Predigt: Matthäus 18,15 – 35

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Von der Vergebung

So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.“

(18,35)

Im heutigen Text geht es um ein ebenso wichtiges wie schwieriges Thema – die Vergebung. Obwohl in der Gemeinde Gottes Kinder zusammenkommen, kommt es auch hier immer wieder vor, dass wir aneinander schuldig werden; zum Beispiel durch lieblose Worte oder Verhalten, bei dem wir zu viel an uns selbst und zu wenig an andere denken; durch Faulheit, Unzuverläs­sig­keit usw. Manche stellen zum Beispiel jedesmal vor der Versammlung die Stühle hin und legen die Liederbücher darauf, andere kommen immer erst im letzten Moment oder gar nicht. Manche sind immer bereit, eine Aufgaben zu übernehmen, andere meinen meistens, sie haben keine Zeit. Ungewollt versündigen wir uns immer wieder an den anderen und sind auch immer wieder mit der Sünde anderer konfrontiert. Wie sollen wir damit umgehen, wenn ein Bruder an uns sündigt? Wie oft sollen wir seine Schuld vergeben und wie können wir das tun? Möge Gott jeden mit seinem Wort ansprechen und jedem persönlich helfen!

  1. Von der Verantwortung in der Gemeinde (15-20)

Betrachten wir den Text. Nachdem Jesus gelehrt hatte, dass seine Jünger nicht miteinander konkurrieren, sondern einander annehmen sollen wie ein Kind, dass wir andere nicht zum Abfall verführen und sie nicht verachten dürfen, sprach er über einen weiteren Aspekt des Umgangs miteinander. Er sagt: „Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen“ (15). Es geht um den richtigen Umgang mit einem Bruder, der an uns sündigt. Wie reagieren die meisten Menschen normalerweise in so einer Situation, zum Beispiel in der Firma oder in einem Verein? Zwei Reaktionen sind in so einem Fall verbreitet: entweder dass man die Person, die einen verletzt oder geschädigt hat, spontan angreift, sie beschimpft oder sich heimlich an ihr rächt; oder – und das ist in einer Gemeinde wohl viel verbreiteter –, dass man sich von der Person zurückzieht, nicht mehr mit ihr redet, nur noch das Nötigste, oft ohne dass derjenige weiß, was er falsch gemacht hat. Aber statt mit ihm deswegen zu reden, wird oft mit dritten über ihn geredet und erzählt, wie unmöglich er sich verhalten hat. Dadurch gehen die Beziehungen kaputt und es bilden sich Parteien. Vor allem erfährt derjenige, der gesündigt hat, keine Hilfe, seine Sünde zu erkennen und dafür Buße zu tun.

Aber was will Jesus? Jesus sagt: „… so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein.“ Jesus will einen offenen Umgang mit der Sünde. Man soll in der Gemeinde Sünde also nicht einfach herunterschlucken und schweigen. Sünde soll offen angesprochen und behandelt werden, aber mit Liebe! Das Ziel unseres Handelns soll sein, dem anderen liebevoll zu helfen, geistlich wieder zurechtzukommen. Wenn uns das gelingt, sagt Jesus, dass wir unseren Bruder gewonnen haben. Diese Worte besagen, dass es bei unserer Hilfe um sehr viel geht, nämlich darum, dem anderen zu helfen, seine Sünde zu erkennen und seine Beziehung zu Gott wieder herzustellen. Außerdem wird dadurch die Beziehung zwischen uns und dem Bruder wiederhergestellt, sodass wir ihm wieder gerne ins Gesicht schauen und wir einander wieder herzlich lieben und zusammenarbeiten können.

Was sollen wir aber tun, wenn der Bruder nicht auf uns hört? Jesus spricht auch über diesen Fall: „Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner“ (16.17). Man soll nochmals mit ihm reden und dabei einen oder zwei Geschwister als Zeugen mitnehmen. Dadurch entstehen oft neue Möglichkeiten, den Betreffenden zu erreichen, und die Ermahnung bekommt mehr Nachdruck. Dass wir den Bruder zunächst unter vier Augen ermahnen und dann nur so weit wie nötig ihn auch vor anderen ermahnen, geschieht auch aus Liebe zu ihm, damit das Gefühl des Bruders und sein Ansehen in der Gemeinde so wenig wie möglich beschädigt werden. Doch wenn er auch nach einem Gespräch unter 6 oder 8 Augen nicht Buße tut, soll man es der Gemeinde sagen, damit alle für ihn beten und er doch noch Buße tun kann. Wenn er aber selbst dann nicht Buße tut, soll man ihn wie einen Heiden oder Zöllner betrachten, also nicht als einen Bruder, sondern wie einen, der geistlich noch ganz am Anfang steht.

Welche Bedeutung hat es, wenn wir anderen auf diese Weise geistlich helfen? Jesus sagt weiter: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein“ (18). Hier lehrt Jesus die große Bedeutung der geistlichen Hilfe, die eine Gemeinde ausübt. Dass man einem Bruder in der Gemeinde hilft, aus seiner Sünde herauszukommen, soll nicht einfach nur passieren, damit man wieder gut mit ihm zusammen leben kann. Vielmehr wird das, was wir auf Erden binden werden, auch im Himmel gebunden sein, und was wir auf Erden lösen, wird auch im Himmel gelöst sein. Hier macht Jesus klar, was für eine große Bedeutung es hat, wenn wir einem Bruder, der gesündigt hat, helfen, seine Sünde zu erkennen und dafür Buße zu tun. Denn Gott will gerade die Jünger bzw. die christliche Gemeinde dafür gebrauchen, um Menschen von ihrer Sünde zu erlösen, was nicht nur für ihr Leben hier, sondern auch für die Ewigkeit entscheidend ist. Was für eine große Verantwortung hat Jesus hier der Gemeinde gegeben! Dabei ist vom Kontext der Bibel her klar, dass wir natürlich nicht willkürlich darüber entscheiden können, ob Menschen von ihren Sünden gelöst werden oder nicht, sondern allein aufgrund des Evangeliums und im Einklang mit Jesu Willen

Wie können wir als Gemeinde diese hohe Verantwortung für andere tragen? Jesus sagt weiter: “Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Hier sagt Jesus, woher die Autorität einer Gemeinde rührt und auf welcher Grundlage sie jemanden zur Umkehr von seiner Sünde ermahnen und ihm die Lösung von seiner Sünde zusprechen kann. Die Berechtigung und Autorität einer Gemeinde beruht nicht auf ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Organisation, auf einer bestimmten Größe oder auf einer bestimmten Tradition. Eine Gemeinde hat ihre geistliche Autorität dadurch, dass sie sich im Namen Jesu versammelt und einmütig zu ihm betet. Wenn wir uns im Namen Jesu versammeln, unterstellen wir uns seiner Person und seinem Willen und beten in seinem Namen zum Vater, wodurch unsere eigenen Gedanken, Gefühle und Neigungen in den Hintergrund treten und seine Wahrheit und seine Gnade in den Vordergrund. Jesus verspricht, dass er mitten unter uns ist, wenn wir uns in seinem Namen versammeln, selbst wenn es nur zwei oder drei Gläubige sind. Diese Gegenwart Jesu gibt uns geistliche Einsicht und Vollmacht, nach seinem Willen zu leben und auch anderen in rechter Weise zu helfen. Dabei spielt unser Gebet eine entscheidende Rolle. Jesus verspricht, dass Gott unsere Gebete erhören wird, wenn wir einmütig zu ihm beten, selbst wenn nur zwei eins werden, worum sie bitten wollen. Wie gern wollen wir diese Verheißung in Anspruch nehmen!

Wie können wir aber in der Gemeinde mit den anderen eins werden und einmütig beten, obwohl wir von unserem Hintergrund, Charakter und Alter her verschieden sind? Es ist kein Vorgang, der automatisch passiert, wenn wir in einer Gemeinde eine Zeitlang zusammen sind. Wir können aber doch eins werden, wenn wir uns ganz bewusst in Jesu Namen versammeln und uns jeder darum bemühen, in ihm eins zu werden – das heißt in unsrem gemeinsamen Glauben an den ihn und dem gemeinsamen Anliegen, für seinen Namen und für sein Reich zu leben. Dann werden wir in Jesus immer weiter eins werden, selbst wenn wir uns nicht allzu oft sehen. Möge Gott uns helfen, ganz bewusst in seinem Namen zusammen zu kommen und in ihm eins zu werden, sodass er mitten unter uns sein und all unsere Gebete erhören kann! Mögen viele Menschen Jesu Anwesenheit unter uns spüren und durch unsere einmütigen Gebete von ihren Sünden für immer erlöst werden!

  1. Die vergebende Liebe (21-35)

Welche Frage stellte Petrus, nachdem er die Worte Jesu über den Umgang mit der Sünde anderer gehört hatte? Vers 21 sagt: „Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?“ Petrus lebte ständig mit den anderen elf Jüngern zusammen. Als er hörte, dass er anderen, die an ihm sündigten, helfen sollte, für ihre Sünde Buße zu tun, muss er daran gedacht haben, wie schwer es ist, anderen zu vergeben. Warum ist es so schwer, anderen zu vergeben? Weil unser Gerechtigkeitsgefühl verletzt ist und wir denken: Ich bin im Recht, der andere hat geredet oder gehandelt, wie er nicht darf! Weil unser Stolz verletzt oder weil wir Schaden genommen haben.

Petrus Frage zeigt noch, dass wir anderen zwar ein paar Mal vergeben können; aber jeder hat eine Grenze, wo er von sich aus nicht weiter vergeben kann bzw. will. Offenbar wäre Petrus bereit gewesen, siebenmal seinem Bruder, der an ihm sündigt, zu vergeben; es war das Maximum, das er sich vorstellen konnte. Trotzdem war er unsicher, ob es vor Gott wirklich genug ist. Darum stellte er Jesus seine Frage.

Wie antwortete Jesus darauf? Vers 22 sagt: „Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“ Jesu Antwort war für Petrus sicher eine große Überraschung gewesen sein. 490 Mal einem Bruder zu vergeben, das ist wirklich viel mehr, als er sich vorstellen und praktisch tun konnte. Praktisch sagte Jesus damit, dass wir den anderen unbegrenzt oft vergeben sollen. Unsere Bereitschaft zu vergeben soll keine Grenze haben. Dabei sagt Jesus nichts von Bedingungen, etwa dass er sich bei uns entschuldigt und dann seine Änderung bzw. Besserung zeigt. Wir erwarten von Natur aus mindestens so etwas, oder? Aber Jesus sagt ohne Einschränkung: „siebzigmal siebenmal“! Wir sollen anderen grenzenlos oft vergeben.

Aber wie können wir das tun? Wie kann ich jemandem, der dieselbe Sünde Hunderte Male wiederholt, jedesmal erneut von Herzen vergeben? Jesus erzählte daraufhin ein Gleichnis, das den Grund für diese Forderung und auch die Grundlage, aufgrund derer wir sie erfüllen können, klar macht. Betrachten wir die Verse 23-25. Ein König wollte mit seinen Knechten abrechnen. Ein Mann war ihm 10.000 Zentner Silber schuldig, das ist 22 große LKW’s voll mit Silber, eine riesiges Vermögen. Bei dieser Summe war klar, dass kein Mensch imstande war, so eine große Schuld zurück­zuzahlen. Die Folge seiner riesigen Schuld war, dass der Mann sein restliches Leben und das seiner Familie hingeben musste. Vers 25: „Da er’s nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen.“ Es war die unausweichliche Konsequenz seiner Schuld, die gerechte Strafe.

Was beschreibt Jesus mit diesem ersten Teil des Gleichnisses? Jesus beschreibt hier die Lage von jedem von uns Menschen vor Gott, dem wahren König. Durch unsere vielen verschiedenen Sünden haben wir so eine große Schuld bei Gott angehäuft, dass es für uns völlig unmöglich ist, sie ihm irgendwann irgendwie zurückzuzahlen. Da wir nichts haben, um unsere Schuld auszugleichen, müssen wir selbst mit unserer Person und unserem Leben dafür einstehen.

Aber das war nicht das Ende der Geschichte. Was tat der Mann in seiner hoffnungslosen Lage? Vers 26 sagt: „Da fiel ihm der Knecht zu Füßen und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s alles bezahlen.“ Obwohl der Mann kein Recht auf Gnade und damit eigentlich keine Grundlage für seine Bitte hatte, bat er in seiner verzweifelten Lage den Herrn um Erbarmen. Wie reagierte der Herr? Vers 27 sagt: „Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei, und die Schuld erließ er ihm auch.“ Dieses Wort beschreibt das unfassbar große Erbarmen des Königs. Der Mann hatte keine Grundlage, aufgrund derer er den Herrn um Gnade bitten konnte. Aber der Herr hatte Erbarmen, er war bewegt, als er die elende Lage des Mannes sah und seine Bitte hörte. Aus Mitleid heraus ließ er ihn frei, er erließ ihm also die Strafe, und er vergab ihm auch seine ganze Schuld. Hier zeigt uns Jesus, was Gott auch mit unserer großen Schuld macht bzw. Gottes Erbarmen. Obwohl wir von uns aus keinen Grund für Erbarmen vorweisen können, sondern wegen unserer Schuld die Strafe verdient haben, erlässt Gott uns unsere Schuld, und zwar vollständig und bedingungslos, wenn wir ihn darum bitten. Gott sei Dank für sein unfassbar großes Erbarmen mit uns Sündern!

Wie froh muss der Mann gewesen sein, als der Herr ihm seine Schuld erlassen hatte! Er hätte eigentlich von ganzem Herzen dankbar dafür sein müssen. Denn durch das Erbarmen des Herrn wurde sein Leben gerettet und das seiner Familie! Was tat er aber kurz danach? Verse 28-30: „Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist! Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.“ Die Schuld des Mitknechts von 100 Silbergroschen war etwa der Lohn von 4 Monaten Arbeit. Das ist zwar keine kleine Summe, auf die man leicht verzichten kann. Aber weil es so viel weniger war als die riesige Schuld, die er selbst gerade erlassen bekommen hatte, hätte er seinem Mitknecht seine Schuld wirklich erlassen sollen. Aber obwohl sein Mitknecht ihn um Erbarmen anflehte, wollte er ihn nicht erhören, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.

Wie grotesk und inakzeptabel erscheint uns sein Verhalten! Wie konnte er so streng gegenüber seinem Mitknecht sein, obwohl er selbst so großes Erbarmen erlebt hatte?! Aber stellt Jesus damit nicht gerade dar, wie auch wir uns oft verhalten, wenn wir anderen ihre vergleichsweise kleinen Verfehlungen nicht vergeben, obwohl Gott uns unsere ganze Schuld erlassen hat? Wie kann das passieren? Der Knecht, der seine riesige Schuld erlassen bekommen hatte, zog aus dieser Gnade offenbar keine tiefe Konsequenz. Sicherlich war er erleichtert und froh, aber sein Denken und sein Verhalten im Umgang mit anderen waren nicht davon geprägt, sondern immer noch von seiner früheren Natur, von seiner Unbarmherzigkeit und seiner Habgier. Uns kann die gleiche Sünde auch passieren, wenn wir aus Gottes Gnade keine tiefe Konsequenz ziehen. Anders gesagt, wenn wir zwei unterschiedliche Maßstäbe benutzen – die Vergebung unserer eigenen Schuld von Gott wie selbstverständlich annehmen, aber die Schuld anderer als etwas ansehen, das für uns auf einem ganz anderen Papier steht. Das ist so schlimm vor Gott, weil wir damit die Gnade, die wir selbst von Gott erhalten haben, ignorieren und verachten. Es ist wichtig, dass wir aus der Gnade eine tiefe Konsequenz ziehen, sodass sie unsere Gesinnung, unsere Lebensweise und schließlich unser ganzes Wesen prägt mit Dankbarkeit, Freude und Barmherzigkeit. Dadurch soll unser Wesen und unser Leben von Gottes Gnade zeugen. Wenn wir trotz der Gnade unbarmherzig und unversöhnlich bleiben, können wir Gott nicht gefallen.

Das Verhalten des Knechts mag ihm zwar wie seine Privatsache vorgekommen sein, aber es kam vor den König. Wie reagierte der Herr auf das Verhalten des Knechts? Betrachten wir die Verse 32-34: „Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? 34 Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war.“ Der König nennt ihn einen bösen Knecht. Er war böse, weil er, obwohl ihm seine ganze Schuld vergeben worden war, nicht bereit war, die vergleichsweise kleine Schuld seines Mitknechts zu vergeben. Der Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war. Er verlor das Erbarmen des Herrn, das er so verachtet hatte durch seine unbarmherzige unversöhnliche Haltung gegenüber einem anderen. Es ist also nicht einfach eine verzeihliche Sache, wenn man trotz der von Gott empfangenen Gnade anderen gegenüber unversöhnlich ist. Es ist vielmehr eine Bosheit, die der Herr nicht zu akzeptieren bereit ist.

Welche Schlussfolgerung zieht Jesus daraus? Lesen wir gemeinsam Vers 35: „So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.“ Jesus überträgt das Gleichnis direkt auf die Jünger und damit auch auf uns, und spricht damit eine große Warnung aus. Gott erwartet von uns, dass wir aus der großen Gnade der Vergebung all unserer Schuld eine tiefe Konsequenz ziehen und unseren Brüdern und Schwestern von Herzen vergeben. Von uns aus können wir das nicht tun. Aber wir können es tun, wenn wir täglich bewusst machen, wie sehr wir selbst vor Gott verschuldet waren und welches große Erbarmen Gott uns erwiesen hat, indem er uns unsere ganze Schuld aufgrund des Kreuzes Jesu erlassen hat. Sein Erbarmen ist die Quelle der Kraft, mit der wir jedem Bruder, der an uns sündigt, seine Schuld vergeben können und sollen, und zwar bedigungslos und ohne Begrenzung. Dadurch wird Gott geehrt und die Kraft seiner Gnade gepriesen. Dadurch können wir anderen helfen, Gottes Gnade zu erkennen und zu ihr umzukehren und viele Außenstehende zu Gottes Gnade einladen. Möge Gott uns helfen, uns seiner großen Gnade täglich bewusst zu sein und einander bedingungslos von Herzen zu vergeben, damit wir ihn ehren und von ihm gebraucht werden können! Lesen wir nochmals das Leitwort: „So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder“ (35).

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