Predigt: Johannes 19,16-42

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Jesu  Kreuzigung  und  Tod

„Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!
und neigte das Haupt und verschied.“
(19,30)

Am vorletzten Sonntag haben wir gehört, wie Jesus gefangen genommen und vor Hannas und Kaiphas verhört wurde. Letzte Woche haben wir erfahren, wie Jesus anschließend vor dem römischen Statthalter Pilatus angeklagt und verhört wurde. Obwohl Jesus sich vor Pilatus als der wahre König zu erkennen gab und Pilatus schnell von Jesu Unschuld überzeugt war, zog er nicht die Konsequenz daraus, Jesus auch als seinen König persönlich anzuerkennen. Schließlich gab er dem Druck der Juden nach und überantwortete ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Unser heutiger Text berichtet über Jesu Kreuzigung und Tod. Dieser Bericht bildet den Höhepunkt in unserem Evangelium und offenbart den Kern von Gottes Erlö­sungs­werk. Am Kreuz sprach Jesus: „Es ist vollbracht!“ Möge Gott uns helfen, Jesu Kreu­zi­gung und Tod neu wahrzunehmen und die Bedeutung für uns neu erkennen!

Teil 1: Jesus wurde gekreuzigt (16b-24)

Was musste Jesus tun, nachdem er von Pilatus zur Kreuzigung überantwortet worden war? Unser Text beginnt mit den Worten: Sie nahmen ihn aber und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha“ (16b.17). Jesus musste sein Kreuz, an dem er sterben sollte, selbst zur Hinrichtungsstätte tragen. Diese Form der öffentlichen Zurschaustellung der zur Kreuzigung Verurteilten diente zu ihrer zusätzlichen Demütigung und zur Warnung und Abschreckung der Bevölkerung. Man hat berechnet, dass das Kreuz etwa 70 Kilogramm gewogen hat. Jesus, der die ganze Nacht hindurch verhört und dabei auch geschlagen und gegeißelt worden war, war erschöpft. Obwohl das Kreuz für ihn zu schwer war, setzte er seine ganze restliche Kraft ein, um das Kreuz zur Hinrichtungsstätte zu tragen. Der unheimlich klingende Name „Schädelstätte“ weist darauf hin, dass an diesem Ort schon andere Hinrichtungen stattgefunden haben. Es war ein Ort des Schreckens und des Todes.

Was taten die Soldaten mit Jesus, als sie auf Golgatha angekommen waren? Betrachten wir Vers 18: „Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.“ Jesus wurde gekreuzigt. Der römische Schriftsteller Cicero bezeichnet die Kreuzigung als eine besonders grausame Form der Hinrichtung. Sie war so qualvoll, dass sie im ganzen römischen Reich nicht bei römischen Bürgern angewendet werden durfte, sondern nur bei Sklaven und Schwerverbrecher aus den Kolonien. Dabei wurde der Verurteilte ausgezogen und auf das Kreuz gelegt. Anschließend wurden lange Nägel durch seine Hände und durch die übereinander gelegten Füße in das Holz getrieben. Dann wurde das Kreuz aufgerichtet und in den Sockel gestellt. Von da an hing der Gekreuzigte mit seinem ganzen Gewicht an den Nägeln durch die Hände und Füße, was unvorstellbare Schmerzen verursachte. Die Hängelage am Kreuz bewirkte akute Atemnot; um nicht zu ersticken, musste er sich immer wieder auf die Nägel gestützt aufrichten, um Luft zu holen. Auf diese Weise vollzog sich unter unbeschreiblichen Qualen langsam der Todeskampf. Dem Verfasser Johannes, der Jesu Kreuzigung als Augenzeuge selbst mit ansah, war es nicht möglich, Jesu Leiden am Kreuz auch nur ansatzweise zu beschreiben. Er konnte nur extrem kurz berichten: „Dort kreuzigten sie ihn.“ Jesus litt am Kreuz unendliche Qualen.

Rechts und links von Jesus wurden zwei Verbrecher hingerichtet. Durch seine Kreuzigung inmitten von Verbrechern sollte Jesus wie der schlimmste Verbrecher erscheinen. Dadurch sollte die Schande, die er durch die Kreuzigung erfuhr, noch vermehrt werden.

Betrachten wir Vers 19: „Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden.Über den Gekreu­zig­ten wurde manchmal ein Schild angebracht, das ihre Schuld benannte. Pilatus ließ am Kreuz Jesu oben ein Schild anbringen, auf dem stand: „Jesus von Nazareth, der König der Juden“. Wir kennen nicht genau den Beweggrund, aus dem Pilatus diese Worte schreiben ließ. Aber unabhängig davon macht diese Aufschrift eine klare Aussage darüber, wer hier am Kreuz starb. Denn was bedeuten die Worte von dieser Aufschrift? „Jesus von Nazareth“ war der Name, unter dem Jesus allgemein bekannt war. Jesus von Nazareth war der gute Hirte, der überall im Land die Kranken heilte und den Armen und Verzweifelten die gute Botschaft vom Reich Gottes predigte. Auf dem Schild stand auch „der König der Juden“. Was bedeutet das? Mit dieser Bezeichnung ist nicht der damals amtierende politische König gemeint, der gar kein Jude war. „Der König der Juden“ ist der wahre König, den Gott seinem Volk durch die Propheten durch die Jahrhunderte hindurch vielfach verheißen hat und der ein ewiges Reich aufrichten wird. Über ihn hat Gott vorausgesagt, dass er in seinem Reich mit Recht und Gerechtigkeit regieren wird, und dass sein Reich ewig bestehen wird. Der Christus ist der wahre König und Retter für die Juden und für alle Menschen. Unabhängig davon, wie gut Pilatus das selbst verstanden hat, verkündete also die Aufschrift am Kreuz die Wahrheit, dass Jesus der Christus, der von Gott verheißene Retter und König ist.

Die Aufschrift an Jesu Kreuz war in drei Sprachen geschrieben, nämlich in der Landessprache Hebräisch, in der Amtssprache Lateinisch und in der damaligen Weltsprache Griechisch. Dadurch konnten Juden, Römer und Menschen aus allen Völkern unmissverständlich erfahren, wer Jesus ist, der hier am Kreuz starb.

Betrachten wir die Verse 20-22. Tatsächlich lasen viele Juden diese Aufschrift, weil der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei Jerusalem war. Die Hohenpriester forderten Pilatus dazu auf, die Aufschrift zu ändern und so die Bedeutung der Worte zu relativieren. Aber Pilatus weigerte sich, ihre Bitte zu erfüllen, und sagte: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben“ (22). Auf diese Weise blieb die Aufschrift auf dem Kreuz unverfälscht und bezeugt die Geschichte hindurch bis heute, dass Jesus der von Gott bestimmte wahre König und Retter für die Juden und für alle Menschen ist und darum hier am Kreuz starb.

Diese Wahrheit, die in den damaligen Weltsprachen verkündigt wurde, steht bis heute unverkennbar da. Sie wurde und wird immer wieder überall dort verkündigt, wo das Evangelium Jesu von Menschen bezeugt wird. Auf unzähligen Bildern und plastischen Darstellungen vom gekreuzigten Jesus in Kirchen, Schulen, Altersheimen, Galerien und Wohnzimmern ist oben am Kreuz die Aufschrift zu sehen, die bezeugt, dass dort Jesus starb, der der König der Juden und der Christus für alle Menschen ist. Diese Botschaft fordert alle Menschen zu einer klaren Stellungnahme heraus. Dies ist von lebenswichtiger Bedeutung. Denn unabhängig davon, was die Mehrheit der Menschen in unserer Zeit darüber denken mag, hat Gott bestimmt, dass alle, die diese Wahrheit vom Herzen bejahen und Jesus als ihren König und Retter annehmen, Gottes Kinder und Bürger seines ewigen Reiches werden. Dagegen werden alle, die Jesus als König ablehnen und verachten, Gottes ewiges Reich nicht sehen und niemals hineinkommen.

Betrachten wir weiter die Verse 23 und 24a: „Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll.“ Während Jesus sich oben am Kreuz unendlich quälte und mit dem Tode rang, verteilten die Soldaten unter dem Kreuz Jesu Kleider. Sie waren getrieben von ihrer Habgier und ignorierten Jesus, der mit dem Tode rang, in krasser Weise. Ihre Einstellung und ihr Verhalten mögen uns erschrecken. Doch sie sind ein Beispiel für den in die Sünde gefallenen Menschen, der Gottes Bild in sich verloren hat und von seiner sündigen Natur bestimmt wird.

Johannes muss eigentlich schockiert gewesen sein, als er das Verhalten der Soldaten sah. Aber Johannes betrachtete dieses Ereignis nicht einfach aus seiner eigenen Sicht; er betrachtete es aus der Sicht der Schrift und konnte dann erkennen, dass sich dadurch die Prophezeiung im Psalm 22 erfüllte, und konnte bezeugen: „So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten(24b). Auch das herzlose Verhalten der Soldaten war eine Erfüllung von Gottes Prophezeiung. Auf diese Weise erfüllte sich bei Jesu Kreuzigung die Schrift bis ins Detail.

Teil 2: „Es ist vollbracht!“ (25-37)

Wer war außer den Soldaten noch beim Kreuz Jesu? Der Vers 25 erwähnt namentlich die Frauen, die beim Kreuz Jesu standen. Sie waren die Frauen, die Jesus als seine Jüngerinnen bereits in Galiläa treu nachgefolgt und mit nach Jerusalem gegangen waren. Während die Jünger schon bei Jesu Gefangennahme geflohen waren, blieben diese Frauen bis zum Ende treu bei Jesus.

Alle Jüngerinnen und auch der Jünger Johannes müssen unter dem Kreuz in tiefer Traurigkeit gewesen sein. Insbesondere für die Mutter Jesu muss es unerträglich gewesen sein, ihren Sohn so grausam und qualvoll sterben zu sehen. Was sagte Jesus, um ihr zu helfen? Betrachten wir die Verse 26 und 27: „Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“ Jesus gab seiner Mutter seinen Jünger Johannes als Sohn, der sie über den Verlust hinwegtrösten sollte. Johannes war der Jünger, der die Liebe Jesu in besonderer Weise angenommen hatte. Gleichzeitig vertraute er seine Mutter dem Johannes als Mutter an, damit er sich um sie wie um seine Mutter kümmern und sie ihr Leben lang beschützen und versorgen würde.

Was zeigt dies über Jesus? Hier zeigt sich, dass Jesus selbst noch in seinem Sterben Raum in seinem Herzen für das Leiden anderer Menschen hatte und sich um sie kümmerte. Wie groß sind das Herz und die Liebe Jesu! Dieses Ereignis zeigt außerdem auch, dass Jesu Kreuzestod Menschen, die eigentlich nicht miteinander verwandt oder sonst wie verbunden sind, verbindet und unter ihnen neue Familienbeziehungen stiftet. Auf diese Weise entstanden und entstehen bis heute durch das Kreuz Jesu unzählige neue Beziehungen, in denen die Gläubigen einander Väter und Mütter und Söhne und Töchter bzw. Brüder und Schwestern werden.

Was sagte Jesus noch am Kreuz? Betrachten wir die Verse 28 und 29. Jesus litt am Kreuz wegen des Flüssigkeitsverlusts unter furchtbarem Durst. Jesus sagte: „Mich dürstet.“ Aber Jesus sagte das nicht einfach, weil er seinen Durst stillen wollte. Es wird betont, dass Jesus das sagte, weil er die Schrift erfüllen wollte. Denn im Psalm 22, dem so genannten messianischen Leidenspsalm, wird sein quälender Durst eindrücklich vorausgesagt. Dort heißt es: „Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub“ (Ps 22,16). Dieses Ereignis bezeugt erneut die detaillierte Erfüllung der Schrift. Es bezeugt auch, welche tiefe Hochachtung Jesus vor der Schrift hatte und dass er bis zur letzten Minute seines Lebens alles dafür tat, um die Schrift zu erfüllen.

Was sagte Jesus schließlich, bevor er starb? Betrachten wir den Vers 30: „Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!, und neigte das Haupt und verschied.“ Dieses Wort war das letzte Wort Jesu am Kreuz nach unserem Evangelium, danach starb er. Wir wollen gemeinsam darüber nachdenken, warum Jesus, der König der Juden, am Kreuz tatsächlich sterben musste, und was sein letztes Wort am Kreuz bedeutet.

Zum einen: Warum musste Jesus am Kreuz so viel leiden und sterben? Wie wir gesehen haben, war Jesu Kreuzigung kein tragisches Justizirrtum oder einfach nur die böse Tat von bösen Menschen. Vielmehr geschah die Kreuzigung Jesu nach dem Ratschluss Gottes und nach seinen Prophezeiungen. Wieso war es aber Gottes Wille und Ratschluss, dass Jesus am Kreuz so sehr leiden und sterben sollte? Am Kreuz offenbart sich Gottes Zorn über die Sünde der Menschen. Wir Menschen haben jeder unsere eigene Einschätzung über die Sünde und halten sie für mehr oder weniger schlimm. Aber am Kreuz zeigt sich, wie schlimm die Sünde in Wirklichkeit ist, dass sie so schrecklich ist, dass der heilige Gott sie nicht ertragen kann. Am Kreuz zeigt sich, dass Sünde unweigerlich das Gericht nach sich zieht. Als Jesus am Kreuz hing, entlud sich Gottes Zorngericht über die Sünde an ihm, weil er die Sünde der ganzen Welt stellvertretend auf sich genommen hatte und trug. Jesus ertrug dort die Strafe, die wir mit unseren Sünden eigentlich verdient hätten und tragen müssten

Ohne Glauben an Gott kann man alles mögliche Gute über den Menschen denken und sagen; die Menschen machen sich eigene Maßstäbe und halten den Menschen für gut oder sogar für herrlich; insbesondere sich selbst halten sie mindestens für gar nicht so schlecht. Aber vor Gott zeigt sich die nüchterne Realität von uns Menschen, wie verkehrt wir sind und wie weit entfernt von Gott und seiner Gnade. Am Kreuz wird offenbar, dass wir Menschen eigentlich hoffnungs­los verloren sind.

Warum verhängte Gott dann also das Gericht über Jesus am Kreuz? Gott tat dies, damit er nicht alle Menschen wegen ihrer Sünde ewig bestrafen muss, sondern damit dadurch Sühne stattfinden und eine Versöhnung zwischen dem heiligen Gott und uns sündigen Menschen möglich wird. Früher mussten die Israeliten, wenn sie eine Sünde begangen hatten, ein Lamm nehmen und es zum Priester bringen und dort ihre Hand auf den Kopf des Lammes legen, bevor der Priester das Lamm zur Sühnung ihrer Sünde schlachtete; auf diese Weise kamen sie durch den stellvertretenden Tod des Lammes zu Gott. Aber dieser Weg war unvollkommen, das Blut eines Opfertiers konnte die Sünde nur oberflächlich bedecken, und man musste immer wieder neue Opfer bringen, wenn man neue Sünden auf sich geladen hatte. Doch Jesus kam und lud als Gottes Lamm die Sünde der Welt stellvertretend für uns auf sich und trug sie ans Kreuz. So heißt es bereits in Kap. 1,29: „Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“

Damit kommen wir zu der zweiten Frage: Was bedeutet es, dass Jesus am Kreuz starb und rief: „Es ist vollbracht!“? Am Kreuz hat Jesus Gottes Willen vollständig erfüllt und sein Erlösungswerk für uns Menschen vollbracht. Jesu Ruf „Es ist vollbracht!“ war sein Siegesruf, weil Jesus den Sieg über die Sünde errungen und dem Willen Gottes vollständig gehorcht hat. Jesus hat am Kreuz die Worte Gottes erfüllt, die Gott im Alten Testament über den Christus und sein Heilswerk vorausgesagt hat. Allein in unserem Text wird vier Mal, nämlich in den Versen 24, 28, 36 und 37, ausdrücklich gesagt, inwiefern durch Jesu Kreuzigung die Prophezeiungen Gottes erfüllt wurden. Dadurch hat sich Jesus als der von Gott verheißene Christus offenbart. Viele weitere Prophezeiungen hat Jesus durch seinen Gehorsam durch sein Leiden und Sterben am Kreuz erfüllt. Durch den Propheten Jesaja hatte Gott über das Werk des Christus Folgendes vorausgesagt: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn“ (Jes 53,4-6). Jesus trug am Kreuz unsere Sünde und starb an unserer Stelle, damit wir Erlösung von der Sünde und Friede mit Gott haben können. Auf diese Weise hat Jesus das Erlösungswerk Gottes vollbracht. Das ist wahr. Jeder der Jesu Tod am Kreuz für seine Sünde persönlich annimmt, wird von Gott als sein Kind angenommen und hat Frieden mit Gott, wie es heißt: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Röm 5,1). Weil Jesus am Kreuz an unserer Stelle starb und so die Strafe für unsere Sünde trug, dürfen wir vor Gott frei von Schuld und Verdammnis leben und in Gemeinschaft mit ihm leben. So heißt es in Römer Kap. 8: „So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“ Weil Jesus am Kreuz unsere Erlösung vollbracht hat, dürfen wir als Gottes Kinder mit der lebendigen Hoffnung auf sein ewiges Reich leben und wissen, dass wir nach unserem Leben hier von ihm dort angenommen und ewig mit ihm herrschen dürfen. Dank sei Jesus, der sich hingab und dadurch unsere Erlösung vollbracht hat!

Wie sollen wir dann aufgrund der Gnade Jesu am Kreuz leben? Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz das Prinzip des Lebens gezeigt, das er gelehrt und nach dem er selbst gelebt hat. In Kap. 12,24.25 hat Jesus dieses Prinzip gelehrt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleib es allein.  Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird es verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben.“ Jesus hat sein eigenes Leben nicht geliebt, sondern er trug sein Kreuz und starb daran. Jesu Opfer und sein Werk sind einmalig, sodass wir es ihm nicht gleichtun können oder müssen. Aber Jesus hat uns eingeladen, ihm nachzufolgen und selbst auch nach dem Prinzip des Lebens zu leben. Wir sollen auch unser eigenes Leben nicht lieben, sondern das Kreuz, das er uns in seinem Werk zur Erlösung der Menschen gibt auf uns nehmen und treu tagen. Möge er uns treu helfen, ihm für seine Gnade dankbar zu bleiben und ihm treu nachzufolgen!

Betrachten wir die Verse 31-37. Die Juden baten Pilatus darum, die Gekreuzigten vom Kreuz abzunehmen, weil noch am selben Abend das Passafest beginnen sollte. Die Soldaten kamen und brachen dem Ersten die Beine, um seinen Tod in kurzer Zeit herbeizuführen. Auch dem anderen, der mit Jesus gekreuzigt war, brachen sie die Beine. Aber als sie zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht. Doch um sicherzustellen, dass Jesus wirklich gestorben war, nahm einer der Soldaten einen Spieß und bohrte ihn in die Seite Jesu. Sogleich floss Blut und Wasser heraus. Dass Blut und Wasser sichtbar getrennt aus Jesu Körper heraus flossen, war ein klarer Beweis dafür, dass Jesus schon gestorben war. Dass Jesus davor verschont wurde, dass ihm die Beine gebrochen wurden, und dass er doch mit einem Speer durchbohrt wurde, entsprach weder der Forderung der Hohenpriester noch einer genauen Anweisung von Pilatus. Dass es dennoch schließlich genau so geschah, war auch eine Erfüllung der Schrift. So sagen die Verse 36 und 37: „Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde (2.Mose 12,46): »Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.« Und wiederum sagt die Schrift an einer andern Stelle (Sacharja 12,10): »Sie werden den sehen, den sie durchbohrt haben.«“ Auf diese Weise erfüllte sich Gottes Ratschluss bis ins Detail.

Im Vers 35 bezeugt Johannes die Authentizität und Glaubwürdigkeit seines Berichts, den er als Augenzeuge geschrieben hat. Er sagt: „Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt.“ Der Bericht über Jesu Tod am Kreuz ist absolut zuverlässig und vertrauenswürdig. Wir dürfen die Erlösung, die Jesus am Kreuz vollbracht hat, jeder vertrauensvoll annehmen. Tun wir das und danken wir Jesus, der nach Gottes Ratschluss am Kreuz Gottes Erlösungswerk für uns vollbracht hat!

Teil 3: Jesu Grablegung (38-42)

Dieser Abschnitt berichtet über die Grablegung des Leichnams Jesu. Dabei traten zwei Männer auf, die beide bis dahin keine klare Haltung gegenüber Jesus gezeigt hatten. Josef von Arimathäa war ein Ratsherr, der den Beschluss der anderen über Jesus aber nicht gebilligt hatte. Er war ein Jünger Jesu, aber er bekannte seinen Glauben nicht offen, weil er sich vor den Juden fürchtete, die Jesus gegenüber feindlich gesinnt waren. Aber Josef bekam nun den Mut, zu Pilatus zu gehen und um den Leichnam Jesu zu bitten und so seinen Glauben an Jesus öffentlich zu bezeugen. Nikodemus war in Kap. 3 Jesus schon einmal begegnet, aber er hatte damals keine Entschei­dung für Jesus getroffen. Nun aber engagierte er sich bei der Grablegung Jesu, indem er eine große Menge von Gewürzen brachte, die für die Zubereitung des Salböls erforderlich waren. Beide bekamen durch Jesu Tod am Kreuz den Mut, sich klar auf die Seite Jesu zu stellen und sich offen zu ihrem Glauben zu bekennen.

Lesen wir zum Schluss nochmals das Leitwort: „Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.“ Wir haben heute Jesu Tod am Kreuz betrachtet. Durch seinen Tod hat Jesus die Schrift erfüllt und das Werk Gottes zur Erlösung der Sünder vollbracht. Dadurch wurde für jeden Menschen der Weg zu Gott und zur Vergebung und zum neuen, ewigen Leben in seinem Reich weit geöffnet. Nehmen wir Jesu Gnade jeder vom Herzen an! Danken wir Gott für Jesus, der unsere Erlösung vollbracht hat!

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