wie war das doch damals mit Daniel? So ein kluger Mann und dazu auch so aufrichtig und so mutig.“ Während er so über Daniel nachgedacht hatte, muss er hinter allem Außergewöhnlichen an Daniels Person stets den Grund in Gott gefunden haben.

Auf diese Weise könnte sich seine Zuversicht, dass der Gott Daniels tatsächlich lebt und Seinen Knecht für seine bedingungslose Treue durch Bewahrung aus der Löwengrube belohnen könnte, verstärkt haben. So stand der König schon früh am Morgen auf und ging eilends zur Löwengrube. – Vers 22: „Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dich dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, auch erretten können von den Löwen.“ fragte der König ängstlich, als er vor der Löwengrube stand.

Was der König dann aus der Löwengrube zu hören bekam, war sicherlich mehr als er sich erhoffen konnte. Lesen wir gemeinsam Vers 23: Daniel aber redete mit dem König: Der König lebe ewig! Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, sodass sie mir kein Leid antun konnten; denn vor ihm bin ich unschuldig, und auch gegen dich, mein König, habe ich nichts Böses getan.

Daniel lebte. Er war kerngesund, sodass er heiter und fröhlich den König begrüßen konnte. Der König lebe ewig! Dabei war Daniel ganz der Alte geblieben. Kaum hatte er den König begrüßt, redete er schon wieder von Gott. Er berichtete von seiner wunderbaren Rettung.

Beinahe wären die Fetzen geflogen. Doch dann geschah dass Unglaubliche. Gott trat für seinen Knecht, der vor Ihm und vor dem König unschuldig war, ein. Er sandte seinen Engel. Der verstopfte den Löwen den Rachen, sodass sie nicht in der Lage waren, Daniel zu verschlingen. Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen heißt es in einem Psalm.

Als der König diese Worte hörte, war er überaus froh und ließ Daniel aus der Grube herausholen. Daniel hatte nicht eine einzige Verletzung an sich gehabt. Nicht einen einzigen Kratzer konnten sie ihm versetzen. Rein gar nichts konnten sie ihm antun. Und warum? Denn er hatte seinem Gott vertraut, erklärt Vers 24.

Wie offenbarte sich Gott noch als den ganz persönlichen Gott von Daniel? Betrachten wir Vers 25: Da ließ der König die Männer, die Daniel verklagt hatten, holen und zu den Löwen in die Grube werfen samt ihren Kindern und Frauen. Und ehe sie den Boden erreichten, ergriffen die Löwen sie und zermalmten alle ihre Knochen.

Der König warf die Feinde Daniels samt deren Kindern und Frauen in die Grube. Dabei wurden diese von den Löwen recht herzlich willkommen geheißen. Sie ließen nun ihren Appetit aber auch ihren Ärger, die sie wegen Daniel bekommen hatten, auf diese Männer und deren Familien aus. Dabei erfüllte sich buchstäblich ein Wort aus Sprüche, wo es heißt: Wer eine Grube macht, der wird hineinfallen. Hinter allem stand der Gott Daniels, der Daniel nicht nur erretten, sondern auch seine Feinde restlos vernichten wollte. Daniel selbst hatte sich überhaupt nicht gegen seine Feinde gewehrt. Stattdessen vertraute er seinem Gott. Und dieser setzte sich für ihn komplett ein.

Wie gereichte die wunderbare Errettung Daniels schließlich zur Verherrlichung Gottes? Betrachten wir die Verse 26-28. Darius erlässt ein weiteres Gesetz, wo er allen Menschen in seinem Reich befiehlt, den Gott Daniels zu fürchten. Er verkündigt ihn dabei als den lebendigen und ewigen Gott, dessen Reich und Herrschaft kein Ende haben. Er verkündigt ihn als Retter und Nothelfer; als einer, der Wunder und Zeichen tut, wie etwa die Errettung Daniels von der Grube.

Was geschah schließlich mit Daniel? Betrachten wir Vers 29: Und Daniel hatte große Macht im Königreich des Darius und auch im Königreich des Kyrus von Persien. Daniel war eigentlich ein zum Tode Verurteilter gewesen. Einer der zum Fraß der Löwen beschlossen war. Doch sein Gott, mit dem er eine tiefe persönliche Beziehung führte, holte ihn aus dem tiefsten Abgrund heraus und setzte ihn an die fast höchste Stelle des Reiches. Und diese Position hielt Daniel inne, selbst als der Nachfolger Kyrus die Herrschaft antrat.

Die Worte „mein Gott“ sind leicht ausgesprochen. Doch die volle Bedeutung dieser Worte kennt nur der, der sich auf eine tiefe persönliche Beziehung mit Gott eingelassen hat. Was „mein Gott“ wirklich heißt, versteht nur der, der mit Gott in seiner Vergangenheit in tiefe Abgründe gegangen ist und dann erfahren hat, wie Gott ihn herausgeholt hat.

Wenn wir uns auf die tiefe persönliche Beziehung mit Gott einlassen, dann kann sich Gott zudem durch uns zu unseren Mitmenschen mächtig offenbaren und verherrlichen.

Was ich von Daniel lernen möchte, ist erstens sein tiefes Vertrauen in die Liebe Gottes, das er bis

in die Löwengrube hinein behielt. Oft habe ich in meiner Vergangenheit eine Reaktion Gottes auf eine Glaubensentscheidung von mir erwartet. Wenn sich dann die Erwartung nicht erfüllte, kam in mir Enttäuschung auf. Deswegen möchte ich von Daniel den Glauben lernen, der erhaben über alle unbeantwortete Fragen und Ungewissheiten ist.

Weiterhin hat mich auch die Standhaftigkeit und Liebe von Daniel zu seinem Gott angesprochen. Wie ihn so nichts von der Gemeinschaft mit Gott abhalten konnte und wie er die Anliegen Gottes so tief im Herzen trug. Ich sehe, dass ein großer Unterschied zwischen seiner und meiner Liebe zu Gott besteht. Deswegen möchte ich mein Gebetsleben, durch das die Beziehung zu Gott tiefer wird, wieder auffrischen, da es in der letzten Zeit immer mehr eingeschlafen war.

Möge Gott unter uns viele Daniels und Danielas aufstellen.

Lesen wir zum Schluss das Leitwort: Als nun Daniel erfuhr, dass ein solches Gebot ergangen war, ging er hinein in sein Haus. Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem, und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte.“ (6,11)

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