Predigt: Matthäus 19,16 – 30

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Der Weg zum ewigen Leben

Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe,  was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!“

(19,21)

In unserem heutigen Text begegnen wir einem jungen Mann, der die wichtigste Frage stellte, die ein Mensch in seinem Leben stellen kann: die Frage nach dem Weg zum ewigen Leben. Und er stellte diese Frage gerade demjenigen, der sie als Einziger kompetent beantworten konnte, nämlich Jesus, dem Sohn Gottes. Lasst uns durch Jesu Gespräch mit ihm neu begreifen, was der Weg zum ewigen Leben ist, und uns für diesen Weg neu entscheiden! Gott helfe uns auch zu verstehen, woran dieser junge Mann scheiterte, und die nötige Einstellung aufzubringen, damit wir den Weg zum Himmelreich erfolgreich gehen können!

I.Komm und folge mir nach! (16-26)

Betrachten wir den Text. Vers 16 sagt: „Und siehe, einer trat zu ihm und fragte: Meister, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?“ Der Mann, der hier zu Jesus kam, war nach Vers 22 ein „Jüngling“, vermutlich etwa zwanzig Jahre alt. Dort heißt es auch, dass er viele Güter hatte, also reich war. Lukas berichtet außerdem, dass er ein Oberer war, also ein Mitglied des Hohen Rats oder Inhaber einer leitenden Funktion auf dem Land. Trotz seines jungen Alters hatte er also schon eine steile Karriere hingelegt. Er hatte scheinbar alles, was man sich nur wünschen konnte – er war sehr reich, sehr erfolgreich, dabei noch sehr jung. Viele Männer müssen ihn beneidet haben. Viele Frauen wollten ihn heiraten oder einen Mann wie ihn als Schwiegersohn haben.

Warum kam dieser Mann zu Jesus? Er fragte Jesus: „Meister, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?“ Er fragte Jesus nach dem ewigen Leben. Im Markusevangelium erfahren wir auch von seiner inständigen Haltung, mit der er das fragte; dort heißt es, dass er zu Jesus lief und vor ihm niederkniete. Die Frage nach dem ewigen Leben war ihm also eine dringende, sehr wichtige Frage. Trotz seines großen Erfolgs und Reichtums konnte er damit nicht zufrieden sein. Als Jude wusste er von Gott und dass all sein Erfolg und Besitz letztlich sinnlos waren, wenn er nicht das ewige Leben erlangen würde. Er war anders als Viele, die sich einfach mit ihrem Geld und Erfolg in der Welt zufriedenzustellen versuchen.

Betrachten wir nochmals seine Frage. In seinen Worten „was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?“, wird deutlich, dass er bereits eine bestimmte Vorstellung von dem Weg zum ewigen Leben hatte. Er meinte, dass er Gutes tun sollte, um das ewige Leben zu haben. So wie er in der Welt Vieles erlangt hatte, indem er fleißig und anständig arbeitete, meinte er, dass er auch das ewige Leben bekommen würde, wenn er etwas Gutes tun würde.

Wie reagierte Jesus auf seine Frage? Jesus stellte ihm zunächst eine Gegenfrage: „Was fragst du mich nach dem, was gut ist? Gut ist nur Einer.“ (17a) Es ist sehr selten, dass Jesus jemandem, der ihn etwas fragte, gleich als Erstes seine Frage korrigierte. Aber Jesus hielt es offensichtlich für nötig, den jungen Mann darauf hinzuweisen, dass nur Einer gut ist, nämlich Gott. Denn ihm war offenbar nicht bewusst, dass Gott allein wirklich gut ist, und dass er als ein Mensch nichts wirklich „Gutes“ tun und schon gar nicht sich das ewige Leben verdienen kann. Er sollte vor Gott stehen, der heilig ist und auf dessen Gnade er angewiesen ist.

Danach ging Jesus auch auf seine Frage ein. Er sagte: „Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote.“ Jesus verwies ihn auf den damals gültigen Weg, den Gott durch Mose offenbart hatte. Der Mann fragte ihn: „Welche?“ Jesus sagte: „»Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; ehre Vater und Mutter« ; und: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«“ (18.19). Die Gebote, die Jesus zitierte, waren überwiegend aus den Zehn Geboten. Dabei nannte Jesus nur Gebote, die sich auf die Liebe zum Nächsten beziehen. Denn bei diesen Geboten kann man viel leichter erkennen, ob man sie gehalten hat oder nicht als etwa bei dem Gebot, keine andere Götter neben Gott zu haben. Vor allem aber nannte Jesus ihm Gebote der Nächstenliebe, weil der junge Mann offensichtlich in seinem Leben große Probleme mit der Nächstenliebe hatte. Wir wollen gleich darauf eingehen, warum.

Wie antwortete er auf Jesu Aufforderung? Er sagte zu ihm: „Das habe ich alles gehalten; was fehlt mir noch?“ Was für eine Antwort! Jesus hatte ihm fünf Gebote der Nächstenliebe gesagt und er sagte einfach: „Das habe ich alles gehalten.“ Die Antwort des Mannes zeigt Einiges über ihn. Sie zeigt zum einen, dass er sich wirklich sehr darum bemüht haben muss, nach Gottes Gesetz zu leben. Von klein auf hatte er Gottes Gebote studiert und darum gekämpft, sie im alltäglichen Leben zu halten, und zwar so ernsthaft, dass er überzeugt war, dass er alles gehalten hätte. Andererseits zeigt seine Antwort, dass er die Gebote nur oberflächlich verstand. Als er Jesus antwortete: „Das habe ich alles gehalten“, dachte er bestimmt daran, dass er noch nie jemanden bestohlen und noch nie die Ehe gebrochen hatte. Das war wohl auch richtig. Aber hatte er Gottes Gebote wirklich in Gottes Sinne erfüllt? Hatte er seine Nächsten wirklich so sehr geliebt wie sich selbst? Er lebte in großem Reichtum und genoss seine vielen Güter, während viele Menschen in Israel damals unter großem Mangel litten und oft nicht wussten, wie sie ihre Kinder satt kriegen sollten. Trotzdem sagte er, dass er alles gehalten hätte. Er dachte wirklich sehr gut über sich selbst, sodass sein Leben nach seinem Urteil praktisch tadellos war. Seine Antwort zeigt, dass er wirklich ein falsches Bild von sich selbst hatte. Er hielt zwar viele Gebote äußerlich treu, er ging sicher an jedem Sabbat pünktlich in die Synagoge, betete dreimal am Tag und brachte seinen Zehnten, weshalb er meinte, sein Leben sei vor Gott in Ordnung. Er merkte nicht, dass er in Wirklichkeit in krasser Weise gegen das Gebot der Nächsten­liebe verstieß, wenn er etwa im Wohlstand lebte, während in seiner Stadt andere Menschen hungern mussten. Sein Bild von sich selbst und seine reale Person klafften in eklatanter Weise auseinander – ohne dass er es merkte! Er merkte nur, dass er aus für ihn unerfindlichen Gründen keine Gewissheit auf das ewige Leben und keinen Frieden im Herzen haben konnte. Er spürte, dass ihm irgendetwas fehlte, aber er wusste nicht was. Er war in seinem Leben an eine Grenze geraten, an der er nicht weiterkam; er war in einem Dilemma, das er nicht verstehen konnte und für das er keine Lösung hatte. Er brauchte die göttliche Hilfe.

Wie half ihm Jesus? Lesen wir gemeinsam den Verse 21: „Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!“ Was für eine großartige Antwort Jesu! Jesu Antwort enthielt sowohl die exakte Analyse seines Problems als auch die Lösung einschließlich der nötigen praktischen Handlungsanweisung. In seiner Antwort kritisierte Jesus ihn nicht wegen seinem oberflächlichen Verständnis der Gebote, wegen seinem egoistischen Leben oder wegen seinem viel zu guten Bild, das er von sich selbst hatte. Indem Jesus zu ihm sagte: „Willst du vollkommen sein“, erkannte er indirekt seine Bemühung um ein Gott gefälliges Leben an und ermutigte ihn dazu, seine Lebenseinstellung und Lebensweise nun gründlich zu verbessern und auf das Himmelreich auszurichten. Dazu sagte Jesus zu ihm: „… geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben“. Jesu Orientierung für ihn war sehr klar und unerwartet radikal. Warum verlangte Jesus von ihm, dass er seinen ganzen Besitz verkaufen und das Geld den Armen geben sollte? Jesus hatte das nicht von jedem verlangt, den er zur Nachfolge einlud. Aber Jesus wusste, dass dieser junge Mann an seinen vielen Güter hing. Solange aber sein Herz an seinem Haus, seinem Weinberg, seinen Pferden und seinem Geld hing, konnte er den Weg zum ewigen Leben unmöglich gehen, weil er sein Herz nicht ganz dafür einsetzen konnte. Jesus wollte ihm helfen, von seiner inneren Bindung frei zu werden, indem er ihn aufforderte, praktisch seinen Schatz von dieser Welt ins Himmelreich zu verlagern. Indem er seinen Besitz verkaufen und das Geld den Armen geben würde, würde er praktisch damit anfangen, seine Nächsten so sehr zu lieben wie sich selbst. Dazu gab Jesus ihm die großartige Verheißung: „… so wirst du einen Schatz im Himmel haben“. Obwohl er hier kurzfristig seine Güter verlieren würde, würde er das ewige Leben erlangen und im Himmel einen Schatz haben, den er ewig genießen kann. Dann sagte Jesus: „… und komm und folge mir nach!“ Das ist der Kernpunkt von Jesu Aufforderung. Jesus lud ihn dazu ein, zu kommen und ihm nachzufolgen und sein Leben nach Jesu Vorbild und Wort und in der Gemeinschaft mit ihm zu führen. Jesus lud ihn dazu ein, weil Jesus zu folgen der Weg zum ewigen Leben ist. Gute Werke und andere menschliche Bemühungen konnten ihn niemals ins Himmelreich führen. Aber wenn er Jesus nachfolgen würde, würde Jesus ihn annehmen, reinigen, verändern und selbst Schritt für Schritt ins Himmelreich führen. Dabei würde er zwar kurzfristigen Spaß und Vergnügen durch den Reichtum verlieren; aber er würde innere Freiheit und Erfüllung in Jesus gewinnen und das ewige Leben mit ihm im Himmelreich erlangen. Er sollte wirklich zu Jesu Aufforderung „Ja“ sagen und seine großartige Einladung annehmen.

Doch wie reagierte der junge Mann? „Als der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt davon; denn er hatte viele Güter.“ Das ist eine sehr traurige Stelle im Evangelium. Er war mit der brennenden Frage gekommen, wie er das ewige Leben haben konnte; aber als er von Jesus den Weg dorthin hörte, ging er traurig davon. Wie ist das zu erklären? Die Worte „denn er hatte viele Güter“ zeigen uns als Grund, dass er an seinen Reichtum gebunden war. Er wusste, dass er das ewige Leben erlangen sollte, er wollte es auch gerne erlangen, es war sozusagen sein Ziel. Aber der Reichtum, den er durch Erbe oder durch seine Arbeit erlangt hatte, übte so eine starke Anziehungskraft auf ihn aus, dass er nicht mehr darauf verzichten wollte. Sein Herz war von seinem Geld und den Dingen, die er davon gekauft hatte, so fest gebunden, dass er es nicht übers Herz brachte, sich davon zu trennen. Als er kam, sah es so aus, dass er Gott wirklich liebte und um jeden Preis ewig bei ihm sein wollte. Aber durch Jesu Aufforderung wurde offenbar, dass er in Wirklichkeit sein Leben im Reichtum mehr liebte als Gott und das ewige Leben bei ihm. Das ewige Leben war für ihn ein wichtiges Ziel gewesen; aber vor dem wahrhaftigen Wort Jesu stellte es sich heraus, dass er in Wirklichkeit nicht dazu bereit war, sein Leben entsprechend zu führen. Sein Weggang von Jesus ist unendlich tragisch und traurig. Er zeigt warnend, dass es nicht ausreicht, dass wir das ewige Leben als Ziel haben, sondern dass wir auch unsere Lebenseinstellung und Lebensweise dementsprechend ändern müssen.

Der Bericht von Matthäus endet nicht mit dem Weggang des Mannes. Jesus nahm seinen Weggang zum Anlass, seine Jünger, die alles gehört hatten, die Gefährlichkeit des Reichtums zu lehren. „Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ Jesus machte ihnen klar, dass der junge Mann, der wegen seiner Liebe zum Reichtum nicht in der Lage war, den Weg zum Himmelreich zu gehen, kein Einzelfall war. Im Gegenteil! Jesus sagt, dass allgemein ein Reicher schwer ins Himmelreich kommt. Es ist für einen Reichen schwerer, ins Himmelreich zu kommen, als dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Ein Kamel ist etwa 2,30 Meter hoch, also 2300 Millimeter, ein Nadelöhr dagegen nur etwa 2-5 Millimeter. Damit sagte Jesus, dass es praktisch unmöglich ist, als Reicher ins Reich Gottes zu kommen. Warum ist das so? Reichtum bindet unser Herz so stark, dass es nicht frei ist und wir es, obwohl wir es wollen, nicht wirklich für Jesus und seine Nachfolge hingeben können. In unserer Gesellschaft wird Reichtum überall als begehrenswert gepriesen. Aber in Wirklichkeit ist Reichtum geistlich gesehen äußerst gefährlich und wirkt in den meisten Fällen tödlich.

Wie reagierten die Jünger auf Jesu Aussage? Vers 26 sagt: „Als das seine Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Ja, wer kann dann selig werden?“ Die Jünger reagierten auf Jesu Lehre schockiert. Sie hatten vielleicht gehofft, dass der reiche Mann, den sie gerade beobachtet hatten, eine Ausnahme war, dass es im Allgemeinen aber doch möglich sei, dass man reich ist und trotzdem ins Himmelreich kommt. Aber wenn es generell für einen Reichen schwerer ist, ins Himmelreich zu kommen, als für ein Kamel, durch ein Nadelöhr zu gehen, wer kann dann gerettet werden? Hinter ihrer Frage verbirgt sich der Gedanke, dass jeder einen Wunsch hat, gewissen Reichtum zu erlangen, wohl auch die Jünger selbst. Sie hatten zwar alles verlassen und lebten zu der Zeit sehr bescheiden mit Jesus. Aber sie hatten in ihren Herzen trotzdem auch einen Wunsch, einmal Macht und Reichtum zu haben. Das zeigt zum Beispiel die Stelle in Apg 1,6, wo sie Jesus nach seiner Auferstehung fragten, ob er noch in dieser Zeit das Reich für Israel aufrichten würde; sie hatten also die Erwartung eines irdischen messianischen Reichs, bei dem sie sich leitende Positionen und vermutlich auch eine entsprechende Vergütung erhofften. Sie waren innerlich also auch nicht frei von dem Wunsch nach Reichtum. Das erklärt auch, warum sie so schockiert waren, als Jesus sagte, dass es für einen Reichen unmöglich ist, ins Himmelreich zu kommen. Wenn Jesus gesagt hätte, dass es für einen Reichen so schwer sei, ins Himmelreich zu kommen, wie für einen Hasen oder eine Maus, durch ein Nadelöhr zu gehen, hätten sie noch eine kleine Möglichkeit sehen können, dass sie auch mit gewissem Reichtum ins Himmelreich kommen können. Aber durch das Wort vom Kamel und dem Nadelöhr machte Jesus klar, dass es praktisch unmöglich ist, und ließ ihren verborgenen Traum von einem Leben in Reichtum und mit ewigen Leben platzen. Ihre Frage „Ja, wer kann dann selig werden?“, bringt ihre Betroffenheit zum Ausdruck.

Wie antwortete Jesus auf ihre Frage? „Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist’s unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich.“ Zunächst sagt Jesus etwas ganz Ernüchterndes: „Bei den Menschen ist’s unmöglich.“ Für uns Menschen ist es unmöglich, dass wir durch eigene Bemühungen und Werke gerettet werden, es ist ganz ausgeschlossen. Aber bei Gott ist unsere Errettung doch möglich, nämlich durch seine einseitige Gnade in Jesus und unseren Glauben. Unsere Rettung ist nur bei Gott möglich, denn bei Gott sind alle Dinge möglich.

Was bedeutet das für uns? Die meisten von uns haben die Verheißung des ewigen Lebens angenommen und haben das ewige Leben als Ziel ihres Leben. Wir können von Jesu Gespräch mit dem reichen Jüngling lernen, dass es wichtig ist, dass wir diesem Ziel auch entsprechend leben, dass wir es wirklich anstreben und unser Leben in alle Bereichen danach ausrichten! Wie wir unsere Zeit von morgens bis abends gestalten, wie wir unsere Freizeit gebrauchen, was wir tun und lassen, soll auf das ewige Leben im Himmelreich ausgerichtet sein und diesem Ziel dienen. Zurzeit betrachten viele die Fußballspiele der Europameisterschaft. Obwohl es dabei nur um menschliche Ehre und Geld geht, arbeiten die Spieler und Trainer seit Monaten für das Ziel, dabei erfolgreich zu sein, und richten ihr ganzes Leben danach aus bis dahin, was sie essen, wann sie schlafen usw. Wie viel mehr sollten wir unser Leben nach dem herrlichen dund ewigen Ziel ausrichten, das Gott uns fest verheißen und zugesagt hat. So sollen wir selbst bei kleinen Dingen, wenn wir zum Beispiel etwas lesen oder Musik hören oder mit jemandem reden, uns selbst prüfen und fragen: Tue ich das im Hinblick auf das ewige Leben oder nur für meinen praktischen Vorteil oder Vergnügen? Und unser Verhalten entsprechend korrigieren. Wir sollen uns jeden Tag neu fragen, wofür wir heute leben wollen, und unser Leben so immer mehr auf das Himmelreich auszurichten. Danken wir Gott, dass er uns durch Jesus zum Weg des ewigen Leben eingeladen hat! Gott helfe uns, das ewige Leben wirklich zu unserem Ziel zu machen und Jesus konsequent nachzufolgen und so unser Leben ganzu darauf auszurichten!

II.Vom Lohn der Nachfolge (27-30)

Was sagte Petrus, nachdem der junge Mann weggegangen war? Betrachten wir Vers 27: „Da fing Petrus an und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür gegeben?“ Petrus und die anderen Jünger waren in einer völlig anderen Lage als der reiche junge Mann. Sie hatten alles verlassen und waren Jesus gefolgt. Doch obwohl sie damit das Himmelreich praktisch zu ihrem Ziel gemacht hatten, zeigt Petrus‘ Frage ihre Unsicherheit über die Belohnung, die sie dafür bekommen würden.

Was antwortete Jesus? Betrachten wir Vers 28: „Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.“ Jesus gibt hier seinen Jüngern, die Jesus nachfolgten, eine großartige Verheißung. Wenn er wieder kommen und alle vom Tod auferwecken wird, werden sie auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Sie werden im Himmelreich also nach Jesus die höchsten Ämter innehaben und mit großer Autorität und Verantwortung herrschen.

Wieso sagte Jesus ihnen so einen großartige Belohnung zu, obwohl er wusste, dass sie nicht vollkommen waren, sondern auch noch Wünsche nach Reichtum hatten? Den Schlüssel dazu finden wir in den Worten, mit dem Jesus seine Verheißung beginnt: „Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid …“ Entscheidend für den großartigen Lohn von Gott war nicht, dass sie hundertprozentig rein waren, sondern dass sie Jesus nachfolgten. Denn die Nachfolge Jesu würde sie zu immer mehr Einsicht führen und auch ihre Gesinnung und Lebensweise immer weiter verändern, sodass sie immer mehr dem ewigen Leben im Himmelreich entspricht. Dabei würden sie weiter manches verlassen müssen, was sie bei der Nachfolge hinderte. Doch dafür würden sie von Gott reichen Lohn erhalten. Denn Jesus sagte weiter: „Und wer Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker verlässt um meines Namens willen, der wird’s hundertfach empfangen und das ewige Leben ererben“ (29). Auch dieser Teil von Jesu Verheißung ist gewaltig. Die Nachfolge Jesu erfordert immer wieder, auch auf etwas zu verzichten, etwa auf eigene Zeit, bestimmte Pläne und Wünsche, lieb gewonnene Tätigkeiten, manchmal auch auf nahe stehende Menschen oder Besitztümer. Doch auch wenn uns das im ersten Moment vielleicht schwer fallen mag, ist Jesus nachzufolgen nie ein Verlustgeschäft. Denn das, was wir um Jesu willen verlassen, wird Gott uns hunderfach wieder empfangen lassen und wird uns vor allem schließlich das ewige Leben geben. Wer Jesus folgt, ist am Ende also immer der Gewinner.

Nach diesen verheißungsvollen Worten sagt Jesus noch ein warnendes Wort: „Aber viele, die die Ersten sind, werden die Letzten und die Letzten werden die Ersten sein.“ In diesem Wort erinnert Jesus daran, dass Gott es ist, der bestimmt, wer ins Himmelreich einzieht und mit wie viel Herrlichkeit, und dass das oft ganz anders sein wird, als wir es uns vorstellen. Das soll uns davor warnen, selbstsicher zu meinen, dass wir garantiert ins Himmelreich einziehen und große Herrlichkeit genießen werden, etwa weil wir schon viele Jahre im Glauben gelebt und dabei scheinbar vieles für Gott getan hätten. Statt so zu denken, sollten wir uns jeden Tag neu bewusst machen, dass wir von uns aus gar keine Möglichkeit hatten, das Himmelreich zu erlangen, und neu seine Gnade dankbar annehmen und aufgrund dessen unser Leben neu auf das Himmelreich ausrichten und dementsprechend leben. Möge Gott uns dabei helfen, Jesus im Vertrauen auf seine Belohnung konsequent zu folgen, ohne uns vor Verlusten zu fürchten!

Bei der Vorbereitung habe ich erkannt, dass mein alltägliches Leben nicht wirklich auf das Himmelreichs ausgerichtet ist, das ich erlangen will. So bin ich seit mehreren Jahren nur unregelmäßig und inzwischen nur noch kaum morgens zur Gebetsstunde gekommen, obwohl ich immer wieder erkannt habe, dass ich die Gemeinschaft mit Gott im Zentrum morgens brauche, da ich sie im Zug nur unzureichend nachholen kann. Auch habe ich erkannt, dass ich die Zeit im Zug und abends nach dem Bibelstudium nicht Jesus unterstellt und auf das Himmelreich ausgerichtet habe, sondern meistens dazu genutzt habe, mich durch Zeitunglesen oder Internet zu zerstreuen. Ich will mein Leben ganz auf das Ziel des ewigen Lebens ausrichten und will morgens früh im Zentrum auf Gottes Wort hören und beten. Ich will auch meine freie Zeit im Zug und zu Hause nicht mehr für Dinge nehmen, die dem Himmelreich nichts nutzen, sondern will das verkaufen und die Zeit fürs Bibel lesen, Gebet und Vorbereiten von Bibelstudium, Stellungnahme und Predigt nutzen oder sonst irgendwie für Gott und sein Reich einsetzen. Lesen wir zum Schluss nochmals das Leitwort: „Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!“

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