Predigt: 1.Samuel 12,1-25

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Gott ist der König

Nur fürchtet den Herrn und dienet ihm treu von ganzem Herzen;
denn seht doch, wie große Dinge er an euch getan hat.“

(1.Sam. 12,24)

Was war bisher geschehen? Das Volk hatte nach einem König verlangt, ganz nach Vorbild der Heiden, damit dieser gegen die Ammoniter kämpfen und den Sieg einfahren sollte. Gott willigte ihrem Wunsch ein und befahl Samuel Saul als König über Israel zu salben. Im ersten Zug erfüllte Saul die an ihn gerichteten Anforderungen. Er besiegte die Ammoniter. Von diesem Sieg ausgehend wollte Samuel Sauls Königtum bestätigen und rief das ganze Volk nach Gilgal zusammen.

Hier setzt der heutige Text an. Heute erfahren wir nicht nur Sauls Bestätigung als König, sondern zugleich auch Samuels Rücktritt als Richter. Doch war alles gut gelaufen? War es gut einen König zu haben, anstatt einen Richter? Es ist gerade die bemerkenswerte Abschiedsrede Samuels, die ein klares „Nein“ verkündet. Durch seine Abschiedsrede malte Samuel die geistliche Wirklichkeit vor die Augen des Volkes. Sie hatten in Sünde gehandelt. Nun galt es sich von Sünde zu trennen und gottgefällig zu leben. Somit ist Samuel derjenige, der die eigentliche Botschaft des heutigen Tages hält und seine Botschaft ist, dass Gott König war, König ist und König über sein Volk sein wird. Möge Gott auch unser persönlicher König sein.

Teil I Gott ist Samuels König (1-5)

Wie begann Samuel seine Abschiedsrede? Betrachten wir Vers 1: „Da sprach Samuel zu ganz Israel: Siehe, ich habe eurer Stimme gehorcht in allem, was ihr mir gesagt habt, und habe einen König über euch gesetzt.“ Im Kapitel 8 erfahren wir, wie das Volk einen König begehrte. Sie wollten Samuel und seine Söhne nicht mehr als Richter haben. Dieser Wunsch missfiel Samuel sehr, doch Gott wies ihm an: „Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll.“ (8,7) Somit hat die Gründung der israelischen Monarchie einen bitteren Nachgeschmack.

Was stellte Samuel in seiner Abschiedsrede über sich selbst klar? Betrachten wir Vers 2. „ich aber bin alt und grau geworden, und meine Söhne sind bei euch. Ich bin vor euch hergegangen von meiner Jugend an bis auf diesen Tag.“ Mit Samuel ging eine ganze Ära zu Ende. Sowohl die Ära der Richter, durch die Gott auf theokratische Weise selbst geherrscht und selbst König gewesen war, als auch Samuels eigene beispielslose Amtszeit. Samuel war fast noch ein Kind, als er Richter über Israel wurde und er starb Mitte Achtzig. Somit wird seine Amtszeit auf 70 Jahre geschätzt.

70 Jahre ist eine unheimlich lange Zeit. So lang kann ein ganzes Leben dauern. In einigen Ländern, wie in den USA, ist es selbst dem Staatsoberhaupt nicht gestattet mehr als einmal wiedergewählt zu werden. Und bei vielen Regierungschefs ist man froh, wenn ihre Amtszeit beendet ist. Wie hat aber Samuel seine 70 Jahre im Amt verbracht?

Betrachten wir die Verse 3-5: „Hier stehe ich. Nun tretet gegen mich auf vor dem Herrn und seinem Gesalbten! Wessen Rind oder Esel hab ich genommen, wem hab ich Gewalt oder Unrecht getan? Aus wessen Hand hab ich ein Geschenk angenommen, um mir damit die Augen blenden zu lassen? Ich will’s euch zurückgeben. Sie sprachen: Du hast uns weder Gewalt noch Unrecht getan und von niemand etwas genommen. Er sprach zu ihnen: Der Herr ist euch gegenüber Zeuge und heute auch sein Gesalbter, dass ihr nichts in meiner Hand gefunden habt. Sie sprachen: Ja, Zeuge sollen sie sein.“ In den Nachrichten hören wir immer wieder von Amtsmissbräuchen, von politischen Intrigen, von Korruption, Vetternwirtschaft und sonstigen Skandalen, nicht nur in der Politik, sondern auch auf erschreckende Weise bei schulischen Einrichtungen und bei den Bischöfen der evangelischen und der katholischen Kirche. Diese Vorfälle zeigen, dass der Mensch anfällig für Versuchungen ist und dass er solchen Reizen ausgeliefert ist, wenn er nicht vor Gott lebt.

Nun stellt sich die Frage, wie Samuel ein völlig anderes Leben führen konnte. Und vor allem wie er es 70 Jahre lang tun konnte. „Hier stehe ich“ sagt er. Und er gebraucht dieses Wort als souveräner Richter mit reinem Gewissen. „Hier stehe ich“ zeigt, wo und auf wessen Seite Samuel stand. Er stand nicht auf der Seite von Diebstahl, Gewalt, Unrecht oder Bestechung. Er stand nicht auf der Seite der geistlich Blinden. Er sagte: „Nun tretet gegen mich auf vor dem Herrn“ und „Der Herr ist euch gegenüber Zeuge“. Samuel stand vor dem Herrn. Er war ein Mann, der in seinem gesamten Lebenslauf ein lückenloses Leben vor Gott nachweisen konnte. Und diese Tatsache macht aus Samuel einen außergewöhnlichen Knecht Gottes. Wie konnte er Tag auf Tag ein, Jahr um Jahr, vor Gott leben? Er konnte es tun, weil er Gott als seinen persönlichen König achtete. Sein Lebensziel war, diesem König, Gott dem Herrn, zu dienen und zu gefallen. Er war also jemand, der nicht nur anderen den Weg Gottes lehrte, sondern ihn selbst ging. Das machte ihn zu einem authentischen und glaubwürdigen Mann Gottes.

Was ist aber mit uns? Ist es leicht, dem Beispiel Samuels zu folgen oder ist es sehr schwer? Wir kommen der Antwort näher, wenn wir auf unsere eigene Gemeindegeschichte blicken. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben viele Gottes Berufung unter uns erhalten. Es war Gottes Wille, sie entweder als Hirten oder Missionare zu gebrauchen, um den Heidelberger Studenten das Wort Gottes zu vermitteln. Einige Jahre haben sie treu aus Glauben gelebt und haben ihr Möglichstes getan, um gemäß ihrer Berufung zu wandeln. Aber viele gaben ihre Berufung auf, die sie doch mit großer Freude von Gott empfangen hatten. Es ist also weder selbstverständlich, noch einfach ein Leben lang treu nach der Berufung Gottes zu leben. Uns stellt sich daher die Frage: „Wie können wir ein Leben lang treu vor Gott leben?“

Samuel liefert uns nicht das einzige biblische Beispiel, für ein treues und beständiges Glaubensleben vor Gott. Im Neuen Testament ist es vor allem Apostel Paulus, dessen Glaubensleben Parallelen zu Samuel aufweist. Die Bibel berichtet, dass er ein junger Mann war, als Stephanus gesteinigt wurde. Kurz darauf wurde er von Jesus berufen. Er sollte Gottes auserwähltes Werkzeug sein. Er erhielt die Berufung als Apostel für die Heiden. Wie hat er sein Amt vor Gott getragen? Wir kennen die Antwort bereits. Zur Zeit und zur Unzeit hielt er an seiner Berufung fest, denn sie kam von Gott. „Denn dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!“ (1.Kor. 9,16) Wie Samuel gab er nicht nach, ein Leben gemäß seiner Berufung zu führen. Und nach vielen Jahren und Jahrzehnten der Mission legte er kein „Sabbatjahr“ ein um ein wenig Luft zu schnappen und sich auszuruhen. Er vergaß sein Amt auch dann nicht, als er diversen Schwierigkeiten begegnete, die lebensbedrohlich waren. Und im 2. Korintherbrief hat er eine Anweisung für uns geschrieben, wie wir als Hirten und Missionare leben sollen: „Als Mitarbeiter aber ermahnen wir euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt. Denn er spricht: Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen… Und wir geben in nichts irgendeinen Anstoß, damit unser Amt nicht verläster werde; sondern in allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Trüblsalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Verfolgungen, in Mühen, im Wachen, im Fasten, in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, in Ehre und Schande; in bösen Gerüchten und guten Gerüchten, als Verführer und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht getötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben, und doch alles haben.“ (2.Kor. 6,1-10)

Hätte er in unserer Zeit gelebt, dann hätte er, so glaube ich, dem noch folgendes hinzugefügt: „Erweise dich in allem als einen treuer Diener Gottes, im Studium an der Uni, an deiner Arbeitsstelle, bei der Kindererziehung, lebe nach deiner Berufung, sei ein guter Hirte für die Studenten und hör nicht auf, Gott auch unter großem Druck und Stress zu dienen. Halte fest an Gottes Berufung für dich als Bibellehrer und lehre den guten Weg des Glaubens, bis du am Tage Jesu Christi die Krone der Gerechtigkeit erhältst.“

Lasst uns lernen allezeit treu zu sein und vor unserem großen König zu leben.

Teil II Gott war König in Israels Geschichte (6-12)

Das Volk hatte in geistlicher Blindheit einen König verlangt. Wie hat Samuel ihnen helfen wollen? Betrachten wir Vers 6: „Und Samuel sprach zum Volk: Der Herr ist’s, der Mose und Aaron eingesetzt und eure Väter aus Ägyptenland geführt hat.“ Samuels Hilfe bestand darin, sie an ihre vergangene Geschichte zu erinnern. Die Zeit in Ägypten war für das Volk Israel, jedenfalls in der Schlussphase, eine sehr bittere Zeit der Knechtschaft. Das Volk war vor den Augen der Ägypter nicht viel wert, es musste Frondienst leisten und wurde ihrer neugeborenen Söhne beraubt. Doch Samuel betont, dass der Herr ihnen zwei Leiter aufgestellt und sie aus der Gefangenschaft herausgeführt hat. Und das stimmt, es war der Herr, der Mose und Aaron erwählt hatte und es war der Herr, die die 10 Plagen und die Zerteilung des Meeres bewirkt hat.

Die Befreiung aus Ägypten war erst der Beginn der Wirksamkeit Gottes im Volk. Wie hat sich Gott im Laufe der Geschichte noch als König über Israel erwiesen? Betrachten wir die Verse 8-11. Gott befreite das Volk nicht nur um sie der Wüste zu überlassen. Gott führte sie in das verheißene Land. Gott erwies sich als fürsorglichen und als treuen König. Gott hielt Wort und Gott erwies sich als siegreichen König über die kanaanitischen Völker.

Warum erwähnt Samuel Gottes Handeln in der vergangenen Geschichte? Lesen wir Vers 7: „So tretet nun her, dass ich mit euch rechte vor dem Herrn wegen aller Wohltaten des Herrn, die er an euch und euren Vätern getan hat.“ Israels Geschichte war außergewöhnlich. Israel war das einzige Volk, das Gott zum König über sich hatte, somit waren auch die Wohltaten Gottes, die sie erfahren durften, einzigartig. Es kann keinen besseren König geben, als Gott, denn mit Gott hatten sie einen allmächtigen König. Israel hatte aber einen menschlichen König gefordert. Menschen können Kriege verlieren. Außerdem gilt das Sprichwort: „Irren ist menschlich“. Gott aber ist der vollkommene und wahrhaftige König.

Wieso aber musste Israel erneute Schwierigkeiten begenen, wie etwa neue Bedrohung und Unterdrückung durch Feinde, wenn Gott ihr allmächtiger König war? Betrachten wir Vers 9a. „Aber als sie den Herrn, ihren Gott, vergaßen, verkaufte er sie“. Sie vergaßen den Herrn, ihren Gott! Und gerade dieses Ereignis war die Wurzel all ihrer Probleme. Immer wieder vergaßen sie Gott, ihren mächtigen König, vor allem dann, wenn sie Frieden hatten und es ihnen scheinbar gut ging. Und Gott blieb nichts anderes übrig, als sie durch ihre Feinde zu plagen, bis Israel sich seiner Gottlosigkeit bewusst wurde und sich wieder an Gott wandte. Somit stellt sich Gott nicht nur als einen allmächtigen König heraus, sondern auch als einen erziehenden König. Und es gibt nichts Wichtigeres als geistliche Erziehung. Warum waren Gottes Erziehungsmaßnahmen trotz ihrer Unbequemlichkeit so wichtig? Sie waren wichtig und notwendig, weil Gottes Erziehung ein klares Ziel hat, nämlich Israel zu einem heiligen Volk und zu einem Königreich von Priestern zu formen.

Was geschah, als Israel sich wieder an Gott wandte? Verse 10-11: „Und sie schrien zum Herrn und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir den Herrn verlassen und den Baalen und den Astarten gedient haben; nun aber errette uns aus der Hand unserer Feinde, so wollen wir dir dienen. Da sandte der Herr Jerubbaal, Barak, Jeftah und Samuel und errettete euch aus der Hand eurer Feinde ringsum und ließ euch sicher wohnen.“ Nachdem Israel für die Vergesslichkeit und den Götzendienst Buße getan hatte, wirkte Gott genauso wie in Ägypten. Gott erwählte einen Richter und bewirkte durch diesen die Errettung. Somit stellte sich Gott immer wieder als König über Israel heraus.

Was tat aber das Volk? Vers 12 lautet: „Als ihr aber saht, dass Nahasch, der König der Ammoniter, gegen euch zog, spracht ihr zu mir: Nein, sondern ein König soll über uns herrschen, obwohl doch der Herr, eurer Gott, eurer König ist.“ Die Bedrohung durch Nahasch hatte ein weiteres Mal die Vergesslichkeit des Volkes unter Beweis gestellt. Obwohl der Herr, ihr Gott, ihr wahrer König war und es ist unmöglich, einen besseren König zu haben als Gott, meinten sie ihr Problem wäre das Fehlen eines Königs. Doch das ist nicht wahr und das war nicht ihr eigentliches Problem. Samuel zeigte ihnen ihr wahres Problem. Es bestand darin, dass sie Gott, als ihren wahren König vergessen hatten. Und dieses Problem zeigte ihnen Samuel, durch einen Rückblick über ihre vergangene Geschichte.

Es mag sein, dass wir nur Kopfschütteln für das siebhafte Gedächtnis des Volkes übrig haben. Wieso waren sie so unmöglich? Litten sie an Gedächtnisschwund? Doch ihr Problem war kein Kopfproblem, es war ein Herzensproblem. Wir Menschen neigen nämlich dazu auf unsere gegenwärtigen Schwierigkeiten zu schauen und Gott und die Geschichte zu vergessen. Israels aktuelles Problem waren die Ammoniter, unsere Probleme sind Studium, Arbeit, Kindererziehung. Die gegenwärtigen Schwierigkeiten scheinen wie schwarze Löcher zu sein, die uns zu verschlingen drohen. In solchen Fällen vergessen wir Gott, wir vergessen Gottes Allmacht, Gottes Erziehung, Gottes Werk in der Vergangenheit, Gottes guten Willen in unserer Gegenwart und seinen weisen Ratschluss für unsere Zukunft. Und gerade daraus entstehen die großen geistlichen Probleme in unserem Glaubensleben, die uns zum Stolpern und zu Fall bringen. Und wir versuchen auf eigene Hand eine Lösung zu suchen und stellen dabei unangebrachtes an. Israels Lösungsweg war unangebracht, sie verlangten einen König. So werden auch wir zu unangebrachten Lösungswegen verleitet, wenn wir auf unser gegenwärtiges Problem schauen, anstatt auf Gott.

Wir brauchen deshalb ein Bewusstsein für die Geschichte, in der Gott gewirkt hat. Gott ist auch beides in unserem Leben, der erziehende König, der diverse Schwierigkeiten zulässt, damit wir lernen, uns an ihn zu wenden und zu heiligen und priesterlichen Persönlichkeiten heranzuwachsen und der allmächtige König, der gerne bereit ist uns aus jeglicher Not zu erretten. Möge Gott uns ein klares Bewusstsein schenken.

Teil III Gott ist der gegenwärtige und der zukünftige König (13-25)

Das Volk hatte die Monarchie gewollt und sie wurde zur Realität. Samuel sprach im Vers 13: „Nun, da ist eurer König, den ihr erwählt und erbeten habt; denn siehe, der Herr hat einen König über euch gesetzt.“ Welche Tragweite hatte ihre neue Konstitution? Hatten sie einen König gewonnen und Gott verloren? Hat das mit Sicherheit betrübte und verletzte Herz Gottes sich vom Volk verabschiedet? Die Antwort lautet glücklicherweise „nein“, denn obwohl der Wille des Volkes vom optimalen Plan Gottes abwich, war Gott laut Vers 12 noch immer ihr König, er hat sich nicht verabschiedet.

Wie aber sollte das Volk nun leben, da sie sowohl im Himmel, als auch auf Erden einen König besaßen? Lesen wir Vers 14: „Möchtet ihr doch den Herrn fürchten und ihm dienen und seiner Stimme gehorchen und dem Munde des Herrn nicht ungehorsam sein, und möchtet ihr und euer König, der über euch herrscht, dem Herrn, euren Gott, folgen!“ Die Frage, wem das Volk folgen und wem es dienen sollte, Saul oder Gott, wird durch Samuel unmissverständlich beantwortet. Kein Mensch, auch nicht ein König, kann Gott ersetzten. Es war für ihr Überleben notwendig, den Herrn zu fürchten, ihm zu dienen und seiner Stimme gehorsam zu sein. Selbst Saul, ihr König, musste genau wie jeder andere auch sich an Gott halten und ihm folgen.

Was würde geschehen, wenn das Volk oder der König den rechten Weg verlassen würde? Im Vers 15 warnte Samuel sie vor einen solchen Fehltritt, denn die Hand Gottes würde sich gegen sie richten. Und in den Versen 16-18 gab Samuel ihnen eine kleine Kostprobe des Zornes Gottes. Auf Samuels Bitte geschah ein großes Wunder. Der Herr ließ donnern und regnen, weil sie sich einen König erbeten hatten.

Wie war die Wirkung beim Volk? „Da fürchtete das ganze Volk den Herrn und Samuel gar sehr und sprach zu Samuel: Bitte für deine Knechte den Herrn, deinen Gott, dass wir nicht sterben; denn zu allen unseren Sünden haben wir noch das Unrecht getan, dass wir uns einen König erbeten haben.“ (18b.19) Nun begriff das Volk endlich das Ausmaß ihrer Tat. Sie hatten in Sünde gehandelt und Unrecht getan. Samuel hatte das geistliche Bewusstsein im Volk geweckt. Das war alles andere als einfach. Endlich waren sie aus ihrer geistlichen Blindheit aufgewacht. Sie waren erschüttert und betrübt.

Was würde mit dem Volk geschehen? Betrachten wir die Verse 20-25. Samuel ermutigte sie im Vers 20, sich nicht zu fürchten, sondernd dem Herrn zu dienen. Es war noch nicht zu spät. Warum war es noch nicht zu spät? Vers 22 lautet: „Der Herr verstößt sein Volk nicht um seines großen Namens willen; denn es hat dem Herrn gefallen, euch zu seinem Volk zu machen.“ Alles hängt von Gott ab. Gott hatte allen Grund, das Volk samt seinen König für immer zu verstoßen. Er hatte allen Grund, aus verletztem Herzen für immer Ade zu sagen. Aber Gott verstößt sein Volk nicht, um seines großen Namens willen, denn es hat dem Herrn gefallen, sie zu seinem Volk zu machen.

Gott ist wirklich kein Mensch. Ein Mensch wird unberechenbar, wenn er zutiefst gekränkt und verletzt wird. Gott aber bleibt treu, auch wenn die Menschen untreu werden, er hält an sein Volk fest, selbst wenn sie ihm ins Herz stechen. Gott hat einen großen, majestätischen Namen und in seiner Erhabenheit herrscht er von Ewigkeit zu Ewigkeit. Er thront im Himmel und die Erde ist der Schemel seiner Füße. Und wir leben und weben und sind nur weil er gütig ist. Demnach ist es unsere Pflicht, uns zu beugen, vor ihm auf die Knie zu gehen, auf unser Angesicht zu fallen und seine Majestät zu loben und zu preisen, weil er uns trotz unserer schwachen und sündigen Natur nicht verstoßt, sondern zu seinem Volk gemacht hat.

Womit beendet Samuel seine Abschiedsrede? Betrachten wir erneut die Verse 20-25. Mit aller Schärfe warnt er das Volk vor Götzendienst. Das ist keine angemessene Antwort auf Gottes Güte und Gnade. Und obwohl er dabei war sein Amt niederzulegen, sprach Samuel im Vers 23: „Es sei aber auch ferne von mir, mich an dem Herrn dadurch zu versündigen, dass ich davon abließe, für euch zu beten und euch zu lehren den guten und richtigen Weg.“ Samuel besaß wirkliche Größe vor dem Herrn. Er hielt es für eine Sünde, nicht mehr für sie zu beten und aufzuhören sie den guten und richtigen Weg Gottes zu lehren, obwohl ihn das Volk praktisch abgewählt hatte. Das Volk braucht geistliche Männer und Frauen wie Samuel. Sie sind verloren, wenn sie keinen Knecht Gottes unter sich haben. Beten wir, dass Gott uns zum Segen für das Volk machen möge. Das Beispiel Samuel möge uns ermutigen, ein Leben mit Gott, unserem König, zu führen.

In jungen Jahren berufen musste ich mit ansehen, wie viele Jesus begegneten und ihm enthusiastisch folgten. Doch viele von ihnen begegneten Problemen im Studium oder im Beruf oder gerieten durch das andere Geschlecht in Versuchung und hörten auf unter der Herrschaft ihres wahren Königs zu leben. Mir stellte sich die lebenswichtige Frage: „Wie kann ich bis ans Ende treu unter Gottes Herrschaft leben?“ Es ist notwendig, uns diese Frage zu stellen und eine Antwort darauf zu finden. Der heutige Text ist uns dabei eine große Hilfe.

Betrachten wir zum Schluss das Leitwort, den Vers 24. Dieser Vers ist wie ein persönlicher Brief an uns. Dieser Vers ist eine Anweisung, für unser Glaubensleben. Lesen wir Vers 24 gemeinsam: „Nur fürchtet den Herrn und dienet ihm treu von ganzem Herzen; denn seht doch, wie große Dinge er an euch getan hat.“ Ja, ich will den Herrn fürchten, der König im Himmel ist und ich will ihm dienen, weil er Gott der Herr ist und ich will schauen, wie groß sein Werk unter uns ist.

Ich möchte mit einem Lobvers von Apostel Paulus abschließen: „Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.“ (1.Tim. 1,17)

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