Predigt: Matthäus 12,22 – 50

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Wer den Willen tut meines Vaters im Himmel

Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel,
der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.“

(12,50)

Letzte Woche haben wir erfahren, dass Jesus das geknickte Rohr nicht zerbricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht; Jesus ist voller Barmherzigkeit. Doch wie die Menschen mit Jesus umgingen, war ganz und gar nicht dem entsprechend; wir sehen heute, wie Jesus für seine guten Taten verleumdet und verlästert wurde. jemand könnte denken: ‚Dass die Pharisäer Jesus immer kritisieren, weiß ich schon, die waren halt so negative, verbohrte alte Männer.’ Aber damit denken wir zu oberflächlich über ihr Verhalten. Wir erfahren heute, was für eine ernste Angelegenheit es in Wirklichkeit war, dass sie Jesus und seinen Werken gegenüber immer kritisch und ablehnend blieben, und welche schlimmen Konsequenzen das hatte. Der heutige Text fordert auch uns dazu heraus, uns selbst vor Gott zu erkennen. Vor allem können wir auch erfahren, was wir tun sollen, damit wir nicht wie die Menschen werden, die Jesus im heutigen Text warnen und tadeln muss. Möge Gott jedem ein offenes Herz und einen demü­ti­gen Geist geben, sodass er uns heute segnen kann!

  1. Jesu Macht über die bösen Geister (22-37)

Betrachten wir den Text. Vers 22 sagt: „Da wurde ein Besessener zu Jesus gebracht, der war blind und stumm; und er heilte ihn, sodass der Stumme redete und sah.“ Zu Jesus wurde ein Mann gebracht, der gleichzeitig blind und stumm war. Aber Jesus erkannte, dass der Mann besessen war, was wohl auch der Grund für seine körperlichen Leiden war. Jesus befreite ihn von der Besessenheit, sodass der Mann wieder reden und sehen konnte.

Wie reagierte das Volk auf die Heilungstat Jesu? Im Vers 23 heißt es: „Und alles Volk entsetzte sich und fragte: Ist dieser nicht Davids Sohn?“ Die Menschen im Volk waren aufs Höchste erstaunt, als Jesus den Mann von seinem Leiden befreite. Sie fragten sich, ob Jesus nicht Davids Sohn, der verheißene Messias, ist. Sie konnten zwar nicht auf der Stelle einen klaren, festen Glauben ergreifen; aber sie dachten entsprechend der Tatsachen von Jesu Werk und auch entsprechend der Worte Gottes, in denen vom Messias vorausgesagt ist, dass die Blinden wieder sehen und die Stummen reden und die Gefangenen frei werden. So konnten sie sich in ihren Gedanken immerhin in Richtung des Glaubens bewegen.

Wie reagierten dagegen die Pharisäer auf das Wunder Jesu? Vers 24 sagt: „Aber als die Pharisäer das hörten, sprachen sie: Er treibt die bösen Geister nicht anders aus als durch Beelzebul, ihren Obersten.“ Als sie von Jesu Heilstat erfuhren, behaupteten sie, dass Jesus die bösen Geister durch ihren Obersten austreiben würde. So verleumdeten sie Jesu Heilstat als ein Werk Teufels. Ihre Worte hatten keine Grundlage in Jesu Tat, sondern entsprangen ihrer Phantasie, motiviert durch ihre tiefe Abneigung gegenüber Jesus und ihren Wunsch, den aufkommenden Glauben der Leute zu ersticken.

Wie reagierte Jesus auf ihre schwere Verleumdung? Verse 25 und 26 sagen: „Jesus erkannte aber ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet; und jede Stadt oder jedes Haus, das mit sich selbst uneins ist, kann nicht bestehen. Wenn nun der Satan den Satan austreibt, so muss er mit sich selbst uneins sein; wie kann dann sein Reich bestehen?“ Jesus reagierte nicht zornig oder ungehalten auf ihre boshafte Verleumdung. Vielmehr erklärte er mit logischen Argumenten, warum ihre Behauptung falsch sein musste. Wie wir wissen, kann kein Land und auch keine Familie auf Dauer bestehen, wenn sich die Bürger bzw. die Familienmitglieder gegenseitig bekämpfen. Wenn der Satan gegen seine eigenen Untertanen kämpfen würde, wie die Pharisäer es behaupteten, hätte sein Reich keinen Bestand. Aber tatsächlich ist sein Reich bis heute real existent, der besessene Mann, der blind und stumm war, war eines von vielen Beispielen dafür.

Was sprach noch gegen die Behauptung der Pharisäer? Jesus sagt weiter: „Wenn ich aber die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein“ (27). Auch gläubige Söhne der Pharisäer trieben böse Geister aus. Als die Pharisäer Jesu Werk als ein Werk des Satans verleumdeten, haben sie auch das Tun ihrer Söhne verleumdet.

Jesus hat also anschaulich gezeigt, dass ihre Behauptung, dass er die bösen Geister durch ihren Obersten austreiben würde, unlogisch und verkehrt war. Wenn er also nicht mit Hilfe der finsteren Macht die bösen Geister austrieb, bleibt nur noch eine logische Erklärung, nämlich dass er es durch Gottes Geist tut. Jesus zieht daraus die logische Schlussfolgerung: „Wenn ich aber die bösen Geister durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.“ Dass Jesus Menschen von bösen Geistern befreit, ist ein klarer Beweis dafür, dass das Reich Gottes herbeigekommen ist. Gottes Reich befreit die Menschen, die bislang unter dem Einfluss finsterer Mächte sich hilflos gequält haben, und schenkt ihnen ein neues Leben unter Gottes Herrschaft in Frieden und wahrer Freiheit. Egal, wie sehr jemand bisher auch gefangen war – niemand braucht sich länger unter finsteren Mächten und Sünden wie Begierden, Sorgen und Ängsten zu quälen; denn die Tatsache, dass Jesus in das finstere Haus des „Starken“ eingedrungen ist und einen gefangenen Menschen nach dem anderen von dort herausholt, zeigt, dass Jesus der Stärkere ist und dass ihn nichts und niemand hindern kann, auch jeden anderen von dort noch herauszuholen, der nach seiner Hilfe schreit. Gott sei Dank für Jesus, durch den das Reich Gottes herbeigekommen ist!

Was Jesu erklärte, war sehr logisch und anschaulich. Warum konnten die Pharisäer das dann nicht verstehen, sodass sie so verkehrte, unlogische Gedanken dachten und behaupteten? Es lag nicht daran, dass sie zu wenig intelligent waren oder von geistlichen Dingen keine Ahnung hätten. Es lag daran, dass sie es nicht verstehen wollten. Sie wollten lieber in ihren festen Gedanken und ihrer eigenen Vorstellung bleiben, die sie sich über Gott und über sich selbst gemacht hatten, anstatt die Wahrheit erkennen zu wollen. Das war ein sehr ernstes Problem. Ihre mutwillige Interpretation von Jesu Tat zeigt, dass der Mensch nicht über eine „neutrale Vernunft“ verfügt. Wir neigen dazu zu denken, dass wir in der Lage wären, alle Dinge richtig zu beurteilen, wenn wir nur genug Informationen darüber hätten. Aber das ist nicht wahr. Denn tatsächlich denken wir im Interesse unseres Willens, unsere Vernunft arbeitet nicht neutral, sondern motiviert von unseren Plänen und Wünschen. Entscheidend ist also, was in unserem Herzen ist. Wer wie die Pharisäer Jesus nicht erkennen und ihm dienen will, sondern ihn widerlegen und von ihm unabhängig bleiben will, wird nicht erkennen, was Jesus durch seine Werke und Worte klar offenbart hat. Wir müssen zuerst und immer wieder neu die Bereitschaft aufbringen, Gott und seinen Sohn zu erkennen und seinen Willen zu tun, damit wir fähig werden, aus seinen Offenbarungen die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und ihn zu erkennen, wie er ist. Möge Gott uns dabei helfen!

Welche Warnung sprach Jesus gegen die Pharisäer aus? „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut“ (30). Hier lehrt Jesus klar, dass es keine neutrale Position ihm gegenüber gibt. Bis heute versuchen viele Menschen, eine neutrale Position gegenüber Jesus einzunehmen; dabei meinen sie, dass ihnen das niemand vorwerfen könne, weil sie ja nicht gegen Jesus handeln würden. Aber das ist nicht wahr. So wie man in einem Krieg nicht einfach neutral bleiben kann, so gibt es auch in der geistlichen Realität keine Möglichkeit, neutral zu bleiben. Wer nicht für Jesus ist, ist gegen ihn, und wer nicht mit ihm Menschen für Gottes Reich sammelt, der bewirkt mit seinen Worten und Taten gewollt oder ungewollt, dass Menschen vom Glauben abgehalten oder dabei behindert werden. Gott bewahre uns vor dem trügerischen Versuch, irgendwie eine neutrale Position gegenüber Jesus zu beziehen! Möge jedem von uns helfen, sich klar auf die Seite Jesu zu stellen und mit ihm Menschen zu sammeln und in sein ewiges Reich führen!

Welche weitere Warnung gab Jesus den Pharisäern? Betrachten wir die Verse 31 und 32: „Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den heiligen Geist, dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.“ Damit, dass die Pharisäer Jesu Austreibung der bösen Geister als ein Werk des Teufels verlästerten, begingen sie eine sehr schwere Sünde. Denn sie lästerten damit gegen den Heiligen Geist. Jesus betont, dass den Menschen alle Sünde und alle Lästerung vergeben wird. Wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem kann es nicht vergeben werden. Warum ist das so? Zum einen geschieht die Lästerung durch den Heiligen Geist absichtlich; denn nur der lästert den Heiligen Geist, der den Heiligen Geist kennt, ihn irgendwie erfahren hat. Zum anderen ist der Heilige Geist gerade derjenige, der in uns Menschen die Erkenntnis unserer Sünden und Buße bewirken kann, was die Voraussetzung dafür ist, dass wir von Gott die Vergebung und sein Heil erlangen können. Wer aber den Heiligen Geist zurückweist und gegen ihn redet, verhindert selbst, dass Er in ihm wirken und ihn zur Buße und zum Heil leiten kann. Gott bewahre uns vor dieser Sünde! Gott helfe uns, das Wirken des Heiligen Geist immer anzuerkennen und uns von ihm zur Buße, zum Glauben und zum Gehorsam führen zu lassen!

Wie tiefgehend war das Problem der Pharisäer? Betrachten wir Vers 33: „Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch seine Frucht gut sein; oder nehmt an, ein Baum ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein. Denn an der Frucht erkennt man den Baum.“ Dass sie Jesu Heilungswerk verlästerten, war nicht nur ein „Ausrutscher“ oder eine verbale Entgleisung. Denn so, wie es eine Einheitlichkeit zwischen einem Baum und seinen Früchten gibt, so gibt es auch die Einheitlichkeit zwischen einem Menschen und den Früchten, die er in seinem Leben bringt. Es spielt keine Rolle, wie gut wir von uns selbst denken oder was wir vor den Menschen vorgeben zu sein. Die Früchte, die in unserem Leben tatsächlich entstehen, zeigen, wie es in Wirklichkeit in uns aussieht. Was wir reden und tun und bewirken in unserer Umgebung zeigt, bildlich gesagt, ob wir ein guter oder ein schlechter Baum sind.

Die Pharisäer gaben sich größte Mühe, das Bild von gesetzestreuen, ehrenwerten, frommen Herren zu vermitteln. Aber ihre Worte verrieten, dass sie selbst, ihr Wesen und ihr Herz, tief verdorben waren. Darum tadelte Jesus sie: „Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz“ (34.35). Hier lehrt Jesus nochmals den Zusammenhang zwischen unserem Herzen und den Worten und den Taten, die ein Mensch hervorbringt. Die Worte, die wir sprechen, sind ein Ausdruck dessen, was wir im Herzen haben. Wenn mein Herz mit Gottes Liebe und geistlichen Gedanken erfüllt ist, werde ich solche Dinge sprechen. Wenn ich dagegen lauter ungeistliche und unnütze Dinge sage, zeigt dies, dass mein Herz böse ist. Wir haben oft wenig Problembewusstsein für das, was wir sagen, und halten es für harmloser als unsere Taten. Aber Jesus sagt: „Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Ge­richts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben.“ Gott achtet sehr genau darauf, was wir sagen, es ist ihm sehr wichtig. Gott will, dass wir Worte der Wahrheit sprechen, Worte der Liebe, die den anderen ermutigen und erbauen, die die Menschen auf den wahren Gott hinweisen. Was reden wir vom Morgen bis zum Abend eines einzigen Tages? Wir müssen uns klar werden, dass wir nicht nur für jedes lieblose, unwahre und böse Wort, das wir geredet haben, am Tage des Gerichts Rechenschaft vor ihm geben müssen, sondern sogar für jedes nichtsnutzige Wort, das heißt für jedes Wort, das weder Gott noch unserem Nächsten etwas nutzt. Jesus sagt: „Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden“ (37). Unsere Worte haben vor Gott so große Bedeutung. Unsere Worte bilden die Grundlage, auf der Gott uns rechtfertigen oder verdammen wird. Hier stellt sich uns die brennende Frage: Wie können wir ein gutes Herz bekommen, sodass wir Worte der Wahrheit und der Erbauung reden, die Gott anerkennen kann? Wie können wir ein guter Baum sein und gute Früchte im Leben hervorbringen? Lasst uns diese ernste Frage festhalten und die Antwort darauf am Ende finden!

2. Das Zeichen des Propheten Jona (38-45)

Was forderten daraufhin einige Schriftgelehrte und Pharisäer von Jesus? Vers 38 sagt: „Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen.“ Sie forderten von Jesus ein weiteres Zeichen, obwohl Jesus gerade ein Zeichen getan hatte; aber sie hatten sich geweigert, es anzunehmen.

Wie reagierte Jesus darauf? Es heißt: „Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona.“ Jesus hat hier nicht nur die umstehenden Schriftgelehrten und Pharisäer, sondern das ganze Geschlecht der Israeliten angesprochen. Jesus nannte sie ein böses und abtrünniges Geschlecht. Warum wurde Jesus sie so hart getadelt? Sie forderten ein Zeichen, obwohl sie gerade ein Zeichen erfahren hatten; aber sie hatten es abgelehnt und waren in ihrer ungläubigen Gesinnung geblieben. Das war böse, weil sie es absichtlich abgelehnt hatten, aus Jesu Zeichen die richtige Konsequenz zu ziehen und Jesu anzuerkennen. Sie lehnten Jesu Herrschaft absichtlich ab und wollten weiter unabhängig von ihm so denken und leben, wie sie wollten. Aus dieser Gesinnung heraus, wagten sie es sogar wenig später, Jesus zum Tod zu verurteilen und zu kreuzigen und noch ein gutes Gewissen dabei zu haben. Vor allem lernen wir, dass wir eine hohe Verantwortung haben, dass wir aus den Offenbarungen Jesu die richtige Konsequenz ziehen und selbst uns darum bemühen, dadurch ihn zu erkennen! Möge Gott uns helfen, auf seine Worte und Werke zu achten und daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen und aus Glauben an ihn zu leben.

Obwohl die Menschen so böse und abtrünnig waren, würde Gott ihnen doch ein Zeichen geben, und zwar das Zeichen des Jona. Was bedeutet das? Jesus erklärt es so: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.“ Das Zeichen des Jona, der drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, steht für Jesu Tod und seine Auferstehung am dritten Tag. Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung sind das größte, unmissverständliche und ultimative Zeichen, durch das alle Menschen Gottes Liebe und das Heil in seinem Sohn erkennen können. Selbst die bösesten Menschen haben die Möglichkeit, durch Jesu Kreuz Gott und seine Barmherzigkeit zu erkennen und zu ihm umzukehren und das Heil zu bekommen.

Doch Jesus wusste, dass die meisten Menschen auch auf dieses großartige und ultimative Zeichen nicht reagieren und keine Buße tun würden. Durch ihre hartnäckige Ablehnung der Offenbarung Gottes und seines Heils würden sie sich Gottes Gericht zuziehen. Jesus sagt: „Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo“ (41.42). Hier wird ihre Sünde, dass sie keine Reaktion auf Jesu Werke zeigten, sehr deutlich, besonders durch den Vergleich mit Menschen aus alttestamentlicher Zeit. Die Leute von Ninive hörten nur die eine Predigt des Propheten Jona, der ihnen den Untergang ihrer Stadt voraussagte; sie hörten keine anderen Predigten und sahen auch keine Wunder. Aber als sie das hörten, taten sie daraufhin Buße. Dagegen hatten die Menschen zur Zeit Jesu die vielen Predigten Jesu einschließlich der wunderbaren Bergpredigt und sahen seine gewaltigen Wunder, die monatelang unter ihnen geschahen; aber obwohl sie so viel Offenbarung hatten, taten sie keine Buße wegen ihrer Unbußfertigkeit und Unwillen, Jesus anzuerkennen und sich unter seine Herrschaft zu stellen. Wegen ihrer hartnäckige Ignoranz und Unbußfertigkeit und ihrem absichtlichen Unglauben würden die Leute von Ninive ihre Richter sein. Die Königin von Süden hatte von der Weisheit von Salomo gehört und reiste von Äthiopien nach Israel, um seine Weisheit zu sehen und zu hören, obwohl es sich nur um die Weisheit eines Menschen handelte. Jesus sagt: „Und siehe, hier ist mehr als Salomo.“ Jesus ist der Sohn Gottes. Er redete mit göttlicher Weisheit über die Geheimnisse des Himmels und den richtigen Weg im Leben hier auf der Erde. Aber die Menschen bemühten sich kaum, seine Predigten zu hören und richtig zu verstehen. Sie mussten nur ein paar Straßen weiter gehen, um seine Worte zu hören, und sich zu Hause etwas Zeit zu nehmen, um die Bedeutung zu bedenken und zu finden. Aber sie waren geistlich faul und hatten keinen großen Wunsch, die Wahrheit zu erkennen und selbst verändert zu werden. Sie würden wegen ihrer ignoranten Haltung gegenüber Gott von der Königin vom Süden verdammt werden. Dies war eine sehr ernste schreckliche Ankündigung. Andererseits sehen wir hier die große Bedeutung der Buße: Buße wendet das Schicksal des Menschen, egal, wie groß die Sünde des Menschen sein mag. Auch der böseste Mensch hat Hoffnung in Gott, wenn er Buße tut.

Danach spricht Jesus noch einmal über die bösen Geister. Betrachten wir die Verse 43-45: „Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. Dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er’s leer, gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andre Geister, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und es wird mit diesem Menschen hernach ärger, als es vorher war. So wird’s auch diesem bösen Geschlecht ergehen.“ Hier spricht Jesus anschaulich über die Gefahr der Rückkehr böser Geister, nachdem man von ihnen befreit worden ist. Ein Mensch ist vergleichbar mit einem Haus. Wenn wir Jesu Reinigung und Hilfe erfahren haben, ist es wichtig, dass wir nicht ein leeres Haus bleiben, sondern bewusst Jesus über unser Lebenshaus herrschen und es von ihm erfüllen lassen. Wer das nicht tut, dem wird es nachher schlimmer ergehen als vorher.

Betrachten wir nochmals das Ende dieses Abschnitts. Jesus sagt im Vers 45b: „So wird’s auch diesem bösen Geschlecht ergehen.“ Was Jesus hier über die Rückkehr der bösen Geister in das leer stehende Haus sagt, bezieht sich auch auf das Volk der Israeliten. Sie hatten in der Vergangenheit immer wieder Götzen gedient und waren so unter den Einfluss böser Geister geraten. Gott hatte immer wieder Richter zu ihnen gesandt, die sie ermahnten und ihnen halfen, zu Gott zurückzukehren und seine Hilfe zu suchen. Aber sie fielen immer wieder in den Götzendienst zurück, bis Gott sie schließlich aus ihrem Land warf und in die babylonische Gefangenschaft schickte, wo sie ihre Sünden unter Tränen bereuten und zu Gott umkehrten. Als etliche von ihnen nach 70 Jahren wieder in ihr Land zurückkehrten, wollten sie auch geistlich einen neuen Anfang machen. Politisch wurden sie von verschiedenen anderen Ländern besetzt, zuletzt von den Römern, aber geistlich waren sie wie ein Haus, das leer stand. Sie sollten dringend Jesus aufnehmen und ihr Haus von ihm beherrschen und erfüllen lassen. Aber das taten sie nicht, weil sie ihn nicht als Herrn und Christus anerkennen und unter seiner Herrschaft leben wollten. Jesus wusste das und sagte mit den Worten im Vers 45b voraus, dass es ihnen nach ihrer Ablehnung schlimmer ergehen würde als früher. Diese Voraussage Jesu hat sich buchstäblich in der Geschichte erfüllt. Im Jahr 70 n. Chr. belagerten die Römer Jerusalem, das voll mit Pilgern war, und zerstörten es völlig. Etwa eine Million Menschen kamen um. Die übrig gebliebenen Israeliten wurden überall hin zerstreut und mussten über einen Zeitraum von etwas 2000 Jahren sehr viel Leid erdulden.

Eigentlich hatte Gott Israel dazu bestimmt, ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk zu sein, durch das er alle Völker der Erde segnen kann. War durch das Versagen Israels Gottes Plan gescheitert? Nein! In diesem letzten Abschnitt erfahren wir von Jesu wahren Verwandten, von seiner geistlichen Familie, die zu einer großen Gemeinde heranwuchs und praktisch das neue Israel wurde, durch das Gott wirken und Ehre nehmen will.

3.   Jesu wahre Verwandte (46-50)

Betrachten wir die Verse 46 und 47. Als Jesus noch zu dem Volk redeten, standen seine Mutter und seine Brüder vor dem Haus und wollten mit ihm reden. Jemand sagte Jesus darüber Bescheid: „Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden.“ Eigentlich war es damals selbstverständlich, dass Jesus zu seiner Mutter und seinen Brüdern hinausgehen sollte, da bei den Juden die Familienbindung als die stärkste Bindung galt. Doch was antwortete Jesus, anstatt zu ihnen hinauszugehen? Es heißt weiter: „Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter, und das sind meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.“ Hier hat Jesus die neue geistliche Familie verkündigt, die er zusammen mit all denen bildet, die Gottes Willen tun. Wie großartig ist es, dass, wenn wir Gottes Willen tun, Jesus uns als seine Brüder und Schwestern erachtet. Wenn ich Gottes Willen tue, bin ich ein Bruder Jesu, des Sohnes Gottes. Wenn wir Brüder und Schwestern Jesu sind, dann sind wir auch untereinander Brüder und Schwestern. Man sagt, dass Blut dicker ist als Wasser, das heißt, dass die Blutbeziehung die wertvollere und wichtigere Beziehung ist als alle anderen. Aber Jesu Worte und sein Verhalten machen klar, dass die neue Familienbeziehung in Jesus die noch größere Bedeutung hat, da sie unmittelbar von Gott gestiftet und aufrechterhalten ist und weil sie ewig bleibt. Jesu Familie war anfangs klein; aber sie wuchs ständig und bildet das neue Israel, das Gott für sein Werk, alle Völker der Erde zu erlösen, kostbar gebrauchen will und gebraucht.

Hier bekommen wir auch die Antwort auf unsere brennende Frage, nämlich: Wie kann ich ein guter Baum werden und gute Früchte bringen, obwohl ich jetzt nicht so bin? Wir können uns nicht einfach verändern und uns von selbst in gute Bäume verwandeln, die gute Früchte bringen. Aber wir können auf Jesus hören und Gottes Willen tun und in der Verwandtschafts­bezie­hung zu ihm leben, das heißt als Jesu Bruder bzw. als Jesu Schwester mit ihm eng verbunden leben. Durch unser tägliches Leben in enger Verbundenheit mit Jesus und unser prak­tisches Tun von Gottes Willen wird er uns verändern und unser Denken, unser Wollen und Trachten, unser Reden und unser praktisches Tun dem eines Bruders bzw. einer Schwester Jesu immer mehr entsprechend machen, sodass wir tatsächlich so, wie er uns ansieht, auch werden, nämlich seine Brüder und Schwester, die geistlich gesinnt sind und heilig leben. Anders gesagt wird Jesus uns durch unseren Gehorsam und verbundenes Leben mit ihm zu guten Bäumen verwandeln, die viele gute Früchte bringen.

Lesen wir zum Schluss noch einmal das Leitwort: „Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.“ Möge Gott uns helfen, entspre­chend der Realität zu denken und Jesus aufgrund seiner Werke zu erkennen, zum anderen auch uns selbst aufgrund der Früchte in unserem Leben zu erkennen, anstatt in einer trügeri­schen Phantasiewelt zu leben. Möge Jesus uns helfen, Gottes Willen zu tun und als Jesu Brüder und Schwestern eng mit ihm verbunden zu leben, damit wir von ihm von innen her verändert werden und von Herzen gute Worte reden und viele gute Früchte bringen werden!

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