Predigt: Matthäus 16,1 – 28

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Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn

Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn

(Mt. 16. 16)

Wer ist Jesus? Menschen können auf diese Frage in unterschiedlichster Weise antworten. Was ist deine Antwort auf diese Frage? Lasst uns heute betrachten, welches Bekenntnis Petrus anlässlich dieser Frage ablegte und was die unmittelbare Konsequenz aus diesem Bekenntnis ist.

Teil I: Der Unglaube der religiösen Leiter und der Kleinglaube der Jünger (V. 1-12)

Die Pharisäer und Sadduzäer kamen zum Herrn Jesus. Warum? Um mit ihm zu streiten und ihn zu versuchen. Sie forderten ihn auf, ihnen ein Zeichen vom Himmel zu geben. Die Tatsache aber war, dass ihnen der Herr Jesus bereits eine Menge Zeichen gegeben hatte. Es waren die Zeichen der Zeit. Zu den Zeichen der Zeit gehörte, dass der Herr Menschen heilte und Armen das Evangelium gepredigt hatte. Seine Wunder hatten die Pharisäer und Sadduzäer ignoriert bzw. willentlich nicht als Zeichen anerkannt, obwohl sie in der Schrift als Zeichen des Messias ausgewiesen waren.

Der Herr Jesus seufzte in seinem Geist wegen ihres Unglaubens und sagte: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen; doch soll ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Jona. In den Augen des Herrn waren die Pharisäer und Sadduzäer böse. Sie verlangten das Zeichen nicht, um zu glauben, sondern um dem Herrn Jesus eine Falle zu stellen. Ein weiteres Zeichen hätte ihnen folglich nicht geholfen, an ihn zu glauben, da sie in ihrem Unglauben verharrten. So weigerte sich der Herr ihnen ein Zeichen am Himmel zu geben, doch zugleich wies er sie auf das Zeichen des Jona hin.

Was bedeutete das Zeichen des Jona? Jona kam aus dem Fischbauch und kündete das Gericht an. Ebenso wollte der Herr Jesus nach Seiner Auferstehung von den Toten wiederkommen, um alle zu richten, die nicht an ihn glaubten. Kurz gesagt: Warnte der Herr Jesus seine Gegner vor dem Gericht. Dann verließ Er sie.

Nach der unglücklichen Begegnung mit den Pharisäern und Sadduzäern gab der Herr Seinen Jüngern eine Warnung: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Phariäser und Sadduzäer! Er wollte Seine Jünger vor dem geheimen und subtilen Einfluss der heuchlerischen Lehre der Pharisäer und der Lehre der Sadduzäer warnen.

Doch wie verstanden die Jünger die Warnung des Herrn? Die Jünger hatten das Bild vom Sauerteig wortwörtlich genommen. Ihre Sorge, dass sie Nichts zum Essen mitgenommen hatten, ließ sie die Worte des Herrn falsch verstehen. Sie waren um ihre Versorgung besorgt, obwohl sie der Herr bisher mehrere Male auf wunderbare Weise versorgt hatte. Deswegen tadelte sie der Herr Jesus mit scharfen Worten. Mit seinen scharfen Worten wollte Er seine Jünger aus der irrealen Sorgenwelt herausreißen und sie auf den Boden der Tatsachen stellen. Die Tatsachen waren, dass der Herr mit wenigen Broten und Fischen fünftausend Mann und ein anderes Mal viertausend Mann mit ihren Familien versorgt hatte. Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen war die Sorge der Jünger total unrealistisch gewesen. Die Jünger sollten sich an diese wunderbaren Ereignisse erinnern und sich keine Sorgen machen. Stattdessen sollten sie sich vor dem Sauerteig der religiösen Leiter hüten.

Der Herr Jesus hatte bereits eine längere Zeit lang gewirkt gehabt. Aber die erwünschte Reaktion blieb aus: Die religiösen Leiter verharrten in ihren Unglauben und der Glaube der Jünger entsprach nicht Seiner Offenbarung. Hatten die Jünger etwa immer noch nicht begriffen, wer Er war?

Teil II: Das Bekenntnis des Petrus

Nach diesen Begebenheiten zog der Herr Jesus mit seinen Jüngern nach Cäsarea Philippi. Lukas berichtet, dass der Herr betete, offenbar für den persönlichen Glauben Seiner Jünger. Nach dem Gebet fragte Er seine Jünger: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? (Mt. 16.13) Die Jünger erwiderten ihm, dass sie ihn für Johannes den Täufer oder für einen anderen großen Propheten des AT halten würden. Die Leute sahen in dem Herrn eine große Persönlichkeit, erkannten aber nicht seine eigentliche göttliche Größe. Ist das nicht heute auch so?

Dann fragte der Herr Jesus auch seine Jünger: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? (V.15). Welche Antwort erhielt der Herr? Lesen wir Vers 16: Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.

Petrus bekannte dass Jesus der in der Schrift verheißene Christus und der Sohn Gottes sei. Petrus verband die Person des historischen Jesus mit der Person des verheißenen Messias. Er drückte mit Seinem Bekenntnis sinngemäß Folgendes aus: „Du, Mensch Jesus, der du in Nazareth aufgewachsen bist; Du, der du leibhaftig vor meinen Augen stehst; Du, dem ich schon längere Zeit nachgefolgt bin; bist der von Gott Gesalbte; bist der, den die Schrift vorausgesagt hat; bist der Sohn Gottes und damit Gott höchstpersönlich!“ Dieses Bekenntnis bedeutet auf heute übertragen etwa: „Du, Mensch Jesus, der du vor 2000 Jahren in Israel gewirkt und gelebt hast; Du, von dem in den Evangelien berichtet wird; Du, von dem wir im Bibelstudium die ganze Zeit reden; Du, den wir im Gottesdienst besingen; Du, zu dem wir beten; Du, an den meine Eltern und die Menschen in der Gemeinde glauben; Du, für den wir das alles hier machen usw. – bist der von Gott bestimmte Erlöser für mich, bist der von Gott eingesetzte Herr über mich; bist der Sohn Gottes; Du bist Gott höchtspersönlich, der hier und jetzt lebt.“ Kannst du das auch bekennen?

Wenn du das bekennen kannst, dann gelten die folgenden Worte des Herrn Jesus auch für dich. Lesen wir Vers 17 b (ab „selig“): Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

Selig bist du, wenn du Jesus als deinen Erlöser, als deinen Herrn und als den Sohn Gottes bekennen kannst. Denn es war nicht dein Superhirn, auch waren es nicht deine gläubigen Eltern oder sonst jemand, sondern der Vater im Himmel war es, der dein Herz erleuchtet hat.

Dieses Bekenntnis des Petrus war ein Licht inmitten dieser dunklen Zeit des Unglaubens und sollte eine große Tragweite besitzen. Welche? Lesen wir Vers 18: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

Dieses Bekenntnis von Petrus sollte als felsenfestes Fundament dienen, auf das der Herr seine Gemeinde bauen wollte. Die Gemeinde Christi sollte aus denen bestehen, die wie Petrus das wahre Bekenntnis ablegen können. Aufgrund ihrer felsenfesten Grundlage des Bekenntnisses sollte die Gemeinde unüberwindbar sein. Nicht einmal der Tod, die letzte Waffe des Satans, sollte sie zerstören können. Dies ist in zweierlei Hinsicht wahr: Erstens kann die Gemeinde durch die Kraft der Auferstehung den Tod überwinden. Zweitens gab es in der Geschichte zahlreiche Versuche, die Gemeinde Christi zu zerstören. Aber die Folge war nicht die Ausrottung der Gemeinde. Nein, gerade in diesen Zeiten erfolgte ein Wachstum der Gemeinde, sowohl in ihrer Anzahl als auch in ihrer geistlichen Größe.

Wie weit reichte die Tragweite des Bekenntnisses von Petrus? Im Vers 19 heißt es: Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

Auf der Grundlage des Bekenntnisses sollten sich himmlische Vorgänge vollziehen. Dies können wir uns so vorstellen: Petrus nahm in seine Gemeinde die auf, die dasselbe Bekenntnis wie er hatten. Solchen öffnete er die Türen der Gemeinde und löste sie auf diese Weise aus dem Herrschaftsbereich der Sünde, des Todes und des Satans. Andere wiederum, die das wahre Bekenntnis leugneten, nahm er nicht in seine Gemeinde auf. Sie ließ er weiterhin an der Macht der Sünde und des Todes gebunden.

Die Absicht des Herrn war bisher gewesen, sich den Jüngern als den verheißenen Christus zu offenbaren. Mit dem Bekenntnis des Petrus hatte der Herr Jesus dieses Ziel erreicht. Seit der Zeit fing Er an, den Jüngern etwas Neues zu offenbaren. Was war das?

Teil III: Das Werk des Christus

Lesen wir Vers 21: Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen.

Nun, nachdem die Jünger begriffen hatten, dass der Jesus von Nazaerth der verheißene Christus ist, konnte Er ihnen das Werk des Christus offenbaren. Das Werk des Christus bestand darin, dass Er leiden, sterben und am dritten Tage auferstehen musste, um auf diese Weise Sühnung und Ewiges Leben für die verlorene Menschheit zu schaffen.

Dies musste so geschehen, weil dieses Werk von Gott so bestimmt und bereits in der Schrift vorausgesagt worden war. So heißt es in Jesaja (Jesaja 53. 4-5): Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Doch wie reagierte Petrus auf die Ankündigung des Herrn Jesus über sein Leiden, Tod und Auferstehung? Betrachten wir Vers 22. Petrus sagte: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht! Wie können wir die Worte des Petrus verstehen?

Zu der Zeit, als der Herr Jesus den Jüngern das Werk des Christus offenbarte, waren sie von Cäsarea Phillipi, welches ziemlich im Norden von Israel liegt, auf den Weg nach Jerusalem. In Cäsarea Phillipi hatte Petrus sein Bekenntnis abgelegt. Dann erfolgte ein Wendepunkt: Jesus wechselte die Richtung. Er schlug die Richtung nach Jerusalem ein. Auf dem Weg nach Jerusalem offenbarte er den Jüngern, dass er in Jerusalem sterben und leiden müsse. Der Herr musste ihnen das eröffnen, weil Petrus und die Jünger eine ganz andere Vorstellung vom Werk Christi hatten. Sie hatten wie seine jüdischen Zeitgenossen die Vorstellung, dass der Christus die Israeliten von den Römern befreien und das Reich von David wiederherstellen würde. Kurz gesagt: Die Jünger hätten denken können: „Juhhu, jetzt werden wir uns auf den Weg nach Jerusalem machen. Dort wird dann Jesus endlich zum König erhoben werden und sein Reich aufrichten.“ Aber Jesus erklärte ihnen mit eigenen Worten gesagt: „Nein, da werde ich nicht zum König erhoben, sondern gepeinigt und ermordet werden, aber am dritten Tag auferstehen.“ Petrus nahm Anstoß am Werk Christi. So hatte er sich das Werk Christi nicht vorgestellt. Der Christus sterben und leiden? – Das passte ihm nicht. Doch der Herr antwortete Petrus: Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. Der Herr musste Petrus mit scharfen Worten zurückweisen. Denn Seine Vorstellung vom Werk des Christus war nicht göttlich, sondern menschlich. Hierdurch lernen wir, dass wir Jesus und sein Werk aus der Perspektive Gottes und nicht aus unserer Perspektive betrachten sollen.

Wir haben nun das echte Bekenntnis und das Werk Jesu Christi kennen gelernt. Was bedeuten sie für uns praktisch?

Teil IV: Die Nachfolge (V. 24-28)

Lesen wir gemeinsam Vers 24: Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.

Wenn du von Herzen glaubst, dass Jesus dich von deinem alten sündhaften Leben erlöst hat, wenn du von Herzen glaubst, dass Jesus der von Gott bestimmte Herr über dich ist, wenn du von Herzen glaubst, dass Jesus der Sohn Gottes ist, dann ist die Nachfolge Jesu Christi die unmittelbare Konsequenz daraus.

Und wenn du es im Herzen angenommen hast, dass das Werk Jesu Christi nicht auf weltliche Selbstverherrlichung, sondern auf Leiden, Tod und Auferstehung gründet, dann wirst du es auch annehmen, dass deine Nachfolge nur über den Weg der Selbstverleugnung und des Kreuzes führt. Die Selbstverleugnung meint, dass du das, was dein Ich will, ignorierst. Das bedeutet praktisch, dass du dich nicht mehr vom Eigenwillen, sondern von den Willen des Vaters leiten lässt. Das Kreuz auf sich nehmen bedeutet, dass du nach dem Vorbild des Herrn dein Leben zur Erlösung der Menschen investierst, auch wenn dies mit Spott und Leiden verbunden ist. Sein Weg, soll dein Weg sein. Sein Ziel soll dein Ziel. Dein Leben soll in tiefer Verbundenheit mit Christus stehen. Und wie soll das geschehen?

Lese wir Vers 25: Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.

Der nicht bekehrte Mensch hat eine Lebensperspektive, die nur bis zum Tod reicht. Bis dahin möchte er sein Leben maximieren. Er möchte möglichst viel gewinnen und wenn es geht die ganze Welt, um sich selbst zu erhalten. Alles was nicht diesem Ziel dient, empfindet er mit einem Verlustgefühl.

Doch du, der du glaubst, sollst aufhören danach zu trachten, dein Leben zu erhalten. Gebe stattdessen dein Leben für Jesus aus. Schütte deine letzte Lebensmünze für das Werk Christi aus. Investiere dein ganzes Leben für die Erlösung der anderen Menschen. Was passiert dann, wenn du das tust? Wirst du dann untergehen?

Nein, die Ironie bei dem Ganzen ist, dass du dadurch das Leben, nämlich das ewige Leben erhalten wirst, während der ungläubige Mensch das Leben verlieren wird, nämlich am Tage des Gerichts, selbst wenn es ihm gelungen ist, die ganze Welt zu gewinnen.

Deswegen lasst uns die Person und das Werk Jesu Christ gut verstehen, damit wir den Weg der bedingungslosen Nachfolge einschlagen.

Lesen wir zum Schluss noch einmal das Leitwort: Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn (Mt. 16. 16)

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Ein Gedanke zu „Predigt: Matthäus 16,1 – 28

  1. Mit ganz großem Gewinn lese ich jetzt schon seit einiger Zeit die Predigten von UBF Heidelberg. Da ich bisher noch zu jeder Bibelstelle eine entsprechende Predigt gefunden habe, kann ich vielleicht sogar davon ausgehen, dass es ein kommentarähnliches Kompendium für das ganze Neue Testament, vielleicht sogar für die ganze Bibel gibt. Auf diese Frage hätte ich allzugern eine Antwort. als Leiter eines kleinen deutschsprachigen Hauskreises in Somerset West am Kap sind die Beiträge von UBF Heidelberg wegen ihrer Worttreue und ihrer klaren evangelikalen Ausrichtung eine hoch geschätzte Hilfe bei der Vorbereitung der Bibelstunden. für eine kurze Beantwortung meiner Frage wäre ich Ihnen sehr dankbar. organisatorisch sind wir übrigens als Evangelische stadtmission am Kap der Pilgermission St. Chrischona angeschlossen. Herzliche Grüße von unserem frühlingshaften Kap und Gottes Segen Ihr Karl-Hermann Tofaute

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