Predigt: Habakuk 3,16-19

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Aber ich will mich freuen des HERRN

Aber ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil.“

(3,18)

Das Verlangen nach Freude und Glück ist ein grundlegender Wunsch aller Menschen. Niemand wünscht sich vom Herzen, unglücklich zu sein, oder? Tatsächlich brauchen alle Menschen Freude im Leben, durch die wir Motivation und Kraft erhalten. Darum suchen alle bewusst oder unbewusst irgendwie nach Freude. Wo sucht man nach Freude? Viele suchen Freude durch Erfolg in Studium und Beruf oder in ihrem Hobby, viele suchen Freude durch den Besitz bestimmter Dinge, durch Unterhaltung und Erlebnisse in der Freizeit und durch die Beziehung zu anderen Menschen. Aber die Freude, die wir durch solche Dinge finden, stellt sich oft nicht so ein, wie wir es erwartet haben, vor allem vergeht sie schnell, wenn das Alltagsleben wieder beginnt. Wenn außerdem ernste Probleme in unserem Leben auftreten, geht die Freude leicht völlig verloren und unser Denken und Fühlen wird von den Problemen überschattet. Wo können wir dann wahre bleibende Freude? Im heutigen Text erfahren wir, wie Habakuk sich freuen und von Herzen fröhlich sein konnte, selbst als er mit schweren Bedrängnissen konfrontiert war. Lasst uns sein Geheimnis lernen!

Betrachten wir den Text! Vers 16 beginnt mit den Worten „Weil ich solches höre …“ Manche von uns können sich vielleicht noch daran erinnern, was Habakuk von Gott gehört hatte. Nachdem Habakuk sich im Kap. 1 bei Gott darüber beklagt, dass es in seinem Volk so viel Sünde und Unrecht gab und dass Gott tatenlos zusah, hatte Gott ihm angekündigt, dass er die Sünde des Volkes richten würde, indem die Chaldäer (die Babylonier) das Land erobern würden. Habakuk war klar, dass die Eroberung durch die Babylonier das Volk Israel sehr hart treffen würde. Sie würden so rücksichtslos das Land verwüsten, dass es für sein Volk buchstäblich nichts mehr zu essen geben würde. Wie ging es Habakuk, als er das hörte? Er sagt in den Versen 16 und 17: „Weil ich solches höre, bebt mein Leib, meine Lippen zittern von dem Geschrei. Fäulnis fährt in meine Gebeine, und meine Knie beben. Aber ich will harren auf die Zeit der Trübsal, dass sie heraufziehe über das Volk, das uns angreift. Da wird der Feigenbaum nicht grünen, und es wird kein Gewächs sein an den Weinstöcken. Der Ertrag des Ölbaums bleibt aus, und die Äcker bringen keine Nahrung; Schafe werden aus den Hürden gerissen, und in den Ställen werden keine Rinder sein.“ Habakuk war bei dem Gedanken an die Leiden, die seinem Volk bevorstanden, tief erschüttert. Er litt so sehr darunter, dass er körperliche Beschwerden hatte. Seine Lippen und sein ganzer Körper zitterten; seine Knie waren weich, und er hatte das Gefühl, dass seine Knochen in seinem Körper verfaulen.

Angesichts schwerer Leiden verlieren die meisten Menschen ihre Freude. Viele hadern mit ihrem „Schicksal“, viele geraten in Sorge, Selbstmitleid und Verzweiflung. Doch obwohl Habakuk über das bevorstehende Gericht betroffen war, konnte er ganz anders damit umgehen. Er versank weder in Furcht noch in Bitterkeit, sondern traf eine bemerkenswerte Glaubensentscheidung. Lesen wir gemeinsam den Vers 18: „Aber ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil.“ Trotz der bevorstehenden Leiden beschloss Habakuk, sich zu freuen. Er freute sich über Gott, der die Quelle seiner Freude war. Habakuk hatte gelernt, sich in allen Situationen im Herrn zu freuen und fröhlich in ihm zu sein.

Eigentlich möchte jeder sich jederzeit freuen können. Ist das möglich? Ist für einen gläubigen Menschen richtig? In unserer Zeit wird in der Werbung und oft auch in Musik und Filmen der Eindruck erweckt, dass es in der Welt Freude gäbe, dass sogar Sünde ein Weg sei, um Freude zu erleben. Dagegen könnte man denken, dass das Leben im Glauben durch und durch eine ernste Sache sei und mit Freude nicht so viel zu tun hätte. Welche Bedeutung hat die Freude für uns Menschen nach der Bibel? In der Bibel lesen wir gleich am Anfang in 1.Mose 2, dass Gott für den Menschen den Garten Eden mit vielen Dingen ausgestattet hat, die dem Menschen Freude bereiten sollten, zum Beispiel gab es dort allerlei Bäume, die verlockend anzusehen und gut zu essen waren, es gab auch Gold und Edelsteine im Garten, die keinen praktischen Nutzen für den Menschen hatten, sondern dazu geeignet sind, ihn zu erfreuen. Freude zu haben ist demnach ein Bedürfnis, das Gott in den Menschen gelegt hat und das Gott selbst auch stillen will. Gott will, dass wir ihn verherrlichen und uns an ihm erfreuen. In Philipper 4,4 heißt es: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ Die Stelle in 1. Thessalonicher 5,16-18 sagt: „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ Gott will, dass wir uns allewege, das heißt in allen Situationen in ihm freuen. Wie ein Vater sich freut, wenn er sieht, dass seine Kinder sich freuen und glücklich sind, so freut sich auch unser himmlischer Vater, wenn er seine Kinder fröhlich sieht. Doch wie können wir uns allezeit freuen? Im Allgemeinen ist die Freude sehr von der Situation abhängig. Wir freuen uns, wenn wir eine Klausur bestanden oder eine Gehaltserhöhung in der Firma bekommen oder etwas Schönes erlebt haben oder wenn unsere Lieblingsmannschaft im Fußball gewonnen hat. Aber solche Freude verschwindet allzu schnell, wenn die schöne Situation vorbei ist. Wenn in unserem Leben sogar ernste Probleme auftreten, wenn wir zum Beispiel durch eine wichtige Prüfung durchfallen, Konflikte mit unseren Mitmenschen haben, Arbeitslosigkeit, eine schwere Krankheit oder den Tod eines nahe stehenden Menschen erleben müssen, verlieren wir unsere Freude meistens völlig, und unsere Gedanken und unser Gemüt werden von der Situation beherrscht. Wo können wir dann wahre Freude finden und uns in allen Situationen freuen? Lasst uns dazu noch mal genauer betrachten, wie Habakuk gelernt hat, sich auch in unerfreulichen Situationen zu freuen!

Wenn wir uns an das Buch Habakuk erinnern, wissen wir, dass Habakuk sich am Anfang gar nicht freuen konnte. Anfangs war er unzufrieden über seine Mitmenschen und auch über Gott. Er klagte über die Sünde in seinem Volk und beklagte sich bei Gott, der scheinbar nichts dagegen tun wollte. Doch Habakuk kam mit diesem Anliegen zu Gott und betete inständig wegen der Ungerechtigkeit und des Frevels in Israel (1,1-4). Als Habakuk ernsthaft zu Gott betete und nach Antwort suchte, antwortete Gott auf sein Gebet (5-11). Gott zeigte ihm, dass er keineswegs tatenlos bleiben würde, sondern dass er die Chaldäer kommen lassen und durch sie die Sünde des Volkes bestrafen würden.

Der folgende Abschnitt (1,12-2,1) berichtet uns über Habakuks Antwort an Gott. Wenn wir seine Antwort lesen, stellen wir fest, dass Habakuk Gottes Worten ernsthaft zuhörte und sie zu Herzen nahm. Denn er antwortete auf Gottes Worte (1,12-2,1). Dabei nennt er Gott „HERR, mein Gott, mein Heiliger, der du von Ewigkeit her bist“ und „o unser Fels“. Er geht auch inhaltlich auf Gottes Offenbarung ein: er bekennt, dass Gott heilig ist und zu rein, um Böses anzusehen. Er fragt aber auch, warum Gott dann dem Räuber zusehen und schweigen würde, wenn der Gottlose (die Chaldäer) den verschlingt, der gerechter ist als er (Israel). Dies zeigt, dass Habakuk Gott durch sein intensives Beten und Gottes Antwort Gott mehr erkannt hat. Und er setzt es fort, mit Gott zu reden und seine Fragen, was er nicht versteht, an Gott zu richten. Dabei hat er eine erwartungsvolle Haltung; er bringt nicht nur sein Anliegen vor Gott, sondern möchte wirklich Gottes Antwort hören wie ein Wärter, der auf seinem Wachtturm steht und Ausschau hält (2,1).

In Kap. 2 antwortet Gott antwortet erneut auf Habakuks Gebet (2,2-20). Gott offenbart ihm, dass der Gerechte durch seinen Glauben leben wird (2,4). Gott zeigt ihm also, wie er in jeder Zeit und gerade auch in der Zeit des bevorstehenden Gerichts leben soll. Die folgenden Verse offenbaren, wie Gott als gerechter Richter überall die Sünde richten wird. Habakuk lernt, dass Gott in seinem heiligen Tempel ist und dass vor ihm alle Welt stille sein soll – auch er selbst. Habakuk konnte also durch sein beharrliches Beten und Hören noch mehr über Gottes heiliges Wesen und seinen Willen erkennen. Er begreift, wie heilig Gott ist und wie gerecht, sodass er genau auf alle Menschen achtet und die Sünde sehr wohl gerecht richten wird, auch die der Chaldäer. Er wird von Ehrfurcht vor dem heiligen Gott erfüllt und will lieber vor ihm still sein und auf ihn hören, anstatt seine eigene Meinung zu behaupten.

In Kap. 3 betet Habakuk dann nochmals zu Gott (Habakuks Psalm). Habakuk zeigt in seinem dritten Gebet, dass er Gottes Willen und Werk verstanden und akzeptiert hat. Er hat sich unter Gottes Souveränität gestellt und sie bewusst angenommen. Er kritisiert nicht mehr, sondern betet vielmehr dafür, dass Gottes Werk bald geschehen möge. Er betet erneut um Barmherzigkeit für sein Volk. Er hat sich inzwischen viel mit Gott beschäftigt und lobt Gottes große Taten in der Vergangenheit. Dann denkt er nochmals an das bevorstehende Gericht Gottes. Er ist tief betroffen wegen der Leiden, die seinem Volk und vielleicht auch ihm persönlich bevorstehen. Aber er entscheidet sich, sich im Herrn zu freuen. Trotz aller bevorstehenden Leiden kann er sich nun in Gott freuen. Denn inzwischen hat er Gott so gut kennen gelernt, dass er über Gott begeistert ist. Er hat Gott erkannt als seinen Heiland! Er freut sich über Gott und ist fröhlich, weil er Gott nun kennt und dies macht ihn glücklich. Er freut sich über Gott, der die Quelle der wahren Freude ist, und diese Freude, die aus der Gemeinschaft mit Gott entspringt, kann ihm kein Mensch und auch keine Not nehmen. Er ist fröhlich in Gott, der ihm das Heil geben wird.

Wie konnte Habakuk also selbst angesichts von Leiden Freude im Herrn haben konnte? Er kam zu Gott mit seinen Fragen und Anliegen. Er betete nicht nur so, dass er sein Anliegen vorbrachte, sondern wartete sehnsüchtig auf Gottes Antwort, wie ein Wärter, der auf seiner Warte steht. Das heißt, dass er hörend betete, mit der Bereitschaft, Gottes Antwort zu erfahren und danach zu leben. Als er ernsthaft zu Gott betete, konnte er Gottes Wesen besser begreifen und seinen Willen verstehen. Als er ernsthaft betete, konnte er auch die Souveränität Gottes über die Welt und auch über sein eigenes Leben begreifen und persönlich akzeptieren. Als er Gottes Souveränität über sein Lebens anerkannte, konnte er in diesem Glauben vor Gott Ruhe finden. Er konnte erkennen, dass Gott sein Heiland war, der ihn retten würde. In diesem Glauben konnte er sich im Herrn freuen und auch angesichts von Not vom Herzen fröhlich sein.

Welche weiteren Auswirkungen hatte es, als Habakuk sich im Herrn freute? Er bekennt im Vers 19: „Denn der Herr ist meine Kraft, er wird meine Füße machen wie Hirschfüße und wird mich über die Höhen führen.“ Als er sich im Herrn freute, empfing er neue Zuversicht und Kraft. Angesichts der bevorstehenden Leiden hatte sein Leib eben noch gezittert und seine Knie gebebt. Aber als er sich trotz allem weiter im Herrn freute, bekam er Kraft und Zuversicht, dass Gott ihm helfen würde, alle Nöte zu überwinden. Die Freude im Herrn war seine Stärke.

Was bedeutet das für uns? Es ist wirklich keine Nebensache, ob wir als Gläubige die Freude im Herrn haben oder nicht. Wenn wir wie Habakuk am Anfang keine Freude im Herrn haben, sondern eher Unzufriedenheit und Murren, ist das für uns ein Hinweis darauf, dass wir Gott noch nicht genug erkannt haben und unsere Beziehung zu ihm noch nicht ist, wie sie sein sollte. Und das ist kein geringes Problem. Wenn wir keine Freude im Herrn haben, verlieren wir den Eifer und die herzliche Kraft. Dann wird unser Glaubensleben wie Stille Zeit, Bibelstudium, Gottesdienst mehr und mehr Gewohnheitssache oder die Ausübung einer Pflicht, und die Mitarbeit im Werk Gottes wird wie eine Last. Wenn uns die Freude am Herrn fehlt, suchen wir unwillkürlich woanders nach Freude. Dann werden wir innerlich von der Situation abhängig wie die anderen Menschen, die Gott nicht kennen. Wenn wir außerhalb von Gott nach Freude suchen, werden wir auch leicht verführbar zur Sünde. Es ist also aus vielen Gründen wichtig, dass wir täglich Freude am Herrn haben und in ihm fröhlich leben. Wir sollen unser Glaubensleben nicht wie Angestellte führen, die ihre Pflicht erledigen, um danach in Ruhe Feierabend machen zu können. Wir sollen vielmehr mit Freude am Herrn leben und ihm von morgens bis abends fröhlich dienen. Nur wenn wir Freude im Herrn haben, können wir Gott wirklich erfreuen. Nur wenn wir mit Freude leben, können wir auf die Menschen in unserer Umgebung einen guten Einfluss ausüben und sie zum Glauben an Jesus einladen. Wenn wir Freude im Herrn haben, bekommen wir stets neue Zuversicht und Kraft, die kleinen und großen Probleme im Leben zu überwinden.

Wie können wir uns dann allezeit im Herrn freuen und fröhlich sein, selbst wenn ernsthafte Probleme uns belasten? Durch Habakuk finden wir eine klare Antwort. Sein Weg steht auch jedem von uns offen. Wie Habakuk sollen wir mit unseren ungelösten Fragen und Problemen zu Gott kommen und im Gebet seine Antwort suchen. Wir sollen so lange inständig zu Gott beten, bis wir Gott verstanden und seinen Willen für unser Leben auch persönlich angenommen haben und vom Herzen dafür beten können. Wenn wir auf diese Weise Gemeinschaft mit Gott haben und unseren Willen dem Seinen unterordnen, bekommen wir tiefe Ruhe im Herzen und große Freude über Gott. Dann können wir uns neu in Gott freuen und allezeit in ihm fröhlich sein.

Ich habe mein Glaubensleben seit langem eher aus Pflichtgefühl geführt als aus Freude im Herrn. Durch den Text habe ich neu gelernt, dass Gott will, dass ich mich in ihm freue und in ihm fröhlich lebe. Ich musste feststellen, dass ich im Alltag oft nicht richtig in Jesus, sondern mehr in meinen eigenen Gedanken und Gefühlen bin, und dass ich nicht nur ihn und seinen Willen suchte, sondern auch mein eigenes Wohl. Ich tat Buße, dass ich Jesus nicht treu gefolgt bin, weil ich auch mein eigenes Wohl und Ansehen gesucht habe, wodurch ich Freude finden wollte. Ich will Jesus konsequent nachfolgen und in jeder Situation fragen, was er will, und das ohne Kompromisse tun, damit ich in ihm bleibe. Ich will meine Stellungnahmen tiefgehender schreiben, damit ich Gottes Wesen und Werk mehr erkenne, und will morgens wieder zur Gebetsstunde kommen und so intensiv auf ihn hören und beten, dass ich täglich mit der Freude im Herrn leben und in ihm fröhlich leben kann. Möge Gott mir dabei helfen!

Lesen wir zum Schluss nochmals das Leitwort, 3,18: „Aber ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil.“ Möge Gott jedem von uns helfen, wie Habakuk mit allen Fragen und Problemen zu Gott zu beten und auf ihn zu hören, bis wir uns in ihm freuen können! Gott möge uns helfen, dadurch in allen Situationen mit der Freude im Herrn zu leben!

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