Predigt: Matthäus 15,1 – 28

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Dein Glaube ist groß

Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß.
Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.“

(15,28)

Heute haben wir die wunderbare Gelegenheit, zu lernen, wen Jesus annimmt und wen er abweist. Wir sehen, wie Pharisäer und Schriftgelehrte, also die Elite des Volkes Gottes, zu Jesus, der Segensquelle, kamen und abgewiesen wurden. Gleich im Anschluss sehen wir, wie eine kanaanäische Frau von Jesus angenommen und gelobt wurde, obwohl sie aus dem verfluchten Volk stammte.

Auch wir haben viele Anliegen, mit denen wir zu Jesus kommen wollen. Wir wollen, dass er uns hilft, uns von unserem alten Menschen befreit, wir wollen zu einer heiligen Persönlichkeit verändert werden, wir wollen ein segensreiches Leben unter seiner Leitung führen, wir wollen zu seiner Verherrlichung gebraucht werden, wir wollen Früchte des ewigen Lebens tragen. Die Liste ist sehr lang. Und wir brauchen Jesus. Aber wie können wir zu Jesus kommen? Wie sieht der Weg zu Jesus, der Quelle des Lebens, aus? Möge dieses Geheimnis durch das heutige Wort gelüftet werden, damit wir gerade das Herz Jesu treffen und mit Lob empfangen werden.

Teil I Was den Menschen unrein macht (1-20)

Was erfahren wir über die Begegnung der Pharisäer und Schriftgelehrte mit Jesus? Betrachten Verse 1 und 2. Sie kamen den ganzen weiten Weg aus Jerusalem, um Jesus zu inspizieren, an ihm etwas Schändliches zu finden und ihn zu verurteilen. Doch offensichtlich fanden sie nichts an Jesus, weswegen sie ihn hätten tadeln können. Doch in ihrem Streben, irgendetwas zu finden, um zu meckern, wurden sie fündig. „Da, deine Jünger waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen“. Innerlich jubelten sie, denn ihre lange Reise war nicht vergeblich gewesen. Endlich hatten sie etwas gegen Jesus und seine Jünger in der Hand. Die Jünger hatten gegen die Satzungen der Ältesten verstoßen.

Wie antwortete Jesus auf ihren Vorwurf? Betrachten wir Vers 3: „Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Satzungen willen?“ Wie so oft durchschaute Jesus seine Beschuldiger auf Anhieb. Und wie so oft antwortete er mit einer Gegenfrage. „Ihr beschuldigt meine Jünger, die Satzungen der Ältesten zu übertreten? Warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Satzungen willen? Was ist wichtiger, die Satzungen der Ältesten oder Gottes Gebot? Denn Gott hat geboten: Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben. Aber ihr lehrt: Wer zu Vater oder Mutter sagt: Eine Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht, der braucht seinen Vater nicht zu ehren. Damit habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer Satzungen willen. Ihr Heuchler, wie fein hat Jesaja von euch geweissagt und gesprochen: Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen aber ihr Herz ist fern von mir; vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.“

Schriftgelehrte und Pharisäer wurden im ganzen Volk geachtet und geehrt. Sie schienen das feinste und treueste Leben von allen zu führen. Es schien, als ob Gott sie besonders lieben würde. Und dieses Bild hatten sie am Stärksten von sich selbst. Wenn sie beteten, sprachen sie: „„Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher (…) Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.“ (Lk 18,11.12) Ich halte alle Satzungen der Väter.“

Doch wie sehr unterscheidet sich Jesu Bild von ihrem Bild! Sie hielten sich für gerecht, doch Jesus durchschaute ihre Heuchelei. Sie hielten sich für treu, doch Jesus sah sie als untreue Gesetzesbrecher, die Opfer brachten, um ihre Eltern weder zu lieben noch zu respektieren. Sie hielten sich für wichtig, für biblische Menschen, das waren sie auch, die Bibel hatte von ihnen geweissagt, doch nicht weil sie geistlich authentisch waren, sondern weil es eine große Kluft herrschte zwischen dem was sie mit den Lippen sagten und dem was in ihren Herzen war. Mit den Lippen waren sie bei Gott, doch mit dem Herzen waren sie weit, weit entfernt!

Ist euch aufgefallen, dass wir nichts aber auch gar nichts mehr von den Pharisäern und Schriftgelehrten hören? Sie waren gekommen um zu tadeln, doch sie wurden selbst getadelt. Was für ein Schock, was für ein unerwarteter Schlag für ihre so stolzen Herzen. Haben sie Jesu Worte zu Herzen genommen, der sie mit einem einzigen Blick durchschaut hat? Wenn wir auf Vers 12 schauen, lautet die Antwort ganz klar nein, denn sie nahmen Anstoß an Jesu Worte.

Und Jesu Urteil war vernichtend: „Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen. Lasst sie, sie sind blinde Blindenführer! Wenn aber ein Blinder den andern führt, so fallen sie beide in die Grube.“ (13.14)

Und da wandte sich Jesus endgültig von ihren ab, rief das Volk zu sich und lehrte eine bis dahin verborgene Wahrheit. Was macht den Menschen wirklich unrein und was macht ihn nicht unrein? Betrachten wir Vers 10: „Hört zu und begreift’s: Was zum Mund hineingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein.“ Was für eine, im wahrsten Sinne des Wortes, unerhörte Botschaft! Sie war neu, ungehört und sie war revolutionär! Jahrhunderte lang hatten die Menschen nach den Satzungen der Väter gelebt. Diese Satzung war ein Segen für ihre Gesundheit. Es ist immer gut, vor dem Essen die Hände zu waschen. Das hat mir meine Mutter auch immer gesagt. „Wasch deine Hände, wenn du nach Hause kommst, auch wenn du nichts essen willst!“ Doch für ihr geistliches Leben hatte diese Satzung gar keine Bedeutung. Man wird nicht rein vor Gott, wenn man die Hände wäscht, so einfach ist es nicht; genauso wenig wie man vor Gott unrein wird, wenn man die Hände nicht wäscht. Das Volk sollte diese einfache aber bis dahin verborgene Wahrheit begreifen.

Haben es wenigstens die Jünger begriffen? Nein, Petrus verstand nicht. „Deute uns dies Gleichnis!“ forderte er Jesus auf. „Seid denn auch ihr noch immer unverständig? Merkt ihr nicht, dass alles, was zum Mund hineingeht, das geht in den Bauch und wird danach in die Grube ausgeleert?“

Was, was macht den Menschen wirklich unrein? Wovor müssen wir uns hüten? Lesen wir die Verse 18-20: „Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein.“

Ist das nicht unfassbar? Jesus lehrt die absolute Wahrheit über das menschliche Wesen, über dich und über mich, über dein Herz und mein Herz. Das Unreine kommt nicht von außen! Es wohnt in uns, tief drinnen in unseren Herzen. Und durch das was wir sagen, dringt es nach außen. Wir machen uns also selbst unrein.

Wir neigen leicht dazu andere für unsere Fehler verantwortlich zu machen. Jugendliche, aber nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene, machen gerne ihre Eltern verantwortlich, für ihre schlechten Angewohnheiten. Wenn mich meine Eltern anders erzogen hätten, wäre ich jetzt nicht so faul. Oder wenn ich bessere Lehrer in der Schule gehabt hätte, wäre ich jetzt ein besserer Mensch. Doch Jesus lehrt, dass dein eigenes Herz Ursache allen Übels ist. Verstehst du das?

Einmal saß ich mit einem Philosophiestudenten, einer Atheistin und einem Christen im selben Auto. Wir wollten bzw. sollten der Studentin beim Umzug helfen. Während wir fuhren, fragte der Christ den Philosophiestudenten: „Du studierst doch Philosophie. Was ist der Mensch aus der Sicht der Philosophen, gut oder böse?“ Darauf hin rief die Atheistin spontan: „Ist doch klar, der Mensch ist gut!“ Wobei der Philosophiestudent zugab: „Ich habe leider keine Ahnung, ich bin im ersten Semester“. Dann schauten sie mich an, um meine Meinung zu hören. Ich zitierte 1.Mose 8,21: „das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“ Die Bibel ist eindeutig. „Ist doch klar, der Mensch ist gut!“ hatte sie ausgerufen. Noch am selben Tag sollten wir alle erfahren, wie ungut sie in Wirklichkeit war. Am Abend waren alle ihretwegen genervt, weil sie so hinterhältig und arglistig war. Sie hatte wirklich keine Ahnung was sie sagte. Und das ist typisch, die Menschen haben keine Ahnung wer oder was sie wirklich sind.

In keiner Religion wird das Wesen des Menschen so realistisch wiedergegeben, wie in der Bibel. Deshalb ist die biblische Botschaft auch so unbeliebt bei der Mehrheit. So langsam kommen aber sogar die Psychologen dazu, zu erkennen, dass sie die Sünde als wesentlicher Bestandteil der menschlichen Identität nicht einfach wegdefinieren können. Hobart Mowrer, beging mit 75 Jahren Selbstmord. Er war Präsident der American Psychological Assossiation und President der John Hopkins und Professor an Yale und Harvard, ein weltberühmter Psychologe. Vor seinem Tod schrieb er in einem Paper (frei übersetzt):

„Seit mehreren Jahrzehnten haben wir Psychologen auf die ganze Thematik mit der Sünde und der moralischen Verantwortung herabgeblickt, wie auf einen großen Inkubus und haben unsere Freiheit aus diesem erfundenen Epos gefeiert. Aber schließlich haben wir entdeckt, dass unsere Entschuldigung, in diesem Sinne von der Sünde frei und stattdessen krank zu sein, die Gefahr in sich birgt verloren zu gehen. Auf dem Weg der Unmoral, der ethischen Neutralität und der Freiheit haben wir die Wurzeln unseres Seins abgetrennt und unseren tiefsten Sinn für unser selbst und unserer Identität verloren. Und mit Neurotikern fragen wir: „Wer bin ich? Was ist mein Schicksal? Und was bedeutet Leben wirklich?“

Was er sagen will ist: Wenn wir die Sünde vom Menschen trennen, dann verlieren wir den Sinn für die menschliche Identität und wissen nicht wer wir sind.

Niemand kann die Sünde des Menschen verleugnen. Sie liegt auf der Hand. Erstaunlich, dass die Menschen trotzdem ein so gutes Bild von sich haben, nicht wahr?

(Geschichte der 2 Brüder). Was ist mit uns? Halten wir uns für Heilige? Ok, aber verglichen mit wem? Wer bist du, verglichen mit dem makellosen Lamm Gottes, unserem Herrn der Herrlichkeit, dessen Antlitz leuchtet wie die Sonne und dessen Kleider weiß sind wie helles Licht? Wer bist du vor den Augen Gottes, wenn du vor der Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes bestehen musst, dem die Serafim vor Ehrfurch ihre Augen und Füße bedecken und rufen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!?“ (Jes. 6,3) Wirst du nicht vergehen, wie Jesaja, der vor Gottesfurcht schrie: „Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.“ (Jes 6,5) Was willst du vorweisen, wenn du vor der Heiligkeit Gottes stehst? Deine guten Seiten? Deine guten Taten? Die Anzahl der ST die du geschrieben hast? Die ganzen GD die du besucht hast? Die vielen Stunden, die du in der Gemeinde verbracht hast? Kannst du damit vor Gott bestehen? Macht dich das gerecht? Paulus zitiert die Schrift: „Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer.“ (Röm 3,10) Und Paulus musste es wissen. Im übertragenen Sinne hatte er mehr ST geschrieben wie wir alle zusammen, mehr Konferenzen besucht und häufiger gepredigt als wir alle. Doch er schaffte es einfach nicht vor Gott gerecht zu werden. Er konnte nur seufzen: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?“ (Röm. 7,24)

Unsere Sünde ist kein Kavaliersdelikt, sie schreit zum Himmel und trachtet nach unserem Leben. Wir können den Worten Jesu in den Versen 19 und 20 nichts entgegensetzen. „Im Herzen voller böser Gedanken, im Herzen voller Mord und Hass gegenüber anderen. Im Herzen voller Ehebruch und unzüchtiger Gedanken. Im Herzen ein Dieb, der die Dinge anderer begehrt. Im Herzen ein Lügner, der falsches Zeugnis gibt. Ein Lästerer, der Übles über andere redet. Wer kann vor dir bestehen, Herr? Ich vergehe, denn meine Lippen und Herz sind unrein.

Das schonungslose Wort Jesu entzieht den Boden für jegliche religiöse Versuche, durch eigene Werke oder eigene Gerechtigkeit zu Jesus zu kommen. Bleibt uns nichts anderes übrig als zu seufzen und zu verzweifeln? Wir steuern nun der entscheidenden Frage entgegen: Wie können wir zu Gott kommen?

Gelobt sei Gott, denn im heutigen Text erfahren wir den Weg zu Gott. Wir betrachten die kanaanäische Frau, die durch den Glauben zu Jesus kam und alles richtig machte. Wann und wie wird uns Jesus aufnehmen, wenn wir seine Gegenwart aufsuchen?

Teil II Der Glaube der kanaanäischen Frau (21-28)

Die vermeintlich Besten im Volk hatten versagt. Wer kam anschließend zu Jesus, als er in die Gegend von Tyrus und Sidon zog? Betrachten wir den Text. „Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.“ (22)

Ein merkwürdiges Schauspiel ereignete sich. Eine schreiende kanaanäische Frau suchte Jesu Aufmerksamkeit. Was erfahren wir über Jesu Reaktion? „Und er antwortete ihr kein Wort.“ Und weil Jesus ihr nicht antwortete, schrie sie immer mehr und immer lauter. So wichtig war ihr Anliegen. Jesu Jünger wurden indes nervös. „Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach.“

Was sagte Jesus dazu? Vers 24: „Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ Ihr Fall war ziemlich tricky. Sie gehörte nicht dem Volk Gottes an, sondern den Feinden Gottes. Sie hatte die denkbar ungünstigste Voraussetzung, die man sich vorstellen kann. Kanaan stand unter dem Bann Gottes. Sie sollten vernichtet werden, denn ihre Sünde und ihr Götzendienst schrien zum Himmel. Außerdem waren sie ein Fluch für Israel. Sie plagten das Volk, überfielen ihre Ernte oder führten Kriege und verführten sie zum Götzendienst.

Interessant ist deshalb, dass diese Frau über Jesus Bescheid wusste. Sie nannte ihn Sohn Davis, sie hielt ihn also für den Messias. Außerdem war sie nicht gekommen um gesund zu werden oder ähnliches, sondern sie kam ihrer Tochter wegen, doch nicht weil sie krank war, sondern weil sie ein geistliches Problem hatte. Sie kam, aufgrund des geistlichen Problems ihrer Tochter, beeindruckend nicht wahr? Aber Jesus war ganz und gar nicht beeindruckt, jedenfalls noch nicht.

Was geschah? “Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir!“ (25) Diese Frau war einfach nicht zu stoppen. Ihr Anliegen brannte in ihrem Herzen und ließ ihr keine Ruhe. Nichts und niemand konnte sie stoppen. Wahrscheinlich hat sie alle 12 Jünger beiseite geschoben und sich bis zu Jesus vorgedrängt. Sie warf sich ihm vor die Füße und bat flehentlich: „Herr, hilf mir!“ Das geistliche Problem ihrer Tochter war ihr eigenes Problem. So sehr liebte sie ihr Kind. „Hilf mir!“ flehte sie Jesus an.

War Jesus berührt? Betrachten wir Vers 26: „Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“ Ganz schön krass, oder? Da bleibt einem die Spucke weg!“

Was meinte Jesus mit dieser Metapher? Große Hunde durften damals nicht in die Häuser eintreten. Nur den kleinen, putzigen Haushunden war es gestattet, im Haus zu wohnen und zu speisen. Wir können uns vorstellen, wie die Eltern ihren Kindern Brot zu essen gaben. Und wie Kinder nun mal sind, ließen sie einiges unter dem Tisch fallen. Das Brot bröckelte und landete als Krümel auf dem Boden, ein gefundenes Fressen für die kleinen Hunde. Als ich eine Woche in Chicago gewohnt habe, hatte ich einen kleinen Haushund, Namens Shamus. Immer wenn ich etwas Essbares zur Hand hatte, sprang Shamus auf, rannte mit leuchtenden Augen in meine Richtung und setzte sich mit einem herzzerreißenden Blick zu meinen Füßen. Immer wenn ich mir etwas in den Mund steckte, ragte er mit der Schnauze nach vorne. Weil er mir so Leid tat, ließ ich ab und zu etwas auf dem Boden fallen. Und es ist erstaunlich. Hunde beklagen sich nicht, wenn man ihnen etwas zum Fressen vorwirft. Sie sagen nicht: „Das ist aber ganz schön unhöflich. Warum bekomme ich nur die Reste? Und warum steckst du mir die Krümel nicht ins Maul, sondern wirfst sie mir respektlos auf dem Boden?“ Sie sind nicht beleidigt, sondern überglücklich und überaus zufrieden, wenn sie nur die Brosamen abbekommen. Sie sind so demütig, weil sie ihre Rolle kennen und akzeptieren.

Und nun zu Jesus. Jesus sagt: Ich bin der Vater, die verlorenen Schafe des Hauses Israel sind meine Kinder. Der Tisch ist Israel, über den ich das Brot verteile. Du bist keines meiner Kinder. Du gehörst nicht zum Kreis der Auserwählten. In meiner Geschichte bist du nicht einmal ein Mensch. Du bist ein Hund, ein kleiner Hund, der nicht mit am Tisch sitzen und essen darf!

Was für ein harter Rückschlag, könnte man meinen. Wir wissen, dass Frauen in der Regel etwas sensibler reagieren als Männer. Bei Frauen muss man vorsichtig sein, bei der Wortwahl. Ich kenne das von meinem Kreis und von meinen Kolleginnen. Was für Männer ok ist, kann für Frauen eine Katastrophe sein. Was sagen wir dann zu Jesu Umgang mit dieser armen Frau?

Wie ging sie damit um? Lesen wir Vers 27: „Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ Sie sagte: „Ja, Herr“. Ist das nicht erstaunlich? Normalerweise haben Menschen einen viel besseren Eindruck von sich selbst, als es der Realität entspricht! Man betrachte nur die Schriftgelehrten und Pharisäer! Die Frau hätte sagen können „Ich bin vielleicht nicht perfekt, aber ganz bestimmt kein Hund. Ich führe ein gepflegtes Leben, stamme aus einer guten Familie, wir sind kultiviert und haben Anstand. Ich bin höchstens vergleichbar mit einer Nachtigall, einem Schwan oder einem Pfau aber doch kein Hund! Außerdem habe ich großen Glauben. Als vielleicht einzige Vertreterin meines Volkes glaube ich, dass du der Christus bist. Ist das nichts wert? Du musst meinen Glauben segnen! Warum segnest du mich nicht? Außerdem… und aus diesem Grund…und deshalb….und weil….man beachte auch…“ usw. usf. Das sind typische menschliche Reaktionen. Doch wir finden nichts, aber auch gar nichts dergleichen!

Stattdessen gab sie zu: „Ja, Herr“, „du hast völlig recht, Herr, wehe mir, Herr, verglichen mit dir und den anderen bin ich nur ein Hund, Herr, eine unwürdige Kreatur, ohne Ansprüche.“ Sie akzeptierte die Sichtweise Jesu, sie bestätigte Jesus von ganzem Herzen. Sie hielt Jesu Wort für wahr, auch wenn sie selbst vor allen Leute bloß gestellt wurde. Kannst du das auch? Wer bist du vor Jesus? Ein edler Prinz, eine holde Prinzessin? Bist du nicht viel mehr ein boshafter Denker, ein Mörder, ein Ehebrecher, ein Unzüchtiger, ein Dieb, ein Lügner, ein Lästerer? Bist du nicht unrein? So beschreibt uns Jesus! Jesu Wort ist schonungslos und Jesu Wort ist hart. Aber hat er nicht Recht? Er kennt uns am Besten und er hat uns alle durchschaut.

Und nun kommt die entscheidende Frage. Gibst du ihm Recht? Sagst du: „Ja, Herr, du hast recht? Hilft mir, Herr?“ Möge Gott in uns wirken!

Betrachten wir nochmals die Antwort der Frau: „Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ Was sie meinte war: „Ja, Herr, ich bin ein Hund aber Herr, lass mich dein Hund sein. Lieber dein Hund als des Teufels Kind. Ich will mein Leben zu deinen Füßen verbringen und mich allezeit von den herunterfallenden Brosamen ernähren.“

Was erfahren wir über Jesus? Lesen wir Vers 28: „Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.“ Diese Frau, geistlich arm, zerschlagen im Geist, demütig und lernwillig, erlangte das größtmögliche Lob auf Erden. Unverhofft wurde sie zu einer biblischen Persönlichkeit, denn sie traf genau das Herz Jesu. Während die gebildeten und religiösen Oberen mit ihrem Reichtum an Bildung und Wissen scheiterten, fand sie als eine fremde Frau mit leeren Händen, als eine Frau die nichts vorweisen konnte, den gottgefälligen Weg und wurde gesegnet. „Frau“ sagte Jesus respektvoll und nicht mehr „Hund“, „dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst!“

Was ist das Geheimnis ihres großen Glaubens? Was können wir von ihr lernen? Wir wollen 4 Punkte festhalten:

  1. Im Gegensatz zu den Pharisäern kam die Frau nicht aufgrund ihrer vorgetäuschten Reinheit zu Jesus. Sie kam als unwürdige Sünderin, mit leeren Händen, zerbrochen und zerschlagen im Geist. Durch den Glauben erkennen wir, dass wir allesamt Sünder sind und des Ruhmes ermangeln, den wir bei Gott haben sollten (Röm. 3,23) Diesen Glauben hatte die Frau, dieser Glaube fehlte den Pharisäern.
  2. Ihre Demut. Weil sie durch den Glauben ein realistisches Bild von sich selbst hatte, konnte sie in Demut zu Jesus kommen. Weil den Pharisäern dieser Glaube fehlte, hatten sie ein falsches, ein positives Bild von sich und kamen stolz und selbstgerecht zu Jesus. Jesus verstieß sie, während er die demütige Frau aufgrund ihres Glaubens annahm.
  3. Die Frau reagierte sogleich auf die harten Worte Jesu. Die Pharisäer nahmen Anstoß an Jesu Worte, doch die Frau nahm Jesu verletzende und beleidigende Worte sofort zu Herzen und bestätigte sie. Die Pharisäer konnten keinen Glauben an die Worte Jesu aufbringen. Doch die Frau glaubte an die Worte Jesu.
  4. Die Frau war mit vielfältigen Ablehnungen Jesu konfrontiert. Sie kam und schrie, während Jesus schwieg, sie fuhr fort zu schreien und zu bitten, doch Jesus lehnte seine Hilfe ab, daraufhin fiel sie vor Jesus nieder und flehte ihn an, doch Jesus erteilte ihr eine saftige Abfuhr inklusive einer tierischen Beleidigung, doch sie erniedrigte sich bis geht nicht mehr und akzeptierte und gab nicht nach, sondern flehte ihn weiterhin an. Sie hörte: nein, nein, nein, doch durch den Glauben hörte sie, ja, ja, ja. Wie ist das möglich? Optisch sah sie Hindernisse, Akustisch hörte sie Ablehnung, Jesu Körpersprache kommunizierte ein klares nein, doch durch den Glauben sah sie mehr als nur die dreidimensionale Welt. Durch den Glauben sah sie Jesu jammerndes Hirtenherz und seine unendlich große Barmherzigkeit. Was sie mit ihren Augen nicht sehen konnte, sah sie durch ihren Glauben. Der Herr schenke uns erleuchtete Augen des Herzens, damit wir durch den Glauben erkennen. (Vgl. Eph. 1,18)

Allein der Glaube führt uns zu Jesus. Nur durch den Glauben, werden wir von ihm angenommen. Möge er uns Glauben schenken, der gerade Jesu Herz trifft. Möge er unsere Anliegen erhören und sich selbst in unserem Glaubensleben verherrlichen.

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