Predigt: Matthäus 17,14 – 27

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Die große Sünde des Unglaubens

O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden?

Mt 17,17

Wenn wir an die Person des Herrn Jesus denken, haben wir in der ersten Linie einen sehr sanftmütigen und verständnisvollen Menschen vor Augen. Doch heute werden wir unseren Meister einmal ganz anders kennenlernen, ihn als verärgert und aufgebracht erleben. Lasst uns betrachten, was und warum den Herrn Jesus so tief bekümmert hatte und wie wir vermeiden können, ihn so zu betrüben.

Teil I: Jesu Klage über den Unglauben (Verse 14 – 20)

Nach dem Ereignis der Verklärung kehrte der Herr Jesus mit seinen Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes vom Berg zurück. Kaum angekommen, wurde der Herr mit einer Not konfrontiert. Was war das für eine Not? Betrachten wir Vers 14. Und als sie zu dem Volk kamen, trat ein Mensch zu ihm, fiel ihm zu Füßen und sprach: Herr, erbarme dich über meinen Sohn! Denn er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser Ein Mann fiel aus lauter Verzweilfung bettelnd vor dem Herrn Jesus nieder und bat um die Heilung seines Sohnes.

Denn seinem Sohn ging es elendig. Dieser Junge war von einem bösen Geist besessen, wie aus V. 18 ersichtlich wird. Aus dem Mk-Evangelium wissen wir, dass der böse Geist den Jungen zu Boden zerrte und ihn so sehr quälte, dass er am Mund schäumte und mit den Zähnen knirschte und schließlich wie gelähmt war. Unter dem Antrieb des bösen Geistes, der den Tot des Jungen suchte, lief der Junger sogar ins Feuer oder ins Wasser. Wie schlimm muss es für einen Vater sein, sich so was an seinem eigenen Sohn anzusehen, der auch noch der einzige war. Der Vater muss unheimlich mitgelitten haben, als er sah, wie sein Sohn leidet. So muss ihm der Herr Jesus als die einzige Hoffnung für die Lösung seines Problems erschienen sein. Doch der war zu der Zeit auf dem Berg gewesen, weswegen der Vater zunächst zu den Jüngern ging, die nicht mit Jesus auf dem Berg waren. – Konnten die Jünger das Problem des Mannes bzw. des Jungen lösen? Wie berichtet der Vater hierüber? – Betrachten wir Vers 16: Und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht und sie konnten ihm nicht helfen. Der Bericht des Vaters ist eindeutig. Die Jünger waren nicht in der Lage gewesen, den Jungen zu heilen. Wie reagierte der Herr Jesus auf diese negative Nachricht? Naja, sicherlich hatte er Verständnis für seine Jünger und wollte sie wegen ihres Versagens erst einmal trösten, oder? – O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden? Lesen wir noch einmal gemeinsam den Vers 17: Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden? Bringt ihn mir her!

Der Herr Jesus hatte überhaupt kein Verständnis. Er war vielmehr zu tiefst enttäuscht und betrübt über den Unglauben der Jünger sowie der gesamten Generation seinerzeit.

Vermutlich hatten die Jünger anfangs mit Zuversicht versucht, den bösen Geist wie damals, als der Herr Jesus sie ausgesandt hatte, auszutreiben. Doch der böse Geist blieb in dem Jungen. Denn dieser böse Geist, mit dem es die Jünger zu tun hatten, war hartnäckig. Er ließ sich nicht ohne Beten und Fasten austreiben, wie es der Herr später seinen Jüngern erklärte. Als die Schwierigkeiten auftraten, wurden die Jünger schnell verunsichert, anstatt weiter zu glauben, den bösen Geist durch Gottes Kraft austreiben zu können. Schon vergaßen sie, was der Herr ihnen damals sagte, als er sie über die bösen Geister bevollmächtigte. Schon verloren sie ihren Blick auf ihren Meister, der doch voll hinter ihrer Absicht stand, den Jungen zu heilen und ihnen Kraft dafür geben wollte. Anstatt weiter auf Jesus zu schauen, schauten sie auf den Jungen, der sich auf den Boden wälzte, die Zähne knirschte und am Mund schäumte. Ihr Glaube war futsch. Sie gaben auf.

Mit dem Glauben des Vaters stand es nicht besser. So wie er die Not seines Sohnes detailliert beschrieb, zeigt, dass er ebenfalls nicht auf Jesus schaute, sondern auf die Schwere des Problems. Und dann sagte er später auch noch zu dem Herrn Jesus: Wenn du aber etwas kannst … (Mk. 9.22), was zeigt, dass der Vater Zweifel an Jesu Heilungskraft hatte.

Wo der Herr Jesus hinsah, herrschte Unglaube. Hier waren die Jünger, die aufgegeben hatten, den Jungen zu heilen. Da war der verzweifelte Vater, der nach dem Versagen der Jünger nicht mehr glauben konnte. Dort war das schaulustige Volk, das gespannt war, ob der Herr Jesus den Jungen heilen könne oder nicht. Und nach Mk. waren dort auch Schriftgelehrte anwesend, die sich mit den Jüngern stritten. Überall Unglaube. Unglaube soweit das Auge reicht. Einfach schrecklich für Jesus, er muss klagen: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden?

Nicht allein ungläubig, sondern auch verkehrt war diese Generation. Verkehrt war sie, weil sie ohne Grund und Anhaltspunkt zweifelte. Sie hatten sämtliche Wunder durch Jesu Hand erlebt. Und die Jünger selbst hatten durch Jesu Vollmacht Geister ausgetrieben. Eindeutig verkehrt. Überhaupt kein Anlass, ungläubig zu sein. Der Unglaube war für den Herrn Jesus einfach nicht mehr auszuhalten. Wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden? Und wie lange sollte er noch bei seinen Jüngern sein und wie lange sollte er sie noch erdulden, bis sie endlich einen stabilen Glauben lernen würden.

Aber warum reagierte der Herr Jesus auf die Sünde des Unglaubens so heftig? Im Laufe seines Erdenlebens wurde er doch mit vielen Sünden konfrontiert, auf die er aber nicht so heftig reagierte? Da begegnete er beispielsweise dem Zöllner Matthäus, doch tadelte er ihn nicht einmal und lud ihn sogar zur Nachfolge ein. Ein anderes Mal begegnete er einer Ehebrecherin, doch tadelte er auch sie nicht einmal, sondern sagte zu ihr: So verdamme ich dich auch nicht. Wieder ein anderes Mal begegnete er dem geldgierigen Zachäus. Aber Jesus tadelte auch ihn nicht, sondern kehrte in sein Haus ein. Aber wieso reagierte der Herr Jesus dann auf die Sünde des Unglaubens so heftig?

Unglaube ist keine kleine und harmlose Sünde. Nein, Unglaube ist eine sehr schlimme und gravierende Sünde. Denn Unglaube ist nichts anderes als Misstrauen gegenüber Jesu über alles geliebten Vater. Eine Beleidigung der Liebe Gottes. Und das empfand der Herr, der in des Vaters Schoß war, als abscheulich und unerträglich. Gott hatte durch Jesus den Israeliten seine Liebe bisher in vielfältiger Form bewiesen gehabt. Aber mit ihrem Unglauben ignorierten sie alle bisherigen Offenbarungen Gottes. Unglaube ist auch deswegen so eine schwerwiegende Sünde, weil der Mensch sich durch den Unglauben selbst von der Kraft und Gnade Jesu abschneidet, sodass ihn Gott kaum helfen oder durch ihn wirken kann.

Der Herr Jesus hatte viel ausgehalten in seinem Leben, viele Sünden, viele Feindseligkeiten, viele Entbehrungen und viele Leiden. Aber den Unglauben seinerzeit

wollte er nicht erdulden. Dieser schmerzte ihn und ließ Jesus aufschreien: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden?

Dieses Wort gilt auch uns. Wie lange soll der Herr Jesus unsere zwei Herzen in uns noch erdulden, dass wir mal zuversichtlichen Glaubens, mal voll Unglauben und Resignation sind, sobald Schwierigkeiten oder andere Probleme auftreten.

Wie lange noch soll der Herr Jesus sich ansehen, wie wir mit einem zweifelnden Herzen am Werk Gottes arbeiten. Mal Hand aufs Herz, glauben wir eigentlich noch wirklich daran, dass der Herr durch uns in diesem Land und in dieser Stadt mächtig wirken will oder haben wir angesichts der Schwierigkeiten innerlich schon aufgegeben?

Wie lange noch soll der Herr Jesus sich unsere ungläubigen Gedanken während des Alltags anhören oder sich mit ansehen, wie wir unsere alltäglichen Probleme mit Unglauben angehen. Wie viele Jahre Bibelstudium brauchen wir eigentlich noch, um einen stabilen Glauben zu lernen?

Wir tun sehr gut daran, wenn wir für unseren Unglauben dasselbe Problembewusstsein haben wie der Herr es hat. Wir sollen nicht meinen, dass wir bei großen Schwierigkeiten berechtigt seien, ungläubig zu denken. Denn der Herr Jesus schloss in seinen Tadel auch den Vater ein, der ja durchaus ein sehr großes Problem hatte. Machen wir heute ein für alle Mal Schluss mit unseren zwei Herzen. Wehren wir jeden ungläubigen Gedanken in uns ab.

Kehren wir zum Text zurück. Konnte der Herr Jesus den Jungen heilen? – Betrachten wir Vers 18: Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und von jener Stunde an war der Junge geheilt. Der Herr Jesus war durchaus in der Lage den Jungen zu heilen. Der Herr Jesus herrschte über den Dämon, sodass er ihn bedrohen und schließlich austreiben konnte. Die Schuld lag also nicht bei Gott, dass die Jünger gescheitert waren. Denn durch Jesus hatte Gott ja mächtig gewirkt.

„Warum konnten wir ihn nicht austreiben?“, fragten die Jünger daraufhin ihren Meister. Woran liegt es denn, dass es bei dir klappte, aber nicht bei uns?, war ihre Frage. Kommt uns die Lage der Jünger nicht bekannt vor? Da gibt es etwas, was wir für Gott tun wollen. Doch es gelingt irgendwie nicht. Und wir fragen uns, warum? Und das schlimme ist, wir wissen es wirklich nicht, wie auch die Jünger? Welche Antwort gibt der Herr Jesus ihnen und uns? Lesen wir einmal gemeinsam Vers 20: Er aber sprach zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens. Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

„Wegen eures Kleinglaubens“, erklärte der Herr. Was ist „Kleinglaube“? Werfen wir das „l“ aus der Vorsilbe „Klein“ heraus, dann wissen wir es: „Kleinglaube ist Kein Glaube.“ Kleinglaube ist lediglich ein theoretischer, kraftloser Glaube, der nicht zur Tat schreitet. Kein Wunder, dass in mehreren alten Handschriften anstelle des Wortes „Kleinglaube“ „Unglaube“ steht. „Kleinglaube und Unglaube sind vor Gott dasselbe“, erklärt ein Bibelkommentator. Also waren die Jünger ungläubig? Zu dem Zeitpunkt ja. Glaube ist nicht von sich aus konstant, sondern kann erheblich schwanken, wenn er nicht bewusst aufrechterhalten wird. Die Jünger hatten mal Glaube, mal waren sie voller Unglauben. Dieses geistliche Phänomen kennen wir allzu gut, nicht wahr? Der Herr Jesus sagt auch uns: „Wegen eures Kleinglaubens“, wenn uns die Arbeit für Gott nicht gelingt.

Wollte der Herr Jesus also den Jüngern sagen, dass sie einen besonders großen Glauben haben müssten, um den Jungen zu heilen? – Betrachten wir noch einmal Vers 20b: Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein. Keineswegs war ein besonders großer Glaube erforderlich, um den Jungen zu heilen. Entscheidend war nicht die Größe ihres Glaubens, sondern dass sie überhaupt Glauben haben. Selbst wenn dieser Glaube so winzig sein sollte wie ein Senfkorn, wäre er ausreichend gewesen, um Gewaltiges zu bewirken. Ein Senfkorn ist wirklich winzig, hat etwa einen Durchmesser von 2mm. Und euch wird nichts unmöglich sein., versprach der Herr seinen Jüngern, wenn sie Glauben haben würden. Dieses Versprechen gilt auch uns. Ist das nicht ermutigend? Wenn wir Glauben haben, dann wird uns nichts unmöglich sein, selbst wenn dieser Glaube nur so winzig sein sollte wie ein Senfkorn. „Habt Glauben an Gott“ fordert der Herr Jesus uns auf. Wir sollen in allen Bereichen unseres Lebens und ständig Glauben haben. Wenn auf den Glauben unabhängig von seiner Größe so eine große Verheißung liegt, dann sollten wir doch auf jeden Fall danach trachten, Glauben zu haben, oder nicht? Wie können wir stets Glauben haben? „Auf Jesus schauen“. „Auf Jesus schauen“ ist die Lösung. Wir sollen von Jesus bzw. von seinem Wort ausgehend denken, anstatt von der Situation. Wir sollen auf den Herr Jesus schauen, anstatt uns durch Schwierigkeiten in der Situation sogleich verunsichern zu lassen. Wenn wir beispielsweise einladen gehen, dann sollen wir auf Jesus schauen, der uns ganz willentlich Bibelschüler anvertrauen will, anstelle uns von schroffen Ablehnungen solgeich verunsichern zu lassen. Denn der Unglaube in diesem Land scheint hartnäckiger als jener böse Geist zu sein.

Wenn wir für einen Bibelschüler Bibelstudium vorbereiten, dann sollen wir auf den Herrn Jesus schauen, dass er ganz willentlich unsere Vorbereitungen gebrauchen möchte, um den Schüler anzusprechen, anstelle auf unser Unvermögen zu schauen. Wenn wir Stellungnahme schreiben, dann sollen wir auf den Herrn Jesus schauen, dass er uns ganz willentlich mit seinem Wort sehr persönlich ansprechen will.

Wir finden in der Bibel verschiedene Beispiele, in denen ganz vorbildlich auf den Herrn Jesus geschaut wurde. Denken wir beispielsweise an die blutflüssige Frau. Sie hatte viele Misserfolge bei der Heilung ihrer Krankheit erlebt. Doch als sie den Herrn Jesus sah, war sie bereit alle ihre negativen Erfahrungen zu überwinden und auf ihn mit den Worten „Wenn ich nur seine Kleider berühren könnte, so würde ich gesund.“(Mk. 5.28) zu schauen. Oder denken wir an den Synagogenvorsteher Jairus, der trotz seiner sterbenden Tochter noch auf Jesus schauen konnte mit den Worten: komm doch und lege deine Hände auf sie, damit sie gesund werde und lebe. Und selbst als sie gestorben war, konnte er noch glauben, dass der Herr sie heilen würde.

Und noch etwas. Obwohl du und ich keine Spitzenjünger sind, dürfen wir trotzdem auf den Herrn Jesus schauen und dadurch glauben, dass der Herr durch uns mächtig wirken will. Denn es waren ja nicht die Spitzenjünger Petrus, Jakobus und Johannes, durch die der Herr den Jungen heilen wollte. Sie waren ja mit dem Herrn Jesus auf dem Berg gewesen. Nein, es waren die anderen Jünger, wie Thomas oder Phillipus, durch die der Herr wirken wollte. Wir sollen daher nicht auf uns schauen und uns bedauern nach dem Motto: „Ich bin halt nicht so geistlich weit wie der- oder diejenige in der Gemeinde“, sondern auf den Herrn Jesus schauen. Der Herr Jesus möchte auch genau durch dich und mich mächtig wirken, nicht weil wir so großartig sind, sondern weil Jesus Jesus ist und wenn wir nur eine Glauben haben wie ein Senfkorn kann der Herr Jesus Berge versetzen, wie z.B. einen Studentenberg aus einem Vorlesungssaal im Neuenheimer Feld in die Landhausstraße 12 versetzen.

Wie können wir aber wiederum stets auf den Herrn Jesus schauen? In der Stillen Zeit empfangen wir Gottes Wort, das unseren Blick auf den Herrn hebt. Doch während des Alltags kann es leicht geschehen, dass wir unseren Blick auf den Herrn Jesus verlieren. Deswegen müssen wir unseren Blick durch den Tag hindurch auf Jesus halten, indem wir unsere Gedankenwelt hüten. Wie können wir sie hüten? Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an Susis Missionsbericht bzgl ihres Aufenthalts in Chicago: Susi fragte Mother Barry, wie es ihr denn gelinge, immer so jung und frisch auszusehen. Mother Barry antwortete, dass sie viele Worte Gottes in ihrem Kopf habe, an die sie sich mich immer wieder erinnern würde“ Wir können unsere Gedankenwelt hüten, indem wir sie mit Gottes Wort oder Fürbitten füllen nach dem Motto „Betet ohne Unterlass“. Wir sollten auch bewusst ungläubige Gedanken abwehren. Da ungläubiges Denken in gewisser Weise eine Gewohnheit des alten Menschen ist, müssen wir immer wieder neu ansetzten, ungläubige Gedanken abzuwehren und auf diese Weise diese Gewohnheit nach und nach uns abzugewöhnen.

Für unsere Aufgabe in Heidelberg müssen wir Glauben haben. Wenn wir aber nicht einmal einen winzigen Glauben haben, dann verletzen wir Jesu Herz. Und er kann auch nur über uns klagen: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Lasst uns allezeit Glauben haben, indem wir stets auf den Herrn Jesus schauen und unsere Gedankenwelt hüten!

Was lehrte der Herr Jesus seinen Jüngern noch?

Teil II: Die zweite Ankündigung von Jesu Tod und Auferstehung (V. 22 – 23)

Betrachten wir die Verse 22 und 23: Als sie aber beinander waren in Galiläa, sprach Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferstehen. Und sie wurden sehr betrübt. Der Herr Jesus kam mit seinen Jüngern nach Galiläa und eröffnete ihnen erneut, dass er überliefert und schließlich getötet werden, jedoch am dritten Tag auferstehen würde. Der Herr wollte die Jünger auf diese Weise auf seinen tragischen Weggang vorbereiten. Sie sollten den Glauben nicht verlieren, wenn der von ihnen angenommene Messias und Gottessohn auf einmal getötet wird. Der Herr Jesus wollte in den Herzen der Jünger auch Hoffnung säen, indem er sie darauf klar hinwies, dass er auferstehen würde. Doch wie nahmen die Jünger das Wort ihres Herrn auf? – Betrachten wir noch einmal Vers 23b: Und sie wurden sehr betrübt.

Es ist zum einen sehr gut nachzuvollziehen, dass die Jünger sehr traurig wurden, wenn sie davon erfuhren, dass ihr Meister ermordet werden sollte. Doch dass nur davon berichtet wird, dass sie auf seine Worte lediglich mit Traurigkeit reagierten, zeigt, dass sie das Wort der Auferstehung nicht angenommen hatten. Sie hatten weder Hoffnung noch Freude darüber, weil sie an den zweiten Teil der Offenbarung Jesu nicht glaubten. Es war leichter zu glauben, dass ihr Herr ermordet werden würde als dass er auferstehen würde. Denn die Auferstehung war etwas außerhalb ihres Erfahrungsbereiches, etwas was sie sich nicht vorstellen konnten. Die Jünger glaubten nicht dem vollständigen Wort Gottes. Das hatte zur Folge, dass sie keine Einsicht in Gottes Plan erlangten, was die Bedeutung des Todes und Auferstehung des Herrn anbelangt.

Wir sollen dem vollständigen Wort Gottes glauben, auch die Elemente, die nicht mit dem Verstand zu erklären sind oder nicht so leicht vorstellbar sind. Wenn wir dem Wort Gottes vollständig glauben, bekommen wir größere Einsicht in Gottes Plan und können dadurch mehr Orientierung und Hoffnung für unsere Mission bekommen, anstelle wie die Jünger in Traurigkeit zu versinken.

Wie sollen wir als solche, durch die Gott mächtig wirken will, leben?

Teil III: Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben (V. 24-27)

In Galiläa kam der Herr Jesus auch nach Kapernaum. Dort traten ihnen sogleich die Einnehmer der Tempelsteuer entgegen und sagten zu Petrus, ob deren Meister etwa nicht die Steuer bezahlen würde. Allein die negative Formulierung ihrer Frage zeigt, wie misstrauisch sie gegenüber den Herrn Jesus eingestellt waren. Obwohl der Herr Jesus in Kapernaum viel gewirkt hatte, stieß er auch dort auf viel Unglauben.

Petrus erwiderte den Steuereinnehmern mit einem einzigen Wort: „Ja“. Denn mehr wusste er ihnen wohl nicht zu entgegnen. Er konnte es ihnen nicht begründen, warum der Herr die Tempelsteuer nicht bezahlt hatte. Wie versuchte der Herr Jesus Petrus zu helfen? – Betrachten wir die Verse 25 – 26: Was meinst du, Simon? Von wem nehmen die Könige auf Erden Zoll oder Steuern: von ihren Kindern oder von den Fremden? Als er antwortete: Von den Fremden, sprach Jesus zu ihm: So sind die Kinder frei. Der Herr versucht Petrus mit einem Bild aus der Politik zu helfen. So wie die Herrscher dieser Welt nicht von ihren Söhnen, sondern von ihren Untertanen Steuern oder von Ausländern Zoll einnahmen, so gilt auch die Tempelsteuer nicht für die Kinder Gottes. Der Herr Jesus machte dem Petrus also deutlich, dass sie von Gott her nicht dazu verpflichtet seien, die Tempelsteuer zu zahlen. Wie ging aber der Herr mit diesem Recht um? Beharrte er darauf? – Lesen wir gemeinsam Vers 27: Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh hin an den See und wirf die Angel aus, und den ersten Fisch, der heraufkommt, den nimm; und wenn du sein Maul aufmachst, wirst du ein Zweigroschenstück finden; das nimm und gib´s ihnen für mich und dich. Nein, er beharrte nicht auf sein Recht. Durch sein Auftreten in Wort und Tat hatte der Herr viel Anstoß gegeben. Dies musste so sein, um Menschen zu erretten. Doch wollte er nicht unnötig Anlass zum Ärgernis geben und war auch bereit, auf sein Recht zu verzichten. Wie würde des denn aussehen, wenn der Messias sich in Streitereien um Geld verwickeln würde? Würde dies nicht die Vertrauenswürdigkeit Seiner Person beeinträchtigen, sein Werk der Rettung von Menschen sehr belasten und seinen Vater blamieren. Was sollen wir hieraus lernen? Paulus, der das Herz Jesu gut verstand, sagt es treffend: Erregt keinen Anstoß weder bei den Juden noch bei den Griechen noch bei der Gemeinde Gottes, so wie auch ich jedermann in allem zu Gefallen lebe und suche nicht, was mir, sondern was vielen dient, damit sie gerettet werden (1. Kor. 10. 32 -33).

Wir sollen bereit sein auf unsere Rechte zu verzichten, selbst wenn es ums Geld geht, um bei niemanden unnötig Anstoß zu erregen. Wie sieht es denn aus, wenn wir, die Gott zur Rettung vieler Menschen gebrauchen möchte, uns in Streitereien um Geld oder um andere materielle Dinge verwickeln würden? Wäre dies nicht hinderlich für Gottes Werk? Vielmehr sollen wir wie Paulus trachten jedermann in allem zu Gefallen zu leben und danach suchen, was nicht uns, sondern vielen dient, damit möglichst viele gerettet werden können.

Wir können aber nur solch ein Leben führen, wenn wir daran glauben, dass sich Gott selbst um uns kümmert. Der Herr Jesus tat genau das, indem er sich auf Gottes Fürsorge lehnte und glaubte, dass sein Vater extra für ihn Geld ins Maul eines Fisches legt.

Sicherlich hat sich nicht allein M. Kaleb, sondern auch Gott dabei etwas gedacht, dass gerade ich diese Predigt schreiben durfte. Ich glaube, dass der göttliche Grund der ist, dass ich zu denjenigen Christen gehöre, die sehr schnell ungläubig und verkehrt denken und sich durch Schwierigkeiten sehr leicht verunsichern lassen. Sobald Schwierigkeiten auftreten, werde ich im Glauben schwach und verunsichert und schaue nicht mehr auf Jesus, sondern vielmehr auf die Situation oder auf mich. Ich glaube, dass der Herr Jesus mir durch die Predigtvorbereitung sehr helfen wollte.

Durch die Predigtvorbereitung wurde mir bewusst, wie gravierend der Herr das Problem des Unglaubens erachtet. Mir war das bis dahin nicht so bewusst. Als ich versuchte mit diesem Problembewusstsein des Herrn während des Alltags bewusst gläubig zu denken, wurde mir erst klar, wie ungläubig ich eigentlich bin. Anfangs, als ich mich mit dem Text beschäftigte, verstand ich nicht so richtig, warum der Herr Jesus seine Jünger als „Ungläubige“ bezeichnete. Doch als ich versuchte, während des Alltags bewusst nicht ungläubig zu denken, wurde mir klar dass ich unübertrieben ein „Ungläubiger“ bin. Ich betete zum Herrn und sagte: „Herr, ich bin ein Ungläubiger. Hilf mir dir wie ein Kind zu glauben.“

In den letzten Tagen versuchte ich mehr auf den Herrn Jesus zu schauen. Als wir beispielsweise letzten Samstag in der Sambi-Gruppe einladen gingen, wollte ich auf den Herr schauen und glauben, dass er das Einladen reichlich segnet. Als ich mehrere Absagen erfuhr, wollte ich wieder zum Unglauben neigen. Doch dann erinnerte ich mich an die Stellungnahme, die ich zu diesem Text geschrieben hatte, und sagte mir: „Nein, ich muss glauben. Der Herr will das, dass ich das mache und er wird es segnen.“ Und siehe da, tatsächlich bekam ich danach eine Zusage. Ein Student gab mir seine Nummer und wir machten bereits den ersten Termin aus.

Auch die Predigtvorbereitung nahm ich zum Anlass, mehr auf Jesus zu schauen. Da ich in der Regel während der Predigtvorbereitung sehr schnell verzage, sobald Schwierigkeiten auftreten, wollte ich diesmal konsequent auf den Herrn schauen und getrost mit seiner Hilfe rechnen. Auf dieser Weise konnte ich auch Gottes Hilfe vielfach empfangen.

Möge Gott uns helfen, dass wir nicht mehr den Herr Jesus durch unseren Unglauben betrüben, sondern allezeit auf ihn schauen.

Lesen wir zum Schluss noch einmal das Leitwort: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden?

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