Predigt: Matthäus 20,17 – 34

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So wie der Menschensohn

So wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse,
sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“

(20,28)

Heute geht es um wahre Größe. Schon von klein auf vergleichen wir Menschen uns mit andern und streben danach, größer als andere zu sein, nicht nur ein paar Zentimeter länger, sondern auch schneller zu rennen, höher zu springen, besser Fußball oder Klavier zu spielen usw. Später geht es darum, wer coolere Klamotten oder das neuere Handy hat oder bei den Freunden beliebter ist. Später, wer beim Schulabschluss, im Studium und im Beruf erfolgreicher ist oder ein größeres Auto oder Haus hat. Aber was macht einen Menschen wirklich groß? Unser heutiger Text zeigt, dass auch die Jünger Jesu den Wunsch nach Größe hatten und danach strebten, die Nummer eins zu sein. Jesus tadelt ihren Wunsch nicht, sondern lehrt sie, auf welchem Weg man wirklich groß wird und belegt dabei seine Lehre mit seinem eigenen Beispiel. Lasst uns heute erkennen, wie wir wahrhaft große Männer und Frauen werden!

1.Die dritte Ankündigung von Leiden und Auferstehung (17-19)

Betrachten wir den Text. Jesus zog hinauf nach Jerusalem, wo er leiden und sterben würde. Nach Vers 29 befand er sich gerade in Jericho, der letzten Station unten im Jordantal, bevor er Jerusalem oben auf dem Gebirge erreichen würde. Was lehrte Jesus seine Jünger in dieser Zeit? Betrachten wir die Verse 17-19: Und Jesus zog hinauf nach Jerusalem und nahm die zwölf Jünger beiseite und sprach zu ihnen auf dem Wege: Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird den Hohen­priestern und Schriftgelehrten überantwortet werden; und sie werden ihn zum Tode verurteilen und werden ihn den Heiden überantworten, damit sie ihn verspotten und geißeln und kreuzigen; und am dritten Tage wird er auferstehen.“ Jesus nahm die zwölf Jünger extra beiseite und kündigte ihnen sein Leiden, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung an. Es war schon das dritte Mal, dass Jesus ihnen diese Ereignisse ankündigte, und er tat es diesmal so ausführlich wie noch nie vorher. Trotzdem verzichtete Jesus darauf, seine bevorstehenden Qualen und die Dramatik seines Sterbens am Kreuz auszumalen. Obwohl ihn die Gedanken daran beunruhigt haben müssen, redete Jesus sachlich und nüchtern darüber. Dass Jesus so nüchtern darüber redete, zeigt, dass er sein bevorstehendes Leiden und Sterben nicht ichbezogen, sondern als Gottes Ratschluss betrachtete und willens war, ihm zu folgen.

Warum kündigte Jesus ihn sein Leiden zum dritten Mal an? Jesu Leiden, Tod und Auferstehung bilden den Kern von Gottes Werk zur Erlösung der Menschen. Dass die Jünger dieses Werk verstehen würden, war deshalb extrem wichtig. Aber nach Jesu erster Ankündigung hatte Petrus ihm widersprochen und versucht, ihn von diesem Weg abzubringen (16,21-23). Später hatte Jesus ihnen seinen Weg zum zweiten Mal angekündigt, aber die Jünger reagierten statt mit geistlicher Einsicht nur mit traurigen Gefühlen; es heißt über ihre Reaktion lediglich: „Und sie wurden sehr betrübt“ (17,23). Nun blieb nicht mehr viel Zeit. Denn Jesus würde in ein bis zwei Tagen Jerusalem erreichen und in die Stadt einziehen. Fünf Tage später würde er am Kreuz sterben müssen. Es war dringend nötig, dass die Jünger sein Werk zur Erlösung der Menschen verstehen und ihren Glauben und ihr Leben darauf bauen würden. Aber die Jünger erwarteten etwas völlig anderes. Wie wir im anschließenden Abschnitt erfahren, erwarteten sie, dass Jesus ein mächtiges Königreich aufrichten würde, und beschäftig­ten sich damit, wer von ihnen darin welche Position erhalten würde.

Dass die Jünger zu diesem Zeitpunkt mit ihren Gedanken und Vorstellungen immer noch so weit von der Realität entfernt waren, hätte Jesus eigentlich zur Verzweiflung bringen können. Wann würden sie aus ihrer eigenen Gedankenwelt herauskommen und die Wirklichkeit erkennen? Wie würden sie reagieren, wenn Jesus tatsächlich leiden und sterben würde, wenn sie es nicht vom Herzen angenommen und verstanden hätten? Und wie sollten sie später Jesu Tod und Auferstehung der ganzen Welt predigen? Aber Jesus verzweifelte nicht. Stattdessen lehrte er sie noch einmal ausführlich sein bevorstehendes Leiden und Sterben und seine Auferstehung. Jesus lehrte die Jünger wiederholt, damit sie klare geistliche Einsicht bekommen würden. Sie sollten Jesu Leiden und Tod für ihre Sünden nicht bloß theoretisch und vage, sondern von Herzen verstehen, sodass sie nach dem Geist des Kreuzes leben konnten.

Hierdurch wird klar, dass die Wiederholung eine Methode Gottes ist, um uns Menschen zur Einsicht zu verhelfen. Bestimmte Bibelstellen oder ganze Bücher der Bibel wiederholt zu studieren, kann einigen vielleicht manchmal langweilig vorkommen. Aber durch die wiederholte Lehre will Gott uns Menschen helfen, die wir oft in eigenen Gedanken befangen sind, sodass wir davon frei werden und die Wahrheit klar verstehen und einsehen können. Daher sollten wir, wenn wir beim Bibelstudium oder im Gottesdienst einen Text wiederholt betrachten, nicht denken: „Das kenn‘ ich schon, das hab ich schon alles verstanden.“ Denn es ist Gottes Hilfe für uns und eine Gelegenheit von ihm für uns, das, was wir noch nicht wirklich verstanden haben, dieses Mal zu verstehen, damit unser Glaube immer klarer und stärker wird. Wenn wir den nächsten Abschnitt betrachten, stellen wir fest, dass die Jünger offensichtlich auch Jesu dritte Leidensankündigung zunächst nicht verstanden haben (vgl. Lk 18,34). Aber wenn wir den Bericht der Apostelgeschichte und die weitere Geschichte betrachten, stellen wir fest, dass sie diesen Kern des Evangeliums nachher doch klar verstanden und ihr Leben ganz danach geführt haben. – Möge Gott uns helfen, dass wir die Chance durch wiederholte Lehre gut nutzen und dadurch klare Einsicht in die Wirklichkeit und starkes Vertrauen auf ihn bekommen! Möge Gott uns besonders helfen, die Bedeutung von Jesu Leiden und Tod für uns klar zu verstehen und nach dem Geist des Kreuzes zu leben! Gott helfe uns auch, den anvertrauten Menschen mit Geduld und Zuversicht das Evangelium wiederholt zu bezeugen, bis sie zu klarer geistlicher Einsicht durchdringen!

2.Vom Herrschen und Dienen (20-28)

Wer kam zu Jesus, nachdem er die Jünger seinen Weg von Leiden, Tod und Auferstehung gelehrt hatte? Es heißt: „Da trat zu ihm die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und wollte ihn um etwas bitten. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Lass diese meine beiden Söhne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken“ (20.21). Hier tritt eine Mutter von Jüngern in Erscheinung, was in der damaligen Zeit sehr ungewöhnlich war. Sie war die Mutter der Söhne des Zebedäus, also von Jakobus und Johannes, denen Jesus wohl wegen ihres starken aufbrausenden Charakters den Beinamen „Donnersöhne“ gegeben hatte. Die Mutter kam nun zu Jesus mit der Bitte, dass er ihre zwei Söhne in seinem Reich einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken sitzen lassen würde. Vom Kontext her können wir sagen, dass sie mit „in deinem Reich“ ein irdisches messianisches Reich meinte, wie es die Juden von dem kommenden Messias erwarteten und das Jesus nach der Erwartung vieler seiner Jünger nun in Jerusalem aufrichten würde. Das Anliegen der Mutter war offensichtlich auch das Anliegen ihrer zwei Söhne, denn in seiner Antwort hat Jesus Jakobus und Johannes und nicht ihre Mutter angesprochen. Jedenfalls war das Anliegen total entfernt von dem, was Jesus gerade angekündigt hatte. Denn Jesus würde in Jerusalem keine starke Nation Israel aufrichten, sondern würde dort für die Sünde leiden und sterben und nach drei Tagen auferstehen. Aber die Gedanken und Wünsche der ehrgeizigen Brüder und ihrer Mutter waren jenseits dieser Wirklichkeit.

Wie reagierte Jesus? Zuerst sagte Jesus ihnen: „Ihr wisst nicht, was ihr bittet“ (22a). Jesus sagte Jakobus, Johannes und ihrer Mutter, dass ihnen nicht klar war, worum sie baten. Sie dachten, dass sie um die besten Plätze in einem irdischen Reich bitten würden, das Jesus vermeintlicherweise nun bald in Jerusalem aufrichten würde und das für begrenzte Zeit besteht. Aber Jesus würde nach seinem Tod und seiner Auferstehung das ewige Reich im Himmel aufrichten, in dem Gott selbst im Mittelpunkt steht und das ewig besteht. Dort zur Rechten und zu Linken Jesu zu sitzen, ist ein unfassbar großes Privileg. Dann fragte Jesus sie: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?“ Hier lehrt Jesus die zwei Jünger, dass mit ihm in seinem Reich am Tisch zu sitzen, erfordert, auch den Kelch zu trinken, den Jesus trinken würde. Der „Kelch“ steht hier für das seelische und körperliche Leiden bis zum Tod. Wir wissen nicht, wie gut Jakobus und Johannes das begriffen haben. Aber sie antworteten mutig: „Ja, das können wir.“ Sie wollten einfach alles tun, um die angesehenen Plätze neben Jesus zu erlangen. Aber was sagte Jesus ihnen daraufhin? Er sagte: „Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben steht mir nicht zu. Das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist von meinem Vater.“ Jesus sagte ihnen voraus, dass sie wirklich seinen Kelch trinken würden. Wie wir wissen, wurde Jakobus später tatsächlich der erste Märtyrer unter den Aposteln, und Johannes wurde durch seine Verbannung auf die Insel Patmos eine Art „lebender Märtyrer“. Aber trotzdem konnte Jesus ihnen das erbetene besondere Privileg nicht einräumen. Denn wer in seinem ewigen Reich die ehrenvollsten Plätze zur an Jesu Seite bekommt, wird allein von Gott in seiner Souveränität bestimmt.

Wie reagierten die anderen Jünger auf den Vorstoß von Jakobus und Johannes? Vers 24 sagt, dass sie über die zwei Brüder unwillig wurden. Sie ärgerten sich darüber, dass sie sich offenbar für besser hielten und für berechtigt, die angesehensten Plätze zu bekommen; und es hat ihnen gewaltig gestunken, dass sie sich aktiv darum bemühten. Ihr Ärger über die zwei Brüder lässt uns erkennen, dass sie selbst gerne diese Positionen bekommen hätten und nicht einsahen, warum sie hinter dem Brüderpaar zurückstehen sollten. Obwohl die Jünger gemeinsam Jesus nachfolgten und ihm dienten, herrschte unter ihnen latent ständig Konkurrenz und Rivalität.

Wie half Jesus ihnen? Vers 25 sagt: „Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker nieder­halten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun.“ Die Herrscher in der Welt halten ihre Völker nieder, und viele tun ihren Landsleuten sogar Gewalt an, um ihre Macht zu erhalten oder an die Spitze der Macht zu gelangen. Auch in unserer Zeit, nach etwa zweitausend Jahren konnten wir das in Ägypten und in Libyen sehen und sehen es zurzeit in Syrien, wo der Staatspräsident inzwischen mit Kampfhubschraubern und Panzern auf die Landsleute schießen lässt, die gegen seine Regierung Partei ergreifen. Warum sagt Jesus das zu seinen Jüngern? Obwohl keiner der Jünger anstrebte, König zu werden oder Gewalt gegen die anderen Jünger einzusetzen, war das Prinzip, durch das sie groß werden wollten, doch dasselbe; denn sie wollten groß werden, indem sie sich selbst groß machen und die anderen erniedrigen wollten. Sie folgten zwar Jesus nach, aber der Weg, auf dem sie groß werden wollten, war der der Menschen in der Welt.

Wie half ihnen Jesus? Wie wird man wirklich groß? Jesus sagte ihnen: „So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht“ (26.27). Jesu Antwort zeigt, dass er ihren Wunsch, groß zu werden, nicht kritisiert hat; Jesus ist nicht dagegen, dass sie große Menschen werden wollen. Vielmehr hat Jesus ihnen den Weg gezeigt, wie sie wahrhaft groß werden. Dieser Weg ist kurz gesagt, den anderen zu dienen. Was? Durch dienen groß werden? Das klingt paradox! Denn normal sind doch die Diener diejenigen, die „großen Leuten“ dienen! Wieso wird man durch dienen groß? Wenn wir genau hinsehen, sagt Jesus nicht durch dienen; sondern er sagt: „der sei euer Diener“ und „der sei euer Knecht“. Es geht also nicht bloß darum, anderen ab und zu oder öfter zu dienen. Sondern wir müssen uns selbst als Diener identifzieren und mit dieser Haltung anderen begegnen. Ein Knecht fragt gar nicht danach, was er selbst möchte; er richtet sein ganzes Denken und Tun darauf aus, was sein Herr möchte und braucht. Wie wir wissen, galt damals ein Knecht nicht viel mehr als eine Ware, die man beliebig kaufen oder verkaufen konnte. Er hatte immer für den Herrn zur Verfügung zu stehen und zu tun, was sein Herr will. zu sehen. Dass sie selbst Diener sein sollten, bedeutete, dass die anderen Herren waren, um denen sie dienen sollten. Sind die anderen denn etwa besser als sie? Aber gerade dadurch, dass sie sich als Diener der anderen verstehen und ihnen tatsächlich dienen, werden sie wahrhaft groß. Denn diejenigen, die es als ihre Aufgabe sehen, anderen zu dienen, und sich auf deren Bedürfnisse konzentrieren, können sie verstehen und ihnen wirklich helfen. Wenn die Menschen auf diese Weise erlebt, dass ihnen durch die Jünger geholfen wurde, werden sie diese automatisch von Herzen achten und lieben. Die Jünger selbst sind ein gutes Beispiel. Auch wenn sie diese Lehre Jesu vielleicht nicht sofort annehmen und umsetzen konnten, haben sie später doch die Identität als Diener der anderen Menschen angenommen und so gelebt und großen positiven Einfluss auf sie ausgeübt. Wer über die anderen Menschen Macht ausüben und sich selbst dadurch groß machen will, kann nie ihre Herzen gewinnen und wird nicht wirklich als großer Mensch geachtet. Aber wenn wir anderen von Herzen dienen und es zu unserem Ziel machen, ihr Problem zu lösen und ihrem Bedürfnis abzuhelfen, werden wir große Menschen.

Damit die Jünger und wir Jesu Lehre von der wahren Größe ganz klar einsehen können, veranschaulicht er sie noch dem besten Beispiel, nämlich mit seinem eigenen. Lesen wir Vers 28: so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Jesus ist der Sohn Gottes, der himmlische Ehre, Macht und Herrlichkeit hatte. Aber er ist auf die Erde gekommen, um uns Sündern zu dienen. Hier lehrt Jesus, bis zu welchem Punkt er uns Menschen gedient hat und mit welchem Ziel. Sein Dienen hatte das klare Ziel, die Menschen zur Erlösung von unserer Sünde und vom Tod zu führen. Für dieses Ziel hat Jesus alles eingesetzt und hat sogar sein Leben gegeben, damit viele erlöst werden. Wir sollen Jesu Beispiel folgen, indem wir wie er Diener der anderen werden und dabei auch seine Hingabe und auch sein Ziel annehmen, nämlich die Menschen zur Erlösung zu führen. Die Menschen haben viele Probleme, sodass wir manchmal nicht so recht wissen, wie wir ihnen helfen sollen. Aber wir sollen von Jesus lernen, Menschen mit dem klaren Ziel zu helfen, sie zur Erlösung zu führen. Wenn wir dieses Ziel haben, finden wir immer Orientierung, wie wir für sie beten und ihnen helfen können. Wenn wir Menschen mit diesem Ziel dienen, hat unsere Hilfe eine absolute, ewige Bedeutung. Wenn wir Menschen mit diesem Ziel dienen, werden wir wirklich groß. Möge Gott uns helfen, wie Jesus den Glaubensgeschwistern und den Studenten in unserer Stadt und unserm Land zu dienen und dafür hinzugeben, dass viele erlöst werden!

3.Die Heilung von zwei Blinden (29-34)

Was passierte, als Jesus von Jericho wegging? Betrachten wir die Verse 29 und 30: „Und als sie von Jericho fortgingen, folgte ihm eine große Menge. Und siehe, zwei Blinde saßen am Wege; und als sie hörten, dass Jesus vorüberging, schrien sie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!“ Zwei Blinde am Straßenrand hörten die große Menge vorbeigehen. Als sie wohl nachfragten und erfuhren, dass es Jesus war, der die Menge anführte, schrien sie so laut sie konnten nach Jesu Hilfe. Dass sie dabei Jesus „Herr, du Sohn Davids“ nannten, zeigt, dass sie Jesus für den verheißenen Messias hielten, der als Nachkomme Davids kommen sollte. Die Leute um sie herum fuhren sie an, dass sie schweigen sollten. Sie meinten, dass zwei blinde Menschen kein Recht hätten, die Aufmerksamkeit Jesu zu beanspruchen, zumal jetzt, wo Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war, wo er scheinbar ein wichtiges Amt übernehmen würde. Aber die Männer ließen sich nicht einschüchtern und ließen sich nicht davon abhalten, weiter nach Jesu Hilfe zu schreien: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser! Ihr Schreien zeigt, dass sie ihre ganze Hoffnung auf Jesus setzten.

Wie reagierte Jesus darauf? Vers 32 sagt: „Jesus aber blieb stehen, rief sie und sprach: Was wollt ihr, dass ich für euch tun soll?“ Obwohl Jesus eilig nach Jerusalem gehen sollte und wegen der bevorstehenden Leiden und Todesqualen innerlich belastet gewesen sein muss, überhörte Jesus das Schreien zweier elender Menschen nicht. Jesus rief die Männer. Aber er heilte sie nicht sofort von ihrem offensichtlichen Leiden, sondern fragte sie, was sie von ihm wollten. Jesus achtet sehr darauf, worum wir bitten und was wir eigentlich von ihm wollen. Was antworteten die beiden Männer? „Sie sprachen zu ihm: Herr, dass unsere Augen aufgetan werden.“ Manche schreien zu Gott um Hilfe, aber wissen eigentlich nciht so genau, was sie von Gott wollen. Aber die beiden Männer hatten ein klares Gebetsanliegen. Wie reagierte Jesus darauf? Vers 34a sagt: „Und es jammerte Jesus und er berührte ihre Augen“. Jesus hatte Mitleid, als er sie in ihrer Blindheit sah und ihre Bitte hörte. Er war dadurch dazu bewegt, ihnen zu dienen und sie von ihrem Leiden zu erlösen. Was passierte dann? Vers 34b: „und sogleich wurden sie wieder sehend, und sie folgten ihm nach.“ Sie wurden sofort sehend. Die eine Berührung Jesu genügte, sodass die beiden Blinden perfekt sehen konnten. Die beiden Männer wurden aber nicht nur physisch sehend. Der Autor bemerkt, dass sie Jesus nachfolgten. Durch ihre Heilung erkannten sie also auch die geistliche Realität klar, dass Jesus wirklich der verheißene Christus ist, und entschieden sich auf der Stelle, ihm nachzufolgen. Auf diese Weise diente Jesus den Menschen jederzeit hingebungsvoll und umfassend, unabhängig von seiner eigenen persönlichen Lage.

Bei der Vorbereitung wurde ich von der Demut und Liebe Jesu sehr bewegt, der sein Leben auch zu meiner Erlösung gegeben hat und für Viele. Ich erkannte, dass ich ihm wirklich folgen und als ein Diener der anderen leben und mich für ihre Erlösung hingeben soll. Ich musste aber erkennen, dass mir diese Haltung noch viel fehlte, dass ich mich nur hingeben wollte und immer noch etwas zu bekommen erwartete. Damit kann ich aber keinen Menschen zur Erlösung führen und nicht wahrhaft groß werde. Ich erkannte auch, dass ich ein Stückweit zufrieden war damit, dass Gott mich schon für wenige Menschen gebraucht hat, dass ich aber seinen Willen nicht länger ignorieren darf, dass er mich für die Erlösung für Viele gebrauchen will. Ich will mir Jesu Hingabe für mich täglich vor Augen halten und will ihm folgen und will von morgens bis abends mit der Haltung eines Dieners leben und mich hingeben für die Erlösung für Viele.

Heute haben wir den Weg zu echter Größe erkannt. Man wird nicht wirklich groß, indem man eine bessere Ausbildung, mehr Erfolg im Beruf oder mehr Geld oder Güter hat als andere. Dadurch wird man höchstens eine Zeitlang äußerlich respektiert und beneidet, aber wird kein wirklich großer Mensch, den die anderen vom Herzen hochachten, und schon gar nicht von Gott als groß erachtet. Wirklich groß werden wir, wenn wir anderen dienen und uns für ihre Erlösung hingeben. Jesus hat seine Herrlichkeit im Himmel aufgegeben, um uns Menschen zu dienen und sein Leben für unsere Erlösung hinzugeben. Durch seinen Dienst wurde er der Größte, den nun viele Millionen von Menschen von Herzen verehren und vor dem einmal alle ihre Knie beugen werden. Wir sollen wahrhaft groß werden, indem wir uns Jesu Gesinnung und sein Ziel aneignen und anderen dienen, insbesondere den jungen Menschen und Studenten in diesem Land, und uns für ihre Erlösung hingeben. Wir sollten nicht damit zufrieden sein, wenn wir bisher schon einem oder wenigen helfen konnten, sondern Jesu Herz verstehen und uns hingeben für die Erlösung von Vielen. Möge Gott uns dabei helfen, so gesinnt zu sein und zu leben! Möge Gott jeden von uns dadurch zu einem wahrhaft großen Menschen machen! Lesen wir zum Schluss nochmals das Leitwort: „So wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse,sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für Viele.“

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