Predigt: Matthäus 13,24 – 43

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Das Himmelreich gleicht …

Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich gleicht
einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte.“

(13,31)

Letzten Sonntag haben wir durch Jesu Gleichnis vom Sämann gelernt, dass das Wort Gottes wie ein Same ist und viel Frucht in uns hervorbringt, wenn unser Herzensboden wie gutes Land ist. Im heutigen Text erzählt Jesus drei weitere Gleichnisse, von denen jedes mit den Worten beginnt: „Das Himmelreich gleicht …“ (24.31.33) Jesus will, dass wir die Eigenschaften des Himmelreichs noch besser verstehen können. Obwohl zwei Gleichnisse auf den ersten Blick dem Gleichnis vom Sämann ähneln, lehrt Jesus darin tatsächlich andere, noch nicht genannte Eigenschaften des Himmelreichs. Seid ihr bereit, etwas Neues über das Himmel­reich zu erfahren? Gott segne uns, durch Jesu Gleichnisse das Himmelreich besser zu verstehen!

  1. Vom Unkraut unter dem Weizen (24-30.34-43)

Betrachten wir den Text. Er beginnt mit den Worten: „Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte“ (24). Jesus beginnt ein weiteres Gleichnis über das Himmelreich. Warum erzählte er so viele Gleichnisse über das Himmelreich? Das Himmelreich ist Gottes Herrschaft über uns Menschen, und sie ist ganz anders als alles, was wir Menschen in dieser Welt erfahren können. Kein Mensch kann von sich aus durch Nachdenken oder durch Forschung das Wesen und die Eigenschaften des Himmelreichs erkennen. Jesus redete vom Himmelreich, weil er will, dass wir dessen geheimnisvolles Wesen verstehen und entsprechend leben können. Jesu Gleich­nisse sind für uns eine kostbare, einzigartige Gelegenheit, das Wesen und die Eigenschaften des Himmel­reichs zu verstehen und die Geheimnisse zu erfahren, die vom Anfang der Welt an verborgen waren. Darum redete Jesus alles zum Volk in Gleichnissen und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen (34.35). Dadurch hat Jesus auch die Prophezeiung erfüllt, die sagt: „Ich will meinen Mund auftun in Gleichnissen und will aussprechen, was verborgen war vom Anfang der Welt an.“

Wovon handelt dann das neue Gleichnis Jesu? Jesus spricht über einen Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Doch während die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Es war damals nicht zu vermeiden, dass auf einem Weizenfeld auch etwas Unkraut wächst. Doch hier hatte der Feind des Besitzers heimlich große Mengen von Unkrautsamen auf dessen Acker gesät. Vers 26 sagt: „Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut.“ In Israel gibt es eine Art von Unkraut, die den Weizenpflanzen sehr ähnlich sieht, sodass man sie lange nicht von einander unterscheiden kann. Erst wenn beide ihre Frucht bringen, kann man sie von einander unterscheiden; denn während die Weizenähren bekanntlich hellbeige sind, sind die Früchte des Unkrauts schwarz. Die Knechte, die den bösen Anschlag des Feindes nicht mitbekommen hatten, waren überrascht und fragten den Hausvater: „Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?“ Aber der Hausherr wusste Bescheid. Er sagte: „Das hat ein Feind getan.“ Die Knechte fragten ihn spontan, ob er denn wolle, dass sie hingehen und es ausjäten. Wie antwortete darauf der Herr? Er sprach: „Nein! damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet“ (29). Er lehnte ihren Vorschlag, das Unkraut auszujäten, entschieden ab. Denn er wusste, dass beim Ausjäten des Unkrauts auch unzählige Weizenpflanzen mit ausgerissen würden. Denn praktisch ist es unmöglich, auf einem Getreidefeld alles Unkraut einzeln auszureißen, ohne auch die Weizenpflanzen mit auszureißen, da sie dicht neben­ein­an­der stehen. Weil der Herr das wusste, sagte er entscheiden: „Nein!“

Welchen Plan hatte vielmehr der Herr? Er sagt weiter: „Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune“ (30). Der Herr war keineswegs ratlos, sondern hatte einen perfekten Plan, wie das Problem des Unkrauts unter dem Weizen gelöst werden sollte, ohne dass dabei der Weizen Schaden nimmt. Der Weizen und das Unkraut sollten beide zusammen weiter wachsen bis zur Ernte. Dabei sollten sie weiter ihre Früchte entwickeln, sodass der Unterschied klar zu sehen sein würde. Dann bei der Ernte sollten die Schnitter zuerst das Unkraut aussondern und in Bündeln binden und verbrennen. Aber den Weizen sollten sie in seine Scheune sammeln.

Was Jesus hier erzählt hat, können wir leicht nachvollziehen und verstehen. Aber was bedeutet dieses Gleichnis? Was wollte Jesus damit sagen? „Zum Glück“ baten die Jünger Jesus darum, es ihnen zu deuten, als sie nach Hause kamen (36). Jesu Erklärung war kurz und klar. Er sagte: „Der Menschensohn ist’s, der den guten Samen sät. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel“ (37-39). In diesem Gleichnis repräsentiert der Same Menschen, die auf die Welt als Gottes Acker gesät werden. Jesus selbst sät die Kinder des Reichs als guten Samen in die Welt. Er hat auch uns als Kinder des Reichs in diese Welt gesät. Aber der Teufel, der Gottes Werk immer zerstö­ren und vereiteln will, hat dazwischen viele Samen des Bösen gesät. Als Folge davon müssen die Kinder Gottes überall in der Welt mit Kindern des Bösen zusammenleben. Diese Koexistenz verursacht oft viele Probleme.

In der Bibel finden wir viele Beispiele dafür. Abraham und Abimelech, Jakob und Esau, die Israeliten und die Heiden um sie herum und mitten unter ihnen sind einige Beispiele für das Zusammenleben von Kindern des Reiches und Kindern des Bösen, das Konflikte und Probleme verursacht hat. Ein besonders anschauliches Beispiel ist das von David und Saul, der sich immer mehr von Gott abwandte und als Folge davon David jahrelang nachstellte und ihn umbringen wollte. Oft ist David nur knapp dem Tod entronnen. Manchmal fragte er Gott, warum er ohne Grund verfolgt wurde und warum Gott diese elende Notlage nicht beendete. Viele Menschen fragen angesichts derartiger Leiden: Warum greift Gott nicht ein und bewirkt, dass seine Kinder nicht mehr mit bösen Menschen zusammen leben müssen, wenn er doch allmächtig ist und seine Kinder liebt?

Wie ist das bei uns? Manche von uns leiden unter unbarmherzigen Nachbarn, die jegliche Geräusche ihrer kleinen Kinder nicht ertragen wollen. Manche leiden unter zu strengen Lehrern oder unter zu strengen Professoren, die die Klausuren und Prüfungen absichtlich zu schwer machen, manche Angestellten unter zu ehrgeizigen Vorgesetzten in der Firma; M. Esther leidet zurzeit unter Sachbearbeitern in der Behörde, die ihren dringenden Antrag scheinbar ganz ohne Barmherzigkeit bearbeiten. Aber das ist nicht alles. Das Zusammenleben mit den ungläubigen Menschen kann uns auch dazu verleiten, uns ihnen anzupassen und ihre Lebenseinstellung und Lebensweise zu übernehmen; wir werden von ihnen leicht zur Sünde verleitet, sodass wir unseren Glauben verlieren können. Manche werden von ihren Verwandten oder Kollegen wegen ihres Glaubens verfolgt. In vielen anderen Ländern erfahren zahlreiche Christen massive Benachteiligung und Verfolgung, zum Beispiel in manchen muslimischen Ländern, in Teilen Chinas und in Nordkorea. Wenn wir damit direkt oder indirekt konfrontiert sind, fragen wir uns, warum Gott scheinbar nichts tut. Warum lässt Gott es zu, dass in Nordkorea Tausende von Christen in Arbeitslagern leiden müssen und auch in China viele Christen unterdrückt werden? Dann können in uns weitere zweifelnde Fragen aufkommen: Ist Gott wirklich allmächtig und kann überall wirken? Liebt er mich, sein Kind, überhaupt wirklich so sehr, wie er es gesagt hat? Es sind törichte Fragen, aber sie können uns in so einer Lage schnell kommen.

Doch in diesem Gleichnis gibt Jesus uns eine klare Antwort darauf. Der Herr sprach: „Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte“ (30a). Hier erfahren wir Gottes Weisheit hin und seinen souveränen Plan. Gott hat mit Absicht bestimmt, dass seine Kinder mit den Kindern des Bösen weiter wachsen sollen. Gott tat dies aus Liebe zu uns, weil er uns kennt und vermeiden will, dass bei einer vorzeitigen Trennung viele seiner Kinder mit ausgerissen würden. Darum sollen wir bis zur Ernte mit ihnen zusammen weiter wachsen und reife Frucht hervorbringen und uns so als wahre Kinder Gottes erweisen. Gleichzeitig werden auch die Kinder des Bösen wachsen und ihre Frucht hervorbringen und so klar zeigen, wer sie sind. So hat Gott zum Beispiel auch Saul trotz seiner zunehmenden Bosheit lange Zeit lang regieren lassen, auch wenn er David dabei weiter verfolgt hat. Dabei konnte David geistlich wachsen in Demut, Barm­herzigkeit gegenüber seinen Feinden und so im Bild Gottes wachsen, während Saul immer böser und unbarmherziger wurde und sich als ein Kind des Bösen erwies. So konnte Gott David am Ende wirklich segnen, und sein Urteil über Saul erwies sich als gerecht.

Dass der Weizen mit dem Unkraut zusammen wachsen soll, ist der Beschluss des Herrn für diese Zeit. Aber er hat auch einen klaren Ratschluss, was danach passieren soll. IN Vers 30b heißt es weiter: „und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrennte; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune.“ Wenn die Zeit der Ernte kommt, ist für die Zeit des Leidens vorbei, es kommt die Zeit, in der der Herr das Problem des Unkrauts lösen will. Jesus erklärt in den Versen 40-43, was Gott nach seinem Ratschluss dann tun wird: „Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende der Welt gehen. Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein.“ Lange Zeit konnte man nicht unterscheiden zwischen dem Weizen und dem Unkraut bzw. zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Bösen. Doch weil Gott beides miteinander wachsen lässt bis zur Ernte, wird der Unterschied am Ende ganz klar. So wird auch Gottes Gericht als gerecht offenbar werden und Gott verherrlicht werden. Wie werden dann die Kinder Gottes belohnt werden, die bis ans Ende am Glauben an Gott festgehalten haben? Jesus sagt weiter: „Dann werden die Gerech­ten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.“ (43a) Gott wird uns in sein Reich einziehen lassen. Die Herrlichkeit, die Gott uns dann verleihen wird, wird unvorstellbar groß sein. Wir werden mit großer Macht und Herrlichkeit leuchten wie die Sonne. Jesus fordert uns auf, auf diese gigantische Verheißung wirklich zu hören, und sagt: „Wer Ohren hat, der höre!“

Was können wir hier über Gott erkennen? Wir erfahren hier Gottes große Weisheit und seine Voraussicht, mit der er die Geschichte plant und lenkt. Gott erweist sich hier als wirklich souverän über die ganze Geschichte. Es gibt wirklich nichts, was seiner Kontrolle entzogen wäre oder was er nicht sorgfältig geplant hätte. Alles geschieht nach seinem genialen Plan und Willen. Die Worte im Vers 29 „Nein! damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet“ zeigen, dass im Zentrum seines Interesses das Gedeihen des Weizens bzw. von uns Christen steht. Um unsretwillen wartet er bis zur Ernte, bis unsre Frucht reif ist, damit kein einziger von uns mit ausgerissen wird. Dies zeigt, wie sehr er uns liebt und sich um unser Heil kümmert, Es zeigt auch, dass alles in seinem Ratschluss eingeschlossen ist, nicht nur das Leben seiner Kinder, sondern auch die Existenz des Bösen. Denn obwohl der Böse versucht, Gottes Werk zu verhindern, hat Gott auch dieses Werk in seinem Ratschluss mit eingeschlossen und sorgt mit seiner Weisheit und Souveränität dafür, dass schließlich Gottes Gerechtigkeit triumphiert und Gottes Kinder reichlich belohnt werden.

Was heißt das dann für uns, wie sollen wir dann bis dahin leben? Wir sollen im Hinblick auf diese herrliche Zukunft hier und jetzt mit klarer Identität als gute Saat bzw. als Kinder des Reiches leben. Wir sollen unsere Identität als Kinder des Reichs voll ausleben und ungeachtet der Probleme, die uns durch das Böse begegnen, täglich neu als Kinder Gottes erweisen und was wir hier haben, für seine Ehre einsetzen. Dadurch sollen wir uns immer mehr als Kinder des Reichs erweisen, indem wir täglich darin wachsen, als Gottes Kinder zu denken, zu planen, zu reden und zu handeln. Bildlich gesprochen sollen wir uns immer mehr als Weizen erweisen, indem wir weiter wachsen und die volle, reife Frucht bringen, auch wenn um uns herum das Unkraut seine Frucht des Bösen bringt. Dann werden wir vom souveränen und gerechten Gott am Tag der Ernte reichlich belohnt werden und in seinem Reich unvorstellbar große Herrlichkeit erlangen. Möge Gott uns helfen, mit klarer Identität als Kinder des Reichs zu leben und sie auszuleben, bis Jesus wiederkommt und alle seine Kinder reichlich belohnen wird! Möge Gott dadurch durch unser Leben hier und in der Ewigkeit geehrt und gepriesen werden! Amen.

  1. Vom Senfkorn und vom Sauerteig (31-33)

Nachdem Jesus das bedeutende Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen erzählt hatte, war es ihm bewusst, dass wir noch mehr über das Himmelreich wissen müssen. Darum erzählte er ein weiteres Gleichnis über das Himmelreich. Die Verse 31 und 32 lauten: „Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, so dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen.“ In diesem Gleichnis geht es um das große Wachstum des Himmelreichs. Bestimmt hat jeder von euch schon mal ein Senfkorn gesehen. Das Senfkorn ist das kleinste unter den Samenkörnern. Aber obwohl es so klein ist, wird es, wenn es aufgeht und wächst, größer als alle Kräuter. Wie wir wissen, werden Schnittlauch, Petersilie und Basilikum vielleicht fünf, zehn oder 20 Zentimeter groß. Selbst wenn Salat ungewollt in die Höhe schießt, erreicht er nur etwa 40 Zentimeter. Aber ein Senfkorn wächst und wird viel größer als alle Kräuter; es kann sogar ein Baum von etwa zwei Metern Höhe werden, sodass Vögel kommen und in seinen Zweigen wohnen können.

Mit diesem Gleichnis zeigt Jesus anschaulich das enorme Wachstumspotenzial des Himmelreichs. Das Reich Gottes fängt sehr klein an, oft damit, dass in das Herz eines Menschen ein Wort Gottes eindringt. So hat es wohl auch bei den meisten von uns angefangen. Doch obwohl Gottes Herrschaft anfangs kaum zu sehen ist, wächst sie in ganz erstaunlichem Maße, bis sie groß und stark wird wie ein Baum. Jesus selbst kam als ein kleines Baby auf die Erde, später wirkte er als ein einzelner Prediger in dem kleinen Land Israel und pflanzte das Reich Gottes in die Herzen einiger Jünger. Nach Jesu Tod und Auferstehung gab es nur eine kleine Schar von Jüngern. Aber durch sie wuchs das Reich Gottes mächtig, und es entstand durch sie nicht nur in Jerusalem eine große Gemeinde, sondern es verbreitete sich in viele andere Länder bis hin nach Rom und von dort in die ganze Welt.

Die Tatsache, dass das Himmelreich wie ein Senfkorn ist, schenkt uns eine neue Perspektive und Hoffnung für unser eigenes Glaubensleben und auch für das Evangeliumswerk unter den Studenten. Wir schauen oft nur auf unsere momentane Lage, wie sehr wir im Glauben bisher gewachsen sind oder wie groß unsere Gemeinschaft ist. Wir können aber nicht sehen, was aus unser werden und welche geistliche Größe wir erlangen werden. Durch das Gleichnis vom Senfkorn macht Jesus klar, dass unabhängig davon, wie klein Gottes Reich in uns im Moment in uns und unter sein mag, wir großartig wachsen werden und wie ein Baum werden, bei dem viele heimatlosen Menschen geistlichen Halt und Heimat finden können. Gott möge jeden von uns mit dieser Hoffnung erfüllen! Möge Gott jeden von uns wie einen großen Baum werden lassen, bei dem viele geistlich umherirrenden Menschen Heimat und Heil finden werden!

Nachdem Jesus durch das Gleichnis vom Senfkorn das enorme Wachstumspotenzial des Himmelreichs veranschaulicht hat, erzählte er noch ein anderes Gleichnis, damit wir die Eigenschaften des Himmelreichs noch vollständiger begreifen können. Lesen wir den Vers 33: „Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“ Bis heute ist Sauerteig als Alternative zur Hefe ein gebräuchliches Mittel zum Brotbacken. Eine kleine Menge Sauerteig reicht aus, um eine große Menge Mehl zu durchsäuern und so dafür zu sorgen, dass der Teig beim Backen aufgeht und die erforderliche Luftigkeit und den für Brot typischen, leicht säuerlichen Geschmack hat.

Jesus sagt, dass das Himmelreich wie ein Sauerteig ist. Damit sagt er anschaulich, wie stark Gottes Herrschaft einen Menschen durch und durch durchdringt. Während das Gleichnis vom Senfkorn also das sichtbare quantitative Wachstum von Gottes Reich veranschaulicht, zeigt uns das Gleichnis vom Sauerteig vor allem das qualitative Wachstum bzw. unsere innere Veränderung. Es ist für uns wichtig zu wissen, dass Gottes Reich wie ein Sauerteig ist. Auch wenn es anfangs so aussieht, als ob nur ein kleiner Teil von uns von Gottes Herrschaft geprägt wäre und ein großer Teil noch unverändert zu sein scheint, dürfen wir wissen, dass nach und nach doch alles in uns durch­drungen und verändert werden wird. Das Himmelreich wird uns durchdringen, bis unser ganzes Wollen, Denken, Reden und Tun davon geprägt ist. Diese Eigen­schaft des Himmelreichs bezieht sich nicht nur auf uns als einzelne Gläubige. Gottes Herrschaft wirkt vielmehr wie Sauerteig auch in unserer Familie und Gemeinde, in unserem Freundeskreis, in unserer ganzen Gesellschaft und letztlich in der ganzen Welt. Jesus schenkt uns hierdurch also eine feste Zuversicht auf unsere eigene völlige Veränderung und auf die Veränderung der Menschen, für die wir beten und denen wir das Evangelium nahe bringen. Wir dürfen feste Zuversicht haben, dass wir vom Sauerteig des Evangeliums immer mehr durchdrungen und davon völlig verändert werden, wenn wir damit nur richtig in Berührung kommen. Wir sollen unser Glaubensleben mit dieser Hoffnung zuversichtlich führen.

Heute haben wir drei wichtige Gleichnisse Jesu über das Himmelreich gehört. Wir haben gelernt, dass wir auch unter Schwierigkeiten mit klarer Identität als Kinder des Reichs unter den ungläubigen Menschen leben sollen, in der Zuversicht, dass alles nach Gottes Ratschluss geschieht und er uns am Ende reichlich belohnen wird. Durch dieses Gleichnis könnte bei den Zuhörern der Eindruck entstehen, dass es beim Glaubensleben vor allem darum geht, Leiden auszuhalten und unser Leben mehr oder weniger kümmerlich zu fristen. Aber die zwei folgenden Gleichnisse haben uns eine ganz andere Seite vom Himmelreich gezeigt, nämlich dass es eine explosive Wachstumskraft hat, und zwar sowohl was die quantitative als auch die qualitative Entwicklung angeht. Darum dürfen wir unabhängig davon, welche geistliche Größe wir bisher erlangt haben, mit der Gewissheit leben, dass wir enorm viel wachsen und wie ein Baum werden, in bei dem in er Zukunft viele Menschen Zuflucht finden werden. Denn das Himmel­reich wird weiter in uns wirken und unser Inneres verändern, bis wir ganz davon geprägt sind. Möge Gott uns helfen, mit dieser Hoffnung zu leben, und sie verwirk­lichen! Möge Gott uns vor allem helfen, in dieser Welt mit klarer Identität als Kinder seines Reichs zu leben und trotz verschiedener Probleme weiter zu wachsen und Frucht zu bringen und Gott zu verherrlichen!

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