Predigt: Matthäus 26,17 – 30

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Das Blut des Bundes

Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele
zur Vergebung der Sünden.“

(26,28)

I.Einer unter euch wird mich verraten (17-25)

Guten Morgen! Ja, es ist meine erste Sonntagspredigt. Ich freue mich heute über den ersten Teil des Textes zu predigen.

Es gab eine Phase im Leben Jesu, da tat Jesus viele Wunderzeichen und predigte das Evangelium. Er heilte Kranke, erweckte Tote wieder zum Leben, mit 5 Broten und 2 Fischen ernährte er über 5000 Menschen und vieles mehr. Diese Phase ist vorbei. Wir sind in der Phase in der Jesus direkt nach Jerusalem ging. Er wusste dass dort Leiden und Tod auf ihn warten. Im heutigen Textabschnitt sind wir ein Tag vor Jesu Hinrichtung! Es ist also Jesus‘ letzter Tag. Habt ihr euch schon einmal gefragt, was ihr an eurem letzten Tag tun würdet? Nein. Ich hoffe nicht. Ihr seid alle noch jung und gesund, und habt noch viele viele Tage vor euch. Aber wie verbrachte Jesus seinen vorletzten Tag auf Erden? Betrachten wir den Text.

Vers 17. Das Passahfest stand vor der Tür. Und die Jünger fragten „Wo sollen wir das Passamahl vorbereiten?“. Woher kommt das Passahfest? Ein kurzer Exkurs.

Das Passahfest war ein jüdisches Fest, das ihre Wurzeln im Auszug aus Ägyptenland hat. Damals hielten die Ägypter die Israeliten als Sklaven fest. Gott wirkte Wunder durch Mose und mit Plagen zwang er die Ägypter die Israeliten freizulassen. Die letzte Plage war Gottes Gericht über jede Erstgeburt von Mensch und Tier. Die Israeliten wurden verschont, weil sie ihre Türpfosten und -schwelle mit dem Blut eines Opferlammes markiert haben. Zum Passahfest isst man ungesäuerte Brote mit bitteren Kräutern und Lammfleisch. Übrigens, dieses Fest wird heute immer noch von Juden gefeiert. [Exkurs Ende, zurück zum Text]

In Vers 18 folgende gibt Jesus seinen Jüngern genaue Anweisungen wie und wo das Passahfest vorzubereiten ist. Die Jünger befolgen Jesu Anweisungen.Vers 20. Es ist Abend geworden. Jesus und seine 12 Jünger sitzen zusammen beim Abendessen. Die Stimmung ist gelassen, alle sind beim Essen und Trinken. „Jakobus, gib mir bitte noch ne Lammkeule.“ Sagt Petrus. „Das ist schon dein viertes Stück“ beschwert sich Philippus. Johannes (der Bruder von Petrus) nimmt Petrus in Schutz „als Fischer haben wir soviel Fisch gegessen, und Lammkeule ist mal was besonderes!“ [Kau- und Schmatzlaute] Und während alle noch heiter plaudern und essen warnt Jesus in Vers 21: „Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.“ [Lautes Schlucken]. Schlagartig kippte die Stimmung. In die eben noch lockere leicht heitere Stimmung am Tisch breitet sich Unsicherheit aus. Eine Bibelübersetzung beschreibt die Jünger als bestürzt. Vers 22 sagt, „die Jünger wurden sehr betrübt“. Trauer erfüllt die Jünger. Unsicher fragen sie einer nach dem anderen „Herr, bin ich’s.“ Warum betont Jesus das so sehr? Habt ihr gesehen wie schockiert die Jünger waren, als sie erfuhren, dass der Verräter einer von ihnen sein sollte?! Sie haben so viel miteinander erlebt und durchlebt, sie waren doch mittlerweile zu einer Familie zusammengewachsen. Es ist eine große Familientragödie, dass einer unter den Jüngern Jesus verrät. Jesus bereitete die Jünger auf diesen Schock vor. In Vers 24 erläutert Jesus weiter. Der Menschensohn müsse seinen Weg des Leidens und Sterbens gehen, aber wehe dem der ihn verraten würde, es wäre für ihn besser er wäre nie geboren.

Oh, Judas! [Kopfschütteln] Es war schon der Ratschluss Gottes; es ist schon längst beschlossen: Jesus, das perfekte und untadelige Opferlamm, war bereit Leid, Hohn, Spott und Tod auf sich zu nehmen um die Menschen vor ihrer Sünde zu erlösen. Geistlich befand sich der Mensch im Abgrund des Todes. Jesus befreite uns. Er tauschte mit uns, und ging für uns stellvertretend in den Abgrund des Todes.

Letzte Woche haben wir erfahren, wie Maria mit ganzen Herzen ihr kostbarstes Nardöl zerbrach und über Jesus ausgoß. Und ist das nicht die richtige Form unseren Dank auszudrücken?

Es ist ein unglaublicher Kontrast zu Judas, mit seinem Verrat spuckte er Jesus ins Gesicht und trat ihn mit Füßen. Judas war habgierig. Joh 12 wird Judas als Dieb bezeichnet, er verwaltete die gemeinsame Kasse und bediente sich regelmäßig daraus. Viele Male hatte er Gelegenheit Buße zu tun, und zu Jesus umzukehren, aber er tat es nicht. Ich glaube der Mensch ist Weltmeister wenn es darum geht Sünde zu vertuschen und Ausreden dafür zu finden. Was? Geld gestohlen? Nein, ich habe das Geld verwaltet und plötzlich war es in meiner Tasche. Oder wenn es mit der Ausrede nicht klappt, dann geben wir anderen die Schuld. „Ich war neidisch auf die Reichen, sie sind schuld, dass ich ein Dieb wurde.“

[Anekdote] Ich war auch habgierig und ein kleiner Dieb. Einst, vor vielen Jahren vor Staatsverschuldung und Eurokrise, da gab es noch die DM. Ich hatte 2 10-Pfennig-Münzen. Ich hatte 20 Pfennig. Der Nachbarsjunge hatte ein 2DM-Stück. Ich überredete ihn, komm, lass uns tauschen. Zwei Münzen sind mehr wert! Gib mir dein 2DM-Stück, dafür gebe ich dir zwei andere Münzen. Er willigte ein. Erst vor einigen Jahren erinnerte ich mich wieder daran. Ich war erwachsen, der damalige Nachbarsjunge auch. Ich ging zu ihm, erzählte diese Geschichte, und zeigte Reue. 2DM Münzen gab es keine, ich gab ihm 2 Euro.

Ziehen wir doch einen Schlussstrich und seien ehrlich, ehrlich vor uns selbst, vor unseren Mitmenschen und vor allem vor Gott.

II.Das ist mein Blut des Bundes (26-30)

Letzte Woche haben wir erfahren, wie eine Frau Jesus in Betanien gesalbt und dadurch ihre Liebe zu ihm ausgedrückt hat. Jesus nahm ihre Hingabe an und sagte, dass sie ihn bereits für sein Begräbnis gesalbt hatte. Heute wollen wir betrachten, wie Jesus am nächsten Tag mit den Jüngern das Abendmahl gefeiert hat. Es gab und gibt sicher etliche bedeutsame Abendessen, bei denen zum Beispiel Staatschefs ein politisches Bündnis beschlossen oder CEOs die Fusion ihrer Konzerne besprochen haben. Aber das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern ist von unvergleichbar größerer Bedeutung; denn Jesus hat dabei Gottes Werk zur weltweiten Rettung der Menschen vor dem Tod und den Bund, den Gott dazu mit uns eingeht, auf denkbar anschauliche und gleichzeitig voll gültige Weise dargestellt. Möge Gott uns helfen, die Bedeutung des Abendmahls neu ganz persönlich zu verstehen!

Wie wir im ersten Teil erfahren konnten, hat sich Judas bis zum Schluss geweigert, für seine Sünde Buße zu tun. Nach dem Bericht des Johannesevangeliums verließ Judas danach die Gemeinschaft Jesu mit den Jüngern und ging hinaus. Jesus muss wegen Judas‘ Sünde und wegen seinem eigenen bevorstehen­den Leiden sehr bekümmert gewesen sein. Aber er setzte das Passamahl mit den übrigen elf Jüngern fort. Jesus war dieses Passamahl offenbar sehr wichtig; denn dabei wollte er den Jüngern und uns etwas vermitteln, das für alle Menschen von lebenswichtiger Bedeutung ist und eine neue Epoche in Gottes Heilswerk markiert. Was tat und sagte er nämlich bei diesem Abendmahl? Betrachten wir Vers 26:„Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.“ Im Verlauf des Essens nahm Jesus das Brot, dankte und brach es und verteilte es an die Jünger, womit er noch der jüdischen Tradition des Passamahls entsprach. Doch gleichzeitig ging er weit darüber hinaus, indem er dabei sagte: „Nehmet, esset; das ist mein Leib.“ Das Brot, das Jesus brach und den Jüngern gab, stand für seinen Leib, der am nächsten Tag tatsächlich am Kreuz zerbrochen würde. So wie beim Essen das Brot zerbrochen und völlig verzehrt wird, würde Jesu Leib völlig hingegeben werden.

Danach nahm Jesus auch den Kelch mit Wein. Die Verse 27 und 28 sagen: „Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ Der Kelch repräsentiert Jesu Blut, das er bald für sie vergießen würde. Jesus forderte die Jünger dazu auf, dass sie alle aus diesem Kelch trinken sollten, der für das Blut Jesu stand. Sie sollten also das Blut Jesu, das er für sie vergoss, trinken, es völlig annehmen und verinnerlichen. – Bis eben noch hatte beim Passamahl das Lamm im Mittellpunkt gestanden, das sie geschlachtet hatten und aßen. Nun machte Jesus deutlich, dass er selbst das wahre Passalamm ist, das für die Sünden der Welt stirbt, und dass es darum geht, von ihm zu essen und zu trinken. So offenbarte Jesus an diesem Passamahl den eigentlichen tiefen Sinn des Passa.

Lasst uns das noch besser verstehen! Betrachten wir noch einmal den Vers 28: „Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ Hier hat Jesus sein Blut, das er vergießen würde, „Blut des Bundes“ genannt. Damit verkündig­te er, dass er in seinem Blut, das er bald am Kreuz vergießen würde, einen Bund stiftete, den er uns Menschen anbietet. Das griechische Wort für Bund heißt „diateches“, was so viel wie „durch Vertrag“ bedeutet. Wie wir wissen, ist ein Bund eine feste Abmachung zwischen zwei oder mehreren Parteien, die unbedingt gehalten werden muss. Zum Beispiel gibt es Bündnisse zwischen Staaten wie etwa die NATO oder Bündnisse zwischen einzelnen Menschen wie zum Beispiel den Ehebund. Auch bei vielem anderem brauchen wir eine feste Abmachung bzw. einen rechtsgültigen Vertrag, etwa wenn man ein Grundstück kauft oder einen neuen Handyvertrag abschließt. Wenn wir die Bibel lesen, finden wir, dass es aber auch schon mehrfach einen Bund zwischen Gott und Menschen gab. Während bei einem Bund zwischen zwei Menschen die Partner gleich oder mindestens vergleichbar sind, sind bei einem Bund zwischen Gott und Menschen die Bundespartner extrem ungleich. Trotzdem lesen wir in 1. Mose 9, dass Gott einen Bund mit Noah und seinen Söhnen schloss und ihnen feierlich versprach, nie wieder eine Sintflut auf die Erde kommen zu lassen, und ihnen als Zeichen den Regenbogen gab (1.Mose 9,8-17). Gott schloss später einen Bund mit Abraham und versprach ihm, seinen Nachkommen das Land Kanaan zu geben und ihn, der kein einziges Kind hatte, zu einem großen Volk zu machen (1.Mose 15,17-21; 17,1-27). 430 Jahre später schloss Gott dann mit dem ganzen Volk Israel einen Bund am Berg Sinai, wo er ihnen das Gesetz gab und ihnen versprach, dass er ihr Gott sein und sie für ihn ein König­reich von Priestern und ein heiliges Volk sein würden (2.Mose 19,5.6; 24). Diesen Bund nennen wir den alten Bund oder – nach einem andern griechischen Wort für Bund – das Alte Testament. Bei diesem Bund spielte das Blut von Opfertieren eine entscheidende Rolle. 2.Mose 24,8 berichtet über die Zeremonie der Bundesschließung: „Da nahm Mose das Blut und besprengte das Volk damit und sprach: Seht, das ist das Blut des Bundes, den der Herr mit euch geschlos­sen hat aufgrund aller dieser Worte.“ Der Alte Bund wurde also mit Blut von Opfertieren besiegelt, und es diente auch fortwährend zur Bedeckung der Sünden der Israeliten. Und wir verstehen auch leicht, warum das nötig ist. Denn wenn zwei Menschen, die beide Sünder und damit ähnlich gut bzw. schlecht sind, einen Vertrag miteinander schließen, können sie sich einfach irgendwo treffen, jeder seinen Kugelschreiber auspacken und den Vertrag unterschreiben. Aber als Gott, der ewig und heilig ist, mit sündigen Menschen einen Bund schloss, stand die Sünde im Weg und machte es nötig, dass er durch Opfer mit Blut geschlossen wurde. Dieser alte Bund galt über 1200 Jahre lang, von der Zeit von Mose bis Jesus. Doch hier nun beim Abendmahl verkündigte Jesus den neuen Bund, den er in seinem Blut schloss und den er nicht allein den Israeliten, sondern allen Menschen anbietet. In diesem Bund, dem Neuen Testament, verspricht Jesus uns die Vergebung der Sünden und aufgrund dessen neues, ewiges Leben. Jesus hat uns diesen Bund angeboten, obwohl er wusste, dass wir Menschen als Bundespartner nicht wirklich treu sind. Die Jünger hatten gerade alle gezeigt, wie instabil ihre Beziehung zu Jesus war, Judas‘ Sünde demonstrierte auf schmerzliche Weise, wie weit jemand gehen kann, der Jesu Liebe erfahren hat. Aber trotzdem hat Jesus ihnen und uns den Bund in seinem Blut angeboten. Jesus selbst ist dabei als unser Bundespartner absolut treu und wird den Bund halten. Ohnehin liegen die Pflichten bei diesem Bund fast vollständig auf seiner Seite, nämlich dass er sein Blut vergießen würde und uns aufgrund dessen die Vergebung der Sünden schenkt und uns so zum ewigen Leben führt. Jesus hat den entscheidenden Akt zur Erfüllung des neuen Bundes bereits am folgenden Tag getan, indem er am Kreuz seinen Leib hingab und sein Blut vergoss, das rein und heilig ist und vor Gott viel mehr wiegt als das Blut der Opfertiere im Alten Testament. So sagt die Stelle in Hebräer 9,13-15 über die Bedeutung von Jesu Hingabe: „Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche von der Kuh durch Bespren­gung die Unreinen heiligt, sodass sie äußerlich rein sind, um wie viel mehr wird dann das Blut Christi, der sich selbst als Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! Und darum ist er auch der Mittler des neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen.“ Diese Verse sagen uns, was für eine große Bedeutung und starke Wirkung das Blut Jesu hat, das er vergossen hat, um den neuen Bund zu stiften. Denn wenn schon das Blut von Ziegenböcken und Rindern vor Gott ausreichten, um den Israeliten ihre Sünden zu bedecken, wie viel mehr reinigt uns das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, und zwar nicht nur äußerlich, sondern in unserem Gewissen, sodass wir anders denken und anders leben können. Jesu Blut hat die Kraft, uns von allen Sünden zu reinigen, sodass wir dadurch in ihm bleiben und das ewige Leben erlangen werden. Jesu Blut ist gleichzeitig das Siegel des neuen Bundes, das demonstriert, dass dieser Bund absolut gültig und zuverlässig ist und nicht gebrochen werden kann, sondern von Gott sicher erfüllt wird.

Welche Auswirkungen hat es, wenn wir diesen Bund mit Gott eingehen? Zum einen bekommen wir eine neue Identität, und zwar als Gottes Bundespartner. Wir sollen uns ganz unabhängig davon, wer wir bisher waren und wie stark oder schwach wir sind, bewusst machen, dass wir Gottes Bundespartner sind, und mit dieser Identität leben. Wie großartig ist das! Viele Unternehmen sind stolz, wenn sie Geschäftspartner eines großen Unternehmens wie zum Beispiel BMW oder der BASF sind . Manche Leute sind stolz, weil sie Ehepartner eines berühmten Politikers sind, zum Beispiel die Frau von Barack Obama oder der Mann der Königin von England. Aber wie viel größer und wie viel bedeutungsvoller ist es, ein Bundespartner des lebendigen Gottes zu sein! Dadurch erlangen wir nicht nur ein paar irdische Privilegien, sondern die vollständige Lösung unseres größten und schlimmsten Problems, der Sünde und des Todes, und erlangen neues Leben mit Gott und das ewige Leben in Gottes herrlichem Reich! Preisen wir Jesus, der uns durch sein Blut den neuen Bund gegeben hat!

Wie sollen wir dann als Bundespartner Jesu leben? Betrachten wir noch einmal die Verse 26-28. Wenn wir diese Verse sorgfältig lesen, stellen wir fest, dass Jesus seine Jünger bei der Einsetzung des neuen Bundes nur zu einem aufgefordert hat, nämlich dazu, dass sie seinen Leib essen und sein Blut, das er für sie vergießen würde, trinken sollten. Als Bundespartner Jesu müssen wir vor allem das tun. Jesus hat das hier nicht zum ersten Mal gelehrt. Schon nach der Speisung der Fünftausend hatte Jesus in Johannes Kap. 6 zu dem Volk gesagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmer­mehr dürsten“ (Joh 6,35). Als die Leute Schwierigkeiten hatten, diese Worte zu verstehen, sagte Jesus weiter: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt“ (Joh 6,51). Als die Juden an diesen Worten Anstoß nahmen, erklärte es Jesus noch deutlicher und sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“ (Joh 6,53-56). Jesus hat hier sehr oft wiederholt und betont, dass wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken müssen, damit wir geistliches Leben haben. Es reicht nicht, wenn wir zu Jesus nur eine vage Beziehung haben. Wir müssen Jesu Fleisch essen und sein Blut trinken, damit wir in ihm bleiben und schließlich das ewige Leben haben werden. Es ist für uns als seine Bundespartner unbedingt notwendig, dass wir von Jesu Fleisch und Blut essen und trinken, und zwar täglich und beständig. So wie wir jeden Tag mehrmals physische Nahrung essen, um unseren Körper gesund und am Leben zu erhalten, so müssen wir auch täglich von Jesu Leib essen und sein Blut trinken, damit wir geistliches Leben in uns haben. Jeder weiß, dass es nicht reicht, wenn wir nur alle paar Tage oder gar nur einmal in der Woche essen würden. Wir sollten uns darüber klar sein, dass es geistlich genauso wenig reicht, wenn wir nur alle paar Tage von Jesu Leib essen und von seinem Blut trinken; wir werden immer schwächer und immer anfälliger für alle Arten von geistlichen Krankheiten. Darum lasst uns jeden Tag als Jesu Bundespartner zu ihm kommen, wie wir sind, mit all unseren kleinen und großen Schwächen und Sünden, und sein Fleisch essen und sein Blut trinken, damit wir von ihm die Vergebung und Reinigung empfangen und geistlich erneuert und stark werden, sodass wir seinen Willen tun können.

Wie können wir das aber konkret tun? Die Worte über das Abendmahl, die Apostel Paulus im 1. Korintherbrief als Worte vom Herrn Jesus zitiert hat, können uns darüber Aufschluss geben. Dort heißt es: „Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weiter­ge­geben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1.Kor 11,23-26). Hier hat Jesus wiederholt gesagt, dass wir es zu seinem Gedächtnis tun sollen. Es geht also darum, dass wir uns daran erinnern, wie Jesus am Kreuz seinen Leib gegeben und sein Blut vergossen hat, um für unsere Sünden Sühnung zu schaffen und Vergebung zu ermöglichen, und unser Gedächtnis bzw. unser Bewusstsein damit prägen. Dies können wir tun, wenn wir zum Beispiel beim Betrachten des Täglichen Brots am Morgen oder beim Stellungnahme schreiben die Berichte der Evangelien und andere Worte der Bibel bis dahin betrachten, dass wir sie uns daran erinnern, dass Jesus gerade für uns seinen Leib hingegeben und sein Blut vergossen hat. Das sollen wir so häufig und so intensiv tun, dass wir täglich in geistlichem Sinne seinen Leib essen und sein Blut trin­ken und seine Vergebung, Heilung und Erneuerung erfahren. Wenn wir täglich neu zu Jesus kommen und im Alltag im Gedächtnis behalten, was er für uns getan hat, werden wir unserem Bundespartner allmählich ähnlicher, sodass wir darin wachsen, liebevoll, treu und geduldig zu sein und anderen zu vergeben und für ihr Heil zu wirken. Wir werden allmählich immer mehr von Jesu Eigenschaften bestimmt. Im Gegensatz dazu werden diejenigen, die nicht oder zu selten Jesu Fleisch und Blut essen und trinken, von ihren eigenen Gefühlen, Sorgen und Wünschen geleitet, vom Beispiel anderer Menschen und vom Zeitgeist, der sagt: „Ich will so leben, dass ich Spaß habe; ich will, dass es mir jetzt gut geht …“ Möge Gott uns helfen, jeden Tag in Ruhe zu Jesus zu kommen und uns an seine Heilstat am Kreuz zu erinnern, und sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken und von ihm die Vergebung unserer Sünden und neue geistliche Freude und Kraft bekommen, mit der wir nach seinem Willen handeln können!

Nun könnte jemand sagen: „Das habe ich schon oft versucht; ich habe schon seit langem morgens das Tägliche Brot gelesen und jede Woche eine Stellungnahme geschrieben; und trotzdem ist es für mich schwer in Jesus zu bleiben und als sein Bundespartner zu leben. Was soll ich tun? Welche Hoffnung habe ich?“ Betrachten wir noch einmal das Leitwort. Jesus sagt: „Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ Jesus hat sein Blut für uns vergossen, das alle unsere Sünden bedeckt. Jesus macht hier klar, dass sein Bund fest ist und von ihm nie gebrochen wird, weil er selbst treu ist und weil er ihn mit seinem eigenen Blut besiegelt hat. Deshalb braucht niemand, der den Bund mit Jesus eingegangen ist, jemals die Hoffnung aufgeben. Denn wir haben in Jesus einen starken Bundespartner, der seine Hoffnung für uns nie aufgibt, sondern uns weiter trägt, reinigt und hilft, als sein Bundespartner zu leben, bis er uns in sein Reich führt.

Wir dürfen nur eines nicht machen, nämlich aus Verzweiflung oder irgendeinem Grund selbst aus dem Bund aussteigen und ihn verwerfen. Im ersten Teil der Predigt haben wir betrachtet, dass Judas Iskariot Jesu Einladung zur Buße bis zum Ende ausgeschlagen hat und sich von seiner Habgier dazu verleiten ließ, Jesus zu verraten. Ein anderer Jünger, der ebenfalls in dieser Zeit schwach wurde und Jesus kurz nach seiner Gefangennahme dreimal verleugnete, war Simon Petrus. Auch er wurde mit seiner Tat Jesus untreu und handelte dabei aus niedrigen menschlichen Motiven, nämlich aus Angst vor möglichen Leiden und Tod. Aber wir wissen, dass Petrus nach seiner Verleugnung Jesu bitterlich weinte und von Jesus wiederhergestellt werden konnte, wohingegen Judas Iskariot sich von ihm immer weiter abgewandt hat, bis er schließlich Selbstmord beging. Warum ist Judas Iskariot ein Opfer seiner Sünde geworden, während Petrus geistlich erneuert und einer der größten Knechte Gottes in der Geschichte wurde? Der Grund war, dass Petrus trotz seiner Schwäche und Sünde im Bund mit Jesus blieb, während Judas den Bund mit Jesus verachtet und verließ. Das war aus keinem Grund nötig, sondern seine eigene Willensentscheidung, die er für seine kurzfristigen materiellen Vorteil traf. Möge Gott jedem von uns helfen, den Bund mit Jesus von ganzem Herzen einzugehen und darin fest zu bleiben! Möge Gott uns helfen, als Bundespartner Jesu zu leben und täglich sein Fleisch und sein Blut, die er für uns hingegeben hat, zu essen und zu trinken, damit wir ständig erneuert und gestärkt werden und zu seiner Ehre nach seinem Willen leben können!

Betrachten wir noch die Vers 29 und 30. Nachdem Jesus mit seinen Jüngern das Abendmahl gehalten hatte, sagte er zu ihnen: „Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.“ Mit diesen Worten gab Jesus den Jüngern und auch uns die Hoffnung auf das Leben im Reich seines Vaters, wo wir mit Jesus essen und Wein trinken und herrliche Gemeinschaft haben werden. Zum Abschluss dieses denkwürdigen Passamahls sangen sie den Lobgesang und gingen hinaus an den Ölberg, wo Jesus sich auf sein Leiden konkret vorbereiten wollte.

Lesen wir zum Schluss nochmals die Verse 27 und 28: „Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“

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