Predigt: Matthäus 24,1 – 31

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Das Kommen des Menschensohns

„Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“

(29)

Im heutigen Text betrachten wir, wie eine spontane Tempelbesichtigung der Jünger zu einer gewaltigen Offenbarung Jesu über das Ende des Tempels, seine Wiederkunft und schließlich das Ende der Welt führte. Was heißt es, in der Endzeit zu leben? Worauf sollen wir gefasst sein? Gibt es Grund zur Panik? Welchen Glauben sollen wir vorweisen? Möge Jesus, der auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit wiederkommen wird, alle Fragen beantworten und uns Zuversicht und Gewissheit über die Endzeit schenken. Ihm sei Ehre, dessen Wiederkunft wie der Blitz sein wird, der von Osten nach Westen aufleuchtet. Ihm sei Ehre, der seine Wiederkunft durch viele Zeichen und Erscheinungen ankündigt.

Teil I   Das Evangelium wird in der ganzen Welt gepredigt (1-22)

Was taten die Jünger, als Jesus den Tempel verließ? Vers 1: „Und Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels.“ Die Jünger müssen vom Anblick des Tempels fasziniert gewesen sein. Sie sahen den Tempel nicht zum ersten Mal. Mehrmals waren sie ein und ausgegangen. Dennoch waren sie hingerissen von der architektonischen Beschaffenheit. Und nicht zu Unrecht. Massive Steinblöcke von gewaltigem Ausmaß waren perfekt behauen und ineinander zusammengefügt und mit Gold überzogen. Der Tempel – so erschien es den Jüngern vielleicht – war für die Ewigkeit gebaut.

Was entgegnete aber Jesus zu ihrer gutgemeinten Besichtigungstour? Vers 2: „Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.“ Jesus sah, was sich niemand vorstellen konnte und vorstellen wollte. Und Jesus hatte vollkommen Recht. Die Römer würden 70 n.Chr. den Tempel in Brand stecken und die Steintrümmer aussieben, um das geschmolzene Gold zurückzugewinnen. Kein Stein würde auf dem anderen bleiben.

Wie reagierten die Jünger auf dieses Schreckensszenario? Vers 3: „Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?“ Interessanterweise setzten sie das Ende des Tempels gleich mit dem Ende der Welt. In einem Wisch sollte der Tempel zerstört werden, Jesus wiederkommen und die Welt untergehen. Denn kein Jude konnte sich ein Leben ohne den Tempel vorstellen. Der Tempel war das geistliche Zentrum der jüdischen Welt und der jüdischen Kultur. Dort war das Haus Gottes und Gottes Haus war ein Bethaus. Außerdem wurden dort die Opfer zur Vergebung der Sünden dargebracht. Wie sollte eine Beziehung zu Gott möglich sein, ohne den Tempel?

Im heutigen Text macht Jesus den Jüngern deutlich, dass sie zwar die richtige Reihenfolge der Ereignisse aufgezählt hatten, aber mit falschem Timing. Die Zerstörung des Tempels, die Wiederkunft Jesu und das Ende der Welt würden zwar nacheinander geschehen, aber nicht in kurzen Zeitabständen. Die Welt, im speziellen: die geistliche Welt, kann auch ohne den Tempel weiterexistieren, denn Jesus ist der wahre Tempel. Und wir leben in dieser Zeitspanne, bis unser Herr wiederkommt. Nun beten wir im Namen Jesu. Nun haben wir in Jesus das makellose und ewige Sühneopfer für alle unsere Sünden. Unser Herr Jesus ist nun das Zentrum unseres geistlichen Lebens. Sein Name werde verherrlicht, unter allen Völkern.

„Wann wird das geschehen?“ fragten die Jünger, wann gehen der Tempel und die Welt unter? „Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus und sie werden viele verführen.“ Jesus sagte voraus, dass bis zur Zerstörung des Tempels, also in den bevorstehenden 40 Jahren, Verführungen durch falsche Christusse auf die Gläubigen zukommen würden. Vor diesen sollten sich die Gläubigen in Acht nehmen. Diese standen selbstverständlich nicht auf der Seite Gottes, sondern waren verführerische Scharlatane, mit unlauteren Motiven.

Weiter sprach Jesus: „Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei, seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da.“ (6) Der grausame jüdisch-römische Krieg stand an, dem ca. 1 Mio. Menschen allein in Jerusalem zum Opfer gefallen sind. Doch die Gläubigen sollten nicht erschrecken, denn auch wenn es danach aussah, war es noch nicht das Ende der Welt.

Jesus nannte noch weitere Zeichen: „Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen.“

Alle diese Ereignisse fanden in der Antike, wie vorausgesagt, statt. Jesus sagt, dass diese schrecklichen Dinge geschehen mussten, denn sie sind der Anfang der Wehen. Die Zerstörung Jerusalems war zwar nicht der Weltuntergang, doch die Anfangswehen für das Ende der Welt, das später erfolgen würde.

Welche weiteren Leiden würde auf die Jünger zukommen? Verse 9 und 10: „Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen.“ So sah die Zukunft der ersten Christen aus. Bedrängnis, Verrat, Hass, Abfall und Mord erwarteten sie.

Doch das war noch nicht alles. Verse 11 und 12: „Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.“ Düstere Zeiten standen den Christen bevor. Jeder einzelne würde auf Herz und Niere geprüft werden. Sehr schnell würde sich herausstellen, wer echten Glauben hatte und wer sich oberflächlich zu Jesus bekannte. Viele fielen falschen Propheten zum Opfer, viele hörten im Angesicht der Ungerechtigkeit auf, nach der biblischen Botschaft zu leben und ihre Nächsten zu lieben. Das junge Christentum würde bis aufs Mark und Bein erschüttert werden.

Welche Hoffnung konnte es im Angesicht dieser Bedrohung für die Christenheit geben? Betrachten wir, welchen Rat Jesus seinen Jüngern gab. Lesen wir Vers 13: „Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.“ „Beharren“ bedeutet, an etwas festhalten. Woran sollten die Jünger Jesu festhalten? Um falschen Propheten oder falschen Christusse nicht zum Opfer zu fallen, ist es erforderlich, festzuhalten an Jesus und darauf zu beharren, dass er allein der Herr ist, der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wir müssen auf Jesus beharren! Ein Jünger Jesu soll auch das Wort Gottes festhalten. Er soll darauf beharren, dass nur Gottes Wort wahr ist und nicht die Lehre falscher Propheten und Christusse. Wir müssen auf die Bibel beharren!

Wir erfahren, was im Glaubensleben entscheidend ist. Ein Glaubensleben zu beginnen ist großartig. Doch selig wird nur wer bis ans Ende im Glauben beharrt. Das ist eine notwendige Warnung unseres Herrn, der uns vor einer Herausforderung stellt. Beten wir für Kraft und Beharrlichkeit, um bis ans Ende auszuharren.

Wozu führten schließlich all die Leiden, Verfolgungen und Anfechtungen? Lesen wir Vers 14: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker und dann wird das Ende kommen.“ Tatsächlich bezeugt die Apostelgeschichte, dass die aller erste Christenverfolgung in erheblichem Maße zur Ausbreitung des Evangeliums beigetragen hat. Dieses Phänomen wird auch durch die ganze Geschichte, bis in unsere Zeit, bestätigt, z.B. in China. Heute erleben wir auch, dass sich diese Prophezeiung, die damals nur schwer vorstellbar war, beinahe erfüllt hat. In nahezu jeder Region der Welt hat sich das Evangelium ausgebreitet. Das ist die Vorstufe für das große Ende, das nicht mehr allzu weit sein kann.

Praktisch dienen wir diesem Höhepunkt der Menschheitsgeschichte, indem wir das Evangelium verkünden, damit dieses Zeugnis eine Gelegenheit für die verlorene Welt wird, sich zum Herrn zu bekehren und errettet zu werden. Gott gebrauche und segne unsere Mühen für das Evangeliumswerk.

Was war das unmittelbare Zeichen für die Zerstörung Jerusalem? Welche Warnung gab Jesus seinen Jüngern? Betrachten wir Vers 15: „Wenn ihr nun sehen werdet das Gräuelbild der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, wovon gesagt ist durch den Propheten Daniel – wer das liest, der merke auf! –“ Man nimmt an, dass dieses Zeichen für das Anbringen des römischen Adlers im Tempel erfüllt wurde.

Was sollten die Jünger und die Christen beim Anblick des Gräuelbildes tun? Jesus sagt: „Fliehe auf die Berge“, „steige nicht hinunter“, „kehre nicht zurück“. Beim Anblick sollten sie unmittelbar die Flucht ergreifen und sich in Sicherheit bringen. Diese Warnung wurde zum Segen für viele, die Jesu Worte im Herzen behielten, denn die Römer griffen unerwartet schnell an und umzingelten Jerusalem, so dass sie für eine Million zur Todesfalle wurde.

Es ist unheimlich wichtig, Jesu Worte im Herzen zu behalten, „Denn“, heißt es im Vers 21, „es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird.“ Wie intensiv würde die große
Bedrängnis sein? Vers 22 lautet: „Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.“ Die damalige Bedrängnis war unvorstellbar. Viele Christen wurden getötet und gefoltert. Viele wurden als Sklaven nach Rom verschleppt und mussten den Kolosseum bauen. Nach Fertigstellung wurden sie zur Belustigung der Stadt daselbst den Raubtieren zum Fraß vorgeworfen.

Im Vers 13 warnte Jesus seine Jünger bis zum Ende zu beharren, um selig zu werden. Sie mussten also Geduld, Ausdauer und Treue aufbringen, um den Glauben zu bewahren und selig zu werden. Doch im Vers 22 lernen wir, dass das Seligwerden tatsächlich von der Gnade Gottes abhängt. Denn in Wirklichkeit kann kein Mensch selig werden, egal wie treu und wie stark im Glauben, wenn die Bedrängnisse allzu groß sind. Deshalb verkürzt Gott diese Tage, um der Auserwählten willen. Danken wir Gott und beten zu ihm, auch uns zu helfen, zu überstehen und selig zu werden.

Teil II Das Zeichen des Menschensohns am Himmel (23-31)

Was wird uns in der Zukunft erwarten? Was wird Jesu Wiederkunft einleiten? Betrachten wir Vers 23: „Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus! Oder: Da!“ Bevor Jesus wiederkommt, werden viele von sich behaupten, der Christus zu sein. Was sollen wir tun, wenn jemand sagt: „Siehe, hier ist der Christus! Ode: Da!“? Jesus sagt: „so sollt ihr’s nicht glauben. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, sodass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten. Siehe, ich habe es euch vorausgesagt.“

Unsere Sehnsucht nach der Wiederkunft Christi wird von Menschen ausgenutzt werden, die von sich behaupten, der Christus zu sein und sie werden große Zeichen und Wunder tun und viele werden sie für den Christus oder einen Propheten halten. Aber Jesus sagt ganz klar, dass wir ihnen keinen Glauben schenken sollen und nicht einmal hingehen sollen, sie zu sehen. Wir sollen uns nicht verführen lassen.

Wie wird stattdessen das echte Kommen unseres Herrn sein? Jesus beschreibt es in den Versen 27 und 28: „Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein.“ Jesu Kommen ist wie der aufleuchtende Blitz. Einen Donner kann man leicht voraussagen, nicht wahr? Aber wer kann einen Blitz voraussagen? Wer kann sagen, in welcher Wolke er entsteht und wo er entlangläuft und wo er aufhört? So wird auch das Kommen Jesu sein, zu einem unbekannten Zeitpunkt, der doch alles umfasst.

Doch das Ende der Welt, inklusive Jesu Kommen, geschehen nicht unangekündigt. Jesus beschreibt im Vers 28: „Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.“ Wer Geier am Himmel kreisen sieht, weiß, dass sich Aas in der Nähe befindet, auch ohne das Aas im Blickfeld zu haben. So zeugen auch zahlreiche Zeichen auf das Ende der Welt hin und Jesus hat uns vorgewarnt.

Wie konkretisierte Jesus die Schilderungen über seine Wiederkunft? Vers 29: „Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.“ Jesus beschreibt die heiße Phase, kurz vor seiner Wiederkunft, in der die Kräfte der Himmels ins Wanken kommen.

Dann ist es soweit. „Und dann“ spricht Jesus im Vers 30 (Lesen wir Vers 30 zusammen): „Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ Schließlich erscheint das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und alle Welt wird es sehen. Sie werden sehen, wie Jesus auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit erscheint und herabkommt. Dieses Zeichen wird ein globales Wehklagen auslösen. Die ungläubige Welt wird blitzartig erkennen, was sie stets geleugnet und verneint hat. Mit der kraftvollen und herrlichen Erscheinung Jesu ist die Existenz Gottes nicht mehr zu leugnen. Dann ist die zentrale Rolle Jesu im Werk Gottes nicht mehr wegzudiskutieren, nicht mehr ins Lächerliche zu ziehen, nicht mehr als Unsinn abzustempeln. Dann, wenn das Zeichen des Menschensohns mit großer Kraft und Herrlichkeit am Himmel zu erkennen ist, klagen sie und jammern.

Was tut der wiederkehrende Jesus mit den übriggebliebenen Christen? Im Vers 31 sagt Jesus: „Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen und sie werden seine Auserwählten sammeln von der vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.“ Die Christen, die Jesus angehören und unerträgliche Leiden überwunden haben, werden im Gegensatz zu allen anderen Geschlechtern der Erde von ganzem Herzen Grund zum Jubel haben, wenn das Zeichen des Menschensohns mit Kraft und Herrlichkeit am Himmel erscheint. Und jeder Gläubige wird sich freuen, wenn der helle Posaunenton der Engel Gottes ertönt und wir aus allen Himmelsrichtungen eingesammelt werden.

Wir haben gelernt, dass die Wehen geschehen mussten und dass das Ende kommen wird. Doch eine Geburt ist nicht nur von Schmerzen gezeichnet, sondern auch von großer Freude, da neues Leben entsteht. So ist es auch mit dem Ende der Welt. Heute leben wir in einer Gesellschaft, in der Gott keine Rolle mehr spielt. Es sind andere Mächte, die die Welt regieren, allen voran der Finanzsektor. Die Welt hat Gott mit dem Mammon ersetzt. Doch die Geburtswehen werden die Grundfesten unseres Zeitgeistes erschüttern. Und schließlich zeigt Jesu Wiederkunft die wahre Herrlichkeit Gottes. Dann wird Gott wieder seinen eigentlichen Platz einnehmen und als Gott regieren. Jesus wird triumphal siegen und mit ihm alle, die ihm angehören. Gelobt sei der Name des Herrn, dessen weißer Ratschluss zum Sieg führt.

Ich lerne, Jesu Worte und Warnungen im Herzen zu behalten, denn alles was Jesus sagt, wird in Erfüllung gehen. Diejenigen, die Jesu Worte im Herzen trugen, konnten sogleich reagieren und fliehen und gerettet werden. Auch Ich möchte Jesu Worte in meinem Alltag sogleich umsetzen können. Möge sein Wort allezeit in mir wohnen und möge er mir helfen, bis ans Ende zu beharren, um selig zu werden.

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