Predigt: Matthäus 26,31 – 46

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Nicht wie ich will, sondern wie du willst!

Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“

(26,39)

Wir betrachten heute den Gebetskampf des Herrn im Garten Gethsemane und erhalten dabei tiefen Einblick in die Gefühlswelt unseres Herrn Jesus, der sich am Vortag seiner Kreuzigung befand. Eine Frage muss uns unbedingt in den Sinn kommen: Warum ist der heutige Text so wichtig? Wahrscheinlich sind wir nur dann in der Lage Jesu Passaopfer, also das Evangelium, hinreichend zu verstehen, wenn wir uns vor Augen geführt haben, was dieser Schritt für Jesus bedeutete und welchen Gebetskampf er führen musste, um sich darauf vorzubereiten. Das macht den heutigen Text so wichtig, für dich und für mich (weil wir dadurch das Evangelium besser verstehen).

Spurgeon schrieb in seiner Predigt zu Jesu Gebetskampf im Garten Getsemane:
In einem Garten brachte uns Adams Selbstsucht das Verderben und in einem anderen Garten stellt uns das Todesringen des zweiten Adams wieder her. „So sind wir bis an die Pforte des Gartens von Gethsemane gekommen, lasst uns nun eintreten; aber zuerst lasst uns die Schuhe von unsern Füßen ausziehen, wie Mose tat, als er den Busch sah, der mit Feuer brannte und doch nicht verzehrt ward.“ Und dann fügt er folgendes an: „Ich zittre vor der Aufgabe, die vor mir liegt, denn wie soll mein schwaches Wort diese Todeskämpfe beschreiben?“ Und fährt fort mit den Worten: „Ich hoffe, ich habe nicht in vermessener Weise in die Bundeslade hineingeblickt oder in das verhüllte Allerheiligste geschaut.“ Und gegen Ende seiner Predigt schreibt er: „Ich..muss den Vorhang wiederum fallen lassen mit den Worten..: Nur Gott und Gott alleine weiß, wie tief der Schmerz war und wie heiß!“

Ähnlich wie Mose sehen auch wir, wie unser Herr Jesus brannte und doch nicht verzehrt ward. Ziehen auch wir, in geistlicher Hinsicht, unsere Schuhe aus, denn wir betreten den heiligen Boden von Gethsemane.

Teil I Jesus bereitet seine Jünger vor (31-35)

Wir befinden uns am Vorband der Kreuzigung des Herrn. Nach der jüdischen Sitte war der Tag der Kreuzigung bereits am Vorabend eingetroffen. Jesus hatte soeben das letzte, herzbewegende Abendmahl mit seinen Jüngern gehalten und mit ihnen den neuen Bund geschlossen. Ihre Herzen glühten womöglich noch vom Echo ihres Lobgesangs.

Womit konfrontierte Jesus die bewegte Stimmung? Vers 31: „Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr alle Ärgernis nehmen an mir. Denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.“ 500 Jahre zuvor hatte Gott dem Propheten Sacharja dieses Ereignis vorausgesagt. 500 Jahre! Gott hat es gewusst, jeder konnte es nachlesen, Jesus lehrte ihnen die Bibel.

Wie reagierten die Jünger? Verse 33-35: „Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle Ärgernis nehmen, so will ich doch niemals Ärgernis nehmen an dir.“ Das einzige was wir Petrus positiv zurechnen können, war seine gutgemeinten Worte, die aus seinen gutgemeinten Gefühlen stammten. Aber das ist auch schon alles, denn zum einen widersprach er der göttlichen Offenbarung im AT und er widersprach der NT-Offenbarung Jesu. (Er widersprach quasi Gott und Jesus, in der ganzen Bibel).

Und Jesus, der die Wahrheit kennt und lehrt, korrigierte ihn sogleich: „Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Petrus empfing Gottes AT-Prophezeiung, Jesu NT-Prophezeiung und Jesu personenspezifische Prophezeiung. Betrachten wir Vers 35: „Petrus sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste, will ich dich nicht verleugnen. Das Gleiche sagten auch alle Jünger.“ Wisst ihr, es ist immer äußerst problematisch, wenn wir 1) ganz direkt und offen der Bibel oder Gott widersprechen und 2) ein weit aus besseres Bild von uns selbst haben, als die Bibel uns vermittelt.

Petrus und alle Jünger hätten beim Hören der Worte Jesu mit zerbrochenem Herzen auf die Knie fallen und in Sack und Asche Buße tun sollen. Sie hätten an ihre Herzen klopfen und Gott um Beistand bitten sollen.

Wie kann man Menschen helfen, die jede Offenbarung ablehnen und dabei einen hervorragenden Eindruck von sich selbst haben? Durch Lukas 22 erfahren wir, Jesu Gebet, hauptsächlich für Simon aber auch für die anderen Jünger.

Wir sehen, wie Jesus im Wort und im Gebet bemüht war, seine Jünger auf die finstere Stunde vorzubereiten, die bevorstand. Auch wir haben Jesu Wort und Jesu Gebet. Mögen seine vielseitigen Bemühungen uns empfänglich machen, für die Wahrheit.

Teil II Jesu Gebetskampf (36-46)

Was tat unser Herr, nachdem er sich um seine Jünger gekümmert hatte? Betrachten wir Vers 36: „Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hier, solange ich dorthin gehe und bete.“ Angenommen Jesus hätte vor der Aufgabe Gottes fliehen wollen, dann hätte er niemals den Garten Gethsemane aufgesucht. Das würde jeglicher Logik widersprechen. Der Garten war sein gewohnter Aufenthaltsort in Jerusalem. Aus diesem Grund hatte Judas die Soldaten des Hohepriesters dorthin beordert. Und Jesus wusste ganz genau, dass sie ihn dort festnehmen würden. Trotzdem ging Jesus in den Garten. Er war entschlossen, seinem Leiden nicht auszuweichen, sondern entgegen zu gehen.

Was geschah im Garten? Betrachten wir die einzelnen Ereignisse: „Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir!“ (37.38) Unser Herr Jesus war erschüttert. Seine Seele war betrübt bis an den Tod. Er trauerte und zagte.

Spurgeon schreibt über die Verzagtheit Jesu: „Das Wort im Original ist sehr schwer zu übersetzen. Es kann die Abgezogeheit des Geistes bedeuten, seine vollständige Versunkenheit in den Schmerz, so dass jeder Gedanke ausgeschlossen war, der das Elend hätte mildern können. Ein brennender Gedanke verzehrte seine ganze Seele und verbrannte alles, was Trost hätte geben können“ Dann zitiert er Psalm 22: „Mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs (Ps 22,15).“ Goodwin schreibt zum Wort „Zagen“: „Das Wort bezeichnet eine Mattigkeit, Kraftlosigkeit und ein Sinken des Geistes, wie es in Krankheiten und Ohnmachten stattfindet.“ Spurgeon fügt hinzu: „Die Krankheit des Epaphroditus, durch die er dem Tode nahe gebracht wurde, ist mit demselben Wort benannt. Er (Jesus) war in einer furchtbaren Seelen-Ohnmacht und erlitt einen innerlichen Tod, in dessen Begleitung nicht wässrige Tränen des Auges sich fanden, sondern blutiges Weinen des ganzen Menschen“.

Wir sehen, dass Jesus ein Mensch war. Als Mensch war er allen Schwächen und Bedürfnissen eines Menschen ausgesetzt. In seiner dunkelsten Stunde sehnte er sich nach der Gemeinschaft seiner engsten Angehörigen. Sie sollten mit ihm wachen. Ihnen vertraute er den inneren Sturm seines Herzens an. Sie bat er um Unterstützung. Sie sollten mit ihm eine geistliche Gemeinschaft bilden, die Gottes Verheißung trägt.

Was tat Jesus im Anschluss? Vers 39a: „Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete“. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen bzw. Christen wusste Jesus ganz genau, dass menschliche Gemeinschaft niemals genügt, um mit den Konflikten des Lebens zurechtzukommen, schon gar nicht im Angesicht der aller größten Not, wenn die Seele gemartert ist. Er ging ein wenig weiter, nicht zu weit, um die Gemeinschaft seiner Jünger zu verlassen aber weit genug, um eine persönliche Gemeinschaft mit Gott zu haben und fiel nieder auf sein Angesicht und betete: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber“. Die Frage, die sich uns stellt ist: Warum um alles in der Welt war es für Jesus so unerträglich, den Kelch zu trinken? War es der Tod? War es die unerträgliche Folter des Kreuzes?

Spurgeon schlussfolgert in seiner Predigt: „Wir sehen klar, dass sein tiefer Schmerz und sein Elend nicht durch körperliche Pein verursacht waren. Es muss etwas gewesen sein, schärfer als Körperschmerz, schneidender als Hohn, furchtbarer als Verlust, mit dem der Heiland jetzt rang und was ihn trauern und zagen machte…Glaubt ihr, es sei die Furcht vor der nahen …Kreuzigung gewesen? Sie macht nicht einmal solche arme Memmen, wie wir sind, große Tropfen Blut schwitzen, wie hätte sie denn solches Grauen in ihm bewirkt? Leset die Geschichten der Märtyrer und ihr werden sie oft frohlockend finden in der Erwartung der grausamsten Leiden.“

Wie kommen wir der Antwort näher? Dazu müssen wir uns fragen, was der „Kelch“ eigentlich bedeutet, den Jesus nur schwerlich austrinken konnte.

Im Bibelkommentar lesen, dass ein Kelch im AT häufig das Symbol für Gottes Zorn über die Sünde darstellt. „Am folgenden Tag sollte Christus die Sünden vieler tragen – und der Zorn Gottes in seiner ganzen Fülle sollte auf ihn niedergehen.“

Wenn wir uns den Leidensschrei Jesu im Kapitel 27 vor Augen führen, den Jesus aus tiefstem Herzen seines blutenden Körpers und seiner zerbrochenen Seele herausschrie, weil er es einfach nicht ertragen konnte, von Gott verlassen zu werden, können wir andeutungsweise nachvollziehen, was der Kelch für Jesus bedeutete und wie bitter er in Wirklichkeit war. Denn Jesus ist zwar Mensch, doch einzigartig unter den Menschen. Er ist makellos und vollkommen rein, deshalb auch als einziger qualifiziert, sein Leben als Passalamm hinzugeben. Was bedeutet es für den einzig sündenfreien Menschen, der nicht nur Mensch ist, sondern Gottes Sohn, erstmals mit Sünde in Berührung zu kommen? Diese Frage kann keiner von uns beantworten, denn wir alle sind in Sünde geboren und aufgewachsen.

Uns Sündern ist der Umgang mit der Sünde nichts Neues. Damit soll keineswegs der Tatbestand der Sünde in irgendeiner Weise relativiert werden. Wie sehr bereiten uns selbst „kleine Sünden“ Schmerzen zu! Ich sage ein falsches Wort und verletze einen Bruder oder Schwester und kann mich nicht dazu aufrappeln, mich sofort zu entschuldigen. Die Folge ist, dass ich mich ab sofort miserabel fühle, meine Gedanken kreisen einzig darum, meine Seele ist betrübt und mein Gesichtsausdruck verfinstert. Oder ich begehe eine Sünde vor Gott und habe keine Kraft, sofort Buße zu tun. Was geschieht? Eine Woche lang plagt mich schlechtes Gewissen, geistlich gesehen ringe ich um meine Identität und Existenz, ich fühle mich verachtet und verstoßen, weil ich zwar um Vergebung bitten kann aber genau weiß, dass mir die Kraft fehlt, echte Buße zu tun und umzukehren. Doch trotz all der Unannehmlichkeiten im Umgang mit unserer Sünden haben wir es gut, denn wir wissen, dass alle unsere Sünden bereits gebüßt sind.

Im Umkehrschluss bedeutete es für Jesus, die volle Wucht der Sünde der Welt auf sich zunehmen. Eine „kleine Sünde“ von mir genügt und ich bin eine Woche lang wie ein KO-geschlagener. Wer kann sagen, was es für den schuldlosen Jesus bedeutete, zum ersten Mal schlagartig mit der ganzen Sünde der Welt in Berührung zu kommen? Was sah Jesus, als er die Sünde der Welt auf sich zukommen sah? Er sah das Aufblitzen des göttlichen Zorns. Er sah das Gericht Gottes aufflammen. Er sah, wie er als inkarnierter Gott und personifizierte Reinheit zum personifizierten Fluch wurde. „Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht“ (2.Kor. 5,21) Er, der in Ewigkeit im Schoße des Vaters saß und eins war mit ihm, verbunden mit der Quelle der Herrlichkeit und des Lebens, der vollkommenen Frieden im Herzen besaß, sah die Trennung all dessen auf sich einschlagen. Wer kann nachvollziehen, was Jesus durchlitt, als er im Garten auf sein Angesicht lag? „Die ganze Hölle war hineingeträufelt in den Kelch, aus dem unser Gott und Heiland Jesus Christus trinken musste“, schreibt Spurgeon. Allein seine Worte und sein Schweiß und Blut, als Zeichen seiner Agonie, geben uns Zeugnis.

Doch schau, welche Worte unser Herr am Ende seines Gebets an Gott richtete: „doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ (39b) Am Ende des aufrichtigen und ehrlichen Gebets Jesu steht der Wille Gottes. Wir wissen, dass Jesus am Ende seines ersten Gebets noch keinen Frieden gefunden hatte. Doch genau so entschieden, wie er trotz innerer Not nach Gethsemane gekommen war, so entschieden betete er für den Willen Gottes. Jesu Herz war erschüttert, doch seine geistliche Ausrichtung unverändert. Er war zwar Mensch im zerbrechlichen Körper aber nach wie vor das sündenfreie Lamm Gottes.

Was tat Jesus nach seinem ersten Gebetskampf? Verse 40 und 41: „Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“ Ihr Herr und Meister rang im Gebet ums Leben. Er hatte sie darum gebeten, zu wachen und mit ihm zu beten. Und obwohl sie großmäulig angekündigt hatten, ihr Leben für Jesus zu lassen, vermochten sie nicht auch nur eine Stunde zu wachen. Gerade im Anblick ihrer eigenen Anfechtung, hätten sie zumindest für sich selbst beten müssen. Denn es war, wie Jesus es sagte: „Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“ Die Jünger würden sehr bald das volle Ausmaß der Schwäche ihres Fleisches kennen lernen.

Was tat Jesus, der nicht wirklich mit der Unterstützung seiner Jünger rechnen konnte? Vers 42: „Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist’s nicht möglich, dass dieser Kelch an mir vorübergehe, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille!“ Wir sehen, wie unser Herr, der seinen inneren Konflikt offenbar noch nicht gelöst hatte, wiederum im Gebet zu Gott kam und seinen Vater anrief. Wieder schüttete Jesus seinem himmlischen Vater sein Herz aus. „Gibt es keine andere Möglichkeit, die Welt zu erretten? Muss ich diesen Kelch ergreifen, ihn an die Lippen setzen und entleeren?“ Der Gebetskampf unseres Herrn ging in die zweite Runde. Doch, obwohl Jesu Niedergeschlagenheit noch immer nicht beendet war, schloss er sein Gebet mit folgenden Worten ab: „so geschehe dein Wille!“ Die Größe Jesu leuchtet auf. Er lief weder davon, noch setzte er seinen Vater unter Druck. Gottes Wille war und blieb sein höchstes Gebot.

Was taten währenddessen die Jünger? Vers 43: „Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voller Schlaf.“ In ihrem Zustand waren die Jünger kaum anzusprechen. Vielleicht steht auch deshalb im Vers 44: „Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum dritten Mal und redete dieselben Worte.“ Unser Herr, von seinen Jüngern allein gelassen, kam ein drittes Mal im Gebet zum Vater. Er wiederholte sein Gebet.

Leider erfahren wir keine genauen Details darüber, was sich während Jesu dritten Gebets ereignete. Auskunft können wir uns aber durch die Verse 45 und 46 beziehen: „Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, dass der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird. Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.“ Unser Herr gibt uns ein beeindruckendes Beispiel dessen, was es heißt, ein Gebetsleben zu führen. Während viele beten, um Gott mit aller Kraft umzustimmen und seinen Willen zu verändern, fügte sich Jesus dem Willen Gottes und ließ stattdessen sein aufgewühltes Herz verändern. Im Gebet fand er Frieden und Zuversicht: Es gab keinen anderen Weg. Das Heil verlorener Sünder hing einzig und allein vom Blut des Gotteslamms ab. Der Vater muss sich nach wie vor zu seinem lieben Sohn bekannt haben, an dem er Wohlgefallen hat. Und der Vater muss dem Sohn versichert haben, dass das Heil der sündigen Welt in der Hand des Sohns lag. An ihm würde Gottes lang vorbereitetes Erlösungswerk stehen oder fallen. Jesus hatte die Wahl. Kelch oder Verdammung für alle. Und unser Herr entschied sich für seine eigene Verdammung. „Wer kann aber sein Geschick ermessen?“ fragt der Prophet Jesaja auf unserem Herrn blickend. „Er war…voller Schmerzen und Krankheit… Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen… Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53)

Was heißt es für mich, Empfänger der Gnade Jesu zu sein? Ich lerne den persönlichen Bezug des Evangeliums kennen. Mein Heil ist nicht selbstverständlich. Wenn es Jesus schon so schwer gefallen ist, der alle anderen an Heiligkeit und Gehorsam übertrifft, muss der Preis der Sündenvergebung verheerend gewesen sein. So weiß ich, dass ich nicht errettet bin durch ein Dogma oder einem Zauberspruch oder meiner Einbildung, sondern durch die schmerzhafte Entscheidung meines Herrn, sich für meine Sünden hinzugeben. So lerne ich meinen Herrn erneut kennen, über den geschrieben steht: „Lasst uns…aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete“ (Hebr. 12,2). Und schließlich erfüllt sich am Kreuz das prophetische Wort Jesajas: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird“. (Jes 53,7) Jesu unfassbare Hingabe vor Augen führend will ich ihm mit neuem Bewusstsein danken dafür, dass er meine Sünden – mit allen ihren Konsequenzen – auf sich genommen hat. So will ich beherzigen, womit Spurgeon seine Predigt abschließt: „Ich beschwöre euch bei Gethsemane, meine Brüder, liebt ihn recht, der euch so unermesslich liebte und leget dar und werdet dargelegt für ihn.“

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