Predigt: Daniel 3,1 – 30

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So kann er uns erretten

Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er erretten. Und wenn er’s nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen.“

(3.17.18)

Du und ich haben Glauben. Und ich denke, jeder der in diesem Raum sitzt, hat Glauben. Aber Glaube ist nicht gleich Glaube. Es gibt unterschiedliche Qualitäten von Glauben. Selbst die Dämonen glauben, wie es in einem Brief im NT heißt. Daher ist die entscheidende Frage: Welche Vorstellung hat Gott von dem Glauben, wie er sein soll?

Zur Beantwortung dieser Frage ist das Buch Daniel geradezu prädestiniert. Seitdem wir dieses Buch studieren, sind wir immer wieder von dem Glauben von Daniel und dem seiner drei Freunden beeindruckt und angesprochen worden. In dem heutigen Text wird uns der Glaube der drei Freund Daniels in besonderer Weise vor Augen geführt. Möge Gott durch die Beschäftigung mit dem Glauben der drei Männer in uns den geistlichen Wunsch erwecken, deren Glauben nachzuahmen.

Teil 1: Der Glaube der drei Freunde Daniels (V. 1- 18)

Der König Nebukadnezar war sehr erfolgreich gewesen. Sein Reich war riesengroß geworden. Darüber konnte er sich sicherlich freuen. Doch andererseits muss er stets die Sorge gehabt haben, dass sein Reich zerfallen könnte. Da war ja auch noch dieser Traum gewesen, der ihm sagte, dass sein Reich nicht für immer bestehen würde. Wie versuchte Nebukadnezar sein Reich zu stabilisieren?

Betrachten wir Vers 1: Der König Nebukadnezar ließ ein goldenes Bild machen sechzig Ellen hoch und sechs Ellen breit und ließ es aufrichten in der Ebene Dura im Lande Babel.

Nebukadnezar richtete eine goldene Götzenfigur auf, die ca. 28 m hoch und ca. 3 m breit war. Zur Veranschaulichung: Die Jesusstatur in Rio de Janeiro ist 30 m hoch (wenn man den 8m hohen Sockel abzieht). Die Götzenfigur stand aber nicht in Brasilien, sondern in der Provinz Babel, auf flachem Land, wo ein Euphrat-Nebenfluss namens Nahe Dura floss.

Zu diesem Ort versammelte der König die Fürsten, Statthalter, und alle Personen, die eine der höheren Positionen in der Verwaltung des Reiches innehatten, z.B. Richter, Berater und Kassenführer, wie die Verse 2-3 berichten. Die Versammlung diente der Einweihung des Bildes. Denn als alle diese Personen zusammengekommen waren, gab der König die Anweisung, sich vor dem Bild aufzustellen. Auf diese Weise sollten die Machthaber ihren Respekt und Anerkennung des Götzens zum Ausdruck bringen.

Doch dies war nicht die einzige Anweisung. Nebukadnezar ließ durch seinen Herold ein Gesetz ausrufen – Verse 4b – 6: Es wird euch befohlen, ihr Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen: Wenn ihr hören werdet den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Zithern, Flöten, Lauten und aller andern Instrumente, dann sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar hat aufrichten lassen. Wer aber dann nicht niederfällt und anbetet, der soll sofort in den glühenden Ofen geworfen werden.

Niederfallen und anbeten sollten die Völker es, aus denen die Regierungsleute kamen. Jedes Volk, jede Nation, einfach jeder im Reich Nebukadnezars sollte sich vor dem goldenen Bild niederwerfen und anbeten. Ein Zusammenspiel von allen möglichen Instrumenten sollte das Signal zur Anbetung geben. Sobald das pompöse Signal erklang, bekam jeder bestimmt erst einmal einen Schuss Adrenalin ins Blut. Und dann galt´s: Entweder niederknien oder ab in den Ofen.

Die Anbetung des Götzenbildes war also Nebukadnezars vollster Ernst. Warum das? Mit dem Götzenbild wollte Nebukadnezar sein Reich unter einer Religion schaffen. Allmählich würde sich aus dieser Religion eine neue Kultur des Reiches und dadurch wiederum ein Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Völkern aus so verschiedenen Sprachen entwickeln. Eine Einheit würde entstehen, was das Reich enorm stabilisieren würde – so vermutlich der politische Gedanke von Nebukadnezar.

Wie reagierten die Menschen in Nebukadnezars Reich auf das Gebot? Betrachten wir Vers 7: Als sie nun hörten den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Zithern, Flöten und aller anderen Instrumente, fielen nieder alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen und beteten an das goldene Bild, das der König Nebukadnezar hatte aufrichten lassen.

Alle Völker reagierten auf das Signal. Sie hatten überhaupt keine Bedenken das Bild anzubeten. Mit ihrem Verhalten bezeugten die Völker, dass hinter ihren Religionen kein lebendiger Gott stand. Ihre Götter gaben ihnen einerseits nicht die Zuversicht, sie von der Strafe des Königs retten zu können, andererseits wurden sie von den Menschen nicht für wert erachtet, ihnen über ihren Tod hinaus treu zu sein.

So beteten also alle Völker das Götzenbild von Nebukadnezar an. Es schien so, dass sich niemand seinem Gebot widersetzt hatte. Nebukadnezar muss sehr zufrieden gewesen sein. Doch nicht lange. Er bekam Besuch von chaldäischen Männern, die ihm eine unerfreuliche Botschaft überbrachten. Betrachten wir Vers 12: Nun sind da jüdische Männer, die du über die einzelnen Bezirke im Lande Babel gesetzt hast, nämlich Schadrach, Meschach und Abed-Nego; die verachten dein Gebot und ehren deinen Gott nicht und beten das goldene Bild nicht an, das du hast aufrichten lassen.

Da gab es drei Männer im Reich von Nebukadnezar, die dem Gebot des Königs nicht gehorchten. Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Die drei Freunde Daniels. Wir erinnern uns, sie regierten über Babel. Ausgerechnet da, wo das Götzenbild aufgerichtet wurde. Gerade von ihnen als Statthalter wurde erwartet, dass sie sich vor dem Götzenbild niederwerfen und es anbeten. Ihre Weigerung war ein Skandal ohnegleichen. Ein absolutes „No-Go“(würde man heute sagen). Ein Entsetzen musste durch ganz Babel gegangen sein.

Wieso machten denn Schadrach, Meschach und Abed-Nego so etwas? Wieso setzten sie ihr Leben aufs Spiel? Wie wir sie schon aus dem ersten Kapitel kennengelernt haben, waren alle Drei gottesfürchtige Männer gewesen. Als solche war es ihnen keineswegs egal, was Gott den Juden klipp und klar verbot: Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist

In einer solchen Situation wie der der Freunde Daniels können leicht zwei Herzen im Gläubigen schlagen (oder besser gesagt: da wird das Zwei-Herzen-Problem eines Gläubigen erst so richtig offenbar): Einerseits möchte man im Reinen mit Gott bleiben. Andererseits ist da die Furcht vor dem Menschen. Als Ausweg kann man sich leicht selbst betrügen, um sein Gewissen zu beruhigen, etwa mit derartigen Gedanken: Ach, Gott will bestimmt nicht, dass ich mir solch einen Druck mache. Ich soll mal nicht so gesetzlich sein. Ob ich mich mal hinknie oder nicht, darum geht’s doch Gott gar nicht. Gott schaut auf das Herz. Kein Problem, ich werde Gott im Herzen weiter anbeten. Gott weiß, wie ich ihm bisher treu gewesen bin. Er wird jetzt sicherlich Verständnis für meine Situation haben. Außerdem war es ja Gott, der uns als Statthalter eingesetzt hat. Gott hat einen Plan mit uns. Deswegen müssen wir diese Fratze mal anbeten, damit wir Gottes großartigen Plan mit uns verwirklichen können usw.“ Doch die drei Freunde Daniels dachten nicht so. Sie hielten mit einem klaren Bewusstsein daran fest, dass das Gebot des Königs ein krasser Verstoß gegen Gottes Gebot war.

Was geschah, als die drei Freunde von den chaldäischen Männern beim König verpetzt wurden? Betrachten wir Vers 13: Da befahl Nebukadnezar mit Grimm und Zorn, Schadrach, Meschach und Abed-Nego vor ihn zu bringen. Und die Männer wurden vor den König gebracht. Nebukadnezar platzte der Kragen. Sofort mussten Schadrach, Meschach und Abed-Nego vor ihm antanzen. Nun standen die drei Freunde direkt vor dem König. Der Herrscher des riesigen Babylonischen Reiches war nun in unmittelbarer Nähe. Mit einem grimmigen Gesicht muss er die drei Freunde tief in die Augen geschaut haben. Wie? Wollt ihr, Schadrach, Meschach und Abed-Nego, meinen Gott nicht ehren und das goldene Bild nicht anbeten, das ich habe aufrichten lassen? Wohlan, seid bereit! Sobald ihr den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Zithern, Flöten, Lauten und aller anderen Instrumente hören werdet, so fallt nieder und betet das Bild an, das ich habe machen lassen! Werdet ihr es aber nicht anbeten, dann sollt ihr sofort in den glühenden Ofen geworfen werden. sagte Nebukadnezar zu den Dreien. Wie furcht einflößend musste dieser Moment gewesen sein! Es ist noch einmal etwas anderes sich in der unmittelbaren Nähe des Königs dessen Gebot zu widersetzen als aus der Ferne. Da kann selbst einem gottesfürchtigen Gläubigen schon das Herz in die Hose rutschen.

Nebukadnezar hatte sein Gebot noch einmal wiederholt. Offensichtlich bekamen Schadrach, Meschach und Abed-Nego eine zweite Chance. Eigentlich hätten die Drei schon längst in den Feuerofen geworfen werden müssen. Denn der Herold rief ja aus: „Der soll sofort in den glühenden Ofen geworfen werden.“ Doch nun galt´s. Wenn sie sich immer noch weigerten, würden sie ganz sicher in den Feuerofen geworfen werden.

Lasst sehen, wer der Gott ist, der euch aus meiner Hand erretten könnte! Sagt Nebukadnezar schließlich. In der wortwörtlichen Übersetzung heißt es: Und wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand retten könnte? Kommen uns solche Worte nicht bekannt vor? Wo ist ein Gott unter den Göttern aller Länder, der sein Land aus meiner Hand errettet hätte, dass allein der HERR Jerusalem aus meiner Hand erretten sollte? sagte einmal der assyrische König Sanherib zum Volk Israel.

Wie Sanherib war auch Nebukadnezar von sich selbst überzeugt. Beide hatten den Glauben an ihre Macht. Sie waren sich so sicher, dass niemand, nicht einmal Gott die Menschen von ihrer Strafe retten könne. Dieser Glaube war gar nicht so aus der Luft gegriffen. Er wurde durch menschliche Erfahrungen immer wieder bekräftigt. Sie hatten so viele Nationen besiegt. Und nie war da ein Gott, der sein Volk aus deren Hand erretten konnte. Und auch so machte Nebukadnezar immer wieder die gleiche Erfahrung: Wenn er jemand bestrafen wollte, dann wurde dieser auch tatsächlich bestraft. Wann hatte er es schon erlebt gehabt, dass ihn jemand dabei aufgehalten hat. Was er wollte, das geschah. Warum sollte es jetzt bei Schadrach, Meschach und Abed-Nego anders sein? Wenn er anordnete, dass sie in den Ofen geworfen werden sollen, dann wird dies auch ganz sicher getan. Und wenn sie im Ofen sind, dann werden sie auch ganz sicher verbrennen. Wie sollten sie da noch errettet werden können? Soweit Nebukadnezars Glaube.

Welchen Glauben hingegen vertraten die drei Freunde Daniels? – Lesen wir gemeinsam die Verse 16 und 17: Da fingen an Schadrach, Meschach und Abed-Nego und sprachen zum König Nebukadnezar: Es ist nicht nötig, dass wir dir darauf antworten. Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er erretten.

Die drei Männer sagten sinngemäß: Es ist nicht nötig auf deine Frage: Und wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand retten könnte? zu antworten. Natürlich kann uns unser Gott, den wir verehren, erretten, selbst dann, wenn wir uns schon im Ofen befinden. Du kannst so mächtig sein wie du willst, für Gott ist es aber überhaupt gar kein Problem, uns auch aus deiner Hand zu erretten. Vorausgesetzt natürlich Er will es.

Während Nebukadnezar fest an seine Macht glaubte, glaubten die Drei fest an die Allmacht Gottes. So kann er uns erretten, bezeugten sie dem König. Was bezeugten sie ihm noch? – Lesen wir gemeinsam Vers 18: Und wenn er´s nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen.

So sollst du dennoch wissen“, sagten sie. Mit einer faszinierenden geistlichen Autorität traten die drei Freunde dem König entgegen und erteilten ihm dann eine klare Absage: „dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen“.

Auch wenn Gott sie nicht retten wollte, waren die drei Freunde nicht bereit, das goldene Bild anzubeten. Die drei Freunde hatten die Haltung: „Ich bleibe im Glauben, auch wenn es mir mein Leben kostet“. „Auch wenn die Leiden schrecklich sind; auch wenn mein Glaube mich sozusagen „verraten“ würde, trotzdem halte ich an meinen Glauben fest.“ Ihnen war Gott zu ehren wichtiger als der größte Schaden. Ihr Glaube ging über ihren Tod hinaus.

Dies war ein mächtiges Bekenntnis der drei Männer gegenüber Nebukadnezar. Es hatte etwa die Botschaft: „Nebukadnezar, dieses Leben ist nicht alles. Unser ein und alles ist der lebendige Gott.“

Ist dein und mein Glaube so wie der der drei Freunde? Können wir solch ein klares Bekenntnis ablegen. Wir sollen solch einen Glauben wie den der drei Männer haben. Heißt das jetzt, dass wir alle in den Feuerofen müssen?

Nein, der Glaube der Drei war durch zwei wesentliche Dinge gekennzeichnet. Erstens dass sie fest an die Allmacht Gottes glaubten. So kann er uns erretten, sagten sie. Wenn wir uns selbst in den schrecklichsten Nöten und Problemen befinden, so sollen wir wie die Drei fest daran glauben, dass Gott helfen kann, dass Gott befreien kann.

Zweitens sollen wir aber unseren Glauben nicht an festen Erwartungen bzgl. Gottes Eingreifen knüpfen und unseren Glauben nicht davon abhängig machen, ob Gott diese Erwartungen erfüllen wird oder nicht. Unser Glaube soll nicht nur teilweise, sondern komplett gottzentriert sein, sodass wir bereit sind Glauben zu halten, selbst wenn wir dafür den größten Schaden erleiden müssten.

Wie konnten die drei Freunde so einen wunderbaren Glauben lernen? Aufschluss hierfür geben uns drei Stellen aus dem Neuen Testament: Im Johannes-Evangelium heißt es an einer Stelle: Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist´s, der mich liebt. Wir können davon ausgehen, dass die klare Haltung der drei Freunde aus einer intakten Liebesbeziehung mit Gott resultierte. Sie führten ein persönliches Glaubensleben vor Gott, wo sie ständig danach trachteten, Gottes Gebote zu halten. Als dann die unerwartete Not einbrach, konnten sie ihr mit einem festen Glauben entgegentreten.

Wenn wir in der intakten Liebesbeziehung mit Gott leben, dann bleiben wir geistlich fit und werden im Glauben wachsen. Wenn dann eine unerwartete Not einbricht, werden wir nicht allzu leicht von ihr umgehauen, sondern können ihr mit festem Glauben entgegentreten.

Die klare Haltung der drei Freunde resultierte aus einer intakten Liebesbeziehung mit Gott. Wenn wir ein persönliches Glaubensleben vor Gott, wo wir ständig danach trachteten Gottes Gebote zu halten, dann werden wir nicht allzu leicht von Nöten umgehauen, sondern können klaren Glauben aufweisen. Die zweite Stelle ist Folgende: Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. Die drei Freunde fürchteten Gott mehr als den König. Durch die Gottesfurcht können wir die Furcht vor den Menschen überwinden und dadurch Glauben halten, selbst wenn uns schreckliche Konsequenzen angedroht werden. Die dritte Stelle finden wir im Hebräer-Brief: Andere aber sind gemartert worden und haben die Freilassung nicht angenommen, damit sie die Auferstehung, die besser ist, erlangten. Wir können von der Haltung der drei Freunde, die nicht an ihre hohe Stellung, ja an ihrem Leben nicht hingen, ausgehen, dass sie Glauben an die Auferstehung hatten. Wenn wir aus der Hoffnung an die Auferstehung leben, dann werden wir nicht an diesem Leben hängen und unseren Glauben nicht von einem irdischen Segen abhängig machen.

Alles schön und gut. Die drei Freunde hatten einen klaren Glauben. Aber Nebukadnezar auch. Wessen Glaube hatte denn nun Recht? Welcher Glaube wurde bestätigt?

Teil 2: Gottes wunderbare Rettung (V. 19-30)

Wie reagierte der König auf das mächtige Bekenntnis der drei Freunde? – Betrachten wir die Verse 19-20. Die klare Weigerung der Drei ließ Nebukadnezar regelrecht vor Wut explodieren. Während er den Dreien zuvor noch eine Chance geben wollte, fing er nun an sie über alles zu hassen. Daher verschärfte er die Strafe. Er machte den Ofen noch heißer als gewöhnlich. Siebenmal so viel bedeutet wohl so heiß wie möglich. Er wählte sogar seine besten Männer aus, die die Drei festbinden und in den Feuerofen werfen sollten. Damit sie ja nicht auf irgendeine Weise der Strafe entkommen könnten. Nebukadnezar handelte also jetzt ganz gemäß seinem Glauben. Es fand jetzt sozusagen ein Battle statt zwischen dem Glauben von Nebukadnezar und dem Glauben der drei Freunde. Dabei bekamen Nebukadnezar einen Vorsprung, sodass er mal frei nach seinem Glauben handeln konnte.

Doch was berichtet uns Vers 22: Weil das Gebot des Königs so streng war, schürte man das Feuer im Ofen so sehr, dass die Männer, die Schadrach, Meschach und Abed-Nego hinaufbrachten, von den Feuerflammen getötet wurden.

Das Feuer im Ofen war so heiß, dass Nebukadnezars beste Männer bereits durch die Feuerflammen aus der Ferne verbrannten. Die Idee des Königs, seine besten Männer einzusetzen, war also im wahrsten Sinne des Wortes ein Schuss in den Ofen. Er verlor seine besten Männer, und das gerade durch das besonders heiße Feuer. So machte Gott die beiden Maßnahmen die der König gegen die drei Freunde traf, zur Torheit. Es stand jetzt 1:0 für den Glauben der drei Freunde.

Was war aber mit Schadrach, Meschach und Abed-Nego? Bewahrte sie Gott vor dem Feuerofen? – Betrachten wir Vers 23: Aber die drei Männer, Schadrach, Meschach und Abed-Nego, fielen hinab in den glühenden Ofen, gebunden wie sie waren. Nein, sowohl Schadrach als auch Meschach und Abed-Nego fielen tatsächlich in den Ofen hinein, gebunden wie sie waren. Bereits im Vers 21 wurde dies klipp und klar berichtet, dass die drei Männer tatsächlich und in ihrer gesamten Kleidung in den Feuerofen geworfen wurden. Nun sah es so aus, als hätte Nebukadnezars Glauben gesiegt.

Doch welchen unerwarteten Wendepunkt leitete Gott ein?

Betrachten wir die Verse 24-25: Da entsetzte sich der König Nebukadnezar, fuhr auf und sprach zu seinen Räten: Haben wir nicht drei Männer gebunden in das Feuer werfen lassen? Sie antworteten und sprachen zum König: Ja, König. Er antwortete und sprach: Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen und sie sind unversehrt; und der vierte sieht aus, als wäre er ein Sohn der Götter.

Als die drei Freunde in den Ofen geworfen wurden, schaute Nebukadnezar von außen dem Feuer zu. Er wollte mit eigenen Augen sehen, wie diese Männer verbrannten. Doch was er dann zu sehen bekam, war wirklich unglaublich: Die drei Männer lebten noch, obwohl sie sich innerhalb des Feuerofens befanden. Sie bewegten sich frei im Feuer, als würden sie im Ofen spazieren gehen. Aber nicht nur das, Nebukadnezar bemerkt zuerst eine andere erstaunliche Tatsache: In dem Ofen waren vier und nicht drei Männer. Wie war dies möglich? Dass aus drei allmählich zwei und dann eins und schließlich null werden, ist nachvollziehbar. Aber wie konnten aus drei vier werden? Und dazu sah der vierte Mann herrlich aus, laut Nebukadnezar wie ein Sohn der Götter.

Na Nebukadnezar, was war denn da los im Ofen? Lass es mich dir sagen: Das was du da im Ofen zu sehen bekommst, ist die mächtige Antwort Gottes auf deine Frage: Und wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand retten könnte?

Gott errettete seine Knechte nach seinem Verheißungswort aus Jesaja, das lautet: und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.

Und weil Gott der Glaube der Männer so sehr gefiel, ging Gott selbst oder ein Engel mit ins Feuer hinein zu ihnen, um sie zu erretten. Gott hätte auch den Feuerofen auslöschen können oder eine andere Errettungsmaßnahme ergreifen können. Doch Gott gefiel es, am Schicksal der Männer direkt teilzunehmen und sie dann zu erretten. So bekannte Gott sich in einer wunderbaren Weise zu seinen Knechte, die sich zuvor zu ihm ganz klar bekannt hatten.

Nun war es klar. Der Glaube der drei Freunde hatte gesiegt. Gott hatte den Glauben seiner drei Knechte in herrlichster Weise bestätigt und gleichzeitig Nebukadnezar gedemütigt. Wie ging Nebukadnezar mit dieser mächtigen Offenbarung Gottes um? Erkannte er sie an?

Betrachten wir den Vers 26: Und Nebukadnezar trat vor die Tür des glühenden Ofens und sprach: Schadrach, Meschach und Abed-Nego, ihr Knechte des Höchsten, tretet heraus und kommt her! Da traten Schadrach, Meschach und Abed-Nego heraus aus dem Feuer.

Der König befahl Schadrach, Meschach und Abed-Nego aus dem Ofen herauszutreten. Aber er redete nun in einem ganz anderen Ton zu ihnen. Er begann Respekt zu ihnen zu haben, indem er sie als „Knechte des Höchsten“ bezeichnete.

Man kann Vieles gegen Nebukadnezar sagen. Aber eins muss man ihm lassen. Er war ein fairer Verlierer. Als ich einmal mit einem Studenten über den Glauben sprach und ihm aufzeigte, wie in der Bibel sich Prophetien tatsächlich erfüllt haben, erwiderte er mir mit der Möglichkeit von Zeitmaschinen. Dieser Student erkannte die Offenbarung Gottes nicht an. Aber Nebukadnezar schon.

Nebukadnezar war nicht der einzige Augenzeuge des Wunders. Betrachten wir Vers 27: Und die Fürsten, Würdenträger, Statthalter und Räte des Königs kamen zusammen und sahen, dass das Feuer den Leibern dieser Männer nichts hatte anhaben können und ihr Haupthaar nicht versengt und ihre Mäntel nicht versehrt waren; ja, man konnte keinen Brand an ihnen riechen.

Die Statthalter und Oberbeamten waren auch dabei. Sie alle konnten sehen, dass die Drei komplett unversehrt waren, nicht einmal die Haare oder ihre Kleidung waren verbrannt. Ja, nicht einmal nach Feuer rochen sie. Einfach niegelnagelneu. Im Originalzustand waren sie geblieben. Nebukadnezar konnte den Dreien nicht auch nur ein einziges Haar krümmen. Dies erinnert an die Worte des Herrn: Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt.

Als die hohen Leute, die Augenzeuge des Wunders geworden waren, wieder in ihre Bezirke zurückgekehrten, sprach sich dieses Ereignis sicherlich im gesamten Reich herum. Auf diese Weise offenbarte und verherrlichte sich Gott im gesamten Babylonischen Reich als den wahren und allmächtigen und rettenden Gott.

Welche Wirkung hinterließ das Wunder auf Nebukadnezar? Lesen wir gemeinsam Vers 28: Da fing Nebukadnezar an und sprach: Gelobt sei der Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut und des Königs Gebot nicht gehalten haben, sondern ihren Leib preisgaben; denn sie wollten keinen andern Gott verehren und anbeten als allein ihren Gott.

Die wundersame Bewahrung der drei Männer veranlasste Nebukadnezar zum Lobpreis Gottes. Ihn beeindruckte, wie Gott so sehr für seine Knechte, die ihm vertrauen, eintrat und rettete, ja sogar dafür bereit war, seinen Engel zu schicken. Während er zuvor das Verhalten der drei Männer als unerhörte Rebellion verstand, betrachtet er es jetzt geistlich: Er sah hinter deren Verhalten ihr Vertrauen, Hingabe und Treue gegenüber Gott bis an den Tot.

Durch die wundersame Rettungstat erwies Nebukadnezar Gott großen Respekt vor, sodass er ein weiteres Gebot erließ – Vers 29: Wer unter allen Völkern und Leuten aus so vielen verschiedenen Sprachen den Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos lästert, der soll in Stücken gehauen und sein Haus zu einem Schutthaufen gemacht werden. Denn es gibt keinen andern Gott als den, der so erretten kann. Nebukadnezar, der zuvor frech gesagt hatte: Und wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand retten könnte?, drohte nun jedem in seinem Reich an, ihn kurz und klein zu hauen, wenn er es wagen würde, Gott zu lästern.

Nebukadnezar erwies nicht allein Gott, sondern auch Schadrach, Meschach und Abed-Nego Respekt, indem er sie wieder in Babel einsetzte und ihnen große Macht gab. Dahinter steckte natürlich der Segen Gottes auf den Glauben seiner Knechte.

Gott änderte das Geschehen in wunderbarer Weise: Was anfangs mit Not und Schwierigkeiten für die drei Männer begann, endete mit großer Errettung und großer Anerkennung. Was anfangs mit Lästerung begann, endete schließlich mit großer Verherrlichung und Ehrfurcht Gottes im gesamten Reich.

Da kann man nur mit Paulus sagen: O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!

Im ersten Teil haben wir gesehen, welchen vorbildlichen Glauben die drei Freunde Daniels hatten. Sie hatten eine feste Zuversicht, auf das, was sie hofften, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Im zweiten Teil bekamen sie Gottes Bestätigung dafür, indem sie tatsächlich aus dem Feuerofen errettet wurden, eben geradeso wie sie hofften und wie sie nicht daran zweifelten, dass Gott das tun kann.

Worauf gründet dein und mein Glaube? Wenn wir unseren Glauben wie Nebukadnezar auf uns bauen oder auf unsere Erfahrungen oder Gefühl oder sonst etwas, dann werden wir früher oder später scheitern. Dies ist nur eine Frage der Zeit. Wenn aber unser Glaube auf Gott, also seine Allmacht und rettende Liebe gründet, dann werden wir erfahren, wie Gott nachträglich unseren Glauben bestätigt und sich zugleich dadurch verherrlicht und sich uns und den anvertrauten Menschen noch mehr offenbart.

Mein Jahresleitwort ist: Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen. Ich wählte dies JLW, weil ich den Wunsch hatte, in diesem Jahr mehr aus Glauben zu leben als wie im letzten Jahr, wo ich darin aufgrund meiner Eigensinnigkeit oft versagt hatte. Die drei Freunde sind mir in der Erfüllung meines JLW ein wirklich gutes Vorbild. Sie verließen sich wirklich nicht auf ihren Verstand. Denn es ist nicht mit dem Verstand zu erfassen, wie Gott einen aus dem Feuerofen unversehrt erretten kann. Stattdessen verließen sie sich von ganzem Herzen auf die Allmacht Gottes und gedachten an ihn in allen ihren Wegen.

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Lesen wir zum Schluss noch einmal das Leitwort: „Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er erretten. Und wenn er’s nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen.“ (3.17.18)

war habe ich Glauben, doch muss ich immer wieder feststellen, wie schnell mir der Glaube entweicht. Insofern beeindruckt mich der Glaube der drei Freunde sehr, wie sie so standhaft sein konnten. Für mich ist es erstaunlich, wie sie bei einem so großen Erwartungsdruck und bei so einer bitteren Strafe dennoch klaren Kurz halten konnten. Aber da sie auch nur Menschen waren, zeigt mir das, dass es nicht unmöglich ist, solchen Glauben zu haben. Hierfür möchte ich mich darum bemühen, stets in der intakten Liebesbeziehung zu leben. Anstatt hin und wieder in Resignation und Unglauben zu fallen, zweitens stets die Tatsache im Herzen behalten, dass Gott mehr zu fürchten ist als Menschen, und drittens aus der Auferstehungshoffnung heraus leben.

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